Tom Jones (Zusammengefasste Ausgabe) - Henry Fielding - E-Book

Tom Jones (Zusammengefasste Ausgabe) E-Book

Henry Fielding

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Beschreibung

Tom Jones (Alle 6 Bände) ist ein komisches Epos in Prosa: die Lebensbahn eines Findlings, den Squire Allworthy aufzieht, kreuzt sich mit Intrigen, Verwechslungen und der Liebe zu Sophia Western. Vom ländlichen Somerset bis nach London entfaltet Fielding ein Panorama georgianischer Sitten: Gasthöfe, Bühnen, Gerichtsstuben. Ein allwissender, ironischer Erzähler rahmt die Handlung durch einleitende Kapitel, reflektiert Poetologie und Moral und mischt picareske Episoden mit satirischer Gesellschaftsanalyse. Ursprünglich in sechs Bänden und achtzehn Büchern publiziert, verbindet der Roman Zufall, Charakter und Ordnung zu strenger, symmetrischer Komposition. Henry Fielding (1707–1754), ehemals gefeierter Dramatiker, wandte sich nach der Theaterzensur von 1737 der Prosa zu. Klassisch gebildet (Eton, Middle Temple), parodierte er Richardson in Shamela und Joseph Andrews und arbeitete juristisch. Aus Bühnenpraxis, Augustanischer Satire und Rechtsalltag gewinnt Tom Jones eine Benevolenzethik und ein nüchternes Verständnis von Moral, Heuchelei und sozialer Ordnung. Empfehlenswert ist diese vollständige Ausgabe für Leserinnen und Leser, die den englischen Roman an einer seiner frühesten Großformen studieren wollen: ein unterhaltsamer, gelehrter und kunstvoll gebauter Text, der theoretische Reflexion, Figurenkomik und Gesellschaftskritik bündelt und dabei ebenso anregt wie belehrt. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Henry Fielding

Tom Jones (Zusammengefasste Ausgabe)

Bereicherte Ausgabe. Ein schelmischer Bildungsroman aus georgianischem England: Findelkind zwischen Liebesintrigen, Sozialsatire und ironisch-allwissender Erzählerkunst.
Einführung, Studien, Kommentare und Zusammenfassung von Maximilian Busch
Bearbeitet und veröffentlicht von Quickie Classics, 2026
EAN 8596547885276
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Autorenbiografie
Tom Jones (Alle 6 Bände)
Analyse
Reflexion
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen angeborener Güte und gesellschaftlicher Verstellung entfaltet Tom Jones die heiter-ernste Suche nach einer belastbaren Moral in einer Welt, die vom Zufall ebenso gelenkt wird wie von handfesten Begierden, von verfehlten Urteilen und von der unablässigen Lust des Erzählens, sodass aus Liebeswirren, Standesregeln, Irrtümern und Prüfungen ein komisches Epos entsteht, das die Frage stellt, wie ein fehlerhafter, doch warmherziger Mensch inmitten starrer Normen und wankelmütiger Erwartungen zu sich selbst, zu anderen und zu einem gerechten Maß findet, ohne die Lebensfreude preiszugeben, die ihn zugleich in Versuchung führt und vor Verhärtung bewahrt.

Henry Fieldings The History of Tom Jones, a Foundling erschien 1749 in London in sechs Bänden und ist in 18 Bücher gegliedert; es gilt als komisches Epos in Prosa mit picaresken Zügen und als markanter Höhepunkt des englischen Romans des 18. Jahrhunderts. Der Schauplatz führt vom ländlichen Westen Englands über Straßen, Gasthäuser und Gutshäuser bis in die Großstadt London. Die erzählerische Anlage verbindet eine weit ausholende Gesellschaftssatire mit einer zugleich leichten und reflektierten Erzählweise, die das Alltägliche großzügig auskostet. Dabei entfalten soziale Konventionen, Rechtsvorstellungen und Liebespraktiken ihrer Zeit eine Bühne, auf der unterschiedliche Moralbegriffe aufeinandertreffen.

Im Mittelpunkt steht ein Findelkind, das der wohlhabende Squire Allworthy aus Mitgefühl in seinem Haus aufnimmt und großziehen lässt. Von Anfang an zeigen sich ein offenes Herz, ein lebhaftes Temperament und ein manchmal unkluger Überschwang, der Sympathie weckt und Konflikte beschert. Die frühen Kapitel entwerfen das Beziehungsgeflecht der Grafschaft, in dem Nachbarn, Verwandte, Dienerschaft und Geistliche einander beobachten, beurteilen und beeinflussen. Eine besondere Rolle spielt die Freundschaft zu Sophia Western, deren Eigenständigkeit und Empfindsamkeit den Ton vieler Szenen färben. Die Ausgangslage ist damit klar: Charaktere von Rang und Stand kreisen um Tugendideale, Ehre, Anstand und das Risiko des Missverständnisses.

Stilistisch besticht der Roman durch einen allwissenden, ausdrücklich präsenten Erzähler, der die Leserschaft adressiert, Beispiele ordnet und Urteile anbietet, ohne den Figuren ihre Freiheit zu nehmen. Jedem der Bücher ist ein einleitendes Kapitel vorangestellt, das über Geschmack, Poetik und Moral räsoniert und damit die Handlung in einen selbstbewussten Diskurs einbettet. Die Sprache mischt Anmut und Deftigkeit, gesellige Lebendigkeit und klassisch gebildete Anspielungen, sodass sich die Komik nie ins bloß Derbe verflüchtigt und das Ernste nie zur Starrheit gerinnt. Die Erzählung bewegt sich in elastischem Tempo zwischen Dialog, Beobachtung, Reflexion und szenischer Zuspitzung.

Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen gelebter Tugend und bloßer Tugendpose, die Wirkung gesellschaftlicher Schranken und die Frage, in welchem Verhältnis Gerechtigkeit, Gesetz und Milde stehen. Das Buch zeigt, wie Irrtum, Gerücht und vorschnelles Urteil Schicksale wenden, und wie Zufälle nur dort Wirksamkeit gewinnen, wo Charaktereigenschaften ihnen Raum geben. Es verhandelt materielle Abhängigkeiten, Erziehung und die Macht ökonomischer Interessen ebenso wie Freundschaft, Loyalität und die Verantwortung gegenüber dem eigenen Begehren. Reise, Wirtshaus und Landstraße werden zu Laboren der Begegnung, in denen die englische Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird und die Figuren ihre Haltungen erproben.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt der Roman relevant, weil er mit Witz und sezierender Geduld Mechanismen der Moralisierung entlarvt, die in wechselnden Kleidern bis in unsere Gegenwart reichen. Er zeigt soziale Rollen als performative Praktiken und fragt, wie Integrität in Umgebungen behauptet werden kann, die auf Schein, Status und taktische Kommunikation setzen. Seine Erzähltechnik – das offene Gespräch zwischen Erzähler und Publikum – wirkt überraschend modern, indem sie Reflexion und Unterhaltung verbindet. Nicht zuletzt plädiert das Werk für Großzügigkeit im Urteil über menschliche Fehlbarkeit und lädt dazu ein, Werte in konkreten Situationen auszubalancieren.

Das Leseerlebnis lebt von der reichen Figurenzeichnung, von Dialogen, die zugleich Bühne und Psychogramm sind, und von einem rhythmischen Wechsel aus Komik, Spannung und nachdenklichen Passagen. Obwohl der Umfang erheblich ist, trägt die klare Anlage über Bände und Bücher hinweg, und der Ton bleibt einladend, auch wenn sich moralische Dilemmata verdichten. Wer dem Erzählen Zeit lässt, entdeckt ein Gewebe aus Motiven, das sich organisch wiederaufnimmt, variiert und miteinander verschränkt. So entsteht das Porträt einer Gesellschaft in Bewegung und das Bild eines jungen Mannes, der durch Erfahrung, Irrtum und Einsicht eine Haltung jenseits schematischer Tugendlehren gewinnt.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Henry Fieldings Roman Tom Jones, erstmals 1749 veröffentlicht und in sechs Bänden gegliedert, erzählt die Lebensgeschichte eines Findlings als komische Epopöe in Prosa. Ein allwissender, ironischer Erzähler rahmt die Handlung mit essayistischen Vorreden, die über Moral, Erzählkunst und Gesellschaft reflektieren. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Reise eines jungen Mannes vom Land in die Hauptstadt, begleitet von Prüfungen, Missverständnissen und Versuchungen. Die Erzählung verbindet Sittenkomödie, Abenteuer und Charakterstudie und zeichnet ein Panorama des englischen 18. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen Fragen nach Herkunft, Tugend, Erziehung und der Spannung zwischen natürlicher Neigung und gesellschaftlicher Ordnung.

Zu Beginn findet der wohlhabende und wohlmeinende Squire Allworthy in seinem Haus ein ausgesetztes Baby und nimmt es großmütig an. Der Knabe erhält den Namen Tom Jones und wächst neben Allworthys Neffen Blifil auf. Während Tom impulsiv, freigebig und mitfühlend ist, zeigt Blifil früh Berechnung und Selbstgerechtigkeit. Strenge Lehrer wie Thwackum und der Philosoph Square prägen die Jungen mit konkurrierenden Moralauffassungen. In dieser Konstellation entwickelt Fielding den Grundkonflikt: echte Herzensgüte und spontane Natur gegen formale Tugend, Konvention und Heuchelei. Toms Fehler sind sichtbar, doch sie entspringen Wärme; Blifils Korrektheit verdeckt eigennützige Motive, die später an Bedeutung gewinnen.

Auf dem Land gerät Tom durch jugendliche Abenteuer und unkluge Liebschaften in Schwierigkeiten, die seinen Ruf belasten. Eine Affäre mit der lebhaften Molly Seagrim verschärft Spannungen, zugleich erwacht seine Zuneigung zu Sophia Western, der Tochter eines benachbarten Gutsherrn. Sophia verkörpert Verstand, Wohlwollen und innere Unabhängigkeit, steht jedoch unter dem Druck familiärer Erwartungen. Zwischen Jagdgesellschaften, Pfarrhäusern und Dorffesten zeigt Fielding die Mechanik sozialer Urteile. Dadurch entstehen Missverständnisse, die von Beobachtern und Widersachern bereitwillig ausgenutzt werden. Das Verhältnis zwischen Tom und Sophia bleibt von Anziehung, Takt und Zurückhaltung geprägt, während äußere Hindernisse und persönliche Unreife eine offene Bindung verhindern.

Mit wachsendem Einfluss streut Blifil Verdächtigungen, die Toms Fehltritte überzeichnen und seine guten Absichten verschleiern. Die Lehrer unterstützen diese Sicht, indem sie Eigentugend predigen und Mitleid als Schwäche auslegen. Als krankheitsbedingte und familiäre Umbrüche das Haus Allworthy erschüttern, verschärfen sich die Fronten. Squire Western drängt Sophia zu einer Verbindung, die seinem Interesse dient, nicht ihrem Gefühl; sie widersetzt sich, so weit sie kann. Schließlich führt eine Abfolge von Eifersucht, Klatsch und falschen Auslegungen zu einem Bruch: Tom sieht sich gezwungen, das Land zu verlassen. Der Abschied markiert den Wendepunkt vom häuslichen Milieu zur offenen Straße und ihren Prüfungen.

Auf seiner Reise schließt sich Tom der redselige Partridge an, dessen Perspektiven komisches Gegengewicht und erzählerische Spiegelung liefern. In Wirtshäusern, auf Landstraßen und bei zufälligen Begegnungen zeigt Tom Mut und Hilfsbereitschaft, aber auch Leichtsinn. Begegnungen mit Soldaten, Offizieren, Räubern und Schauspielern weiten den Horizont und enthüllen unterschiedliche Lebenslagen des Königreichs. Manchmal belohnt Zufall seine Wohltaten; häufiger provozieren sie neues Gerede. Die episodische Struktur verknüpft Abenteuer mit moralischen Erprobungen: Loyalität, Dankbarkeit und Selbstbeherrschung stehen auf dem Spiel. So wächst Tom an Erfahrungen, ohne seine Grundnatur zu verlieren, und das Netz von Beziehungen zieht sich enger zusammen.

Währenddessen flieht Sophia vor einer erzwungenen Heirat und sucht Schutz bei Verwandten und Bekannten. Ihre Reise verläuft parallel, doch unter anderen Gefahren: Reputation, Anstand und wirtschaftliche Abhängigkeit stellen eigene Barrieren dar. Briefe, verlorene Gegenstände und Missdeutungen treiben die Handlung voran und halten Tom und Sophia trotz räumlicher Distanz in Verbindung. Verfolger und Beschützer kreuzen ihre Wege, während Gerüchte ihnen stets vorauslaufen. Die Episode beleuchtet die Handlungsmacht einer jungen Frau im Rahmen der damaligen Normen und verdeutlicht, wie fragile Informationen über Ehre und Charakter den Verlauf von Entscheidungen bestimmen können.

Schließlich führt der Weg aller Beteiligten nach London, wo höfische Etikette und modische Salons neue Versuchungen eröffnen. Wohlhabende Gönnerinnen und intrigante Bewunderer umwerben Tom; gastfreundliche Türen verlangen Gegenleistungen. Gesellschaftliche Auftritte werden zu Prüfsteinen des Rufs, und die Grenze zwischen Großmut und Selbstgefälligkeit verwischt. Sophia sieht sich mit schmeichelnden Ratgebern und familiärem Druck konfrontiert, während Missgunst und Eifersucht wachsende Kluften erzeugen. Der Erzähler nutzt diese Bühne, um die Komödie der Manieren zuzuspitzen: Maskerade, Nebenbuhlerschaft und die Ökonomie des Anscheins lassen Wahrhaftigkeit selten und kostbar erscheinen, zugleich wächst die Sehnsucht nach Klarheit und Anerkennung.

Je näher sich die Handlungsfäden ziehen, desto deutlicher treten verborgene Verbindungen, alte Schulden und kleine Lügen zutage. Intrigen, die Tom moralisch diskreditieren sollen, erreichen einen kritischen Punkt; rechtliche Konsequenzen und persönliche Gefahren sind nicht länger hypothetisch. Förderer und Gegner müssen Stellung beziehen, und die Frage, ob Herz oder Regelwerk den Vorrang hat, entscheidet über Zukunft und Ansehen. Der Erzähler kommentiert dabei das eigene Handwerk, kontrastiert Wahrscheinlichkeit und Zufall und führt die Figuren an den Rand ihrer Kräfte. Ohne das Ende vorwegzunehmen, wird klar, dass Offenheit, Reue und gerechte Prüfung über bloße Etikette hinaus Gewicht gewinnen.

Die abschließenden Enthüllungen stellen Ursprung, Schuld und Verdienste in ein neues Licht und bereiten den Übergang von Ungewissheit zu Ordnung. Heuchelei verliert ihren Schutz, ernst gemeinte Besserung wird möglich, und soziale Schranken erweisen sich als verhandelbarer, als zuvor behauptet. Die Liebesgeschichte findet eine Lösung, deren Einzelheiten hier unausgeführt bleiben; wichtiger ist die Einsicht, dass wahre Tugend Handeln, Gefühl und Maß verbindet. Tom Jones bleibt bedeutsam als satirischer Gesellschaftsspiegel, als frühe Form des realistischen Romans und als Kommentar zur Balance von Natur und Norm. Fieldings heiter-ernster Ton lädt dazu ein, Fehler zu erkennen, ohne Menschlichkeit zu opfern.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Henry Fieldings The History of Tom Jones, a Foundling erschien 1749 in London und spielt im England der frühen georgianischen Zeit unter Georg II. Geprägt war diese Epoche von einer konstitutionellen Monarchie nach der Glorious Revolution, einem machtvollen Parlament und einer lokal dominierenden Landgentry, die als Friedensrichter Verwaltung und Justiz prägte. Die anglikanische Staatskirche, Dissentergemeinden und Universitäten wie Oxford und Cambridge rahmten die geistige Kultur. Zugleich ordneten Statuten wie der Copyright Act von 1710 den Buchmarkt, während der Licensing Act von 1737 das Theater regulierte – Entwicklungen, die Fieldings Laufbahn und die Entstehung seines Romans unmittelbar beeinflussten.

Die 1740er Jahre waren ein Höhepunkt der britischen Druckkultur: Zeitungen, Zeitschriften und Romane erreichten ein breites, über den Adel hinausgehendes Publikum. Nach Daniel Defoe und Jonathan Swift hatte Samuel Richardson mit Pamela (1740) und Clarissa (1747–48) das Genre des empfindsamen Romans popularisiert. Fielding, zuvor als Theaterautor durch den Licensing Act eingeschränkt, wandte sich der Prosa zu, parodierte Richardson in Shamela (1741) und entwickelte in Joseph Andrews (1742) eigene Formen. Tom Jones wurde 1749 bei Andrew Millar in sechs Bänden veröffentlicht und George Lyttelton gewidmet; rasch folgten weitere Auflagen und Übersetzungen, was die Marktdynamik und Nachfrage der Zeit belegt.

Die Gesellschaft, die Tom Jones abbildet, war stark ständisch strukturiert: Landadel, Klerus, städtische Kaufleute, Pächter, Dienstboten und Tagelöhner verbanden hierarchische, aber auch durchlässige Abhängigkeiten. Fragen der Geburt, Legitimität und Erbfolge regelten den sozialen Aufstieg. Die Armenfürsorge beruhte auf den Poor Laws, während außereheliche Kinder häufig von Gemeinden unterstützt oder in Dienst gegeben wurden. 1739 wurde in London das Foundling Hospital gegründet, eine bedeutende philanthropische Institution für ausgesetzte Kinder, unterstützt von Persönlichkeiten wie Thomas Coram und Georg Friedrich Händel. Der Roman greift die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Findelkinder und moralische Verantwortung im Kontext der Zeit explizit auf.

Reisen und Kommunikation veränderten sich spürbar. Turnpike Trusts verbesserten seit dem frühen 18. Jahrhundert die Landstraßen, und regelmäßige Post- und Stellwagenverbindungen verknüpften Provinzen mit London. Die Wegstrecken zwischen West Country und Hauptstadt, mit Gasthäusern, Mautstellen und lokalen Autoritäten, bildeten reale Erfahrungshorizonte, die der Roman nutzt. London zog als rasant wachsende Metropole mit Märkten, Vergnügungsräumen wie Vauxhall Gardens, Theatern, Kaffeehäusern und Druckereien Menschen aller Schichten an. Die lebhafte Publizistik von Grub Street bis zu etablierten Buchhändlern strukturierte den öffentlichen Diskurs, in dem literarische Werke unmittelbar rezensiert, beworben und politisch gelesen wurden.

Politisch dominierte im mittleren 18. Jahrhundert die Whig-Hegemonie, begleitet von Wahlkämpfen, Patronage und Debatten über Korruption und Tugend. Der Jakobitenaufstand von 1745 hatte Loyalitäten zum hannoverschen Staat erneut aktiviert. Fielding stand mit Whig-Kreisen in Verbindung und wirkte ab 1748 als Friedensrichter am Bow Street Office in London. Gemeinsam mit seinem Halbbruder John Fielding trug er um 1749/50 zur Organisation der Bow Street Runners bei, einer frühen Polizeitruppe. Zeitgenössische Sorgen über städtische Kriminalität und Alkoholkonsum – sichtbar in der Gin-Krise und dem Gin Act von 1736 – prägten die Wahrnehmung urbaner Sitten und Verwaltungspraxis.

Die religiöse Landschaft Englands war vielfältig: Die anglikanische Kirche dominierte Institutionen und Bildung, doch Dissenters und ein evangelikales Erwachen durch John Wesley und George Whitefield prägten seit den 1730er Jahren öffentliche Debatten. Aufklärung, Naturrechtsdenken und latitudinarische Theologie betonten Vernunft und Mäßigung. In Predigten, Traktaten und Periodika wurden Fragen der Sittlichkeit, Erziehung und Wohltätigkeit intensiv diskutiert. Der Roman zeigt – ohne dogmatische Parteinahme – diese Auseinandersetzungen, indem er Geistliche, Pädagogen und moralische Autoritäten in ihrem gesellschaftlichen Umfeld darstellt und die Schwierigkeiten einer konsequenten Tugendpraxis in einer kommerziell geprägten Gesellschaft sichtbar macht.

Rechtliche Rahmenbedingungen strukturierten Alltagsentscheidungen. Erb- und Besitzfragen, entail und Testamente sicherten Landbesitz in Familienlinien. Heiraten konnten vor dem Marriage Act von 1753 in England relativ formlos geschlossen werden, was zu clandestinen Verbindungen und Streit über Gültigkeit führte; mit dem Gesetz wurden künftig bestimmte Formalitäten vorgeschrieben. Diese Situation bildete den Hintergrund für Konflikte um Vormundschaft, Mitgift, Zustimmung und rechtliche Legitimität. Ebenso regelten Armengesetze die Unterhaltspflichten bei unehelichen Kindern. Solche Normen erklären die Bedeutung von Geburt, Reputation und Dokumenten im Roman, ohne dass inhaltliche Wendungen vorweggenommen werden müssen. Auch Duellverbote und Ehrvorstellungen beeinflussten Konfliktlösungen der Oberschichten.

Tom Jones bezeichnete Fielding selbst als „komisches Epos in Prosa“ und bot damit ein bewusst umfassendes Gesellschaftspanorama von ländlichen Pfarrhäusern bis zu Londoner Salons. Zeitgenossen erkannten darin sowohl Unterhaltung als auch kommentierende Beobachtung der georgianischen Lebenswelt, von Wahlkämpfen über Reisekultur bis zu Wohltätigkeitseinrichtungen. Das Werk hatte 1749 rasch Erfolg, löste auch moralische Kritik aus und fand im 18. Jahrhundert weite Verbreitung durch Neuauflagen und Übersetzungen. Es fungiert als zeitgenössischer Kommentar zu Institutionen, Sitten und Kommunikationsformen seiner Epoche und veranschaulicht, wie die neue Gattung „Roman“ gesellschaftliches Wissen bündelte und verbreitete und international rezipiert wurde.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Henry Fielding (1707–1754) war ein englischer Romanautor, Dramatiker, Journalist und Londoner Magistrat der Aufklärungsepoche. Seine Werke verbinden komische Satire mit moralischer Reflexion und einer breiten Darstellung gesellschaftlicher Sitten. Als Erneuerer des englischen Romans etablierte er das Konzept des „komischen Epos in Prosa“ und prägte die kommentierende Erzählerstimme. Besonders mit The History of Tom Jones, a Foundling setzte er Maßstäbe für Plotarchitektur, Figurenführung und Ironie. Zugleich zeigen seine Bühnenstücke und publizistischen Schriften ein waches Interesse an Recht und Politik. Fielding gilt als Schlüsselfigur der Literatur des 18. Jahrhunderts, deren erzählerische Verfahren und Ethos bis in spätere Romantraditionen fortwirken.

Fielding erhielt seine Ausbildung am Eton College, wo klassische Sprachen und Rhetorik den Ton angaben. 1728 nahm er ein Studium an der Universität Leiden auf, das er aus finanziellen Gründen abbrach; zurück in London wandte er sich intensiver dem Theater und der Juristerei zu und trat später in den Middle Temple ein. 1740 wurde er als Barrister zugelassen. Literarisch prägten ihn die klassizistische Poetik der Augustaner und das komisch-epische Erzählen, maßgeblich die pikareske Tradition und Cervantes. Satirische Vorbilder seiner Zeit, darunter die Verfahren von Essayisten und Dichtern wie Swift und Pope, beeinflussten Tonfall, Erzählhaltung und rhetorische Instrumente.

Seine frühe Karriere war die des Bühnenautors. Zwischen späten 1720er- und 1730er-Jahren schrieb er eine Reihe bissiger Komödien und Farcen, darunter The Author’s Farce (1730), Tom Thumb/The Tragedy of Tragedies (1730/1731), Pasquin (1736) und The Historical Register for the Year 1736 (1737). Diese Stücke attackierten modische Geschmackslosigkeit ebenso wie politische Heuchelei und trafen den Nerv des Londoner Publikums. Der staatliche Einschnitt kam 1737 mit dem Licensing Act, der das Theater streng regulierte und Fieldings satirische Bühne praktisch beendete. Die Zensur wirkte als Wendepunkt: Er wandte sich verstärkt der juristischen Laufbahn zu und suchte in Prosa neue Ausdrucksmöglichkeiten.

In der Prosa trat er zunächst polemisch auf. An Apology for the Life of Mrs. Shamela Andrews (1741), kurz Shamela, parodierte Samuel Richardsons Pamela und eröffnete sein eigenes Terrain moralischer Komik. Mit The History of the Adventures of Joseph Andrews, and of his Friend Mr. Abraham Adams (1742) formulierte er programmatisch das „komische Epos in Prosa“. In Miscellanies (1743) veröffentlichte er u. a. The History of the Life of the Late Mr. Jonathan Wild the Great sowie A Journey from This World to the Next. Diese Texte kombinierten satirische Analyse, erzählerische Experimente und Reflexionen über Tugend, Täuschung und gesellschaftliche Ordnung.

Sein Hauptwerk The History of Tom Jones, a Foundling (1749) verband weite gesellschaftliche Panoramen, kunstvolle Konstruktion und eine unverwechselbar belehrend-ironische Erzählerinstanz. Die Gliederung in Bücher mit einleitenden Kapiteln schuf einen reflektierten Dialog über Erzählkunst und Moral, ohne den Fortgang der Handlung zu verraten. Fielding folgte mit Amelia (1751) einem ernsteren, häuslicheren Ton und untersuchte Härten urbanen Lebens. Als Publizist führte er The Covent-Garden Journal (1752), in dem er literarische und soziale Debatten kommentierte. Zeitgenössisch fand er großes Lesepublikum, wurde jedoch von einigen moralischen Autoritäten wegen Freimütigkeit und satirischer Attacken kritisiert.

Neben der Schriftstellerei war Fielding Jurist und engagierter Magistrat. 1748 übernahm er Ämter als Justice of the Peace für Westminster und Middlesex und etablierte am Bow Street Court effizientere Verfahren gegen Kriminalität. Um 1749 organisierte er mit Kollegen eine frühe, später als Bow Street Runners bekannte Ermittlergruppe. In An Enquiry into the Causes of the Late Increase of Robbers (1751) analysierte er Ursachen von Verbrechen und plädierte für Reformen, darunter bessere Polizeiarbeit und Eindämmung exzessiven Gin-Konsums. Diese praktische Erfahrung speiste seine Prosa mit Kenntnissen über Recht, Armut und städtische Sitten, ohne belehrende Strenge zu dominieren.

In seinen letzten Jahren litt Fielding an chronischen gesundheitlichen Beschwerden. 1754 trat er, ärztlich beraten, eine Seereise nach Lissabon an, wo er noch im selben Jahr verstarb. Sein Journal of a Voyage to Lisbon erschien postum und vermittelt nüchterne Selbstdarstellung, Beobachtungsgabe und Humor bis zuletzt. Das Vermächtnis Fieldings liegt in der Ausformung des realistischen Romans, der souveränen Erzählerfigur und der Verbindung von Komik, Ethik und Gesellschaftsanalyse. Seine Romane bleiben Kerntexte der britischen Literaturgeschichte und werden weiterhin breit gelesen und erforscht; sie bieten ein Maß an formaler Klarheit und Weltkenntnis, das die Entwicklung der europäischen Erzählliteratur nachhaltig beeinflusste.

Tom Jones (Zusammengefasste Ausgabe)

Hauptinhaltsverzeichnis
Erster Theil
Abschnitt I
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Abschnitt II
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Abschnitt III
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Abschnitt IV
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Zweiter Theil
Abschnitt I
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Abschnitt II
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Abschnitt III
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Funfzehntes Kapitel
Dritter Theil
Abschnitt I
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Funfzehntes Kapitel
Abschnitt II
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Abschnitt III
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Vierter Theil
Abschnitt I
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Abschnitt II
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Abschnitt III
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Fünfter Theil
Abschnitt I
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Abschnitt II
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Abschnitt III
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Sechster Theil
Abschnitt I
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Abschnitt II
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Letztes Kapitel

Erster Theil

Inhaltsverzeichnis

Abschnitt I

Erstes Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

Ein Autor, mahnt der Text, soll sich nicht als großzügiger Gastgeber sehen, sondern als Wirt, bei dem zahlende Gäste jedes Gericht kritisieren dürfen. Darum legt er, wie der ehrliche Speisewirt, einen Speisezettel vor: Wer bleiben will, weiß, was ihn erwartet. Auf der Karte steht nur eins: „menschliche Natur“. Doch wie bei der Schildkröte verbirgt ein einziger Name zahllose Kostbarkeiten. Wer sie zu gewöhnlich nennt, verkennt, dass Güte in der Zubereitung liegt; dasselbe Rind kann fürstlich oder kümmerlich schmecken. Also serviert er erst schlichtes Landleben, dann würzige städtische Laster – und ruft die Gäste zum ersten Gang auf.

Zweites Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

In Somersetshire lebt Squire Allworthy, begnadet mit angenehmem Äußeren, Gesundheit, klarem Verstand und großem Herzen; Fortuna schenkte ihm zudem ein riesiges Landgut. Er heiratete ein schönes, achtbares Mädchen, liebte sie zärtlich, verlor jedoch drei Kinder und vor fünf Jahren auch seine Frau. Standhaft sagt er, er sei noch immer verheiratet, sie reise ihm nur voraus; Nachbarn zweifeln deshalb an Sinn, Glauben oder Aufrichtigkeit. Jetzt lebt er zurückgezogen mit seiner über Dreißig stehenden Schwester Miss Bridget, von Spöttern »alte Jungfer« genannt. Sie dankt Gott für ihre Unscheinbarkeit, nennt Schönheit »Schlingen«, bewacht ihr Verhalten, obwohl Männer solche Frauen selten angreifen. Gleich darauf kündigt eine Stimme Abschweifungen an.

Drittes Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

Allworthy, reich und gutherzig, kehrt nach drei Monaten London spät heim, isst kurz mit seiner Schwester und zieht sich müde zurück. Nach seinem Gebet schlägt er die Decke zurück und entdeckt ein schlafendes Baby in groben Windeln. Er staunt, klingelt, ruft die betagte Deborah Wilkins. Während er im Hemd wartet, bändigt sie vorm Spiegel ihr Haar; beim Eintreten fährt sie erschrocken zurück und ruft, sie habe „niemals einen Mann ohne Rock gesehen.“ Er bittet sie hinaus, kleidet sich, holt sie zurück, erklärt, sie müsse das Kind versorgen und morgen eine Amme beschaffen. Sie stammelt: „Ach, guter Herr, was soll da geschehen

Deborah erholt sich, schnauft „Ja, Herr, ... es sollte mich freuen, wenn sie tüchtig ausgepeitscht würde“, behauptet, die Mutter sei gewiss eine mehrfach gefallene „Nickel“, warnt vor Gerede, rät das Findelkind im Korb vor die Tür des Kirchenvorstehers zu legen. Allworthy erwidert streng: „Das Kind mir zu bringen, Deborah!“ Sie fährt fort: „Pfui! wie es stinkt! Es riecht gar nicht wie ein Christenkind ... besser es stirbt unschuldig.“ Dabei legt er seinen Finger in die winzige Hand; der zarte Druck erstickt ihre Einwände. Er ordnet Brei, frische Wäsche und Wärme an. Gehorsam wiegt sie es, murmelt „ein liebes kleines Ding“, und er schläft selig ein.

Viertes Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

The Gothic mansion of Allworthy crowns the lower slope of a south-eastern hill, noble as a Greek temple yet snug within. Ancient oaks shield it from harsh wind, a pine-clad cliff sends a sparkling spring tumbling thirty feet, then trickling through pebble falls to a lake visible from every front room; beyond, river, meadows, villages, ruined abbey tower and a graceful park lead the eye to jagged cloud-piercing peaks. It is mid-May. Dawn gilds terraces, and Allworthy, radiant in benevolence, steps out, pondering fresh ways to serve creation. A distant breakfast bell rings; careful, we must descend together.

Inside, Bridget greets her brother, pours tea, and cannot hide pleasure when he promises her “a gift.” Maid Wilkins appears, cradling a swaddled infant. Bridget freezes. Allworthy quietly recounts the night’s discovery and adds, “I’ll rear the child as my own.” Amazement softens into praise; she calls his kindness exemplary, though she murmurs that men are stubborn and she wishes she were independent. Her charity ends with the unseen mother: “schamloser Nickel, gemeine Hure!” she snarls. Plans follow: household maids cleared, village girls to be examined, Wilkins to report by evening. Allworthy withdraws; Bridget takes the baby.

Fünftes Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

Kaum ist der Herr fort, bleibt Deborah vor Miss Brigitte stehen. Die Dame mustert das Kind, küsst es und sagt, es gefalle ihr. Sofort drückt Deborah den Knaben an sich und ruft: „Das liebe Wesen! Das kleine, hübsche liebe Kind! Das Knäbchen ist so hübsch, als ich irgend eines gesehen habe.“ Brigitte stoppt das Kreischen, ordnet Wäsche, Pflege und ein Zimmer als Kinderstube an. „Weil mein Bruder es will, muss das Kind zärtlich behandelt werden; ich halte das zwar für eine Ermunterung des Lasters, doch Widerstand gegen männische Launen wäre töricht.“ Eine Stimme ergänzt, widerwilliges Nachgeben gelte mehr als Gehorchen und verspreche, dies preiszugeben.

Sechstes Kapitel.

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Jungfer Deborah, beauftragt das Findelkindes Geheimnis zu lüften, marschiert durchs Kirchspiel wie ein Geier, stolz, den Kopf hoch, während die Leute verschreckt in ihre Häuser huschen. Ihrem Naturell nach kränkt sie die Kleinen, um Demütigungen bei Höheren auszugleichen; wann immer Brigitte sie knebelt, sucht sie unten Ventil. Diesmal tritt sie bei einer älteren Frau ein, die ihr an Alter und mangelnder Schönheit gleicht, schildert das Geschehen und wälzt mögliche Sünderinnen durch. Verdacht richtet sich schließlich auf Jenny Jones: unscheinbar, doch blitzgescheit, vom Schulmeister bis zum fließenden Latein gefördert, neuerdings sonntags im seidenen Kleid prunkend und häufig im Hause Allworthy gesehen.

Jenny erscheint sofort. Deborah nimmt den Richterstuhl ein, schleudert: »Du freche Hure!« Das Urteil steht, noch ehe die Anklage erklingt. Obwohl Beweise mager sind, erspart Jenny Mühe, gesteht alles reumütig. Die Menge, inzwischen zahlreich, schnaubt. Einige fragen, wer nun das seidenes Kleid bekomme, andere spotten über Gelehrsamkeit. Eine rümpft die Nase: »Der Mann muß einen guten Magen haben, der für solche Waare ein seidenes Kleid giebt.« Da blitzt Jennys Antwort scharf, Geduld erschöpft. Deborah triumphiert, meldet Erfolg Allworthy. Der Herr staunt, Miß Brigitte bekreuzigt sich: »Ich für meinen Teil kann fortan keinem Frauenzimmer trauen.« Deborah soll Jenny zur milden Ermahnung zurückholen.

Siebentes Kapitel.

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Allworthy führt Jenny in sein Arbeitszimmer, erklärt, er könne sie als Richter hart bestrafen, lasse aber Milde walten, weil das Kind in seinem Haus eher aus Liebe als Dreistigkeit erschienen sei. Er lobt, dass sie das Neugeborene nicht ausgesetzt hat, verurteilt jedoch ihre verlorene Keuschheit als abscheulich und folgenschwer. Mit Hinweis auf göttliche Gebote mahnt er vor Gottes Zorn und weltlichem Ruin: Ehrverlust, gesellschaftlicher Ausschluss, bittere Armut. Leidenschaft lohne den Tausch niemals: „Kann irgend ein Vergnügen diese Übel aufwiegen?“ ruft er, und prangert Verführer an, die für „ein kurzes, verächtliches Vergnügen“ das Mädchen verdammen würden.

Er erklärt, jedes Mädchen, das sich so erniedrigt, verliere Würde und Seele und solle den Verführer als schlimmsten Feind erkennen. Als Jenny betroffen niederblickt, pausiert er, verspricht, sie nicht zu demütigen, sondern künftig zu stärken. Trotz ihres Fehltritts traue er ihrer Reue; er werde sie an einen fremden Ort bringen und ihr Kind versorgen. „Ein schuldloses Leben bietet größeres Vergnügen als Laster“, mahnt er und verlangt den Namen des Mannes. Jenny hebt die Augen: „Wer Sie kennt, Herr, und Ihre Güte nicht liebt, beweist einen Mangel an Herz.“ Schluchzend bittet sie, ihren Eid nicht zu brechen.

Allworthy zögert, dann gesteht er, sie habe zwar töricht geschworen, doch werde er keinen Wortbruch fordern; er suche den Verführer nur, um ihn zu bestrafen und nicht unverdient zu begünstigen. Jenny versichert feierlich, der Mann liege außerhalb seiner Reichweite und werde keine Hilfe erwarten. Beeindruckt von ihrer Ehrlichkeit und Standhaftigkeit glaubt Allworthy ihr, lobt ihre Weigerung zu lügen und verspricht, sie bald fortzubringen, wo Schande sie nicht verfolgt. Für das Kind gelobe er Fürsorge. Beim Abschied erinnert er sie eindringlich: „Bedenke, Kind, du hast noch Einen zu versöhnen, dessen Gunst wichtiger ist als die meinige.

Achtes Kapitel.

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Als Allworthy mit Jenny ins Arbeitszimmer verschwand, klebten Brigitte und Deborah am Schlüsselloch – jenem Spalt, den Brigitte so vertraut kannte wie Thisbe ihre »o böse, böse Mauer!«. Nach der Zurechtweisung fauchte Deborah über die Milde des Herrn: »Ich finde den Vater noch vor Sonnenuntergang!« Brigitte lächelte kalt, schalt die Neugier, lobte Jennys Geständnis und Treue, nannte den Verführer Schurken. Verblüfft ruderte Deborah zurück: »Ja, wahrhaftig, das arme Ding ist zu bedauern.« – »Du hast ganz Recht, Deborah«, fuhr Brigitte fort, wetterte gegen eitle Mädchen mit nacktem Hals, wünschte ihnen Blattern, bedauerte jedoch Jenny. Gemeinsam verfluchten sie Männer und bemitleideten ehrbare Opfer.