Timetravel #9: Das Grabmal der Lebenden - Horst Weymar Hübner - E-Book
Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der ZeitkugelBand 9von HORST WEYMAR HÜBNERDer Umfang dieses Buchs entspricht 104 Taschenbuchseiten.Der Auftrag:Der Pharao Cheops hat um das Jahr 2520 vor Christus nach der noch immer ungesicherten Überlieferung seine Herrschaft angetreten und begonnen, die nach ihm benannte Pyramide errichten zu lassen. Es gibt Stimmern, die behaupten, Cheops sei ein Betrüger, und die Pyramide stamme aus viel älterer Zeit. Reisen Sie in das Pharaonenreich und prüfen Sie, wie es sich wirklich verhält.Konsortium der Sieben

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl:109

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Horst Weymar Hübner

Timetravel #9: Das Grabmal der Lebenden

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

DAS GRABMAL DER LEBENDEN

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 9

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 104 Taschenbuchseiten.

 

Der Auftrag:

Der Pharao Cheops hat um das Jahr 2520 vor Christus nach der noch immer ungesicherten Überlieferung seine Herrschaft angetreten und begonnen, die nach ihm benannte Pyramide errichten zu lassen. Es gibt Stimmern, die behaupten, Cheops sei ein Betrüger, und die Pyramide stamme aus viel älterer Zeit. Reisen Sie in das Pharaonenreich und prüfen Sie, wie es sich wirklich verhält.

Konsortium der Sieben

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author / Cover nach einem Motiv von Gustav Doré mit Steve Mayer, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Robert Hallstrom das wahrhaft phantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Und er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten - also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft.

Mit seinem Assistent Frank Jaeger und dem Ingenieur Benjamin Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort wieder rematerialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszeit zurückkommen konnte. Doch nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: Die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

In die saftigen Flüche Ben Crockers mischte sich das Geräusch berstender Palmen und einstürzenden Mauerwerks. Die Zeitkugel dröhnte unter dem Anprall von Baumkronen und Steinen wie eine Glocke.

Frank Jaeger schaltete den Rundsichtbildschirm jetzt auf volle Schärfe, und Professor Robert Hallstrom erschrak beinahe zu Tode und hielt sich an den Lehnen seines Konturensessels fest.

„Sieht aber verdammt nicht nach Wüste aus!“, knurrte Ben Crocker. „Viel eher wie ein Palmenhain mit einem Gebäude, das wir gründlich ruiniert haben.”

„Ich verstehe es nicht“, versuchte Professor Hallstrom sich schwach zu rechtfertigen.

„Ich schon“, sagte Jaeger. „Die Erdachse hat sich geneigt. Los, raus jetzt, bevor wir noch mehr Aufsehen erregen.“ Auf dem Bildschirm hatte er inmitten der aufgewirbelten Staubwolke eine Bewegung wahrgenommen.

Ben öffnete das Schott der Zeitkugel. Mörderische Hitze schlug ihm entgegen, trockener Staub drang herein. Er sprang hinunter auf die Steine einer eingestürzten Mauer, drehte sich um und entdeckte, dass die Reste eines Schilfdaches oben auf der Zeitreise-Maschine ruhten.

Der Professor und Jaeger kamen aus dem Einstiegsschott und besahen sich den angerichteten Schaden.

Frank Jaeger kratzte sich am Kinn. „Um ein sehr wichtiges Bauwerk scheint es sich nicht gerade zu handeln“, meinte er.

Der Professor atmete erleichtert auf. Aber Ben Crocker war dennoch unzufrieden.

„Eines Tages kommen wir mal in einem Berg heraus, zwei Kilometer tief, oder in einem Vulkan, der gerade aktiv wird. Diesmal war’s ja bloß eine Steinhütte mit einem schäbigen Schilfdach und mit ein paar mickrigen Palmen drum herum. He, was siehst du mich so an? Was habe ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?“ Er bemerkte verwundert Frank Jaegers stechenden, fast hypnotischen Blick.

„Ganz still!“, sagte Frank leise und beschwörend. „Rühr dich nicht von der Stelle, bis ich die Hand hebe. Und wenn, dann wirfst du dich sofort flach auf den Boden!“

Die eindringlichen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Der korpulente Ben Crocker begann sich unbehaglich zu fühlen. Er schielte zum Professor hin.

Der stand starr wie ein Pfahl und hielt den Mund halb und die Augen schreckhaft weit geöffnet und schaute an Ben vorbei.

Bens Blick flog zurück zu Frank. Der Ingenieur bewegte die rechte Hand langsam zum Paralyzer und hielt die Finger zustoßbereit gespreizt. Die linke Hand hob er über die Lichtkanone vorn auf der Gürtelschnalle.

Bens Ahnung, dass hinter ihm etwas aufgetaucht war, wurde zur Gewissheit, als Frank plötzlich die linke Hand bis zur Brust hochriss, den Paralyzer packte und rief: „Jetzt!“

Wie ein Stein ging Ben Crocker zu Boden. Etwas streifte ihn am Hinterkopf, bevor er den staubigen Boden berührte.

Im nächsten Moment schrie der Professor laut. Frank Jaeger ächzte, stieß einen halblauten Fluch aus und flog rücklings in die Mauertrümmer.

Ben hob den Kopf. Scharfer Raubtiergeruch wehte ihn an. Er sah die aufleuchtende Mündung von Franks Paralyzer. Der Strahlschuss aus der Lähmwaffe aber verpuffte wirkungslos irgendwo zwischen den Wipfeln der übriggebliebenen Palmen.

Ein ausgewachsener Gepard hockte auf Franks Beinen.

Ben schnellte hoch, ohne recht zu überlegen, segelte in weitem Bogen auf das Raubtier zu, als befinde er sich im luftleeren Raum, und bekam im Sturz den Hals des Gepards zu fassen.

Er spürte ein Halsband, drückte vorsichtshalber aber kräftig zu und rief keuchend: „Schieß den Burschen in den Kopf!“

Franks Paralyzer ruckte herum. Aus nächster Nähe feuerte seine Waffe einen Lähmstrahl auf das Tier ab.

Der Gepard fauchte, schlug mit der Tatze nach Franks Hand und versuchte gleichzeitig, Ben abzuschütteln, der sein ganzes Gewicht auf das Tier geworfen hatte.

Wie vom Blitz getroffen sackte das Raubtier jäh zusammen.

Ben stieß es kraftvoll zwischen die Mauerreste, holte tief Luft und sagte zu dem blass gewordenen Frank: „Wenn du mich wieder mal als Köder benützen willst, dann sage mir wenigstens, was sich in meinem Rücken abspielt!“

„Nicht nötig bei der Schnelligkeit, mit der du reagierst. Mann, ist der Bursche weit gesprungen. Er ist mir voll auf die Brust geknallt, bevor ich zum Schuss kam.“ Frank richtete sich langsam auf. „Vielleicht streift noch so ein Exemplar herum. Die jagen immer paarweise, glaube ich.“

Ben nahm die silberfarbene Kappe ab und fuhr sich durchs Haar. „Der trägt ein Halsband. Wenn ihn sein Besitzer auf Menschen dressiert hat, dann sind das verdammt schlechte Sitten.“

Die Neuigkeit von der Entdeckung des Halsbandes brachte Professor Hallstrom in Bewegung. Er untersuchte das gelähmte Tier und verkündete etwas atemlos: „Ich fürchte, wir werden hier gleich Besuch erhalten. Das ist ein Jagdgepard. Das Halsband trägt die königliche Kartusche. Die Jagdgesellschaft scheint das Tier in den Palmenhain vorausgejagt zu haben.“

„Und wir sind mit unserer Landung dazwischengeplatzt“, meinte Frank und erhob sich. „Mit unseren Kombinationen werden wir keinen guten Eindruck machen, fürchte ich.“

„Immerhin hast du aber die einmalige Chance, einen echten ägyptischen Pharao zu Gesicht zu bekommen, bevor dich die Jagdgäste totschlagen“, spottete Ben.

„Geben Sie sich keinen müßigen Spekulationen hin, meine Herren!“, sagte Hallstrom unwirsch. „Wir räumen ohne Aufsehen die Stätte der Zerstörung.“

Ben schaute sich nach der Zeitkugel um. Sie flimmerte bereits stark. Im nächsten Moment wurde sie fast durchsichtig. Dann entmaterialisierte sie endgültig und wurde in die übergeordneten Dimensionen des Zeitgefüges zurückversetzt.

Die Reste des Schilfdaches, jetzt ihrer festen Unterlage beraubt, stürzten zu Boden und wirbelten neue Staubwolken auf.

Der Krach zeitigte eine unerwünschte Nebenwirkung - ganz in der Nähe wurden Stimmen laut. „Pest und Schwefel!“, knurrte Frank. „Der Pharao und seine Jagdgesellschaft!“

„Dort hinüber!“, ordnete der Professor an. Er zeigte auf eine Art Schilfdickicht. Wo Schilf wuchs, war auch Wasser. Die Jagdgesellschaft würde sich kaum nasse Füße holen wollen. Das Versteck schien sicher.

Ben wollte dem dummen Zufall rein gar nichts überlassen und bückte sich nach dem Jagdgeparden. Das Tier hatte ein stattliches Gewicht. Ben legte sich das Raubtier über Nacken und Schultern und eilte den beiden Freunden nach.

Hinter ihm trieben Staubschleier träge über die Trümmer des zusammengestürzten Gebäudes.

2

Das Ausmaß der Zerstörung war erst aus einiger Entfernung voll erkennbar. Sie steckten bis zum Hals in einer warmen Brühe, deren Ufer mit Papyrus bestanden waren. Das Gewässer war nicht der Nil. Schon eher ein Kanal oder ein kleiner See, der von der letzten Überschwemmung übrig geblieben war.

Hallstrom, Frank und Ben sahen, dass sie keineswegs, wie es beabsichtigt war, in der Nähe des Pyramidenbauplatzes herausgekommen waren. Hinter dem Palmenhain stieg das Land steil bis zu einer Abbruchkante hinauf, hinter der die Hochfläche der Wüste liegen musste.

In entgegengesetzter Richtung, nach Osten hin, schien der Nil zu liegen. Palmenreihen, grüne Buschmauern und Felder verrieten es.

Hallstrom hatte sich für diese Zeitreise beinahe zum Experten für Geschichte des alten ägyptischen Reiches herangebildet. Er hatte nicht versäumt, seine Ingenieure Jaeger und Crocker an seinen Studien teilhaben zu lassen. Wochenlang hatte er sie mit Hieroglyphenkunde geärgert.

„Bin neugierig, wie die guten Leute die abgerissenen Palmen und das demolierte Haus erklären wollen“, sagte Ben leise. „Wenn die Bande bloß schon wieder weg wäre.“

„Mehr Respekt, Ben“, verlangte Hallstrom. „Und halte den Kopf still. Die Papyrusstauden schaukeln, als hätten wir Sturm.“

„Die Mückenplage scheint hierzulande eine lange Tradition zu haben“, murrte Ben. „Die Biester fressen mich fast auf!“

„Warte nur erst, bis dich hinterrücks ein Krokodil annagt“, sagte Frank verhalten, aber voller Schadenfreude. „Die alten Ägypter sollen auch sehr berühmte giftige Schlangen gehabt haben.“

„Wenn der Gepard munter ist“, sagte Ben beleidigt, „lasse ich ihn auf dich los. Dann brauche ich nicht länger deinen dummen Witzen zuzuhören.“ Er hatte das Tier noch auf der Schulter und hielt seinen Kopf über Wasser, um es nicht zu ertränken.

„Achtung, sie kommen!“, zischelte Hallstrom aufgeregt.

Ben zerdrückte wütend zwei Stechfliegen, die sich an seinem Hals über dem Rand der Körperkombination niedergelassen hatten. Danach schaute er gebannt zu dem Palmenhain hinüber.

Es war tatsächlich eine Jagdgesellschaft. Doch in gänzlich anderer Zusammensetzung als erwartet.

Es waren Damen, sieben an der Zahl. Zwei waren dunkelhäutig. Sie trugen Pfauenfächer, wedelten einer der hellhäutigeren Frauen Kühlung zu und waren eindeutig Sklavinnen.

Begleitet wurden die Damen von fünf schwarzhäutigen Kriegern, die Bogen, Köcher und kurzschäftige Speere schleppten.

Professor Hallstrom tauchte bis zum Kinn ins Wasser ein und raunte: „Die Waffenträger sind Sklaven aus den südlichen Gebieten, wahrscheinlich auch die beiden weniger aufwendig gekleideten Frauen. - Doch, es sind Sklavinnen. Sie tragen das Haar kurz. Ein sicheres Zeichen.“

„Und die anderen fünf noblen Gestalten?“, fragte Ben fast eine Spur zu laut.

„Eine scheint zumindest der königlichen Familie anzugehören. Vielleicht die Schwester eines Pharao, die Frau oder eine Tochter“, erklärte Hallstrom atemlos.

„Ihre hellseherischen Fähigkeiten habe ich schon immer am meisten an Ihnen bewundert“, sagte Frank gereizt.

„Der Gepard auf Bens Schulter“, tuschelte Hallstrom. „Das Halsband mit der königlichen Kartusche! Niemand außer Mitgliedern der Königsfamilie dürfte es wagen, diese Kartusche zu verwenden. - Meine Herren, gebrauchen Sie auch Ihren Verstand und nicht nur die Augen!“

„Danke!“, brummte Ben. „Und was steht auf der Kartusche? Sie haben sie doch angesehen.“

„Chufu oder Khufu. Die modernere Zeit kennt diesen König unter dem Namen Cheops.“

„Ha, der Bursche, dem wir beim Pyramidenbau auf die Finger sehen sollen.“ Ben zerdrückte wieder eine Stechfliege.

„Wenigstens sind wir dann in der richtigen Zeit angekommen, wenn auch am falschen Ort“, meinte Frank mit einem Blick auf den Professor.

Leise, aber scharf sagte Hallstrom nach einem Blick auf seinen Radar-Timer am Handgelenk: „Exakt im Jahre 2520 vor Christus. Man schreibt heute den sechzehnten März, und es ist vierzehn Uhr achtunddreißig!“

„Nach dem, was ich von den Mikrospulen gelernt habe, hat der Khufu aber erst in diesem Jahr seine Regierung angetreten“, äußerte Ben skeptisch.

„Sie können selbst einen abgeklärten Wissenschaftler bis zur Weißglut reizen“, fauchte Hallstrom. „Alle Zahlen aus dieser Zeit sind ungesichert und gelten als ungefähre Werte. Khufu hätte genauso gut auch in zehn Jahren erst an die Macht kommen können. Immerhin wissen wir durch dieses Halsband, dass er gegenwärtig regiert. Und das ist schon sehr viel, meine ich.“

„Wenn wir jetzt noch wüssten, wo er seine Pyramide zu bauen begonnen hat oder wo er sie zu bauen gedenkt, wären wir schon ein flottes Stück weiter“, sagte Ben.

„Wir werden es erfahren, wir haben ja fünf Tage Zeit“, mischte sich Frank leise ein und erstickte den Streit.

Sie konzentrierten sich wieder auf die Jagdgesellschaft.

Die Männer kämmten den Hain nach dem Gepard ab, während die Frauen auf die abgesplitterten Palmstämme schauten und einen Bogen um das zerstörte Bauwerk machten. Eine der Sklavinnen entdeckte im Sand die Stiefelabdrücke der Zeitreisenden.

Ihr heller Ruf rief sofort die fünf Bewaffneten auf den Plan.

Hallstrom drehte emsig an seinem Translator und sagte plötzlich verblüfft und etwas ratlos zu Frank und Ben: „Fällt Ihnen auch diese Ähnlichkeit der Sprache auf?“

„Womit Ähnlichkeit?“ Frank justierte sein Übersetzungsgerät.

„Mit der Sprache der Atlantiden!“ Hallstrom bekam vor Aufregung rote Flecken im Gesicht.

Ben riss den Kopf hoch und verlor um ein Haar den Geparden. „Mir kommt es auch so vor. Wenn das wahr wäre!“

„Immerhin gibt es seit fast einem Jahrhundert einige brauchbare Theorien, nach denen die alten Ägypter von den Atlantiden abstammen könnten“, nuschelte Frank hastig und schaute besorgt nach der Jagdgesellschaft, die jetzt den merkwürdigen Stiefelabdrücken folgte und zum Wasser kam.

„Nach links, schnell!“ Ben erkannte die Gefahr. Sie hatten sich dort ins seichte Uferwasser gesetzt, wo sie es erreicht hatten. Weiter nach links stand dichteres Papyrusdickicht.

Das Wasser warf Wellen, als sich die drei Zeitreisenden recht hastig in bessere Deckung begaben. Sie entgingen mit knapper Not einer Entdeckung, die sie zum jetzigen Zeitpunkt unter allen Umständen vermeiden mussten.

Einer der Bewaffneten stieg zwar ins Wasser, fand aber nichts und wandte sich mit den anderen wieder der Suche nach dem Gepard zu.

Die fünf Frauen und die beiden Sklavinnen kamen am Ufer entlang. Durch eine Lücke konnte Ben sie sehen. Der Professor und Frank konnten indes nur hören, was gesprochen1 wurde.

„Man soll den Chelem holen!“, sagte eine Frau. Sie fiel Ben durch die Farbenpracht ihrer Kleidung und durch den Hals und Schulterschmuck auf. Ihre Gewänder waren aus zartem, fast durchsichtigem Gewebe, ihr schulterlanges Haar war in unzählig viele Zöpfe geflochten.

Die Worte der Frau lösten Bestürzung bei ihrem weiblichen Gefolge aus.

„Den Chelem, Erhabene?“, vergewisserte sich eine der Damen. „Vielleicht war es der zürnende Horus, der das Haus des alten Wissens zerstört hat.“

„Und wer hat den köstlichen kühlen Schatten fortgeholt, indem er die Bäume knickte wie mein Vater die Speere seiner Feinde? Wohin ist mein Jagdtier verschwunden? Wer hat diese fremden Spuren hinterlassen und ist eins geworden mit dem Wasser, das Leben spendet und dem Land Reichtum schenkt? Holt den Chelem!“

Ben bildete sich ein, die Sprecherin mit dem Fuße aufstampfen zu sehen.

In die erstarrten Damen kam wieder Bewegung.

„Ich werde eilen und den weisen Chelem holen, erhabene Hathmer“, beeilte sich eine zu versichern. Sie wählte eine Sklavin aus, rief nach zwei Bewaffneten und verschwand hastig mit ihnen jenseits der Mauerreste.