Tschernobyl Baby - Merle Hilbk - E-Book

Tschernobyl Baby E-Book

Merle Hilbk

5,0
6,99 €

oder
Beschreibung

Merle Hilbks faszinierende Reportage über ihre Reisen durch die Tschernobyl-Region und ihre Begegnung mit der jungen Mascha, die dort im Jahr der Katastrophe geboren wurde und erst jetzt begreift, woher sie kommt. Ein Vierteljahrhundert ist sie her, die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl, und noch immer ist hierzulande die Angst vor der atomaren Verstrahlung präsent - viel präsenter als in den Dörfern in der Sperrzone, die Merle Hilbk besucht. 1986 war für sie das Jahr, das sie zu einem politischen Menschen machte, und seitdem will sie wissen, was es mit dem Mysterium Tschernobyl auf sich hat. 2009 und 2010 reist sie mehrere Monate durch die verstrahlten Gebiete in Weißrussland und der Ukraine, bis hin zum Reaktor, spricht mit Frauen in kleinen Dörfern, deren Männer zu müde und zu kraftlos sind, um zu arbeiten - Folgen der Verstrahlung. Sie fährt durch die Sperrzone, die der weißrussische Präsident wieder besiedeln will, um die Vergreisung der Bevölkerung zu stoppen. Und sie wird dort von Tadschiken zum Schaschlyki eingeladen, die froh sind, dass sie wieder ein Dach überm Kopf haben - auch wenn es in der Sperrzone liegt. Immer mit dabei ist Mascha, ihre 1986 in der Nähe von Tschernobyl geborene weißrussische Freundin. Sie gehört zur Generation der Tschernobyl-Babys, die in den 90er Jahren zu Erholungsaufenthalten in deutschen Gastfamilien waren und die ihren ganz eigenen Blick auf die große Katastrophe haben ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 355




Inhalt

TitelImpressumZitatWidmung1 Tschernobyl Cruising2 Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte3 Der eiserne Heinrich4 Zone der Entfremdung 5 Schafe schächten 6 Spiel nicht mit den Schmuddelkindern 7 Was wollen wir trinken, sieben Tage lang?8 Glasnost made in Germany 9 Legende vom Glück ohne Ende10 S.T.A.L.K.E.R 2.011 Im Sommer tragen die Mädchen wieder kurze Röcke 12 X-tausendmal quer 13 Wie wir lernten, das Atom zu lieben14 Im Zweifel für den Zweifel 15 Et kütt wie et küttAnhang

Merle Hilbk

Tschernobyl Baby

Wie wir lernten, das Atom zu lieben

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Umschlaggestaltung: Moni Port, www.laborproben.de

unter Verwendung eines Fotos von Merle Hilbk

Lektorat: Barbara Werner van Benthem

Fotos: © Merle Hilbk

Ausstattung, Typografie: Cosima Schneider

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-7325-3477-7

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

»Politische Sprache ist nach der Maßgabe konstruiert,

Lügen als Wahrheit erscheinen zu lassen und Mord als ehrenhaft.«

George Orwell, Politik und die englische Sprache, 1946

Für Juri und Nina, die Standhaften.

Und für Galina, die so spät ihre Trauer entdeckt hat.

1

Tschernobyl Cruising

September 2009, Tschernobyl-Sperrzone, Ukraine

»Hey, was sagst du? Der Kampf? Nein, hat noch nicht angefangen. Diese verdammten Ukrainer lassen sich wie immer Zeit mit der Kontrolle!«

Der Bodybuilder, der uns noch kurz vor dem Schlagbaum überholt hat, streicht nervös um das Wachhäuschen. An seinem Ohr klebt ein Headset, in das er auf Slowakisch hineinschimpft: »Verdammt, red’ lauter, Blanka! Der Empfang ist … Hey, ich muss auflegen! Die machen die Schranke auf.«

Er springt in seinen Skoda, lässt den Motor aufheulen. Death Metal donnert aus dem Fenster. Auf der Hutablage blinkt etwas, das wie ein Sturmgewehr aussieht.

»Paintball«, sagt Jewgenij. »Das ist hier ein beliebtes Trainingsgelände.«

Das Trainingsgelände des Slowaken ist ein 2827 Quadratkilometer großes Areal im Norden der Ukraine, das wie ein eigener Staat gesichert ist, mit Zäunen, Schlagbäumen und Soldaten, die dort rund um die Uhr Wache halten. Eigentlich sollen sie aufpassen, dass niemand dieses Areal betritt, der dort nicht etwas Wichtiges zu erledigen hat, einen Waldbrand löschen beispielsweise, die Brücke über den Pripjat reparieren oder Plünderer jagen, die Metall und Baumaterialien herausschaffen, um sie auf dem Schwarzmarkt in Kiew zu verkaufen. Eigentlich.

Straßensperre innerhalb der 30-Kilometer-Sperrzone, Kreis Choiniki, Belarus

Denn dieses Areal birgt eine Gefahr, die weder sicht- noch hör- oder tastbar ist, eine Bedrohung, die sich den Sinnen verschließt. Die niemand wahrnehmen würde, wenn nicht die Schilder an den Straßenrändern wären, die mit leuchtend roten Buchstaben warnen: Wnimanije! Radiazionnaja Opastnost! »Achtung! Radioaktive Gefahr!«

Zäune und Schlagbäume riegeln dieses Areal vom Rest der Welt ab, diese Sperrzone, die einen der mythischen Orte der Neuzeit birgt: den Reaktor Nummer 4.

Die »Tschernobyl-Sperrzone« wurde 1986 eingerichtet, als Sicherheitsmaßnahme, nachdem am 26. April der vierte Block des Atomkraftwerkes Tschernobyl plötzlich und unerwartet havariert war, Radioaktivität von mehr als 100 Hiroshima-Bomben freisetzte, Dörfer verstrahlte, Städte, Felder und Wälder. Hunderttausende wurden krank, starben oder wurden ausgesiedelt, darunter die Einwohner der neben dem Kraftwerk errichteten Stadt Pripjat. Häuser wurden niedergewalzt und Brunnen verplombt, Tausende von Fahrzeugen, Maschinen und Hubschrauber, die in den Tagen nach der Havarie im Einsatz waren, auf extra eingerichteten Autofriedhöfen vergraben.

Dann erklärte man das Gelände in einem Radius von 30 Kilometern um den Reaktor zur Sperrzone, zäunte es ein und unterstellte es einer speziellen Zonenbehörde.

Solange die Sowjetunion existierte und wichtige Entscheidungen in Moskau getroffen wurden, herrschte Einigkeit darüber, wer sich in dieser Sperrzone aufhalten sollte: Menschen, die ihre Gesundheit im Dienst der Allgemeinheit riskierten; zum Beispiel die Kraftwerksarbeiter, die die restlichen drei Reaktorblöcke in Betrieb halten, Fahrer, die Arbeiter in die Zone hineinbefördern, Köchinnen und Verkäuferinnen, die sie mit dem Notwendigsten versorgen sollten; Liquidatoren, die die Zone dekontaminieren, und schließlich ein paar Biologen, die die Veränderungen an Flora und Fauna beobachten sollten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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