Tony Ballard 62: Irrfahrt in die Zwischenwelt - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard 62: Irrfahrt in die Zwischenwelt E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

Dämonenhasser Tony Ballard Band 62von A. F. Morland Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten. Ich machte mir Sorgen um Mr. Silver. Ernsthafte Sorgen. Es ging ihm nicht gut. Bisher hatte ich ihn für so gut wie unverwundbar gehalten. Nur ein einziges Mal - am Beginn unserer Bekanntschaft – hatte ich befürchtet, ihn zu verlieren. Damals war er nach einem magischen Spinnenbiss in eine Legion von Spinnen zerfallen, aber es war mir gelungen, diesen verfluchten Zauber rückgängig zu machen.Das war lange her, und wir dachten nicht mehr daran.Doch nun fiel es mir wieder ein. Weil ich wieder um den Freund fürchten musste.Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner.Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

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A. F. Morland

Tony Ballard 62: Irrfahrt in die Zwischenwelt

Cassiopeiapress Horror

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Irrfahrt in die Zwischenwelt

Dämonenhasser Tony Ballard Band 62

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner.

Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

"Edition A. F. Morland" ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2016

Prolog

Manchmal stellt das launische Schicksal grausam die Weichen, und wir können nichts weiter

tun, als uns auf den vorgelegten Schienen zu bewegen. Vielleicht wäre alles anders gekommen,

wenn wir nicht Lathor, dem Mann mit dem Wolfsschwert, begegnet wären, aber wir gerieten an

ihn, und er hinterließ ein schreckliches Erbe. Der Tod hing über meinem Haus.

Und es gab nur eine Möglichkeit, ihn abzuhalten.

Ich musste mich ins Reich der grünen Schatten begeben…

1

Ich machte mir Sorgen um Mr. Silver. Ernsthafte Sorgen. Es ging ihm nicht gut. Bisher hatte ich ihn für so gut wie unverwundbar gehalten. Nur ein einziges mal - am Beginn unserer Bekanntschaft – hatte ich befürchtet, ihn zu verlieren. Damals war er nach einem magischen Spinnenbiss in eine Legion von Spinnen zerfallen, aber es war mir gelungen, diesen verfluchten Zauber rückgängig zu machen.

Das war lange her, und wir dachten nicht mehr daran.

Doch nun fiel es mir wieder ein. Weil ich wieder um den Freund fürchten musste.

Wir hatten Lathor, den Mann mit dem Wolfsschwert, unschädlich gemacht. Es war ein erbitterter

Kampf gewesen, in dessen Verlauf Mr. Silver verletzt worden war.

Lathor hatte sein Schwert umgedreht und es bei der fluoreszierenden Klinge gepackt. Der Griff, der in einen Wolfskopf endete, war gegen den Ex-Dämon, dessen Körper zu Silber erstarrt war, gerichtet gewesen. Mr. Silver hatte gedacht, es könne ihm nichts passieren.

Da war der Wolfskopf lebendig geworden.

Mein Freund und Kampfgefährte hatte trotzdem keine Furcht gezeigt. Er hätte vorsichtiger sein

sollen. Aber wer hätte ahnen sollen, dass dieser Wolfskopf den Hünen mit den Silberhaaren verletzen konnte? Die Bestie schlug meinem Freund die Reißzähne in die linke Schulter.

Der Ex-Dämon war über den Schmerz ebenso überrascht gewesen wie ich. Mit vereinten Kräften, und vor allem mit Hilfe meines Dämonendiskus, jener milchig silbrigen Scheibe, die ich an einer Kette um den Hals trug, gelang es uns, Lathor fertigzumachen.

Und der Verletzung maß Mr. Silver keine weitere Bedeutung bei. Das wird schon wieder, so in etwa hatte er gemeint.

Aber es wurde nicht wieder.

Vielleicht waren die Fangzähne des Wolfs vergiftet gewesen. Ich weiß es nicht. Jedenfalls erholte

sich Mr. Silver nicht von dieser verfluchten Verletzung. Im Gegenteil, ich konnte beobachten, wie es ihm Tag für Tag schlechter ging. Er litt an Appetitlosigkeit. Er trank nichts. Er redete kaum ein Wort.

Die meiste Zeit hockte er irgendwo und starrte ins Leere. Er verlor an Kraft und Gewicht. Manchmal, wenn er durch den Living-room schritt, hatte ich den Eindruck, ein alter Mann würde an mir vorbeigehen.

Am Montag hatte er gesagt: »Mach dir um mich keine Sorgen, Tony. Unkraut vergeht nicht.« Er

versuchte zu lächeln, aber es fiel kläglich aus.

»Kann ich nichts für dich tun, Silver? Gar nichts?«

Er zuckte mit der rechten, gesunden, Schulter. »Ich wollte es nicht wahrhaben. Jetzt weiß ich, dass ich krank bin. Jede Krankheit dauert ihre Zeit. Ich werde sie überwinden.«

Das war Montag gewesen.

Am Dienstag hatte ich mir die Verletzung angesehen. Mr. Silver hatte es zuerst nicht zulassen

wollen. Er protestierte, aber ich setzte mich durch. Das allein zeigte schon, wie kraftlos er geworden

war.

Ich erschrak. Die Bisswunde hatte sich violett verfärbt. Die Schulter war stark geschwollen. Der Ex-Dämon hatte versucht, seine übernatürlichen Fähigkeiten zu aktivieren, um den Genesungsverlauf zu beschleunigen, doch er hatte damit nichts erreicht, außer, dass er hinterher noch entkräfteter war.

Ich rief Roxane, Mr. Silvers Freundin, herein - eine grünäugige Schönheit mit langen schwarzen

Haaren, die wie Rabenfedern glänzten. Sie war eine Hexe aus dem Jenseits, die dem Bösen

abgeschworen hatte, genau wie Mr. Silver. Die beiden hatten einander schon geliebt, bevor ich von

Mr. Silvers Existenz Kenntnis hatte. Vor etwa einem halben Jahr war Roxane zu uns gestoßen, und

seither gehörte sie zum Ballard-Team, war eine wertvolle Verstärkung, denn auch sie verfügte über

übernatürliche Talente.

»Sieh dir das an«, sagte ich zu ihr.

Mr. Silver wollte sein Hemd über die Schulter ziehen.

»Keine falsche Scham, Silver«, sagte ich. »Sie ist deine Freundin, vor ihr brauchst du dich doch

nicht zu genieren.«

« Warum nicht?«

« Weil sie dann merkt, dass du uns allen was vorzuspielen versuchst?«, fragte ich

ärgerlich. »Immer wenn wir dich fragen, wie es dir geht, behauptest du, es ginge schon ein bisschen

besser. Dabei wird es mit dir immer schlechter.«

Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, betrachtete den Wolfsbiss beunruhigt. »Dieser verfluchte

Lathor!«

»Lass nur«, feixte Mr. Silver. »Der ist erledigt.«

»Aber er hat etwas zurückgelassen. Eine Zeitbombe der Hölle. Silver, warum bist du mir gegenüber nicht ehrlich gewesen? Vielleicht hätte ich dich im Anfangsstadium noch heilen können.«

»Versuch es jetzt, Roxane«, sagte ich.

»Die Krankheit ist bereits zu weit fortgeschritten.«

»Versuch es trotzdem.«

Roxane legte dem Ex-Dämon ihre Hände auf die Schulter. Sie aktivierte magische Heilströme, doch kaum flossen sie in Mr. Silvers Fleisch, da brüllte der Ex-Dämon wie ein schwer getroffener Stier auf und drehte sich zur Seite. Silbriger Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er stöhnte, dass es mir das Herz zusammenkrampfte.

»Das darfst du nicht noch mal tun, Roxane«, sagte er heiser. »Das halte ich nicht aus.«

»Ich war so vorsichtig wie möglich«, sagte die Hexe.

»Ihr wisst, ich kann die Zähne zusammenbeißen und Schmerzen ertragen, aber das war zu viel«,

stöhnte der Ex-Dämon. »Ich bitte auch, lasst mich allein. Ich komme schon wieder auf die Beine. Aber versucht nicht, die Sache zu beschleunigen. Das ist unmöglich.«

Das sagte er am Dienstag.

Am Mittwoch hatte der Ex-Dämon - so etwas hatte ich bei ihm überhaupt noch nie erlebt - Fieber.

Und das gleich so hoch, wie es kein Mensch ausgehalten hätte. Ein Glück, dass er kein Mensch war.

Die Skala des Thermometers reichte nicht aus, um anzuzeigen, wie erhitzt sein Körper war.

Und wieder stand ihm silbriger Schweiß auf der Stirn. Die Krankheit schwächte ihn mehr und mehr.

Sie höhlte ihn aus. Der starke Hüne verfiel zusehends. Vicky Bonney, meine blonde, blauäugige

Freundin, konnte nicht mehr arbeiten. Sie war Schriftstellerin und sehr sensibel. Mr. Silvers Zustand

beunruhigte sie so sehr, dass sie sich nicht mehr konzentrieren konnte. Sie musste ihren Verleger

anrufen und ihn bitten, den vereinbarten Termin zu verschieben. Als er hörte, was der Grund für

Vickys erstmalige Bitte war - denn normalerweise war sie pünktlich wie ein Maurer - zeigte er

vollstes Verständnis.

»Lassen Sie sich Zeit, Miss Bonney. Wir kommen mit dem Buch auch noch rechtzeitig raus, wenn Sie das Manuskript erst in vier Wochen abliefern. Bis dahin wird es Mr. Silver bestimmt schon wieder gut gehen.«

»Hoffentlich«, sagte Vicky ernst.

»Bestimmt. Mr. Silver ist ein kraftstrotzender Bursche…«

»Das war er mal. Sie müssten ihn jetzt sehen. Er ist nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst.«

»Er kommt durch, davon bin ich überzeugt.«

Vicky nahm an, der Verleger sagte das bloß, um ihr Mut zu machen, aber die Worte vermochten sie nicht zu trösten.

Der Ex-Dämon schlief an diesem Tag viel.

»Vielleicht tut ihm das gut«, meinte Roxane.

Ich schlug mit der geballten Rechten in die offene Linke. »Zum Teufel, dieses Untätigsein macht

allmählich auch mich krank. Ich möchte Silver helfen, kann es aber nicht. Das zermürbt mich.«

Während der Ex-Dämon schlief, schauten wir uns wieder seine Verletzung an. Die Wundränder

wurden langsam schwarz. Das Fleisch schien abzusterben. Mr. Silver mit nur einem Arm! O mein

Gott…

»Ich kann ihn schon nicht mehr ansehen«, seufzte ich. Mein Blick richtete sich drängend auf

Roxane. »Gibt es denn keine Möglichkeit, etwas für ihn zu tun? Wir können doch nicht tatenlos

zusehen, wie er langsam dahinsiecht. Bald wird er zu schwach sein, um die Augen öffnen zu können.«

»Du hast gesehen, wie er auf meine Heilmagie reagiert hat«, erwiderte die Hexe aus dem Jenseits.

»Aber irgend etwas muss man doch für ihn tun können!«

»Wenn ich wüsste, was, hätte ich es schon längst getan, Tony«, sagte Roxane.

Am Donnerstag wurde unser Freund von einem schrecklichen Schüttelfrost befallen. Dazu peinigten ihn entsetzliche Alpträume. Er drehte sich ruhelos im Bett hin und her, phantasierte, schrie, schlug mit seiner rechten Faust um sich.

Ich stand erschüttert an seinem Bett. Sein Gesicht kam mir fremd vor. Ich sah nicht mehr die

vertrauten markanten Züge. Die Wangen waren eingesunken. Das Gesicht wirkte abgezehrt. Ich hatte einen schwer Leidenden vor mir, für den ich nichts tun konnte - außer beten.

Als es an diesem Donnerstag immer schlimmer mit Mr. Silver wurde, rief ich in meiner

Verzweiflung den Arzt an. Zu meinem Pech war unser Hausarzt nicht verfügbar. Ich erfuhr, dass er zu einem Kongress in Paris gefahren war. Dr. Edward Manners hatte die Vertretung. Also bat ich ihn, zu uns zu kommen.

Er war ein mittelgroßer Mann mit fleischiger Nase und grau meliertem Vollbart. Als er Mr. Silver

sah, schaute er mich überrascht an. Kein Wunder, der Hüne hatte Haare und Augenbrauen aus

Silberfäden.

Ich erklärte Dr. Manners, wer Mr. Silver war, und ich sagte dem Arzt, was dem Ex-Dämon

zugestoßen war.

»Ich fürchte, in diesem Fall kann ich Ihnen kaum Hoffnung machen, Mr. Ballard«, sagte der Doktor.

»Wenn Ihr Freund kein Mensch ist, wie soll er da auf unsere Medikamente ansprechen? Noch dazu, wo die Verletzung nicht weltlichen Ursprungs ist.«

Dr. Manners untersuchte den Hünen mit den Silberhaaren gründlich. Aus der Bisswunde floss ein gallertartiges Sekret, das einen fauligen Geruch verbreitete.

Nach der Untersuchung gab Dr. Manners dem Ex-Dämon eine Spritze. Doch statt zu helfen,

verschlimmerte das Serum Mr. Silvers Zustand nur noch mehr. Der Ausfluss der gallertartigen Masse intensivierte sich.

Dr. Manners hob seufzend die Schultern. »Sie sehen selbst, Mr. Ballard. Hier muss die ärztliche

Kunst versagen. Da Ihr Freund kein Mensch ist, kann ihm auch kein Mensch helfen. Vielleicht gibt es anderswo Arzneien oder Heilmittel, mit deren Hilfe er wieder genesen würde…«

»Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind, Dr. Manners.«

»War doch selbstverständlich, Mr. Ballard.«

»Welche Chancen geben Sie meinem Freund?«

»Schwer zu sagen. Ich kenne diese Krankheit nicht.«

Ich brachte Edward Manners zur Tür. Von dieser Stunde an geisterten seine Worte fortwährend in

meinem Kopf herum. »Vielleicht gibt es anderswo Arzneien oder Heilmittel, mit deren Hilfe er

wiedergenesen würde…« ANDERSWO! Aber wo? Am späten Freitagnachmittag sprach ich mit Roxane darüber, und dieser Denkanstoß brachte sie in Schwung.

»Anderswo!«, sagte sie erregt. »Du meinst, in einer anderen Welt, Tony.«

»Ja.«

Die Hexe aus dem Jenseits schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. »Wieso bin ich nicht

schon früher darauf gekommen?«

»Worauf?«

»Im Reich der grünen Schatten gibt es ein Heilkraut, das Mr. Silver helfen würde. Es wird im

Wolfsschrein aufbewahrt, soviel ich weiß.«

»Wo befindet sich dieses Reich der grünen Schatten?«, fragte ich hastig.

Wenn es für mich einen Weg dorthin gab, würde ich ihn bedenkenlos einschlagen.

»In einer anderen Dimension«, sagte Roxane. »Es ist eine gefahrvolle Welt, in der zwei Stämme

leben, die sich fortwährend bekriegen. Wer sich dorthin wagt, riskiert, zwischen die Fronten zu

geraten.«

»Das ist mir egal. Ich bin entschlossen, das Heilkraut aus dem Wolfsschrein zu holen.«

»Es wird scharf bewacht. Nicht jeder kann es haben.«

»Ich kriege es«, sagte ich trotzig. »Du brauchst mir nur zu verraten, wie ich ins Reich der grünen

Schatten gelange. Alles andere kannst du getrost meine Sorge sein lassen.«

»Denkst du, ich lasse dich allein in die andere Dimension gehen, Tony?«

»Du musst bei Silver bleiben.«

»Vicky kann sich um ihn kümmern.«

»Das mache ich gern«, sagte Vicky Bonney. »Ich tue für Silver alles in meiner Macht Stehende.

Wenn du denkst, dass ihr zu zweit im Reich der grünen Schatten mehr Chancen habt, Roxane, dann bin ich dafür, dass du Tony begleitest. Ich möchte ihn nicht in einer anderen Welt verlieren. Ich möchte, dass er heil wiederkommt. Mit dem Kraut, das Silver hilft.«

»Na schön«, sagte ich zu Roxane. »Dann packen wir’s eben gemeinsam.«

»Mach dich auf ein hartes Abenteuer gefasst, Tony«, warnte mich die Hexe aus dem Jenseits.

»Ich habe keine Angst. Verrate mir endlich, wie man in das Reich der grünen Schatten gelangt.«

»In Waltham Abbey gibt es eine alte Schlossruine.«

Ich nickte. »Die kenne ich!«

»Diese Ruine ist der Einstieg ins Reich der grünen Schatten.«

»Du meinst, in dieser Ruine befindet sich ein Dimensionstor?«

»Richtig, Tony. Aber man braucht Parakräfte, um es aufstoßen zu können.«

»Die besitzt du zum Glück ja.«

»Allein deshalb ist es schon wichtig, dass ich mitkomme.«

Ich erinnerte mich daran, schon mal in dieser unheimlichen Schlossruine gewesen zu sein. Man hatte mir erzählt, dass es dort spukte, und ich hatte mich nachts in dem verwitterten Gemäuer umgesehen, doch mir war nichts Verdächtiges aufgefallen. Aber jetzt, wo ich wusste, dass die Ruine ein Dimensionstor war, begriff ich, dass es mit den Schauergeschichten, die man sich erzählte, etwas auf sich haben musste, denn man konnte durch das Tor nicht nur ins Jenseits gelangen, sondern konnte vom Jenseits auch ins Diesseits herüberwechseln.

»Wenn ich mich nicht irre, wird das Tor neuerdings bewacht«, sagte Roxane.

»Macht nichts, wir stoßen es trotzdem auf«, gab ich zurück und erhob mich. Ich begab mich zur

Hausbar und goss mir einen Pernod ein. Da ich nicht wissen konnte, wie lange ich auf mein

Lieblingsgetränk verzichten müssen würde, genoss ich jeden einzelnen Schluck.

Nachdem ich das Glas geleert hatte, fragte ich Roxane: »Können wir gehen?«

»Ich sehe nur noch mal nach Silver«, sagte die Hexe.

Während sie das Wohnzimmer verließ, nahm ich Vicky Bonney in die Arme und küsste sie auf die vollen roten Lippen.

»Sei vorsichtig, hörst du?«, sagte sie leise.

»Sei unbesorgt, ich komme wieder.«

»Roxane sagte, es würde gefährlich werden.«

»Sie hätte das lieber für sich behalten sollen. Aber ich denke, ich habe in der Vergangenheit oft

genug bewiesen, dass ich mich meiner Haut zu wehren weiß.«