Tom Prox 132 - Eric Allan Bird - E-Book

Tom Prox 132 E-Book

Eric Allan Bird

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Beschreibung

Wütende Briefe an den Gouverneur haben die Ghost Squad auf den Plan gerufen. Auf getrennten Wegen versucht die Truppe von Tom Prox, dem geheimnisumwitterten Bandenchef ›Big Slim‹ auf die Schliche zu kommen. Was die Ermittlungen sehr erschwert, ist die scheinbar ans Übernatürliche grenzende Fähigkeit der Bande, unterzutauchen und gestohlene Rinder zu verstecken. Auch versteht Tom Prox zunächst nicht, warum ihm die Leute anscheinend manches nicht sagen möchten. Bald geht es in den Bergen hoch her, und auch der Sheriff von Hightwood City bekommt alle Hände voll zu tun!


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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ähnliche


Inhalt

Cover

Vatermörder

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

Vorschau

Impressum

Vatermörder

Von Eric Allan Bird

Im Bezirk von Hightwood City in Texas werden die Rancher von einer außergewöhnlichen Gangsterbande in Atem gehalten. Seit ein geheimnisvoller Mann von riesigem Wuchs die »Schwarzen Banditen« kommandiert, sind sie nicht nur außerordentlich erfolgreich, sondern haben ihre Aktionen zudem auf unterschiedliche Tätigkeitsfelder ausgeweitet.

Um ihnen endlich auf die Schliche zu kommen, wird Tom Prox zu Hilfe gerufen. Der ist entsetzt, zu was Gier Menschen treiben kann. Selbst ein Vatermord dient als Mittel zum Zweck ...

1. Kapitel

Roger Hotchering, der für eine solch gewaltige Ranch wie die »Ranch am Creek« noch recht junge Vormann der Cowboy-Crew, lehnte lässig am Stamm einer hohen Douglastanne. Er zog nachdenklich an einer Zigarette und blickte mit halbgeschlossenen Lidern verschlafen in die Ebene hinab. Vor dem Hügel im Süden des scharf zerklüfteten Vorgebirges der Guadalupe-Mountains dehnte sich das mit hohen Hecken und vielen kleinen Baumgruppen durchsetzte saftige Weideland scheinbar bis in die Unendlichkeit aus.

Im flimmernden Sternenlicht einer wolkenlosen Neumondnacht wurde das gleichmäßige Auf und Ab von Tausenden von Leibern, die sich dort unten bewegten, für den übermüdeten Vormann zum Wogen eines Ozeans. Trotz seines Halbschlafs wurde Hotchering plötzlich eine sonderbare Verkehrung der Dinge bewusst, denn damals, auf einem der Tiertransporte über den Golf von Mexiko, war ihm vom Bug des Schiffes aus die lang anrollende Meeresdünung wie das rhythmische Bewegen der unzähligen dichtgedrängten Tierrücken einer riesigen Rinderherde erschienen.

Das Brüllen der Bullen, das Muhen der Kühe und die helleren Schreie der Kälber erfüllten die Luft. Der plötzlich aufklingende Hufschlag eines Gauls brachte den Vormann in die Wirklichkeit zurück. Es dauerte aber nicht lange, da wurde er durch die zu ihm aufsteigenden scharfen Ausdünstungen der Tiere, die ihn in der kühlen Nacht wie ein wärmender Mantel einhüllten, nur noch schläfriger.

Dabei durfte er jetzt auf keinen Fall in seiner Aufmerksamkeit nachlassen. Hastig zog er eine zerdrückte Zigarettenpackung aus der Jackentasche und zündete sich im Schutz der vorgehaltenen hohlen Hand einen neuen Glimmstängel an. Als dann kurz darauf sein Pferd hinter ihm leise wieherte und mit dem Huf scharrte, nickte Roger Hotchering zufrieden vor sich hin. Er hatte nun den toten Punkt überwunden, und seine Müdigkeit war verflogen.

Er trat etwas unter der dicken Tanne hervor und warf einen scharf prüfenden Blick zur Seite hin auf das kleine Zeltlager am Hügelhang.

Die Männer, die dort schweigend um die beiden niedergebrannten und nur noch schwach glimmenden Lagerfeuer hockten, hatten sich in ihre Decken gehüllt. Sie wirkten in dem diffusen Sternenschimmer wie die gnomenhaften Schatten von Steinen. Nichts verriet, dass die wachfreien Cowboys nicht in ihren Zelten schliefen und dass ihre Gäule gesattelt und gezäumt in dem Wäldchen neben dem Lager standen.

Von Weitem sah alles so aus, wie es in jeder Nacht bei der großen Herde der »Ranch am Creek« aussah. Und doch hielten sich diesmal mehr als zwei Dutzend Cowboys mit umgeschnallten Coltgürteln und den Winchesterbüchsen bereit, um beim ersten Alarmruf der Wachen zu den Pferden zu rennen und in die Sättel zu springen.

Diesmal sollten sich die Rustler aus dem Felsengebirge, die »Schwarzen Banditen«, wie man sie ihrer dunklen Kleidung und der geschwärzten Gesichter wegen im Land nannte, schwer getäuscht haben.

Der Vormann war entschlossen, den Banditen das weitere Abklemmen von Vieh aus seiner Herde ein für alle Mal zu verleiden. In den beiden letzten Neumondnächten waren die »Schwarzen Banditen« jeweils überraschend aus einer der unübersichtlichen Schluchten hervorgebrochen und hatten beide Male in einem tollkühnen Handstreich Hunderte von Rindern von der Herde abschneiden und mit ihnen im Gebirge verschwinden können.

Während der Vormann jetzt daran dachte, knirschte er vor Wut mit den Zähnen. Stets hatten die Banditen rücksichtslos von ihren Karabinern Gebrauch gemacht und mehrere Ranchhands zusammengeschossen. Und eine Verfolgung war in den unzähligen einsamen Tälern und unwegsamen Schluchten der Ausläufer des Guadalupe-Felsengebirges von vornherein aussichtslos gewesen.

Den Sheriff von Hightwood City, zu dessen Distrikt die »Ranch am Creek« gehörte, hatte die Verfolgung der Viehräuber drei Mann seiner zusammengestellten Posse gekostet, und er war jedes Mal unverrichteter Dinge mit völlig erschöpften Männern und abgetriebenen Gäulen zurückgekommen.

Bull Warton, dem derzeitigen Besitzer der »Ranch am Creek«, war es nicht viel besser ergangen. Er hatte mit einem Dutzend Cowboys zwar die Rustler ein ganzes Stück weit verfolgen können, hatte dann aber vor den Kugeln der »Schwarzen Banditen« im scharf zerklüfteten Vorgebirge den Rückzug antreten müssen. Es war an sich vernünftig von dem Boss gewesen, fand der Vormann, dass er nicht seines verlorenen Viehes wegen auch noch das Leben der Cowboys in Gefahr brachte.

Der Vormann war in seinen Gedanken so weit gekommen, als er plötzlich in der Ferne einen rötlichen Schein sah. Im gleichen Augenblick gellte auch schon vom Lager her der langgezogene Schrei eines Mannes: »Feueeeer! – Feueeeer!«

Mit ein paar Sätzen stand Roger Hotchering neben seinem Pferd. Er riss den Zügel von dem Ast, an dem es angebunden war, warf ihn dem Wallach über den Kopf und saß auch schon im Sattel. Wie der Wirbelwind preschte er den Hang hinunter und jenseits der kleinen Senke wieder empor.

»Alles auf die Gäule, Boys! Schnell in die Sättel!«, brüllte er aus voller Lungenkraft, als sein Wallach zwischen die aufgesprungenen und schreiend durcheinanderquirlenden, aufgeregten Männer fegte.

»Stopp ... stopp ... Roger!« Ein älterer Weidereiter griff dem Vormann, der sein Pferd herumwerfen wollte, energisch in den Zügel, während die Cowboys schon ins Wäldchen zu ihren Tieren rannten. »Stopp doch den Gaul, verdammt noch mal, und hör zu, Roger! Was soll denn hier werden? Willst du etwa nur die paar Mann von der Wache bei der Herde lassen?«

»Hell and Devil! Was soll ich denn sonst tun, Buggy?«, rief der Vormann aufgebracht. »Siehst du denn nicht, dass die Glut am Himmel immer mehr wächst und immer heller wird? Die Gebäude brennen. Wir müssen so rasch wie möglich hin und löschen helfen!«

»Wenn die Gebäude brennen, dann kommen wir zum Löschen doch viel zu spät«, wandte der Mann mit dem silbergrauen Haar gelassen ein. »Wir brauchen jetzt in der Nacht gute drei Stunden. Nimm du die Hälfte der Boys mit. Ich werde mit dem Rest sofort die Wachen bei der Herde verstärken.«

»Okay, machen wir es so«, entschied sich der Vormann nach einer kurzen Überlegung. »Und achte besonders auf die verdammte Passschlucht, Buggy! Die Boys sollen die Büchsenkolben auf den Knien halten, denn die ...«

Seine weiteren mahnenden Worte gingen im dröhnenden Hufgetrommel der heranpreschenden Pferde und den aufgeregten Rufen der Männer unter.

Wenige Sekunden später jagte Roger Hotchering, mit sechzehn Cowboys hinter sich, den einspurigen Fahrweg über das Weideland entlang, auf die bald heller und bald dunkler werdende Feuersbrunst zu. Der leichte Nachtwind trug ihnen den Brandgeruch entgegen, und der wolkenklare Himmel war nun von breiten Qualmstreifen überzogen. Je näher sie kamen, umso ausgedehnter schien das Feuer; ab und zu stob ein Funkenregen empor.

»Die großen Vorratsschuppen und beide Kälberställe stehen in Flammen!«, brüllte einer der Reiter zu dem Vormann hinüber, neben dem er ritt.

Roger Hotchering nickte nur. Er hatte bereits gesehen, dass die Hauptgebäude noch standen. Winzige, sich dunkel von der Glut abhebende Menschengestalten waren zu erkennen, je näher sie heranjagten.

Buggy Schumann, der alte, erfahrene Weidereiter, hatte recht gehabt: Zum Löschen kam der Vormann mit seiner Schar zu spät. Die beiden langgestreckten Ställe, in denen die kalbenden Zuchtkühe und die Kälber gestanden hatten, waren bereits zusammengestürzt, und von den halb verkohlten, wirr durcheinanderfliegenden Balken und Brettern der Vorratsschuppen züngelten noch Flammen empor.

Ohne Besinnen sprangen die Reiter von den Pferden und reihten sich in die Menschenketten ein, durch deren Hände die vollen Eimer zu den Gebäuden liefen und dann leer wieder zum Brunnen zurückwanderten, um neu gefüllt zu werden. Auf den Dächern des Herrenhauses und der beiden sich seitlich anschließenden Bunkhäuser standen weitere Männer, die mit Wassergüssen und den Schlägen breiter Feuerpatscher ein Übergreifen der Brände durch den stiebenden Funkenregen verhinderten.

»Damned! Wie ist denn das nur gekommen, Henry?«, fragte der Vormann, vom scharfen Ritt noch atemlos, während er einen vollen Wassereimer an den neben ihm stehenden Hofboy weiterreichte.

»Es war Brandstiftung«, antwortete der nicht weniger erschöpfte Mann keuchend. »Es ging alles rasend schnell. Wir saßen im Bunkhaus beim Kartenspiel, als plötzlich draußen bei den hinteren Korrals Schüsse fielen. Im gleichen Augenblick, als wir ins Freie kamen, flogen auch schon die Brander auf die Schuppen- und Stalldächer.«

»Ein Überfall?«

»Yeah. Er galt den Zuchtbullen. Einige von uns haben die ›Schwarzen Banditen‹ gesehen, wie sie die Bullen forttrieben. Wir konnten sie nicht verfolgen, weil wir alle Hände voll zu tun hatten, um die Wohnhäuser zu retten.«

»Hat es jemanden von uns erwischt?«

»Eddy Starten bekam eine Kugel in die Brust. Möglich, dass er's übersteht. Phil Hyber, der mit Eddy zusammen die Wache am Bullenkorral hatte, muss sofort tot gewesen sein. Er hatte einen Kopfschuss, und der wildgewordene Gaul hat ihn noch ein Stück weit geschleift.«

»Und was sagt der Boss zu dieser Schwei...«

Ein gewaltiges Getöse unterbrach das Gespräch. Der letzte noch stehende Anbau eines Futterschuppens war nun ebenfalls völlig zusammengekracht. Noch einmal schoss von dieser Brandstelle ein dichter Funkenregen hoch in den rotglühenden Nachthimmel, dann war die Gewalt des Feuers gebrochen.

Die soeben noch hell lodernden Flammen sanken mehr und mehr in sich zusammen. Aus dem grell zuckenden Leuchten um die Gebäude wurde allmählich ein gedämpftes Glimmen. Dicke, stickige Rauchschwaden lagerten über den knisternden Brandstellen und wurden vom leichten Nachtwind über die noch stehenden Gebäude hinaus ins Land getrieben.

Die Männer, die in der langen Eimerkette gestanden hatten, wischten sich aufatmend den Schweiß ab, der jedem von ihnen von der Stirn lief. Das Ärgste war geschafft. Diejenigen Ranchhands, die bisher auf den Dächern gearbeitet hatten, horchten als erste überrascht auf, als plötzlich das Trommeln vieler Pferdehufe wie ferner Donner durch die Nacht klang und rasch stärker wurde.

Auch unten auf dem Hof wurde man aufmerksam. Während ein Teil der Cowboys noch unschlüssig stand, rannten andere Männer schon über den weiten Ranchhof zum Bunkhaus hinüber, wo sie während der Brandbekämpfung ihre Coltgürtel und Büchsen griffbereit an die Nägel gehängt hatten, die in die Außenwand eingeschlagen waren.

»Alarm, Boys!«

»Die ›Schwarzen Banditen‹ kommen zurück!«

»Das ist Big Slims Bande!«

»Die Rustler! Alles zu den Waffen!«, rief und schrie es wild durcheinander.

»Ruhe ... Ruhe ... Boys!«, übertönte die Stentorstimme des Vormanns Roger Hotchering den unbeschreiblichen Lärm. »Es sind keine Banditen, Leute! Es ist Sheriff Kingsbay mit einem Aufgebot! Ich erkenne deutlich seinen langbeinigen Grauschimmelwallach. Die Waffen herunter!«

Die Kavalkade preschte durch das Tor und stoppte auf dem Ranchhof.

Der Mann an der Spitze der Reitertruppe, der einen hochbeinigen Grauschimmel ritt, warf mir einen kurzen Blick um sich und glitt dann geschmeidig aus dem Sattel. Der Sheriffstern an seiner linken Brustseite blinkte dabei matt im Feuerschein.

Timothy Kingsbay, der langjährige Sheriff von Hightwood City, zeichnete sich rein äußerlich durch zwei Dinge aus: Einmal war er von kleiner, aber dafür umso breiterer Statur, was ihn merkwürdig viereckig erscheinen ließ, zum anderen trug er stets einen übergroßen, dunkelgrauen »Zehn-Gallonen-Hut« mit einer besonders dicken Silberkordel. Kingsbay war auf seinen überdimensionalen »Tex«-Hut so stolz, dass ihn höchstens der Anblick einer Lady dazu bewegen konnte, ihn zu lüften.

Die spottsüchtigen Bewohner von Hightwood City, einem Örtchen, das ebenso winzig war wie der dazu gehörende Bezirk im südlichen Texas riesengroß, behaupteten steif und fest, Sheriff Kingsbay behielte dieses Monstrum von Kopfbedeckung sogar im Bett auf. Wie viele etwas zu kurz geratene Menschen war auch Kingsbay von sehr cholerischem Temperament. Es genügte, ihn statt Timothy schlicht mit Tim anzureden, um ihn in Raserei zu versetzen.

»Hello, Mr. Warton! Ich bin erschüttert. Sehe aber, dass Sie und Ihre Boys schon allein mit dem Brand fertig geworden sind«, röhrte der Sheriff mit einer auffällig tiefen Bassstimme einem rußgeschwärzten Mann in zerrissener Kleidung entgegen, der sich durch die Cowboys drängte. »Wir sahen die Feuersbrunst bis zu uns in die Town leuchten und ritten sofort los, weil wir dachten, die ganze Ranch am Creek stände in Flammen.«

»Wir hatten ein unverhofftes Glück im Unglück, weil in dieser unseligen Nacht kaum ein Lüftchen wehte, Mr. Kingsbay«, erwiderte der Rancher Bull Warton. Er war ebenfalls nur mittelgroß, zwar um einen Kopf höher als der Sheriff, dafür aber recht hager. »Nur ein wenig mehr Wind, und mein Herrenhaus und die Bunkhäuser wären gleichfalls zu Schutt und zu Asche geworden.«

Es klang ein wenig pathetisch, eine Angewohnheit Bull Wartons, der auch in seinem Gehabe etwas Theatralisches an sich hatte.

»Und was war die Ursache des Brandes?«, fragte Kingsbay.

»Soweit ich im Bilde bin, hat Big Slims Bande das Feuer gelegt und dann unsere besten Zuchtbullen aus dem Korral geraubt«, antwortete ihm der Vormann.

»Waaaas? Hell and Devil! Wieder die ›Schwarzen Banditen?‹« Der Sheriff stieß einen Fluch aus. »Trommeln Sie alle Ihre Boys zusammen, Mr. Warton! Wir jagen sofort hinter den Rustlern her!«

»Das wäre völlig zwecklos. Mr. Kingsbay«, lehnte der Rancher kopfschüttelnd ab. »Die Brandstifter haben einen Vorsprung von mehreren Stunden und sind längst im Gebirge.«

»Mit den Bullen kommen sie nicht so schnell vorwärts, außerdem hinterlassen sie genügend Spuren auch in den Bergen.«

»Trotzdem. Und um es ganz ehrlich zu sagen: Ich will nicht noch das Leben meiner Leute aufs Spiel setzen«, blieb Bull Warton fest. »Lieber verliere ich die Tiere, so schmerzlich dieser Verlust für mich auch ist.«

»Teufel noch mal, es geht doch nicht nur um Ihre verdammten Kuhschwänze, Mr. Warton!«, empörte sich Kingsbay. »Wir müssen diesen Mordbanditen endlich das Handwerk legen. Postkutschenüberfälle, Viehraub, Brandstiftungen und Morde – das alles geht auf das Konto dieser Halunken, und sie treiben es immer toller. Es kann doch nicht so weitergehen, Mr. Warton.«

»Das ist auch meine Meinung, Mr. Kingsbay«, erwiderte der Rancher. »Aber es ist allein die Angelegenheit der Behörde, dafür zu sorgen, dass diese Verbrechen der ›Schwarzen Banditen‹ Big Slims aufhören. Wir Rancher zahlen unsere Steuern, die nicht gering sind. Und was geschieht mit uns? Man gibt uns schutzlos Mordbrennern und Viehräubern preis«, schloss Bull Warton anklagend.

»Sie reden nicht wie ein Rancher, sondern wie ein Advokat, Sir«, höhnte Kingsbay. »Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Sie ...« Er verstummte abrupt, da ihm plötzlich bewusst wurde, dass er im Begriff war, eine Ungehörigkeit zu sagen.

»Oh, ich nehme Ihnen diese Worte nicht übel. Mr. Kingsbay«, erklärte der Rancher gelassen, ohne eine Miene zu verziehen. »Und ich verstehe Ihre berechtigte Empörung über die Schandtaten dieser Verbrecher unter dem Auge des Gesetzes sehr gut. Ich bin darüber ebenfalls erschüttert, und zwar, weil ich, wie Sie sehr richtig erwähnten, eben ein ... Advokat bin.« Er lächelte leicht.

»Sie müssen schon entschuldigen, Mr. Warton, es rutschte mir so heraus«, knurrte der Sheriff mürrisch. »Man vergisst immer, dass Sie ja noch nicht lange die ›Ranch am Creek‹ übernommen haben. Sie verstehen, Sir?«

»Sicher. Und ich wünschte, es wäre überhaupt nicht erforderlich gewesen, die Ranch zu übernehmen«, seufzte Bull Warton. »Aber der – tragische Tod meines lieben Bruders und das unerklärliche Verschwinden meines Neffen Stuart ließen mir ja keine andere Wahl. Die ›Ranch am Creek‹ ist nun einmal der Familienbesitz der Wartons und daher ... Aber ich schweife zu weit ab. Sie werden sich wohl nun der recht traurigen Pflicht unterziehen müssen, ein Protokoll über die Geschehnisse hier auf der Ranch und über die Todesursache des Cowboys aufzunehmen.«

Da Sheriff Kingsbay einsah, dass es jetzt zu einer Verfolgung der »Schwarzen Banditen« in das Felsengebirge hinein doch zu spät war, gab er den Angehörigen seiner Posse mürrisch den Befehl, aus den Sätteln zu steigen. Danach begann er mit dem »verdammten Papierkrieg«, wie er es nannte.

An sich war nicht viel aufzunehmen. Dass es die als »Schwarze Banditen« bekannten Desperados aus den Bergen gewesen waren, die die »Ranch am Creek« überfallen hatten, darüber gab es keinen Zweifel. Aber schon bei der Frage, wie viele Köpfe stark die Mordbrennerschar gewesen sei, gingen die Ansichten der Weidereiter, die die dunklen Schatten an den Korrals hatten vorbeirasen sehen, stark auseinander.