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Die Bewohner eines kleinen Dorfes in der Ukraine kämpfen mitten im brutalen Chaos des Zweiten Weltkriegs nicht nur ums Überleben, sondern auch um ihre Menschlichkeit. Als deutsche Soldaten das Dorf betreten, beginnt eine Jagd, die tiefe Wunden hinterlässt. Die eindringliche Begegnung zwischen gefangenen deutschen Soldaten und einer leidenden Dorfgemeinschaft enthüllt die Schrecken und Grausamkeiten des Krieges aus nächster Nähe. "Treibjagd auf Menschen" ist ein ergreifendes E-Book, das die düstere Realität der Kriegsjahre eindrucksvoll widerspiegelt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 6
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Treibjagd auf Menschen
ISBN 978-3-68912-074-0(E–Book)
Die Reportage ist 1943 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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In einer kalten Februarnacht traten wir in einem kleinen Dorf am nördlichen Donez zwischen Starobelsk und Swatowa in eine Bauernhütte, um uns etwas zu wärmen. In dieser Hütte befanden sich vier deutsche Soldaten des Panzergrenadierregiments 73 der 19. Panzerdivision und ein deutscher Oberleutnant, die am Nachmittag bei einem Vorstoß unserer Panzerspähwagen gefangen genommen worden waren. Sie waren trotz ihrer sogenannten „Winterkleidung“ – den umwendbaren weiß-grünen „Tarnjacken“, die Hitler selbst entworfen habe – elend verfroren, zumal an den Füßen, wo sie bloß Schnürschuhe trugen.
Die Rotarmisten unsrer Division, welche die Hitlergrenadiere gefangen genommen hatten, ließen die Gefangenen heißen Tee trinken, den die alte Bäuerin in einem großen Teekessel zubereitet hatte. Ich befragte die Hitlersoldaten über ihren Truppenteil, ihren Heimatort, ihren bisherigen Aufenthalt in Russland. Als der Sergeant der Rotarmisten hörte, dass ich Deutsch verstand, bat er mich, festzustellen, ob diese deutschen Soldaten auch in Starobelsk gewesen seien. Mit Starobelsk hatte es diese Bewandtnis: Dort hatten die Hitlertruppen bei ihrem Abrücken viele verwundete gefangene Rotarmisten und auch eine Anzahl Männer der Zivilbevölkerung, die in einer kleinen Fabrik nahe dem Bahnhof eingesperrt waren, mit der Fabrik im letzten Augenblick in die Luft gesprengt. Ich selbst war mit meiner Division einige Stunden danach in Starobelsk und konnte mich von dieser unmenschlichen Tat überzeugen. Mehrere Sterbende lagen noch in der Schule.
Die Hitlersoldaten erklärten, dass sie nicht in Starobelsk gewesen seien; der Oberleutnant beteuerte, dass er selbst während seines längeren Aufenthaltes an der Ostfront niemals derartige oder ähnliche Grausamkeiten gesehen habe. Ich übersetzte diese Aussage den Rotarmisten.
