Tony Ballard #281: Der Mann, der Tote sieht - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard #281: Der Mann, der Tote sieht E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

Ein weiteres Abenteuer mit Tony Ballard, dem Dämonenhasser. Die legendäre Gruselserie ist endllich wieder auf dem Markt! Nach all den Jahren erfolgreicher Schlachten gegen das Böse war ich, Tony Ballard, der gefürchtete Dämonenhasser, bezwungen. Nun gab es nichts mehr, für das ich kämpfen, nicht einmal mehr leben wollte. Meine Familie war tot, und ich hatte sie nicht retten können. Warum also sollte ich nicht auch sterben? Der Tod hatte seinen Schrecken verloren. Und so ging ich ihm entgegen – nicht mutig und stolz erhobenen Hauptes, sondern gebrochen und nur noch auf Erlösung hoffend von der Hölle, zu der mein Leben geworden war ...

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A. F. Morland

Tony Ballard #281: Der Mann, der Tote sieht

Cassiopeiapress Horror

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Mann, der Tote sieht

Tony Ballard Band 281

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

"Edition A. F. Morland" ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2016

Über Tony Ballard:

... so hieß ich für meine Freunde. Meine Feinde aber nannten mich den Dämonenhasser. Und Feinde hatte ich viele – Kreaturen des Bösen, Vertreter der so genannten schwarzen Macht, kurz, die Hölle selbst war der Feind, gegen den zu kämpfen ich geschworen hatte. Ein Kampf, der damals in meinem Heimatdorf Griddledon, unweit von London, begonnen hatte, als ich es wagte, den sieben Hexen, die das Dorf alle hundert Jahre heimsuchten – nachdem mein Vorfahre, der Hexenhenker Anthony Ballard, sie aufgeknüpft hatte – die Stirn zu bieten.

Tatsächlich gelang es mir, diesen Fluch zu brechen und die Teufelsbräute zu vernichten, indem ich die Glut ihres Lebenssteins mit meinem Blut löschte. Aber ich hatte mehr getan, als nur mein Dorf zu erlösen – ich hatte meine Berufung gefunden. Fortan herrschte Krieg zwischen mir und den Vasallen der finsteren Mächte. Allerdings wäre ich schnell verloren gewesen, hätte ich mich meinen schwarzblütigen Gegnern mit bloßen Händen und allein gestellt. Was ich aber, gottlob, nicht tun musste ... Mir stand eine Reihe von Waffen zur Verfügung, allen voran mein magischer Ring: Nach meinem Sieg über die Hexen von Griddledon hatte ich ein Stück aus ihrem schwarzen Lebensstein gebrochen, in Form eines Pentagramms schleifen und in einen Goldring einsetzen lassen. Diesem Kleinod wohnten starke weißmagische Kräfte inne, die mir vor allem im Nahkampf gegen meine höllischen Widersacher hervorragende Dienste leisteten. Ebenfalls ständig bei mir trug ich einen Colt Diamondback, der mit eigens für mich gefertigten und geweihten Silberkugeln geladen war – absolut tödlich für viele Schwarzblütler. Meine stärkste Waffe jedoch war zugleich mein bester Freund und treuester Kampfgefährte: Mr. Silver, ein abtrünniger Dämon von der untergegangenen Silberwelt, der seine fantastischen Fähigkeiten für das Gute einsetzte.

Der hünenhafte Ex-Dämon mit dem Silberhaar konnte zum Beispiel seinen Körper in massives Metall verwandeln, ohne dadurch an Beweglichkeit einzubüßen. So schützte er sich vor Verletzungen, derweil er Gegnern mit seinen zu Hieb- oder Stichwaffen umgeformten Silberfäusten zu Leibe rückte. Außerdem konnte er aus seinen perlmuttfarbenen Augen vernichtende Feuerlanzen abschießen, er verfügte über ein »Dämonen-Radar«, und auch darüber hinaus überraschte er mich immer wieder mit neuen Kniffen. Seine »magische Trickkiste« schien unerschöpflich. Noch vor Mr. Silver hatte ich einen anderen Mann kennen gelernt, ohne dessen Hilfe mein Kampf gegen Dämonen, Vampire, Werwölfe und dergleichen weit weniger effektiv gewesen wäre: Der reiche Industrielle Tucker Peckinpah, dem die schwarze Macht selbst einen herben Schicksalsschlag beigebracht hatte, überredete mich, meinen Job als Polizeiinspektor in Griddledon aufzugeben und stattdessen als von ihm exklusiv beschäftigter Privatdetektiv in London ansässig zu werden, um mich so ausschließlich darauf zu konzentrieren, die Hölle in ihre Schranken zu verweisen. Ich willigte ein, und seither hielt mir Tucker Peckinpah mit seinem Geld den Rücken frei und öffnete mir mit seinen weitreichenden Beziehungen zahlreiche Türen, ohne die ich in vielen Fällen nie ans Ziel gelangt wäre. Mithilfe solcher Waffen und Freunde schaffte ich es nicht nur, immer wieder die Oberhand zu gewinnen, sondern letztlich auch den finalen Triumph zu erringen: Asmodis starb – und mit ihm die ganze Hölle!

Das glaubten wir jedenfalls, wiegten uns in Sicherheit und zogen uns ins Privatleben zurück, das wir uns so viele Jahre lang versagen mussten, weil stets das Damoklesschwert der schwarzen Macht über unseren Köpfen schwebte. Jetzt aber heiratete ich meine langjährige Freundin Vicky Bonney, wir kehrten in unser Heimatdorf zurück, wurden Eltern eines Sohnes und lebten glücklich und zufrieden. Doch diese Idylle war nur von kurzer Dauer ... denn das Böse erwachte zu neuem Leben und griff brutaler als je zuvor nach dem unseren! Die Einwohner von Griddledon wurden zu Handlangern der Hölle und vollstreckten das Todesurteil, das die Mächte der Finsternis über mich und meine Familie verhängt hatten. Und um mich so hart und grausam wie nur möglich zu bestrafen für meine unzähligen Siege über das dämonische Geschmeiß, zwang man mich, dabei zuzusehen, wie Vicky und unser zweijähriger Sohn Andrew, die ich mehr liebte als sonst etwas auf der Welt, mir in den Tod vorangehen mussten ... Das war der Augenblick, in dem die Hölle gesiegt hatte.

Nach all den Jahren erfolgreicher Schlachten gegen das Böse war ich, Tony Ballard, der gefürchtete Dämonenhasser, bezwungen. Nun gab es nichts mehr, für das ich kämpfen, nicht einmal mehr leben wollte. Meine Familie war tot, und ich hatte sie nicht retten können. Warum also sollte ich nicht auch sterben? Der Tod hatte seinen Schrecken verloren. Und so ging ich ihm entgegen – nicht mutig und stolz erhobenen Hauptes, sondern gebrochen und nur noch auf Erlösung hoffend von der Hölle, zu der mein Leben geworden war ...

 

 

1. Kapitel

»Bist du verrückt, Denholm?« Elvis Douglas kam bestürzt aus dem Konferenzraum.

Denholm Allen blieb auf dem Flur stehen. Er war blass und zitterte. »Es tut mir Leid, Elvis. Ich kann nicht bleiben.«

Douglas, ein Danny-DeVito-Typ, stammelte: »Aber – aber – aber wir haben den Auftrag schon so gut wie in der Tasche!«

Denholm Allen wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn. »Ich muss gehen, Elvis.«

Douglas griff nach seinem Arm. »Du darfst mich jetzt nicht im Stich lassen, Denholm. Ich brauche dich. Wir sind ein Team.« Er zeigte auf die geschlossene Tür, hinter der die wichtigen Kunden warteten. »Die wollen uns. Sie wollen vor allem dich. Weiß der Teufel, wieso sie so einen Narren an dir gefressen haben. Aber es ist nun mal so. In längstens fünfzehn Minuten haben wir ihre Unterschrift. Dann sind wir gemachte Leute und haben nie wieder finanzielle Sorgen. Wer einmal für sie gearbeitet hat, dem stehen fortan in ganz England und dem Rest der Welt alle Türen sperrangelweit offen. Das weißt du doch. Das kann dir doch nicht egal sein!« Er zog an Allens Arm. »Komm noch mal mit rein. Wir sagen ihnen, du hättest einen ganz dringenden Anruf erledigen müssen. Das werden sie schlucken, und dann unterschreiben sie unseren vorbereiteten Vertrag. Tu es für mich, für uns, für unsere Firma. Eine solche Chance kriegen wir nie wieder. Wenn wir jetzt nicht zugreifen ... Komm schon, Denholm. Ich hab dich noch nie um etwas gebeten. Heute tu ich es, weil das der bedeutendste Tag in unserem Leben ist. Wenn du mir hilfst, diese wichtigen Weichen zu stellen, kann ich endlich die Hypothek abbezahlen, die ich aufnehmen musste, um mir die Scheidung von meinem geldgierigen Weib leisten zu können ...«

»Es tut mir wirklich sehr leid, Elvis, aber ich kann da nicht wieder hineingehen.«

»Und dürfte ich vielleicht erfahren, warum nicht?«

»Weil ich etwas zu erledigen habe.«

»Was kann an einem solchen Tag wichtiger sein, als ein Vertrag mit diesen Leuten?« Douglas zeigte wieder auf die Tür, die in den Konferenzraum führte. »Herrgott noch mal, wir sind Partner. Als wir ›Allen & Douglas – PR & More‹ gegründet haben, haben wir uns geschworen, unser Herzblut für die Firma zu geben, mit der ganzen Energie, die wir aufzubringen imstande sind, für sie zu arbeiten und alles andere – Familie, Freunde, Hobbys, weiß der Geier, was sonst noch – hintanzustellen. Und wir haben uns bisher immer daran gehalten. Verflucht noch mal, ich bitte dich doch nicht, für mich die Welt aus den Angeln zu heben, Denholm. Ich bitte dich lediglich um eine Viertelstunde!«

»Es geht nicht, Elvis.«

»Wieso denn nicht?«

»Ich hab was gesehen«, sagte Denholm Allen.

»Hattest du mal wieder eine dieser Wahnvorstellungen?«

»Das sind keine Wahnvorstellungen.«

»Sondern?«

»Visionen«, antwortete Denholm Allen. »Ich darf das, was ich gesehen habe, nicht ignorieren.«

»Wenn du jetzt gehst, Denholm ... wenn wir durch deine Schuld diesen immens wichtigen Auftrag verlieren, steige ich bei ›Allen & Douglas – PR & More‹ aus«, drohte Elvis Douglas.

Doch das beeindruckte Denholm Allen nicht. »Okay«, sagte er.

»Dann sind wir für immer geschiedene Leute.«

»Okay.«

»Dann will ich mit dir nie wieder was zu tun haben!«

»Okay, Elvis«, sagte Denholm Allen und ging. Er verließ das große Bürohaus in der City, bestieg ein Taxi und fuhr zum nächsten Polizeirevier, wo er von einem Mann namens Sergeant Hugh Newell verlangte, mit dessen Vorgesetztem sprechen zu dürfen.

»Darf ich Sie erst mal um Ihren Namen bitten, Sir?«, gab der bullige Sergeant zurück.

»Ich heiße Denholm Allen.«

Hugh Newell notierte den Namen. »Adresse?«, fragte er.

Allen nannte sie.

»Beruf?«, fragte der Sergeant weiter.

»Ich leite mit meinem Partner die Firma ›Allen & Douglas – PR & More‹.«

»Eine Werbeagentur?«, hakte Newell nach.

»Ja.«

»Familienstand?«, wollte der Sergeant wissen.

»Ledig.«

»Sie sind nicht verheiratet?«

»Das heißt ledig doch wohl, oder?«, gab Denholm Allen zurück.

Der Sergeant kniff kurz die Augen zusammen. Solche Antworten mochte er nicht. »In welcher Angelegenheit wollen Sie mit Inspektor Grant sprechen?« Er deutete auf seinen Schreibtisch. »Ich sitze vor allem deshalb hier, damit nicht jeder gleich zum Chef durchmarschiert, wissen Sie?«, erklärte er. »Können Sie nicht mir anvertrauen, was Sie auf dem Herzen haben? Entweder bringe ich Sie anschließend zu meinem Vorgesetzten, oder die Sache erübrigt sich, weil bereits ich Ihnen helfen konnte.«

Denholm Allen zögerte kurz. Dann sagte er: »Ich sehe Tote, Sir.«

»Wie bitte?«

»Ich sehe Tote«, wiederholte Denholm Allen.

»Wann sehen Sie Tote?«

»Manchmal.«

»Jetzt auch?«, fragte Sergeant Newell.

»Nein, jetzt nicht.«

»Sind Sie alkoholisiert, Mister ...?« Der Sergeant warf einen Blick auf seine Notizen. »Mister Allen?«

»Nein, Sir.«

»Haben Sie Drogen genommen?«

»Ich habe noch nie Drogen genommen«, antwortete Denholm Allen. »In meinem ganzen Leben nicht.«

»Und trotzdem sehen Sie manchmal Tote.«

»So ist es.«

»Wann haben Sie sie zuletzt gesehen – diese Toten?«, wollte Hugh Newell wissen.

»Vor etwa zehn Minuten.«

»Sind es immer dieselben Toten?«

»Nein, Sir.«

»Und wo haben Sie sie gesehen?«, fragte Sergeant Newell.

»In der Firma. Während einer Konferenz.«

»Haben Sie das schon lange – dass Sie Tote sehen, meine ich?«

Denholm Allen nickte. »Schon sehr lange. Es hat in meiner Kindheit begonnen.«

»Wie alt sind Sie, Mr. Allen?«

»Neununddreißig.«

»Sie sehen wie fünfundvierzig aus«, stellte Sergeant Newell fest.

»Ich habe in den letzten Jahren viel gearbeitet, um die Firma in Schwung zu bringen.«

»Viel Konkurrenz?«

»Jede Menge«, antwortete Denholm Allen. »PR-Agenturen schießen wie die Pilze nach einem warmen Sommerregen aus dem Boden. Viele verschwinden ebenso schnell wieder ...«

»Aber die, die bleiben, machen den anderen das Leben so schwer wie möglich. Sie kämpfen mit harten Bandagen, mit Klauen und Zähnen. Da heißt es ganz schön strampeln, wenn man nicht untergehen will, wie?«

»Sie sagen es«, pflichtete Denholm Allen dem Polizisten bei.

»Hin und wieder übernimmt man sich da schon mal, oder?«

Allen zog die Augenbrauen zusammen. »Ich glaube, ich weiß, worauf Sie hinaus wollen, Sergeant Newell.«

»Man ist so fertig, dass man Stimmen hört und Dinge sieht, die nicht existieren.«

»Diese Toten existieren. Sie sind überall.«

»Und warum sehen nur Sie sie?«, wollte der Sergeant wissen.

»Weil ich ein Medium bin. Ich wurde schon als Kind von Stimmen und Gestalten heimgesucht. Das machte mich zum Außenseiter. Deshalb habe ich meine Gabe stets verdrängt und erst als Erwachsener akzeptiert, dass ich anders bin als andere Menschen, dass ich medial begabt bin.«

Hugh Newell dachte kurz nach. Dann stand er auf und sagte: »Augenblick.« Er suchte das Büro seines Vorgesetzten auf.

»Was gibt's, Sergeant?« Der distinguierte Inspektor war gerade dabei, seinen Oberlippenbart zu stutzen.

Er saß an seinem ordentlich aufgeräumten Schreibtisch – offenbar sollte niemandem der Verdacht kommen, dass hier gearbeitet wurde –, war über einen Handspiegel gebeugt und schnipselte noch zwei Härchen ab, die ihm zu lang schienen. Dann legte er Spiegel und Schere in die Schreibtischlade, schloss sie und schaute seinen Untergebenen erwartungsvoll an.

»Draußen ist ein Mann, der Tote sieht, Sir.«

Inspektor Grant riss die Augen auf. »Was?«

»Ich habe mich über seine Behauptung genauso gewundert wie Sie, Sir, aber dem Mann scheint es damit sehr ernst zu sein.«

»Was halten Sie von ihm?«, wollte Mike Grant wissen. »Ist er verrückt?«

»Das kann ich nicht beurteilen, Sir.«

»Na, wenn einer Tote sieht ...«

»Der Mann möchte zu Ihnen«, sagte Sergeant Newell.

Grant rümpfte seine lange Nase. »Wieso können Sie sich nicht anhören, was er loswerden will?«

»Soll ich ihn fortschicken, Sir?«

Grand überlegte kurz. Dann schüttelte er den Kopf und antwortete: »Bringen Sie ihn herein. Aber bleiben Sie im Zimmer. Wer weiß, weshalb der Mann wirklich zu mir möchte ...«

 

*

 

Ich jagte mit Vollgas über den Motorway. Es herrschte zum Glück nicht viel Verkehr. Mein schwarzer Rover, dessen »Muskeln« erfahrene Tuning-Experten kräftig aufgeblasen hatten, fegte das graue Asphaltband entlang.

Ich war in großer Sorge um meinen Jungen, den Edoth, der Todesengel, holen wollte. Das gefährliche schwarze Wesen hatte sich zuerst im Körper des Penners Tim Gossett verborgen und steckte nun in Dr. Brett Carrere, der sich – wie man mir gesagt hatte – in diesen Minuten allein bei Andrew befand.

Mein Geist produzierte die entsetzlichsten Horrorszenarien. Ich sah Andrew vor meinem inneren Auge sterben, sah, wie Edoth das Herz meines Sohnes zum Stillstand brachte, wie er seine Seele mitnahm ins Reich der Verdammnis.

Ich wünschte mir, fliegen zu können, um schneller bei meinem Jungen zu sein. Andrew, ich komme!, schrie es in mir. Dein Vater ist auf dem Weg zu dir! Biete Edoth die Stirn! Halt durch! Ich steh dir gleich bei! Noch zehn Minuten! In spätestens zehn Minuten bist du außer Gefahr!

Ich riss den Rover von der Autobahn herunter und wurde wenig später von einer Fahrzeugkolonne gebremst, die vor mir durch eine schmale Einbahnstraße kroch. Es war nicht möglich, sie zu überholen. Ich schlug ungeduldig auf das Lenkrad, bog bei der nächsten Gelegenheit links ab – und machte damit alles nur noch schlimmer: Ein monströses Fahrzeug der Müllabfuhr versperrte mir den Weg. Auch das noch!, dachte ich und wollte zurücksetzen, aber da hatten sich bereits zwei Wagen hinten angereiht. Ich war eingekeilt.

Panik befiel mich. Ich kam hier nicht weiter, während mein Sohn einer tödlichen Gefahr ausgesetzt war. Weiter. Ich musste unbedingt weiter. Ich konnte es mir nicht leisten zu warten, bis die Müllmänner ihren Job getan hatten.

Andrews Leben hing an einem hauchdünnen Faden. Er hatte keine Erfahrung im Kampf gegen Höllenwesen, und Todesengel sind passionierte Killer. Der Sensenmann holt lediglich jene Menschen ab, deren Lebensuhr abgelaufen ist. Vor einem Todesengel ist man jedoch niemals sicher. Die blasen einem jederzeit das Lebenslicht aus – wann immer es ihnen gerade passt. Edoth darf den Jungen nicht kriegen!, hallte es in meinem Kopf.