Tony Ballard #299: Der Conquistador des Satans - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard #299: Der Conquistador des Satans E-Book

A. F. Morland

0,0

Beschreibung

Fernando Davila traute seinen Augen nicht. Er sah sich einer breiten Front von Geisterpiraten gegenüber. Auch er wusste – genau wie sein Freund Cristobal Leon –, was der Conquistador des Teufels gesagt hatte, kurz bevor er erschossen worden war. Im Jahr der Stürme würde er zurückkommen und sich rächen. Davila konnte sich nicht erklären, wieso ihm das jetzt erst einfiel. Warum hatte er sich nicht sofort an Diego Nunez' letzte Worte erinnert, als zum ersten Mal vom Jahr der Stürme die Rede gewesen war? Da hätte ihm doch gleich ein Licht aufgehen müssen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 127

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



A. F. Morland

Tony Ballard #299: Der Conquistador des Satans

Cassiopeiapress Horror-Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Conquistador des Teufels

Tony Ballard Band 299

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

"Edition A. F. Morland" ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2016

1. Kapitel

»Da kommen sie!«, flüsterte Gonzalo Arias Davila. Wenn seine Männer von ihm sprachen, nannten sie ihn zumeist nur »El Capitan«. Und das mit großem Respekt.

»Gott, wie ich diese verfluchten Bastarde hasse«, knurrte Vasco Jimenez.

»Es wird sie bald nicht mehr geben«, bemerkte El Capitan rau. »Man wird sie öffentlich hinrichten. Ist jeder Mann auf seinem Posten?«

»Ja.«

»Wir schlagen zu, sobald ich es befehle.«

Jimenez nickte.

»Bis dahin verhalten wir uns so, als wären wir nicht vorhanden«, sagte Davila.

»Wir warten auf dein Kommando, Capitan«, versprach Jimenez.

»Keiner darf entkommen«, kam es grimmig über Davilas schmale Lippen.

»Sie werden alle den Tod finden«, stieß Vasco Jimenez gepresst hervor. »Entweder jetzt gleich – oder in den nächsten Tagen. Dann können wir endlich aufatmen. Dann brauchen unsere Familien keine Angst mehr vor diesen grausamen Höllenhunden zu haben.«

Gonzalo Arias Davila zog sich vorsichtig zurück. Er glitt mit der Geschmeidigkeit eines Berglöwen in die Dunkelheit hinein und war bald nicht mehr zu sehen.

Es war eine kühle, unwirtliche Nacht. Der Wind zerwühlte das schwarze Wasser des Atlantiks und warf schwere Wellen gegen die schroffen Felsen von La Palmas Steilküste.

Fackelschein tanzte zuckend durch die Finsternis. Es war die Nacht, in der sich Diego Nunez' Schicksal erfüllen sollte. Seines und das seiner grausamen Männer. Er hatte mit einer Handvoll tollkühner Taugenichtse in Cartagena, einer südostspanischen Hafenstadt an der Costa Calida, der warmen Küste, ein Schiff gestohlen und war damit auf und davon gesegelt.

Selbstverständlich hatte man alles darangesetzt, den dreisten Dieb und seine verwegenen Kumpane zu kriegen, doch er hatte seine Verfolger geradezu mühelos abgehängt und sich in den endlosen Weiten des atlantischen Ozeans versteckt.

Als selbst ernannter Conquistador suchte er sodann – von keinem Königshaus als offizieller Eroberer eingesetzt – die Azoren, Madeira und das afrikanische Festland heim, raubte, plünderte, brandschatzte, mordete, vergewaltigte und verbreitete überall so sehr Angst und Schrecken, dass man ihn schon bald den Conquistador des Teufels nannte.

Er überfiel in weiterer Folge eine Kanareninsel nach der andern, und von La Palma wollte er erst ablassen, bis das Eiland völlig »ausgeblutet« war, wie er bei einem seiner letzten Überfälle grausam lachend erklärt hatte.

Viele hielten ihn für den Satan persönlich und glaubten, man könne ihn weder verletzen noch töten. Doch Gonzalo Arias Davila, El Capitan, war anderer Meinung.

Er beschloss, dem Conquistador, der in seinen Augen nichts weiter als ein dreckiger Pirat war, das Handwerk zu legen und scharte die mutigsten Männer der Insel um sich.

Niemand durfte in seiner Gegenwart die weit verbreitete Vermutung – oder Befürchtung – äußern, Diego Nunez wäre ein Gesandter der Hölle und würde unter Luzifers persönlichem Schutz stehen, denn das machte El Capitan ziemlich wütend.

»Er hatte bis heute lediglich Glück«, pflegte Gonzalo Arias Davila zu antworten, wenn man ihn fragte, wie er sich sonst erklären könne, dass Nunez noch nie auch nur den kleinsten Kratzer abbekommen hatte. »Wenn wir ihn und seine Männer an die Wand stellen, werdet ihr sehen, wie einfach es ist, ihn zu töten. Er ist – wie wir alle – aus Fleisch und Blut, und wir werden ihn hier, auf unserer geliebten Insel, für seine Schreckenstaten mit seinem niederträchtigen Leben bezahlen lassen.«

Es war Vasco Jimenez gelungen, die Bucht ausfindig zu machen, in die sich die Piraten nach jedem Überfall zurückzogen. Hier gab es eine Höhle, in der sie nach den Raubzügen ihre Beute versteckten. Ihr Schiff kreuzte indes weit draußen auf dem Meer und steuerte die Bucht erst an, wenn Nunez ein großes Feuer anzünden ließ, das kilometerweit zu sehen war.

Der Conquistador des Teufels kletterte mit der Behändigkeit einer Meerkatze an den Klippen hinunter und sprang aus einer Höhe von zwei Metern in den Sand.

Rodrigo Pizarro – seit vielen Jahren sein engster Vertrauter – landete, mit einer brennenden Fackel in der Hand, neben ihm. Diego Nunez hob den Kopf und hielt die Nase in den Wind.

»Witterst du eine Gefahr?«, fragte sein Freund.

Nunez kniff argwöhnisch die Augen zusammen. »Ich weiß nicht …« Sein Blick wanderte langsam über die dunklen Klippen. Es schien alles in Ordnung zu sein. Er wandte sich an Pizarro. »Ist das Treibholz aufgeschichtet?«

Der Gefragte nickte. »Wie du es befohlen hast.«

»Geh und zünde es an!«

Rodrigo Pizarro sah ihn überrascht an. »Du willst die Insel verlassen?«

»Hast du etwas dagegen einzuwenden?«, fragte der Conquistador gereizt zurück.

Pizarro zuckte zusammen, als hätte er einen Tritt in die Weichteile bekommen. »Nein«, antwortete er rasch. »Ich dachte nur … Du hast bis jetzt nichts dergleichen erwähnt …«

»Ich habe mich soeben entschieden«, erklärte Diego Nunez. »Wir schaffen die gesamte Beute an Bord und ziehen weiter.«

»Du wolltest die Insel erst verlassen, bis sie völlig ausgeblutet ist.«

Der Conquistador grinste diabolisch. »Ich bin mit La Palma auch noch nicht fertig. Wir werden wiederkommen, wenn die Menschen sich in Sicherheit wähnen – und dann geben wir ihnen den Rest. Wir töten die Wertlosen, und die, die übrig bleiben, verkaufen wir auf dem Sklavenmarkt.«

Rodrigo Pizarro lachte. Das war genau nach seinem Geschmack. Er lief durch den tiefen, schwarzen Sand zu der Stelle, wo das trockene Treibholz meterhoch aufgeschichtet worden war. Es hieß, Diego Nunez habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Nun, Näheres wusste selbst Rodrigo Pizarro nicht, obwohl er mit dem Conquistador am längsten von allen zusammen war. Aber völlig auszuschließen war das seiner Meinung nach nicht.

Er hatte bereits mehrmals gehört, wie Nunez in seiner Kapitänskajüte mit jemandem gesprochen hatte, obwohl ganz sicher niemand bei ihm gewesen war. Zwei Stimmen hatte er vernommen – eine tiefe, despotische, grollende und die des Conquistadors.

Dass Diego Nunez Selbstgespräche – mit verteilten Rollen – geführt hatte, glaubte Pizarro nicht. Für ihn stand eher fest, dass der Conquistador Besuch gehabt hatte. Er wusste nur nicht, von wem. Und zu fragen getraute er sich aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht.

Er erreichte den Treibholzstapel und hielt seine Fackel darunter. Sein Handrücken und die Finger waren voller Blut. Es war nicht seines. Er war unverletzt.

Sie hatten eines der Dörfer überfallen und alle niedergemacht, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten. Männer, Frauen, Kinder, alte Menschen. Obwohl sie außer ihrem Leben nichts besessen hatten.

Weil es ihrer schwarzen Piratenseele einfach gut tat, das Blut Unschuldiger fließen zu lassen. Das trockene Holz fing sehr schnell Feuer.

Als es knisternd und knackend brannte, kehrte Rodrigo Pizarro zu Diego Nunez zurück, und der Conquistador trug ihm auf, die gesamte Beute aus der Höhle holen und am Strand bereitlegen zu lassen.

Im selben Moment gab El Capitan Gonzalo Arias Davila Befehl zum Angriff …

 

»Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, Tony?«

»Die Villa ist ein Traum, Partner.«

»Wie war Ihr Flug?«, erkundigte sich Tucker Peckinpah.

»Angenehm«, gab ich zur Antwort.

»Und die Fahrt von der Ost- zur Westküste?«

Meine Miene verfinsterte sich. Ich erzählte dem Industriellen von dem Erdrutsch, der ein Menschenleben gefordert hatte. Als ich erwähnte, dass Mr. Silver das für keine bedauerliche Naturkatastrophe, sondern für einen gegen uns gerichteten Anschlag von Xandur hielt, zog Peckinpah am andern Ende der Leitung die Luft scharf ein.

»Mr. Silver fielen gleich am Airport schwarze Strömungen auf«, fügte ich hinzu.

»Hat der Dämon die Insel etwa schon in seiner Gewalt?« Tucker Peckinpahs Stimme klang beklommen.

»Danach sieht es noch nicht aus«, antwortete ich. »Aber erste Vorbereitungen hierfür hat er nachweislich bereits getroffen.«

»Dann war es also richtig, Sie zu bitten, auf La Palma nach dem Rechten zu sehen.«

»Auf jeden Fall«, bestätigte ich dem Industriellen und wechselte den Telefonhörer vom rechten Ohr zum linken. »Scheint so, als wären wir gerade noch rechtzeitig eingetroffen. Also noch bevor Xandur die Insel hermetisch abriegelt und aus ihr einen tödlichen Hexenkessel macht.«

»Haben Sie schon Kevin Hamilton kennen gelernt?«, erkundigte sich Peckinpah.

»Noch nicht«, antwortete ich. »Wir werden uns morgen kurz bei ihm melden.«

»Ich muss Sie vor dem Verwalter warnen, Tony.«

»Weswegen?«

»Er sieht aus wie Herman Munster.«

Ich lachte. »Dann passt er doch bestens in mein Lebensbild. Immerhin habe ich seit vielen Jahren immer wieder mit Monstern zu tun.«

»Sollte ich noch irgendetwas für Sie tun können …«

»Ich wüsste im Moment nicht, was, Partner.«

»Dann wünsche ich Ihnen einen geruhsamen Abend und eine erholsame Nacht«, sagte der Industrielle.

»Ich erfreue mich gerade an einem der schönsten Sonnenuntergänge, die ich je gesehen habe«, informierte ich ihn.

»Genießen Sie ihn«, empfahl mir Tucker Peckinpah. »Wer weiß, wann Sie wieder Gelegenheit dazu haben werden.«

Das hörte sich nicht besonders ermutigend an. Aber er hatte recht. Niemand konnte vorhersehen, wie lange unser Kampf gegen Xandur dauern würde.

Nicht einmal Mr. Silver. Und es stand auch in den Sternen, wer aus diesem Kampf als Sieger hervorgehen würde.

Xandur? Wir? Beides war möglich.

Ich steckte den Mobilteil des Schnurlostelefons in die Ladestation und ging zu Mr. Silver auf die Terrasse hinaus. Der Ex-Dämon badete im intensiv rötlichen Licht der untergehenden Sonne. Ich sah ihn an und lächelte.

»Was ist?«, fragte er.

»Du siehst aus wie ein Indianer«, stellte ich fest.

»Du auch«, gab der Silberdämon grinsend zurück.

 

»Ich hab's gefühlt!«, schrie Diego Nunez wütend. »Ich habe irgendwie gespürt, dass da jemand ist! Verflucht noch eins!«

Er riss seine beiden Pistolen aus dem Gürtel und streckte zwei Angreifer aus nächster Nähe nieder. Er schoss ihnen mitten ins Gesicht.

Sie brachen blutüberströmt zusammen. Zeit zum Nachladen war nicht, deshalb steckte der Conquistador die einschüssigen Waffen weg und zog seinen Degen.

Ein wilder, erbitterter Kampf war entbrannt. El Capitans Männer töteten jeden Piraten, der sich nicht entwaffnen ließ. Rodrigo Pizarro kämpfte verbissen an Nunez' Seite.

Er focht beherzt, verletzte einen Feind so schwer, dass dieser nicht weiterkämpfen konnte, und schaltete einen andern mit einem blitzschnellen Herzstich aus.

Pfeile, von Armbrüsten abgeschossen, sirrten gefährlich durch die Dunkelheit. Schüsse. Schreie. Flüche. Hilferufe von Verletzten. Befehle. Waffenklirren … Es war eine Nacht der Schmerzen, des Leidens und des Todes.

Die Piraten verteidigten sich mit Lanzen und Speeren. Es floss sehr viel Blut, und es gab auf beiden Seiten Tote und Verletzte. Aber der Conquistador des Teufels blieb einmal mehr unversehrt. Hier konnte es nicht mit rechten Dingen zugehen. Diego Nunez schien tatsächlich von der Hölle beschützt zu werden.

Gonzalo Arias Davila versuchte sich zu ihm durchzukämpfen. Vasco Jimenez sorgte dafür, dass dem Capitan kein Pirat in den Rücken fallen konnte.

Sie klebten fast wie siamesische Zwillinge aneinander und wussten, dass sie sich selbst in der schwierigsten Situation jederzeit voll aufeinander verlassen konnten. Gemeinsam rückten sie immer weiter vor.

Um an den Conquistador heranzukommen, musste El Capitan noch drei Hindernisse überwinden: drei Piraten, die bereit waren, für Diego Nunez ihr Leben zu geben.

Er tötete den ersten und verletzte den zweiten schwer. Daraufhin warf sich ihm Rodrigo Pizarro, einen gellenden Kampfschrei ausstoßend, entgegen.

Pizarro führte seinen Degen exzellent. Er war zwölf Jahre alt gewesen, als ihn sein Vater zum ersten Mal im Fechten unterrichtet hatte, und er hatte sich von Anfang an äußerst geschickt angestellt. Mit sechzehn Jahren hatte er bereits der Leibgarde eines höchst unbeliebten spanischen Granden angehört.

Er hatte dem Mann so lange gedient, bis jemand auf dessen Kopf eine Summe ausgesetzt hatte, die so hoch gewesen war, dass Pizarro der Versuchung, sich das Geld zu verdienen, einfach nicht widerstehen konnte.

Er war zu später Nacht in das Schlafgemach seines Herrn eingedrungen und hatte ihm mit seinem Dolch die Kehle durchgeschnitten. Und dessen Mätresse ebenfalls, damit sie nicht Alarm schlagen konnte.

Anschließend hatte er sich aus dem Staub gemacht und das Blutgeld mit schleimigen Schurken und liederlichen Weibern hemmungslos verprasst.

El Capitan, ein meisterhafter Fechter, fand in Rodrigo Pizarro zum ersten Mal einen ebenbürtigen Gegner. Er tat sich sehr schwer mit dem Piraten, der äußerst fintenreich war und bisweilen recht unorthodox kämpfte.

Pizarros Angriffsvarianten waren teilweise ziemlich spektakulär. Er wechselte blitzschnell zwischen Feil- und Sturzangriffen. Schritt, Sprung, Abducken, Finte … Er beherrschte die gesamte edle Palette der Degenführung und kombinierte sie geschickt und intelligent mit beispiellosem Mut, brutaler Aggressivität und einem schier unbändigen Siegeswillen.

Gonzalo Arias Davila konnte anstellen, was er wollte – er vermochte Rodrigo Pizarro einfach nicht zu bezwingen. Und solange ihm das nicht gelang, kam er an den Conquistador nicht heran. El Capitan schlug und stach unermüdlich auf den exzellent fechtenden Piraten ein, doch Pizarro schien keine Mühe zu haben, Davilas vehemente Attacken jedes Mal – buchstäblich aus dem flinken Handgelenk heraus – mit graziöser Leichtigkeit zu parieren. Als der Conquistador sah, wie stark seine Mannschaft bereits dezimiert worden war, brüllte er: »In die Höhle! Alle in die Höhle!«

In Gonzalo Arias Davilas Augen war das eine krasse Fehlentscheidung. Denn in der Höhle waren die Piraten gefangen. Aber das konnte denen, die sie kriegen wollten, ja nur recht sein. Der Conquistador zog sich zurück, und mit ihm Rodrigo Pizarro. El Capitan ließ schwer atmend von ihm ab. Er folgte ihm nicht. Alle Piraten, die noch – verletzt oder unverletzt – auf den Beinen waren, verschanzten sich in der Höhle.

Die Dunkelheit war erfüllt vom Wehklagen Verwundeter und Sterbender. El Capitans Männer halfen ihren Kameraden. Mit den Piraten, die so großes Leid über die Insel gebracht hatten, und den nächsten Sonnenaufgang ohnedies nicht mehr erlebt hätten, machten sie kurzen Prozess.

Gonzalo Arias Davila wandte sich an Vasco Jimenez. »Bist du verletzt?«

»Nein, Capitan«, antwortete dieser. »Was tun wir jetzt? Sollen wir die Höhle stürmen?«

Davila schüttelte den Kopf. »Das wäre zu gefährlich. Ich will nicht noch mehr Männer verlieren.«

»Willst du warten, bis sie herauskommen?«, fragte Jimenez. »Sollen wir sie belagern? Wenn sie da drinnen Proviant haben, kann das sehr lange dauern.«

»Wir werden sie ausräuchern«, entschied El Capitan. »Mit ihrem eigenen Feuer.«

Sie holten das brennende Treibholz und schichteten es vor dem Höhleneingang auf. Die Öffnung sog den dicken Rauch gierig in sich hinein.

Die Piraten pressten Tücher vor Mund und Nase, konnten aber nicht verhindern, dass ihre Atemwege erheblich gereizt wurden und ihre Augen stark tränten. Sie husteten bellend, keuchten, röchelten, würgten, übergaben sich.

»Wir sitzen in der Falle«, krächzte Rodrigo Pizarro. Er hatte so gut wie vor nichts Angst. Nur Feuer vermochte ihn in Panik zu versetzen – wenn er keinen Ausweg sah.

»Das denken die da draußen auch«, knurrte der Conquistador.

»Ist es etwa nicht so?«

»Durchaus nicht.«

»Der Rauch wird uns ersticken«, wagte Pizarro zu sagen.

»Ich gebe zu, wir befinden uns im Augenblick in einer höchst unerfreulichen Situation«, erklärte Diego Nunez. »Aber sie ist nicht aussichtslos.«

»Wenn wir die Höhle nicht verlassen …«, begann Pizarro.

Der Conquistador ließ ihn nicht ausreden. »Wir werden sie verlassen«, schnitt er ihm scharf das Wort ab.

»Wann?«, wollte Pizarro wissen.

»Denk nach, Rodrigo!«, verlangte Nunez. Er zeigte auf Pizarros schweißnasse Stirn. »Gebrauche deinen Verstand!«

»Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst.«

»Wir haben ein Feuer angezündet«, sagte der Conquistador.