...und über ihm der Galgen - Horst Weymar Hübner - E-Book
Beschreibung

Western von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten. Dies ist die dramatische Geschichte um Hondo Bates, den Vormann der Cottonwood-Ranch. Unerschrocken nimmt er den Kampf gegen die mächtigen Landhaie von Texas auf. Mit Entschlossenheit und Härte stellt er sich auf die Seite der Verlorenen, der Verzweifelten und der unschuldig Gejagten. Der Name Hondo Bates wird zum Fanal des Widerstandswillens gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Aber unerbittlich und skrupellos schlagen seine Feinde zurück. Sie treiben Hondo mit raffinierten Tricks immer mehr in die Enge – bis in den Schatten des Galgens …

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl:129

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Horst Weymar Hübner

...und über ihm der Galgen

Western

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

...und über ihm der Galgen

Western von Horst Weymar Hübner

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten.

 

Dies ist die dramatische Geschichte um Hondo Bates, den Vormann der Cottonwood-Ranch. Unerschrocken nimmt er den Kampf gegen die mächtigen Landhaie von Texas auf. Mit Entschlossenheit und Härte stellt er sich auf die Seite der Verlorenen, der Verzweifelten und der unschuldig Gejagten. Der Name Hondo Bates wird zum Fanal des Widerstandswillens gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Aber unerbittlich und skrupellos schlagen seine Feinde zurück. Sie treiben Hondo mit raffinierten Tricks immer mehr in die Enge – bis in den Schatten des Galgens …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Hondo saß wie gelähmt im Sattel und starrte auf den Toten.

Der Mann lag neben dem Weg, dicht beim Saguarofeld, den Revolver noch in der Hand.

Soweit Hondo sehen konnte, war es Beatty Mace. Dass er ausgerechnet den Revolver mit der linken Hand gegriffen hatte, war rätselhaft.

Seit Jahren hatte Mace nichts mehr mit der linken Hand packen können, selbst beim Anziehen war ihm die Hand mehr hinderlich als nützlich gewesen.

Das lähmende Entsetzen wich von Hondo, die Sache gefiel ihm nicht.

Er lauschte in die Runde. Im Saguarofeld stöberte ein kleines Tier. Die Ohren des Pferdes spielten; der Wallach war aber nur wegen des Toten beunruhigt.

Wachsam und voller Misstrauen stieg Hondo ab und drehte den Toten auf den Rücken. Es war tatsächlich Beatty Mace, und er war noch nicht einmal steif.

Unter dem Körper war nicht ein Tropfen Blut ins trockene Erdreich gesickert!

Er musste aber sehr stark geblutet haben. Schon wegen der drei Kugeln, die ihn alle von hinten getroffen hatten. Zwei in den Rücken, eine in die Hüfte.

Die Ausschusslöcher boten einen fürchterlichen Anblick. Die Reste von Beattys Hemd waren mit Blut verkrustet und hart.

Wäre er hier getötet worden, hätte eine Blutlache am Boden sein müssen. Demnach war er woanders erschossen worden. Man hatte ihn dann hergeschafft und auf der Weide der Cottonwood-Ranch liegen lassen. So nah beim Weg, dass ihn jedermann finden musste, der von der Ranch zur Silver-Fork-Weide unterwegs war.

An den Anblick von toten Männern hatte sich Hondo schon fast gewöhnt. In letzter Zeit war das Land härter und das Leben gewalttätiger geworden.

Der Sheriff aus Trimblestone hatte fünf plötzliche Todesfälle registrieren müssen. Davon allein drei, die die Cottonwood-Ranch betrafen. Mit Beatty waren es vier; für Sheriff Raven wurde das halbe Dutzend voll.

Und doch ging Hondo der Tod von Beatty nahe. Er war ein treuer und zuverlässiger alter Mann gewesen, einer von denen, die am längsten auf der Cottonwood-Ranch waren und sie als Heimat betrachteten.

Vor zwei Tagen war er mit ihm herausgeritten, weil man am Silver Fork Fährten gesichtet hatte. Die Suche hatte nichts erbracht. Beatty hatte angeboten, auf eigene Faust weiterzusuchen.

Er musste eine Entdeckung gemacht haben, die so schwerwiegend war, dass man nicht gezögert hatte, ihn von hinten zu erschießen.

Hondo sah sich nach brauchbaren Spuren um.

Zwei Stiefelpaare hatten Abdrücke neben dem Weg hinterlassen. Das war aber auch alles.

Man hatte Beatty auf einem Pferd hergebracht.

Leider waren auch viele andere Pferdefährten auf dem Weg.

Irgendwie hatte Hondo das Gefühl, dass man Beatty absichtlich hier abgelegt hatte. Das war nicht die typische Arbeit der Viehdiebe. Die hätten Beatty dort liegen lassen, wo er gestorben war, und zugesehen, dass sie mit dem Vieh weiterkamen und einen Vorsprung gewannen, bevor die Reiter der Cottonwood-Ranch wie zornige Hornissen ausschwärmten.

Viehdiebe hatte es zu allen Zeiten in diesem Teil des Landes gegeben. Wenn man sie sichtete, wurde auf sie geschossen. Meist zogen sie sich dann in die Berge zurück und kamen nach einiger Zeit wieder.

Seit die Trockenheit ins dritte Jahr ging, traten sie häufiger auf.

Es war ein offenes Geheimnis, dass sogar kleine Rancher Vieh von den Weiden ihrer mächtigen Nachbarn holten. Nicht, um die Tiere zu verkaufen. Die brachten keinen Preis mehr. Sie aßen sie auf.

Die Diebstähle waren ein Ärgernis, aber Hemp Ambush hatte seinem Vormann und der Mannschaft verboten, etwas gegen die kleinen Nachbarn zu unternehmen.

Das musste sich ändern. Jetzt. Sofort!

Hondo zog Beatty ins Saguarofeld, bettete ihn in den Schatten der Kakteen und bedeckte ihn mit trockenem Sage. Dann schlug er mit dem Gewehrkolben zwei Auswüchse von einem Kaktus ab und schleuderte sie bis zum Weg.

Er ließ sie als Markierung liegen.

Das nächste Camp war auf der Jaca-Weide. Dort hatten sie schon immer die Pferde stehen. Daher der Name. Vielleicht hatten die Männer in der Nacht Schüsse gehört. Oder am Tag etwas beobachtet. Länger als zwanzig Stunden war Beatty nicht tot.

Hondo trieb den Wallach voran. Hinter dem Saguarofeld bog er nach rechts zur Pferdeweide ab. Geradeaus ging es zum Land am Silver Fork.

Die Leute sollten Beatty abholen und zur Ranch bringen. Damit waren sie beschäftigt, und er hielt sie davon ab, voller Wut zum Silver Fork zu reiten und eigenmächtig nach Spuren zu suchen. Zu schnell war ein wichtiger Hinweis zertrampelt.

Um die Mittagszeit erreichte Hondo die Jaca-Weide. Sie war der wichtigste Außenposten. Denn ohne Pferde ging nichts. Die Cottonwood-Ranch war stolz darauf, dass sie ihren gesamten Pferdebedarf selber züchtete.

Nur hatte die Sache einen Haken. Als Oberaufseher über die Jacas war Pegleg eingesetzt. Er verteidigte seine Pferde mit Zähnen und Fäusten.

Es war einfacher, einem Pumaweibchen die Jungen wegzunehmen, als dem krummbeinigen und zerknitterten Pegleg ein Pferd abzuschwatzen.

Hondo hatte ein ungutes Gefühl, als er die Leute nicht bei der Arbeit sah. Sie drückten sich bei der Erdhütte und den zwei Kastenwagen herum.

Zögernd machten ihm die Männer Platz.

Im Schatten einer Wagenplane lag Pegleg. Die Leute hatten ihm eine Bettrolle untergeschoben. Das Gesicht des alten Burschen war fahl und die Haut wie durchsichtiges Wachs. Unnatürlich spitz ragte die Nase über seinem zerkauten Schnurrbart auf.

Hondo blickte in die Runde. Er sah nur bedrückte Gesichter und merkte, wie schlecht die Stimmung war. Nigel, der Pferdepfleger mit den tausend Sommersprossen, senkte den Kopf, als er Hondos scharfen Blick besonders lange auf sich gerichtet sah.

»Wir haben ihn vor zwei Stunden gefunden«, murmelte er. »Es steht nicht gut.«

»Wo?« Nur dieses Wort sagte Hondo, aber die Männer wussten Bescheid.

»Er muss in der Nacht fortgeritten sein. Niemand hat ihn gehört«, sagte Nigel. »In aller Herrgottsfrühe sind drei Mann auf seiner Fährte geritten. Er lag am Sabine Ear in einem Weidengebüsch und hielt mit beiden Händen die Kugellöcher zu.«

Hondo warf Nigel die Zügel zu und kauerte sich neben Pegleg auf die Absätze. Er zwang sich zu einem Lächeln, es fiel ihm schwer. »Na, du alter Weidepirat, wie geht’s?«

Das wachsgleiche Gesicht zuckte, die Runzelfalten wurden tiefer.

»Pumas werde ich heute keine schießen«, krächzte Pegleg. Er machte sich und anderen nichts vor. Ein Grinsen glitt über sein Gesicht, fast wie eine wehmütige Erinnerung an Zeiten, da er noch ein Mann voller Saft und Kraft war und den Ruf eines fürchterlichen Kämpfers hatte.

»Für dich schieße ich einen mit«, versprach Hondo doppelsinnig. Ihre Blicke trafen sich. In Peglegs Augen kehrte ein zufriedener Ausdruck ein.

»Warum bist du rausgeritten?«

»Weiß nicht.« Eine Schmerzwelle flutete durch Pegleg. Seine Hände tasteten zu den Kugellöchern, die ihm die Männer verbunden hatten. »Manchmal spürt man etwas, es treibt einen raus. Ich hatte das Gefühl, ich müsste unbedingt zum Silver Fork.«

»Bist du in eine Falle gegangen?« Hondo rollte eine Zigarette, zündete sie an und steckte sie Pegleg in den Mundwinkel.

Die Augen des alten Mannes blickten ihn dankbar an. »Bin mitten in sie reingeritten. Es waren drei oder vier. Sah aus, als kämen sie vom Silver Fork.« Pegleg sprach undeutlich. Er sog tief den Rauch ein.

Hondo versteifte sich. »Hast du einen erkannt?«

Pegleg zögerte. »Kann mich auch irren, schließlich war’s mächtig dunkel.«

»Wen, Pegleg?«

»Einer sah aus wie Aasgeier Eccles, weil er wie ein Affe zu Pferd saß. Ist ja nicht gut möglich, was?« Peglegs Stimme wurde schwach und endete in einem Flüstern.

»Dade Eccles? Hast du ihn sprechen hören?«

Pegleg schloss die Augen. Ein krampfartiges Zucken ging durch seinen Körper. Aber er rauchte gierig weiter. Er war noch nicht bereit.

Nach einer ganzen Zeit flüsterte er: »War schon seltsam, meinst du nicht?« Dann öffnete er ganz weit die Augen. »Hast du Angst? Ich habe keine.« Seine Augen blickten bittend. »Was wird jetzt aus meinen Pferden?«

»Du siehst sie.« Hondo richtete den alten Mann etwas auf, fasste ihn unter Oberschenkeln und Armen und trug ihn um die Kastenwagen herum, wo der Blick weit über die Weide mit den Pferden ging.

Behutsam setzte er ihn nieder und lehnte ihn mit dem Rücken gegen ein Wagenrad.

»Soll ich die Stiefel ...?«

»Lass sie mir«, flüsterte Pegleg. Er sah Pferde, seine Jacas. Seine Augen leuchteten unwirklich. Er machte eine matte Handbewegung, dass der Vormann gehen sollte.

Hondo respektierte seinen Wunsch und ließ ihn in den letzten Minuten allein, die Pegleg Abschied nahm.

Die Männer standen schweigend. Nigel hatte feuchte Augen.

Nach einer Weile sahen sie, dass die Zigarette neben Pegleg auf dem Boden qualmte und dass sein Kopf etwas zur Seite gesunken war. Er hatte sich auf den Weg gemacht, von dem es keine Rückkehr gab ...

2

Hondo bewegte die Lippen und versuchte, Worte zu formen. Er räusperte sich. »Bringt ihn heim. Ihn und Beatty.«

Die Männer sahen ihn an, als hätte er in einer unverständlichen Sprache zu ihnen geredet.

»Man hat ihn neben das Saguarofeld gelegt«, sagte Hondo. »Ihr findet zwei Kaktusarme an der Stelle.«

Nigel wurde es unbehaglich beim Klang der Stimme. »Du bist doch mit ihm vorgestern draußen gewesen«, sagte er unsicher.

Hondo sah den Männern zu, wie sie einen Kastenwagen ausräumten und Platz für Pegleg machten. »Die Fährten haben nichts gebracht«, sagte er und wandte sich wieder Nigel zu. »Er wollte weitersuchen. Ich hätte es ihm verbieten müssen.«

Nigel sagte besser nichts mehr. Er sah, dass es in Hondos Gesicht arbeitete, der Vormann machte sich Vorwürfe.

Eben legten die Männer Peglegs Körper auf den Wagen. Sie kamen irgendwie unentschlossen herüber und drucksten herum. Keiner wollte zuerst den Mund aufmachen.

»Wir machen weiter!«, bestimmte Hondo. Seine Stimme klang hart und unpersönlich.

Für diese leidenschaftslosen Worte hätten ihn die Männer verprügeln mögen. Da lag Pegleg! Und er tat, als sei nichts geschehen!

Da und dort zuckte eine Faust.

Hondo stand unter ihnen und blickte sie nur an.

Allmählich begriffen sie, dass er es für Hemp Ambush tat, für den Boss. Aus Liebe zu Cottonwood. Die Ranch war ihnen allen zur Heimat geworden.

»Calhoun ist der älteste Mann nach Pegleg«, fuhr Hondo mit kühler Stimme fort. »Ab jetzt hast du die Aufsicht über die Pferde, Calhoun.«

Die Männer akzeptierten die Anordnung. Hondos Wort war Gesetz und so gut, als hätte es Hemp Ambush gesagt.

Calhoun rieb die Hände an der Hose ab. Er hatte ein schiefes Gesicht und eine entstellende Narbe. Vor einem halben Menschenleben hatte ihn ein Hengst angegriffen und fast erschlagen. Ein Freund vieler Worte war er nicht. Aber was er sagte, hatte Hand und Fuß.

»In Ordnung«, sagte er, und er meinte damit, dass er den Job annahm. »Können wir uns halten?«

Das war eine berechtigte Frage.

Die Zeiten waren schlecht, die Dürre setzte jedermann zu. Da und dort hatten schon Leute aufgegeben und ihr Vieh für einen halben Dollar das Stück angeboten. Nur war ihnen wenig abgekauft worden.

Wer kein eigenes Wasser hatte, und das waren die meisten, trachtete selber danach, sein Vieh an den Mann zu bringen, bevor es auf den braun verbrannten Weiden verdurstete. Der stellte nicht noch zusätzliche unnütze Fresser auf sein Land.

Auch auf Cottonwood wurde das Wasser rar.

In den beiden Bachläufen waren nur noch Rinnsale zu finden, und die drei Quellen reichten bestenfalls für die Hälfte des Viehbestandes.

Und alles war über ein riesiges Gebiet verteilt.

Rund um die Wasserplätze und in einigen kleinen Tälern gab es noch grünes Gras. Dazwischen aber breiteten sich jeden Tag die verdorrten Grasebenen ein Stück mehr aus.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, wie lange es Cottonwood machte.

Calhouns Frage hatte jedoch einen viel tieferen Sinn.

Cottonwood hatte so wenig wie die anderen Landbesitzer in der Gegend seine Steuerabgaben bezahlt.

Weil fast jeder in Texas wegen der Dürre seine Rinder an der Bahn in Kansas verkaufen wollte, waren die Preise zusammengebrochen.

Gegen ein Verkaufstreiben wäre ja nichts einzuwenden gewesen, wenn nicht gleich im ersten Dürrejahr schon die kleinen Rancher von der Existenzangst überwältigt worden wären. Sie taten das Dümmste – sie trieben aus allen Gegenden ihre Tiere zusammen und schickten sie in gewaltigen Herden nach Norden.

Achtzehn Dollar pro Stück hatten sie sich ausgerechnet. Sechs hatten sie bekommen. Das reichte manchmal schon nicht mehr, um die Bank zu bezahlen und die rückständigen Löhne.

Im zweiten Dürrejahr hatte die Angst der Rancher den Viehmarkt vollends ruiniert. Die Aufkäufer brauchten nur noch zu bezahlen, was ihnen vertretbar erschien. Sie gaben den Ranchern zwei Dollar fürs Tier und machten ihren Schnitt.

Die zwangsläufige Folge war, dass in Texas das Geld knapp war.

Jetzt, im dritten Dürrejahr, war die Lage trostlos.

Es gingen keine Rinder mehr hinaus. Wer kaufte schon fellüberzogene Knochengestelle, die sich nur zufällig noch aus eigener Kraft bewegten, auf dem Bahntransport aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eingingen?

Nur Verrückte hätten das getan. Den Aufkäufern konnte man vieles nachsagen, aber bestimmt nicht, dass sie verrückt waren.

Somit kam auch kein Geld herein.

Auf den Ranches arbeiteten die Leute schon fürs tägliche Brot, eine Schlafstelle und ein Dach über dem Kopf. Es war nicht eine Mannschaft bekannt, die mehr als zwei Monatslöhne ausbezahlt erhalten hatte.

Die Leute mussten froh sein, wenn man sie weiterbeschäftigte.

Wer seine Stelle verlor, ritt außer Landes oder stieß zu den ungezählten Gruppen der Entwurzelten und Herumtreiber, die sich mit dunklen Geschäften durchschlugen.

Kein Wunder, dass die Zahl der Viehdiebe täglich wuchs.

Gegen Diebereien aus Not und Hunger erhob niemand Einwände. Man hörte jedoch davon, dass jenseits der Grenze auf mexikanischem Land in letzter Zeit mächtig viel fremdes Vieh aufgetaucht war, und dass es verdammt wie Texasvieh aussah. Dazu wurde gemunkelt, die Dons würden für jeden Kuhschwanz, der lebend über den Rio Grande kam, zehn blanke Cents bezahlen.

Drüben herrschte auch Dürre. Die Dons dachten jedoch daran, dass es irgendwann auch wieder anders werden würde. An dem Tag, an dem es zu regnen begann, waren sie steinreich.

Sie bezahlten wesentlich geringere Löhne – wenn sie überhaupt bezahlten. Sie hatten eine andere Mentalität. Vor allem hatten sie Geduld.

Hondo hatte auch gehört, dass einige Indianeragenten begonnen hatten, halb vertrocknetes Vieh von dunkler Herkunft anzukaufen. Für dreißig Cents pro Tier. Die gehörnten Schreckgestalten ließen sie auch tatsächlich in die Indianergebiete treiben; das war nicht der Haken.

Die Gaunerei war, dass sie sich von der Regierung drei Dollar pro Tier er statten ließen.

Davon, dass Tiere krepierten oder unverkäuflich waren, kam verständlicherweise kein Geld in die Kasse.

Auch nicht in die von Hemp Ambush.

Im ersten Dürrejahr hatte er sich mit den Nachbarn zusammengetan und einen Aufschub der Steuerzahlung erwirkt. Die Leute im Büro in San Antonio waren ja keine Unmenschen. Und der Winter würde sicher den Regen bringen.

Im zweiten Jahr war dann schon ein sehr unfreundlicher Brief aus San Antonio gekommen. Aufschub ja, aber Zinsen. Rückwirkend. Vom Regen schrieben sie nichts mehr.

Auf den hofften Ambush und seine Nachbarn. Bloß brachte der Winter kaum einen Tropfen. Die Leute ahnten Unheil und schrieben einen Brief nach Washington.

Die Antwort brauchte zehn Wochen und war das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben war. Man werde prüfen.

Die habgierigen Seelen vom Steuerbüro in San Antonio hatten es dagegen eilig. Sie drohten. Wenigstens die Zinsen wollten sie sehen.

Hemp Ambush hatte sich mit dem Wisch seine letzte gute Zigarre angezündet.

Vier Wochen nach dieser grimmig belachten Tat war Dade Eccles mit zwei Gehilfen aus San Antonio angekommen. Und seitdem versuchte er mit Drohungen und Versprechungen, bei den Ranchern Geld lockerzumachen.

Bei Sandmire hatte er dafür Schläge mit der Peitsche bekommen. Und Armando Valdes hatte ihm einen Dollar Trinkgeld gegeben.

Eine Woche darauf hatten Unbekannte Sandmire zusammengeschossen, dass der Doc gar nicht wusste, wie er ihn zusammenflicken sollte.

Noch in der gleichen Woche hatte der Wanderprediger aus San Saba, der gelegentlich nach Trimblestone kam, Valdes ein paar Meilen vor der Stadt mit aufgeschlitzten Wangen und mehr tot als lebendig gefunden.

Die Sache hatte viel Staub aufgewirbelt. Hundesohn war die schmeichelhafteste Bezeichnung, die Eccles zu hören bekam.

Der Mann schwor und beteuerte, nichts damit zu schaffen zu haben. Bei Sheriff Raven erstattete er sogar Anzeige wegen Beleidigung.

Raven war ohnehin nicht gut auf ihn zu sprechen und schützte eine verstauchte Hand vor, die ihn hindere, die Sache aufzuschreiben. Im Übrigen nähme jeder rechtschaffene Mann, der sich beleidigt und in der Ehre verletzt fühle, einen Revolver in die Hand und regle seine Angelegenheit selber.

Dade Eccles hätte danach besser den Mund gehalten. Stattdessen hatte er Raven einen verdammten Texasbanditen genannt, der mit dem Ranchergesindel unter einer Decke stecke.

Raven hatte ihn aus dem Office geworfen. Bei geschlossener Tür.

Seitdem hinkte Eccles. Aus Trimblestone aber ging er nicht fort. Er tauschte nur einen seiner Gehilfen gegen einen Mann aus, der mit zwei Revolvern herumspazierte und immer fünf Schritte hinter ihm gehen musste.