Verlag: Mozaika Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

Twist Me - Verschleppt E-Book

Anna Zaires

4.53061224489796 (98)
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E-Book-Beschreibung Twist Me - Verschleppt - Anna Zaires

Ein dunkler, erotischer Roman. Entführt und auf eine einsame Insel verschleppt. Ich hätte niemals gedacht, dass mir so etwas passiert. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass eine zufällige Begegnung kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag mein Leben völlig umkrempeln würde. Jetzt gehöre ich ihm. Julian. Dem Mann, der genauso rücksichtslos wie gutaussehend ist – dem Mann, dessen Berührungen mich brennen lassen. Ein Mann, dessen Zärtlichkeit ich verstörender finde, als seine Grausamkeit. Mein Entführer ist ein Rätsel für mich. Ich weiß nicht, wer er ist, oder warum er mich verschleppt hat. In ihm ist eine Dunkelheit – eine Dunkelheit, die mir genauso Angst macht, wie sie mich anzieht. Mein Name ist Nora Leston und das ist meine Geschichte.

Meinungen über das E-Book Twist Me - Verschleppt - Anna Zaires

E-Book-Leseprobe Twist Me - Verschleppt - Anna Zaires

Twist Me - Verschleppt

Verschleppt 1

Anna Zaires

Aus dem Amerikanischen von Grit Schellenberg

♠ Mozaika Publications ♠

Alle in diesem Buch geschilderten Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Geschäftseinrichtungen, Ereignissen oder Schauplätzen wären zufällig und nicht beabsichtigt.

Copyright © 2014 Anna Zaires

www.annazaires.com/deutsch.html

Alle Rechte vorbehalten

Kein Teil dieses Buches darf reproduziert, gescannt oder in gedruckter oder elektronischer Form ohne vorherige Erlaubnis verbreitet werden. Ausnahme ist die Benutzung von Auszügen in einer Buchbesprechung.

Veröffentlicht von Mozaika Publications, einer Druckmarke von Mozaika LLC.

www.mozaikallc.com

Lektorin: Kerstin Frashier

e-ISBN: 978-1-63142-013-9

ISBN: 978-1-63142-017-7

Prolog

Nora

Blut.

Es ist überall. Die dunkelrote Lache auf dem Boden breitet sich aus, wird immer größer. Es ist auf meinen Füßen, meiner Haut, meinem Haar. Ich kann es fühlen, riechen und spüre, wie es mich bedeckt. Ich versinke in Blut, ich ersticke daran.

Nein! Halt!

Ich möchte schreien, aber ich kann nicht genügend Luft holen. Ich möchte mich bewegen, aber ich bin gefesselt, an etwas festgebunden. Die Seile schneiden in meine Haut, als ich versuche, mich aus ihnen herauszuwinden.

Ich kann ihre Schreie hören. Unmenschliches gequältes und schmerzerfülltes Kreischen, das mit ungebremster Gewalt in mich eindringt und meinen Verstand genauso roh und verstümmelt zurücklässt, wie ihr Fleisch.

Er hebt das Messer ein letztes Mal und die Blutlache wird zu einem Ozean, dessen reißende Strömung mich mit sich zieht—

Ich wache davon auf, dass ich seinen Namen schreie, meine Laken sind vollständig von kaltem Schweiß durchnässt.

Einen Augenblick lang bin ich orientierungslos... und dann erinnere ich mich.

Er wird niemals wieder zu mir kommen.

1

Achtzehn Monate zuvor

Nora

Ich bin siebzehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal auf ihn treffe.

Siebzehn und verrückt nach Jake.

»Nora, jetzt komm schon, das ist langweilig«, sagt Leah, als wir auf der Tribüne sitzen und uns das Spiel anschauen. American Football. Etwas, von dem ich nichts verstehe, aber so tue, als würde ich es lieben, da ich ihn hier sehen kann. Auf dem Spielfeld, jeden Tag beim Training.

Ich bin natürlich nicht das einzige Mädchen, welches Jake beobachtet. Er ist der Quarterback und der heißeste Typ auf dem ganzen Planeten — oder zumindest in Oak Lawn, Illinois, einem Vorort von Chicago.

»Es ist nicht langweilig«, erwidere ich. »American Football ist toll.«

Leah rollte mit den Augen. »Ja, ja. Geh endlich zu ihm hin und rede mit ihm. Du bist doch nicht schüchtern. Warum machst du ihn nicht endlich auf dich aufmerksam?«

Ich zucke mit den Schultern. Jake und ich verkehren nicht in denselben Kreisen. Er wird von Cheerleadern belagert und ich habe ihn lange genug beobachtet um zu wissen, dass er auf große, blonde Mädchen steht und nicht auf kleine braunhaarige.

Außerdem macht es bis jetzt einfach Spaß, diese Anziehung zu spüren. Und ich weiß, was für ein Gefühl das ist. Lust. Schlicht und ergreifend Hormone. Ich weiß nicht, ob ich Jake als Person mögen würde, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ich es liebe, wie er ohne sein Shirt aussieht. Immer wenn er an mir vorbeigeht, spüre ich, wie mein Herz vor Aufregung schneller schlägt. Ich fühle eine innere Wärme und kann kaum ruhig sitzen.

Ich träume auch von ihm. Sexy Träume, sinnliche Träume, in denen er meine Hand hält, mein Gesicht berührt, mich küsst. Unsere Körper berühren sich, reiben sich aneinander. Wir ziehen uns aus.

Ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre, Sex mit Jake zu haben.

Letztes Jahr, als ich mich regelmäßig mit Rob getroffen habe, sind wir fast bis zum Ende gegangen, aber dann habe ich herausgefunden, dass er auf einer Party betrunken mit einem anderen Mädchen geschlafen hat. Er bereute es zutiefst und wollte es wiedergutmachen, als ich ihn darauf ansprach. Ich konnte ihm aber nie wieder vertrauen und wir haben uns getrennt. Jetzt bin ich vorsichtiger bei der Auswahl der Jungs, mit denen ich ausgehe, auch wenn ich weiß, dass nicht alle so sind wie er.

Jake könnte allerdings so sein. Er ist einfach zu beliebt, um kein Herzensbrecher zu sein. Trotzdem, wenn es jemanden gibt, mit dem ich mein erstes Mal erleben möchte, ist das definitiv Jake.

»Lass uns heute Abend weggehen«, schlägt Leah vor. »Nur wir Mädchen. Wir können nach Chicago fahren und deinen Geburtstag feiern.«

»Mein Geburtstag ist erst nächste Woche«, erinnere ich sie, auch wenn ich weiß, sie hat das Datum auf ihrem Kalender rot angestrichen.

»Na und? Wir können doch schon mal vorfeiern.«

Ich grinse. Sie ist immer so scharf darauf, Party zu machen. »Ich weiß nicht. Und wenn sie uns wieder rausschmeißen? Diese gefälschten Führerscheine sind nicht wirklich gut—«

»Wir gehen einfach woanders hin. Es muss ja nicht der Aristotle sein.«

Aristotle ist mit Abstand der coolste Club der Stadt. Aber Leah hatte Recht — es gibt auch andere.

»Okay«, meine ich. »Lass uns das machen. Lass uns vorfeiern.«

Leah holt mich um 21.00 Uhr ab.

Sie hat sich fürs Clubben zurechtgemacht — dunkle, glänzende Jeans, ein glitzerndes Schlauchtop und hochhackige Overknees. Ihr blondes Haar ist vollkommen weich und glatt und fällt wie ein markanter Wasserfall ihren Rücken hinab.

Ich dagegen trage immer noch meine Turnschuhe. Meine Schuhe fürs Clubbing habe ich in dem Rucksack, den ich in Leahs Auto lassen werde. Ein dicker Pulli versteckt das aufreizende Top, welches ich trage. Ich bin nicht geschminkt und mein langes braunes Haar ist zu einem Pferdeschwanz gebunden.

So verlasse ich das Haus, um keinen Verdacht zu erregen. Ich sage meinen Eltern, dass ich den Abend mit Leah bei Freunden zu Hause verbringe. Meine Mutter lächelt und wünscht mir viel Spaß.

Jetzt, mit fast achtzehn, habe ich keine Ausgehsperre mehr. Oder vielleicht habe ich sie noch, aber sie ist zumindest nicht offiziell. Solange ich nach Hause komme bevor meine Eltern anfangen, sich Sorgen zu machen — oder ich ihnen zumindest sage, wo ich bin — ist alles in Ordnung.

Sobald ich in Leahs Auto sitze, beginne ich mit meiner Verwandlung.

Weg mit dem dicken Pulli und raus mit dem verführerischen Tanktop, das ich darunter habe. Ich trage einen Push-up BH, um mein etwas zu klein ausgefallenes Kapital zu maximieren. Die Träger des BHs sind durchaus vorzeigbar, weshalb es mich nicht stört, wenn sie hervorschauen. Ich habe nicht so coole Schuhe wie Leah, aber ich habe es geschafft, meine hübschesten schwarzen Absatzschuhe herauszuschmuggeln. Sie vergrößern mich um etwa zehn Zentimeter. Da ich jeden einzelnen von ihnen benötige, ziehe ich die Schuhe gleich an.

Als nächstes hole ich meinen Schminkbeutel hervor und klappe die Sonnenblende herunter, um den Spiegel zu benutzen.

Vertraute Gesichtszüge blicken mich an. Große, braune Augen und klar definierte schwarze Augenbrauen dominieren mein kleines Gesicht. Rob hat mir einmal gesagt, ich würde exotisch aussehen. Ein wenig kann ich das gerade selbst erkennen. Auch wenn ich nur zu einem Viertel Latino bin, sieht meine Haut immer ein wenig gebräunt aus und meine Wimpern sind außergewöhnlich lang. Künstliche Wimpern nennt Leah sie, aber sie sind hundertprozentig echt.

Ich habe kein Problem mit meinem Aussehen, auch wenn ich mir häufig wünsche, größer zu sein. Das sind meine mexikanischen Gene. Meine Großmutter war klein und das bin ich auch, obwohl meine Eltern beide durchschnittlich groß sind. Das wäre mir auch egal, würde Jake nicht große Mädchen mögen. Ich glaube nicht einmal, dass er mich im Gang überhaupt sieht; ich befinde mich im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf seiner Augenhöhe.

Seufzend trage ich Lipgloss und ein wenig Lidschatten auf. Ich benutze nicht zu viel Make-up, weil ich ganz natürlich am besten aussehe.

Leah dreht das Radio auf und die neuesten Hits dröhnen durch das Auto. Ich lache und fange an, mit Rihanna mitzusingen. Leah fällt auch ein und jetzt schmettern wir beide die S&M Texte mit.

Ohne es zu merken, kommen wir auch schon am Club an.

Wir betreten ihn so, als würde er uns gehören. Leah schenkt dem Türsteher ein strahlendes Lächeln und wir zücken unsere Ausweise. Sie lassen uns ein, kein Problem.

Wir waren noch niemals zuvor in diesem Club. Er befindet sich in einem älteren, leicht heruntergekommenen Teil des Zentrums von Chicago.

»Wie bist du auf diesen Club gekommen?«, rufe ich Leah zu. Ich muss schreien, um die Musik zu übertönen.

»Ralph hat mir davon erzählt«, brüllt sie zurück und ich verdrehe die Augen.

Ralph ist Leahs Ex-Freund. Sie haben sich getrennt als er anfing, sich seltsam zu benehmen, aber sie reden trotzdem noch miteinander. Ich glaube, dass er Drogen nimmt oder so etwas. Ich bin mir nicht sicher, und Leah erzählt mir, aus falscher Loyalität zu ihm, nichts. Er ist der König des Zwielichts, und die Tatsache, dass die Empfehlung für diesen Ort von ihm kam, ist nicht sehr beruhigend.

Aber was soll's. Sicherlich ist die Gegend nicht die Beste, aber die Musik ist gut, und die anderen Gäste sind auch eine nette Mischung.

Wir sind hier, um Party zu machen, und genau das tun wir auch die nächste Stunde lang. Leah bringt ein paar Jungs dazu, uns einen Longdrink auszugeben. Wir trinken nicht mehr als einen pro Kopf. Leah — weil sie uns nach Hause fahren muss, und ich — weil ich Alkohol nicht gut vertrage. Wir sind vielleicht jung, aber wir sind nicht blöd.

Nach den Longdrinks tanzen wir. Die beiden, die uns eben die Drinks ausgegeben haben, tanzen mit uns, aber wir ziehen uns nach und nach von ihnen zurück. Sie sind nicht wirklich süß. Leah findet eine Gruppe heißer Typen im Studentenalter und wir pirschen uns an sie heran. Sie beginnt eine Unterhaltung mit einem von ihnen und ich schaue ihr lächelnd dabei zu. Sie ist gut, was diesen ganzen Flirtkram betrifft.

Unterdessen teilt meine Blase mir mit, es sei Zeit, die Damentoilette aufzusuchen. Also verlasse ich Leah und folge meiner Blase.

Auf meinem Rückweg bitte ich den Barmann um ein Glas Wasser. Nach dem ganzen Tanzen habe ich Durst.

Er reicht es mir und ich schütte es gierig hinunter. Als ich fertig bin, stelle ich das Glas ab und schaue auf.

Direkt in ein Paar stechend blaue Augen.

Er sitzt an der gegenüberliegenden Seite der Bar, etwa drei Meter von mir entfernt — und er starrt mich an.

Ich starre zurück. Ich kann nichts dagegen tun. Er ist wahrscheinlich der bestaussehendste Mann, der mir jemals begegnet ist.

Sein Haar ist dunkel und leicht gelockt. Sein Gesicht ist hart und männlich, alle seine Gesichtszüge sind perfekt symmetrisch. Geradlinige Augenbrauen über diesen auffallend blassen Augen. Ein Mund, der zu einem gefallenen Engel gehören könnte.

Mir ist plötzlich sehr warm, als ich mir vorstelle, wie dieser Mund meine Haut, meine Lippen berührt. Wenn ich leicht erröten würde, hätte mein Gesicht schon die Farbe von roter Bete.

Er steht auf, geht auf mich zu und hält mich immer noch mit seinem Blick fest. Er geht entspannt. Ruhig. Er ist sich völlig sicher. Und warum auch nicht? Er ist umwerfend, und er weiß es.

Als er näher kommt bemerke ich, dass er ein großer Mann ist. Groß und gut gebaut. Ich weiß nicht, wie alt er ist, aber ich denke er ist näher an der dreißig als an der zwanzig. Ein Mann, kein Junge.

Er steht neben mir und ich muss mich darauf konzentrieren zu atmen.

»Wie heißt du?«, fragt er sanft. Seine Stimme dringt durch die Musik, ihr tiefer Ton ist selbst in dieser lauten Umgebung deutlich zu hören.

»Nora«, sage ich leise und schaue zu ihm hinauf. Ich bin völlig hypnotisiert, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er das weiß.

Er lächelt. Seine sinnlichen Lippen öffnen sich und geben den Blick auf gleichmäßige, weiße, Zähne frei. »Nora. Ein schöner Name.«

Er stellt sich nicht vor, weshalb ich meinen Mut zusammennehme und ihn frage: »Wie heißt du?«

»Du kannst mich Julian nennen«, antwortet er und ich beobachte, wie sich seine Lippen bewegen. Ich war noch nie zuvor so fasziniert von den Lippen eines Mannes.

»Wie alt bist du, Nora?«, will er als nächstes wissen.

Ich blinzele. »Einundzwanzig.«

Sein Gesichtsausdruck verdunkelt sich. »Lüg mich nicht an.«

»Fast achtzehn«, gebe ich zögernd zu. Ich hoffe, er wird es nicht dem Barmann erzählen und mich rausschmeißen lassen.

Er nickt, so als habe ich seine Vermutungen bestätigt. Und dann hebt er seine Hand und berührt mein Gesicht. Leicht, zart. Sein Daumen streicht gegen meine Oberlippe, so als würde er neugierig sein, wie sie sich anfühlt.

Ich bin so schockiert, dass ich einfach nur dastehe. Niemand hat das jemals getan, mich so beiläufig, so besitzergreifend berührt. Mir ist heiß und gleichzeitig kalt. Ein Angstschauer läuft mir über den Rücken. Er zögert nicht, bei dem was er macht. Er fragt nicht um Erlaubnis, hält nicht inne um zu sehen, ob ich seine Berührung zulasse.

Er berührt mich einfach. So als habe er das Recht dazu. So als gehöre ich zu ihm.

Ich atme zitternd ein und nehme Abstand. »Ich muss gehen«, flüstere ich und er nickt erneut, betrachtet mich mit einem unleserlichen Ausdruck auf seinem wunderschönen Gesicht.

Ich weiß, er lässt mich gehen und erbärmlicherweise bin ich ihm dankbar dafür — weil irgendetwas tief in mir spürt, dass er auch leicht hätte weiter gehen können, dass er nicht nach den normalen Regeln spielt.

Und dass er wahrscheinlich das gefährlichste Wesen ist, welches ich jemals getroffen habe.

Ich drehe mich um und gehe durch die Menge. Meine Hände zittern und mein Herz schlägt zum Zerspringen.

Ich muss raus hier, also schnappe ich mir Leah und lasse mich von ihr nach Hause fahren.

Als wir aus dem Club gehen, blicke ich zurück und sehe ihn wieder. Er starrt mich immer noch an.

Sein Blick hält ein dunkles Versprechen — etwas, das mich erschauern lässt.

2

Nora

Die nächsten drei Wochen vergehen wie im Flug. Ich feiere meinen achtzehnten Geburtstag, lerne für die Abschlussklausuren und verbringe Zeit mit Leah und meiner anderen Freundin Jennie. Ich gehe zum American Football, um Jake spielen zu sehen, und bereite mich auf die Abschlussfeier vor.

Ich versuche, nicht mehr an den Zwischenfall im Club zu denken, denn immer wenn ich es mache, fühle ich mich wie ein Feigling. Warum bin ich weggerannt? Julian hatte mich kaum berührt.

Ich kann meine seltsame Reaktion kaum verstehen. Ich war erregt gewesen, aber gleichzeitig lächerlich verängstigt.

Und jetzt verbringe ich schlaflose Nächte. Anstatt von Jake zu träumen, wache ich oft auf, fühle mich heiß und unwohl, mit einem Pochen zwischen den Beinen. Dunkle, sexuelle Bilder dringen in meine Träume ein, Dinge, über die ich niemals zuvor nachgedacht habe. Eine Menge davon dreht sich um Julian, der etwas mit mir macht, während ich hilflos bin, unfähig mich zu bewegen.

Manchmal denke ich, ich werde verrückt.

Ich drücke diesen beunruhigenden Gedanken weg und konzentriere mich aufs Anziehen.

Heute ist mein Highschoolabschluss und ich bin aufgeregt. Leah, Jennie und ich haben nach der Zeremonie große Pläne. Jake schmeißt eine Nach-Dem-Abschluss-Party bei sich zu Hause. Es wird die perfekte Gelegenheit sein, mit ihm zu reden.

Ich trage ein schwarzes Kleid unter meiner blauen Abschlussrobe. Es ist schlicht, aber es steht mir gut, hebt meine kleinen Rundungen hervor. Ich trage außerdem zehn Zentimeter Absätze. Ein bisschen zu viel für eine Abschlussveranstaltung, aber ich brauche die zusätzliche Größe.

Meine Eltern fahren mich zur Schule. Ich hoffe diesen Sommer genug Geld zu sparen, um mir für die Uni mein eigenes Auto kaufen zu können. Ich habe geplant, zur örtlichen Universität zu gehen, weil es so billiger wird. Ich werde also immer noch zu Hause wohnen.

Das macht mir nichts aus. Meine Eltern sind nett und wir kommen gut miteinander aus. Sie lassen mir eine Menge Freiheiten — wahrscheinlich weil sie denken, ich sei ein gutes Kind, käme niemals in Schwierigkeiten. Sie haben fast Recht. Außer den gefälschten Ausweisen und dem gelegentlichen Clubbing führe ich ein recht beschauliches Leben. Keine Alkoholexzesse, kein Rauchen, keine Drogen — auch wenn ich schon einmal auf einer Party gekifft habe.

Wir kommen an und ich finde Leah. Für die Zeremonie aufgestellt, warten wir geduldig bis unsere Namen aufgerufen werden. Es ist ein perfekter Tag für Anfang Juni — nicht zu heiß, nicht zu kalt.

Leahs Name wird zuerst aufgerufen. Zu ihrem Glück beginnt ihr Nachname mit einem 'A'. Mein Name ist Leston, also muss ich noch weitere dreißig Minuten stehen. Wenigstens sind wir in unserer Abschlussklasse nur hundert Schüler. Einer der Vorteile, in einer Kleinstadt zu leben.

Mein Name wird aufgerufen und ich gehe mir mein Zeugnis abholen. Ich schaue in die Menge, lächle und winke meinen Eltern zu. Ich freue mich, weil sie so stolz aussehen.

Ich schüttele die Hand des Direktors und gehe zurück zu meinem Sitz.

Und in diesem Moment sehe ich ihn wieder.

Mein Blut gefriert in meinen Adern.

Er sitzt in den letzten Reihen und beobachtet mich. Ich kann seine Augen auf mir fühlen, selbst aus dieser Entfernung.

Irgendwie schaffe ich es, ohne zu fallen die Bühne zu verlassen. Meine Beine zittern und mein Atem ist schneller als normal. Ich nehme neben meinen Eltern Platz und hoffe, dass sie meinen Zustand nicht bemerken.

Warum ist Julian hier? Was will er von mir? Ich atme tief durch und versuche, mich zu beruhigen. Mit Sicherheit ist er wegen jemand anders hier. Vielleicht hat er einen Bruder oder eine Schwester in der Abschlussklasse. Oder einen anderen Verwandten.

Aber ich weiß, ich belüge mich selbst.

Ich erinnere mich an seine besitzergreifende Berührung und weiß, er ist noch nicht fertig mit mir.

Er will mich.

Ein Schauer läuft mir bei diesem Gedanken den Rücken hinunter.

Nach der Zeremonie sehe ich ihn nicht mehr und bin erleichtert. Leah fährt uns zu Jakes Haus. Sie und Jennie unterhalten sich die ganze Zeit, da sie so aufgeregt sind, mit der Schule fertig zu sein und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Normalerweise würde ich mich ihrer Unterhaltung anschließen, aber ich bin zu durcheinander davon, Julian gesehen zu haben. Also sitze ich einfach schweigend da. Aus irgendeinem Grund hatte ich Leah nichts von dem Treffen im Club erzählt. Ich sagte ihr damals einfach, ich hätte Kopfschmerzen und wolle nach Hause fahren.

Ich weiß nicht, warum ich mit Leah nicht über Julian reden kann. Ich habe kein Problem damit, alles über Jake bei ihr loszuwerden. Vielleicht ist es einfach zu schwierig für mich, ihr zu beschreiben, welche Gefühle Julian in mir weckt. Sie würde nicht verstehen, warum er mir Angst macht.

Ich verstehe es ja selbst nicht richtig.

Die Party in Jakes Haus ist schon in vollem Gange, als wir ankommen. Ich bin immer noch entschlossen, mit ihm zu reden, aber ich bin zu aufgewühlt, Julian erneut gesehen zu haben. Ich beschließe, etwas flüssigen Mut vertragen zu können.

Ich verlasse die Mädels, gehe zu dem Fass und schenke mir einen Becher Bowle ein. Als ich daran rieche, bin ich mir sicher, dass sie Alkohol enthält und trinke den ganzen Becher auf einmal.

Fast augenblicklich werde ich benebelt. Wie ich in den letzten Jahren herausgefunden habe, vertrage ich nahezu keinen Alkohol. Ein Getränk ist schon fast meine Grenze.

Ich sehe, wie Jake in die Küche geht und folge ihm.

Er macht sauber, schmeißt übriggebliebene Becher und dreckige Papierteller weg.

»Möchtest du ein wenig Hilfe dabei?«, frage ich.

Er lächelt und an den äußeren Winkeln seiner braunen Augen bilden sich Fältchen. »Na klar, danke. Das wäre großartig.« Sein mit sonnengebleichten Strähnen durchzogenes Haar ist ein wenig länger und fällt über seine Stirn, was ihn besonders niedlich macht.

Ich schmelze innerlich dahin. Er ist so hübsch. Nicht auf die beunruhigende Art Julians, sondern auf eine schöne Weise. Jake ist groß und muskulös, aber nicht besonders riesig für einen Quarterback. Nicht riesig genug, um Football an der Uni zu spielen; das hat mir zumindest Jennie mal erzählt.

Ich helfe ihm aufzuräumen, fege einige Chipskrümel von der Theke und wische die Bowle auf, die auf den Boden gespritzt war. Die ganze Zeit über schlägt mein Herz vor Aufregung ganz schnell.

»Nora, stimmt's?«, meint Jake und schaut mich an.

Er kennt meinen Namen!

Ich grinse ihn breit an. »Ja, das stimmt.«

»Ich finde das wirklich großartig, dass du mir hilfst, Nora«, sagt er offen zu mir. »Ich schmeiße gerne Partys, aber das Aufräumen am nächsten Tag ist beschissen. Also versuche ich jetzt schon, ein bisschen was wegzumachen, bevor es zu schlimm wird.«

Mein Grinsen wird noch breiter und ich nicke. »Natürlich.«

Das verstehe ich völlig. Ich liebe es, dass er so nett und nachdenklich zu sein scheint, viel mehr als nur ein Sportler.

Wir beginnen, uns zu unterhalten. Er erzählt mir von seinen Plänen für das kommende Jahr. Im Gegensatz zu mir studiert er woanders. Ich sage ihm, dass ich plane, die nächsten zwei Jahre hierzubleiben, um Geld zu sparen. Danach würde ich gerne zu einer richtigen Uni wechseln.

Er nickt zustimmend und meint, das sei clever. Er hatte auch darüber nachgedacht, etwas in dieser Art zu machen, aber dann hatte er das Glück, ein komplettes Stipendium für die Universität von Michigan zu bekommen.

Ich lächle und gratuliere ihm. Innerlich hüpfe ich vor Freude auf und ab.

Wir verstehen uns. Wir verstehen uns wirklich gut. Er mag mich, das merke ich. Warum hatte ich ihn nur nicht eher angesprochen?

Wir reden etwa zwanzig Minuten lang, bevor jemand in die Küche kommt und Jake sucht.

»Ach Nora«, meint Jake bevor er wieder zurück zur Party geht, »hast du morgen schon was vor?«

Ich schüttele meinen Kopf und halte meinen Atem an.

»Was hältst du davon, wenn wir ins Kino gehen?«, schlägt Jake vor. »Vielleicht noch etwas in einem kleinen Fischrestaurant essen?«

Ich grinse und nicke wie ein Idiot. Ich habe zu viel Angst, etwas Dummes zu sagen, also halte ich meinen Mund.

»Klasse«, meint Jake und grinst zurück. »Ich komme dich um sechs abholen.«

Er geht, um wieder der Gastgeber der Party zu sein, und ich suche die Mädchen. Wir bleiben noch ein paar Stunden, aber ich rede nicht mehr mit Jake. Er ist von seinen Sportlerfreunden umgeben, und ich möchte ihn nicht stören.

Aber ab und an erwische ich ihn dabei, wie er in meine Richtung schaut und lächelt.

Die nächsten vierundzwanzig Stunden verbringe ich schwebend. Ich berichte Leah und Jennie alles, was passiert ist. Sie freuen sich für mich.

Ich bereite mich auf unser Date vor. Ich ziehe ein niedliches blaues Kleid an und ein Paar hochhackige, braune Stiefel. Sie sind so ähnlich wie Cowboystiefel, nur ein wenig schicker und ich weiß, sie stehen mir.

Jake holt mich Punkt sechs ab.

Wir gehen zu Fish-of-the-Sea, einem beliebten örtlichen Bistro, das nicht allzu weit vom Kino entfernt liegt. Es ist ein netter Ort zum Hinsetzen, nicht allzu förmlich.

Perfekt für das erste Date.

Wir amüsieren uns prächtig. Ich erfahre mehr von Jake und seiner Familie. Er fragt mich viele Sachen und wir entdecken, dass wir die gleiche Art von Filmen mögen. Irgendwie mag ich keine Mädchenfilme, aber liebe billige Weltuntergangsfilme mit vielen Spezialeffekten. Genau wie Jake.

Nach dem Essen gehen wir uns einen Film ansehen. Leider ist es keine Apokalypse, aber trotzdem ein ziemlich guter Actionfilm. Während der Vorstellung legt Jake seinen Arm um meine Schultern, und ich kann meine Freude kaum verbergen. Ich hoffe, dass er mich heute Abend küssen wird.

Als der Film zu Ende ist, gehen wir durch den Park. Es ist schon spät, aber ich fühle mich völlig sicher. Die Kriminalitätsrate unserer Stadt ist vernachlässigbar, und es gibt ausreichend Straßenbeleuchtung.

Wir gehen spazieren und Jake hält meine Hand. Wir sprechen über den Film. Dann hält er an und schaut zu mir runter.

Ich weiß, was er möchte. Es ist das gleiche, das ich auch möchte.

Ich schaue zu ihm rauf und lächle. Er erwidert mein Lächeln, legt seine Hände auf meine Schultern und beugt sich hinunter, um mich zu küssen.

Seine Lippen fühlen sich weich an und sein Atem riecht nach dem Mintkaugummi, welches er vorhin gekaut hat. Sein Kuss ist zärtlich und schön, genau so, wie ich gehofft hatte.

Dann ändert sich plötzlich alles.

Ich weiß nicht einmal, was passierte oder wie es passierte. In einem Moment küsste ich Jake und im nächsten liegt er bewusstlos auf dem Boden. Eine große Gestalt beugt sich über ihn.

Ich öffne meinen Mund, um zu schreien, aber ich bekomme nicht mehr als einen Ton heraus, bevor eine große Hand meinen Mund und meine Nase zuhält.

Ich fühle einen scharfen Stich in einer Seite meines Halses und dann versinkt meine Welt in Dunkelheit.

3

Nora

Ich wache mit hämmernden Kopfschmerzen und einem flauen Magen auf. Es ist dunkel und ich kann nichts sehen.

Einen Augenblick lang kann ich mich nicht an das erinnern, was passiert ist. Habe ich auf der Party zu viel getrunken? Dann bekomme ich einen klaren Kopf und die Ereignisse der letzten Nacht brechen hervor. Ich erinnere mich an den Kuss und dann... Jake! Oh Gott, was ist mit Jake passiert?

Was ist mit mir passiert?

Ich habe solche Angst, dass ich einfach nur zitternd daliege.

Ich liege auf etwas Bequemen. Ein Bett mit einer guten Matratze höchstwahrscheinlich. Ich liege unter einer Decke, aber ich kann keine Anziehsachen auf meinem Körper fühlen, nur die Weichheit der Baumwolllaken auf meiner Haut. Ich berühre mich und merke, dass ich Recht habe: Ich bin völlig nackt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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