Tony Ballard #316: Crossos, der achtbeinige Tod - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard #316: Crossos, der achtbeinige Tod E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

Tony Ballard Band 316 von A. F. Morland Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten. Er ist ein schwarzes Wesen. Ein gefährlicher Dämon. Eine grausame Monsterspinne, die auf der Prä-Welt Coor Angst und Schrecken verbreitet. Auf ihrem Weg zum Tunnel der Kraft, in dem der geschwächte Mr. Silver wieder erstarken möchte, geraten Tony Ballard und seine Begleiter an diesen Teufel in Spinnengestalt und es ist mehr als fraglich, ob sie diese bedrohliche Begegnung überleben werden.

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Seitenzahl: 114

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A. F. Morland

Tony Ballard #316: Crossos, der achtbeinige Tod

Horror-Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

CROSSOS, DER ACHTBEINIGE TOD

Tony Ballard Band 316

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

 

Er ist ein schwarzes Wesen. Ein gefährlicher Dämon. Eine grausame Monsterspinne, die auf der Prä-Welt Coor Angst und Schrecken verbreitet. Auf ihrem Weg zum Tunnel der Kraft, in dem der geschwächte Mr. Silver wieder erstarken möchte, geraten Tony Ballard und seine Begleiter an diesen Teufel in Spinnengestalt und es ist mehr als fraglich, ob sie diese bedrohliche Begegnung überleben werden.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Was bisher geschah:

Loxagon, der Sohn des Teufels und nach dessen Tod neuer Herrscher im Reich der Finsternis, erschafft Zeeneth, den Höllenrichter, der die größten Feinde der schwarzen Macht vorsorglich exekutieren soll. Doch das Vorhaben scheitert: Der Dämonenhasser Tony Ballard und seine Familie, die ganz oben auf Zeeneths Todesliste standen, überleben – mit Müh und Not allerdings nur, und die Sache ist damit auch längst noch nicht ausgestanden …

Seinen Sohn musste Tony aus einem schwarzmagischen Schnellbrüter befreien, in den er gesteckt worden war, um unter der Einwirkung finsterer Kräfte binnen kürzester Zeit heranzuwachsen und zu einem Feind seines Vaters zu werden. Zwar geht auch dieser Plan der Hölle nicht vollends auf, aber Andrew Ballard ist nun nicht mehr der kleine Junge, der er bei seinem Verschwinden war, sondern ein junger Mann, der nur langsam wieder zu sich und ins Leben findet.

Der Riss, der durch diese Entwicklung in der Beziehung seiner Eltern entstand, ist nicht mehr zu kitten. Vicky Ballard ist das gefahrvolle Leben an der Seite ihres Dämonen jagenden Ehemannes nach Jahren endlich leid und lässt sich scheiden. Andrew, ihr gemeinsamer Sohn, ist durch magische Einwirkung binnen kurzer Zeit zum jungen Mann geworden und will nun in die Fußstapfen seines Vaters treten.

Um Loxagon, der den toten Zeeneth unbedingt in der Hölle haben will, zu täuschen, wird dessen Leichnam in einem Londoner Krematorium verbrannt, und Tony, Mr. Silver und Cruv begeben sich mit dem Kopf des Höllenrichters in die Prä-Welt Coor, um ihn von einem Magier klonen zu lassen. Sie lernen dort Menschen – Erdlinge genannt – kennen, die in Pfahlbauten leben und immer wieder von schwarzen Druiden überfallen und grausam dezimiert werden, und stehen ihnen in ihrem Kampf, der bisher stets aussichtslos war, erfolgreich bei. Ihrem Ziel allerdings kommen sie damit nicht näher, denn Zeeneth lässt sich nicht so einfach klonen. Tony und seine Begleiter müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre dauern kann. Sie sind gezwungen, den Kopf bei dem Magier zu lassen und ohne den neu geschaffenen Höllenrichter auf die Erde zurückzukehren.

Und dann wird der exzentrische holländische Millionär Jan van Vermeer von Sir Aldous Wellington in England zum schwarzen Ritter geschlagen und nimmt aus dessen Händen das Buch des Schreckens entgegen. Als Tony ihm das Buch abjagt, kommt es in Moskau zu einer mörderischen Auseinandersetzung zwischen van Vermeer und dem Dämonenhasser, die Tony Ballard, Mr. Silver und Aristea Manakis, die griechische Geisterjägerin und Tonys neue Kampfgefährtin, zwar für sich entscheiden können – es gelingt ihnen aber nicht, den gefährlichen Feind zu stellen und unschädlich zu machen, so dass dieser erbitterte Kampf wohl schon sehr bald in die nächste Runde gehen wird. Aristea Manakis kehrt nach Griechenland zurück. Sie und Tony gehen wieder getrennte Wege. In Paris, Rotterdam und London laufen plötzlich Menschen Amok. Man steht vor einem Rätsel, dessen Lösung Tony Ballard, Mr. Silver und Boram im nördlichen Polarkreis finden …

Und dann kommt es in Tony Ballards Leben zu einem erfreulichen Paukenschlag: Vicky, seine Ex-Frau, kehrt zu ihm zurück. Sie wurde in New York von Shaolin-Mönchen zu einer hervorragenden Schwertkämpferin ausgebildet. Tony gibt ihr das Höllenschwert Shavenaar, und sie kann in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, erstmals im Kampf gegen den Hexer Yadav zeigen, was sie gelernt hat …

Der völlig apathische Zeeneth ist in einem kleinen Kloster untergebracht. Wann sein Geist wieder funktionieren wird, weiß niemand. Vicky und Tony besuchen Aidan Cox-Ballard in Australien. Sie lernen in dessen Haus Steven M. Frazer, einen ganz und gar außergewöhnlichen Geisterjäger, kennen, und es dauert nicht lange, bis sie in ein sehr gefährliches Abenteuer verstrickt werden. Kaum sind sie wieder in London, wird Cruv entführt. Aber sie können sich an der Suche nach dem sympathischen Gnom nicht beteiligen, weil sie in Sibirien gebraucht werden, wo ein Werwolfrudel – genannt die »Taiga-Teufel« – sein Unwesen treibt.

Jan van Vermeer, der schwarze Ritter, macht in Russland mit den Taiga-Teufeln gemeinsame Sache. Sie sollen ihm helfen, ein gewinnträchtiges IT-Projekt auf den Weg zu bringen, doch Vicky und Tony gelingt es, dem geldgierigen holländischen Millionär einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen und die gefährlichen Wolfs-Monster zu vernichten ...

1. Kapitel

Rethea, die junge Schamanin, war fast nackt. Ihre zarte kupferfarbene Haut glänzte wie kostbare Seide. Gold schmückte ihren schlanken Hals und ihre Unterarme. Über ihre nackten Brüste wölbte sich ein ganz und gar ungewöhnlicher »Schmuck« – dürre Knochenhände, die irgendwie nicht so recht zu ihr passten, und ihren Schoß »zierte« ein goldener Totenkopf mit langen goldenen Riemen dran.

Die obere Hälfte ihres glatten Gesichts, das von fingerdicken Zig Zag Braids – oder Rastalocken – umrahmt wurde, befand sich hinter einer Art Spinnenmaske, durch die das Weiß ihrer Augäpfel zu leuchten schien.

Ihre wulstigen Lippen bebten. Sie hatte sich in Trance versetzt, kniete auf dem Boden, ihre Handflächen waren nach oben gekehrt, und türkisfarbener Rauch stieg davon hoch, ein sichtbares Zeichen dafür, dass Magie im Spiel war.

Retheas biegsamer Körper schwankte hin und her wie ein Halm im Wind, und sie flüsterte immer wieder einen Namen: »Crossos … Crossos … Crossos …«

Es klang sowohl ehrfürchtig als auch ängstlich, und es war in der Tat höchst gefährlich, Crossos zu beschwören. Rethea pokerte sehr hoch.

Sie wusste das, und sie hätte es bestimmt nicht getan, wenn es sich hätte vermeiden lassen. Denn Crossos war ein absolut unberechenbarer Dämon, mit dem man sich besser nicht einließ. Arglistig und gemein. Böse und grausam.

Jemand, mit dem man höchstens dann ein Bündnis ins Auge fasste, wenn man verzweifelt war und keinen anderen Ausweg mehr sah.

Denn Crossos war kein richtiger Ausweg. Keine echte Alternative. Kein Garant für eine befreiende Hoffnung. Wenn man ihn rief, konnte alles noch viel schlimmer werden, anstatt sich zum Guten zu wenden.

Wenn man Crossos um Hilfe bat, konnte sich jederzeit sehr leicht das Gegenteil einstellen. Rethea war sich all dessen bewusst.

Sie kannte das enorm hohe Risiko. Wenn sie dennoch Crossos herbeibeschwor, kann man sich vorstellen, in welcher Zwangslage sich die Schamanin befand. Sie und jene, die ihr vertrauten, die sie händeringend gebeten hatten, das große Wagnis einzugehen, weil sie sonst bald alle ihr Leben verlieren würden. Der Tod stand bereits vor ihren buckeligen Lehmhütten und würde schon bald eintreten – wenn nicht endlich der entscheidende Schritt getan wurde.

Wenn Crossos nicht half, war alles verloren.

Wenn Crossos nicht half, waren alle verloren.

Wenn Crossos nicht half, starben die Dylen aus. Crossos musste helfen, sonst gab es auf der ganzen Prä-Welt Coor bald keinen einzigen Dylen mehr.

Die Dylen waren ein kleiner Stamm, ein friedliebendes Völkchen, das von Malock, einem ebenso weisen wie gerechten Mann, angeführt wurde.

Sie ernährten sich von Beeren, Wurzeln, Wald- und Feldfrüchten sowie von Rinden und Blättern verschiedenster Pflanzen, waren gesund und kräftig, und alles Leben war ihnen so heilig, dass sie es nur dann vernichteten, wenn ihr eigenes Leben davon bedroht wurde.

Sie waren gutmütig und hilfsbereit, genossen ihr Dasein niemals exzessiv, sondern stets demutsvoll, gemäßigt und bescheiden und freuten sich auf eine sehr einfache Art über ihre Existenz. Die Dylen waren ein sehr angenehmes Volk.

Was man von den Arwacks nicht behaupten konnte, denn diese waren so gut wie jedermanns Feind, führten ständig irgendwelche Kriege, fraßen mit Vorliebe rohes Fleisch, waren grausam und ungerecht, raubten, plünderten, brandschatzten, folterten, und jeder, der sich in das Gebiet wagte, das sie für sich als Lebensraum beanspruchten, brauchte sehr viel Glück, um es lebend wieder zu verlassen.

Angeführt wurden die Arwacks von Osson, dem man den Beinamen »der Schreckliche« gegeben hatte. Er war ein hinterhältiger Bluthund, ein Schlächter, ein Barbar der übelsten Sorte, wankelmütig, launisch und jähzornig. Ein Mann, dem Worte wie Frieden, Aufrichtigkeit oder Freundschaft fremd waren, der sich geradezu abartig daran ergötzte, wenn er das Blut von Feinden fließen sah.

Mit den Arwacks in Frieden und Eintracht zu leben, war ein Ding der Unmöglichkeit, deshalb wurden sie auch von allen gemieden – und gefürchtet.

Wer konnte, ging ihnen tunlichst aus dem Weg, und niemand betrachtete es als Schande, vor ihnen zu fliehen. Das war immer noch besser, als sein Leben auf unvorstellbar grausame Weise zu verlieren.

Und genau hier lag das Problem. Deshalb befanden sich die kupferhäutigen Dylen zurzeit so sehr im Dilemma. Deshalb musste Rethea – bedauerlicherweise – den achtbeinigen Tod beschwören. Weil einige Wochen davor etwas sehr Bedrohliches seinen Lauf genommen hatte …

»Malock.«

So hatte es begonnen.

»Was gibt's, Enfes?«, antwortete Malock.

»Ita fühlt sich nicht wohl.«

»Was hat sie?«

»Zahnschmerzen.«

»Und deshalb kommst du zu mir? Du weißt selbst, was in so einem Fall zu tun ist.«

»Und Gliederschmerzen.«

»Dagegen gibt es wirksame Kräuter. Du weißt das.«

»Und ihr gehen die Haare aus.«

Jetzt horchte Malock, ein kräftiger Mann mittleren Alters, auf. »Seit wann?«

»Büschelweise«, sagte Enfes.

»Seit wann?«, fragte Malock endgültig alarmiert.

Sie befanden sich in seiner Lehmhütte. Enfes war zu ihm gekommen – das Gesicht voller Sorgenfalten, denn Ita war seine Frau, die er über alles liebte. Sie trug von ihm ein Kind unter dem Herzen. Ihr erstes. Mindestens vier wollten sie haben. So hatten sie es geplant.

Eine große glückliche Familie wollten sie gründen. Doch nun war Ita erkrankt, und es stand plötzlich sehr schlecht um die Zukunftspläne der beiden.

»Hat Ita Fieber?«, erkundigte sich Malock sehr ernst.

Enfes nickte. »Sie glüht.«

»Muss sie sich übergeben?«

»Nach jeder Mahlzeit.«

»Durchfall?«

»Ich werde sie verlieren, nicht wahr?«

»Sie darf mit niemandem mehr Kontakt haben«, sagte Malock plötzlich sehr ernst.

»Wie soll ich das anstellen?«

»Du musst Ita isolieren«, erklärte Malock. »Die Krankheit ist äußerst ansteckend.«

»Wieso habe ich sie dann noch nicht?«

Malock zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung.« Er legte Enfes die Hand auf die Schulter. »Hör zu, Enfes. Ich will nichts beschönigen. Du hast nichts davon, wenn ich dich belüge. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Die Krankheit darf sich nicht ausbreiten, deshalb musst du Ita in Lendors Hütte bringen.« Lendor war vor kurzem von einem Säbelzahnmonster getötet worden. Seitdem stand seine Hütte leer.

»Aber …«, wollte Enfes widersprechen.

Doch Malock hob rasch die Hand und Enfes verstummte. »Sofort!«, sagte Malock rau. Seine dunklen Augen funkelten. »Die Sache duldet keinen Aufschub – und Ita muss in Lendors Hütte bleiben.«

»Wie lange?«

»Das weiß ich nicht.«

»Wenn du es nicht weißt – wer dann?«

»Ich werde mit Rethea reden«, sagte Malock.

»Wird die Schamanin meiner Frau helfen können?«

»Sie wird es versuchen«, antwortete Malock. »Sie wird alles tun, um Itas Leben zu retten – und das ihres ungeborenen Kindes. Du kannst dich darauf verlassen.«

 

Der Morgen graute. Ich öffnete die Augen, streckte mich und atmete tief ein. Ich hatte eine traumlose Nacht hinter mir, und ich fühlte mich großartig.

Vicky lag neben mir. Sie schlief noch. Ich ergötzte mich an ihren schönen, entspannten, ebenmäßigen Zügen. Ihr blondes Haar war dekorativ auf dem weißen Damastkissen ausgebreitet und glänzte wie Gold.

Es war noch nicht lange her, da waren wir in Sibirien gewesen und hatten den Taiga-Teufeln – blutrünstigen Werwölfen – den Kampf angesagt.

Der Job war verdammt hart gewesen, aber wir hatten ihn gut hinter uns gebracht, und nun waren wir wieder zu Hause, in unserem Penthouse.

Unser kleiner Freund Cruv war während unserer Abwesenheit schwer gefoltert worden. Von Vogoten – minderwertigen Höllenwesen, schwarzen Herumtreibern, wie Mr. Silver sie nannte. Cruv behauptete zwar, es gehe ihm schon wieder gut, aber ich glaubte es ihm nicht so recht.

Er war angeschlagen – was er natürlich niemals zugegeben hätte – und deshalb hatte ich Tucker Peckinpah, dessen Leibwächter Cruv war, geraten, dem hässlichen Gnom von der Prä-Welt Coor eine kleine Auszeit zu verordnen.

Höchst widerstrebend hatte der Knirps zugestimmt, denn die Hände in den Schoß zu legen war nicht eben sein Ding. Aber wenn ihn der reiche Industrielle dazu verdonnerte, blieb ihm nichts anderes übrig.

Dann musste er sich fügen. Ich hoffte für Cruv, dass er bald wieder ganz der Alte sein würde, und bis dahin wollten wir ihn so wenig wie möglich belasten.

Ich bewegte mich vorsichtig, um Vicky nicht zu wecken. Sie legte den Arm auf meine Brust und schmatzte wie ein Baby. Süß war das.

Ich lächelte und war sehr froh, Vicky wieder zu haben. Die Zeit, die wir getrennt gelebt hatten, ja sogar geschieden gewesen waren, hatte mir ganz und gar nicht behagt. Ich nahm behutsam ihren Arm und legte ihn neben mich. Dann verließ ich das Bett und ging ins Bad.

Nachdem ich geduscht und rasiert war, warf ich (sehr unbritisch) die Espressomaschine an und begab mich wenig später mit meiner Tasse auf die Terrasse. London erwachte allmählich, ich sah der Stadt dabei zu und schlürfte herrlich heißen, teerschwarzen Kaffee.

Meine Lebensgeister begannen daraufhin übermütig zu tanzen, und ich war voller Tatendrang. Von Roxane, der Hexe aus dem Jenseits, hatte ich erfahren, dass Mago, der Schwarzmagier und Jäger der abtrünnigen Hexen, einer unserer grimmigsten Erzfeinde, seine Rückkehr plante.

Das machte mich nicht gerade glücklich. Wir hatten auch ohne ihn genug um die Ohren. In der Vergangenheit waren wir mit ihm immer wieder hart aneinandergeraten, und irgendwann hatte es für uns so ausgesehen, als hätten wir ihn endgültig erledigt. Doch nun machte er offenbar wieder von sich reden, und ich bereitete mich seelisch auf eine neue Auseinandersetzung mit ihm und seinen gefährlichen Schergen vor.

Vielleicht kriegen wir ihn diesmal, ging es mir durch den Sinn. Mal sehen. Das Schicksal wird die Karten neu mischen und mir – vielleicht – einen Trumpf zukommen lassen, den Mago nicht überstechen kann.

Meine Gedanken schweiften in die Vergangenheit ab. Die Namen von Freunden und Feinden fielen mir ein. Einige hatte ich aus den Augen verloren. Andere lebten nicht mehr. Um die Guten tat es mir leid – um die andern natürlich nicht.

»Guten Morgen, Tony.« Vickys einschmeichelnde Stimme holte mich ins Hier und Jetzt zurück.

Ich drehte mich um. »Guten Morgen, Schatz.« Ich lächelte. »Hast du gut geschlafen?«

»Wie ein Murmeltier. Und du?«

»Ich ebenfalls. Nur nicht so lange wie du.«

»Soll das ein Vorwurf sein?«

»Absolut nicht. Die Schlafforscher sind sich darin einig, dass der Mensch für sein Wohlbefinden acht Stunden Schlaf braucht.«

Vicky kam auf mich zu. Geschmeidig wie eine hungrige Raubkatze. Ihr Nachthemd war ein Hauch von Nichts, superkurz und herrlich transparent.

Ich feixte. »Dein heißer Anblick bringt mich auf sündige Gedanken.«

Vicky schüttelte ihr seidiges Haar anmutig in den Nacken und schmunzelte. »Wir sind verheiratet. Da sind sündige Gedanken nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.« Sie küsste mich. Ihre Lippen waren weich und warm. Sie nahm meine Hand, die die Kaffeetasse hielt. »Darf ich?« Sie führte die Tasse an ihren Mund und trank einen Schluck. »Schmeckt herrlich«, sagte sie.

»Hab ich selbst hingekriegt.«