1,99 €
Sie sind eine der größten Geißeln der Menschen im Westen: Die Verbrecher der Winston-Bande bringen stets Tod und Leid und überziehen ganze Landstriche mit Terror. Bis zu fünfzig Mann reiten unter der Knute des brutalen Anführers Hank Winston, dessen Sohn Arnie der Verdorbenheit des Vaters in nichts nachsteht.
Schon länger jagen Tom Prox und seine beiden Sergeanten die Gangster, kamen bisher aber immer zu spät. Dann aber erfahren die drei Freunde von einem tödlich verwundeten Banditen etwas über eine riesige Menge an Silber in Alabama, auf den es die Bande abgesehen hat. Sofort machen sich die Ghosts auf den Weg, können aber nicht mehr verhindern, dass die Verbrecher die gerade erst gegründete Siedlung Harpersville in ein Flammeninferno verwandeln. Und das soll nur der Anfang des blutigen Terrors sein, vermuten die Winstons den Silberschatz doch auf dem Gebiet der Siedler ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Die Geier von Harpersville
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
Vorschau
Impressum
Die Geiervon Harpersville
Von Bob Fisher
Sie sind eine der größten Geißeln der Menschen im Westen: Die Verbrecher der Winston-Bande bringen stets Tod und Leid und überziehen ganze Landstriche mit Terror. Bis zu fünfzig Mann reiten unter der Knute des brutalen Anführers Hank Winston, dessen Sohn Arnie der Verdorbenheit des Vaters in nichts nachsteht.
Schon länger jagen Tom Prox und seine beiden Sergeanten die Gangster, kamen bisher aber immer zu spät. Dann aber erfahren die drei Freunde von einem schwer verwundeten Banditen etwas über eine riesige Menge an Silber in Alabama, auf die es die Bande abgesehen hat. Sofort machen sich die Ghosts auf den Weg, können aber nicht mehr verhindern, dass die Verbrecher die gerade erst gegründete Siedlung Harpersville in ein Flammeninferno verwandeln. Und das soll nur der Anfang des blutigen Terrors sein, vermuten die Winstons den Silberschatz doch auf dem Gebiet der Siedler ...
In flottem Trab sprengten die acht Reiter am Flussufer entlang. Sie verfolgten deutlich sichtbare Hufspuren, die sich tief im sandigen Ufer des Pond-River eingegraben hatten und hinauf nach Norden führten.
An der Spitze der kleinen Gruppe ritten drei Männer. Ihre Kleidung war verstaubt, und ihren Gesichtern sah man die Strapazen der vergangenen Tage an.
Einer der drei, ein etwas klein geratener, dicker Mann mit gutmütigem Gesicht und listigen kleinen Augen, wandte seinen Kopf zu seinem Nachbarn, einem langen, fast dürren Mann.
»Was meinst du, Snuffy, ob wir die Halunken noch vor Sonnenuntergang einholen werden?«
Der Lange – es war Snuffy Patterson, Sergeant der Ghostsquad – sah seinen Freund Ben Closter kurz an und zuckte die Schultern.
»Möglich, dass sie sich drüben in den Smoky Mountains verkrochen haben«, knurrte er. »Wir werden ja sehen.«
»Warst auch schon gesprächiger«, maulte Sergeant Closter und wandte sich an den Reiter, der links von ihm ritt.
Es war ein kräftig gebauter Mann mit einem energischen Gesicht und stahlharten grauen Augen.
»Was meinst du, Tom«, fragte Ben, »ob wir es heute noch schaffen werden?«
Tom Prox, Captain der Ghosts, hielt seinen Blick unverwandt auf die Spuren gerichtet.
»Wenn wir sie erreichen, bevor sie in den Felsen untertauchen, bestimmt«, erwiderte er. »Andernfalls können wir uns auf einen langen Ritt gefasst machen.«
Einer der Männer, die hinter ihnen ritten, gab seinem Pferd die Sporen und holte Prox ein.
»Wird höchste Zeit, dass wir der Winston-Bande die Luft abdrehen«, knurrte er.
»Wir tun, was wir können«, sagte Tom Prox gleichmütig und richtete den Blick in die Ferne, wo die gewaltigen Berge der Smoky Mountains auftauchten. Er holte ein Fernglas aus der Satteltasche und hielt es an die Augen. Dann pfiff er leise durch die Zähne.
»Was ist?«, fragte der Rancher Morris erregt. »Sehen Sie etwas?«
»Eine Staubwolke. Schätze, dass es die Bande ist. Sie verschwindet gerade in einer der Schluchten am Südrand. Kennen Sie die Gegend, Mr. Morris?«
»Vor ein paar Jahren war ich einmal hier«, erwiderte der. »Ich weiß nur noch, dass der Canyon da vorn weit in die Berge hineinführt und unzählige Schlupfwinkel birgt.«
Der Ghostchef steckte das Fernglas weg, wischte sich den Schweiß von der Stirn und wandte sich an seine beiden Sergeanten.
»He, Ben und Snuffy, ihr reitet mal ein Stück voraus und seht nach, ob die Luft rein ist! Möchte nicht, dass wir in einen Hinterhalt der Winstons geraten.«
Die beiden Männer gaben ihren Pferden die Sporen und jagten davon. Bald darauf waren sie in einer Staubwolke verschwunden.
Der hagere Sergeant ritt dicht neben seinem Kollegen Ben.
»Ungemütliche Gegend, nicht?«, rief er zu ihm hinüber.
Der Dicke nickte nur.
Eine halbe Stunde später waren sie bis auf Schussweite an den Canyon herangekommen. Von der Winston-Bande war nichts mehr zu sehen. Sie schien sich in den unendlichen Schluchten verloren zu haben.
Die beiden Reiter verringerten ihr Tempo und trabten im Schritt weiter.
Ben Closter brachte sein Pferd plötzlich zum Stehen und hob schnuppernd die Nase.
»Was ist?«, fragte Snuffy.
»Ich rieche was«, meinte Closter und witterte wie ein Spürhund.
Jetzt hob auch Sergeant Patterson seine Nase. Schnuppernd sog er die heiße Luft ein. Dann schüttelte er den Kopf.
»Du spinnst, Alter«, knurrte er dann.
»Ich rieche, was ich rieche«, krächzte Ben und fuhr sich mit der Zunge über die rissigen Lippen. »Also, Snuffy, wenn da in der Schlucht kein Feuer brennt, verpflichte ich mich, dir vier Wochen lang die Stiefel zu putzen.«
»Du musst dich getäuscht haben, Dicker«, erwiderte Patterson. »Wer soll sich schon bei dieser Affenhitze die Füße wärmen? Warten wir, bis die anderen uns eingeholt haben.«
Ben Closter sagte nichts mehr. Er schwieg beleidigt und drehte sich eine Zigarette. Als er den Glimmstängel zu Ende geraucht hatte, vernahmen sie den Hufschlag von Pferden, und wenig später tauchten ihre Begleiter auf.
»Nun, Jungs, wie sieht es aus?«, erkundigte sich der Ghostchef.
Snuffy verzog sein hageres Gesicht zu einem breiten Grinsen.
»Ben behauptet, etwas gerochen zu haben«, meinte er.
»Du kennst meine Nase, Chef«, sagte Closter. »Du kannst ein Stück Käse in der Wüste verstecken, und ich werde es finden.«
Die nachfolgenden Männer hatten belustigt die Unterhaltung der beiden Sergeanten verfolgt. Sie hatten dieses Paar kennen und schätzen gelernt.
»Haltet die Augen offen«, befahl Tom Prox, bevor sie weiterritten. »Es wäre immerhin möglich, dass sie uns in einen Hinterhalt locken wollen.«
Die Männer, Cowboys der Morris-Ranch, lockerten die Colts in ihren Holstern und folgten den Männern der Ghostsquad.
Zwanzig Minuten später hatte die Gruppe den Eingang des Canyons erreicht.
Der Ghostchef suchte mit aufmerksamem Blick die steilen, zerklüfteten Felswände ab, ehe er sein Pferd in den kühlen Canyon lenkte. Der gelassene Ausdruck seines Gesichtes war einem besorgten, wachsamen Blick gewichen.
Auch Snuffy und Ben wirkten angespannt. Sie hatten ihre Winchesterbüchsen aus den Sattelschuhen gezogen und hielten sie schussbereit in den Händen.
Plötzlich sprang der Captain aus dem Sattel und bückte sich. Dann richtete er sich wieder auf und hielt einen kleinen Gegenstand zwischen Daumen und Zeigefinger in die Höhe. Es war der Dorn einer Spore, den einer der Banditen verloren haben musste.
»Wir sind ihnen auf der Fährte, Jungs«, brummte Prox. »Haltet weiter die Augen offen und nehmt alle die Schießeisen in die Hand. Weit können die Halunken nicht mehr sein.«
Er hatte den Satz kaum beendet, als sie ein Schrei, der sich hundertfach an den Felswänden brach, herumfahren ließ.
Vom Schluchteingang her stürmte eine Horde berittener Banditen mit gezogenen Waffen auf sie zu.
Der Ghostchef erkannte sofort, dass sie sich an diese Stelle nicht auf einen Kampf einlassen konnten. Er gab den Männern ein Zeichen, ihm zu folgen.
Sie gaben ihren erschöpften Pferden die Sporen, dass sie nach vorn jagten.
Morris deutete mit ausgestrecktem Arm nach vorn. Seine Stimme versuchte, das Gebrüll und die Schüsse hinter sich zu übertönen.
»Weiter vorn ist eine Höhle!«, schrie er zu Prox hinüber. »Wenn wir sie erreichen, sind wir in Sicherheit!« Mit der flachen Hand schlug er auf sein Pferd ein und überholte den Captain.
In verwegenem Galopp lenkte der Rancher etwa hundert Meter weiter sein Pferd in einen engen Seitenpfad, der sich nach wenigen Metern etwas öffnete und in einer geräumigen, von Felsbrocken umgebenen Höhle endete.
Ohne zu zögern, waren ihm Prox und die anderen Männer gefolgt. Sie alle vertrauten auf die Ortskenntnis des Ranchers.
Während die Hälfte der Männer von den Pferden sprang und sich mit schussbereiten Gewehren hinter den verstreut liegenden Felsbrocken verschanzten, brachten die anderen Männer die Reittiere im hinteren Teil der Höhle in Sicherheit.
Hank Winston, der bärtige Anführer der Bande, musste einsehen, dass er hier mit einem Frontalangriff nichts erreichen konnte.
»Da sitzen wir ja ganz hübsch in der Mausefalle«, brummte Ben Closter. Er saß, an einen Felsbrocken gelehnt, am Boden und hatte die Hände über dem Bauch gefaltet. Es sah aus, als wollte er damit seinen knurrenden Magen beruhigen.
»Ihr hättet auf mich hören sollen! Meine Nase hat recht behalten.«
»Wieso?«, fragte Snuffy. »Ich habe kein Feuer bemerkt.«
»Ben hat recht«, mischte sich der Ghostchef ein. »Die Bande hat sich in zwei Gruppen geteilt. Die zweite Gruppe, weiter hinten im Canyon, hat ein Feuer angezündet, um uns zu bluffen. Und wir sind darauf hereingefallen.«
Ben Closter blickte triumphierend in die Runde.
Aber Sergeant Patterson gab sich noch immer nicht zufrieden.
»Angeber!«, knurrte er. »Wenn du schon meinst, eine solch feine Nase zu haben, hättest du auch riechen müssen, dass etwas faul war.«
»Ich werde es mir merken«, keuchte Ben.
Patterson grinste. Er wusste, dass er die Empörung seines Freundes nicht ernst zu nehmen brauchte.
Frank Morris kam mit gerunzelter Stirn auf die drei Ghosts zu und blieb vor ihnen stehen.
»Wie kommen wir je wieder hier heraus?«, fragte er besorgt. »Draußen lauern mindestens dreißig Banditen auf uns. Sie können zwar nicht zu uns herein, wir aber auch nicht hinaus. Und bis unsere Leute daheim auf den Gedanken kommen, uns zu suchen, könnten wir längst ausgehungert sein.«
»Gibt es hier keinen zweiten Ausgang?«, fragte Prox.
»Leider nicht«, erwiderte Morris.
Der Ghostchef erhob sich und ging in gebückter Haltung nach draußen, wo die vier Cowboys hinter Felsbrocken in Deckung lagen und den Pfad nicht aus den Augen ließen.
In den vergangenen Stunden war alles ruhig geblieben. Keiner der Winstons hatte sich sehen lassen. Trotzdem wussten die acht Eingeschlossenen, dass die Banditen nur darauf warteten, dass sich einer von ihnen sehen ließ, um ihn aufs Korn zu nehmen.
Kurz vor Anbruch der Dunkelheit ließ Tom Prox die vier Cowboys ablösen und legte sich mit Snuffy hinter einem Stein auf die Lauer.
»Was hältst du von dieser unheimlichen Ruhe, Chef?«, flüsterte Sergeant Patterson.
»Wenn es erst stockfinster ist, schätze ich, werden wir wissen, was wir davon zu halten haben«, gab Tom zurück. »Wie ich die Winstons kenne, haben sie bestimmt eine Teufelei vor. Die Farmer aus Topton hätten uns rufen sollen, bevor die Bande so stark wurde und praktisch die Herrschaft über die Gegend übernahm. Jetzt wird es nicht ohne harte Kämpfe abgehen, zumal die Burschen spitzgekriegt haben, dass wir auf sie angesetzt worden sind. Erst wenn wir diese beiden Winstons hinter Gittern haben, können die Farmer aufatmen.«
Wie so oft sollte Tom Prox mit seiner Voraussage recht behalten.
Über drei Stunden harrten die drei Ghosts und der Rancher auf ihrem Posten aus, aber noch immer rührte sich nichts.
Der Mond stand jetzt über den Felsgipfeln und warf einen dünnen Lichtstreifen auf den schmalen Pfad.
»Ob sie sich verdrückt haben?«, fragte der Rancher leise.
Der Ghostchef schüttelte unmerklich den Kopf.
»Ich glaube nicht daran«, knurrte er. »Ich warte noch eine Stunde; wenn sich dann noch nichts gerührt hat, schleiche ich mich mal hinaus und sehe nach, ob das Empfangskomitee unserer Freunde noch da draußen auf uns wartet. Wir werden dann ...«
Prox brachte den Satz nicht zu Ende.
Über ihren Köpfen war ein prasselndes Knistern und Rauschen zu vernehmen. Ein rötlicher Schein fiel auf sie herunter.
Dann brach die Hölle los.
Mächtige, brennende Ballen von trockenem Reisig stürzten wie feurige Wasserfälle auf die Eingeschlossenen herab.
Der Captain brauchte den Männern keinen Befehl zum Rückzug zu geben. Wie auf Kommando waren sie bereits aufgesprungen und rannten in wilden Sätzen auf die Höhle zu.
Prox und Snuffy rasten hinter Ben und dem Rancher her. Mit knapper Not gelang es ihnen, in den Eingang der Grotte zu flüchten, bevor die feurigen Ballen den Talboden erreichten.
Im selben Augenblick fielen Schüsse. Die Kugeln klatschten gegen die Felswände, und ein Regen von scharfen Steinsplittern ergoss sich über die Männer, die mit schussbereiten Gewehren auf dem Boden der Höhle lagen und versuchten, mit ihren Augen die lodernden Flammen zu durchdringen.
Während immer noch der Feuerregen niederging, war es einigen Banditen gelungen, unbemerkt auf den Pfad zu gelangen und einige Salven auf die Eingeschlossenen abzugeben.
Wieder ging ein riesiger Holzstoß, der von den steilen Felswänden herabstürzte, in Flammen auf.
Eine dichte, schwarze Rauchwolke wälzte sich auf die Verteidiger am Höhleneingang zu. Das Atmen wurde zur Qual, die Augen begannen zu tränen, und Hustenanfälle peinigten die acht Männer.
Der Ghostchef gab den anderen ein Zeichen, ihre Halstücher nass zu machen und vor Mund und Nase zu binden. Das half etwas.
Über eine halbe Stunde lang loderten die Flammen. Dann sank der riesige Scheiterhaufen langsam in sich zusammen. Eine quälende Hitze lag über dem Platz vor der Grotte, und keiner der Männer spürte das Verlangen, zum Eingang zu schleichen.
Aber die Burschen der Winston-Bande wagten es, denn der Vorteil war auf ihrer Seite.
Während den eingeschlossenen Männern Rauch und Hitze zu schaffen machten, hatten die Banditen in aller Ruhe und in frischer Luft die Stellung sturmreif machen können.
Jetzt stürmte mit lautlosen Sätzen eine kleine Gruppe von fünf Banditen vor.
Noch ehe die Verteidiger die Angreifer entdecken konnten, waren diese bereits heran, warfen sich vor dem Eingang hinter dort liegende Steine und gaben in rascher Folge eine Serie von Schüssen auf die Männer in der Höhle ab.
Sofort erwiderten die Angegriffenen das Feuer. Ununterbrochen blitzten ihre Gewehre auf, und ein Kugelregen ergoss sich über den kleinen Vorplatz.
Wüste Flüche und wütendes Geheul bewiesen den Verteidigern, dass einige ihrer Kugeln getroffen haben mussten.
Daraufhin zogen sich die Männer der Winston-Bande zurück.
Der Chef der Ghostsquad hatte sich bis an den Eingang der Höhle geschlichen und spähte nach draußen. Das Feuer war erloschen, die verkohlten Bündel qualmten nur noch.
In tiefen Zügen atmete Tom Prox die frische Luft ein. Dann forderte er die anderen auf, zum Eingang zu kommen.
Sergeant Snuffy Patterson war hustend neben seinen Chef getreten und starrte mit tränenden Augen nach draußen.
Es war wieder so still wie vor dem Angriff. Aber jeder der acht Männer ahnte, dass sich die Banditen noch in der Nähe versteckt hielten.
Plötzlich drangen laute Rufe zu ihnen herüber. Pferdehufe trappelten über den harten Felsboden. Die Verteidiger umklammerten ihre Gewehre. Doch das Hufgetrappel entfernte sich, bis es schließlich ganz verklungen war.
»Kannst du das verstehen, Tom?«, knurrte Snuffy. »Ob sie sich verzogen haben?«
»Möglich«, brummte Tom Prox. »Vielleicht ist ihnen das Brandholz ausgegangen, und sie haben eingesehen, dass sie aus uns keine Räucherschinken machen können. Ebenso gut ist es aber auch möglich, dass sie an einer anderen Stelle im Canyon einen Hinterhalt legen und nur darauf warten, dass wir blindlings in die Falle tappen.«
Ben Closter war schnaufend neben sie getreten.
»Wenn ihr mich fragt, Boys«, knurrte er, »ich halte das Ganze für einen großangelegten Bluff. Die Halunken wollen uns nur in Sicherheit wiegen. Und sobald wir unsere Nase hinausstecken, kriegen wir eins aufs Dach.«
Der Ghostchef reckte seine kräftige Gestalt. Er zog seinen Colt aus dem Holster, überprüfte ihn sorgfältig und schob ihn dann zurück.
Entschlossen trat er ins Freie und warf einen prüfenden Blick in die Runde. Dann winkte er Snuffy, Ben und einem der Cowboys, ihm zu folgen. Die anderen standen mit schussbereiten Gewehren am Höhleneingang, um einen eventuellen Rückzug zu decken.
Geräuschlos glitten die vier Männer auf den schmalen Pfad zu.
Prox, der sich an der Spitze der kleinen Gruppe befand, kroch, einer Schlange gleich, vorwärts. Ihm folgten der lange Snuffy und der dicke Ben, während der Cowboy, an die Felswand gepresst, die Männer deckte.
Sie hatten das Ende des engen Passes noch nicht erreicht, als hinter ihnen die Felsen einzustürzen schienen.
Mit donnerndem Getöse krachten Hunderte Felsbrocken in die Tiefe und schlugen auf dem Platz vor der Höhle auf. Weitere Brocken folgten und rissen das überhängende Gestein von den Felswänden mit sich. Der steinerne Hagelschlag schien kein Ende zu nehmen.
Die vier Männer hatten sich bereits beim ersten Geräusch an die Felswände gepresst und unter vorspringenden Felsnasen Schutz gesucht.
Sie hatten Glück. Der größte Teil der Steinlawine ging auf dem Vorplatz zur Höhle nieder.
Der Ghostchef hatte sich als erster von dem Schrecken erholt. Fluchend richtete er sich auf.
»Das haben die Halunken fein ausgetüftelt«, knurrte er. »Treiben uns mit Qualm aus dem Bau und bombardieren uns dann mit Steinen.«
Der Cowboy, der weiter zurückgeblieben war, kam vorgehuscht und blieb neben Prox stehen. Der junge Mann blutete aus einer Stirnwunde, die ihm ein Gesteinssplitter beigebracht hatte.
»In der Höhle ist alles okay«, keuchte er aufgeregt. »Morris hat Zeichen gegeben.«
Prox nickte, dann glitt er wieder zu Boden und kroch vorwärts. Viel war nicht zu sehen, als er seinen Kopf in den Hauptcanyon schob und in beide Richtungen spähte.
Der Captain der Ghostsquad spielte bereits mit dem Gedanken, dass die Bande abgezogen sein könnte, als er im selben Augenblick ein halbes Dutzend Schatten dicht vor sich wahrnahm. Als hätte sich die Erde vor ihm geöffnet, stiegen die Gestalten von fünf Banditen vor ihm auf, schienen ins Unendliche zu wachsen, um sich dann auf ihn zu stürzen.
Tom Prox warf sich geistesgegenwärtig zur Seite. Zugleich stieß er einen Warnschrei aus und riss seinen Colt aus dem Holster.
Im aufblitzenden Mündungsfeuer seiner Waffe erkannte er undeutlich die gemeinen Gesichter der Banditen.
Sie schienen überrascht, auf plötzliche Gegenwehr zu stoßen.
Die erste Kugel des Captains riss einen der Angreifer von den Beinen; ein zweiter lief heulend davon, als ihn eine Kugel am Unterarm traf.
Hinter Prox ertönten weitere Schüsse, die Geschosse sirrten über ihn hinweg. Seine Begleiter hatten das Feuer eröffnet.
Weitere Banditen kamen auf ihren Pferden durch den Canyon gejagt.
