Timetravel #49: Die Schlange auf dem Thron - Horst Weymar Hübner - E-Book

Timetravel #49: Die Schlange auf dem Thron E-Book

Horst Weymar Hübner

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Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der ZeitkugelBand 49von Horst Weymar HübnerDer Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.Der Auftrag:Maria Stuart, Königin von Frankreich und Schottland, war, wie die Dokumente aus ihrer Zeit beweisen, eine eiskalte, liebeshungrige, berechnende und verschlagene Frau. Aber es gibt in ihrem Leben ein großes Geheimnis. Im Jahre 1565 heiratete sie Lord Darnley, der zwei Jahre später das Opfer eines Mordanschlages wurde. Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass sie das Mordkomplott angezettelt hatte. Reisen Sie in das Jahr 1567 nach Schottland und klären Sie Schuld oder Unschuld der Maria Stuart.Konsortium der Sieben

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #49: Die Schlange auf dem Thron

Zeitreise-Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Schlange auf dem Thron

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 49

von Horst Weymar Hübner

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.

 

Der Auftrag:

Maria Stuart, Königin von Frankreich und Schottland, war, wie die Dokumente aus ihrer Zeit beweisen, eine eiskalte, liebeshungrige, berechnende und verschlagene Frau. Aber es gibt in ihrem Leben ein großes Geheimnis. Im Jahre 1565 heiratete sie Lord Darnley, der zwei Jahre später das Opfer eines Mordanschlages wurde. Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass sie das Mordkomplott angezettelt hatte. Reisen Sie in das Jahr 1567 nach Schottland und klären Sie Schuld oder Unschuld der Maria Stuart.

Konsortium der Sieben

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach einem Motiv von Bartholomeus van der Helst, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Prolog

Professor Hallstrom glückte das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Zeitpunkt reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Zielstrebig steuerte Professor Robert Hallstrom auf die Mauer zu, die im Licht des Mondes geisterhaft bleich wirkte. Ben Crocker und Frank Jaeger folgten ihm dicht auf den Fersen und schauten immer verwunderter hinüber nach Holyrood Castle, das ungefähr fünfhundert Schritte entfernt lag. Hallstrom hatte ihnen an diesem kalten Winterabend eröffnet, dass sie diese Nacht ins Schloss der Königin Maria aus dem Geschlecht der Stuarts gehen würden, denn er hätte Informationen, dass dort eine wichtige Zusammenkunft stattfinde.

Leider hatte sich Hallstrom nicht darüber ausgelassen, aus welchen dunklen Quellen er diese Nachricht geschöpft hatte. Und er hatte seinen beiden sehr neugierig gewordenen Mitarbeitern auch nicht eröffnet, welcher Art diese Zusammenkunft sein sollte.

Ben stieß Frank an und sagte leise: „Ich kann mich natürlich verhört haben, aber ich habe es so verstanden, dass wir ins Schloss gehen. Hast du eine Vorstellung, was er mit uns vorhat und wo er da hingeht?“

„Nicht den Schimmer einer Ahnung“, gab Frank zu und zog fröstelnd die Schultern zusammen. Die Nacht war wirklich lausig kalt, und der Wind biss unangenehm durch Wams, Beinkleider und Tuchmantel. „Vielleicht hat er sich die Sache im letzten Augenblick noch anders überlegt.“

„Oder er hat uns nur die halbe Wahrheit über seine Absichten mitgeteilt“, knurrte Ben düster. Er ging ein paar Schritte schneller und holte Hallstrom noch ein Stück vor der bleichen Mauer ein. Irgendein warnendes Gefühl sagte ihm, dass es besser für sie war, wenn sie sich dieser Mauer nicht näherten.

„Haben Sie sich in der Richtung geirrt, Professor?“, fragte Ben und hielt Hallstrom am Arm fest, weil dieser keine Anstalten traf, nun auch stehen zu bleiben.

„Inwiefern?“ Hallstrom befreite seinen Arm aus Bens Griff, drehte sich zu ihm um und hob die Augenbrauen.

„Sie sagten, wir würden zum Schloss gehen. Das liegt dort drüben.“ Ben machte eine knappe Kopfbewegung zu dem dunklen Klotz hin, den die paar zusammengebauten Gebäude in der Dunkelheit bildeten.

„Das ist richtig, und ich wüsste nicht, dass ich meine Absicht geändert habe“, gab Hallstrom zurück. Er blickte nun ebenfalls nach Holyrood Castle. Das Schloss war unbefestigt. Keine Mauer zog sich um die Gebäude herum; es gab, soweit das erkennbar war, auch keinen Wassergraben oder eine Zugbrücke. Im klobigen Mittelbau, der wohl die Prunkgemächer der Königin enthielt, brannte hinter zwei Fenstern im unteren Stockwerk Licht. Die Fenster lagen so hoch, dass man nicht einmal auf einem Pferderücken stehend hätte hineinblicken können. In einem wuchtigen Turm, der an der Giebelseite des Mittelbaues klobig und düster aufragte, brannten in Höhe des dritten Stockwerkes ebenfalls Lichter. Der Schein drang matt und schimmernd aus schmalen Maueröffnungen. Es war nicht zu erkennen, ob diese schmalen Fenster verglast waren, aber wahrscheinlich waren sie das, denn der heftige Wind hätte hineingeblasen und die Kerzenflammen zucken lassen.

„Wie sollten wir in dieses Schloss hineingelangen, ohne seine Bewohner wach zu machen oder unliebsames Aufsehen zu erregen, können Sie mir das verraten?“, fügte Hallstrom hinzu und knetete seine Hände.

„Sie haben das Unternehmen geplant, nicht ich“, erwiderte Ben und zog den Mantel enger um die Schultern. „Ein Sauwetter ist das. Fehlt nur noch, dass wir Schnee kriegen.“ Er schaute zum Himmel hinauf. Es waren keine Wolken zu sehen. Das Milliardenheer der Sterne funkelte und glitzerte unnahbar und kalt.

„Es gibt keinen Schnee“, sagte Hallstrom etwas gereizt. „Nicht, solange der Wind aus Süden bläst. Konzentrieren Sie sich lieber auf unser Vorhaben, statt die klimatischen Verhältnisse zu kritisieren.“

„Ich würde mich ja gerne konzentrieren“, gab Ben zurück. „Nur sehe ich zwischen Ihrem Plan, dem Schloss dort drüben und dieser morschen Mauer hier absolut keinen Zusammenhang.“

Frank war herangekommen. Er wollte auch seine Meinung zu diesem nächtlichen Ausflug kundtun, behielt die Worte aber für sich, denn aus der Nacht drang das dumpfe Poltern von Pferdehufen.

Ben und Frank schauten sich irritiert an. Als sie auf Hallstrom blickten, sahen sie, dass er zufrieden lächelte und nickte, als hätte er nichts anderes erwartet. Er wandte den Kopf, spähte zur Mauer, deren Krone ein ausgewachsener Mann gut mit hochgereckten Händen greifen konnte, und sagte: „Wenn wir nicht entdeckt werden wollen, müssen wir hinüber.“

„Ich habe ein sehr ungutes Gefühl, das will ich Ihnen noch sagen“, brummte Ben. „Und weiter habe ich den begründeten Verdacht, dass Sie mehr wissen, als Sie uns gesagt haben. Was ist das überhaupt für eine Mauer?“

Das Hufgetrappel war beträchtlich näher gekommen. Der Wind brachte bereits das Klirren von Eisenteilen mit und das heftige Schnauben der Tiere.

„Ach, die Mauer?“, machte Hallstrom unschuldsvoll und setzte sich in Bewegung. „Das ist der Friedhof von Holyrood Castle.“

Ben blieb erstarrt stehen. „Der Schlag soll mich treffen!“, fauchte er. „Ich sagte doch, ich habe ein ungutes Gefühl.“

Hallstrom war schon an der Mauer. „Kommen Sie endlich!“, forderte er seine beiden Begleiter auf. „Ich lege keinen Wert darauf, hier von den Reitern entdeckt zu werden. Die schottischen Lords pflegten mit unliebsamen Zeugen wenig Federlesens zu machen. Und sie werden genau hierherkommen.“

Ben ging jetzt hinter Frank her und sagte aufgebracht: „Er hat also doch weit mehr Nachrichten auf der Pfanne, als ich mir gedacht habe. Sieht ganz so aus, als würde er die Reiter erwarten.“

„Ja“, pflichtete Frank ihm bei. „Nur gesehen werden will er nicht von ihnen. Das ist schon recht seltsam.“

2

Sie zogen sich über die Mauerkrone und sprangen drüben in den nachtschwarzen Schatten, ohne erst nachzusehen, wohin sie fielen. Es wurde allerhöchste Zeit, denn der Hufschlag klang schon beunruhigend nahe. Sogar das Murmeln von Männerstimmen war jetzt vernehmbar.

Entweder hatte Hallstrom wirklich hellseherische Gaben, oder seine geheimnisvolle Quelle war absolut zuverlässig, denn die Reiter kamen draußen der Mauer sehr nahe.

Die drei Zeitreisenden duckten sich drinnen an den Fuß des bröckeligen Steinwerkes und blieben im Schatten, den Mauer und Mond im Zusammenwirken schufen.

„Wer ist das?“, flüsterte Frank.

Hallstrom gab keine Antwort. Aber er tastete mit der Hand nach Frank und klopfte ihm auf die Schulter.

Bens massige Gestalt war in winterdürres Gestrüpp gesunken. Es hatte etwas geprasselt, doch war das dumpfe Rumoren der Reitergruppe wesentlich lauter gewesen.

Argwöhnisch blickte Ben auf die Gräber, die Steine und Denkmäler im Mondlicht hinaus. Friedhöfe hatten noch nie sein besonderes Entzücken hervorgerufen. Er war nicht abergläubisch, und an Gespenster glaubte er ebenfalls nicht. Er mochte solche Plätze ganz einfach nicht.

Plötzlich verengte er die Augen. Bewegte sich da drüben nicht etwas zwischen dem dunklen Erdhügel und dem fast weißen Steinkreuz, an dem ein Balken abgebrochen war?

Er schaute noch schärfer hin und hielt den Atem an.

Eine Hand krallte sich um den oberen Teil des Steines eine bleiche, im Mondlicht wächsern wirkende Hand!

Ben überlegte fieberhaft, ob er Hallstrom und Frank von seiner Entdeckung berichten sollte. Aber womöglich war die Hand bis dahin wieder verschwunden, und dann sagten sie, dass er einen Vogel hätte. Oder sie sagten noch schlimmere Dinge.

Er ließ es darum bleiben und beobachtete weiter.

Die Hand bewegte sich, kroch langsam höher. Jetzt wurde ein Gesicht hinter dem Stein erkennbar. Es wirkte wie eine helle Scheibe im Licht des Mondes.

Wenigstens ein richtiges Gesicht und kein knöcherner Schädel, dachte Ben. Er konnte sekundenlang die Augen sehen, den verkniffenen Mund und die Nase.

Unter dem Gesicht befand sich nichts. Daraus schloss Ben, dass der heimliche Beobachter dort einen dunklen Umhang trug. War er etwa auch vor den Reitern über die Mauer geflüchtet? Oder hatte er schon hier gewartet?

Das Hufgetrappel war jetzt ganz nahe. Jemand sagte klar und deutlich: „Wir lassen die Pferde beim Tor stehen. Man wird sie vom Schloss aus gewiss nicht entdecken.“

„Wie Ihr befehlt, Moray!“, erwiderte eine andere Stimme. Eisen klirrte. Es musste ziemlich weit zu hören sein.

Dieser Moray sagte sofort heftig: „Legt alle Waffen ab und jedes Stück des Rüstzeuges! Das fehlt noch, dass durch solches Klappern und Klirren unsere Anwesenheit verraten wird.“

„Aber so ganz ohne Bewaffnung ins Schloss ...“, erwiderte der andere Mann, doch Moray ließ ihn gar nicht zu Ende sprechen.

„Es ist besser so“, ließ er sich vernehmen. „Wir wollen keine Gefahr eingehen. Jetzt vor allem nicht mehr. Man würde sich sehr wundern, uns im Schloss vorzufinden, nachdem wir heute Morgen schon unseren Abschied nahmen und Edinburgh längst verlassen haben.“ Die Stimme wurde undeutlich, und das Getrappel entfernte sich.

Ein Tor, dachte Ben. Natürlich die gehen durchs Tor, und wir klettern über die Mauer! He, wieso kommen die denn hierher, wenn sie ins Schloss wollen? Das sieht doch ganz danach aus, als hätten sie die gleiche Absicht wie Hallstrom!

Er lauschte und beobachtete dabei die Hand samt dem Gesicht drüben am Grabstein.

Knarrend wurde ein Tor bewegt, ein Pferd schnaubte heftig, und ein Mann schimpfte gedämpft.

Ben konnte das Tor nicht erkennen. Aus seiner Position vom Boden aus standen zu viele Grabsteine und -mäler in seinem Blickfeld. Aber er hörte Gestrüpp rascheln und Zweige knacken.

Dann ertönte ein geisterhaft hohles Scharren und Schlurfen. Ein ängstliches Gemüt hätte längst eine Gänsehaut bekommen. Doch Ben vermutete, dass die abgesessenen und hereingekommenen Männer irgendwo eine Grabplatte bewegt hatten, unter der sich ein geheimer Zugang zum Schloss befand.

Gar nicht so dumm, überlegte er. Ein versteckter Fluchtweg für die Schlossbewohner, falls die mal belagert werden und mit heiler Haut davonkommen wollen! Sieh an, und Hallstrom scheint von diesem Gang ebenfalls Kenntnis erlangt zu haben. Warum sonst wäre er mit uns an diesen düsteren Ort gegangen?

Und Moray? Bei allen guten Geistern – Moray war doch der Stiefbruder der Königin Maria!

Warum war ihm das nicht gleich eingefallen, als er den Namen eben jenseits der Mauer gehört hatte? Vielleicht lag es daran, dass er mehr in Sorge gewesen war, ob die Männer ebenfalls an dieser Stelle hier über die Mauer steigen würden.

Was hatte Moray im Schloss zu suchen, wenn er offiziell schon die Stadt Edinburgh verlassen und sich sogar von seiner Halbschwester verabschiedet hatte?

Aus dem Studium der Akten und Unterlagen vor Antritt der Reise wusste Ben, dass Moray mehrmals mit dem schottischen Adel, den Lords und Clansherren paktiert hatte, dass er ein Diplomat war und sehr geschickt taktierte, dass er vor allem aber immer dann weit vom Schuss gewesen war, wenn in Schottland irgendetwas passierte. Vor allem in der Umgebung der Königin oder wenn es eine Erhebung des Landadels gegen sie war.

Ben war nun doch mächtig gespannt, was dieser Mann hier zu suchen hatte und warum er so heimlich zu Werke ging und sich auch noch ein paar Helfer mitgebracht hatte.

Verwehte Fetzen einer gedämpft geführten Unterhaltung drangen an Bens Ohren. Etwas kratzte über Stein, dann fluchte ein Mann, aber es klang gerade so, als spräche er aus einem tiefen Brunnenschacht.

Aha, dachte Ben, jetzt sind sie drin! Wird doch für uns nicht schwer sein, den Einstieg zu finden, denn ich schätze, dass sie die Grabplatte nicht vor den Eingang gerückt haben!

Er konzentrierte sich, als er vom Tor her keine Geräusche mehr vernehmen konnte, wieder auf die seltsame Gestalt hinter dem Grabkreuz. Ben konnte nicht sagen, ob er und seine Gefährten von dem Burschen bemerkt worden waren, als sie über die Mauer kamen.

Ben beobachtete genau, um aus dem Verhalten der Gestalt Rückschlüsse ziehen zu können.

Jetzt bewegte sich die Hand. Sie verschwand vom Steinkreuz.

Dann tauchte auch das Gesicht weg. Es kam nicht wieder zum Vorschein.

Entweder war der heimliche Beobachter nur hinter dem dunklen Erdhügel nebenan untergetaucht oder er hatte sich davongemacht.

Ben sagte sich, dass es sich wohl ohne allen Zweifel um einen Mann handeln musste. Eine Frau wäre nicht einmal für Geld und gute Worte zu bewegen gewesen, um diese Stunde auf den Friedhof zu gehen.

Zur Sicherheit wartete Ben noch eine Weile, bevor er nach Hallstrom tastete und diesen anstieß.

„Ja?“, sagte der Professor ganz flach. Es klang wie ein Hauch.

„Die Burschen müssen durch eine Gruft in einen Geheimgang gelangt sein“, erläuterte Ben. „Der Halbbruder der Königin ist dabei.“

„Das ist mir bekannt“, gab Hallstrom zurück. „Warum wohl, Sie Spaßvogel, setzte ich mich in einer verflucht kalten Januarnacht auf einen schottischen Friedhof?“

„Die Gelüste der Menschen sind manchmal schwer zu begreifen“, sagte Ben boshaft.

„Es geht hier nicht um Gelüste, schon gar nicht um meine“, gab Hallstrom giftig zurück. „Ich habe nur gehört, dass diese Nacht ein Komplott geschmiedet werden soll ...“

„Und da wirkt der Halbbruder der Königin mit?“, meldete Ben seine Zweifel an.

„Reden Sie keinen Unsinn!“, fauchte Hallstrom. Er sprach jetzt lauter, als für ihr Unternehmen gut war. „Dieser Bothwell, der hier so eine Art Militärdiktatur errichtet hat und die Lords mit dem Daumen am Boden hält, plant irgendetwas gegen den Mann der Königin.“

„Richtig, dieses Attentat“, ließ sich Frank vernehmen.

„Genau darum sind wir hier“, knurrte der Professor. „Immerhin richtet sich der Anschlag gegen den Mann der Königin, von dem sie ganz gerne geschieden sein möchte, wie man so weiß. Nun willigt dieser nicht ein. Es geht darum herauszufinden, ob Maria Stuart an diesem Attentat beteiligt war, ob sie es mitgeplant hat oder ob sie zumindest davon wusste. Dieser Bothwell übt einen sehr schlechten Einfluss auf sie aus.“

„Sie soll ja fast alles machen, was er vorschlägt“, meinte nun auch Ben.

„Das ist nicht bewiesen“, wehrte Hallstrom ab. „In der Überlieferung ist zu viel verwischt und vertuscht worden, und überhaupt scheint man nach Marias gewaltsamem Ende einiges absichtlich vergessen zu haben. Warten wir noch ein paar Minuten, bevor wir ebenfalls diesen Geheimgang benützen.“

Ben hörte die Glocken läuten. „Dann wussten Sie also, dass es hier einen verborgenen Zugang zum Schloss gibt?“