Tony Ballard #282: Der schwarze Gladiator - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard #282: Der schwarze Gladiator E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

Die Arena war der reinste Hexenkessel. Auf den Rängen drängten sich die Zuschauermassen. Die Sonne knallte erbarmungslos auf den gelben, grobkörnigen Sand und eine spürbare Spannung lag in der hitzeflimmernden Luft. "Da draußen kocht und brodelt es", stellte Oliver Bootz aus Berlin fest. Er stand an einem vergitterten Fenster. Seine kräftigen Hände umklammerten die dicken Eisenstäbe. Die Mauer, in die sie eingelassen waren, bestand aus großen, kalten Steinquadern. Bootz konnte nur ein kleines Segment der Arena sehen. In seinem Blickfeld befanden sich zwei Sandsteinsäulen, die auf kantigen Sockeln standen und wie beringte Finger gen Himmel gerichtet waren. "Die haben uns reingelegt", sagte Louis Cavalle aus Marseille. "Verdammt, ja, das haben sie", pflichtete ihm Nathaniel Harper aus London bei. Der Deutsche, der Franzose und der Brite trugen eiserne Brustpanzer. Schultern, Unterarme und Unterschenkel waren von glänzendem Metall geschützt. Für jeden lag ein Helm bereit, der nicht nur den Kopf, sondern auch das Gesicht, vor allem Nase und Wangenknochen, schützen sollte. Eine harte Ausbildung lag hinter ihnen. Weil es den Veranstaltern nicht genügte, dass sie tapfer und kräftig waren. Es musste auch gewährleistet sein, dass sie den Zuschauern als todesmutige Gladiatoren einen mitreißenden Kampf boten.

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A. F. Morland

Tony Ballard #282: Der schwarze Gladiator

Cassiopeiapress Horror-Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der schwarze Gladiator

Tony Ballard Band 282

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

"Edition A. F. Morland" ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2016

Über Tony Ballard:

... so hieß ich für meine Freunde. Meine Feinde aber nannten mich den Dämonenhasser. Und Feinde hatte ich viele – Kreaturen des Bösen, Vertreter der so genannten schwarzen Macht, kurz, die Hölle selbst war der Feind, gegen den zu kämpfen ich geschworen hatte. Ein Kampf, der damals in meinem Heimatdorf Griddledon, unweit von London, begonnen hatte, als ich es wagte, den sieben Hexen, die das Dorf alle hundert Jahre heimsuchten – nachdem mein Vorfahre, der Hexenhenker Anthony Ballard, sie aufgeknüpft hatte – die Stirn zu bieten.

Tatsächlich gelang es mir, diesen Fluch zu brechen und die Teufelsbräute zu vernichten, indem ich die Glut ihres Lebenssteins mit meinem Blut löschte. Aber ich hatte mehr getan, als nur mein Dorf zu erlösen – ich hatte meine Berufung gefunden. Fortan herrschte Krieg zwischen mir und den Vasallen der finsteren Mächte. Allerdings wäre ich schnell verloren gewesen, hätte ich mich meinen schwarzblütigen Gegnern mit bloßen Händen und allein gestellt. Was ich aber, gottlob, nicht tun musste ... Mir stand eine Reihe von Waffen zur Verfügung, allen voran mein magischer Ring: Nach meinem Sieg über die Hexen von Griddledon hatte ich ein Stück aus ihrem schwarzen Lebensstein gebrochen, in Form eines Pentagramms schleifen und in einen Goldring einsetzen lassen. Diesem Kleinod wohnten starke weißmagische Kräfte inne, die mir vor allem im Nahkampf gegen meine höllischen Widersacher hervorragende Dienste leisteten. Ebenfalls ständig bei mir trug ich einen Colt Diamondback, der mit eigens für mich gefertigten und geweihten Silberkugeln geladen war – absolut tödlich für viele Schwarzblütler. Meine stärkste Waffe jedoch war zugleich mein bester Freund und treuester Kampfgefährte: Mr. Silver, ein abtrünniger Dämon von der untergegangenen Silberwelt, der seine fantastischen Fähigkeiten für das Gute einsetzte.

Der hünenhafte Ex-Dämon mit dem Silberhaar konnte zum Beispiel seinen Körper in massives Metall verwandeln, ohne dadurch an Beweglichkeit einzubüßen. So schützte er sich vor Verletzungen, derweil er Gegnern mit seinen zu Hieb- oder Stichwaffen umgeformten Silberfäusten zu Leibe rückte. Außerdem konnte er aus seinen perlmuttfarbenen Augen vernichtende Feuerlanzen abschießen, er verfügte über ein »Dämonen-Radar«, und auch darüber hinaus überraschte er mich immer wieder mit neuen Kniffen. Seine »magische Trickkiste« schien unerschöpflich. Noch vor Mr. Silver hatte ich einen anderen Mann kennen gelernt, ohne dessen Hilfe mein Kampf gegen Dämonen, Vampire, Werwölfe und dergleichen weit weniger effektiv gewesen wäre: Der reiche Industrielle Tucker Peckinpah, dem die schwarze Macht selbst einen herben Schicksalsschlag beigebracht hatte, überredete mich, meinen Job als Polizeiinspektor in Griddledon aufzugeben und stattdessen als von ihm exklusiv beschäftigter Privatdetektiv in London ansässig zu werden, um mich so ausschließlich darauf zu konzentrieren, die Hölle in ihre Schranken zu verweisen. Ich willigte ein, und seither hielt mir Tucker Peckinpah mit seinem Geld den Rücken frei und öffnete mir mit seinen weitreichenden Beziehungen zahlreiche Türen, ohne die ich in vielen Fällen nie ans Ziel gelangt wäre. Mithilfe solcher Waffen und Freunde schaffte ich es nicht nur, immer wieder die Oberhand zu gewinnen, sondern letztlich auch den finalen Triumph zu erringen: Asmodis starb – und mit ihm die ganze Hölle!

Das glaubten wir jedenfalls, wiegten uns in Sicherheit und zogen uns ins Privatleben zurück, das wir uns so viele Jahre lang versagen mussten, weil stets das Damoklesschwert der schwarzen Macht über unseren Köpfen schwebte. Jetzt aber heiratete ich meine langjährige Freundin Vicky Bonney, wir kehrten in unser Heimatdorf zurück, wurden Eltern eines Sohnes und lebten glücklich und zufrieden. Doch diese Idylle war nur von kurzer Dauer ... denn das Böse erwachte zu neuem Leben und griff brutaler als je zuvor nach dem unseren! Die Einwohner von Griddledon wurden zu Handlangern der Hölle und vollstreckten das Todesurteil, das die Mächte der Finsternis über mich und meine Familie verhängt hatten. Und um mich so hart und grausam wie nur möglich zu bestrafen für meine unzähligen Siege über das dämonische Geschmeiß, zwang man mich, dabei zuzusehen, wie Vicky und unser zweijähriger Sohn Andrew, die ich mehr liebte als sonst etwas auf der Welt, mir in den Tod vorangehen mussten ... Das war der Augenblick, in dem die Hölle gesiegt hatte.

1. Kapitel

Die Arena war der reinste Hexenkessel. Auf den Rängen drängten sich die Zuschauermassen. Die Sonne knallte erbarmungslos auf den gelben, grobkörnigen Sand und eine spürbare Spannung lag in der hitzeflimmernden Luft.

»Da draußen kocht und brodelt es«, stellte Oliver Bootz aus Berlin fest.

Er stand an einem vergitterten Fenster. Seine kräftigen Hände umklammerten die dicken Eisenstäbe. Die Mauer, in die sie eingelassen waren, bestand aus großen, kalten Steinquadern. Bootz konnte nur ein kleines Segment der Arena sehen. In seinem Blickfeld befanden sich zwei Sandsteinsäulen, die auf kantigen Sockeln standen und wie beringte Finger gen Himmel gerichtet waren.

»Die haben uns reingelegt«, sagte Louis Cavalle aus Marseille.

»Verdammt, ja, das haben sie«, pflichtete ihm Nathaniel Harper aus London bei.

Der Deutsche, der Franzose und der Brite trugen eiserne Brustpanzer. Schultern, Unterarme und Unterschenkel waren von glänzendem Metall geschützt. Für jeden lag ein Helm bereit, der nicht nur den Kopf, sondern auch das Gesicht, vor allem Nase und Wangenknochen, schützen sollte.

Eine harte Ausbildung lag hinter ihnen. Weil es den Veranstaltern nicht genügte, dass sie tapfer und kräftig waren. Es musste auch gewährleistet sein, dass sie den Zuschauern als todesmutige Gladiatoren einen mitreißenden Kampf boten.

»Ich dachte, es wäre nur ein Kampf zu bestreiten«, sagte Louis Cavalle. Er sprach, wie Oliver Bootz, englisch, hatte damit – im Gegensatz zu vielen anderen seiner von Nationalstolz geprägten Landsleute – kein Problem.

Nathaniel Harper nickte mit finsterer Miene. Er wischte sich mit der Hand zuerst über sein rötlich blondes Haar und anschließend über das sommersprossige Gesicht. »Das dachte ich auch. Und plötzlich bauen sie eine Hürde ein. Davon war nie die Rede.«

»Sie sind vertragsbrüchig geworden«, sagte Louis Cavalle, dessen Oberlippe ein sorgfältig gestutztes, schmales Bärtchen zierte. »Eigentlich könnten wir von der Abmachung jetzt zurücktreten.«

Der große blonde Berliner drehte sich um. »Versuch das mal, du Träumer«, sagte er nüchtern. »Glaubst du im Ernst, die lassen dich so einfach wieder gehen?«

»Die Voraussetzungen haben sich geändert«, erklärte Cavalle trotzig. »Ich bin nicht hier, um gegen irgendeinen Nobody zu kämpfen, sondern um gegen den schwarzen Gladiator anzutreten, und ich glaube, dass ich das Zeug dazu habe, ihn auch zu besiegen.«

»Wir sind alle hier, um gegen Tuloghar zu kämpfen«, sagte Bootz. »Auch Nathaniel und ich sind davon überzeugt, mit dem schwarzen Gladiator fertig zu werden. Sonst hätten wir uns wohl kaum auf diesen ungewöhnlichen Deal eingelassen.«

Nathaniel Harper runzelte die Stirn. »Ist es nicht verrückt, was wir hier tun?«

»Natürlich ist es verrückt«, antwortete Bootz. »Wir sind verrückt. Total durchgeknallt sind wir. Sonst hätten wir ihre haarsträubenden Bedingungen niemals akzeptiert.«

»Wer von uns geht als Erster raus?«, fragte Cavalle.

»Ich denke nicht, dass wir das zu bestimmen haben«, antwortete Oliver Bootz. »Diese Entscheidung wird mit Sicherheit an anderer Stelle getroffen, und uns obliegt es dann, aus der Situation, mit der wir konfrontiert werden, das Beste zu machen. Sie sagen, nur der, der sich in dem bevorstehenden Kampf bewährt und die Hürde überwindet, ist würdig, dem schwarzen Gladiator gegenüberzutreten. Es ist eine Art Reifeprüfung.«

Der Franzose schüttelte den Kopf. »Ich durchschaue die dreckige Taktik der hinterfotzigen Veranstalter«, sagte er verächtlich. Er presste die Kiefer fest zusammen. Seine Wangenmuskeln zuckten. »Sie haben uns kämpfen gesehen, wissen, wie stark wir sind, und nun befürchten sie, dass wir ihren Champion in Stücke schlagen. Also schieben sie einen Kampf dazwischen, um uns zu schwächen. Damit der schwarze Gladiator hinterher leichteres Spiel mit uns hat. Aber diese niederträchtige Rechnung wird nicht aufgehen. Sollte ich das Glück haben, als Erster in die Arena geholt zu werden, werde ich über diese gemeine Hürde hinwegfliegen, als wäre sie nicht vorhanden – und dann werde ich mein Schwert, an dem das Blut meines vernichteten Widersachers klebt, in die Höhe recken und Tuloghar einen erbärmlichen Feigling nennen, wenn er nicht augenblicklich in der Arena erscheint.«

Nathaniel Harper blickte zu Boden. Ihm schien zum ersten Mal bewusst geworden zu sein, worauf er sich eingelassen hatte, und er dachte betroffen: Mein Gott, wie tief bin ich gesunken.

Draußen näherten sich Schritte der schweren, dicken Bohlentür. Laut hallten sie durch den steinernen Gang. Ein eiserner Riegel wurde zur Seite geschoben. Die Tür öffnete sich und drei Männer traten ein. Sie trugen knöchellange schwarze Gewänder mit Kapuzen, die sie jedoch nicht aufgesetzt hatten. Bootz, Harper und Cavalle kannten nur einen von ihnen. Sein Name war Bursa. Er hatte ihnen beigebracht, wie man als Gladiator kämpfte, wie man in der Arena eine »gute Figur« machte, um das Publikum für sich zu gewinnen.

»Seid ihr bereit?«, fragte der Mann in holprigem Englisch. Er hatte einen langen, dichten schwarzen Bart und kurz geschnittenes schwarzes Haar.

»Wir können es kaum noch erwarten, die Arena zu betreten«, antwortete Cavalle tatendurstig.

Bursas Blick wanderte von einem zum andern. »Wer möchte den Anfang machen?«

»Ich«, sagte Oliver Bootz sofort.

»Du bist der Zweite«, sagte Bursa.

»Die Reihenfolge steht also schon fest«, knirschte der Franzose. »Warum fragst du dann noch, wer der Erste sein möchte?«

Bursa deutete lächelnd auf den Deutschen. »Vielleicht möchte ich ihm auch noch beibringen, wie man mit Enttäuschungen umgeht.«

»Wer ist denn nun der Erste?«, fragte Louis Cavalle ungeduldig. »Harper oder ich?«

»Du«, antwortete Bursa.

»Großartig.« Der Franzose holte seinen Helm. »Dann lass uns gehen.«

»Vergiss nicht, was ich dich gelehrt habe«, sagte Bursa. »Du musst dich so gut wie möglich verkaufen, sonst kriegst du die Zuschauer nicht auf deine Seite.«

Cavalle lachte unbekümmert. »Keine Sorge. Ich bin voll motiviert. Ganz gleich, wen man mir gegenüberstellt, er hat keine Chance gegen mich.«

»Das werden wir ja in Kürze sehen«, sagte Bursa.

Cavalle wandte sich an Bootz und Harper. »Heute ist ein großer Tag für mich«, sagte er. »Er wird die erhoffte Wende in meinem Leben bringen. Hat mich gefreut, eure Bekanntschaft zu machen. Doch nun werden sich unsere Wege trennen.«

»Mach's gut, Louis«, sagte der Berliner.

Cavalle lachte. »Du sprichst gegen deine Interessen, mein Freund.«

»Das macht nichts«, erwiderte Oliver Bootz. »Ich würde mich trotzdem für dich freuen, wenn es dir gelänge, den schwarzen Gladiator zu bezwingen.«

»Sind alle Deutschen so selbstlos wie du?«, fragte Louis Cavalle.

»Gehen wir!«, warf Bursa ein und deutete mit dem Kopf zur Tür.

»Ich wüsste nicht, was ich lieber täte«, sagte der Franzose, setzte seinen Helm auf und ging hinaus. Bursa und seine beiden Begleiter folgten dem Franzosen. Die Tür wurde geschlossen und wieder verriegelt.

»Wird Louis es schaffen?«, fragte Nathaniel Harper. Leichter Zweifel schwang in seiner Stimme mit.

»Er ist sehr zuversichtlich«, antwortete der Deutsche. »Ich wünsche es ihm.«

»Und was wird dann aus uns?«, fragte Harper.

Bootz zuckte mit den Achseln. »Ich weiß es nicht.«

»Wenn Louis Cavalle den schwarzen Gladiator besiegt, haben wir keinen Gegner mehr«, sagte Harper.

»Vielleicht tritt dann jemand anderer an Tuloghars Stelle«, sagte Oliver Bootz.

»Oder sie zwingen dich, gegen den Franzosen anzutreten, und solltest du ihn besiegen, muss ich gegen dich kämpfen.«

Der Berliner schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht, dass es so laufen wird. Wenn Cavalle den schwarzen Gladiator bezwingt, kassiert er seine Siegesprämie und kehrt nach Frankreich zurück.«

»Vorausgesetzt, die Veranstalter lassen es zu«, erwiderte Nathaniel Harper. »Du siehst ja, dass sie sich an gemachte Zusagen nicht unbedingt halten. Sie gehen mit getroffenen Vereinbarungen sehr locker um. Man kann sich auf ihre Versprechungen nicht verlassen.« Er stieß einen tiefen Seufzer aus. »Mir kommt das alles wie ein bescheuerter Traum vor. Hättest du jemals gedacht, eines Tages als Gladiator in einer Arena zu stehen?«

»Nein«, antwortete Oliver Bootz.

»Ich auch nicht«, brummte der Brite. »Und doch sind wir hier.«

»Weil uns die Umstände zu dieser Verzweiflungstat getrieben haben«, sagte der Deutsche.

Harper fletschte grimmig die Zähne. »Das dämliche Schicksal hat uns zuerst brutal niedergeschlagen, um uns anschließend diese aberwitzige Chance zu bieten, wieder auf die Beine zu kommen.« Er betrachtete angelegentlich seine Hände. »Langsam bezweifle ich, dass das wirklich eine Chance ist.«

»Was denn sonst?«

»Ich möchte lieber nicht aussprechen, was ich vermute.«

»Du befürchtest, dass wir einem großen Schwindel aufgesessen sind, nicht wahr? Dass wir uns selbst mit beispiellosem Eifer in die Scheiße geritten haben.«

»Siehst du es denn anders?«

Bootz hob die Schultern und schwieg.

»Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Blödmänner bereits vor uns hier gelandet sind?«, fragte der Engländer. »Was ist aus ihnen geworden? Sind sie alle an Tuloghar – oder an der Hürde davor – gescheitert?«

Oliver Bootz trat wieder ans vergitterte Fenster. Louis Cavalle hatte soeben die Arena betreten. Die Menge jubelte. Der Franzose hielt in jeder Hand ein blitzendes Schwert. Langsam näherte er sich den beiden Säulen. Sein Gegner ließ sich noch nicht blicken. Cavalles Körperhaltung drückte Zuversicht und Siegeswillen aus.

Nathaniel Harper trat neben den Deutschen. »Hast du Familie?«, fragte er, den Blick auf Louis Cavalle gerichtet.

»Ich hatte eine Frau und eine kleine Tochter«, antwortete der Berliner.

Louis Cavalle blieb zwischen den Säulen stehen.

Harper sah den Deutschen an. »Was ist passiert?«

»Meine Frau hat unser Baby mit einem Zierkissen erstickt und sich anschließend die Pulsadern aufgeschnitten.« Es klang so, als würde Bootz über eine Zeitungsmeldung sprechen, die ihn nichts anging.

Harper riss die Augen auf. »Allmächtiger, warum hat sie das getan?«

Bootz zuckte mit den Achseln. »Sie litt an einer Geisteskrankheit.«

»Wieso ist das niemandem aufgefallen?«

»Sie war hin und wieder ein wenig depressiv«, sagte Oliver Bootz. »Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich mir deswegen Sorgen machen müsste. Wir sind alle nicht immer nur gut drauf. Jeder hat seine Hochs und Tiefs. Ich war auf Geschäftsreise, war vier Tage unterwegs. Sie hat es gleich nachdem ich mich verabschiedet hatte getan.«

»Hast du nicht bemerkt, dass sie so etwas Schreckliches vorhat?«