Tony Ballard #277: Pardysas gefährliche Welt - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard #277: Pardysas gefährliche Welt E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

TONY BALLARD... so hieß ich für meine Freunde. Meine Feinde aber nannten mich den Dämonenhasser. Und Feinde hatte ich viele – Kreaturen des Bösen, Vertreter der so genannten schwarzen Macht, kurz, die Hölle selbst war der Feind, gegen den zu kämpfen ich geschworen hatte. Ein Kampf, der damals in meinem Heimatdorf Griddledon, unweit von London, begonnen hatte, als ich es wagte, den sieben Hexen, die das Dorf alle hundert Jahre heimsuchten – nachdem mein Vorfahre, der Hexenhenker Anthony Ballard, sie aufgeknüpft hatte – die Stirn zu bieten.

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A. F. Morland

Tony Ballard #277: Pardysas gefährliche Welt

Cassiopeiapress Horror

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Pardysas gefährliche Welt

Tony Ballard Band 277

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

"Edition A. F. Morland" ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2016

Über Tony Ballard:

... so hieß ich für meine Freunde. Meine Feinde aber nannten mich den Dämonenhasser. Und Feinde hatte ich viele – Kreaturen des Bösen, Vertreter der so genannten schwarzen Macht, kurz, die Hölle selbst war der Feind, gegen den zu kämpfen ich geschworen hatte. Ein Kampf, der damals in meinem Heimatdorf Griddledon, unweit von London, begonnen hatte, als ich es wagte, den sieben Hexen, die das Dorf alle hundert Jahre heimsuchten – nachdem mein Vorfahre, der Hexenhenker Anthony Ballard, sie aufgeknüpft hatte – die Stirn zu bieten.

Tatsächlich gelang es mir, diesen Fluch zu brechen und die Teufelsbräute zu vernichten, indem ich die Glut ihres Lebenssteins mit meinem Blut löschte. Aber ich hatte mehr getan, als nur mein Dorf zu erlösen – ich hatte meine Berufung gefunden. Fortan herrschte Krieg zwischen mir und den Vasallen der finsteren Mächte. Allerdings wäre ich schnell verloren gewesen, hätte ich mich meinen schwarzblütigen Gegnern mit bloßen Händen und allein gestellt. Was ich aber, gottlob, nicht tun musste ... Mir stand eine Reihe von Waffen zur Verfügung, allen voran mein magischer Ring: Nach meinem Sieg über die Hexen von Griddledon hatte ich ein Stück aus ihrem schwarzen Lebensstein gebrochen, in Form eines Pentagramms schleifen und in einen Goldring einsetzen lassen. Diesem Kleinod wohnten starke weißmagische Kräfte inne, die mir vor allem im Nahkampf gegen meine höllischen Widersacher hervorragende Dienste leisteten. Ebenfalls ständig bei mir trug ich einen Colt Diamondback, der mit eigens für mich gefertigten und geweihten Silberkugeln geladen war – absolut tödlich für viele Schwarzblütler. Meine stärkste Waffe jedoch war zugleich mein bester Freund und treuester Kampfgefährte: Mr. Silver, ein abtrünniger Dämon von der untergegangenen Silberwelt, der seine fantastischen Fähigkeiten für das Gute einsetzte.

Der hünenhafte Ex-Dämon mit dem Silberhaar konnte zum Beispiel seinen Körper in massives Metall verwandeln, ohne dadurch an Beweglichkeit einzubüßen. So schützte er sich vor Verletzungen, derweil er Gegnern mit seinen zu Hieb- oder Stichwaffen umgeformten Silberfäusten zu Leibe rückte. Außerdem konnte er aus seinen perlmuttfarbenen Augen vernichtende Feuerlanzen abschießen, er verfügte über ein »Dämonen-Radar«, und auch darüber hinaus überraschte er mich immer wieder mit neuen Kniffen. Seine »magische Trickkiste« schien unerschöpflich. Noch vor Mr. Silver hatte ich einen anderen Mann kennen gelernt, ohne dessen Hilfe mein Kampf gegen Dämonen, Vampire, Werwölfe und dergleichen weit weniger effektiv gewesen wäre: Der reiche Industrielle Tucker Peckinpah, dem die schwarze Macht selbst einen herben Schicksalsschlag beigebracht hatte, überredete mich, meinen Job als Polizeiinspektor in Griddledon aufzugeben und stattdessen als von ihm exklusiv beschäftigter Privatdetektiv in London ansässig zu werden, um mich so ausschließlich darauf zu konzentrieren, die Hölle in ihre Schranken zu verweisen. Ich willigte ein, und seither hielt mir Tucker Peckinpah mit seinem Geld den Rücken frei und öffnete mir mit seinen weitreichenden Beziehungen zahlreiche Türen, ohne die ich in vielen Fällen nie ans Ziel gelangt wäre. Mithilfe solcher Waffen und Freunde schaffte ich es nicht nur, immer wieder die Oberhand zu gewinnen, sondern letztlich auch den finalen Triumph zu erringen: Asmodis starb – und mit ihm die ganze Hölle!

Das glaubten wir jedenfalls, wiegten uns in Sicherheit und zogen uns ins Privatleben zurück, das wir uns so viele Jahre lang versagen mussten, weil stets das Damoklesschwert der schwarzen Macht über unseren Köpfen schwebte. Jetzt aber heiratete ich meine langjährige Freundin Vicky Bonney, wir kehrten in unser Heimatdorf zurück, wurden Eltern eines Sohnes und lebten glücklich und zufrieden. Doch diese Idylle war nur von kurzer Dauer ... denn das Böse erwachte zu neuem Leben und griff brutaler als je zuvor nach dem unseren! Die Einwohner von Griddledon wurden zu Handlangern der Hölle und vollstreckten das Todesurteil, das die Mächte der Finsternis über mich und meine Familie verhängt hatten. Und um mich so hart und grausam wie nur möglich zu bestrafen für meine unzähligen Siege über das dämonische Geschmeiß, zwang man mich, dabei zuzusehen, wie Vicky und unser zweijähriger Sohn Andrew, die ich mehr liebte als sonst etwas auf der Welt, mir in den Tod vorangehen mussten ... Das war der Augenblick, in dem die Hölle gesiegt hatte.

Nach all den Jahren erfolgreicher Schlachten gegen das Böse war ich, Tony Ballard, der gefürchtete Dämonenhasser, bezwungen. Nun gab es nichts mehr, für das ich kämpfen, nicht einmal mehr leben wollte. Meine Familie war tot, und ich hatte sie nicht retten können. Warum also sollte ich nicht auch sterben? Der Tod hatte seinen Schrecken verloren. Und so ging ich ihm entgegen – nicht mutig und stolz erhobenen Hauptes, sondern gebrochen und nur noch auf Erlösung hoffend von der Hölle, zu der mein Leben geworden war ...

 

 

1. Kapitel

»Spuren, Boss!«, rief Eli Kanew mit erhobener Stimme. »Hier!« Er zeigte auf den Boden. »Ganz deutlich!«

Russel Hackford eilte herbei. Er nickte erfreut. »Sehr gut, Eli.« Er bückte sich, um die frischen Spuren auf dem weichen Boden genauer in Augenschein zu nehmen. »Bist 'n prima Fährtenleser«, lobte er den Mafiakiller. Er richtete sich wieder auf und schmälte die Augen, unter denen Tränensäcke, so groß wie Teebeutel, hingen. »Diese Richtung haben Lena und ihr Lover also eingeschlagen.« Er bleckte grimmig die Zähne. »Wir brauchen ihren Spuren nur zu folgen, dann kriegen wir sie. Ihr Vorsprung kann nicht allzu groß sein.«

Sie marschierten los. Üppige Pflanzen, die die Männer noch nie gesehen hatten, säumten den Weg. Eli Kanew schüttelte den Kopf.

Russel Hackford sah ihn an und fragte: »Was ist?«

»Wenn mir jemand vor ein paar Stunden gesagt hätte, was ich erleben werde, hätte ich ihn für bekloppt gehalten«, erklärte Kanew. »Dieses gespenstische Haus ... Dieser blasse Bastard namens Horax, der sich nach Belieben vervielfältigen kann ... Er treibt uns auf dieses unheimliche Summen, Zischen, Brummen und Vibrieren zu ... Es saugt uns mit einer Kraft auf, der wir nichts entgegenzusetzen haben, und befördert uns hierher ... Kirk wird von diesem gefährlichen Monster gefressen, das keinen Körper und keine Beine hat ... Das Scheusal spuckt uns gleich darauf seine blanken Knochen vor die Füße ... Das ist alles so schrecklich irre, dass ich nahe daran bin, an meinem Verstand zu zweifeln.«

»Dein Verstand ist okay«, erwiderte Russel Hackford mit dumpfer Stimme. »Wir haben das alles tatsächlich erlebt.«

»Kein Mensch hat mir jemals erzählt, dass es irgendwo eine Welt wie diese gibt.«

Hackford lachte. »Vielleicht hast du in der Schule nicht gut genug aufgepasst.«

»Es war mit Sicherheit nie von einer solchen Welt die Rede. Das hätte ich mir gemerkt.«

»Warst du ein guter Schüler?«, fragte Hackford. Er stolperte über eine knorrige Wurzel.

»Ich war nicht schlecht.«

Hackford schürzte die Unterlippe. »Ich war eher mittelmäßig. Dennoch habe ich es zum Buchhalter der Mafia gebracht. Mir ist erst später der Knopf aufgegangen. In der Schule machte mir die Pubertät zu schaffen. Ich konnte mich nicht konzentrieren, war zappelig und hatte eine Menge Flausen im Kopf. Weißt du, was ich werden wollte?«

»Nein. Was?«

»Pilot.«

»Warum bist du's nicht geworden?«, wollte Eli Kanew wissen.

»Weil mir irgendwann zufällig jemand von der Cosa Nostra über den Weg lief«, gab Russel Hackford zur Antwort. »Man ließ mich gleich von Anfang an viel Geld verdienen. Mädchen umschwärmten mich daraufhin wie Motten das Licht.«

Eli Kanew griente. »Klar. Wenn man Kohle hat.«

»Geld macht attraktiv«, sagte Hackford. »Das gefiel mir natürlich. Und so beschloss ich, bei der Mafia Karriere zu machen.«

»Hast du's jemals bereut?«

Russel Hackford schüttelte den Kopf. »Nein. Nie. Ich hab mir innerhalb der Ehrenwerten Gesellschaft einen Namen gemacht. Man vertraut mir, begegnet mir mit Respekt.«

So war es noch bis vor kurzem gewesen. Aber nun waren dem Buchhalter der Mafia Juwelen im Wert von mehr als einer Million Pfund abhanden gekommen. Freunde hatten ihm ihre Beute vorübergehend anvertraut – und Lena Wood, die er als seine Leibeigene betrachtet hatte, hatte sie ihm gestohlen und war damit in diese Welt geflohen. Wenn er sich die Klunker nicht schnellstens wiederholte, würde sein strahlendes Image sehr viel von seinem Glanz verlieren. Er brauchte die Sore, wenn seine Freunde sie zurückhaben wollten, sonst ging es ihm an den Kragen.

Es war ein Fehler gewesen, das Pilot-Case, in dem sich die Juwelen befanden, im Arbeitszimmer einfach nur unter den Schreibtisch zu stellen. In einen Tresor hätte er sie einschließen müssen, aber es gab in seinem Haus keinen, und er hätte es nie für möglich gehalten, dass Lena es wagen würde, ihn zu bestehlen.

Eli Kanew blieb stehen. »Verdammte Hitze hier.«

Russel Hackford nickte. »So schwül ist es nicht einmal in den Tropen.«

»Hoffentlich bleibt das nicht so«, ächzte Kanew. Er ging weiter. »Kälte macht mir nichts aus. Aber Hitze kann ich schlecht vertragen. Scheiße, was bin ich durstig.«

Hackford hob die Hand. »Still! Ich glaube, ich hör was plätschern.«

»Wasser ...« Der Killer beschleunigte seinen Schritt.

Hackford folgte ihm.

Eli Kanew entdeckte eine Quelle. »Wasser!« Er stürzte darauf zu, ließ das kristallklare Nass, das über einen Felsen sprudelte, in seine hohlen Hände laufen und trank es gierig.

Russel Hackford löschte seinen Durst an der benachbarten Quelle.

»Ah, war das gut.« Eli Kanew wusch sein Gesicht. Auch über seinen Kopf und den Nacken ließ er das Wasser rinnen. »Herrlich.« Er richtete sich auf und schüttelte sich wie ein nasser Hund. »Mann, war das nötig. Ich hatte noch nie so großen Durst.«

Hackford lachte. »Durst ist schlimmer als Heimweh.«

»Das stimmt, Mann.« Eli Kanew wischte das kühlende Wasser nicht von seinem Gesicht. »Da ist wirklich was dran. Ich befürchtete schon, verdursten zu müssen.« Er rümpfte die Nase und blickte sich um. »Irgendwie gefällt es mir hier nicht. Hier ist so vieles anders als zu Hause.«

»Wir werden nicht länger bleiben, als unbedingt nötig«, versprach der Buchhalter der Mafia seinem Begleiter.

»Ich hätte nicht gedacht, dass mir Wasser mal so gut schmecken würde. Bisher war mir nichts lieber als ein gut gekühltes Guinness.«

Der Buchhalter der Mafia griente. »Tja, man wird bescheiden, wenn es einem dreckig geht.«

Die Männer stellten fest, dass die schwüle Hitze nachgelassen hatte.

»Das war wohl so etwas wie eine unsichtbare Hitzeinsel mitten im Gelände«, sagte Russel Hackford. Er schaute auf den Boden, sah die Spuren, denen sie folgten, und nickte zufrieden. »Wir sind noch auf dem richtigen Weg.«

Eli Kanew legte ächzend die Hände auf seinen Bauch. »Man kann sich überfressen. Kann man sich auch übersaufen?«

»Schon möglich.«

»Mann, ich bin so voll, dass ich mich kaum noch bewegen kann«, stöhnte der Killer.

Hackford schüttelte den Kopf. »Das ist nicht gut. Wir müssen nämlich weiter.«

»Kurze Verschnaufpause, Boss.«

»Ist nicht drin, Eli«, knurrte Hackford.

»Nur ein paar Minuten. Lena und ihren Freund holen wir mit Leichtigkeit ein.«

»Wir gehen jetzt weiter, Eli!«, sagte der Buchhalter der Mafia scharf. »Sofort! Reiß dich zusammen!« Er setzte den Weg fort, und Eli Kanew schleppte sich mühsam hinter ihm her.

»Bist 'n richtiger Leuteschinder«, beschwerte er sich.

»Du weißt, was auf dem Spiel steht.«

Eli Kanew wusste nicht, dass er vergiftetes Wasser getrunken hatte. Er merkte nur, dass mit ihm irgendetwas nicht mehr stimmte.

*

Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, wollte ihre Freundin Vicky Ballard in der renommierten Londoner Spezialklinik besuchen, in der sie seit Tagen durchgecheckt wurde. Sie trug einen eleganten schwarzen Hosenanzug, der ihre traumhafte Figur bestens zur Geltung brachte. Ihr seidiges schwarzes Haar fiel in weichen Wellen auf die wohlgerundeten Schultern, und in ihren meergrünen, leicht schräg gestellten Augen war zu erkennen, dass sie sich große Sorgen um Tony Ballards Ehefrau machte.

Dr. Martin Samms, der Chef-Neurologe, empfing die weiße Hexe. Der gut aussehende Arzt nahm sie mit in sein Büro. Er war ein großer, sportlicher, kräftiger Mann mit dichtem dunklen Haar und samtbraunen Augen.

»Leider können Sie jetzt nicht zu Ihrer Freundin«, sagte der sympathische Doktor bedauernd. »Sie hätten vorher anrufen sollen, dann hätten Sie sich den Weg hierher erspart.«

»Oh, das macht nichts, Dr. Samms«, erwiderte Roxane. »Warum darf ich sie denn nicht sehen?«

»Sie durchläuft gerade wieder eine neue Teststaffel, die nicht unterbrochen werden darf.«

»Wie geht es ihr?«

Martin Samms schüttelte ernst den Kopf.

»Konnten Sie und Ihre Kollegen ihren Zustand nicht wenigstens stabilisieren?«

»Es geht mit ihr leider noch immer bergab«, antwortete Dr. Samms ehrlich. »Sie verliert laufend Gewicht und wird immer schwächer. Ich habe mit ihrem Mann telefoniert. Wir hatten vor, die Patientin zu hypnotisieren. Ich bat ihn um sein Einverständnis. Er hatte nichts dagegen. ›Versuchen Sie alles, was möglich ist, um meiner Frau zu helfen, Doc‹, sagte er. ›Ich bin mit allem einverstanden, was Erfolg verspricht.‹ Wir werden Mrs. Ballard aber vorläufig noch nicht hypnotisieren.«

»Warum nicht?«

»Wir befürchten, es könnte sie zu sehr anstrengen.«

»Verstehe.«

»Mr. Ballard hat noch etwas gesagt.«

»Ja, Dr. Samms?«

»Als ich ihm erklärte, seine Frau spreche auf keine noch so erprobte Therapie zufrieden stellend an, meinte er: ›Sie braucht etwas, das Sie ihr nicht geben können, Dr. Samms.‹ Und er versprach, sich zu bemühen, das seltene Medikament schnellstens zu beschaffen.«

Roxane wusste, welches »Medikament« Tony Ballard gemeint hatte. Ymuddah, die abtrünnige Teufelin, hatte ihm gesagt, er brauche das Horn eines Einhorns, müsse es zerschlagen, zerstampfen und zerreiben, und mit diesem Pulver wäre Vicky dann zu helfen. Aus diesem Grund waren Tony Ballard und Mr. Silver aufgebrochen, um die Welt der Drachentöterin Pardysa aufzusuchen, denn sie besaß ein Einhorn.

Martin Samms sagte: »Ich kenne nicht nur die besten und wirksamsten Medikamente, die in Fällen wie dem vorliegenden weitgehend nebenwirkungsfrei verabreicht werden, und ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass Mr. Ballard von einer noch viel besseren Medizin weiß und ich nicht.«

Vicky ist magisch verseucht, dachte Roxane. Deshalb kann man ihr mit irdischen Medikamenten nicht helfen. Sie braucht dieses Hornpulver. Aber das sage ich Dr. Samms lieber nicht. Er ist Neurologe. Er weiß nichts von den starken Kräften der weißen und der schwarzen Magie.

Roxane bat den Doktor, ihrer Freundin zu bestellen, dass sie hier gewesen sei.

Er nickte. »Das mach ich.«

»Sagen Sie ihr, ich wünsche ihr alles Gute, bin in Gedanken bei ihr und komme ein andermal wieder.«

»Darüber wird sie sich bestimmt freuen. Sie spricht manchmal über Sie. Sie hat Sie sehr in ihr Herz geschlossen.«

»Genau wie ich sie«, gab Roxane zurück. Und sie dachte: Wir haben Vicky schon mal verloren. Das darf nicht noch mal passieren.

Sie gab Dr. Samms die Hand und ging.

*

Der Boden wurde sandig. Von Wind und Sand zu bizarren Formen geschliffene schlanke Felsen ragten ringsherum zwanzig, dreißig Meter hoch auf. Lena Wood hatte den Eindruck, einen steinernen Wald zu durchwandern.

Sie trug noch immer das Pilot-Case, das sie ihrem Peiniger gestohlen hatte. Mit den Juwelen, die sich darin befanden, wollte sie den Start in ein neues gemeinsames Leben mit dem jungen Innenarchitekten David Reed finanzieren.