Tony Ballard #320: Gottes Gunman - A. F. Morland - kostenlos E-Book

Tony Ballard #320: Gottes Gunman E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

Tony Ballard Band 320 von A. F. Morland Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten. Für die Bewohner von Mystic Town scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Sie leben wie ihre Vorfahren im Wilden Westen und sind glücklich und zufrieden. Doch dann kommt das Böse in ihre Stadt, und es scheint nur einen zu geben, der ihm gewachsen ist: Gottes Gunman.

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Seitenzahl: 110

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A. F. Morland

Tony Ballard #320: Gottes Gunman

Cassiopeiapress Horror-Serie

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

GOTTES GUNMAN

Tony Ballard Band 320

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten.

 

Für die Bewohner von Mystic Town scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Sie leben wie ihre Vorfahren im Wilden Westen und sind glücklich und zufrieden. Doch dann kommt das Böse in ihre Stadt, und es scheint nur einen zu geben, der ihm gewachsen ist: Gottes Gunman.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Was bisher geschah:

Loxagon, der Sohn des Teufels und nach dessen Tod neuer Herrscher im Reich der Finsternis, erschafft Zeeneth, den Höllenrichter, der die größten Feinde der schwarzen Macht vorsorglich exekutieren soll. Doch das Vorhaben scheitert: Der Dämonenhasser Tony Ballard und seine Familie, die ganz oben auf Zeeneths Todesliste standen, überleben – mit Müh und Not allerdings nur, und die Sache ist damit auch längst noch nicht ausgestanden …

Seinen Sohn musste Tony aus einem schwarzmagischen Schnellbrüter befreien, in den er gesteckt worden war, um unter der Einwirkung finsterer Kräfte binnen kürzester Zeit heranzuwachsen und zu einem Feind seines Vaters zu werden. Zwar geht auch dieser Plan der Hölle nicht vollends auf, aber Andrew Ballard ist nun nicht mehr der kleine Junge, der er bei seinem Verschwinden war, sondern ein junger Mann, der nur langsam wieder zu sich und ins Leben findet.

Der Riss, der durch diese Entwicklung in der Beziehung seiner Eltern entstand, ist nicht mehr zu kitten. Vicky Ballard ist das gefahrvolle Leben an der Seite ihres Dämonen jagenden Ehemannes nach Jahren endlich leid und lässt sich scheiden. Andrew, ihr gemeinsamer Sohn, ist durch magische Einwirkung binnen kurzer Zeit zum jungen Mann geworden und will nun in die Fußstapfen seines Vaters treten.

Um Loxagon, der den toten Zeeneth unbedingt in der Hölle haben will, zu täuschen, wird dessen Leichnam in einem Londoner Krematorium verbrannt, und Tony, Mr. Silver und Cruv begeben sich mit dem Kopf des Höllenrichters in die Prä-Welt Coor, um ihn von einem Magier klonen zu lassen. Sie lernen dort Menschen – Erdlinge genannt – kennen, die in Pfahlbauten leben und immer wieder von schwarzen Druiden überfallen und grausam dezimiert werden, und stehen ihnen in ihrem Kampf, der bisher stets aussichtslos war, erfolgreich bei. Ihrem Ziel allerdings kommen sie damit nicht näher, denn Zeeneth lässt sich nicht so einfach klonen. Tony und seine Begleiter müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre dauern kann. Sie sind gezwungen, den Kopf bei dem Magier zu lassen und ohne den neu geschaffenen Höllenrichter auf die Erde zurückzukehren.

Und dann wird der exzentrische holländische Millionär Jan van Vermeer von Sir Aldous Wellington in England zum schwarzen Ritter geschlagen und nimmt aus dessen Händen das Buch des Schreckens entgegen. Als Tony ihm das Buch abjagt, kommt es in Moskau zu einer mörderischen Auseinandersetzung zwischen van Vermeer und dem Dämonenhasser, die Tony Ballard, Mr. Silver und Aristea Manakis, die griechische Geisterjägerin und Tonys neue Kampfgefährtin, zwar für sich entscheiden können – es gelingt ihnen aber nicht, den gefährlichen Feind zu stellen und unschädlich zu machen, so dass dieser erbitterte Kampf wohl schon sehr bald in die nächste Runde gehen wird. Aristea Manakis kehrt nach Griechenland zurück. Sie und Tony gehen wieder getrennte Wege. In Paris, Rotterdam und London laufen plötzlich Menschen Amok. Man steht vor einem Rätsel, dessen Lösung Tony Ballard, Mr. Silver und Boram im nördlichen Polarkreis finden …

Und dann kommt es in Tony Ballards Leben zu einem erfreulichen Paukenschlag: Vicky, seine Ex-Frau, kehrt zu ihm zurück. Sie wurde in New York von Shaolin-Mönchen zu einer hervorragenden Schwertkämpferin ausgebildet. Tony gibt ihr das Höllenschwert Shavenaar, und sie kann in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, erstmals im Kampf gegen den Hexer Yadav zeigen, was sie gelernt hat …

Der völlig apathische Zeeneth ist in einem kleinen Kloster untergebracht. Wann sein Geist wieder funktionieren wird, weiß niemand. Vicky und Tony besuchen Aidan Cox-Ballard in Australien. Sie lernen in dessen Haus Steven M. Frazer, einen ganz und gar außergewöhnlichen Geisterjäger, kennen, und es dauert nicht lange, bis sie in ein sehr gefährliches Abenteuer verstrickt werden. Kaum sind sie wieder in London, wird Cruv entführt. Aber sie können sich an der Suche nach dem sympathischen Gnom nicht beteiligen, weil sie in Sibirien gebraucht werden, wo ein Werwolfrudel – genannt die »Taiga-Teufel« – sein Unwesen treibt. Doch die Hölle rüstet schon zum nächsten Schlag. Loxagon ernennt Yoolapan zum Exekutor und befiehlt ihm, Menschen, die sich zu sehr für wohltätige Zwecke engagieren, zu liquidieren. Tony Ballard kann dem grausamen Treiben zwar Einhalt gebieten, aber Yoolapan entkommt ...

1. Kapitel

Vor Kurzem war Mago, der Jäger der abtrünnigen Hexen auf die Erde zurückgekehrt, und Ayeza, eine abtrünnige Hexe, wusste davon. Sie lebte seitdem in ständiger Angst vor dem grausamen Schwarzmagier und dessen gefährlichen Schergen. Während Magos Abwesenheit hatte Placon, ein äußerst gefräßiger, widerlicher Kannibale, dem gebratenes Hexenfleisch am besten schmeckte, dessen Platz eingenommen.

Auch er war extrem gefährlich, jedoch mit Mago nie zu vergleichen gewesen. Der Schwarzmagier hatte es als impertinente Anmaßung und als persönliche Beleidigung angesehen, dass Placon in seinem Jagdrevier ›gewildert‹ hatte und ihn dafür mit dem Tod bestraft.

Seitdem war Placon Geschichte.

Mago aber leider nicht. Der machte inzwischen wieder auf vielerlei Arten von sich reden, und für Ayeza stand mit besorgniserregender Gewissheit fest, dass sie ihm schon bald begegnen würde.

Die weiße Hexe war aus der Bretagne nach England geflohen, nachdem sie den Teufel getötet hatte, der sie mit Gewalt zu seiner Braut gemacht hatte.

Sie hatte gehofft, hier, in London, untertauchen und fortan ein unauffälliges Dasein in Frieden führen zu können, und eine Zeitlang hatte das auch ganz gut funktioniert. Bis eben Placon ihren Weg gekreuzt und ihr Leben völlig durcheinandergebracht hatte.

Aber nicht nur das. Er hatte auch ihre Hexenschwester Zourah grausam getötet. Ayeza hatte verzweifelt versucht, es zu verhindern.

Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, und deren Lebenspartner, der Ex-Dämon Mr. Silver, hatten ihr beigestanden. Sie hatten Placon zwar in die Flucht jagen können, aber für Zourah war jede Hilfe zu spät gekommen.

Und nun sollte alles noch viel schlimmer kommen – befürchtete Ayeza. Sie fühlte sich seit geraumer Zeit verfolgt und beobachtet und wagte sich kaum noch aus dem Haus, einem alten Backsteingebäude in der Hester Road.

Sie schlief schlecht, wurde immer wieder von bösen Vorahnungen heimgesucht und fühlte sich so unwohl in ihrer Haut, dass sie ernsthaft in Erwägung zog, London zu verlassen. Aber wohin sollte sie gehen?

Sie wusste es nicht. Nur raus aus der Stadt und irgendwo auf dem Land untertauchen? Genügte das? Oder war es besser, gleich der gesamten Insel den Rücken zu kehren und auf einem anderen Kontinent neu anzufangen?

Wohin du auch gehst, er wird es wissen, dachte sie deprimiert. Seine Schergen werden dir überall hin folgen und ihm berichten, wo du dich verkrochen hast, und dann wird er kommen und dir dort dein Leben nehmen. Du bist nirgendwo vor Mago sicher.

Ayeza trat ans Fenster und sah hinaus. Sie war eine große, schlanke, sehr gepflegte Frau mit brünetten Haaren. Ihr nervöser Blick suchte die menschenleere Straße ab. Ihre Finger spielten mit dem milchweißen Vorhang.

Diese Stille war ihr nicht geheuer. Sie kam ihr höchst trügerisch vor. Ayeza vermeinte zu spüren, dass ihr Gefahr drohte – wenngleich sie sie auch nicht sehen konnte. Sie ist da draußen, sagte sie sich furchtsam. Und sie wartet darauf, tödlich zuzuschlagen.

Als das Telefon läutete, fuhr sie erschrocken herum. Sie starrte den Apparat entgeistert an. Ihre Nerven vibrierten, und sie biss sich aufgeregt auf die Lippen. Reiß dich zusammen, Ayeza!, ermahnte sie sich im Geist. Das ist sicher Yuri. Er hat gesagt, dass er dich heute anrufen wird.

Sie gab sich einen Ruck, ging rasch zum Telefon und schnappte sich den Hörer. »Ja?«

Stille am andern Ende.

»Hallo?«

Keine Antwort.

»Hallo!«

Nichts.

Ayeza rieselte es kalt über den Rücken. Ihre Lider zuckten. Sie bereute schon, den Hörer abgenommen zu haben. »Wer ist da?«, wollte sie wissen. »Warum melden Sie sich nicht?«

»A-y-e-z-a-a-a …«, kam es gespenstisch durch den Draht.

Sie schauderte. »Wer sind Sie?«

»A-y-e-z-a-a-a …«, wiederholte der unheimliche Anrufer.

Die weiße Hexe bekam eine Gänsehaut. Sie legte hastig auf und trat einen Schritt zurück, als würde vom Apparat eine tödliche Gefahr ausgehen.

Mit diesem Psychoterror will Mago mich zermürben, dachte Ayeza fröstelnd. Verflucht seist du, Schwarzmagier. Verflucht in alle Ewigkeit.

Das Telefon läutete wieder. Ayeza zuckte zusammen, stieß einen spitzen Schrei aus und umarmte sich ängstlich, als könnte sie sich auf diese Weise schützen.

Sie schüttelte heftig den Kopf. »Nein«, krächzte sie. »Hör auf. Verdammt, hör auf zu läuten.«

Doch der Apparat machte so lange weiter, bis sie abermals abhob. Sie rechnete mit einem neuerlichen langgezogenen, unheimlichen »A-y-e-z-a-a-a …«, aber es kam zum Glück anders. »Hier spricht dein lieber Freund Yuri«, sagte der Anrufer mit deutlich russischem Akzent.

Ayeza atmete erleichtert auf.

Yuri Balnikow hörte es. »Ist irgendetwas nicht in Ordnung?«, erkundigte er sich sofort.

Er war ein sehr hellhöriger, außerordentlich feinfühliger und äußerst sensibler Mann, kam aus St. Petersburg, lebte aber schon seit »ewigen Zeiten« in England.

Zuerst in Dover.

Dann in Birmingham.

Und nun schon seit zehn Jahren in London. Er war Antiquitätenhändler und kaufte und verkaufte sakrale Devotionalien wie Ikonen, Andachts- und Votivbilder, Medaillen, Heiligenfiguren und dergleichen mehr.

Da aber auf diesem Gebiet sehr viele Fälschungen (sogar mit besten Expertisen und prunkvollen Zertifikaten) unterwegs waren, ließ er alle Eingänge gerne von Ayeza überprüfen. Als weiße Hexe wusste sie immer sofort, ob eine Ware echt oder falsch war, deshalb waren ihre Dienste für ihn im Laufe der Jahre unverzichtbar geworden, und er ließ sich das auch etwas kosten, bezahlte Ayeza stets äußerst großzügig.

»Ist die Sendung eingelangt?«, wollte Ayeza wissen.

»Vor wenigen Minuten«, antwortete Yuri Balnikow mit seiner angenehmen Bassstimme. »Kannst du herkommen und sie dir ansehen?«

Ayeza sagte Ja und verließ gleich darauf ihr Haus. Es war nicht weit bis zu Yuris Antiquitätenladen. Zu Fuß zehn Minuten. Wenn man rasch ging.

Und das tat Ayeza, weil sie sich allein auf der Straße nicht sicher fühlte. Sobald sie die Hester Road hinter sich gelassen hatte, begegnete sie ersten Passanten.

Ihre Nervosität ebbte sogleich ab. Ein Kabriofahrer – Typ mächtiger Angeber – bot ihr verwegen grinsend an, sie ein Stück mitzunehmen.

Sie aktivierte unmerklich ihre Hexenkräfte und sorgte dafür, dass der Motor seines Wagens zu stottern begann und schließlich abstarb. »Sie erwarten doch nicht etwa von mir, dass ich Ihnen helfe, Ihre altersschwache Karre durch die Stadt zu schieben«, versetzte sie spöttisch und überquerte stolz erhobenen Hauptes die Fahrbahn.

Der verhinderte Aufreißer stieg zornig aus und versetzte dem Cabriolet, das ihn so sehr blamiert hatte, einen giftigen Tritt. Dann klappte er die Motorhaube hoch und streckte ratlos seinen Kopf darunter.

Ayeza bog in die Straße ein, in der sich Yuri Balnikows Antiquitätenladen befand. Der Russe wohnte hier auch. Vorne gab es einen Schauraum, dahinter eine Restaurationswerkstatt, ein Lager, ein Büro und eine gemütliche kleine, geschmackvoll eingerichtete Wohnung.

Als Ayeza die Ladentür öffnete, bimmelte über ihrem Kopf ein babyfaustgroßes Glöckchen. Yuri hätte jetzt eigentlich erscheinen müssen.

Er ließ sich aber nicht blicken.

»Yuri?«, rief die weiße Hexe.

Er antwortete nicht.

»Hey, Yuri!« Sie nahm an, dass er sich im Lager aufhielt, ging durch den Verkaufsraum und öffnete eine Schiebetür aus dunklem, matt glänzendem Eichenholz. »Hallo-ho!«

Düsternis und Stille …

Auf zwei Aluminiumböcken stand eine roh gezimmerte Holzkiste. Die Sendung, die Yuri erwartet hatte. Einen Meter lang, vierzig Zentimeter breit und dreißig Zentimeter hoch. Sie war noch geschlossen.

Auf dem Deckel lag ein handlicher Makita-Akku-Schrauber. Von Yuri keine Spur. Ayeza suchte den Freund in der Werkstatt und im Büro.

Es sah überall so aus, als wäre der Russe vor wenigen Augenblicken noch hier gewesen. Da Yuri Balnikow weder im Schauraum noch in der Werkstatt, noch im Lager und auch nicht in seinem Büro war, suchte ihn die abtrünnige Hexe in seiner Wohnung. Und da fand sie ihn.

Teile von ihm.

Und natürlich tot.

 

Ich biss versonnen auf meinem Lakritzenbonbon herum, speichelte es genüsslich ein und schob es mit der Zunge mal von links nach rechts und mal von rechts nach links. Der Geschmack der Lakritze ist nicht jedermanns Sache, aber ich bin ein erklärter, langjähriger Fan davon.

Lakritze und Pernod gehören zu Tony Ballard wie Stan Laurel zu Oliver Hardy. Oder Bud Spencer zu Terence Hill. Oder Bonnie zu Clyde. Oder Romeo zu Julia. Oder Simon zu Garfunkel. Oder Dolce zu Gabbana …

Wir hatten Gäste. Unsere Freunde und Nachbarn waren zu uns herübergekommen. Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, und der Ex-Dämon Mr. Silver.

Und unser Gesprächsthema war leider kein besonders Erfreuliches. Handelte es sich doch um Yoolapan, Loxagons gefährlichen Exekutor, dessen Aufgabe es war, Menschen zu liquidieren, die zu viel Gutes taten, weil der Hölle so etwas logischerweise ein Dorn im Auge ist.

Der schlangenhäuptige Bastard war uns bedauerlicherweise entkommen, und nun rätselten meine Frau Vicky, die weiße Hexe und der Silberdämon herum, wohin sich das Wesen aus den Dimensionen der Verdammnis abgesetzt hatte und ob es eine Möglichkeit gab, es ausfindig zu machen und zu vernichten. Vicky trug ein sexy Hauskleid aus scharlachrotem Samt. Sie hatte ihr blondes Haar hochgesteckt, wodurch ihr schlanker Hals besonders gut zur Geltung kam, und in ihren veilchenblauen Augen glänzten Intelligenz, Esprit und Charme.

Wir kamen mit unseren gemeinsamen Überlegungen auf keinen grünen Zweig. Mr. Silver meinte: »Wahrscheinlich müssen wir warten, bis Yoolapan wieder aus der Versenkung hochkommt und seine üblen Taten fortsetzt.«

Ich rümpfte die Nase. »Gefällt mir nicht.«

Der Hüne mit den Silberhaaren hob die breiten Schultern. »Ich wüsste nicht, was wir sonst tun könnten, Tony.«

Ich schluckte meinen lakritzgetränkten Speichel. Roxane wechselte das Thema. Sie erwähnte Mago, den Schwarzmagier, einen unserer erbittertsten Erzfeinde.

Ein wahres »Stehaufmännchen«, das einfach nicht tot zu kriegen war, sosehr wir das in der Vergangenheit auch immer wieder versucht hatten.

Der Jäger der abtrünnigen Hexen hatte uns kürzlich einen sehr geschmacklosen Streich gespielt. Er hatte mir einen grauenvoll realistischen Albtraum geschickt, von dem mich Mr. Silver nur mit großer Mühe befreien konnte.

Das war eine höchst widerwärtige Machtdemonstration des Schwarzmagiers gewesen, für die ich mich liebend gern persönlich bei ihm »bedankt« hätte.

Mit einem durch meinen magischen Ring verstärkten Faustschlag in die abstoßend hässliche granitgraue Fresse, damit ihm ein für alle Mal Hören und Sehen verging. Aber würde ich jemals so nahe an ihn herankommen?

Der grausame Schwarzmagier war eine äußerst ernst zu nehmende Bedrohung für Roxane und alle anderen weißen Hexen. Ein Damoklesschwert, von dem niemand wusste, wann es todbringend herabsausen würde.

Verschärft wurde die latente Gefahr durch Magos widerliche Schergen – schwarze Peitschen schwingende ghoulähnliche gedrungene Wesen mit grüner, glänzender Haut, stumpfen Hörnern und gelben Rattenzähnen.