Und in uns der Himmel - Johannes Albendorf - E-Book
Beschreibung

Eine Entscheidung treffen ... Das Schwerste, aber auch Schönste im Leben. Der junge Jonas verliebt sich im Priesterseminar in den charismatischen Christian. Zwischen Dom und Bibliothek, zwischen Badesee und Rom erleben sie die Schönheit und Turbulenzen einer großen Liebe. Kann ihr Glück von Dauer sein? Einfühlsam und in poetischen Bildern beschreibt Johannes Albendorf mit großer Eindringlichkeit das Dreiecksverhältnis zwischen den beiden jungen Männern - und der Kirche. Dabei entzieht sich diese betörende Geschichte einer Lebensliebe den gängigen Schwarz-Weiß-Kategorien der Weltanschauungen.

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Seitenzahl:195

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Johannes Albendorf

© 2016 AAVAA Verlag

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2016

Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag

Coverbild: man farmer surveys wheat field harvest #88827567

Urheber: Yevhenii Kukulka

Printed in Germany

Taschenbuch:  ISBN 978-3-8459-1984-3

Großdruck:     ISBN 978-3-8459-1985-0

eBook epub:   ISBN 978-3-8459-1986-7

eBook PDF:   ISBN 978-3-8459-1987-4

Sonderdruck  Mini-Buch ohne ISBN

AAVAA Verlag, Hohen Neuendorf, bei Berlin

www.aavaa-verlag.com

eBooks sind nicht übertragbar! Es verstößt gegen das Urheberrecht, dieses Werk weiterzuverkaufen oder zu verschenken!

„It's so deep I don't think that I can speak about it“

Kate Bush

I.

Als Priester zu einer Trauung zu fahren ist an und für sich auch in der heutigen Zeit nichts Ungewöhnliches. Die alltäglich hohen Scheidungsraten wären ohne vorherige Eheschließungen schlussendlich nicht möglich – und erstaunlich viele Romantiker träumen immer noch davon, sich in einer Kirche und in weiß und mit einem auf der Orgelempore mehr oder weniger tontreffend gejuchzten „Ave Maria“ das Ja-Wort zu geben.

Ungewöhnlicher ist es allerdings, wenn man als Priester für diese Hochzeit einige hundert Kilometer zu reisen hat und noch ungewöhnlicher ist es, wenn man zu einer schwulen Trauung fährt. Um keine euphorischen oder abendlanduntergängerischen Missverständnisse aufkommen zu lassen : Ich reise privat. Ich bin nicht als Zelebrant angefragt, wie auch? Meine Mutter Kirche äußerst sich zu derlei Unterfangen immer noch ablehnend, auch wenn zuweilen mildere und humanere Töne in den Äußerungen von einigen einsichtigen Bischöfen und Kardinälen anklingen.

Nun gut.

Ich reise eh inkognito.

Niemand weiß, wohin die Reise geht, ich wohl auch nicht.

Ich werfe einen Blick auf die große, von schmutzigen Tauben verzierte Uhr an der Bahnhofsfassade. Natürlich bin ich viel zu früh aufgebrochen.

Ich kaufe mir in der Buchhandlung einen Thriller und weiß, ich werde ihn nie lesen. Ich kaufe Brötchen und Kaffee und weiß, ich werde vor Aufregung nichts essen und trinken können.

Denn ich fahre zu dir.

Der Zug ist überfüllt und die Klimaanlage pumpt eisige Luft in die Waggons. Surrend und zuckend rasen wir über die Schienen, laut geführte Handygespräche und aus Ohrenstöpseln hämmernde Rhythmen mit nervenzersägendem Rapperlärm irritieren mich.

Ich bin als Priester nicht zu erkennen. Oder doch? Ich hätte es sein sollen, doch habe ich den Kragen nicht angelegt, das Silberkreuz nicht angesteckt, es wäre gar zu heikel.

In blühender Frische fliegt die Sommerlandschaft vorbei, so schön und flüchtig, dass es weh tut.

Wir fahren in ein Unwetter hinein und warmer Regen donnert herab, er zaubert irre Tröpfchen- und Schlierenmuster an die Scheiben.

Ich trinke nun doch einen Schluck des pappigen Kaffees, der längst kalt geworden ist.

Die Wolken schweigen über der Weite, als sei ihr Werk noch nicht vollendet und weißer Dampf steigt von der Erde auf.

Müsste ich nicht ein Gefühl von Freiheit verspüren?

Ich kann nicht stillsitzen. Ich blättere im Fahrplan und stoße auf den Namen Burggraf. Natürlich. Ich muss lachen, traurig lachen. Dort haben wir uns kennengelernt. Im Priesterseminar. Klassischer geht es nicht. Schwieriger auch nicht.

Und nun, nach all den Jahren, wieder ein Lebenszeichen von dir, ein Brief : An einem gewöhnlichen Morgen die Post sortieren und auf einmal deine Handschrift lesen; sie hat sich meiner Seele eingebrannt wie alles, was mit dir zu tun hat ... meinen Namen also in deiner Schrift. Ich sah dich vor mir, wie du geschrieben hast – und musste lächeln, trotz all meiner Aufregung, in mir hat es seitdem zu zittern begonnen und es will sich nicht beruhigen.

Ich habe an dem Umschlag gerochen, aber da war nichts, nur Papier, natürlich.

Mein Lächeln verschwand, als ich die Karte aus dem Umschlag zog. Es war die Einladung zu einer Partnerschaftssegnung.

In Köln.

II.

Nie werde ich das Gefühl vergessen, das mich jedesmal beim Betreten des Burggrafer Domhügels durchfuhr. Vor allem an jenem ersten Tag vor vielen Jahren, als ich zum Seminar reiste - weder ein schwerer Rucksack noch zwei wuchtige Koffer konnten meine Vorfreude trüben, denn es war, als würde ich in die Dimensionen einer ganz anderen, einer geistigen Welt eintauchen, einer Welt, in der die Uhren langsamer zu ticken schienen und die Zeit nicht in Minuten und Stunden, sondern in Jahrzehnten und Jahrhunderten gemessen wurde.

Zunächst führte mein Weg durch den von hohen Häusern beengten Dominikanergang mit seinen scharfen Kurven und dem glitschigen Kopfsteinpflaster, doch nach der letzten Biegung tat sich ein riesiges Plateau auf, unvermittelt stand ich vor dem mächtigen und zugleich verspielt wirkenden Burggrafer Dom mit seinen prächtigen Mittelschiffen und dem gotischen Paradies, alles bewacht von einem barocken Türmchen über der Vierung. Paradiesisch auch die dort vorherrschende Stille, der Lärm der Stadt war nur mehr eine Ahnung, vom melancholischen Gesang einer Amsel verweht. Üppig bepflanzte Blumenkübel verströmten einen geradezu verstörend sinnlichen Duft.

Ich ging um die gewaltige Westfassade des Doms herum und da lag es, mein Ziel, das erzbischöfliche Priesterseminar mit der benachbarten katholischen Fakultät.

Mein ganzes Leben schien mit einer meist fließenden Selbstverständlichkeit auf diesen Moment hin gelebt worden zu sein, denn ich war in Gott verliebt, anders kann ich es nicht formulieren – und ich bin es heute noch, trotz allem. Oder gerade deswegen.

Erfüllt von Vorfreude und gleichzeitig vom Frieden des Ankommenden durchströmt, schleppte ich mein Gepäck durch das blutrot gestrichene Eingangstor des Seminars, welches von einem reich geschmückten Wappen gekrönt war.

In der großen Eingangshalle war die Pförtnerloge unbesetzt und es war kühl. Sofort tat sich eine Tür am hinteren Ende des langen Ganges auf und der Herr Regens trat heraus und begann, wie ein Rollschuhläufer zu mir hinzuschweben.

Einigermaßen erstaunt stellte ich meine Koffer ab. Als Leiter des Priesterseminars ist der Regens eine überaus würdevolle Respektperson, er hat die Oberaufsicht, sowohl über die wirtschaftlichen Belange des Seminars als auch für die Beurteilung der Weihekandidaten.

Zudem war Klaus Kotulla damals ein Mann in den späten Fünfzigern. Eher von schmaler Statur rollschuhte er also leicht vornübergebeugt auf mich zu, mit den ruckartigen Bewegungen einer Elster, die sich in einer für sie völlig fremden Umgebung verirrt hat und sich nun mit verkrampfter Gesamtmotorik und skeptischen Blicken zurechtzufinden sucht. Sein weißer Haarkranz war von gelblichen Flecken durchzogen und sein Brillengestell war zu filigran für eine grobporige Nase, die aussah, als hätte Hochwürden des öfteren mal eine verpasst bekommen.

Seine rechte Gesichtshälfte verzog sich in Richtung Stirn, was sich mit einigem guten Willen als Willkommenslächeln interpretieren ließ. Ich reichte ihm meine Hand und er wich unmerklich zurück, umfasste sie flüchtig mit geübtem Händedruck.

„Ah, unser letzter Neuzugang! Kommen Sie, ich werde Ihnen ihr Zimmer zeigen. Dort können Sie sich ein bisschen frisch machen, nicht wahr! Um viertel nach sechs findet in der Seminarkirche die Vesper statt und danach treffen wir uns im Refektorium zum Essen. Kommen Sie, kommen Sie!“

Ich wollte ihm folgen – und wäre beinahe ausgerutscht. Endlich verstand ich seine Art der Fortbewegung. Also passte ich mich an und rollschuhte in rhythmischer Eintracht hinter ihm her – bis wir zu einer ausladenden und gerundeten Treppe gelangten und abrupt bremsen mussten, sie führte zu den Zimmern der Priesteramtskandidaten im zweiten Stock.

„So, da wären wir schon.“ Schwungvoll öffnete Kotulla dort oben die hinterste Tür auf der rechten Seite des von der Treppe wegführenden Gangs und breitete seine Arme aus.

„Ich bin gleichsam wie Jesus, der Ihnen die Pforten zum Paradiese öffnet, nicht wahr?!“

Pflichtschuldigst schmunzelte ich über diesen, wie ich fand, etwas anmaßenden Vergleich.

„Das wird also ihr Zimmer sein. Unsere Stille kann man als klausurhaft und streng bezeichnen und das ist gut so, denn die Stille ist das Tor zum Himmel.“

Das war mir klar und ich nickte.

„ … und das gilt für einen noch unerleuchteten Priesteramtskandidaten natürlich in besonderem Maße!“

Kurz nickte er mir zu und verschloss die Tür – von außen.

Nach einer verdutzten Minute stellte ich mein Gepäck ab und trat als erstes an die große Fensterfront. Alle Zimmer des obersten Stockwerks waren durch einen langen, durchgehenden Balkon miteinander verbunden. Ich trat auf denselbigen und atmete tief durch. Vor meinen Augen tat sich ein fast mediterran flirrender Innenhof auf. Sein plätschernder Brunnen fing die Strahlen der Sonne auf und ein uralter Kastanienbaum flutete beruhigendes Grün bis in die obersten Stockwerke. Ein Rabe saß auf der Balkonrüstung und beobachtete mich mit schräg gelegtem Kopf.

Ich verscheuchte den Vogel und ging wieder hinein, ließ den Sommerwind mein neues Zuhause erkunden, den großen, knarzenden Schrank und das schmale Bett, die Bücherborde und den Schreibtisch, auf dem sich ein Lilienstrauß als Willkommensgruß fand. Über dem Bett hing ein Gemälde des Erzengels Michael, es beherrschte den Raum.

Ich entkleidete mich und schlüpfte unter die Dusche im kleinen Badezimmer. Das Wasser rauschte und auf einmal spürte ich jedes Wassermolekül ebenbürtig in mir tosen, wie ein Echo  oder vielmehr, als hätte es einen Zwilling oder Spiegel in mir, ich schüttelte meinen Kopf mit den nassen, blonden Haaren, übersprühte das ganze Bad mit tausenden von Tropfen und als sie die Fliesen und das Spiegelglas herabzufließen begannen, sahen sie aus wie Tränen, Freudentränen. Ich betrachtete mich im Spiegel und sah einen athletischen, jungen Mann, der studieren würde, viel Sport trieb - und irgendwann heiraten, eine Familie gründen und seine blauen Augen und sein blondes Haar weitervererben würde - so würde jedermann und jederfrau denken oder hoffen – Irrtum! Jahrelanges Schwimmen und Laufen hatten zwar meinen Körper geformt und ich fühlte mich wohl in ihm - dennoch suchte er keine menschliche Ergänzung und ich litt nicht darunter, hatte es selten auch nur bedauert.

Ich rubbelte mich trocken und begann auszupacken, schob als erstes meine Bücher in die Regale, geordnet nach Sachgebieten und persönlicher Vorliebe – Theologie, Spiritualität, Philosophie und Psychologie, Kunst- und Kirchengeschichte, einiges Belletristisches.

Wäsche und Kleidung kamen in den Schrank, die Waschutensilien in das immer noch von Tropfen übersprühte Bad und die leeren Koffer unters Bett. Dann zog ich mich an – und wartete.

Es war so still, man könnte meinen, allein im Haus zu sein. Um sechs Uhr ging ich in die Seminarkirche.

III.

Jahre später hält mein Zug wieder in Burggraf. Ich starre aus dem Fenster. Du bist längst nicht mehr dort, aber ich reise dennoch zu Dir. Wir haben in dieser Stadt unsere Spuren hinterlassen, auch wenn das außer uns kaum noch jemand wissen kann. Warum aber schickst du mir so eine Einladung, nachdem ich jahrelang nichts von dir gehört habe? Zugegeben, es war meine Schuld, dass wir keinen Kontakt mehr miteinander hatten. Aber dennoch : Willst du mich an deiner Freude teilhaben lassen? Oder mir zeigen, was ich verpasst habe? Das ist unnötig, ich weiß es selber. Und ich weiß, dass du es weißt. Also hast du es wohl einfach gut gemeint. Hast du?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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