Übergangsmänner liebt man nicht - Marit Bernson - E-Book
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Übergangsmänner liebt man nicht E-Book

Marit Bernson

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Beschreibung

"Etwas Lockeres zum Trösten wäre jetzt genau das Richtige." Lia wurde von ihrem Freund verlassen, nachdem er einen Job in den USA angenommen hat. Obwohl sie überzeugt davon ist, dass es richtig war, nicht mit ihm zu gehen, leidet sie unter der Trennung. Für ihre beste Freundin ist sofort klar, was Lia braucht: Einen Taschentuchmann, jemanden, der ihr über die Trennung hinweghilft und ihre Seele tröstet, bis sie bereit ist, die nächste große Liebe zu finden. Tatsächlich erlebt Lia mit Henry eine aufregende Zeit und genießt die Affäre, um deren Zukunft sie sich keine Gedanken machen muss. Denn in einen Übergangsmann soll man sich ja nicht verlieben, oder? Abgeschlossener Liebesroman mit Herzklopfen und Happy End. Seitenzahl der Printausgabe: 204

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Und tschüss!

Mein neues Leben

So etwas wie eine Übergangsjacke?

Das Prinzip des Übergangsmannes

Karamellgrün?

Sprung über die Mauer

Eine Katze würde Abhilfe schaffen

Dinge, die man beim ersten Date eigentlich nicht tut

Befreiend wenig Druck

Eine Übernachtung kommt selten allein

Ab in die Freundschaftsecke!

Nicht anrufen!

Die merkwürdige Woche ohne Henry

Fast poetische Zweisamkeit

Nichtöffentliches Händchenhalten

Ein neuer Mann in meinem Bett

Übergangsmänner liebt man nicht, oder?

Wie, Australien?

Ein gebrochenes Herz braucht keiner

Der Sommermann

Bye, bye, Übergangsmann!

Mein Beuteschema

Die Peitsche im Schlafzimmer

Beziehungsblind

Was wir hatten

Eine große Geste

Genrewechsel

Newsletter

Über die Autorin

Weitere Geschichten

1

Und tschüss!

 

Völlig unbewegt beobachtete ich, wie Jan in den kleinen Lieferwagen stieg. Er hielt kurz in der Bewegung inne und drehte seinen Kopf in meine Richtung. Ein schnelles Winken, dann war er im Auto verschwunden. Ich hatte keine Gelegenheit gehabt, den Gruß zu erwidern. Nicht dass es noch darauf ankäme. Wir würden uns kaum so schnell wiedersehen.

Ich wandte mich zur Haustür, lockerte den Türstopper und schloss sie hinter mir, bevor ich die zwei Treppen zu meiner Wohnung hochging. Meine Wohnung! Nicht mehr unsere. Drei Jahre hatten wir hier zusammengelebt und geglaubt, wir würden es noch lange gemeinsam tun.

Doch er war weg und ich ganz allein.

 

***

 

»War es schlimm?«, fragte Biggi und schlürfte herzhaft an ihrem Milchshake, den sie schon fast ausgetrunken hatte.

Ich rührte lustlos in meinem und brummte als Antwort.

Biggi legte die flache Hand über ihr Glas und schlürfte noch einmal, wobei die Hand das Geräusch etwas dämpfte, dann seufzte sie und blickte mich an.

»Bereust du schon, nicht mitgegangen zu sein?«, fragte sie und fuhr sich durch ihre kurzgeschnittenen blonden Haare, die danach genauso akkurat lagen wie vorher.

Ich schüttelte den Kopf. »Was soll ich denn dort? Mir bliebe nur, einen Aushilfsjob zu suchen, dabei kann ich nicht mal richtig Englisch.«

»Er hat dir doch angeboten, nicht arbeiten zu müssen, weil er so gut verdient.«

Ich schnaubte. »Damit ich ihm dann seinen Haushalt führe und versauere? Nein, ich habe nichts in Milwaukee zu suchen. Das war sein Traum. Nicht meiner!«

Jan hatte immer davon geträumt, einen Job in den USA zu bekommen und dann auszuwandern. Jedenfalls behauptete er das nun. Bis vor wenigen Wochen wusste ich nichts davon. Er hatte mich einfach so damit überfallen. Aber ich konnte hier nicht weg. Und ich wollte es auch nicht.

»Bist du noch sauer auf ihn?«, fragte Biggi.

»Sauer ist das falsche Wort. Wenn es sein Traumjob ist, kann ich es ihm nicht vorwerfen. Worüber ich mich aber geärgert habe, ist, dass er einfach davon ausging, seine Karriere wäre wichtiger als meine. Im Prinzip war er derjenige, der sauer war, weil ich nicht Hurra geschrien habe, als er mir seine Pläne eröffnet hat. Und ich war wohl auch nicht Grund genug für ihn, zu bleiben.«

Biggi war endlich fertig mit ihrem Shake und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück.

»Gab es Streit?« Sie kräuselte die Stirn.

Wieder schüttelte ich den Kopf, und Biggi verzog das Gesicht.

»Ich hätte mehr erwartet nach drei Jahren«, sagte sie.

»Was? Dass wir uns fetzen?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ein bisschen mehr Leidenschaft eben.« Ihr Blick verklärte sich. Vermutlich dachte sie an Steffen, ihren Freund, mit dem sie sich wegen jeder Kleinigkeit streiten konnte. Jan und ich hatten uns oft darüber amüsiert und uns dafür beglückwünscht, wie viel harmonischer es zwischen uns lief.

Zu harmonisch anscheinend in Biggis Augen.

»Ein Streit hätte wohl nichts geändert«, erwiderte ich.

»Das kann gut sein. Aber im Grunde zeigt es doch, dass …« Sie stockte.

»Was?«, fragte ich gereizt.

Sie wand sich etwas, aber das war reine Höflichkeit. Irgendwann sagte sie immer, was sie zu sagen hatte.

»Zwischen euch war es ja nie so richtig … heiß. Ihr wart nett zusammen. Aber das ist doch langweilig, wenn man sich immer einig ist.«

»Nett?«

»Ich meine ja nur.«

Ich zuckte lediglich mit den Schultern. Biggi mochte recht haben in Bezug auf fehlende Leidenschaft. Trotzdem tat es nicht weniger weh, dass Jan nun aus meinem Leben verschwunden war.

 

 

2

Mein neues Leben

 

Die ersten Tage allein in meiner Wohnung lagen hinter mir. Ich hatte vorsichtshalber Urlaub genommen, falls mich der Blues überfallen würde, sobald Jan weg war. Doch ich empfand nichts. Natürlich fehlte es mir, dass niemand auf mich wartete, wenn ich nach Hause kam – ich war immerhin zweimal einkaufen gewesen. Aber die Art, wie wir unsere Beziehung beendet hatten, brachte mich ins Grübeln. Irgendwie war es uns beiden leichtgefallen, einander loszulassen. Unsere Wege wurden von äußeren Umständen auseinandergerissen, und wir hatten dem Druck sofort nachgegeben und nicht einmal versucht, gemeinsam weiterzugehen. Er wollte weg, ich nicht, also war das mit uns erledigt.

Was hatte uns bis dahin überhaupt zusammengehalten? Die pure Gewohnheit?

Da der Blues nun ausfiel, beschloss ich, wieder arbeiten zu gehen. Diese Grübeleien führten zu nichts. Je eher ich mich an mein neues Leben, und zwar allein, gewöhnte, umso besser.

 

***

 

Ich arbeitete in einer kleinen Anwaltskanzlei. Es war kein Sekretärinnenjob, wie Jan ihn erst kürzlich bezeichnet hatte. Ich war mehr eine Assistentin, erledigte Fallrecherchen, sprach mit Mandanten. Dafür wurde ich auch gut bezahlt. Für meinen Traumberuf Anwältin hatte es nach dem Abi nicht gereicht, das Jurastudium war mir einfach zu trocken, sodass ich die Uni nach einigen Semestern verließ und eine Ausbildung als Rechtsanwaltsgehilfin in einer großen Kanzlei anfing. So konnte ich mich sofort in die Praxis stürzen und dem nachgehen, was mir lag: Fälle bearbeiten, kreative Vorgehensweisen entwickeln. Gina, Inhaberin und einzige Anwältin der Kanzlei, in der ich jetzt arbeitete, war zwar auf Versicherungsrecht spezialisiert, übernahm aber beinahe jeden anderen Fall auch, der an sie herangetragen wurde, denn das Anwaltsgeschäft war hart umkämpft. Umso mehr schätzte sie mich und meine Recherchen und behandelte mich eher wie eine Gleichgestellte als eine Untergebene. Die Kanzlei lag uns beiden gleichermaßen am Herzen.

Hatte ich das Jan wirklich nie vermitteln können? Wusste er nicht, was mein Job mir bedeutete?

Gina war froh, dass ich meinen Urlaub vorzeitig beendete.

»Wie geht es dir?«, fragte sie, als ich morgens in die Kanzlei kam. Mit einer schnellen Kopfbewegung beförderte sie einige Strähnen ihres langen dunkelblonden Haars aus dem Gesicht.

Wir sprachen viel über unsere Privatleben – sie war nur fünf Jahre älter als ich –, und so wusste sie natürlich, dass ich gerade eine Trennung verarbeiten musste.

»Ganz gut«, sagte ich und meinte es auch so. Gina saß an dem großen Tisch im Konferenzzimmer und wühlte sich offensichtlich durch einen Stapel Urteile. Sie war der analoge Typ und druckte sämtliche Urteile aus, die relevant sein könnten, während ich digital vorsortierte.

Ich deutete auf den Papierberg. »Soll ich?«

Gina lächelte dankbar, was ihre hellbraunen Augen auf eine ungewöhnliche Weise wärmer wirken ließ. »Ich habe eine Stichwortliste angelegt. Vielleicht schaust du noch mal …?«

»Mache ich«, erwiderte ich. »Du denkst an den Gerichtstermin heute Nachmittag?«

Gina nickte.

»Alles schon sortiert?«

Wieder nickte sie. »Du warst ja schon so gut wie fertig. Danke!«

Ohne mich war sie wirklich verloren. Doch das wusste sie.

»Ich mache uns beiden mal Kaffee«, sagte Gina nämlich nun. »Und dann erzählst du mir genau, wie es war.«

Während sie in unsere kleine Küche ging, setzte ich mich an den Tisch, nahm den Laptop, der dort bereitstand, und begann von vorne mit der Recherche. Das würde schneller gehen, als diesen Stapel durchzugehen. Die Hälfte der Urteilsausdrucke war bestimmt unbrauchbar. Ich suchte relevante Fälle heraus, die die Anliegen unserer Mandanten stützten, sodass Gina die passenden Argumente aufbereiten konnte.

Wir waren ein perfektes Team.

 

***

 

Eine weitere Woche später hatte ich mich in mein neues Leben besser eingefunden. Da ich bisher ohnehin immer zu Hause mit dem Essen auf Jan gewartet hatte, änderte sich im Grunde nicht so viel, wenn man es von außen betrachtete.

Ich kam in eine leere Wohnung, zusammen mit den Einkäufen für das Abendessen – allerdings jetzt nur noch mit der Hälfte an Zutaten. Dann kochte ich wie immer und aß es dann tatsächlich sofort. Ein völlig neues Erlebnis! Jan arbeitete immer mindestens bis um sieben, aber oft genug wurde es erst neun, bis wir essen konnten. Er hatte die Angewohnheit, erst um acht Bescheid zu geben, sodass ich mit dem warmgehaltenen Essen auf ihn warten musste. Wenn es mir zu lange dauerte, aß ich schon vorher und hatte dann ein schlechtes Gewissen, weil er die aufgewärmten Reste bekam. Dabei beschwerte er sich nie deswegen, genauso wenig, wie ich mich darüber aufregte, dass er so spät kam.

Wenn ich genau über alles nachdachte, hatte es auch gar keinen Grund gegeben für ihn, sich über irgendetwas zu beschweren. Er setzte sich an den gedeckten Tisch und wechselte von dort aufs Sofa. Der Haushalt war immer gemacht, weil er schließlich keine Zeit für so etwas hatte. Nun blieb nur noch die Hälfte an Hausarbeit übrig – halbe Menge an Wäsche und Geschirr und nur meine eigene Unordnung, die zu beseitigen war.

Mein Leben änderte sich nun also dergestalt, dass ich gegen halb sieben zu Abend aß, sobald das Essen fertig war, danach die Küche aufräumte und dann alleine auf dem Sofa saß. Wenn man von der Tatsache absah, dass ich allein war, lernte ich jetzt trotz allem, welche Vorteile es hatte, nur für sich verantwortlich zu sein. Eine durchaus neue Erfahrung.

Es fühlte sich merkwürdig an, dass Jan nun weg war.

3

So etwas wie eine Übergangsjacke?

 

Biggi überredete mich, mal wieder auszugehen. Wir gingen in eine Bar. Biggi und ich waren seit zehn Jahren unzertrennlich. Damals kam sie ein Jahr vor dem Abi neu an die Schule, und wir mochten uns sofort. Um sie herum hatte sich eine Art Clique gebildet, die aus Clara und Marion, zwei Kolleginnen von Biggi, sowie ihrer jüngeren Schwester Diana bestand. Die Männerbegleitungen wechselten hin und wieder. Der Rest blieb konstant. Biggi hatte Steffen dabei, Diana ihren Freund Hannes. Wir anderen drei kamen unbemannt.

Ohne Jan war es merkwürdig.

Clara und Marion gingen auf Männerfang, während Diana es von der Toilette nicht mehr ganz zurück zu unserem Tisch geschafft hatte, sondern stattdessen einige Meter entfernt heftig mit ihrem Freund flirtete. Die Schwestern drückten ihre Gefühle eben besonders offensichtlich aus. Diana stand dabei Biggi kein bisschen nach. Mehr als einmal war es schon vorgekommen, dass ich wie eine Spannerin daneben saß, während Steffen und Biggi miteinander herumknutschten. Dabei waren sie länger zusammen, als Jan und ich es gewesen waren. Beinahe vier Jahre schon.

Doch heute saßen sie brav nebeneinander. Biggi schien nämlich eine Mission zu haben.

»Der Typ hat dich angeschaut«, sagte sie nun zum dritten Mal in der letzten halben Stunde.

Schon wieder folgte ich höflich ihrem Blick und nickte dann, bevor ich einen Riesenschluck von meinem türkisfarbenen Cocktail nahm.

Wenigstens Steffen machte ihr die Freude und pflichtete ihr bei, als sie mir wieder vorschlug, dem vermeintlich herschauenden Typen, der eben an uns vorbeigegangen war, unauffällig zu folgen.

Ich verzog nur das Gesicht und verbiss mir einen Kommentar.

Klar, ich ging irgendeinem Typen nach, der zufällig in meine Richtung geschaut hatte, um dann was genau zu tun?

»Mann, Lia«, rief Biggi ungeduldig. »Du bist wieder frei. Besser, du suchst dir gleich etwas Neues. Man soll doch sofort wieder in den Sattel steigen.« Sie grinste Steffen an, der zurückgrinste und dann ihren Hals küsste.

Musste Liebe schön sein!

»Was schaust du denn so?«, fragte Biggi. »Ist dir die Lust auf die Liebe vergangen?«

Steffen legte seine Hand auf meinen Unterarm und sagte gespielt gekünstelt: »Du darfst die Hoffnung auf Liebe niemals aufgeben.«

Ich lachte, während Biggi ihm auf den Oberarm schlug und dann durch seine halblangen braunen Haare fuhr, weil er das hasste. Steffens Witze trafen bei mir meistens ins Schwarze. Wenn Jan hier gewesen wäre, hätte er die Augenbrauen hochgezogen und sich angestrengt verkniffen, zu lachen.

Nein, wenn er hier gewesen wäre, hätte Steffen diesen Witz nicht machen können.

Dann eben einen anderen. So oder so hätte Jan ausgesehen, als würde ihm das Lachen eher zum Hintern herauskommen als aus seinem Mund.

Mich hatte das nie gestört. Er war eben so.

Biggi wandte sich jetzt wieder mir zu. »Der Laden ist voller heißer Typen. Such dir einen aus. Das hilft am besten, um … jemanden zu vergessen.«

»Ich stehe nicht auf One-Night-Stands«, murrte ich. Das Lachen war mir wieder vergangen.

»Dann muss es also der nächste Traummann sein«, stellte Steffen fest und zwinkerte mir zu.

»Ich bin noch nicht bereit für etwas Neues«, erwiderte ich.

»Du musst ja nicht gleich wieder mit ihm zusammenziehen«, sagte Biggi. »Nimm dir einen Übergangsmann!«

»Einen was? Ist das so etwas wie eine Übergangsjacke? Weil wir Frühling haben? Einen Mann, bis der Sommer da ist?«

Biggi grinste. »Du Witzige! Nein, ich meine etwas anderes. Du bist nicht der Typ für One-Night-Stands, das weiß ich doch, aber etwas Lockeres zum Trösten wäre jetzt genau das Richtige. Such dir einen süßen Typen, mit dem es nicht so ernst werden könnte, und komm über Jan hinweg. Danach kannst du deinen Traummann suchen.«

Ich schnaubte.

»Aber pass auf, dass du nicht bei ihm hängenbleibst«, sagte Steffen. »Ich bin von Biggi nicht mehr losgekommen.« Sofort landete Biggis Faust wieder auf seinem Oberarm.

Steffen rieb sich die Stelle. »Zum Glück bin ich dort schon abgehärtet.« Jetzt legte er beide Arme um Biggi. »Du bist die beste Übergangsfrau überhaupt.«

Sie tat, als wollte sie sich losmachen, doch Steffen drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Biggi riss sich los und wischte den Kuss ab. »Von wegen Übergangsfrau! Deine Ex war eine Vorbereitungsfrau … auf mich, deine große Liebe.« Ihre hellblauen Augen funkelten kampfeslustig.

Steffen nickte heftig. »Du hast recht, Herrin Biggi.«

Biggi stöhnte. »Du nervst. Ich versuche hier, ein ernsthaftes Gespräch mit Lia zu führen.«

Steffen senkte den Kopf. »Entschuldigung, Herrin Biggi!«

Biggi schüttelte den Kopf, während ich inzwischen nicht mehr aufhören konnte zu grinsen.

»Hach«, sagte ich, »wenigstens ihr beiden seid mir geblieben.« Ich spürte, wie meine Augen feucht wurden. Dabei wollte ich gar nicht so rührselig werden. Richtig traurig fühlte ich mich auch nicht, eher erleichtert, weil mir gerade eben klar wurde, was für tolle Freunde ich hatte. Jan war mit allen gut ausgekommen, aber im Grunde waren es meine Freunde. Da er nun weit weg in den USA weilte, würden wir uns wenigstens nicht in die Quere kommen.

Schnell blinzelte ich die Tränen weg, nahm einen weiteren Schluck aus meinem Glas und drehte meinen Kopf, um mich bei Biggi nicht zu verraten.

Mein Blick traf den eines Mannes. Er lächelte nicht, sein Gesichtsausdruck war nicht zu deuten. Hatte er mich schon länger beobachtet?

Ich wandte mich wieder Biggi zu, die ihrer Schwester etwas zurief.

Die kehrte nun endlich mit Hannes an den Tisch zurück und würde mich hoffentlich vor weiteren Ausführungen zu Übergangsmännern bewahren.

»Worüber redet ihr gerade?«, fragte sie.

»Darüber, dass Lia einen Übergangsmann braucht«, erwiderte Biggi.

Na toll! Sie ließ nicht locker.

Ich hatte gerade einen Schluck aus meinem Glas nehmen wollen, setzte es aber wieder ab, um sie zum Schweigen zu bringen.

Doch Diana war schneller.

»Oh ja, den kannst du gut gebrauchen!«, stimmte sie zu und nickte aufmunternd in meine Richtung.

»Du nicht auch noch!« Ich verdrehte die Augen.

»Was soll das sein?«, fragte Hannes.

»Ein Mann, der über eine Trennung hinwegtröstet, bis der wahre Traummann aufkreuzt«, erwiderte Steffen gespielt ernst.

Diana grinste. »Es sei denn, man bleibt hängen wie du bei Biggi.«

Steffen und Diana lachten.

»Haha!«, rief Biggi. »Habt ihr euch abgesprochen?«

Hannes runzelte die Stirn. Bestimmt hatte er genauso wenig Ahnung wie ich.

»Habt ihr schon jemanden ins Auge gefasst für Lia?«, fragte er und sah sich auffällig um. »Da drüben schaut einer her. Sieht so aus, als meinte er dich.«

Ich folgte seinem Blick und traf wieder auf jenen des Mannes von eben. Er stand jetzt allerdings woanders, näher an der Bar, eine hübsche Frau neben sich, die ihm etwas ins Ohr sprach, woraufhin er sich von mir abwandte.

Ich hatte zu lange zurückgeschaut. Mist!

»Oh, nun ist er schon vergeben!«, sagte Hannes.

Ich stöhne laut. »Muss das jetzt jeder mitbekommen?!«

»Jeder?«, fragte Biggi. »Clara und Marion wissen noch von nichts.« Sie winkte den beiden zu, und die kamen auch sofort, als hätten sie nur auf ein Zeichen gewartet. »Lia braucht einen Übergangsmann«, rief sie ihnen entgegen.

»Aaah!« Clara wackelte mit den Augenbrauen, während Marion kicherte.

Ich holte tief Luft. Anscheinend hatte ich das Memo verpasst, in dem erklärt wurde, was ein Übergangsmann war. Doch es war zwecklos. Biggi hatte sich festgebissen und würde nicht lockerlassen.

Wenig unauffällig blickten die vier Mädels sich um. Steffen schien sich köstlich zu amüsieren. Aber wenigstens strahlte mir aus seinen dunkelblauen Augen etwas Mitleid entgegen, als ich ihn hilfesuchend ansah.

Doch er zuckte nur mit den Schultern.

Klar, gegen Biggi kam er natürlich auch nicht an.

»Blond, braun oder rot?«, fragte Clara.

»Hauptsache ein Kerl«, erwiderte Biggi. »Er sollte nur hübsch sein.«

»Wie wäre es mit dem?« Clara deutete mit dem Kopf auf einen sehr muskulösen Typen, der in diesem Moment an uns vorbeiging.

Ich verdrehte die Augen.

»Der kann ja nicht mal die Arme an den Körper legen«, sagte ich.

»Dann kann er dich besser umarmen«, hielt Biggi dagegen.

»Das muss er sogar, damit nicht auffällt, wie aufgepumpt er ist.« Steffen schüttelte den Kopf.

»Oh, neidisch?«, säuselte Biggi. »Ein bisschen Training könnte dir auch nicht schaden.«

Steffen wandte sich mir zu. »Dann los! Schnapp ihn dir, damit er mir zeigen kann, wie ich Muskeln bekomme.«

»Wir suchen jemanden für Lia und nicht für dich.« Biggi hielt ungerührt weiter Ausschau.

Marion beugte sich verschwörerisch vor.

---ENDE DER LESEPROBE---