Tony Ballard #81: Die Falle des Zyklopen - A. F. Morland - E-Book

Tony Ballard #81: Die Falle des Zyklopen E-Book

A. F. Morland

0,0

Beschreibung

Dämonenhasser Tony Ballard Band 81 von A. F. Morland Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten. Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 115

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



A. F. Morland

Tony Ballard #81: Die Falle des Zyklopen

Cassiopeiapress Horror-Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Falle des Zyklopen

Dämonenhasser Tony Ballard Band 81

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

 

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner.

Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

„Edition A. F. Morland“ ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2017

Prolog

Das Moor schien zu dampfen.

Todesmoor wurde es seit jeher genannt, und das hatte seinen guten Grund, denn schreckliche Dinge hatten sich hier zugetragen. Heute erinnerten nur noch schaurige Geschichten daran. Legenden rankten sich um das Todesmoor. Unheimliche Sagen existierten. Vor vielen Jahren sollte sich hier ein blutrünstiger Zyklop versteckt haben. Grausam sollte der Einäugige in der Gegend gewütet haben. Niemand war vor ihm sicher gewesen.

Eines Tages hatte der Spuk von selbst ein Ende genommen. Die Menschen hatten es nicht glauben können. Nach so vielen Jahren des Schreckens und der Knechtschaft endlich Ruhe und Frieden. Das war fast zu schön, um wahr zu sein.

Man traute dem Frieden nicht. Die Angst blieb, wurde aber ins Unterbewusstsein verdrängt. Nur ab und zu flackerte sie in den Menschen auf.

1

An hohen kirchlichen Festtagen beteten die Menschen, die Bestie aus dem Todessumpf möge nicht mehr aktiv werden. Von Jahr zu Jahr wurde diese Bitte erneuert.

Aber es gab auch andere.

Elemente, die dem Bösen zugetan waren, denen es ein Dorn im Auge war, dass Ruhe und Frieden eingekehrt waren. Wenn die Gläubigen zu ihrem Gott beteten, gingen die andern hin und beteten zu Asmodis. Sie flehten ihn an, das Böse wiederaufleben und sie daran teilhaben zu lassen.

Immer wieder zogen sie in finsteren Nächten zum Todesmoor, um die Mächte der Finsternis zu beschwören.

Heute war wieder eine solche Nacht. Bleiern lastete sie über dem schwarzen Moor, das zu atmen schien. Die wenigen Personen, die sich zu einer geheimen Zyklopen-Sekte zusammengefunden hatten, steckten ihre schwarz magischen Fackeln in den weichen Boden. Es roch nach Fäulnis und Moder. Der jahrtausendealte Brei glänzte stumpf, und niemand wusste, wie viele Menschen er schon verschlungen hatte.

Von den blakenden Fackeln krochen dünne Rauchschwaden über die Sumpfoberfläche. Wie Geisterfinger tasteten sie das düstere Moor ab. Lautlos betupften sie den welligen Brei, der hin und wieder eine Blase gebar, die mit einem gespenstischen Gluckern zerplatzte. Die Legenden schienen zu stimmen, die behaupteten, dass sich unseliges Leben im Todesmoor befand.

Geisterhafte Schatten tanzten auf den Gesichtern der Männer und Frauen, die sich eingefunden hatten, um ihr schwarzes Gebet zu verrichten. Sie wussten, dass die Mächte der Finsternis sie eines Tages erhören würden. Dann gehörten sie der schwarzen Macht an, und ihr Herr war ein mächtiger Zyklop, dem sie bedingungslos ergeben sein würden.

Sie fühlten sich als Auserwählte.

Der harte Kern der Sekte, den sie bildeten, würde sich wie ein Krebsgeschwür vergrößern, wenn erst einmal die Mächte der Finsternis aktiv geworden waren. Die Zyklopen-Sekte würde sich eines großen Zulaufs erfreuen, und ihre Mitglieder würden die Lehren der Hölle ins Land tragen.

Am Rande des Todesmoors sanken sie auf die Knie, fassten sich bei den Händen und riefen mit fester Stimme, was ihnen ihr Wortführer vorsagte. Hallend zitterten die Worte über den Sumpf.

»Herr der Finsternis!«, sagte der Sektenführer.

»Herr der Finsternis!«, schallte es aus den Kehlen der anderen.

»Bezwinger des Lichts!«

»Bezwinger des Lichts …«

»Erhöre unser Gebet!«

»Erhöre unser Gebet …«

Der Sektenführer sprach mit erhobener Stimme weiter. Er pries das Böse, um das sich jeder der Anwesenden mehrfach verdient gemacht hatte, und er ließ nicht unerwähnt, dass die Mitglieder der Zyklopen-Sekte würdig waren, ein Bündnis mit der finsteren Macht zu schließen.

Vom Todesmoor waren einst schreckliche Geschehnisse ausgegangen. Der Satans-Zyklop hatte gewütet, und diese Zeit sollte wiederauferstehen. Mit all ihren Gräuel und Schrecknissen.

Die knienden Sektenmitglieder beendeten ihr schwarzes Gebet und ließen einige Zeit verstreichen. Es lag beim Bösen zu reagieren. Wenn es nicht wollte, konnte kein Mensch es zwingen.

Wie stets, wenn es mit dem Ruf in die Finsternis nicht geklappt hatte, war der Anführer der Zyklopen-Sekte enttäuscht. »Wieder nichts«, brummte er. »Und dabei dachte ich, dass wir heute Nacht Glück haben könnten, denn man nennt diese Nacht die Teufelsnacht. In dieser Zeit ist das Böse den Menschen gegenüber besonders aufgeschlossen.« Er wollte sich erheben. Da machte ihn jemand auf etwas Sonderbares aufmerksam.

Ein Irrlicht geisterte über das Todesmoor. Es kam von nirgendwo her, entstand aus sich selbst, huschte auf das Zentrum des Sumpfs zu und blieb dann über der glänzenden Oberfläche in der Luft hängen.

Faustgroß war es zunächst nur, aber es wuchs. Zuerst in die Breite, dann nach oben. Dämpfe wallten aus ihm hervor, grünbraun. Sie wirbelten hoch und ließen in ihrer Mitte eine grauenerregende Gestalt wachsen.

Gespannt verfolgten die Mitglieder der Zyklopen-Sekte, was sich vor ihren Augen abspielte.

Bildete sich dort ein Zyklop? Das blutrünstige Ungeheuer von einst?

Die Schwaden und Dämpfe krochen an der Gestalt ruhelos auf und ab wie die Hände eines Bildhauers, der seinem Kunstwerk den letzten Schliff gibt. Die Sektierer vernahmen ein leises Prasseln, so, als ob die Gestalt über dem Moor brennen würde.

»Endlich«, sagte der Sektenführer glücklich. »Freunde, endlich wurde unser schwarzes Gebet erhört! Wir haben unser Ziel erreicht! Die Macht wird fortan unser sein!«

Die Schwaden legten sich, wurden zu einem körperlosen Podest, auf dem jemand stand, dessen Scheußlichkeit unüberbietbar war. Das war kein Zyklop. Das war ein anderes Schattenwesen. Die Sektenmitglieder hatten keine Ahnung, wer es war. Sie hofften, es von ihm zu erfahren.

Furchtlos hob der Anführer der Sektierer den Kopf. »Wer bist du?«, fragte er mit fester Stimme.

»Ich bin Phorkys, der Vater der Ungeheuer!«, grollte die Stimme des Unheimlichen über den Sumpf.

Phorkys war ein absolutes Bild des Schreckens. Er hatte von jedem Ungeheuer, das er geschaffen hatte, selbst etwas an sich. Seine Haut war geschuppt wie die eines Drachen, die Zähne waren die eines Ghouls, er hatte die Schnauze des Werwolfs, das Schlangenhaar der Gorgonen, die Krallen eines Wertigers und so fort …

Phorkys, der Erschaffer der Bestien. Unzählige Ungeheuer hatte er der Menschheit schon entgegengestellt, und er schuf immer wieder neue Höllenwesen, die für Leid, Not und Tod auf der Welt sorgten. Das machte ihm Freude. Das bereitete ihm Vergnügen. Er selbst hielt sich zumeist im Hintergrund. Er lenkte das Spiel gern aus der Ferne, liebte den offenen Kampf nicht, dafür um so mehr die Intrige.

Er war mit Rufus, dem Dämon mit den vielen Gesichtern, und mit Atax, der Seele des Teufels, befreundet. Mit Rufus hatte er sich schon einmal gegen einen Dämonenhasser namens Tony Ballard verbündet, doch auch gemeinsam war ihnen kein Erfolg beschieden gewesen. Seither gingen sie wieder getrennte Wege. Aber sie waren weiterhin Freunde. Brüder im Bösen.

»Ihr habt zur Hölle gebetet«, sagte Phorkys.

»Ja, erhabener Herr«, antwortete der Anführer der Zyklopen-Sekte. »Wir tun dies schon sehr lange. Immer wieder. Unermüdlich. Wir wussten, dass man uns eines Tages erhören würde.«

»Ihr wollt die alten Zeiten wieder aufleben lassen.«

»Ja«, sagte der Wortführer. »Hier lebte einst ein mächtiger Zyklop.«

»Das weiß ich. Er wurde in eine andere Dimension abberufen und mit neuen Aufgaben betraut«, sagte Phorkys.

»Besteht keine Möglichkeit, ihn hierher zurückzubringen?«

»Das ist ausgeschlossen. Asmodis hat Pläne mit ihm, nach denen er sich richten muss.«

»Dann wird er hier nie mehr…«

»Er nicht. Aber es ist für mich kein Problem, ein Duplikat von ihm herzustellen.«

Die Augen des Sektenführers leuchteten begeistert. »Das wäre phantastisch.«

»Ihr müsstet ihm bedingungslos gehorchen«, sagte Phorkys.

»Das haben wir vor. Sein Wille soll geschehen. Er wird mit uns, seinen Dienern, zufrieden sein«, versprach der Sektierer.

»Nun gut, er soll entstehen.«

»Kannst du ihn mit derselben Macht ausstatten wie den andern, Herr?«

Phorkys lachte. »Ich werde ihn sogar noch stärker machen.«

»Wunderbar.«

Der Vater der Ungeheuer breitete die Arme aus. Eine beängstigende Glut erschien in seinen großen Augen. Er baute um sich herum ein schwarz magisches Kraftfeld auf. Seine beschwörende Stimme schwoll an. Sie wühlte sich in den Schlamm, grub sich in die Tiefe des Todesmoors und ließ dort unten ein furchtbares Wesen entstehen. Zunächst war es nur ein Keim des Bösen. Aber der wuchs durch Phorkys’ Zauberworte ungemein rasch. Eine Gestalt wucherte in der Tiefe des Sumpfs, und Phorkys rief einen Namen: »Zakatta!«

Mit diesem Ruf verlieh er der neu geschaffenen Bestie ihr schwarzes Leben.

»Zakatta!«, donnerte Phorkys’ Stimme noch einmal über das Todesmoor. »Dies ist von nun an dein Reich! Mach aus dem Todesmoor eine Menschenfalle! Erhebe dich, Vertreter der Hölle, und zeige dich deinen Dienern!«

Die Männer und Frauen starrten gebannt auf Phorkys.

Der Vater der Ungeheuer trat zurück. Er machte seiner Teufelskreatur Platz. Der Sumpf begann zu brodeln. Er schlug Wellen, und große Blasen bildeten sich. Die Hand eines Riesen schien in diesem graubraunen Brei zu rühren. Das Moor bewegte sich immer stärker, und plötzlich entstieg ihm eine Schreckensgestalt.

Schlamm klebte an den Gliedmaßen.

Das Satanswesen war doppelt so groß wie ein Mensch. Es strotzte vor Kraft. Auf den breiten Schultern saß ein hässlicher Schädel mit strähnigem langem Haar. Das Gesicht war eine abstoßende Fratze mit nur einem Auge, das groß über der Nasenwurzel saß.

Zakatta, der Zyklop war geboren.

2

Phorkys zog sich wieder zurück. Es gab hier nichts mehr für ihn zu tun. Die weiteren Geschehnisse würde nun Zakatta in die Hand nehmen, und er würde seine Sache gut erledigen. Nur einmal noch vernahmen die Sektierer Phorkys’ donnernde Stimme. Sie kam vom Ende des Sumpfs herüber. »Haltet euch eines stets vor Augen: Wer Zakatta nicht gehorcht, muss sterben!«

Die grünbraunen Dämpfe krochen an Phorkys wieder hoch, hüllten ihn ein, und als der Wind sie zerfaserte, war der Vater der Ungeheuer nicht mehr zu sehen. Aber sein Geschöpf blieb. Obwohl es an die 400 Pfund wiegen musste, stand es auf der Oberfläche des Sumpfs, ohne einzusinken.

»Ihr habt gehört, was Phorkys sagte!«, grollte der Zyklop und starrte die Menschen mit seinem Auge durchdringend an. »Wer mir nicht gehorcht, verliert sein Leben.«

»Wir sind deine ergebenen Diener, Herr«, versicherte der Anführer der Zyklopen-Sekte. »Du kannst von uns verlangen, was du willst, wir werden es tun.«

»Phorkys hat mich mit sehr viel Kraft ausgestattet«, sagte Zakatta. »Die kann ich jedoch nur behalten, wenn mir die Energien von Menschen zugeführt werden. Der Tod jedes Menschen macht mich noch stärker, wobei es gleichgültig ist, ob ich ihn töte oder ob ihr es für mich tut.«

»Wir werden dafür sorgen, dass deine Kraft ins Unermessliche steigt, Herr«, versprach der Anführer der Sektierer.

Zakatta nickte. »Dafür stelle ich euch eine tödliche Waffe zur Verfügung.«

In der Finsternis entstand ein höllisches Brausen. Es näherte sich den Mitgliedern der Zyklopen-Sekte. Sie konnten nicht sehen, was auf sie zukam. Aufgeregt warteten sie.

Plötzlich ein gellender Schrei – ausgestoßen aus mehreren Menschenkehlen.

Die Sektierer hatten das Gefühl, jemand habe ihnen ein Stück glühende Kohle in die rechte Hand gelegt. Der Schmerz war entsetzlich. Er brannte sich tief in ihr Fleisch. Sie konnten ihn nicht abschütteln. Verstört blickten sie auf ihre Hand. Da war tatsächlich eine Glut. Ein glühendes Gesicht. Eine Fratze. Mit nur einem Auge. Das Gesicht des Zyklopen. Zakattas Konterfei. Ein Brandmal des Bösen. Das Zeichen der Hölle. Es verband sie nun mit der mächtigen Bestie. Jeder, der dieses Zeichen trug, gehörte zu Zakatta, war ein Leibeigener der schwarzen Macht, ein Diener des Grauens, dem er bedingungslos gehorchen musste. Der Schmerz ebbte ab. Die Glut erlosch.

Brandlinien blieben auf den Handflächen der Sektierer zurück.

Aber nicht lange. Bald verschwanden auch sie. Zakattas Brandzeichen war zwar noch vorhanden, aber niemand konnte es mehr sehen.

»Das Zeichen!«, sagte Zakatta. »Dieses Zeichen ist eine tödliche Waffe, die ihr gegen eure Mitmenschen einsetzen werdet. Ihr könnt sie aktivieren, wann immer ihr wollt. Es genügt, meinen Namen zu rufen, dann schlägt das Zeichen zu!«

3

Wir hatten einen ganzen Ozeanriesen gerettet: die Empire.

Ein verbrecherischer Bursche namens Esram Bannon hatte sich mit Asmodis arrangiert und von diesem einen Höllenkristall erhalten, mit dessen Hilfe es ihm gelang, sieben schwarz magische Bomben zu schaffen und an Bord des Luxusschiffes zu schmuggeln. Die tödlichen Hölleneier waren nach und nach aufgeplatzt, und schreckliche Ungeheuer hatten auf der Empire gewütet. Doch mit vereinten Kräften hatten wir es geschafft, dem Horror ein Ende zu bereiten. Während wir auf dem Schiff gegen die Monster kämpften, schnappte sich Mr. Silver in London Esram Bannon. Er zerstörte mit einer geweihten Silberkugel den gefährlichen Kristall und übergab den Schurken der Polizei. Damit war der Fall für uns gelaufen.

Kapitän Ed Thackery fuhr dem Hubschrauber, der uns abholen sollte, ein Stück entgegen. Lance Selby und ich standen auf der Kommandobrücke und hielten nach der stählernen Libelle Ausschau.

Jack Harrison, der Bordfunker, erschien. Ihn hatten wir vor einer gefährlichen Riesenspinne gerettet. Er hatte bereits in ihrem widerstandsfähigen Netz gezappelt. Ohne uns wäre der Mann nicht mehr am Leben. »Der Pilot des Hubschraubers hat sich soeben gemeldet«, berichtete Harrison.

»Wie weit ist er noch entfernt?«, wollte Ed Thackery wissen.

»Zwanzig Meilen.«

Der Kapitän wandte sich seufzend an uns. »Tja, dann heißt es Abschied nehmen, Gentlemen. Sie haben sehr viel für dieses Schiff getan.«

»War eine Selbstverständlichkeit«, sagte Lance Selby, der Parapsychologe.

Ich hatte dasselbe sagen wollen.

1200 Passagiere und die Besatzung der Empire verdankten Lance Selby, Mr. Silver und mir ihr Leben. Aber wir erwarteten dafür keine hochgestochenen Lobeshymnen. Wir hatten unseren Job getan, und damit hatte es sich. Natürlich war es uns eine Genugtuung, einmal mehr eine schwarze Aktion zerschlagen zu haben. Und wir hofften, diesen Erfolgskurs noch lange beibehalten zu können.

Als der Helikopter in Sicht kam, verließen wir die Kommandobrücke. Wir verabschiedeten uns von Mason Keith, dem Ersten Offizier des Schiffes.

»Weiterhin viel Erfolg, Mr. Ballard«, sagte er.

»Danke«, gab ich zurück und drückte fest seine Hand.

Wir begaben uns mit Ed Thackery zum Heck des Schiffes. Eine Menge Passagiere fanden sich ein, um uns winkend zu verabschieden. Sie alle wussten, was sie uns zu verdanken hatten.

Der Hubschrauber schwebte heran. Sonnenstrahlen tanzten auf der Glaskanzel. Über dem Heck blieb die stählerne Libelle schließlich in der Luft hängen. Sie sank etwas tiefer. Der Rotorwind erfasste uns.

»Auf Wiedersehen, Kapitän«, sagte ich und reichte ihm die Hand. »Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen.«

»Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Mr. Ballard. Machen Sie’s weiterhin gut.«

»Ich werde mir Mühe geben«, sagte ich. Es lag in meinem eigenen Interesse, denn ich stand auf der Abschussliste der Hölle ganz oben, und wenn ich nicht aufpasste, konnte jeder Tag mein letzter sein.

Oben öffnete sich die Kanzeltür. Eine Strickleiter mit Aluminiumsprossen wurde heruntergeworfen. Ich fing ihr Ende auf und zog es straff. »Du zuerst«, sagte ich zu Lance Selby.

Der Parapsychologe kletterte hinauf. Sobald er im Hubschrauber verschwunden war, griff Ed Thackery nach der Strickleiter, um sie für mich festzuhalten.

»Vielleicht sieht man sich mal wieder«, sagte er.

»Würde mich freuen.«

»In London.«

»Mein Name steht im Telefonbuch«, erwiderte ich. »Rufen Sie mich an, wenn Sie wieder daheim sind.«

»Das werde ich tun«, versprach Ed Thackery, und ich schwang mich auf die Strickleiter. Oben angekommen, schaute ich noch einmal nach unten. Ich sah einige bekannte Gesichter. Rebecca Morton und deren Freund John Balding. Linda Marchand und deren aufgeweckten Jungen Joey, der im Festsaal die Leiche des Stewards Henry Adams entdeckt hatte …

Das war alles Vergangenheit.