Tödlicher Segeltörn - Herbert Denninghoff - E-Book

Tödlicher Segeltörn E-Book

Herbert Denninghoff

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Beschreibung

Ein Segeltörn in der Karibik, der Traum eines jeden Seglers, über Nacht wurde er zum Albtraum. Der eiskalte Überfall überraschte uns im Schlaf. Nur Conny und mir gelang es mit letzter Kraft, uns vom brennenden Schiff auf eine verlassene Insel zu retten, vorläufig. Ein nächtlicher Versuch, die Insel auf einem Surfbrett zu verlassen gelang, denn ein Fischer hatte uns in der Nacht auf dem Meer entdeckt und aufgenommen. Wir glaubten uns schon in Sicherheit, als das Grauen erneut zuschlug. Die Täter hatten uns aufgespürt und Conny, die verletzte Tochter meines auf der Yacht ermordeten Freundes, aus dem Krankenhaus entführt. Verzweifelt nahm ich die Jagd nach den Entführern auf, die für diesen grausamen Überfall verantwortlich waren. Waren wir zwischen die Fronten eines Drogenkartells und der Polizei geraten? Kein Zweifel, mit meiner auf der Yacht gemachten Entdeckung würden sie uns niemals entkommen lassen. Ein dramatischer Wettlauf um unser Leben begann ...

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Seitenzahl: 661

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Für Rusch

Handlung und Namen sind frei erfunden

Der Autor:

Geboren: Am Niederrhein

Tätigkeiten: Architektur

Wohnhaft: Umfeld Hamburg

Hobbys: Segeln, Kochen,

Inhalt

Planung

Blue Silver Star

Der Überfall

Die Insel

Das Versteck

Diamanten

Die „von Bradows“

Durst

Die Flucht

Elna und Rico

Dirk

Medical Center

Gritt

Doc Vincent Nurgal

Fenger

Die Entführung

Das Kastell

Die Befreiung

Jens

Volker

Einbruch und Überfall

Am Kastell

Das Dezernat

Nacolton Yacht Charters

Hotel Antigua

Der Flug

Die Klinik

Anne und Gerhard

Die Diamantenliste

Der Mord

Das Apartment

Vorbei – oder?

Planung

Endlich lag ich wieder einmal

entspannt und traumlos in meiner Hängematte

Das sanfte Schaukeln unserer Yacht hatte mich, nachdem wir gegen Abend vor Anker gegangen waren, rasch einschlafen lassen. Ein Segeltörn in der Karibik, der Traum eines jeden Seglers, war für mich wahr geworden. Conny hatte diesen herrlichen Ankerplatz ausgesucht. Conny, nur vierundzwanzig Jahre jung, ein traumhaftes Girl, ist unser aller „Augapfel“, ein fantastisches Mädchen. Sie hat alles das, was wir älteren Baujahre leider nicht mehr haben, sie ist jung und dabei auch noch wunderschön. Außerdem ist sie die Tochter meines Partners und besten Freundes, Dirk von Bradow, und sie würde auf diesem Segeltörn ihren Geburtstag feiern und damit ein Viertel Jahrhundert alt sein. Dirk, der alte Knochen und wie ich auch Architekt der „alten Schule“, sollte neun Tage zuvor seinen dreiundfünfzigsten Geburtstag auf gleicher Fahrt, aber in einem anderen Hafen der Karibik, erleben. Das, so die Planung, auf einer Traumreise im schönsten Segelrevier der Welt …

Alles hatte entspannt und hoffnungsvoll angefangen und ich, ich hatte zu Beginn der geplanten Seereise überhaupt keine Aktien in diesem Geschäft. Eine vierzehntägige Segeltour, erst geplant und dann, ohne Rücksicht auf die sicherlich recht heftigen Kosten, gebucht, sollte uns in eine besondere Inselwelt führen. Ein Geschenk zum Geburtstag für meinen Partner, nebst seiner Frau und deren Tochter Conny. Die Idee war von unseren Büroangestellten ausgedacht und zielsicher umgesetzt worden. Nur mich hatte man nicht an diesem Spiel teilnehmen lassen.

Nachdem dann aber Dirks Mutter Annegrete, von allen nur Anne genannt, von diesem Vorhaben Wind bekommen hatte, übernahm sie spontan und sofort nicht nur das gesamte Kommando, sondern auch die weitere Planung. Sie sponserte nicht nur den größten Teil der Buchungskosten für eine ihrer Meinung nach notwendige First Claas Bootsyacht, sondern, da Conny ihre einzige Enkeltochter ja wenige Tage nach ihrem Sohn fünfundzwanzig Jahre alt werden würde, kamen zu den anfänglich von unserem Büro geplanten vierzehn Segeltagen noch weitere vierzehn Segeltage, von ihr beigesteuert, hinzu. Zuerst waren alle unsere Mitarbeiter über die plötzlich auf vier Wochen angewachsenen Urlaubstage, an denen Dirk als Chef und Finanzmagnat unseres Unternehmens an allen Ecken fehlen würde, nicht begeistert. Aber mit mir, dem „Partnerknecht“, der eher nur als ein akzeptierter Mitarbeiter und weniger als gleichberechtigter Partner wahrgenommen wurde und auch nur sehr selten als Chef auftrat, kaum einmal einen Anzug trug, würden alle Angestellten seine Abwesenheit im Büro schon ertragen. Niemand aber kannte Anne so gut wie ich. Hatte sie einmal eine Aufgabe in die Hand genommen, war sie nicht mehr zu bremsen, da würde noch was laufen. Nun gab es bei ihren Planungen natürlich kaum finanzielle Probleme, die beachtet werden mussten. Sie hatte genug Schotter, um jede Planung, in welcher Qualität auch immer, leicht und locker ohne Rücksicht auf Verluste zu tragen. So waren dann zwei besondere Geburtstagsevents, weit entfernt von Haus und Hof, fern ab von allen stressigen Verpflichtungen der gehobenen Klasse, geplant. Das aber hatte es im Hause der von Bradows noch nie gegeben.

Als ich endlich davon erfuhr, war ich gespannt, was im Vorfeld der Planung noch alles passieren würde. Ich war mir sicher, Normalität gab es bei Anne und den von Bradows nicht, denn sie lebten nach dem Motto „leben und leben lassen“. Es konnte in ihrem Umfeld nie aufwendig genug sein, Qualität war ihr Ding. Bisher wurden Geburtstage bei diesen Leuten immer in einem meiner Meinung nach reichlich überzogenen Rahmen mit Öffentlichkeit ohne Ende durchgezogen und nun sollte das mit einem Mal ganz anders sein? Kaum zu glauben. Diese etwas abgehobene, überzogene Welt, in welcher der Klan lebte, war nicht gerade meine Welt. Diese Events waren nicht mein Stil, aber der Name der von Bradows war schließlich nicht nur in Norddeutschland ein Begriff und natürlich auch ein Teil unseres gemeinsamen Büronamens „von B u. D Architekten“. Dieser Name war also schon was in Hamburg. Ich allerdings brauchte kein „Von-und-zu-Image“, das war für mich nicht wichtig. Ich glaubte an unsere fachlichen Fähigkeiten. Ein guter Anzug macht, sofern man sich einen zugelegt und ihn dann auch wirklich anzieht, halt noch lange keinen tollen Typen aus dem Träger. Ein wenig Haargel, und da ist man natürlich schon was, nur was(?), das ist doch die Frage. Manchmal dachte ich, solche überzogene Denkart bei meinem besten Kumpel entdecken zu können. Aber er war eben durch seine Erziehung anders geprägt und er spielte schon immer in einer anderen Liga, er war eben ein „anderes Kaliber“. Egal.

Die große Geburtstagsfeier für Conny, die von Dirks Mutter bereits im Rahmen und im Verlauf der Segelreise geplant war, sollte auf unserer anstehenden Seereise, so viel hatte ich nur über diverse verschlungene Pfade erfahren können, auf irgendeiner besonders tollen Insel stattfinden. Wahrscheinlich sollte es „Martinique“ sein. Im Stillen vermutete ich, dass alle Büromitarbeiter mit einem Flieger zu diesem Treffen gemeinsam für einige Tage anreisen würden. Anne, die über alle notwendigen Möglichkeiten und Mittel verfügte, wäre es ein Leichtes gewesen, das alles umzusetzen. So glaubte ich, dass sie alles auch schon bis ins letzte Detail geplant, gebucht und in trockenen Tüchern hatte. Alles lief natürlich „top secret“, selbst mich ließ Anne lange Zeit ohne nähere Information. Als damals, so am Ende des Jahres, die Vorplanung nahezu abgeschlossen war, blieb noch ausreichend Zeit, um alles noch schnell zu verändern, und so kam dann auch alles eben ganz anders.

Eigentlich – und ich war mir sicher – steckte Anne, die „Granddame“, hinter dem Versuch, mich von Beginn an in diesen Segeltörn einzubauen. „Sicherheit“ wurde immer von ihr besonders groß geschrieben. Sie hatte immer Angst um ihren lieben Sohn Dirk, der einem enormen Erbe entgegenlebte. Asoka akzeptierte sie als Frau ihres Sohnes, aber ich hatte immer so das merkwürdige Gefühl, die große Liebe einer Schwiegermutter zu ihrer Schwiegertochter, die fehlte ihr etwas. Sie wurde zwar von ihr akzeptiert, aber mehr als das war es eben nicht. Sie lehnte die Frau ihres Sohnes nicht offen ab, was – und davon war ich überzeugt – sonst auch zu einer Familientragödie und sofort zu einer Trennung zwischen Dirk und seinen Eltern geführt hätte. Vorrangig ging es ihr auch jetzt bei dem anstehenden Törn um die Sicherheit ihrer Enkeltochter. Sie sorgte sich um ihre Enkelin Conny, die sie abgöttisch liebte. Anne war aber trotz allem die tolle Dame, das Herz und der Motor der von Bradows und sie hatte mich seit vielen Jahren als gleichwertigen Sohn in ihr Herz geschlossen, vertraute mir oftmals mehr als ihrem eigenen Sohn. Sie war jetzt schon zweiundsiebzig, aber sie hatte ein Temperament für fünfzig und sie sah aus wie keine fünfzig. Sie tat was für ihre Gesundheit und ihr Aussehen, arbeitete an ihrer Fitness und quälte sich beinahe täglich. Sie machte ständig Sport mit eigenem Fitnesstrainer, ging jeden Tag schwimmen in unserem Pool auf dem Dach. Die Dame war fit und hatte es richtig drauf. Hinzu kam eine ausgewogene Ernährung, die sie sich bewusst leistete. Sie war privat liebevoll und herzlich, aber im Geschäftsleben, in welchem sie noch immer eine führende Rolle spielte, war sie einfach brillant, eine Macht und stahlhart. Sich mit ihr anzulegen, konnte echte Probleme bringen. Gute Argumente wurden von ihr immer gründlich überdacht und sie war bereit, jede andere Meinung zu akzeptieren, dennoch blieb sie meistens bei ihrer Vorstellung.

Sie meinte damals, da sie mein schon längst überholtes und lange verjährtes Vorleben als Marinesoldat bei der Bundesmarine als SO 36-ger und aus dieser Zeit noch einige flotte Storys aus meiner Fahrenszeit auf U-Booten kannte: „Überlegt doch mal, es macht doch wirklich Sinn, fahrt doch einfach gemeinsam in Urlaub.“ Es war mehr ein Befehl als ein Wunsch, aber das konnten nur wenige so verstehen. Als sie mir dieses Anliegen vortrug, war ich sofort dagegen, während Dirk sich zu meinem Erstaunen merkwürdig bedeckt und schweigsam zurückhielt. Wir hatten mehrmals gemeinsam kleine Segeltörns auf meinem eigenen Segelboot unternommen und Anne hielt mich an Bord, auf See, für erfahrener, kompetenter als ihren Sohn. Damals in meiner Sturm- und Drangzeit war ich allerdings etwas jünger, heute aber bereits reife zweiundfünfzig. Aber natürlich immer noch ein mehr als begeisterter, verrückter Segler.

Als der Vorschlag, oder die Bitte, mitzufahren knapp zwei Wochen vor Reisebeginn heftiger und drängender und auch von Dirks Frau Asoka an mich herangetragen wurde, war ich immer noch nicht begeistert. Ich fand einfach nicht die richtige Einstellung zu einem solchen Vorhaben. Alles kam mir merkwürdig, zu unvorbereitet, zu kurzfristig vor und dann solch eine irre Reise. Wie sollte die Firma laufen? Es gab Aufträge und Projekte, von denen ich glaubte, dass sie ohne mich niemals laufen könnten. Sie mussten bearbeitet und vorangetragen werden. Ich hatte auch in den letzten Jahren noch nie solch einen langen Urlaub gemacht. Ich versuchte, das Ding abzulehnen, und konnte mich dennoch nicht der Magie eines solchen Abenteuers entziehen. „Es ist doch kaum machbar, dass die beiden Häuptlinge für einige Wochen aus unserem Büro verschwinden“, meinte ich zu Gritt, meiner einzigen Vertrauten und rechten Hand im Geschäft. Mit einem Lächeln im Gesicht meinte die aber nur: „Das werden wir schon alles organisieren. Drei Projekte sind nahezu abgeschlossen, wo ist also das Problem? Die nächsten Aufträge laufen erst an und wir benötigen doch wenigstens noch drei Wochen für die Detailplanungen, die folgenden notwendigen Absprachen mit den Behörden sind auch noch nicht abgeschlossen. Ein Wettbewerb geht in drei Tagen raus, also? Sobald es wieder richtig brummt, seid ihr doch schon wieder zurück. Also, Alter, wo ist das Problem?“

Ich stand da und fand, dass dies genau die Erklärung war, die ich für mein Seelenleben brauchte. Gritt hatte immer die Gabe und Ruhe, das Wesentliche überschaubar darzustellen. Sie war mir immer eine besondere, liebenswerte Vertraute. Aber eigentlich war mir trotzdem überhaupt nicht richtig wohl zumute. Reizvoll war die Sache natürlich schon. Als Lückenfüller einzuspringen, ist und war niemals mein Ding, zumal Dirk und seine Frau, so meinte ich fast zu spüren, eigentlich wohl lieber das Abenteuer der Karibik mit ihrer Tochter alleine hätten angehen wollen. Als Babysitter hatte ich keine Lust und die drei benötigten auch keinen. Um des lieben Friedens willen sagte ich damals erst mal unter Vorbehalt der Überprüfung, ob die Firma unser Verschwinden tragen könne, zu.

„Ihr habt es doch alle verdient“, säuselte Anne, als wir dann an einem herrlichen Abend wieder einmal auf dem Dach am Pool zusammensaßen oder -lagen, und zwinkerte mir dabei verschmitzt zu. Ich verzog mich in mein Schneckenhaus und machte einfach auf Abwarten und Teetrinken. Dem Vorschlag, dem Wunsch der Chefin der Familie, wagte sich dann später wohl auch keiner zu widersetzen und langsam beschäftigte ich mich mit der Vorstellung, dass viele Fahrzeuge auch mit fünf Rädern ausgestattet sind und damit auch prima fahren können. Mein Herzblatt Conny aber war von diesem Vorschlag mehr als begeistert, sie kaute mir in den Folgetagen die Ohren ab. Eigentlich hatte ich gehofft, es würde wie immer etwas Wichtiges dazwischenkommen. So standen auch am Anfang unserer Reise erst einmal bei der Buchung der Yacht in den Antillen nur drei Figuren auf der Schiffsliste. Asoka, Conny und Dirk. Von mir, „dem Reservisten“, ahnte noch niemand etwas, ich war also noch in der Warteschleife.

Dirk, der Sunnyboy, ein Hans Dampf in allen Gassen, ein toller Mann, wenn man das als Mann von einem Freund sagen kann, ohne in den Geruch von Torfstechern zu kommen, war, als ich dann meine Bereitschaft dabei zu sein verbindlich erklärte, doch ehrlich erfreut und Feuer und Flamme. Die Karibik war auch sein Traum und jetzt für ihn und seine kleine Familie greifbar geworden. Nun war noch einer dabei, der, wie auch immer in der Firma, die Verantwortung übernehmen und das Grobe erledigen konnte. Vermutlich hatte er bei einem gecharterten Dampfer von fast fünfundzwanzig Metern Länge und dann noch in unbekannten Gewässern etwas „Muffengang“ und ich hatte Verständnis dafür. Während meiner Dienstzeit bei der Bundesmarine hatte ich schon erheblich größere Dampfer von der und auch wieder an die Pier gebracht. Jetzt war eine Segelyacht von dieser Größe für mich noch keine echte, absolut neue Herausforderung. Dennoch waren schon einige Routine und ein wenig Erfahrung notwendig.

Dirk war zwar in Hamburg am Wasser geboren, hatte lange Zeit in den Niederlanden gelebt und war auch oft auf dem Wasser unterwegs, aber ein besonders inniges Verhältnis zu diesem Element Wasser war bei ihm nicht erkennbar, einfach nicht vorhanden. Er war zwar gerne am, aber scheinbar mit Respekt dem nassen Element gegenüber, nicht so gerne auf oder im Wasser. Er hatte eben auf anderen Gebieten andere Stärken. Ihm flogen auf dem Weg zu grauen Haaren nicht nur alle Frauen zu, er verkaufte sich und vor allem unsere Arbeiten, unsere Projekte mit so einer Souveränität, die mir manchmal unglaublich und unheimlich vorkam. Er war ein Typ der, da war ich mir sicher, einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen konnte. Er konnte überzeugen und in unserem Beruf leidenschaftlich seine Ideen verteidigen.

So wurde diese Reise, das fantastische Geburtstaggeschenk unserer Mitarbeiter, die sich gemeinsam mit Mutter Anne dieses Abenteuer für uns nun ausgedacht hatten, langsam auch von mir akzeptiert. Die Bereitschaft, aktiv mitzumachen, war stetig gewachsen. Dieser Segeltraum um die Inselgruppe der kleinen Antillen, die auch die Inseln „über dem Winde“ genannt werden, war für die drei von Bradows plus eins jetzt mehr als nur ein Traum. Mit mir wurde das Unternehmen jetzt komplettiert und schon war ich als Pausenfüller endlich dabei. In meiner wenigen Freizeit begann ich heimlich, erste Überlegungen anzustellen. Was nimmt man unbedingt mit? Was ist besonders wichtig? Immer wieder wurden meine Gedanken blockiert, weil meine Arbeit im Büro mich voll in Anspruch nahm. Ich sollte einen Lehrgang „Wie mache ich Urlaub“ belegen. Dann kamen noch Fragen über die scheinbar fest geplante Superfete, von der wohl schon einige Fakten durchgesickert waren, die mich aber total nervten, weil ich sie auch nicht beantworten konnte. Details zu beiden auf der Fahrt anstehenden Geburtstagsfeten interessierten mich nicht, kannte ich nicht, was mich darum auch nicht groß belastete. Ich wollte diesen aufgedrückten Urlaub, der für mich erstmals mehr als zwei Wochen andauern sollte, genießen. Irgendwie war ich total ausgebrannt. Die Projekte mussten aus dem Kopf, es kamen nur noch schwer neue Ideen aus mir. Lange Wochen, Monate nur Arbeit, nur Stress und jetzt sollte, musste, durfte ich einmal wieder in meinem Element auf See, an Bord einer heißen Yacht, durchhängen und abschalten.

„Es ist alles gut vorbereitet und läuft super“, tönte Gritt, meine verlässliche Stütze, wenn ich im Büro mal mit ihr über diese Reise sprach. Sie, die mich scheinbar besser kannte als ich mich selbst, fügte dann noch ergänzend und lächelnd hinzu: „Bleib locker, Alter, und entspann dich endlich wieder einmal.“ Endlich entspannen ist gut und schnell gesagt, aber seit Monaten waren nahezu täglich zwölf Stunden Büroarbeit angesagt. Ein Segeltörn unter dem Kreuz des Südens im Kopf war schon ein toller Traum. Ich konnte es einfach noch kaum glauben, für mich, den Normalverbraucher, ein unvorstellbares Abenteuer. Wir hatten zwar alle ein gutes Einkommen, aber solch ein Trip? Wer kann sich so ein Märchen schon über vier Wochen leisten? Ich war häufig, sofern Zeit vorhanden war, auf der Ostsee zu Hause, das war mein Segelrevier. Hier kannte ich mich aus, hier fühlte ich mich wohl. Travemünde war mein Heimathafen, jedes Seezeichen, selbst die der schwedischen und dänischen Gewässer, kannte ich im Schlaf. Die Ostsee war meine Ledercouch, hier lag meine alte Tante „Charlyn“, zweieinhalb Tonnen schwer, etwas mehr als neun Meter, ein Segelboot mit Mahagonirumpf und Teakdeck. Das Ding wartete jedes Jahr im Hafen auf meine Pflege und im Winter in der Halle dann auf meine Arbeit, die ich schon zig Mal, und immer wieder neu, verflucht hatte. Aber Gritt wusste, dass ich das Meer liebte und schon mehrere Charterreisen im Mittelmeer, sowohl in griechischen als auch in türkischen Gewässern, hinter mir hatte. Eine solche Reise in die Karibik stand schon immer ganz oben auf meiner Wunschliste. Das große Abenteuer, diese fantastische, besondere Welt selbst zu besegeln, war ein Wunsch, von dem ich glaubte, dass er sich für mich nie erfüllen würde. Wenn es wirklich einmal Zeit gab, gehörten auch die wunderschönen französischen Kanäle wie die der Algarve und die besonderen reizvollen holländischen Kanäle zu meinen beliebten kurzen Charter- und Ausflugszielen. Aber das war Wassercamping auf tollen Hausbooten, aber keine richtige Seefahrt. Freiheit auf höchstem Niveau, natürlich ohne Motor, erfährt man nur auf hoher See. Richtig und aufregend aber erst, wenn weit und breit nichts als Wasser zu sehen ist. Für mich gab es bisher nur – und das war schon mehr als Seelenbalsam – die Ostsee, die ich mit meiner „Charlyn“ von Travemünde aus unsicher machen konnte.

Blue Silver Star

An einem schönen, für mich wieder etwas zu frühen Morgen, es war ein Sonntag, ging dann endlich der Flieger von Hamburg nach Frankfurt und anschließend weiter nach Miami. Eigentlich hätte der Stress und die lange Warteschlange am Flughafen schon gelangt, um eine klassische Kehrtwende zu fahren, aber ich war noch zu müde, also hielt ich durch. Ich hasse das Fliegen und hätte ich nicht ausreichend spannende Lektüre dabeigehabt, hätte ich, nachdem ich meinen Platz im Flieger gefunden und eingenommen hatte und jetzt langsam entspannt ruhiger werden wollte, dem total blöden Steward, der mir das obligatorische Fliegergetränk, den Tomatensaft, über meiner Hose verteilt hatte, nicht nur ein blaues Auge gehauen. Anschließend musste ich es mir stark verkneifen, dem aufgelaufenen Frust mit dem Vertilgen alkoholischer Bordmittel entgegenzuwirken. Ich merkte selber, es wird endlich Zeit, einmal Urlaub zu machen.

In Miami waren Tage der Ruhe ohne Stress angedacht. Vor unserem Hotel warteten, von Anne als Begrüßungsgeschenk für uns ausgedacht, vier stattliche Harleys auf uns und eine traumhafte Fahrt auf Hemingways Spuren führte uns mit diesen Geräten, nachdem wir uns ein wenig eingelebt hatten, nach Key West. Dann ging es weiter in die Everglades mit einem Abstecher weiter nach Orlando und Kap Kennedy. Mit einer Harley durch dieses weite Land zu fahren, ist reine Medizin, und sie diente mir dazu, langsam wieder zu mir selbst zu finden. Es war einfach alles nur herrlich. Langsam bekam ich den Alltag ohne Arbeit in den Griff. Die anstehenden Aufträge im Büro begann ich zu vergessen. Na ja, fast. Die Girls gingen natürlich in Miami auf Shoppingtour und wir machten uns langsam, mit einem – oder waren es zwei? – guter Bourbone bewaffnet, an die Seekarten. Wir legten Törnlängen fest und Kurse an. Inselgruppen ohne Ende, bisher noch nie gehörte Inselnamen und Häfen nahmen und zogen uns in ihren Bann. Die Anspannung wuchs in mir, es wird Zeit, es muss nun endlich mal losgehen.

Ein mittelprächtiger Flieger, ich hatte mich wieder um nichts kümmern müssen und war eigentlich im Kopf immer noch dabei, die Kurse abzustecken, brachte uns dann Donnerstagfrüh von Miami endlich in die Karibik. Unter uns der Atlantik, Key West, Kuba und dann endlich das Karibische Meer mit seinen traumhaften Inseln. Einladend lagen sie unter uns und dann kam auch endlich Antigua in Sicht, die Insel, auf der wir unseren Traum beginnen, unsere Yacht übernehmen und von der unsere Reise seinen Anfang nehmen sollte. Der Anflug auf den VC Bird International Airport war kein großes Problem, das Wetter war einfach traumhaft und herrlich.

Wir wurden von einem Auto des Hotels abgeholt. Es war nur eine kurze Fahrt in Richtung St. John. Im Hotel, dem fantastischen und legendären St. James Club mit seinen einhundertachtundsiebzig großzügigen und fantastischen Zimmern, waren drei für uns für eine Nacht reserviert. Ein herrliches Essen, am wunderschönen Strand unter Palmen serviert, mit ausgesuchtem, erlesenem, frischem Fisch, war und sollte, nicht nur für mich, der Beginn und Einstieg in ein lukullisches Erleben, in ein Schlaraffenland der Sinne werden. Dann gab es noch einen hervorragenden Drink und schon war ich in meinem Bett. Ich hatte keine Lust mehr auf Labern, ich wollte nur, dass die Nacht schnell vorbei sein möge und die große Reise endlich richtig losgehen sollte. Die Nacht verbrachte ich nahezu schlaflos. Erst schafften mich die Probleme in unserem Büro, dann trieben wir ohne Wind auf offener See und anschließend kämpfte ich im Bermudadreieck gegen orkanartige Stürme. Doch auch diese Nacht ging einmal vorüber und ein reichhaltiges Frühstück entschädigte mich ob der nicht geschlafenen Stunden. Ich konnte es kaum erwarten, bis man uns mit unseren Siebensachen dann auch endlich abholen kam.

Schnell transportierte man uns, die fröhliche Reisegruppe aus Hamburg, am frühen Freitag mit dem Hotelshuttle zum Jolly Harbour. Ein Hafen, der seinesgleichen sucht, ein Prachtstück in der Karibik. Dort angekommen, chauffierte uns der nette, freundliche Driver direkt und problemlos zum Anleger, dem Jolly Hill Salt Pond. Mensch, war ich gespannt. Ein fantastischer Yachthafen mit tollen Anlegern für Yachten der oberen Zehntausend. Ich hatte den gecharterten Dampfer schon von Weitem erkannt und machte mich, bevor der Wagen richtig angehalten hatte und unsere Sachen entladen waren, schon auf den Weg an Bord.

Währenddessen trat Asoka in Aktion. Sie verschwand in dem etwas abseits liegenden Stationsgebäude, um die Papiere und Formalitäten abzuklären. Unser Schiff war die „Blue Silver Star“, groß und breit, majestätisch ruhte sie in glasklarem Wasser. Ein Traum von Yacht. Ehrfurchtsvoll betrat ich das Deck, das uns in den nächsten Wochen über die See tragen sollte. Das Achterdeck, welch eine enorme Größe, die beiden Steuerstände, ein Wahnsinn. Andächtig versuchte ich, den Geist, den Spirit dieser Yacht in mir aufzunehmen.

Es war also Freitag und Vormittagszeit, jetzt galt es, in Ruhe das Schiff zu übernehmen und uns mit dem Innenleben der Yacht vertraut zu machen. Ein Segler, eine richtige Yacht, auf der man sich fast verlaufen konnte, einfach perfekt, alles natürlich vom obersten Bord. Wir hatten die Pläne mit den Raumaufteilungen schon vor Wochen gesehen und die Kabinen schon ausgeguckt, jetzt wurden sie bezogen. Die Größe hatten wir aber alle unterschätzt, es gab Platz im Überfluss.

Dirk machte mit einem Typen der Vermietung, der wohl die Aufgabe hatte, uns das kleine Einmaleins der Christlichen Seefahrt beizubringen, uns einzuweisen, die Schiffsübernahme. Ich beschäftigte mich mit dem Navi-, Wetterfax- und dem Funkgerät, dem Echolot, kontrollierte den Drucker für die Wetterkarte und sah mir aufmerksam die an Bord befindlichen Seekarten und Seehandbücher an. Anschließend prüfte ich die Seenotausrüstungen wie Rettungswesten und tauchte gespannt in die Maschine. Alles schien einwandfrei und topp. Die Girls räumten die von uns schon vorab bestellte Verpflegung an Bord. Die Bestellung von notwendigen Lebensmitteln und Getränken hatten sie vor Tagen per E-Mail aufgegeben. Alles stand schon kurz nach unserer Ankunft frisch auf der Pier, zur Überprüfung und zum Verstauen bereit. Jeder hatte etwas zu tun und alle waren voll aktiv und bei guter Stimmung.

Nun ist es zwar nicht unbedingt mein Ding, „Musik an Oberdeck“ und schon gar nicht im Hafen zu fahren, aber unsere Girls brauchten wohl zur richtigen Einstimmung musikalische Untermalungen. Karibische Südseeklänge mit Ukulele und Benzinfässern und ich wollte nicht gleich der böse Bube sein. Bald waren nicht nur Bob Marley und Salsaklänge von Wayne Gorbea zu hören. Ich ließ mich treiben und mitreißen, alles war locker, alles gut. Also, was soll’s. Den ganzen Tag überprüften wir das Boot, das Inventar. Die Navigationselektronik lief über einen tollen PC, wir überprüften die Frischwassermenge, den Treibstoff und gingen später bei herrlichem Wetter unter Maschine einmal vom Steg auf eine kurze Strecke und fuhren in Küstennähe einige Manöver. Ich war von der Yacht überwältigt. Dirk und Asoka eher von den alkoholischen Getränken. Conny widmete sich den Sauerstoffflaschen und der Ausrüstung, die zu ihren geplanten Tauchgängen notwendig sein würden. Alles führte zum gleichen Ergebnis, alles super toll und cool. Am Abend waren wir geschafft und auch alle wirklich hundemüde. Die erste Nacht auf der Yacht im Hafen verlief entspannt, problemlos und herrlich. Das monotone Geklapper der Tampen an den Masten der umliegenden anderen Boote im Hafen ließ mich traumlos, verzückt und erwartungsvoll einschlafen.

Endlich dann Samstag. Der Morgen begrüßte uns mit einem traumhaften Wetter. Das große Abenteuer sollte, konnte, musste endlich beginnen. Früh gegen halb acht, wir hatten kaum etwas Ordentliches gefrühstückt, rannten wir zwar noch etwas kopflos umher, lösten aber dann endlich die Leinen und gingen unter Maschine vom Steg und endlich auf große Fahrt. Angedacht und abgesprochen war in Hamburg eine Reiseroute zuerst Richtung Antigua, dann St. Kitts and Nevis, dann nach Monserat und Dominica, von da aus, je nach Wetterlage, weiter ohne feste Peilung in welche direkte Richtung auch immer. Die von uns ausgedachte und besprochene Reiseroute hatten wir natürlich auch bei unserer Buchung der „Nacolton Yacht Charters“ als ungefähre Anfangsrichtung mitteilen müssen. Etwa zum Ende der Reise wollten wir nach St. Vincent an the Grenadines oder aber nach Barbados. Allerdings zwölf Tage vor dem Reiseende sollten, nein, mussten wir auf Martinique sein. Hier würde dann wohl die geplante Geburtstagsfeier für Conny ablaufen, mutmaßte ich. Sofern die Winde günstig wären und die Zeit dann auch noch reichen sollte, könnte auf der Route noch Saint Lucia und Barbados angesegelt werden.

Wir hatten Pläne, ohne zu wissen, wie das Wetter mitspielen oder ob sich die angedachte Route auch absegeln lassen würde. Mit einem Augenzwinkern erklärte mir Asoka, wir sollten in einer Woche, also zum Geburtstag von Dirk, unbedingt auf Guadeloupe festmachen und schon wusste ich, dass hier wohl für Dirk die Jubelparty abgehen sollte. Schiffsabgabe war fest geplant auf St. Lucia im Hafen der Hauptstadt Castries, von wo auch der Rückflug in die Heimat gehen würde. Aber bis dahin war noch sehr viel Zeit.

Unsere beiden Girls entschieden sich, kaum dass wir den Hafen verlassen hatten, entgegen unserer ersten Absprache zu einer anderen Reiseroute. Sie wollten zuerst über Barbuda nach Sint Maarten vielleicht noch bis zu den US Virgin Islands gehen. Eine kleine Diskussion wurde notwendig und wir Herren gaben natürlich augenzwinkernd, kampflos nach. Diese Insel St. Maarten besteht aus zwei Teilen, dem französischen Teil Saint Maarten und dem holländischen Teil Sint Maarten, so hatte ich gelesen. Der holländische Teil der Insel war früher einmal der Geburtsort und die Heimat der Großmutter von Asoka gewesen. Sie selbst war zwar in Venezuela geboren worden, aber die Heimat der Großmutter würde sie gerne einmal kennenlernen wollen. Sie schwärmte oftmals von ihren Großeltern und erzählte dann Geschichten, die ihr ihre Grandma weitergegeben hatte. Nach ihren Mitteilungen sollte es sich um eine besonders schöne Insel handeln. Tolle Insel, schöne Strände, herrliches Klima, nette Leute. Sie hörte nicht auf, von was weiß ich nicht allem zu schwärmen und von haste nicht gesehen zu berichten, bis wir endlich aufgaben. Dirk meinte später nur achselzuckend: „warum eigentlich nicht?“

Also wurde ein neuer Kurs abgesteckt und gut. Zeit hatten wir genug, später sollte es dann wieder runter in Richtung Martinique und St. Lucia gehen. Ein kleiner Abstecher, der sich wohlwollend einplanen ließ. Hallo, Sint Maarten, du Inseltraum der holländischen Antillen – wir kommen! Geplant hatten wir anfänglich nur zwei kurze Stepps von gesamt etwa einhundert Seemeilen über Barbuda, quasi als Lehrstunde für alle. Dann der zweite Tag in Richtung Philipsburg, der Hauptstadt von Sint Maarten. Also gingen wir den ersten Abschnitt in Richtung Norden etwa dreißig Seemeilen bei leichten Winden ohne Probleme nach Barbuda an. Wir wollten Erfahrungen vor Anker machen und verzichteten darauf, hier an Land zu gehen. Unsere achtzig Fuß Oyster lag gut am Wind und war hervorragend ausgerüstet. Knapp fünfundzwanzig Meter, ein Hammer. Tiefgang fast vier Meter, bei einer Schiffsbreite von mehr als sechs Metern, ein Superschiff. Diesen Dampfer einmal zu segeln, ist kein Abenteuer, es ist ein Wahnsinn von Traum. „Luxus pur“. Kurs eingeben, Selbststeueranlage ein und schon kanns’te, wenn du etwas lebensmüde bist und auf einen Ausguck verzichtest, der sicherheitshalber die See vor dir im Auge behält, ein Schläfchen machen. Das Achterschiff mit Käptens Kabine für die Eheleute, davor an Steuerbord gelegen eine Doppelkabine für Conny. Bäder exquisit, luxuriös, sauber, einfach umwerfend. Superspitze. Eine Küche für Sterneköche, eine super Funk- und Navigationsbude, alles, was die moderne Segeltechnik kennt, war vorhanden und das Vorschiff für mich, „den Schnarcher“, ganz allein.

Barbuda war also kein Problem, wir kreiselten in allen Richtungen um Barbuda auf der Suche nach einer schönen Bucht und gingen spät am Abend vor Anker. Während Dirk und ich uns einen Drink genehmigten, gingen unsere Girls mit Flaschen auf Tauchstation. Wir hatten abgesprochen, an Bord frischen Fisch auf die Speisekarte zu nehmen, und Conny nahm ihre Harpune, um den Auftrag umzusetzen. Gut eine halbe Stunde alberten sie im Wasser und kamen mit zwei herrlichen Exemplaren, die ich leider nicht sofort identifizieren konnte, schnatternd und bei bester Laune wieder an Deck. Conny sprudelte nur so von ihren besonderen Eindrücken und den Fischen und den herrlichen Farben und sowieso. Wir hatten ein Erkennungsbuch der hier vorkommenden Fischwelt dabei und Conny nahm sofort in ihm die Spur nach den von ihr erlegten Fischen auf. Ich verschwand in Richtung Achterdeck, wo ich auf unserer Badeplattform die Fische filetieren durfte. Es waren zwei schöne Exemplare, beides Weibchen, mit jeweils zwei großen Rogenteilen in ihrem Inneren. Auch daraus würde sich was zaubern lassen. Aber heute hatte ich wirklich keine Lust mehr auf Kochen. Endlich kam langsam Ruhe in die Bude, alle waren etwas geschafft. Das Essen fiel somit an diesem Abend aus, jeder bediente sich aus dem Kühlschrank, wobei Dirk und Asoka sich mit den kühlen Getränken der besonderen Art beschäftigten. Es war eben alles noch neu, jeder versuchte, sich erst zurechtzufinden, wir mussten uns langsam einleben. Ich zog mich alsbald zurück. Lesestoff hatte ich genug dabei und der Sonntag stand an. Einen wunderschönen Sonnenaufgang wollte ich genießen, einfach nur an Deck sitzen und über das weite Meer schauen. Dabei eine leichte Brise erleben, sie genießen und dabei die Seele baumeln lassen.

Pustekuchen! Wach wurde ich schon kurz vor sieben. Die Girls waren scheinbar schon eine Weile lautstark im Wasser, sie hatten schon die erste Wagenladung Sonnencreme aufgelegt, aber das erfuhr ich von ihnen erst später. Ihr Kichern und Lachen hatte mich zwar unsanft geweckt, ich war aber trotzdem froh gestimmt. Wir waren tatsächlich in der Karibik und im Urlaub. Als Dirk wenig später als ich an Deck erschien, hatte Asoka schon ihre Sauerstoffflasche abgelegt und über die achterliche Badebühne den Weg in die Kombüse gefunden. Im Vorbeigehen meinte sie, als wir Männer mit einem Sprung außenbords die Morgenwäsche angingen, dass in spätestens zwanzig Minuten das Frühstück an Deck aufgetragen sei. Conny erklärte sich dann auch etwas zögernd bereit, den Service an Deck zu übernehmen. Dirk rief ihr zu, dass wir ein feines Schlückchen dazu erwarteten. Womit wohl ein kleiner Schampus gemeint war, den die von Bradows gerne in etwas größeren Gebinden zu sich nahmen.

Die Sonne hatte sich bereits schon wärmend am Horizont gezeigt, eine leichte Brise strich angenehm über das tatsächlich türkisfarbene Meer, es war alles nur traumhaft. Die Girls mussten nach dem kurzen Frühstück unbedingt nochmals auf den Grund. Conny hatte ich vorsichtshalber erklärt, dass wir genug Frischfisch im Kühlschrank hätten. Auf dem Speisezettel des heutigen Abends würde Fisch stehen, was für mich als Hobbykoch wohl Arbeit in der Küche bedeuten würde. Also wurden die Sauerstoffflaschen nochmals aktiviert und die Gürtel angelegt. Beide, Conny und ihre Mutter, waren richtig gute Taucher, nicht zu waghalsig. Sie hatten ausreichende Erfahrungen, sie waren vor allem sichere Taucher und gute, ausdauernde Schwimmer. Wir Männer übernahmen jetzt den Küchendienst, der aus Abräumen und Abwaschen bestand. Die Uhr ging nicht ganz auf halb zehn, als endlich der Anker aus dem Grund war.

Der erste Tag auf See war locker geschafft, die erste Nacht vor Barbuda auf Reede und jetzt, am zweiten Tag unserer Reise mit Anker auf, ging es bei gutem Wind auf Sint Maarten zu. Wir kurvten wieder in allen Ruderlagen und Richtungen, fuhren nochmals alle Manöver, von Mann über Bord bis Übung mit Bootsmannstuhl in den Mast. Jeder stand mal am Ruder, mal mit, mal ohne JPS und Selbststeueranlage, wir waren begeistert. Alle euphorisch, alle in bester Stimmung und das bei einem Wetter, um Helden zu zeugen, es war einfach alles nur herrlich. So gegen achtzehn Uhr geht hier in dieser Gegend das Licht aus. Die Sonne verschwindet in wenigen Minuten und schon ist es dunkel. Wir hatten uns auf dem Weg zu unserem angepeilten Ziel etwas verspielt. Die Zeit war durch unsere Aktionen, mal den Kurs probieren, mal abfallen, mal für die Girls ein heftiges Manöver, mal eine heiße Wende, dann die Segel alleine setzen, Segel hier, Segel da, mal nur die Fock setzen, wie im Flug vergangen. Ich hatte alle voll beschäftigt, hatte alle gut im Griff. Immer wieder ließ ich mir die heftigsten Manöver einfallen und war dabei doch locker und gelassen ein anderer, ein ruhiger Mensch zu werden. Wir waren wirklich mit vollem Eifer dabei, alle machten ohne Murren diese Übungen mit. Bei diesem Koloss von Schiff schien mir ein wenig Übung sinnvoll.

Eine halbe Stunde vor Sint Maarten, unserem nächsten angepeilten Ziel, machten wir eine vor uns liegende kleine Insel mit einer herrlichen Lagune aus. Sie lag quer ab und Conny meinte: „Lass uns doch hier vor Anker gehen.“ Asoka war sofort Feuer und Flamme, Dirk war dagegen, ich wollte abwarten und sehen, wie die Schlacht im Hause der von Bradows ausgehen würde. Es sollte keinen Tag ohne Nacktbaden, ohne Schwimmen im offenen Meer geben, so war auch von der Dame des Hauses zu hören, und Conny stimmte ihrer Mutter zu. Keine Angst vor Strömungen, keine Angst vor Haien oder Barrakudas, nur wir und der Rest der Welt. Dirk wandte sich an mich und erwartete Schützenhilfe. Mit meinem Argument: „Es ist schon dunkel und tagsüber ist es sinnvoller, nach Philipsburg in den Hafen reinzugehen, denn hier läuft oftmals auch erheblicher Schiffsverkehr“, hatte ich ihn dann überzeugt und die Girls jubeln lassen. Wir gingen näher an die vor uns liegende Insel und fanden mit Einsatz unseres Echolots die richtige Wassertiefe und einen passenden Ankerplatz vor einer großen Bucht. Die Insel, östlich von Sint Maarten gelegen, hatte zwar eine wunderschöne Lagune, sie blieb aber durch ein ziemlich hohes Korallenriff für unsere Blue Silver Star versperrt. Eine leichte Brandung stand über der Riffkante und ließ auf eine geringe Wassertiefe schließen und die Bucht würde daher leider bei unserem Tiefgang nicht direkt mit unserem Schiff zu erreichen sein. Am nächsten Tag wollten wir mit unserem Beiboot eine kurze Besichtigungstour zu diesem verlockenden Eiland unternehmen, so hatten wir es abgesprochen. Im Windschatten der kleinen Insel, dahinter der holländische Inselteil Sint Maarten, hier sollte sich gut übernachten lassen. Wir lagen wenig später gut geschützt bei einer Wassertiefe von etwa sechs bis acht Metern auf Reede und standen bei passender Windrichtung sauber parallel zum Riff. Bei leichtem, eher ablandigem Wind steckten wir gut 40 Meter Kette. Ruhig dümpelte unser Schiff mit ausreichendem Abstand vor dem Riff und gemeinsam machten wir es uns auf unserm Achterdeck im Oberdecksalon bequem. Die Girls hatten schon vor Stunden das Sonnensegel aktiviert, es überspannte fast das ganze Achterschiff und schütze uns noch vor der alsbald verschwindenden Sonne. Dirk wollte noch das Beiboot, das am Heck über der Badebühne angelascht war, klarmachen und noch vor dem Essen die kleine Insel erkunden. Die Damen lehnten mit Mehrheit den Antrag ab. Erst am nächsten Morgen wollten sie der Insel, die nicht bewohnt war, einen kleinen Besuch abstatten. Vor dem Essen wollten sie lieber noch einen kurzen Badegang in der Abendsonne durchziehen und so wurde das Beiboot an seinem Platz belassen. Wir waren auf unserem Törn ohne Stress durch gute Winde gut im Zeitplan, also tönte Dirk nach seinem ersten Schampus: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Der nächste Tag sollte uns nach Sint Maarten zum Shopping und zu den besten Fischgerichten der Karibik, wie Hummer und Lobster, bringen. Wir hatten von unseren sechs Sauerstoffflaschen vor Barbuda nur zwei benutzt und würden sie in Philipsburg, das ja nur wenige Seemeilen entfernt und beinahe in Sichtweite lag, wieder füllen und weiteren Proviant, vor allem reichlich frisches Obst, im Hafen aufnehmen. Eine große Leidenschaft, die uns alle vier verband, war neben dem Hochseesegeln eben das Tauchen. Conny hatte ganz aufgeregt Riffhaie gesichtet und die wollten, nein, die mussten wir natürlich sofort und unbedingt gemeinsam mit dem gebührenden Respekt vor dem absoluten Dunkelwerden noch schnell einmal besuchen. Die notwendigen Utensilien, wie unsere Schwimmflossen, Bleigürtel mit Messer, Nasenklammer und einige kleine Sauerstoffpatronen mit kurzem Mundstück, hingen immer in Höhe der Fahrstände in einer Halterung griffbereit. Dirk und ich gingen ohne Flaschen nur mit Schnorchel und unseren Flossen ins Wasser. Das Riff war keine große Herausforderung. Ich wusste, mein Einsatz im Wasser ersparte mir später meinen Duschgang. Eine reichhaltige, beeindruckende, bunte Fischwelt empfing uns. Asoka und Conny, mit Flaschen und mit Harpune ausgerüstet, standen in gutem Abstand einigen Riffhaien gegenüber, die ruhig ihre Bahnen um uns zogen. Ein Baracuda beäugte uns, eine Schildkröte kurvte seitlich aus dem Blickfeld. Fische in tollen Farben zogen in großen Schulen umher, bizarr, schön in allen Größen umgaben sie uns. Wie herrlich und friedlich kann doch die Welt unter Wasser sein. Ich tauchte das Riff ab und ließ die traumhafte Unterwasserwelt auf mich wirken. Eine gute halbe Stunde verbrachte ich immer wieder auftauchend damit, unsere Umgebung unter Wasser zu betrachten, sie zu bewundern. Ich entdeckte Unmengen von herrlichen, noch nie gesehenen Fischarten. Morgen nach dem Frühstück, nahm ich mir vor, werde ich, da die Sicht jetzt nicht mehr optimal und unsere Unterwasserlampe nicht ausreichend war, mit meiner Flasche nochmals das Korallenriff besuchen. Es war eben zu dunkel geworden. Gemeinsam stiegen wir an Bord. Eine leichte Brise strich noch über Deck und trocknete uns, ohne dass ein Gefühl von Kälte uns erreichte. Das Wetter war bisher hervorragend, lauer, leichter Wind bei strahlendem Himmel und traumhaftem Sonnenschein, den wir unter der gesetzten Deckspersenning über den Fahrständen ohne Probleme ertragen konnten. Bisher hatten wir Sonnenschutzmittel ohne Ende auftragen müssen, trotzdem sah Dirk schon wie ein gekochter Hummer aus. Conny und Asoka machte die Sonne scheinbar nichts aus, sie waren von Haus aus leicht so wie die Insulaner in dieser Gegend bronzefarben getönt. Sie benutzen aber dennoch verschiedene Cremes mit abenteuerlichen Sonnenschutzfaktoren. Ich schleppte immer meinen Schlapphut, der mir den notwendigen Schutz bot, bekam aber doch auch ein mir unbekanntes Öl, welches mir von Conny mit zarter Hand gekonnt aufgetragen wurde. Bisher hatten wir der an Bord befindlichen Superküche nur zum Frühstück ein wenig Zeit gewidmet. Heute Abend, am Sonntag, hatte ich meinen ersten richtigen Auftritt in dieser Abteilung. Als Hobbykoch und Mitglied in einem Kochclub hatte ich Fischrouladen mit Garnelen, Sous-vide-Kartoffeln mit kandiertem Speck auf dem Programm. Anschließend sollten uns Törtchen vom Fromage blanc und Himbeeren mit Schokoladensorbet bei leichtem Wind und angenehmen Temperaturen um fünfundzwanzig Grad, am Himmel das Kreuz des Südens, den Abend versüßen. Den Fisch für die Rouladen hatte Asoka ja bei dem Tauchgang am Morgen schon erlegt und ich durfte ihn jetzt natürlich bearbeiten. Ich warf mich voll ins Zeug. Filetieren und verarbeiten war am Vorabend unmittelbar nach dem Fang bei der Frische der Fische nicht ganz einfach gewesen. Nun hieß es für mich, zügig Leistung zeigen, und ein kleiner spontaner Zwischenstopp in Richtung Gourmeteinlage begann in der für mich noch ungewohnten Bordküche. Hin und wieder ließ sich ein Teil der Besatzung sehen, nicht, um mitzuwirken, nein, bloß nicht. „Wann bist du so weit? Sollen wir verhungern? Soll das etwa ein Fünf-Sterne-Restaurant sein?“, tönte es aus den Reihen der Hungrigen. Also musste erst noch eine kleine Vorspeise kreiert werden. Einige Kartoffeln wurden, nachdem ich schon die Fischfilets plattiert und mit jeweils zwei Garnelen gewickelt und in einer Folie in ein heißes Bad gebracht hatte, schnell grob geraspelt und ausgedrückt. Eine Pfanne flott mit Öl versehen und einige Kartoffeln, grob geraspelt in Kartoffelspäne verwandelt, schnell zu einigen handtellergroßen Röstis geformt und auf kleiner Flamme gebraten. Die abgetrennten Reste der Fischfilets hatte ich schnell in kleine Stücke gehackt, gewürzt und mit einigen feingehackten Zwiebeln und dem Fischrogen leicht angebraten und dann auf den Röstis verteilt. Nach kurzem gemeinsamen Anbraten kam wieder eine Lage Kartoffelspäne darüber, das Ganze einmal wenden und wenige Augenblicke später konnte ich nach dem Servieren erst einmal eine Meuterei unterbinden. Nun hatte ich alle Zeit der Welt, um meine gegarten Fischrouladen, die ich gegart und dann aus der Folie gewickelt hatte, nochmals in Butter leicht farbig anzubraten. Als ich den letzten Gang servierte, hatte sich die Sonne leider schon lange verabschiedet und unsere Oberdecksbeleuchtung verwandelte unseren Luxusliner in ein Traumschiff besonderer Art. Leise Musik, gekühlter Schampus für den Käpten und Frau, verbunden mit meinen maritimen Fischkreationen an den farbigen Sousvide-Kartoffeln. Es war schon was, ich war zufrieden mit meinem Werk und die Girls verdrehten die Augen. Dirk benötigte noch ein Gläschen seines speziellen sprudelnden Hustensaftes. Ich war jetzt mit meinem ersten Auftritt durch und nach dem Himbeer-Schokoladensorbet übernahmen die Damen ohne Einwände mein Schlachtfeld in der Küche, um sie aufzuklaren. Ein schöner Tag ging für mich mit einem guten Schluck Wein langsam zu Ende.

Am kommenden Morgen, dem Montag, wollten wir wieder die Duschen an Bord vernachlässigen und, wie bisher schon üblich, vor dem Frühstück mit dem restlichen Sauerstoff noch einen kurzen Tauchgang machen. Anschließend kurz auf die kleine Insel, Fußabdrücke hinterlassen, dann aber rüber nach Philipsburg in den angepeilten Hafen. Die Welt lag jetzt vor uns und wollte nur noch entdeckt werden. Vor, während und nach dem Essen ein guter Tropfen Wein und schon kam für mich die Zeit, meine Hängematte, die ich im Vorschiff mit abenteuerlicher Technik aus einem Schrank heraus bis zum Schottende mittels zweier gefundener Schraubzwingen befestigt hatte, aufzusuchen. Meine von mir über alles geliebte Hängematte hatte ich aus meiner Charlyn vor Reisebeginn geholt und sie musste, zum Entsetzen aller, als zusätzliches Gepäck auf dieser Reise dabei sein. „Eine gute Hängematte ist aller Laster Anfang“, oder so ähnlich lautet doch eine alte Bauernregel. Es war alles nur schön.

Der Überfall

Sonntagnacht auf Montagfrüh

Ein Traum ist für mich tatsächlich Realität geworden, dachte ich noch so, um mich langsam und wohlgefällig den kaum spürbaren Bewegungen des Bootes anzupassen und entspannt einzuschlafen.

Endlich lag ich wieder einmal entspannt und traumlos in meiner Hängematte …

… Eigentlich weiß ich nicht mehr genau, hatte es zuerst gerumst und dann gekracht, oder erst gekracht und dann gerumst? Dann abgehackte, tackernde Geräusche, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. Mein Kopf, noch immer bei süßen Träumen im fast Leerlauf, beschäftigte sich gerade noch mit der Frage, welche Kräuter wären für die Fischrouladen noch passender gewesen. Ich kam nicht dazu, diese Fragen zu lösen, die merkwürdigen unpassenden Geräusche unterbrachen die Arbeit in meinem Nebenhirn. Was für ein Knattern? Spechte gibt’s hier doch nicht, oder? Zuerst meinte ich im Unterbewusstsein, es liefe nur ein Fernsehfilm. Es muss so gegen zwei Uhr sein, schätzte ich, da läuft an Bord kein Film, oder doch? Meine Armbanduhr hing an der Kojenlampe und war aus der Hängematte nicht zu erreichen. Wieder laute Geräusche, dann das erneute Knattern und jetzt schoss ich hoch.

Schlagartig kam die Erkenntnis, da ist etwas nicht in Ordnung. Ich horchte. Dann verhaltene Schreie und mehrere Stimmen. Sie waren von achtern zu hören, sofort erkannte ich die Stimme von Conny. Wortfetzen drangen vom Achterschiff zu mir in mein Deck. Wieder das Tackern und jetzt war ich mir sicher, es waren Schüsse, die ich gehört hatte. Ich hechtete aus der Hängematte. Ich trug nur eine kurze Short, schlüpfte in meine leichte Hose, Segeltuchschlappen an und schon war ich durch das Mittelschiff an der Küche vorbei, hin zum Ende des Salons. „Halt“, sagte ich mir, „nicht kopflos und durch.“ Neben dem Niedergang verharrte ich mit angehaltenem Atem, um mir ein Bild zu machen. Es war einfach noch zu dunkel, nur im Umriss konnte ich, den Niedergang hinaufspähend, zwei Gestalten und Conny auf dem Achterdeck ausmachen. Eine heftige Auseinandersetzung war dort im Gange, leider bekam ich nicht mit, wer gegen wen und was dort überhaupt abging. Es stritten sich nicht die Eheleute mit Conny. Es waren mehrere Männer an Bord, es waren Schüsse, die ich gehört hatte. „Scheiße, was läuft hier für ein Film? Bleib ruhig, denke nach, peile erst einmal ruhig die Lage“, sagte ich mir. An der Steuerbordseite neben dem Niedergang zum Hauptdeck ging ich in Deckung, presste mich neben den Aufgang, um das gesamte Achterdeck überblicken zu können. Vorsichtig versuchte ich, seitlich neben der Treppe einen Blick auf das Oberdeck zu werfen. Mein Puls raste, meinen Atem versuchte ich unter Kontrolle zu bringen, ihn vor Angst anzuhalten. Ich musste abwarten, um mir ein Bild zu machen. Nur die Ruhe bewahren, gut gesagt. Wieder undefinierbare Geräusche, schnelle Schritte, Wortfetzen in einer mir unbekannten Sprache. Das waren nicht nur Dirk, seine Frau und Conny. Wie viele Leute waren an Bord? Panik sprang mich jetzt an. Wo haben wir Waffen?, schoss es mir durch den Kopf. Ich hatte einmal kurz mit Dirk über Notsituationen gesprochen, doch wir waren bei diesem Thema wohl ohne greifbares Resultat abgestorben. Auf dem Achterdeck neben meinen Schwimmflossen hing mein Gürtel mit meinem Klappmesser und den kleinen Atempatronen, aber da kam ich jetzt nicht ran. Selbst wenn es mir gelänge, an die Gürtel zu kommen, mit einem Messer kam ich nicht nahe genug an die Angreifer heran. Keine Chance mit einem Messer gegen Schusswaffen. An Deck wieder einsetzendes Handgemenge, Gerangel. Bewegung, wieder Gesprächsfetzen, die für mich einfach unverständlich waren, und weitere undefinierbare Geräusche. Was war da bloß los? Sollte ich eingreifen? Verflucht, es war einfach noch zu dunkel, nur das diffuse Licht der Notbeleuchtung innerhalb des Schiffs. Nur Conny hatte ich kurz erblicken können. Ihre Eltern waren aus meiner Position nicht zu sehen, waren sie überhaupt auf dem Achterdeck dabei? Dann wieder mehrere Stimmen, Bewegung, das Schiff schwankte leicht, dann wieder Schreie, jetzt konnte ich sie klar Conny zuordnen. Wieder heftige, durcheinander vorgebrachte Worte von mehreren Leuten, die sich zu streiten schienen. Ich konnte kaum etwas richtig verstehen. Sollte ich einfach an Deck stürzen? Blödsinn. Es mussten mindestens drei, wenn nicht vier unbekannte Typen an Bord sein. Gegen sie hatte ich ohne Waffe keine Chance. Das Schiff schwankte wieder leicht, als liefe oben jemand hin und her. An der Steuerbordseite lag unser Kartenraum und hier neben dem Niedergang hockte ich und suchte nach einem Ausweg. Wir hatten keine Waffen an Bord, oder? Verdammt, ich hätte mich kümmern müssen. Wer denkt aber schon an so etwas? Man lernt nie aus, Scheiße. Meine Gedanken rasten. Nur einen kleinen Teil des Achterdecks, eben nur die Backbordseite, konnte ich, sobald ich mich mit meinem Kopf vorsichtig über die letzte Stufe vorwagte, einsehen. Conny und zwei Typen in Höhe Backbord Fahrstand, Asoka, Dirk und ein weiterer Typ mussten sich also auf der Steuerbordseite aufhalten. Ich musste mich genauer orientieren, wo genau war wer? Dann Schritte, wieder Lärm, heftiger Wortwechsel. Es blieb mir kaum Zeit zur Überlegung, denn ich hörte und sah Conny, die sich schreiend und um sich schlagend an der Backbordseite gegen einen großen Schwarzen zur Wehr setzte. Der hatte sie mit einer Hand in den Haaren gepackt und schlug mehrmals mit der Faust auf sie ein. Ich konnte mich kaum beherrschen und war dabei, meine Fassung zu verlieren, ich musste endlich etwas unternehmen. Ein hagerer Weißer stand daneben und brüllte sie in einer mir nicht verständlichen Sprache an. Es schien ein holländischer Dialekt zu sein, welcher hier in diesen Regionen wohl gesprochen wurde. Dann kam der hellhäutige Typ in mein Sichtfeld, er hatte scheinbar das Ganze unter Kontrolle und brüllte, sie solle doch endlich ruhig sein, jedenfalls glaubte ich, ihn so zu verstehen. Jetzt konnte ich den Kerl richtig gut sehen, er trug einen Revolver und fuchtelte mit dem Ding vor Conny herum. Conny beeindruckte dies scheinbar überhaupt nicht, sie kämpfte verbissen, wehrte sich weiter gegen den Schwarzen, der sie noch immer an ihren Haaren festhielt und sie bereits halb an Deck geworfen hatte. Sie schrie und schlug um sich, verzweifelt trat sie immer wieder nach dem Burschen. Der genoss seine Stärke, sein höhnisches Lachen war zu hören. Es schien ihm wohl gewaltigen Spaß zu bereiten, die Kleine überwältigt zu haben. Dann wieder das Brüllen des Hageren, der jetzt direkt neben ihr stand. Im fahlen Licht konnte ich ihn jetzt genauer betrachten, er schien eine lange Narbe unten am Kinn der rechten Gesichtshälfte zu haben. Den Typen werde ich nie vergessen, schwor ich mir. Conny war nicht zu beruhigen, sie gab nicht auf. Was war und warum war es bisher hier abgelaufen, wie konnte das alles nur geschehen? Es waren nur wenige Sekunden vergangen, so schien es mir. Immer noch keine Aktionen von der Steuerbordseite, wo sicherlich Dirk und seine Frau festgehalten wurden. Nichts war von den beiden zu hören, keine Worte von Dirk, kein Laut von Asoka. Warum kamen sie Conny nicht zu Hilfe? Was hatten die vorher von mir gehörten Schüsse zu bedeuten? Conny rang weiter mit dem Schwarzen. Ich konnte und durfte mich nicht mehr zurückhalten, ich musste etwas unternehmen. Ein weiterer langer Schwarzer kam jetzt in mein Blickfeld, ein brutal aussehender Typ mit Bart. Er trug sein Gewehr im Anschlag und baute sich neben seinem Kollegen, der sich immer noch mit Conny beschäftigte, auf. Heftiger Wortwechsel zwischen den beiden. Bevor ich an Deck springen und etwas unternehmen konnte, hatte er mit dem Gewehrkolben seiner Waffe blitzschnell und kontrolliert auf die Kleine eingeschlagen. Der Schlag, mit Wucht und Gewalt seitlich gegen ihren Kopf geführt, ließ sie sofort zusammenbrechen. Fast wäre sie durch die Wucht des Schlages durch die Backbordreling außenbords gegangen. Nur undeutlich konnte ich das brutale Gesicht des Schwarzen, der das Mädchen mit dem Gewehr geschlagen hatte, sehen. Groß und breit, schwer und stämmig, langer verfilzter Bart. Bekleidet waren scheinbar alle mit schwarzen Hosen, einem halblangen dunklen Oberteil mit Kapuze. Das Ganze sah wie eine abgeschnittene Kutte aus. Der hagere Weiße mit der Narbe im Gesicht sprang jetzt hinzu und beugte sich nun über die leblos Daliegende. Er drehte sie um, betrachtete sie und brüllte den Schläger an. Ich verstand wiederum nichts. Der Angebrüllte wich zurück, der Hagere richtete bereits seine Waffe auf den Schwarzen. Erst dachte ich: Der legt ihn um, oder die gehen aufeinander los, dann stieß der Hagere den Bärtigen zur Seite und beugte sich nochmals über Conny, betrachtete aufmerksam ihr Gesicht. Es entstand einen Moment eine merkwürdige, gespenstige Ruhe – Stille.

Ich hatte die Luft angehalten und war nicht in der Lage, mich zu bewegen. War ich bisher wie in eine Starre verfallen und hatte fast ohnmächtig dem Treiben tatenlos zugeschaut, ohne etwas unternehmen zu können, suchte ich nun panisch nach einer schnellen Lösung. Jetzt hatte ich alle drei Ganoven im Blick, lugte über die Treppe und konnte ihre Gesichter trotz der Dunkelheit gut erkennen, ich musste jetzt handeln. Bisher hatte mich wohl niemand auf der Liste und diese Gelegenheit musste ich nutzen. Wir hatten, so erinnerte ich mich, eine doppelläufige Kipplade Signalpistole an Bord. Ein heißes Teil, und das kam mir nun gerade recht. Ich erspähte die Pistole neben dem Niedergang an meiner Steuerbordseite und ich entnahm sie schnell und leise der Halterung. Sie war beidseitig geladen. Ich legte den ersten Entsicherungshebel um, zielte, ohne weiter nachzudenken, auf den bärtigen Schwarzen, welcher Conny zusammengeschlagen hatte, und zog sofort ohne nachzudenken einfach ab. Fauchend verließ die Signalrakete den Lauf. Blutrot war sofort das Oberdeck beleuchtet. Verwirrt und entsetz starrte der schwarze Typ in meine Richtung. Ungläubiges Erstaunen, Entsetzen, gemischt mit ungeheurem Schmerz verzerrten sein Gesicht, als das Geschoss sich in seine Brust fraß. Langsam, immer noch brennend, ging er taumelnd und schreiend, in rotes Licht gehüllt, nach hinten fallend, brüllend, röchelnd über Bord. Zischend verstarb die Phosphorleuchte in seiner Brust, als er klatschend aufs Wasser schlug. Eiskalt war ich geworden, mir war jetzt alles egal. Panik kam auf, der eine brüllte den anderen an. Schreie des Verletzten im Wasser, Trabbel. Der andere Typ, der Conny an den Haaren gehalten und mehrmals mit seiner Faust geschlagen hatte, ließ sie los, sprang auf und wollte auf die andere Schiffseite aus meinem Blickwinkel. Er war nicht schnell genug, denn ich hatte schon wieder das andere Rohr entsichert und den zweiten Lauf auf ihn gerichtet und abgezogen. Eine kurze Bewegung mit der Waffe und ich hatte ihn schon im Visier, er war eben nicht schnell genug. Ich war leider bei diesen miesen Lichtverhältnissen kein guter Schütze, dennoch erwischte ich ihn, aber leider nicht mehr voll. Von schräg unten aus dem Schiffsinneren durch den Bootseinstieg streifte ihn das Geschoss seitlich im oberen Brustbereich am Kinn, verbrannte ihm Oberarm und Hals, setzte seine Kleidung in Flammen und hinterließ eine blutrote Spur mit fürchterlichen Verbrennungen. Der Rest der Ladung fetzte in die Deckspersenning, die sofort Feuer fing. Der Angeschossene wälzte sich an Deck, ein anderer Typ sprang hinzu und versuchte, seine Kleidung zu löschen. Ein Stück seines Bartes war wohl mit einem Stück seines Kinns verschwunden, er brüllte unentwegt wie ein Tier. In diffusem Rot lag die Umgebung und in der merkwürdigen Dunkelheit sah ich den hageren, dürren weißen Typen, der blitzschnell seine Waffe in Anschlag gebracht hatte und ein ganzes Magazin in meine Richtung in das Bootsinnere abfeuerte. Holz und Kunststofffetzen flogen umher. Durch den Niedergang wurde die Inneneinrichtung im Salon von den Kugeln kräftig zerlegt. Der Elektronikschrank im Kartenschapp, hinter welchem ich in Deckung hockte, bot mir zwar eine gute Deckung, wurde aber mehrfach getroffen. Eine Reparatur benötigte das Teil nie mehr. Alle elektronischen Geräte gaben schlagartig ihren Geist auf und waren sofort tot. Die kleinen Notleuchten, welche bisher die Treppenstufen beleuchteten, meldeten sich ab. Es war nun noch dunkler geworden. Instinktiv hatte ich meinen Kopf eingezogen und erwartete jetzt, dass einer der Typen mit einer angeschlagenen Waffe den Niedergang hinabstürzen und meinem Leben ein Ende setzen würde. Aber nichts geschah. Vom Achterdeck gaben die sich ausbreitenden Flammen langsam mehr von dem gespenstigen Treiben an Deck preis. Der hagere Typ, den ich als Anführer ansah und der heftig das Feuer aus seiner Waffe in meine Richtung eröffnet hatte, brüllte Kommandos. Der zweite von mir angeschossene Typ, dessen Umhang nicht mehr in Flammen stand, wälzte sich noch schreiend an Deck. Er brüllte immer noch wie am Spieß, wurde jetzt aber von jemandem zur Seite gerissen und verschwand aus meinem Gesichtsfeld zur Steuerbordseite hin. Die Gangster sprangen, so musste ich annehmen, auf ein längsseits liegendes Boot, wuchteten den angeschossenen Kerl von Bord. Sofort sprang ein Motor an.

Vorsichtig schob ich mich weiter zum Oberdeck, lugte um die Ecke und sah einen Teil des Piratendampfers, der tatsächlich seitlich an der Steuerbordseite festgemacht hatte. Auf dem Kahn musste noch ein Typ gewesen sein. Das Boot legte sofort ab und drehte in einiger Entfernung bei. Das zweite Geschoss von mir hatte leider unser Sonnensegel in Brand gesetzt, brennende Teile davon fielen bereits herab und setzten erste Sitzkissen auf unserem Boot schnell in Brand. Was konnte ich nur machen? Alles lag noch in einem leichten roten Schein, der Rest der noch schwach brennenden Signalrakete hatte sich über Deck an vielen Stellen verteilt. Conny hing noch immer bewegungslos an Backbord halb außenbords, sie war von mir aus gut zu sehen. Ich konnte meine Stellung noch nicht verlassen, denn es wurden wieder Schüsse vom Piratenschiff auf unser Schiff abgegeben. Die Geschosse schlugen jetzt in Abständen in die Aufbauten unserer Yacht ein. Wo lag bloß weitere Signalmunition? Scheiße. Ich hatte bereits einige der Schubladen eines Seitenschranks in der Nähe des Niedergangs herausgerissen, als ich endlich eine Schachtel mit weiterer Signalmunition fand. Bis auf vier Schuss war die Schachtel leer. Wir hatten die Waffe und die Munition vor Beginn unserer Fahrt nicht überprüft, guter Rat war jetzt teuer. Die vier Schuss mussten reichen, ich würde mich teuer verkaufen.

Schnell hatte ich die Läufe wieder nachgeladen. Es ging mir sofort wesentlich besser. Wo war Asoka, wo war Dirk? Von ihnen kam immer noch keine Hilfe, kein Laut, waren sie ebenso zusammengeschlagen worden und ohnmächtig? Die Steuerbordseite und das hintere Achterdeck mit den beidseitigen Fahrständen waren von meiner Position aus nicht voll einzusehen, auf dieser Seite im hinteren Teil musste ihr Boot wohl festgemacht gewesen sein. Die Piraten hatten sicherlich über die Badebühne unser Schiff betreten und waren oben vom Achterdeck in die Kajüte von Dirk und Asoka eingedrungen. Hier hatten sie auch Conny, die ja auch im Achterdeck untergebracht war, mit an Deck gebracht. Aber warum? Wozu? Was wollten die Ganoven überhaupt? Das Piratenschiff kurvte auf der Steuerbordseite in einiger Entfernung. Sie überlegten sicherlich, was sie in dieser Situation machen sollten. Ich würde ihnen noch zu denken geben. Immer wieder wurden vereinzelte Schüsse abgegeben, ich musste noch in Deckung bleiben. An Oberdeck hatte ich nur wenig Deckung, man hatte mich hier festgenagelt, dennoch robbte ich jetzt, die seitlichen Aufbauten als Deckung nutzend, mit meiner Signalpistole im Anschlag, langsam ans Oberdeck. Die Brüder wussten sicherlich nicht, dass mir bald die Munition ausgehen würde, also hielten sie noch Abstand. Das würde sich irgendwann wohl noch ändern.

Das Feuer breitete sich schnell aus, die Schonbezüge und Kissen des Decksalons brannten, das Feuer griff weiter um sich. Ich versuchte, an den brennenden Teilen vorbeizukommen. Unser Sonnenschutz, der das Oberdeck über dem Achterschiff komplett überspannt hatte, brannte jetzt lichterloh. Brennende Stofffetzen flogen weiter auf das Deck und dann durch die offen stehenden Hinterluken in die Achterkabine direkt ins Schiff. Ich musste mich beeilen. Vorsichtig hatte ich einen Blick nach achtern hinter die Steuerstände werfen können. Das Piratenboot entfernte sich ein Stück, drehte mit Abstand bei und kam langsam zurück. Mit gedrosseltem Motor kam es stetig näher. Flach an Deck liegend, brachte ich meine Waffe in Anschlag. Zwei Schüsse wollte ich riskieren, die restlichen würde ich brauchen, falls sie nochmals an Bord kommen sollten.

Auf unserem Boot waren bis auf das Knistern der Flammen keine Geräusche mehr zu hören, eine beängstigende Stille bereitete sich aus. Kein Laut von Conny oder von ihren Eltern. Immer noch schrie und brüllte einer auf dem anderen Boot, während von dem über Bord gegangene Kerl nichts mehr zu hören war. Dann wieder Schüsse. „Kommt noch etwas näher“, flehte ich und nahm das Boot ins Visier. Wieder hackten Geschosse in das Achterdeck und nun war der Abstand für mich günstig. Etwas höher angesetzt und dann verließ das Geschoss meine Waffe. Zischend flog, einen roten Schweif hinter sich herziehend, die Rakete auf das Boot zu. Sofort hatten die Gangster das Boot herumgerissen und wieder Fahrt aufgenommen. Das Geschoss war über das Schiff hinweg schnell auf das Wasser geschlagen und sofort erloschen. Sie hatten die Lektion verstanden und schnell gelernt und drehten sofort weiter ab.

Ich gewann Zeit und musste mich um meine Freunde kümmern. Die beiden Luken zum Wohn-Schlafbereich direkt hinter den Fahrständen standen zum Oberdeck hin offen, aus dem Schiffsinneren schlugen bereits die ersten Flammen, langsam breitete sich dichter werdender Qualm aus. Durch die achterlichen Decksluken konnte man über einen direkten Niedergang die Achterkabine aufsuchen, ohne durch das Schiff gehen zu müssen, sie standen jetzt beide auf. Nur so konnten die Piraten das Schiff betreten haben. Dirk und Asoka hatten bei den angenehmen Temperaturen sicherlich die Luken offen stehen lassen und darum hatte ich im Schiff auch keine Geräusche gehört und von dem Überfall nichts mitbekommen. Jetzt kamen die letzten brennenden Teile der Persenning aufs Deck geflogen und weitere Fetzen rauschten weiter durch die offen stehenden Luken ins Achterdeck. Schnell breitete sich nun das Feuer im gesamten Achterdeck aus. Ich kam jetzt nicht mehr unter Deck, das ganze Bettzeug, die Einrichtung, die Bodenbeläge der hinteren Kabine brannten, sie waren von meiner Position aus auch nicht mehr zu löschen, womit auch? Das gereffte Großsegel am Baum brannte bereits, es brannten alle Sitzbezüge und teilweise begannen schon die Teakbretter unseres Decks zu kokeln. Beißender dunkler Qualm verbreitete sich weiter, heftiger werdend auch in meine Richtung aus.