Trotzdem lernen - Vera F. Birkenbihl - E-Book

Trotzdem lernen E-Book

Vera F. Birkenbihl

4,3
8,99 €

  • Herausgeber: mvg
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2006
Beschreibung

Trotzdem lernen ist das Gegengift bei langweiligen Unterrichtsroutinen und veralteten Lernstrategien in der Schule. Seit 45 Jahren hat sich Vera F. Birkenbihl damit beschäftigt, warum Schullernen nicht funktionieren kann und eine Vielzahl von neuen Lernstrategien entwickelt, die dem Einzelnen Lernspaß und Lernerfolg zurückgeben. Das Buch enthält 12 praktische Techniken und weitere 29 Tricks zum leichteren Lernen. Diesen Techniken liegt eine Doppel-Checkliste zugrunde, mit der Sie beurteilen können, ob eine Lernstrategie gehirn-gerecht und damit sinnvoll ist. Denn daran scheitert das schulische Lernen: an nicht gehirn-gerechten Maßnahmen zur Wissensvermittlung (z. B. stures Auswendiglernen), die aufgrund der Arbeitsweise unseres Gehirns gar nicht funktionieren können! Aber es geht auch anders: mit Spaß, Spannung, Spiel und vor allem dem Gefühl, nicht ein Versager, sondern ein erfolgreicher Lerner zu sein!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 198

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

8. Auflage 2016

© 2006 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Die 1. Auflage ist 2004, die 2. Auflage 2005 im GABAL Verlag, Offenbach, erschienen.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlaggestaltung: Atelier Seidel, Teising Umschlagillustration: Vera F. Birkenbihl Alle Abbildungen: Vera F. Birkenbihl Satz: JUNFERMANN Druck & Service, Paderborn Druck: Konrad Triltsch GmbH, Ochsenfurt Printed in Germany

ISBN Print: 978-3-86882-448-3 ISBN E-Book (PDF): 978-3-86415-060-9 ISBN E-Book (ePub/Mobi): 978-3-86415-477-5

Auf Wunsch der Autorin folgt das Buch der alten Rechtschreibung. 

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unterwww.m-vg.de

Inhalt

Hier geht’s los

Mini-Quiz

Die Idee hinter diesem Buch: 2 Checklisten …

Die beiden Listen im Vergleich

Ausprobieren + feststellen, was passiert – wie ein/e ForscherIn …

1   Modul 1 – NEURO-MECHANISMEN und Tricks

ASSOZIATIVes Denken + ASSOZIATIV-Spiele

Assoziativ-Spiel Nr. 1: ABC-Listen

Assoziativ-Spiel Nr. 2: WORT-Bilder (KaWa.s©)

Assoziativ-Spiel Nr 3: ABC-COUVERT

Assoziativ-Spiel Nr. 4: KaWa-COUVERT

Assoziativ-Spiel Nr. 5: ABC-Kreativ

Assoziativ-Spiel Nr. 6: STADT-LAND-FLUSS-Spiele

Assoziativ-Spiel Nr. 7: LULL’sche LEITERN

Assoziativ-Spiel Nr. 8: VERGLEICHE

Assoziativ-Spiel Nr. 9: TRAIN-OF-THOUGHT (innerer Monolog)

Assoziativ-Spiel Nr. 10: MADELAINE-Spiele

Assoziativ-Spiel Nr. 11: VERGLEICHS-Spiele

Assoziativ-Spiel Nr. 12: GEMISCHTE ABC-Spiele

Assoziativ-Spiel Nr. 13: Das KNICK-Spiel

Auswendig lernen?

1. Je mehr Daten, Fakten, Infos, desto …

2. Kapieren oder nicht kapieren – das ist hier die Frage!

Ball-im-Tor-Effekt (Betreff: sofortiges Feedback)

Ball-im-PC-Tor?

Beiläufiges Lernen

Definitionen-Detektiv-Spiel

Definitionen vergleichen (Technik)

Ver-FREMD-en von Definitionen

Definitions-Vergleichs-Spiel (vgl. Genial daneben)

Ent-DECK-en

FRAGEN als Lernhilfe? Aber klar!

Frage-Spiele, Stufe 1: KATEGORIEN-DENKEN

Frage-Spiele, Stufe 2: Ja-/Nein-Rätsel-Spiele

Frage-Spiele, Stufe 3: WQS

Grammatik spielen? Aber ja doch!

Variante für eine/n SpielerIn

IMITATION als Neuro-Mechanismus

IMITATIONS-Spiele (inkl. VARIATION, Persiflage, Karikatur)

Intelligentes Lücken-Management

Intelligenz ist lernbar

KRYPTOGRAMME: Ver-FREMD-en von Vertrautem

Kryptisieren: HISTORISCH

LANGEWEILE?

LESE-Probleme?

Lückentext-Spiele

Welche Texte?

Welche Wörter werden entfernt?

Einsteiger: Komplette Texte, denen jeweils eine Wort-Art fehlt

Lücken-Texte für fortgeschrittene SpielerInnen

Meisterschaft anstreben/erreichen?

SELBST-VERSUCH: Ihr Papagei …

PASSIVES LERNEN

Welche Materialien können wir passiv lernen?

Stadt-Land-Fluß-Spiele +++

Stadt-Land-Fluß-Spiele: Warum sie so wichtig sind

(Ein) THEMA „durchdenken“

TRAINING: Körperliches Lernen

UNBEWUSST lernen?

VERGLEICHS-Spiele

VERGLEICHS-Spiel: Kategorien-Denken

Variationen

WISSENs-Spiele (allgemein)

WQS (spezifisch): Spiele, die Wissen produzieren

1. Quiz-Runde: Nur Fragen

2. Quiz-Runde: Antworten

An-REICH-erung der Kurz-Anworten

3. Quiz-Runde: wie 1. Quiz-Runde

Wandzeitungs-Beitrag zum WISSENs-Quiz-SPIEL (WQS)

ZITATE-VERGLEICHS-SPIEL

Variation1: EIN Thema

Variation 2: EIN Autor

Variation 3: Zitate + Lücken-Text (Teekessel Variante)

2   Modul 2 – Kügeli verteilen

Das Verteilen der Kügeli – erste Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: ABC-Listen anlegen (und VERGLEICHEN)

Fallbeispiel 2: LÜCKEN-TEXT

Fallbeispiel 3: Tolle Lehrerin – erlaubt Ent-DECK-en … 9 Kügeli

Fallbeispiel 4: Aus dem Studium – Professor 1 Kügeli, Helferin dafür 9!

Fallbeispiel 5: Weiterbildung (private Bildungseinrichtung): 10 Kügeli

vfb-Kommentar zu den Fallbeispielen 3, 4 und 5

Fallbeispiel 6: Beethoven-Kügeli

Fallbeispiel 7: CHEMIE (Salzsäure)

Fallbeispiel 8: CHEMIE (Phenole)

Merkblatt 1: Anlegen von Wissens-ABC & KaWa.s©

Experiment – Vorbereitungen

Experiment 1: Das ABC-Spiel

Wissens-ABC Irak-Krieg

Fallbeispiel: Konfliktforschung-ABC

Experiment 2: Das KaWa-Namens-Spiel

ABC-Listen und WORT-Bilder (= KaWa.s)

Was bedeutet KaWa (& KaGa) eigentlich?

Merkblatt 2: LULL’sche Leitern

Fallbeispiel: HERRSCHER und BIOLOGIE

Merkblatt 3: Fibonacci-Zahlenreihe

Merkblatt 4: 50 Sprichwörter

Literaturverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Hier geht’s los

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie die Geschichte (die ein amerikanischer Konrektor in Cincinnati in den 1940er Jahren erfand)? Ich gebe sie leicht gekürzt wieder:

Die Tierschule (von George Reavis):

Einst beschlossen die Tiere … eine Schule zu organisieren. Lehrplan Laufen, Klettern und Fliegen. … Die Ente war ausgezeichnet im Schwimmen … aber sie konnte beim Fliegen nur gerade eben bestehen und war sehr schlecht im Laufen. Daher … mußte sie Nachhilfestunden nehmen und Schwimmen ausfallen lassen, um Laufen zu üben … bis ihre Schwimmfüße arg mitgenommen waren und sie im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Aber Durchschnitt war akzeptabel in der Schule. Darüber machte sich niemand Sorgen, außer der Ente.

Das Kaninchen begann als Klassenbester im Laufen, hatte aber einen Nervenzusammenbruch wegen der vielen Arbeit, um im Schwimmen aufzuholen.

Das Eichhörnchen war ausgezeichnet im Klettern, bis es in der Flugklasse frustriert wurde … Es bekam einen Muskelkater von der Überanstrengung und erhielt nur eine 4 im Klettern und eine 5 im Laufen.

Der Adler war ein Problemkind und wurde streng bestraft …

Die Präriehunde … ließen ihre Kinder bei einem Dachs ausbilden und vereinigten sich (mit anderen)…, um eine erfolgreiche Privatschule zu gründen.

Hat diese Geschichte eine Moral?

Seit Jahren geistert die Story durch Seminarräume und Klassenzimmer, ohne daß sich jemand die Mühe gemacht hätte, herauszufinden, wer der Autor ist. Dabei ist das mit Hilfe des Internets kein Problem. Ich danke Dr. Jane Bluestein für diese Auskunft auf ihrer Website http://janebluestein.com/2012/the-animal-school/

Tja, die Frage nach der Moral haben sich bisher immer noch zu wenige Verantwortliche gestellt, sonst wäre Lernen nicht immer noch so „schwierig“, „schlimm“, „frustrierend“ etc. Ehe wir die Idee hinter der Story weiterführen, noch kurz ein Mini-Quiz:

Mini-Quiz

•Welches ist das größte Einkaufs-Zentrum, in dem Sie sich auskennen: Name:  Stadt: 

•Welches (Karten-)SPIEL können Sie gut spielen?

•Welche der folgenden vier Aussagen trifft auf Sie zu?

1.Ich darf/soll/muß regelmäßig oder häufig lernen und würde mir den Lernprozeß gerne er-LEICHT-ern. □ Ja □ Nein

2.Ich möchte lieben Menschen (Familie, Freunde, Kollegen), die von Frage Nr. 1 betroffen sind, helfen, effizienter und LEICHT-er zu lernen. □ Ja □ Nein

3.Ich bin selber lehrend tätig und möchte deshalb mehr über das Lernen wissen. □ Ja □ Nein

4.Ich bilde Menschen aus, die lehren, deshalb interessiert mich dieses Buch. □ Ja □ Nein

Wenn Sie mindestens einmal eindeutig JA sagen, dann sind Sie hier richtig. Es gilt, Lernprozesse dramatisch zu er-LEICHT-ern. Damit meinen wir keine Gedächtnis-Tricks, mit denen man nie Begriffenes (Unverstandenes, Unverdautes) krampfhaft „einspeichern“ möchte, sondern wir meinen die Moral von der Story (oben):

So wie die Ente „entenartig“ lernen muß, um eine gute Ente zu werden (die z.B. hervorragend schwimmen kann), so müssen Menschen auf eine Art lernen, die der Art des Menschen entspricht.

Und diese Art hängt ab von der Art, wie unser Gehirn arbeitet – deshalb spreche ich von gehirn-gerechtem Vorgehen.

Gelingt es uns, gehirn-gerecht zu lernen, dann wird es für uns genauso leicht, wie Schwimmen für die Ente und Klettern für das Eichhörnchen. Andernfalls ist es „schwer“.

Wenn es aber „schwer“ wird (weil man der Arbeitsweise unseres

Gehirns entgegenwirkt!), geschehen einige Dinge:

•wir FÜHLEN uns SCHLECHT

•wir kommen uns DOOF vor

•wir beginnen zu GLAUBEN, wir seien unfähig (na ja, so unfähig wie die Ente zum Klettern halt!)

•wir LANGWEILIGEN uns

•wir verlieren die LUST, die alle Kinder auf Lernen haben, weil Lernen überlebenswert hat (und alles mit Überlebenswert auch LUSTvoll ist)

•wir GEBEN AUF, das heißt wir beginnen uns schon schlecht zu fühlen, wenn wir nur beginnen sollen (s. oben) …

Ergebnis: Wir werden unfähig, uns für die komplexe Arbeitswelt zu qualifizieren.

Wollen Sie diesen Teufelskreis als Lernender durchbrechen? Wollen Sie anderen Menschen helfen, ihn zu durchbrechen? Dann wurde dieses Buch für Sie geschrieben!

Die Idee hinter diesem Buch: 2 Checklisten …

Diesem Buch liegt ein einfaches Konzept zugrunde. Stellen Sie sich zwei CHECKLISTEN vor, die nebeneinander liegen. Die linke enthält die BEDÜRFNISSE des Gehirns (damit es optimal denken und lernen kann). Die rechte enthält An-REICH-erungen, falls wir links zuwenig finden (dazu gleich mehr).

Nun gilt es, einen Lernprozeß daraufhin „abzuklopfen“, ob er LEICHT GENUG ist, um der Arbeitsweise unseres Gehirns zu entsprechen. Dabei muß man nur noch wissen, wie wir die beiden Checklisten einsetzen:

1.Wir vergeben keine „Kreuzchen“ (beim An-Kreuzen), sondern Kügelchen. (Kügelchen oder: [wie wir seit einem großen Seminar in der Schweiz sagen] Kügeli) Das ist leichter vorstellbar, denn es geht um die Menge, die wir erreichen. Außerdem geht es darum, daß Lehrpersonen oft hoffen, die Lernenden würden genügend Kügeli mitbringen (und das ist mit „Kreuzchen“ schwer vorstellbar), statt ihren Unterricht so aufzubauen, daß sie den Lernenden die Kügeli anbieten – was eigentlich ihre Aufgabe wäre. Da sie aber anders ausgebildet wurden … Na ja, darum gibt es ja das „Zwillingsbuch“ für Lehrkräfte, Ausbilder, Lehrbeauftrage etc. mit dem parallelen Titel: Trotzdem LEHREN.

2.Unter 4 Kügeli (Kügelchen) ist Lernen unmöglich. Das ist so, als müßte die Ente KLETTERN – dies widerspricht einfach ihrem Naturell.Ab 4 Kügeli wird Lernen möglich, ist aber noch schwer (die Ente soll LAUFEN),bei 5 Kügeli wird es etwas leichter (die Ente darf watscheln)ab 6 Kügeli wird es „spielerisch“ (die Ente darf ins Wasser) undab 7 Kügeli wird Lernen zum SPIEL, und damit meinen wir:

Alles, was über 7 Kügeli hinausgeht, ist Sahne auf dem Kuchen.

Ich danke einigen Autoren, besonders Steve KRASHEN und Frank SMITH (s. Literaturverzeichnis, ab Seite 156) für die Erkenntnis des INCIDENTALen Lernens.

Die wichtigste Erkenntnis ist diese:

In der Natur sind Lernprozesse „unsichtbar“, weil Lernen NORMALERWEISE nicht bewußt, sondern unbewußt abläuft.

Das leuchtet vielen Menschen im ersten Ansatz überhaupt nicht ein, aber im zweiten sofort: Denken Sie zurück an die kleine Aufgabe (s. Seite 10), an den großen Laden oder das Einkaufs-Zentrum, in dem Sie sich auskennen. Können Sie schätzen, wieviele Fakten Sie dort GELERNT haben? Zum Beispiel: Wo es sich befindet, wie man dort hinkommt (Straßenbahn, Bus, Strecke mit dem Fahrrad etc.). Wo man das Auto oder Fahrrad am besten abstellt, will man nachher mit Lebensmitteln oder mit einer Lampe herauskommen. Wo man die besten Angebote (Ihrer Lieblingsdinge) findet, wo einzelne Läden die Ware ausstellen. Welches der Cafés oder Restaurants Sie mögen und und und … Das alles haben Sie GELERNT, wiewohl Sie, genaugenommen, gar nichts davon bewußt gelernt haben!

Sie sind keinesfalls durchgelaufen und haben gesagt: Aha, hier ist (dieses Produkt), das muß ich mir aber jetzt gut merken. Am besten schreibe ich es mir auf. Vielleicht wäre eine Prüfung nächste Woche hilfreich? Welche Note werde ich wohl erringen? Vielleicht sollte ich mir eine Eselsbrücke bauen?

Sie sind natürlich nur durch das Shopping-Zentrum gelaufen, haben geschaut, Entscheidungen getroffen, gekauft oder nicht gekauft etc. Dabei haben Sie gelernt, und zwar BEILÄUFIG (= unbewußt).

Dieses beiläufige Lernen nennt man INCIDENTAL (vom Englischen: Ereignis, Unfall, Zufall). Also kann man sagen: Es ist Zufall, wenn Sie lernen, während Sie etwas (ganz anderes) tun, z.B. einkaufen. Dieses Lern-Ergebnis ist Ihnen also zugefallen (Zu-Fall).

Dasselbe passiert, wenn Sie ein neues Spiel spielen, eine neue Software am Computer ausprobieren, ein neues Handy in Betrieb nehmen etc. Nehmen wir an, wir sehen einen Film (Kino, TV, DVD), z.B. Andromeda Strain, dann lernen wir beiläufig eine Menge über die Art von Sicherheitsvorkehrungen im Falle einer großen Seuche oder daß Amerika Notfall-Teams hat, die es im Zweifelsfall innerhalb von Stunden zusammenziehen kann oder daß ROTLICHT mit einer bestimmten Frequenz bei Epileptikern eine Art Trance oder sogar einen Anfall auslösen kann. Im Film AIRPORT lernen wir ganz andere Dinge, z.B. was hinter den Kulissen eines Flughafens geschieht (vereiste Rollbahnen im Winter, Anwohner-Proteste wegen Lärmbelästigung etc.). Wer noch nie geflogen ist und weit weg von einem Flughafen wohnt, hat nach dem Film eine Menge über diese Dinge GELERNT. Dasselbe gilt natürlich für das Lesen von Geschichten oder Romanen (sowohl ANDROMEDA als auch AIRPORT waren ja Buch-Bestseller, ehe sie verfilmt wurden).

Wir lernen ununterbrochen, nur merken wir es nicht. Wir empfinden es nicht als „Lernen“ (wie in der Schule), weil wir genaugenommen „nur“ HANDELN (z.B. einkaufen, lesen, einen Film sehen), LEBEN, Dinge erledigen, SPIELEN, SPASS HABEN etc.

Daß wir dabei, ganz nebenbei, ununterbrochen lernen, bleibt fast immer unbewußt. Ein letztes Beispiel: Sie haben vorhin ein (Karten-) Spiel aufgeschrieben, das Sie gut spielen können. Wann haben Sie das gelernt?

Am ersten Tag mußten Sie etwas bewußt zur Kenntnis nehmen, nämlich die Spielregeln; das nennt man INTENTIONALES Lernen (also Lernen, mit dem Ziel, dies zu lernen). Nach 10 Minuten (oder 1 Stunde) hatten Sie die wahrscheinlich drauf. Als Sie dieses Spiel zum vierten Mal spielten, dachten Sie wahrscheinlich schon gar nicht mehr an die Regeln, oder? Jetzt dachten Sie an das Ziel des Spiels (Punkte machen, die richtigen Karten sammeln …).

Seit diesen Zeitpunkt haben Sie (INCIDENTAL, also beiläufig) unendlich viel gelernt, und zwar

1.über die Spiel-Strategie (strategische Kniffe, um BESSER spielen zu können)

2.über ihre Mitmenschen: Neigt jemand vielleicht zum Schummeln? Wer regt sich furchtbar auf, wenn er/sie verliert? Wem ist Spielen wirklich wichtiger als das Ergebnis am Ende? Wer „arbeitet“ total konzentriert und läßt sich von nichts ablenken? Wer regt sich auf, wenn man ein wenig „quatschen! möchte? (Spielen wir jetzt oder reden wir?!)

3.über sich selbst: Wie gut können Sie es „verkraften“; wenn Sie mehrmals hintereinander verlieren? Was ist für Sie wichtiger: eine schöne Zeit oder das Ergebnis? Wie genau beobachten Sie Ihre Mitmenschen (oder konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das Spielbrett, die Karten etc.? (Dann könnten Sie auch mit einem PC spielen, oder?) Reicht es Ihnen, beim Spielen selbst ständig hinzuzulernen (um besser zu werden) oder lesen Sie auch Bücher zum Thema, interviewen andere Spieler etc.?

Sie sehen:

Wir können nicht einmal ein Spiel spielen, ohne ständig hinzuzulernen.

Und so geht es bei allem, was wir tun! Deshalb ist der Lern-Erfolg umso LEICHT-er, je klarer wir eine Aufgabe lösen, einige Fragen beantworten, Fragen formulieren, über etwas nachdenken oder ein SPIEL spielen.

Deshalb kämpfe ich seit Jahrzehnten für SPIEL-erisches Lernen! Endlich beginnt man zu begreifen, daß das nichts Schlechtes sein muß.

Die beiden Listen im Vergleich

Die linke sagt uns, was das Gehirn be-NÖT-igt (um keine Not zu leiden), die rechte hingegen stellt Techniken vor, die das Lernen BEILÄUFIG (INCIDENTAL) machen. Diese habe ich in nunmehr über 33 Jahren entwickelt (und die Entwicklung geht weiter). Dieses Buch enthält nicht alle Techniken, aber viele, auf alle Fälle genügend, um einzusteigen. Denn die Idee, daß man den Lernprozeß vollkommen anders gestalten kann, unterliegt einem eigenartigen Paradox: Die jüngeren Kinder verstehen meine Ansätze am schnellsten, weil sie noch „nah dran“ sind. Aber sie können einige noch nicht anwenden, weil sie noch zu wenig von der Welt wissen (was wußten Sie mit 5, 7 oder 9 Jahren)? Ab ca. 9 Jahren können die meisten dieser Techniken eingesetzt werden, ab ca. 12–13 Jahren alle. (9 Jahre ist eine grobe Schätzung für den Durchschnitt, im Einzelfall gibt es immer Ausnahmen). Auf der anderen Seite gilt:

Je älter die Kinder, desto schwerer tun Sie sich im ersten Ansatz, umzudenken, weil ihnen die alten (miesen) Lernmethoden einfach VERTRAUT sind.

Das ist schlimm. Aber bedenken wir bitte: Auf der einen Seite fordern wir von Lehrkräften, die Erkenntnisse moderner Gehirn-Forschung zur Kenntnis zu nehmen, auf der anderen Seite weigern sich 17-jährige genau so, wenn man ihnen eine neue Technik zum ersten Mal anbietet. Tja … Deshalb schlage ich vor:

Entweder Sie jammern in Ihrem ganzen Leben nie mehr über die Schule, Kurse, Seminare etc. oder Sie geben den hier vorgestellten Techniken eine faire Chance!

Ausprobieren + feststellen, was passiert – wie ein/e ForscherIn …

Genaugenommen geben Sie sich selbst eine Chance, wenn Sie das tun! Wie ich meinen Seminar-TeilnehmerInnen immer sage: Ich kann die Techniken schon, für mich habe ich das Buch nicht geschrieben, sondern für die Menschen, für die es noch neu ist! Wenn Sie mit Forschergeist an die Sache herangehen und sich in dem langen (alphabetisch sortierten) Modul umsehen und diese Ansätze testen, dann werden Sie bald einige herausfinden, die für Sie besonders geeignet sind.

Übrigens heißen unsere Kapitel „Module“, weil man die Reihenfolge der Kapitel, wie auch der einzelnen Abschnitte im ABC-Kapitel frei wählen, also modular lesen kann.

Und das ist wichtig: Jede/r muß die Methode, Strategien etc. anwenden, die für ihn/sie gut funktionieren. Nicht alle sind für alle gleich gut, es ist ein Angebot. Wie Sie aus der Liste im Buchdeckel sehen können, liegt die Gesamt-Punktzahl (Anzahl der Kügeli), die errungen werden kann, wenn bei einem spezifischen Lernvorgang alle Bedürfnisse des Gehirns (links) und alle Nicht-Lern Lern-Strategien/ Techniken (rechts) aktiviert werden würden, bei 54 Kügeli. Aber das wäre Unsinn. Sie wollen 7 Kügeli erreichen, einige mehr ist Sahne auf dem Kuchen. Ein einzelner Lern-Vorgang kann und soll nie alles beinhalten und jeder Mensch wird manche Strategien als „besser“ empfinden als andere (weil sie ihm/ihr irgendwie mehr entgegenkommen). Merke:

So unterschiedlich wie unsere Gesichter sind auch unsere Gehirne! Es ist fatal anzunehmen, es könnte einen einzigen Lernweg für alle Lernenden geben!

Genau das aber nimmt die Schule an. Sie schreibt EINEN Lernweg vor, den alle zur gleichen Zeit und im gleichen Tempo absolvieren sollen. Gelingt dies nicht, wird einem die „Schuld“ zugeschoben (denn an schlechten Noten sind ja immer die Schülerlnnen schuld, nie die Lehrerlnnen, gell?). Das Schlimme ist: Die Lernenden sind so daran gewöhnt, die Schuld auf sich zu nehmen, daß auch hier UMDENKEN angesagt ist:

Nehmen Sie in Zukunft nicht die Schuld, wohl aber die Verantwortung für Ihren Lernprozess auf sich.

Mit Verantwortung meine ich, daß Sie lernen, mit den vielen methodischen Ansätzen in diesem Buch zu SPIELEN, bis Sie einige gefunden haben, mit denen Sie gut klarkommen. Diese bauen Sie dann zu Ihren persönlichen Lernstraßen aus. Sollten Sie aber trotzdem Probleme haben, weil das Lern-Material niemals begriffen wurde, so ist der Sender dafür verantwortlich (Lehrkräfte, Schulbücher, das System). Bitte Sie um Hilfe. Man kann zwar lernen, sich weitgehend selber zu unterweisen (das zeigen Ihnen die Methoden in diesem Buch), aber wenn man an einem Punkt der Verzweiflung steht, weil man vielleicht seit Jahren in Chemie den Stoff nie richtig begriffen und nur stur Formeln gepaukt hat, dann kann es sein, daß man zwischenzeitlich Hilfe von außen benötigt.

Es gibt übrigens eine Menge hilfreicher Sites im Internet – achten Sie jedoch darauf, auch Kleingedrucktes zu lesen, ehe Sie irgendwohin klicken, damit Sie sich keinen „Dialer“ einfangen (was Sie viel Geld kosten kann).

Vielleicht wissen ja andere SchülerInnen oder Lehrkräfte, ob es Dialer-freie Sites für Lernwillige gibt. Diese Info wechselt ständig, hier muß man immer wieder neu und up-to-date recherchieren.

Noch ein Beispiel: Beim Sprachenlernen gilt Vokabel-Pauken plus Grammatik plus schriftliche Übungen als beste Methode, um SPRECHEN zu lernen. Die Birkenbihl-Methode© zeigt einen ganz anderen Weg, bei dem Vokabel-Lernen verboten ist.

In diesem Buch stelle ich die Doppel-Checkliste vor: Erstens finden Sie die Kurz-Übersicht hinten im Buch (jederzeit griffbereit). Zweitens informiert ein eigenes Modul über das Verteilen von Kügeli anhand von praktischen Fallbeispielen, das ist der schnellste Weg. Wer zuerst das mit den Kügelchen genauer wissen will, springt jetzt zum Modul Kügeli verteilen (ab Seite 121), wer sich mehr für die Techniken interessiert, liest „normal“ weiter.

Wenn Sie einmal nicht sicher sind, ob etwas ein Bedürfnis des Gehirns (linke Liste) ist oder eine Nicht-Lern Lern-Strategie (neudeutsch: Non-Learning Learning Strategy), dann macht das nichts. Fragen Sie einfach: Wird „es“ aktiviert? Und: Wieviele Kügeli gibt es dafür? Wenn ja, gibt es die Anzahl Kügeli, wenn nicht, gibt es keine. Die Unterscheidung zwischen links und rechts ist nicht notwendig, um das System erfolgreich anzuwenden. Das ist so ähnlich wie beim Auto: Sie müssen nicht wissen, zu welchem logischen System das Zündschloß gehört, um den Schlüssel dort hineinzustecken und zu starten …

Übrigens, bitte ich alle jungen Leser und Leserinnen …

… um Nachsicht, daß ich Euch nicht mit „Du“ anspreche, aber ich komme noch aus einer Generation, in der wir Menschen (ab ca. 15 Jahren) „höflich“ Sie-zen. Da dieses Buch auch von Erwachsenen gelesen wird (Muttis, Omis, etc.) möchte ich diese Menschen nicht einfach Duzen. Aber:

Ich weiß (aus den Seminaren), daß junge Leute mit den Ideen (dieses Buches) ihr Lernverhalten „durchleuchten“ und ändern können.

Auch könnte man das Buch gut in einer Gruppe gemeinsam lesen, diskutieren und vor allem: AUSPROBIEREN. Dann wird ein regelrechtes Buch-Seminar daraus.

Viel Freude wünsche ich Ihnen und Euch.

Vera F. Birkenbihl

Modul 1 – NEUROMECHANISMEN und Tricks

ASSOZIATIVes Denken + ASSOZIATIV-Spiele

Wenn ich Ihnen einen Begriff zurufe und Sie frage: „Was fällt Ihnen dazu ein?“, dann ist das, was Ihnen einfällt, eine Assoziation. Wenn jemand beispielsweise ein Kreuzworträtsel löst, dann denkt er auch assoziativ. Die Fähigkeit, assoziativ zu denken, ist dermaßen grundlegend, daß wir dafür 2 Kügeli erhalten, während die meisten anderen Aspekte nur 1 Kügeli „bringen“. Trotzdem findet assoziatives Denken im Schulbetrieb (im alten Sinn) so gut wie nicht statt – zumindest ist es nicht erwünscht. Ich muß zugeben, daß auch Lehrkräfte, Ausbilderlnnen und TrainerInnen in der Erwachsenenbildung bis vor kurzem nichts davon wußten. Jede/r meinte, nur die Gedanken des Lehrenden seien wichtig, nicht die Assoziationen der Lernenden! In dem Maß, in dem wir (durch die Gehirnforschung) begreifen, wie wichtig die Assoziationen tatsächlich sind, wird immer unverständlicher, wie die Schulen (und andere Bildungs-Einrichtungen) die Fähigkeit, assoziativ zu denken, so komplett verlieren konnten.

Die Vorläufer unserer Schulen (klassische Akademien) waren regelrechte Diskussions-Foren (z.B. im alten Griechenland). Erst im Mittelalter kamen sogenannte Lateinschulen auf, in denen das sture, stupide Pauken an der Tagesordnung war, und heute hat sich dieser schädliche Pseudo-Lern-Stil (!) in den meisten Schulen zum Standard entwickelt. Bedenken Sie, daß heute über zwei Drittel der SchülerInnen in diesem System leiden und daß die Gruppe der OPFER eigentlich noch größer ist, wenn man all jene mit einbezieht, die dem normalen Unterricht nur unter Einnahme von Medikamenten (jahrelang!) beiwohnen können, sofern man sie nicht in SONDER-Schulen ausge-SONDERT hat. Dann bedenke man, daß es in ganz Finnland und Schweden keine einzige Sonderschule mehr gibt.

Wenn wir glücklich und erfolgreich lernen wollen, müssen wir die (noch) normalen Wege verlassen. Es ist enorm wichtig, uns geistig fit zu halten, und die 13 hier vorgestellten Techniken tun dies auf einfachste Weise. Diese Möglichkeiten bringen uns bei wenig Aufwand enorm viel, insbesondere wenn wir bedenken: Alle beschriebenen Spiel-Arten eignen sich für KURZE Spielzeiten; alle Techniken können also minutenweise geübt werden.

Wenn Sie in den Abschnitt „Training“ hineinsehen, dann wissen Sie, warum kurze Übungszeiten so wertvoll sind, wenn wir neues Verhalten lernen (Seite 99ff.) – auch neue Denk- und Lern-Variationen sind neues Verhalten!

Die 13 in diesem Abschnitt vorgestellten strategischen SPIELE helfen uns auf mehrfache Weise.

•Sie helfen uns, assoziativ zu denken. Zwar ist diese Art zu denken unser Geburtsrecht, aber Regelschulen und klassische Ausbildung haben das assoziative Denken seit Generationen weder zugelassen noch gefördert. Deshalb müssen viele Opfer des Systems erst wieder lernen, assoziativ zu denken. Die 13 hier vorgestellten SPIELE machen es extrem leicht, wir brauchen nur zu spielen.

•Assoziativ denken heißt: aktiv wahrnehmen. Je mehr man den passiven „Konsum“ von Infos gewöhnt ist, desto weniger kann man begreifen und merken. Dann denkt man, man sei „dumm“ oder „unbegabt“, während es nur am „dummen“ Denk-Stil liegt, der uns „unbegabt“ erscheinen läßt. Diese 13 SPIELE helfen uns aus dieser Denk-Falle heraus.

•Aktives Wahrnehmen ist Voraussetzung, um zu begreifen. Je mehr man daran gewöhnt ist, eine Info genau so wiederzugeben, wie sie vorgekaut wurde, desto weniger Übung hat man darin, Lern-Informationen zu begreifen. Begreifen aber ist Voraussetzung, um mühelos zu merken (lernen). Warnung: Wenn man beginnt, Lern-Infos zu verstehen, kann es sein, daß man merkt, wie hoch der Anteil an qualitativ „miesen“ Infos ist. (Böse Zungen behaupten, daß selbst viele Lehrkräfte dies nicht beurteilen können.)

•Begreifen ist die Vorstufe zum Merken (Lernen). Einmal bewußt wahrgenommen und sauber KONSTRUIERT bedeutet, daß wir diese Info später wiedergeben (= RE-KONSTRUIEREN) können. Lernen im Sinne der üblichen Definition ist nicht mehr notwendig, im Gegenteil: Es verhindert echtes Lernen!