Verlag: Arena Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

Tochter der Finsternis E-Book

Cassandra Clare  

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E-Book-Beschreibung Tochter der Finsternis - Cassandra Clare

London, 1903: Magnus Bane trifft alte Freunde und schafft sich neue Feinde - doch auf welcher Seite steht der Sohn seines früheren Weggefährten Will Herondale?  Eigentlich wollte Magnus nie wieder nach London zurückkehren. Das äußerst verlockende Angebot von Tatiana Blackthorn - und ihrer betörend schönen Ziehtochter - bringt seinen Entschluss jedoch ins Wanken. Was er nicht ahnt: Tatianas Pläne sind weitaus finsterer, als er sich hätte vorstellen können. Im London der Jahrhundertwende begegnet Magnus seinen alten Freunden und trifft dabei auf einen äußerst ungewöhnlichen jungen Mann … den sechzehnjährigen James Herondale.

Meinungen über das E-Book Tochter der Finsternis - Cassandra Clare

E-Book-Leseprobe Tochter der Finsternis - Cassandra Clare

Cassandra Clare/Sarah Rees Brennan

DIE CHRONIKEN DES MAGNUS BANE

TOCHTER DER FINSTERNIS

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Köbele

 

 

Cassandra Clarewurde in Teheran geboren und verbrachte die ersten zehn Jahre ihres Lebens in Frankreich, England und der Schweiz. Ihre Serie Chroniken der Unterwelt sowie die Reihe Chroniken der Schattenjäger wurden auf Anhieb zu einem internationalen Erfolg, ihre Bücher stehen weltweit auf den Bestsellerlisten. Cassandra Clare lebt mit ihrem Mann, ihren Katzen und einer Unmenge an Büchern in einem alten viktorianischen Haus in Massachusetts.

Weitere Titel von Cassandra Clare im Arena Verlag:

CHRONIKEN DER UNTERWELT: City of Bones City of Ashes City of Glass City of Fallen Angels City of Lost Souls

City of Bones/Ashes/Glass/Fallen Angels sind auch als Hörbuch erhältlich.

CHRONIKEN DER SCHATTENJÄGER: Clockwork Angel Clockwork Prince Clockwork Princess

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel The Bane Chronicles. The Midnight Heirbei Margaret K. McElderry Books, einem Imprint der Simon & Schuster Children’s Publishing Division, New York. Copyright © 2013 by Cassandra Clare LLC

1. Auflage 2013 Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2013 Arena Verlag GmbH, Würzburg Alle Rechte vorbehalten Aus dem Amerikanischen von Ulrike Köbele Cover: © Cliff Nielsen ISBN 978-3-401-80278-7

www.arena-verlag.deMitreden unter www.forum.arena-verlag.dewww.chroniken-der-unterwelt.de

Inhaltsverzeichnis

Tochter der Finsternis

1903

Weitere Titel in der Reihe

DIE CHRONIKEN DES MAGNUS BANE

Was geschah tatsächlich in Peru?

Bereits erschienen

Die Flucht der Königin

Bereits erschienen

Vampire, Scones und Edmund Herondale

Bereits erschienen

Der Aufstieg des Hotels Dumont

Bereits erschienen

Die Rettung Raphael Santiagos

September 2013

Der Niedergang des Hotels Dumont

Oktober 2013

Der Fluch wahrer Liebe (und erster Dates)

November 2013

Was braucht ein Schattenjäger, der schon alles hat?

Dezember 2013

Der letzte Kampf des New Yorker Instituts

Januar 2014

Cassandra Clare/Sarah Rees Brennan

Die Chroniken des Magnus Bane

TOCHTER DER FINSTERNIS

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Köbele

1903

Es dauerte fast zwanzig Minuten, bis Magnus den jungen Mann bemerkte, der gerade dabei war, sämtliche Lichter an einem der Kronleuchter auszuschießen. Der Gerechtigkeit halber sollte allerdings ergänzt werden, dass ihn die restliche Inneneinrichtung erheblich abgelenkt hatte.

Seit Magnus das letzte Mal in London gewesen war, war beinahe ein Vierteljahrhundert verstrichen. Es hatte ihm gefehlt. Vom New York der Jahrhundertwende ging natürlich eine Energie aus, mit der keine andere Stadt mithalten konnte. Magnus liebte es, in einer Kutsche in die gleißenden Lichter des Longacre Square hinauszuklappern, um dann vor der üppigen, im Stil der Französischen Renaissance gehaltenen Fassade des Olympia Theatre auszusteigen oder dicht an dicht mit Menschen aus einem Dutzend verschiedener Länder am Hot-Dog-Festival im Greenwich Village teilzunehmen. Er genoss die Fahrten mit der Hochbahn samt ihren quietschenden Bremsen und allem, was sonst noch dazugehörte, und konnte es kaum erwarten, durch die weitläufigen unterirdischen Tunnelsysteme zu brausen, die gerade mitten unter dem Herzen der Stadt gebaut wurden. Kurz vor seiner Abreise hatte er die Baustelle des großen Bahnhofs am Columbus Circle gesehen und hoffte sehr, dass das Gebäude endlich fertig sein würde, wenn er zurückkehrte.

Aber London war London. Es war Schicht um Schicht in seine lange Geschichte gehüllt, wobei jedes neue Zeitalter das vorangegangene umschloss. Magnus hatte seine eigene Vergangenheit mit dieser Stadt. Hier gab es Leute, die er geliebt hatte, und solche, die er gehasst hatte. Eine Frau hatte er sowohl geliebt als auch gehasst – um dieser Erinnerung zu entkommen, war er aus der Stadt geflohen. Manchmal fragte er sich, ob seine Flucht ein Fehler gewesen war, ob er hätte bleiben und leiden, die schlechten Erinnerungen zugunsten der guten erdulden sollen.

Magnus lümmelte sich in seinen plüschigen Samtsessel – dessen Armlehnen im Laufe der Jahrzehnte von unzähligen Ärmeln abgewetzt worden waren – und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Von englischen Häusern ging eine Sanftheit aus, die Amerika in seiner forschen Jugendlichkeit vermissen ließ. Funkelnde Kronleuchter hingen von der Decke wie Wassertropfen – die natürlich nur aus geschliffenem Glas bestanden, nicht aus Kristall, aber auch so ein hübsches Licht verbreiteten – und elektrische Fackeln säumten die Wände. Magnus fand elektrisches Licht immer noch ziemlich aufregend, auch wenn es nicht annähernd so hell war wie Elbenlicht.

Die Herren der Oberschicht saßen gruppenweise an Tischen zusammen und spielten Pharo und Pikett. Auf den samtbezogenen Bänken, die entlang der Wände standen, räkelten sich Damen, die sich nicht besser verhielten, als es von ihnen erwartet wurde, in Kleidern, die zu eng und zu bunt waren und auch sonst nicht mit den Attributen geizten, die Magnus an ihnen besonders schätzte. Zu ihnen gesellten sich die Herren, die Erfolg an den Spieltischen gehabt hatten und nun vor Triumphgefühlen und Pfundnoten überquollen; diejenigen, denen das Glück nicht so hold gewesen war, schlüpften an der Tür in ihre Mäntel und schlichen einsam und um ein Vermögen erleichtert in die Nacht hinaus.

Das alles war außerordentlich dramatisch, und das gefiel Magnus. Auch nach all der Zeit hatte er sich am Prunk der gewöhnlichen Leute in ihrem gewöhnlichen Leben nicht sattgesehen – noch lange nicht. Da war es auch egal, dass die Leute unterm Strich alle gleich waren.

Ein lauter Knall riss Magnus aus seinen Gedanken. Mitten im Raum stand ein junger Mann umgeben von Glassplittern. In der Hand hielt er eine gespannte Silberpistole; offenbar hatte er dem Kronleuchter gerade einen Arm abgeschossen.

Magnus überkam ein heftiges Déjà-vu, wie die Franzosen es nannten: Ein Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben. Natürlich war er zuvor bereits in London gewesen, das letzte Mal eben vor fünfundzwanzig Jahren.

Es war das Gesicht des Jungen, das diese plötzliche Erinnerung ausgelöst hatte. Es war ein Gesicht aus der Vergangenheit, eines der schönsten Gesichter, die Magnus je gesehen hatte. Seine filigranen Konturen standen in krassem Gegensatz zu der Schäbigkeit dieses Etablissements – seine strahlende Schönheit ließ selbst den Glanz der elektrischen Lichter fahl und funzlig wirken. Die Haut des Jungen war so weiß und rein, dass es schien, als würde sie von innen erleuchtet. Seine Wangenknochen, seine Kinnpartie und sein Hals – der hinter dem offen stehenden Kragen eines Leinenhemds zum Vorschein kam – waren so glatt und makellos, dass er beinahe wie eine Statue aussah. Diesen Eindruck machte allerdings sein stark zerzaustes Haar zunichte, das ihm in mitternachtsschwarzen Locken ins fast durchscheinend helle Gesicht fiel.

Magnus wurde in der Zeit zurückgeworfen. Um ihn herum stiegen der Nebel und die Lichter der Gaslaternen eines Londons auf, das seit mehr als zwanzig Jahren vergangen war, und drohten, ihn zu verschlingen. Er spürte, wie seine Lippen einen Namen formten: Will. Will Herondale.

Unwillkürlich trat Magnus vor, wie von einer fremden Macht gesteuert.

Der junge Mann sah ihn an und Magnus erschrak. Das waren nicht Wills Augen, die in Magnus’ Erinnerung so blau waren wie der Nachthimmel in der Hölle und die er schon voller Verzweiflung, aber auch voller Zärtlichkeit gesehen hatte.

Die Augen dieses Jungen funkelten so golden wie ein Kristallglas, das, bis zum Rand mit einem spritzigen Weißwein gefüllt, gegen das Licht der flammenden Sommersonne gehalten wurde. War seine Haut leuchtend, so waren seine Augen wie Feuer. Magnus konnte sich diese Augen nicht als zärtlich vorstellen. Der Junge war wirklich bezaubernd, aber er war auf eine Weise schön, wie es Helena von Troja einst gewesen sein musste. Eine solche Schönheit bedeutete Verderben. Beim Anblick des Jungen erschienen brennende Städte vor Magnus’ innerem Auge.

Der Nebel und das Licht der Gaslaternen schrumpften zu der Erinnerung zusammen, die sie waren. Magnus’ vorübergehender Anfall von dümmlicher Nostalgie war überstanden. Das war nicht Will. Dieser gebrochene, wunderschöne Junge war längst ein Mann und der Junge vor ihm nur ein Fremder.

Trotzdem war sich Magnus sicher, dass diese bemerkenswerte Ähnlichkeit kein Zufall sein konnte. Mühelos bahnte er sich einen Weg bis zu dem Jungen, denn die restlichen Besucher dieser Spielhölle schienen nicht sonderlich erpicht, sich ihm zu nähern – was durchaus nachvollziehbar war. Der junge Mann stand allein in der Mitte des Raumes wie eine Insel in einem glitzernden Meer aus Glasscherben.

»Nicht gerade eine typische Waffe für einen Schattenjäger«, bemerkte Magnus leise. »Oder?«

Die goldenen Augen verengten sich zu leuchtenden Schlitzen und die langen Finger der Hand ohne Pistole wanderten zum Ärmel des Jungen, wo sich, wie Magnus vermutete, die am leichtesten zu erreichende Klinge verbarg. Dabei zitterten seine Hände allerdings leicht.

»Immer mit der Ruhe«, fuhr Magnus fort. »Ich will dir nichts Böses. Ich bin ein Hexenmeister und die Whitelaws in New York werden dir gerne bestätigen, dass ich vollkommen – na gut, weitestgehend – harmlos bin.«

Darauf folgte eine lange Pause, die sich irgendwie bedrohlich anfühlte. Die Augen des Jungen waren wie Sterne: Sie funkelten, blieben aber geheimnisvoll und unergründlich. Magnus konnte andere Leute normalerweise recht gut einschätzen, aber diesmal hatte er große Schwierigkeiten zu erahnen, was der Junge wohl als Nächstes tun würde.

Dementsprechend überrascht war er über dessen Antwort.

»Ich weiß, wer Sie sind.« Im Gegensatz zu seinem Gesicht hatte seine Stimme etwas Sanftes.