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Studienarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Soziologie - Wohnen und Stadtsoziologie, Note: 1,7, Technische Universität Dresden, Sprache: Deutsch, Abstract: Bis heute zählt dieser Essay, den ich im Folgenden aus zweckmäßigen Gründen kurz mit „Die Stadt“ bezeichnen werde, zu den am wenigsten rezipierten Texten Webers, vielleicht auch ein Resultat der Unsicherheit über die eigentliche Absichten, die Weber mit seinen Ausführungen verfolgte. Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, die Essenz seiner Studie über die Stadt herauszuarbeiten um im Anschluss die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten des Textes untereinander abzuwägen.
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Veröffentlichungsjahr: 2008
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Wohl kein anderer Text Max Webers rief so viele Missverständnisse und Interpretationsschwierigkeiten hervor, wie dessen unvollendeter Aufsatz „Die Stadt“. Über Webers Intention bezüglich dieses Essays wurde viel spekuliert, weit verbreitete Meinung der Weberexperten ist jedoch, dass er in der heutigen Form, als siebtes Kapitel der Herrschaftssoziologie in „Wirtschaft und Gesellschaft“, zumindest in seiner Gesamtheit, thematisch eher fehl am Platz ist.1Verschiedene Faktoren erschweren die Interpretation dieses Textes, der in den letzten Ausgaben von „Wirtschaft und Gesellschaft“ unter dem Titel „Die nichtlegitime Herrschaft. (Typologie der Städte)“ zu finden ist, zu Webers Lebzeiten jedoch unveröffentlicht blieb. Zunächst einmal konnte viele Jahre über die genaue Entstehungszeit des Textes nur gemutmaßt werden, ein Umstand, der die exakte thematische Einordnung in sein Gesamtwerk nicht unerheblich erschwert. Mittlerweile wird jedoch angenommen, dass die Niederschrift in den Jahren zwischen 1911 und 1914 erfolgte. Zweitens, wenn auch Weber generell dazu tendierte, die „wichtigsten Punkte seiner Argumentation in einem Dschungel von Aussagen zu vergraben“2, ist dieser Text für den Leser überdurchschnittlich diffizil. Begründet liegt dies im abrupten Abbrechen, der Neuaufnahme schon behandelter Themen, sowie der Tatsache, dass manche Stellen eher den Charakter von Exzerpten aus der Literatur haben, so dass bisweilen sogar bezweifelt wurde, dass hier überhaupt ein zusammenhängender Text vorläge.3Drittens, der Text wurde im Laufe der Jahre schon in unterschiedlichster Form und unter verschiedenen Überschriften veröffentlicht, diese verlegerische Odyssee steht somit sinnbildlich für die Unsicherheit hinsichtlich der Einordnung in sein Gesamtwerk. Es begann damit, dass Marianne Weber dem Mohr-Verlag mitteilte, dass sie Manuskripte ihres Mannes gefunden habe, darunter einen Aufsatz mit dem Titel „Formen der Stadt“. Erschienen ist dieser Text zunächst jedoch im Jahr 1920 im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik unter dem Titel „Die Stadt. Eine soziologische Untersuchung“, später, unter dem gleichen Titel, in der ersten Ausgabe von „Wirtschaft und Gesellschaft“. Der Privatgelehrte Johannes Winckelmann und zeitweilige Herausgeber von „Wirtschaft und Gesellschaft“ nahm ihn schließlich 1956 unter der,
1Vgl. W. Nippel, Die antike Stadt in Max Webers Herrschaftssoziologie, in: E. Hanke/W. Mommsen
(Hg.), Max Webers Herrschaftssoziologie, Tübingen 2001, S. 189.
2Vgl. R. Bendix, Max Weber, an intellectual portrait, New York 1962, S.XXI.
3Vgl. W. Nippel, Max Weber und die okzidentale Stadt, in: Berliner Journal für Soziologie, Heft 3,
1995, S. 361.
