Tipps von der Katzenflüsterin - Mieshelle Nagelschneider - E-Book

Tipps von der Katzenflüsterin E-Book

Mieshelle Nagelschneider

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Beschreibung

Katzen sind nicht erziehbar – oder doch?

Die gefragteste Katzen-Expertin der Welt konnte bereits über tausend Tierbesitzern helfen, Verhaltensstörungen ihrer Katze zu lösen. Ihr Geheimnis: Sie lässt Katzen Katzen sein. Katzen kann man nicht dressieren wie Hunde oder ihnen gut zureden wie Menschen, man muss die Bedingungen schaffen, dass sie sich wohlfühlen. In einem dreistufigen Plan stellt Mieshelle Nagelschneider ihre bewährte Methode vor, wie man der Katze erstens das unerwünschte Verhalten abgewöhnt, ihr zweitens das neue angewöhnt und wie man drittens die räumliche Umgebung katzengerecht gestaltet und für ausreichend Beschäftigung sorgt.

Ein überaus hilfreicher und zugleich unterhaltsamer Katzen-Ratgeber, der einen tiefen Einblick in die Katzenseele ermöglicht.

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Seitenzahl: 500

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Inhaltsverzeichnis

WidmungVorwort - von James R. Shultz jr.Vorwort - von Gwen CooperEinleitung: Über Katzen und wie ich lernte, mit ihren Augen zu sehen
Meine tierische FamilieAuf der FarmGrinsekatzen im CanyonMeine Zeit als TierarzthelferinVerhaltenstherapie: Eine Lücke im Expertenangebot für KatzenDie Cat Behavior ClinicEin »guter Tod«? Die Krise der KatzeneuthanasieDas Drama der ausgesetzten TiereWarum ich dieses Buch geschrieben habe
EINS - Den Geist vorauswerfen: Im Kopf der Katze
Der Anthropomorphismus: Seine Freuden und seine TückenDie anthropomorphische Falle
ZWEI - Begegnen Sie Ihrer Katze auf ihrem Terrain: So ändern Sie ihr Verhalten mit dem dreiteiligen CAT-Plan
Nicht strafen, nicht schimpfenWas wirklich funktioniert: Entziehen Sie Ihre Aufmerksamkeit oder sogar Ihre GegenwartSie können die Verhaltensprobleme Ihrer Katzen lösenDie sieben Klassen von Verhaltensproblemen bei KatzenDie Elemente eines effektiven CAT-Plans
DREI - Auch die zahmsten Katzen führen ein wildes Leben
Eigenständig, überaus territorial orientiert und ÜberlebensweltmeisterAuch Katzen können Freundschaft schließenUnendlich wildDie Wildheit zähmen: Der SozialisierungsprozessTerritorialverhalten, Konflikte und soziale Reife
VIER - Katzen-Knigge: Die Kunst, Katzen (wieder) miteinander bekannt zu machen
Die erste BegegnungDas zweite KennenlernenDer erste Eindruck: Desensibilisierung, Gewöhnung und GegenkonditionierungSchritt 1: Schaffen Sie den richtigen Rahmen, bevor die neue Katze kommtSchritt 2: Die erste Begegnung mit dem neuen Geruch über eine duftende SockeSchritt 3: Allogrooming, Allorubbing und die Erzeugung des GruppengeruchsSchritt 4: Platztausch oder Ziehen Sie selbstbewusste Abenteurer heranSchritt 5: Der erste Sichtkontakt und die Kunst der sanften Übergänge
FÜNF - Schnurrtopia: Verändern Sie das Lebensumfeld Ihrer Katze
Humane Sterilisation lindert viele Verhaltens- und GesundheitsproblemeFreigänger oder Hauskatze?Die katzengerechte EinrichtungFutter, Spielzeug, Katzenklo und Jagdtrieb
SECHS - Psychologie und Physiologie: Hat Ihre Katze auch gesundheitliche Probleme?
Gehen Sie regelmäßig zum TierarztMedizinische Ursachen und GewöhnungBesser leben mit Chemie? Greifen Sie nicht (automatisch) zu Medikamenten!
SIEBEN - Aggressive Katzen: Wie Sie die innere Wildkatze Ihres Stubentigers akzeptieren und zähmen
Nicht strafen, nicht schimpfen, nicht nach dem Tier greifenAggression bei Katzen verstehenVorbeugungDie verschiedenen Arten von AggressionDer CAT-Plan gegen Spiel- und JagdaggressionUmgerichtete AggressionVom Umgang mit umgerichteter AggressionTerritoriale AggressionAngstaggressionInnerartliche AggressionDer CAT-Plan gegen territoriale, angstbedingte und innerartliche AggressionStreichelaggressionStatusbedingte AggressionDer CAT-Plan gegen streichel- und statusbedingte Aggression
ACHT - Eliminieren Sie das Negative: Locken Sie Ihre Katze mit kreativen Ideen aufs Katzenklo
Eine unnötige TragödieKot außerhalb des KatzenklosWaren Sie schon mal auf einem Kotball?Ärgerliches Kotmarkieren oder Nur ein verirrtes Kotklümpchen?Urin außerhalb des KatzenklosZehenamputation, eine häufige Ursache für das Verschmähen der KatzentoiletteDer CAT-Plan gegen Unsauberkeit
NEUN - Verräterische feuchte Flecken: Harnmarkieren
Markieren zu KommunikationszweckenHarnmarkieren als InformationsaustauschDer CAT-Plan gegen Harn- und Kotmarkieren
ZEHN - Jaul! – Übermäßiges Miauen
Mögliche UrsachenDer CAT-Plan gegen übermäßiges Miauen
ELF - Zerstörungswut und andere unerwünschte Verhaltensweisen
Einhaken und schreddern: Warum Katzen kratzenKrallenentfernung: eine unnötige VerstümmelungDie Geschichte von Kater CharlieFallstudie: Shanti, der UniversalzerkleinererVorbeugungDer CAT-Plan gegen unerwünschtes KratzverhaltenWenn Katzen auf Tische und Arbeitsflächen springen: Warum Katzen hoch hinauswollenDer CAT-Plan, wenn die Katze auf Tische und Arbeitsflächen springt
ZWÖLF - Die zwanghafte Katze
Übertriebene Fellpflege (psychogene Alopezie)Der CAT-Plan gegen übertriebene FellpflegeWollenuckeln und -fressenDas Pica-SyndromDer CAT-Plan gegen Wollenuckeln und das Pica-SyndromDas feline Hyperästhesie-Syndrom
NachwortAnhang A - Das Clickertraining für KatzenAnhang B - Checkliste für die Beseitigung von UnsauberkeitsproblemenAnhang C - Hilfsmittel zur VerhaltensmodifikationDankAnmerkungenRegisterCopyright

Für meinen verstorbenen Vater Blaine, der mir durch sein Vorbild gezeigt hat, wie ich Tieren bedingungslose Liebe schenken und von ihnen erfahren kann.

»Gott schuf die Katze, damit der Mensch das Vergnügen hat, einen Tiger zu streicheln.« Fernand Méry

Vorwort

von James R. Shultz jr.

Es ist Dienstagmorgen, 6.15 Uhr: Der Radiowecker holt mich aus dem Schlaf. Ein Meteorologe verkündet, es werde auch heute wieder ein grauer, stürmischer, verregneter Tag in Portland, Oregon. Ich liege im Bett und höre, wie die Regentropfen auf das Dach meines kleinen Hauses prasseln und mein dreifarbiges Kätzchen Ferrari hinter eine Kiste mit Kleidungsstücken huscht, die offen im Schlafzimmer auf dem Boden steht. Zu diesem Zeitpunkt bin ich seit knapp vier Monaten Tierarzt und noch nicht dazu gekommen, auszupacken und mich häuslich einzurichten. Auf dem Weg in die Küche, wo ich mir meinen Morgenkaffee und mein Brötchen machen möchte, sehe ich Ferrari mit der nun fast leeren Brötchentüte den Flur entlangflitzen. Ich muss lachen, versuche aber, sie zurechtzuweisen: »He, bring das zurück!«

Als ich nach dem Frühstück meine Sachen in den Transporter werfe, um in die Tierklinik zu fahren, meldet sich mein Piepser. Ich schnappe mir das Telefon und rufe in der Klinik an. Ich komme frisch von der Uni, und meine Gedanken, was wohl passiert sein könnte, überschlagen sich. Hatte sich ein Tier vergiftet? Oder verletzt? Würde ich operieren müssen? Am anderen Ende meldet sich Melanie, unsere Bürokraft. »Hallo! Mr Walker ist hier mit Gum Drop und möchte Sie sofort sprechen.«

»Geht es Gum Drop gut?«, frage ich.

»Sieht so aus«, antwortet sie, »aber Mr Walker hat mal wieder miese Laune.«

Ich kann ihren Seufzer hören. »Nicht der aufregende medizinische Fall, den ich mir erhofft hatte«, denke ich, während ich aus der Auffahrt biege und in die Klinik fahre. Mr Walker war schon mehrmals bei uns gewesen. Sein Kater Gum Drop macht Probleme. Er verschmäht die Katzentoilette und macht sein Geschäft lieber anderswo.

Zwanzig Minuten später treffe ich in der Klinik ein und sprinte durch den strömenden Regen zur Hintertür. Während ich meinen weißen Kittel anziehe, sehe ich flüchtig, wie Mr Walker im Wartezimmer auf und ab läuft. Die Empfangsdame bringt ihn in eines der Behandlungszimmer, und ich merke, dass er aufgewühlt wirkt, aber ich betrete den Raum mit all dem Überschwang und Optimismus, den nur ein junger Arzt haben kann. »Hallo, Mr Walker«, sage ich. »Wie geht es Gum Drop?«

Den Blick fest auf den Boden geheftet, erwidert er: »Ich möchte, dass Sie ihn einschläfern.«

In diesem Augenblick drückt sich Gum Drop auf dem Untersuchungstisch mit seinem ganzen Körpergewicht an mich und schnurrt.

»Aber warum denn?«, frage ich bestürzt. »Ist er krank? Stimmt irgendwas nicht?«

Wie sich herausstellt, ist Gum Drop einer der Patienten, über die man uns an der Universität nichts beigebracht hat. Er ist nicht krank – ganz im Gegenteil. Gum Drop ist ein wunderschöner, vier Jahre alter Ragdoll-Kater mit ausgeprägter Persönlichkeit.

»Kann man wohl sagen!«, erwidert Mr Walker mit wütender Miene. »Gestern Abend hat Gum Drop auf meinen nagelneuen Laptop gepinkelt. Jetzt ist er ruiniert. Dreitausend Dollar für die Katz!«

Ich sage ihm, wie leid mir die Sache mit seinem neuen Laptop tut, aber dass es keine Lösung ist, einen kerngesunden Kater einzuschläfern. Ich füge hinzu, dass Gum Drop den Computer vermutlich deshalb angepinkelt oder markiert hat, weil er gesehen hatte, wie viel Zeit Mr Walker daran verbrachte, und sich einfach auch einen Teil dieser Aufmerksamkeit wünschte.

»Dr. Shultz, Sie haben alle Untersuchungen gemacht. Sie haben es sogar mit Medikamenten versucht und können keine gesundheitlichen Probleme bei Gum Drop feststellen. Ist das richtig?«

»Stimmt«, gebe ich zu, aber … »Es ist ein Verhaltensproblem«, platze ich heraus und klinge dabei eher wie ein Strafverteidiger als ein Tierarzt.

»Und, kriegen Sie es wieder hin?«, will Mr Walker wissen.

Ich erkläre noch einmal, dass Verhaltensprobleme sehr verzwickt sind und Zeit brauchen. Dass wir es mit einem anderen Medikament versuchen könnten. Dass Antidepressiva helfen könnten. Während ich weiter über die Medikamente spreche und erkläre, wie wenig wir an der Universität über das Verhalten von Katzen gelernt haben, greift Mr Walker ruhig nach Gum Drop und setzt ihn in seine Transportbox. Im Gehen dreht er sich noch einmal zu mir um und sagt: »Hören Sie, Doktor. Sie haben getan, was Sie konnten. Dieser Kater ist einfach verrückt. Wenn Sie ihn nicht einschläfern, werde ich ihn irgendwo im Wald aussetzen müssen. Dann kann er pinkeln, wohin er will.« Ich habe weder Mr Walker noch Gum Drop je wiedergesehen.

Leider ist die Geschichte von Gum Drop kein Einzelfall. In den Vereinigten Staaten werden jährlich – je nach Informationsquelle – vier bis neun Millionen Katzen eingeschläfert. Wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß, werden unverhältnismäßig viele von ihnen nicht aus medizinischen Gründen, sondern aufgrund von Verhaltensproblemen getötet. Es kann enorm frustrierend sein, wenn eine Katze die neue Einrichtung zerstört, das ganze Haus als Katzenklo betrachtet oder die anderen Katzen attackiert und die Ursache nicht zu finden ist. Außerdem können wir mit unseren Reaktionen alles noch schlimmer machen, da sie aus Sicht der Katze sehr belastend sind und dadurch weitere Probleme nach sich ziehen können. Das hat zur Folge, dass viele Klienten die Hoffnung verlieren und meinen, mit diesem zuweilen doch sehr destruktiven und schädlichen Verhalten einfach nicht mehr leben zu können. Am Ende setzen sie die Katze aus Verzweiflung aus, um sie ihrem Schicksal zu überlassen, geben sie ins Tierheim oder entscheiden sich in manchen Fällen sogar dafür, sie einschläfern zu lassen. Nur wenn wir das Verhalten von Katzen wirklich verstehen, können wir darauf hoffen, es künftig auch verändern zu können. Und hier kommt Mieshelle ins Spiel.

Die Sache mit Gum Drop ereignete sich im Jahr 1998, und es sollten noch fünfeinhalb Jahre vergehen, bis ich die Freude hatte, die Bekanntschaft Mieshelle Nagelschneiders zu machen. Damals beschäftigten sich zahlreiche Studien und Programme mit der Erziehung und dem Verhalten von Hunden. Den Katzen waren weit weniger Untersuchungen gewidmet, und das gilt bis heute. Historisch gesehen, arbeitet der Mensch schon lange mit Hunden und richtet sie darauf ab, bestimmte Aufgaben zu erfüllen – ob Schlitten zu ziehen oder nach Katastrophen Vermisste aufzuspüren. Im Gegensatz dazu halten viele Menschen Katzen für schwer erziehbar und es für praktisch unmöglich, ihre Verhaltensmuster zu ändern. Kurz gesagt, wir glauben, die Regel wäre: »Hunde wollen geliebt werden; Katzen tun, was ihnen beliebt.«

Aber Mieshelle lehrte mich, dass ein großer Teil der Vorstellungen, die wir von Katzen haben, falsch sind. Um ehrlich zu sein, begegnete ich ihr anfangs mit einer gewissen Skepsis. Wenn sie mit einem oder mehreren ihrer vielen Tiere im Schlepptau auftauchte, um meine tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, endete dies jedes Mal unweigerlich damit, dass wir über das Verhalten von Katzen und die komplexe Sozialstruktur in »Mehrkatzenhaushalten« sprachen. Dann bot sie ihre Hilfe bei verhaltensbedingten Fällen an, und obwohl ich ihre Ideen faszinierend fand, lehnte ich höflich ab. Nach einigen dieser Termine mit Mieshelle ertappte ich allerdings sowohl mich selbst als auch einige meiner Mitarbeiter dabei, dass wir bei Katzen mit Verhaltensproblemen gelegentlich ihren Rat einholten – der sich jedes Mal als äußerst hilfreich erwies. Bald fing ich an, sie an Klienten mit verhaltensauffälligen Katzen weiterzuempfehlen. Dabei stellte sie immer wieder unter Beweis, dass sie die einzigartige Fähigkeit besitzt, die Sprache der Katzen zu sprechen. Dazu muss man sich wirklich in diese Tiere hineinversetzen und die Welt mit ihren Augen sehen. Man muss im wahrsten Sinne des Wortes lernen, wie eine Katze zu denken.

Mieshelle hat ihre einzigartige Begabung, wie eine Katze zu denken, im Laufe der Jahre weiterentwickelt und verfeinert. In Kapitel 1 werden auch Sie dieses Konzept kennenlernen. Ich erlebe immer wieder, wie lebensverändernd ihre Methoden für Katzen und ihre zuweilen höchst frustrierten Besitzer sein können.

Die positive Wirkung ihrer Verhaltensempfehlungen verstärkt sich um ein Vielfaches, wenn sie Teil eines Programms sind, das zusammen mit einem Tierarzt entwickelt wurde. In Kapitel 6 betont Mieshelle, wie wichtig regelmäßige Tierarztbesuche sind und dass Sie mögliche medizinische Gründe als Ursache des unerwünschten Verhaltens Ihrer Katze ausschließen müssen. Denn für viele Verhaltensprobleme gibt es tatsächlich eine medizinische Erklärung – von schlechten Zähnen und Schmerzen im Maul bis hin zu Harnwegsinfektionen. Ihr Tierarzt kann Ihnen am besten dabei helfen herauszufinden, wie es um das körperliche Befinden Ihrer Katze steht. Sind Sie mit ihm zu dem Ergebnis gelangt, dass sie körperlich gesund und das Problem verhaltensbedingt ist, können Sie mit der Verhaltensmodifikation beginnen, indem Sie eine oder mehrere Techniken aus diesem Buch einsetzen. Mieshelle kann Ihnen und Ihrer Katze helfen, diese belastenden Probleme zu bewältigen – von eher einfachen Problemen wie Unsauberkeit bis hin zu komplexeren wie der übertriebenen Fellpflege sowie aggressivem und zerstörerischem Verhalten –, damit die Beziehung zu ihr am Ende glücklicher und lohnender ist.

Ich freue mich sehr, dass Mieshelle dieses Buch geschrieben hat, und fühlte mich geehrt, als sie mich bat, ein Vorwort zu verfassen. Gewiss wird das Buch einen unschätzbaren Beitrag dazu leisten, das Wissen um das Verhalten von Katzen zu verbessern, und nicht nur das Leben vieler dieser Tiere, sondern auch das ihrer Besitzer verschönern. Hätte es im Jahr 1998 bereits Quellen wie dieses Buch gegeben, hätten Gum Drop und sein Besitzer vielleicht einige der darin erläuterten Methoden anwenden können, um ihre Probleme zu lösen und weiter harmonisch zusammenzuleben. Als Eigentümer des Meridian Park Veterinary Hospital werde ich dieses Buch allen meinen Klienten mit Katzen empfehlen. Vielen Dank, Mieshelle!

Dr. James R. Shultz jr.

Vorwort

von Gwen Cooper

Ich sage immer, würde ein Geist aus einer Flasche fahren und mir einen Wunsch erfüllen, bäte ich ihn darum, meinen drei Katzen für nur 24 Stunden die Gabe der Sprache zu verleihen. Ich habe seit knapp fünfzehn Jahren Katzen und sie in dieser Zeit als bezaubernd, liebevoll, wahnsinnig witzig, überraschend lieb und einfühlsam empfunden – wenn ihnen der Sinn danach steht. Leicht zu verstehen sind sie nicht. »Warum leckst du so gern an Plastiktüten?«, würde ich Scarlett, die Älteste, fragen. Von Vashti, meinem »Mittelkind«, würde ich wissen wollen: »Wieso trinkst du immer nur aus meinem Glas, obwohl das Wasser aus der gleichen Leitung stammt wie das in deinem Napf?« Homer, mein Jüngster, hat vor ein paar Jahren selbständig gelernt, die Toilette zu benutzen, wechselt aber – scheinbar nach Lust und Laune – zwischen Toilette und Katzenklo. »Warum heute?«, möchte ich ihn manchmal fragen, wenn er ins Bad kommt, um die Toilette zu benutzen, während ich mich schminke. »Warum jetzt?«

Als Autorin neige ich zu der Auffassung, das Schöne und das Rätselhafte seien eng miteinander verwandt. Im Laufe unseres Lebens gibt es viele Dinge, die wir mögen oder gar lieben, und wir können dies genauestens begründen. (Ich liebe diese Jogginghose, weil sie so bequem ist!) Aber die großen, lebensverändernden Lieben – von den kulinarischen Genüssen über die Kunst bis hin zu den Menschen – sind stets vom Hauch des Unergründlichen umgeben. Die Beziehungen zwischen Menschen und Katzen wurzeln in ebendieser Rätselhaftigkeit. Ich denke oft, zum Klischee der mysteriösen »Katzenfrau« fehlt das Pendant vom »Hundemann«, weil Hunde verhältnismäßig leicht zu durchschauen sind. Sie sind Rudeltiere wie der Mensch. Sich selbst überlassen, bilden sowohl Hunde als auch Menschen kleine gesellschaftliche Gruppen von bemerkenswerter Ähnlichkeit. Katzen sind keine Rudeltiere, und darum lassen sich die Beziehungen zwischen ihnen und ihren Besitzern nicht so leicht mit einem Wort erklären. Für Katzen hat es nicht zwangsläufig eine hohe Priorität, uns Freude zu bereiten – nur damit wir glücklich sind. Kuschelt sich ein Kater abends in selig schnurrender Zufriedenheit ins Kissen neben uns, ist das hübsch anzusehen, anzuhören und anzufassen. Aber er tut dies zu seinem eigenen Vergnügen, nicht zu unserem. Vieles von dem, was Katzen tun, macht uns glücklich, dass wir sie haben. Dabei ist nur eines klar: Sie tun es nicht nur, um uns eine Freude zu bereiten. Da wir selten genau wissen, was sie denken, können wir nur raten oder ihre Liebe und ihre Gesellschaft einfach annehmen, ohne nach dem Warum zu fragen.

Dass wir das Warum nicht kennen, ist das rätselhafte Element der Beziehungen zwischen Menschen und Katzen, und in diesem Rätsel liegt Schönheit – die Schönheit des Unwahrscheinlichen und Unerklärlichen.

Es ist gut und schön, wenn ich als Schriftstellerin über Phänomene wie Rätselhaftigkeit, Schönheit und Liebe philosophiere. Aber zuweilen beeinträchtigt diese Rätselhaftigkeit unsere Lebenssituation im Alltag. Mitunter legen Katzen ein Verhalten an den Tag, das diesen rätselhaften Charme nicht aufweist, sondern ärgerlich, destruktiv oder gar bedrohlich für uns, unser Eigentum und die anderen Menschen und Tiere in unserem Haushalt ist. Da wir nicht ganz verstehen, warum sie so etwas tun, wissen wir oft auch nicht so recht, wie wir dieses Verhalten unterbinden können, ohne die Geduld zu verlieren oder ihnen dabei ungewollt zu schaden.

Ich habe diese Lektion gelernt, als ich ungefähr zehn Jahre Katzen hatte und an einen Punkt gelangt war, an dem sich das Rätselhafte und die Liebe überschnitten. Kurz gesagt, ich verliebte mich in einen Mann, entschloss mich zur Heirat und zog mit meinen drei Katzen zu ihm. Mein künftiger Gatte Laurence hatte keine Erfahrung mit Katzen. Aber ich versicherte ihm – in meiner ganzen, aus zehn glücklichen Jahren als Katzenmutter geborenen Aufrichtigkeit –, dass alles gutgehen würde. Es könnte sogar ein Satz wie »Du wirst sie kaum bemerken« gefallen sein.

Gibt es einen Schutzheiligen für Liebende, die einander unbewusst belügen? Wenn nicht, sollte eine Katze diese Aufgabe übernehmen.

Bei einer meiner Katzen verlief die Umstellung problemlos. Vashti ist eine Schönheit mit langem, weißem Fell und grünen Augen und sieht immer aus, als sei sie soeben einem Werbespot für Luxuskatzenfutter entsprungen. Sie verliebte sich auf den ersten Blick in Laurence. Als ihn dieses exotische Geschöpf so schnell und so fest ins Herz geschlossen hatte, war das für ihn so schmeichelhaft, dass er gleichermaßen hingerissen war.

Aber zu meiner Brut gehörten zwei weitere Katzen, deren Gewöhnung an das Leben mit einem neuen Menschen deutlich problematischer war. Scarlett ist grau getigert und sowohl in ihrer Erscheinung als auch in ihrem Temperament eine typische Katze. Sie ist so, wie sich das Menschen vorstellen, die keine Katzen mögen – majestätisch, kapriziös, freiheitsliebend und häufig spröde. Sie ist unfassbar sanft und liebevoll zu mir, aber so mancher glücklose Besucher, der sie zu streicheln versucht, wird für seine Mühe mit einem blutigen Arm belohnt. (Um Hilfe bei aggressivem Verhalten geht es in Kapitel 7.)

Wenn sich Scarlett einer Sache im Leben sicher war, dann dieser: Der Fremde, mit dem sie plötzlich zusammenleben musste, hatte nicht das Recht, sie anzufassen, sich ihr zu nähern oder sich auch nur im selben Raum aufzuhalten. Die herrische kleine Scarlett war es gewohnt, dass alles nach ihrem Kopf ging, und setzte ihre Regeln Laurence gegenüber auf die gleiche Weise durch, wie sie es bei meinen anderen beiden Katzen tat. Jedes Mal, wenn er sich ihr näherte, an ihr vorüberging oder ihr nach ihrem Dafürhalten zu nahe kam, fauchte sie ihn an und ließ ihn wütend ihre Krallen spüren. Das konnte sogar mitten in der Nacht passieren, wenn Laurence ins Badezimmer ging, was die Sache doppelt nervenaufreibend machte.

Dann war da noch Homer, mein Baby. Homer ist von Geburt an blind und neigt stärker als die beiden anderen dazu, sich von seinem emotionalen Umfeld in seiner Stimmung beeinflussen zu lassen. Und die Spannungen zwischen Laurence und Scarlett sowie zwischen Laurence und mir, wenn er wütend wissen wollte, weshalb ich Scarlett für ihr Fehlverhalten nicht zur Rechenschaft zog, waren greifbar.

Je größer die Spannungen zu Hause, desto angespannter wurde auch Homer. Und je angespannter er wurde, desto geneigter war er, eher aggressiv als verspielt hinter Scarlett – einem der Auslöser für diese Spannungen – herzujagen. Und je aggressiver Homer war, desto angespannter wurde Scarlett und desto wahrscheinlicher wurde es, dass sie versuchen würde, sich sicherer zu fühlen, indem sie auf Laurence losging.

Ein solcher Kreislauf – eine Kette von Ereignissen, bei der eine Reaktion die nächste auslöst, die wiederum die nächste verursacht und so fort, bis man wieder beim Ursprung angelangt ist und der Kreis sich schließt – wird von Wissenschaftlern als »positive Rückkopplung« bezeichnet.

Laurence und ich fanden es einfach »schlecht«.

Das ging einige Monate so weiter, bis ich eines Tages auf der Internetseite Salon.com einen Artikel über Mieshelle Nagelschneider las. In dem Text wurde sie als die »Katzenflüsterin« bezeichnet, und es wurden erstaunliche Erfolge bei scheinbar hoffnungslosen Fällen erzählt, in denen diese Expertin für das Verhalten von Katzen mit jahrzehntelanger Erfahrung eingegriffen hatte. Sie hatte geduldigen Katzenbesitzern geholfen, die verschiedensten Probleme zu korrigieren – angefangen bei Katzen, die an unerwünschten Stellen urinierten (wenn ich mich recht entsinne, in einem Fall sogar auf das Gesicht des schlafenden Besitzers), bis hin zu aggressivem Verhalten gegenüber Artgenossen oder gar ihren Eigentümern.

Da ich verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte, die vielleicht funktionieren könnte, machte ich Mieshelles Internetseite ausfindig und vereinbarte einen Termin für ein Beratungsgespräch. Zunächst wies sie mich an, strategische Stellen im ganzen Haus mit synthetischen Pheromonena zu besprühen, da bestimmte Duftstoffe eine beruhigende Wirkung auf Katzen haben, sie entspannter und weniger aggressiv machen. Selbst wenn sich dadurch nicht alle Spannungen zwischen Scarlett und Laurence beseitigen ließen, würde es vielleicht dazu beitragen, zumindest die Probleme zu lösen, die plötzlich zwischen Scarlett und Homer entstanden waren.

Mieshelles zweite Empfehlung, um die Spannungen zwischen den Katzen abzubauen, war ein Verfahren, von dem ich weder zuvor noch seither etwas gehört habe. Sie bezeichnete es als »Pheromonaustausch«. Geduldig erklärte sie, dass ich lernen würde, den »sozialen Vermittler« zwischen meinen Katzen zu spielen und einen »Gruppengeruch« zu erzeugen, der dafür sorgen würde, dass die Tiere besser miteinander auskamen, und der ihre Feindseligkeit verringern würde. Daraufhin zeigte sie mir ganz genau, wie ich das Verfahren anwenden sollte, das ihre Klienten »die Nagelschneider-Methode« nennen, so wie sie es auch in dem Buch tun wird, das Sie gerade in den Händen halten.

Um die Katzen mit Laurence zu versöhnen, lautete Mieshelles dritte wichtige Empfehlung, dass er anfangen sollte, sich an ihrer Fütterung zu beteiligen. Wenn er sie ein- oder zweimal täglich fütterte, konnte er Scarlett damit vielleicht helfen, zwischen »Menschen, die eine Bedrohung sind« (ihrer Ansicht nach alle außer mir), und »Menschen, die eine Nahrungsquelle sind«, zu unterscheiden. Der Grundgedanke war, Laurence von der »Liste« der Bedrohungen zu streichen und auf die »Liste« der Nahrungslieferanten zu setzen. Nicht in der Hoffnung, dass die beiden gleich Freundschaft schlössen, sondern Scarlett ihm zumindest so viel Respekt und Vertrauen entgegenbrächte, dass sie nicht jedes Mal mit den Krallen auf ihn losginge, wenn ihre Wege sich kreuzten.

Einige der vielen Empfehlungen (denn es waren mehr als drei) erschienen mir damals so einfach, dass ich kaum glauben konnte, nicht selbst darauf gekommen zu sein. Aber natürlich betrachtete ich die Situation aus der Perspektive eines frustrierten Menschen. Mieshelle dagegen kam von außen und dachte wie eine Katze darüber.

Und siehe da, schon nach wenigen kurzen Wochen zeigten die von ihr empfohlenen Maßnahmen Wirkung! Heute empfindet Scarlett zwar nicht gerade Sympathie für Laurence, aber sie duldet ihn und zollt ihm widerwillig Respekt. (Und für eine Katze wie Scarlett ist das ein großes Zugeständnis!) Sie sitzt und schläft friedlich weiter, wenn er zufällig an ihr vorübergeht, und streicht sogar zärtlich um seine Knöchel, wenn er abends nach Hause kommt.

Nachdem die Spannungen zu Hause dramatisch nachgelassen hatten, fing auch Homer an, wieder fröhlich mit Scarlett zu spielen, und stellte sein aggressives Verhalten ein. Unsere Katzen sind ruhig und glücklich, genau wie Laurence und ich. Als wir vor etwas mehr als einem Jahr heirateten, vergrößerte Laurence Fotos von allen Katzen und stellte die Poster bei unserer Hochzeit auf, um unsere Gäste mit den drei neuesten Lieben seines Lebens »bekannt zu machen«.

Doch trotz alledem, obwohl die Katze für die meisten Menschen ein ebenso verlockendes wie quälendes Rätsel bleibt, das sich auf ewig unserem völligen Verständnis entzieht, sind einige von uns mit der nahezu übernatürlichen Gabe gesegnet zu durchschauen, was in den Köpfen dieser Tiere vorgeht. Mieshelle gehört dazu. Hätte ich damals, als ich bei Laurence einzog, das Glück gehabt, dieses Buch zu besitzen, das Sie nun in den Händen halten, hätte ich meinem Mann und meinen Katzen (und mir selbst) Monate der Frustration und der Spannungen ersparen können.

Die Liebe wird aus dem Geheimnis geboren, und unsere Katzen sind ebenso geheimnisvoll wie geliebt. Der größte Segen aber ist zuweilen, wenn ein Licht die Dunkelheit erhellt. Mieshelle Nagelschneider trägt ein solches Licht. Gestatten Sie ihr, Ihnen damit zu leuchten.

Gwenn Cooper1

Einleitung: Über Katzen und wie ich lernte, mit ihren Augen zu sehen

Mit den Wolfsjungen wuchs [Mogli] auf … Vater Wolf lehrte ihnalles, was ein Wolf wissen musste, und weihte ihn in das Leben derDschungel ein, bis jedes Rascheln im Grase, jeder Hauch der warmenNachtluft, jeder Ruf der Eule über seinem Kopf, jeder Kratzer von denKrallen der Fledermäuse, wenn sie eine Weile im Baum gerastethatten, und jeder klatschende Sprung des kleinsten Silberfisches imTeiche – bis dies alles seine genaue Bedeutung für ihn hatte.2

RUDYARD KIPLING: Das Dschungelbuch

Vielleicht lesen Sie dieses Buch, weil Sie Katzen lieben und sich für sie interessieren. Aber vielleicht sind Sie auch mit Ihrem Latein am Ende, weil Ihr Liebling gerade die teuren neuen Schuhe Ihres Freundes mit Urin markiert, Ihr nagelneues Sofa ruiniert hat oder seine Toilette verschmäht und in anderen Ecken Ihrer Wohnung sein Geschäftchen macht. Sie haben alles versucht. Sie fühlen sich schuldig. Schreien Sie Ihre Katze an? Haben Sie ihr sogar einmal einen Klaps gegeben oder etwas nach ihr geworfen? Fürchten Sie, dass Sie das Tier misshandeln, dass es niemals Manieren lernen wird und dass Sie sich von Ihrem Freund oder gar der Liebe Ihres Lebens (also Ihrer Katze) trennen müssen? Ich werde Ihnen helfen, sie zu verstehen. Ich werde Ihnen sagen, warum sie tut, was sie tut, und wodurch Sie das Problemverhalten verursachen oder verschlimmern. Damit Sie, Ihre Katze – oder Katzen – und alle anderen Mitglieder Ihres Haushalts glücklich und zufrieden leben können. Ich werde Ihnen die gleichen leicht umsetzbaren Lösungen zeigen, zu denen ich meinen Klienten seit zwanzig Jahren rate.

Die empfohlenen Veränderungen werden Ihnen, Ihrer Katze und den Menschen in Ihrem Leben ein friedlicheres Zusammenleben ermöglichen. Falls Sie mehr als eine Katze haben, werde ich Ihnen zeigen, wie Sie den Tieren zu einem besseren Miteinander verhelfen können. Katzen, die noch nie einen Artgenossen bei der Fellpflege unterstützt haben, werden mit Begeisterung ihre Freunde putzen – und das wird sie noch fester zusammenschweißen. Katzen, die bisher allein geschlafen haben, werden sich aneinanderkuscheln. Ihre Katzen werden sich zu den Tieren entwickeln, die sie sein sollen. Sie werden selbstbewusster und geselliger, entspannter und sicherer, einfach »mehr Katze« sein. Meine Klienten berichten, die Tiere, von denen sie mir in der Beratung erzählten oder die ich persönlich kennenlernen durfte, hätten sich in der Zeit danach vollkommen verändert. Bei Zweitbesuchen kann ich ihre Einschätzung nur bestätigen. Statt ein Schlachtfeld zu betreten, komme ich in ein Katzenparadies. Die Katzen liegen entweder einzeln an Stellen, die sie zwar gemeinsam, aber zeitlich versetzt nutzen, oder kuscheln sich aneinander. Da wird weder gefaucht noch gerauft, sie jagen einander nicht und gehen nicht aufeinander los.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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