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Was, wenn du erwachst und erfährst, dass du ermordet wurdest? Eine Frau liegt in einem Krankenhausbett. Dumpf hört sie, dass um sie herum geredet wird. Als sie wieder voll zu Bewusstsein kommt, erfährt sie, dass sie knapp einen Anschlag überlebt hat. Doch sie leidet unter Gedächtnisverlust. Wird sie sich erinnern, was geschehen ist und nicht nur ihr eigenes Leben retten?
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Seitenzahl: 52
Veröffentlichungsjahr: 2019
Undercover ausgeliefert
Du kennst deinen Mörder
Bernd Kubanz
© 2019
likeletters Verlag
Inh. Martina Meister
Legesweg 10
63762 Großostheim
www.likeletters.de
Alle Rechte vorbehalten.
Autor: Bernd Kubanz
Cover: ©bigstockphotos.com / gualtiero boffi
ISBN: 9783946585169
Erwachen
Amnesie
Der Auftrag
Verrat
Erinnerungen
Die Wahrheit
Die Lichter taten ihr in den Augen weh. Sie versuchte, ihre rechte Hand zu heben, schaffte es aber nicht. Ihr Kopf lag schwer und unbeweglich auf etwas, das sich hart und heiß anfühlte. Etwas stimmte nicht mit ihrem Gesicht, das Ziehen und Brennen unterhalb ihrer Augen erschreckte sie. Es schien, als hätte sie einen Sonnenbrand. Ihr Puls beschleunigte sich, Schweiß trat ihr auf die Stirn, das Blut rauschte durch ihre Schläfen.
Das Einzige, was sie spürte, waren rasende Kopfschmerzen. Alles an ihr war taub, wie narkotisiert, sie fühlte weder ihre Beine noch ihre Arme, nicht einmal ihre Brüste oder ihren Unterleib. Da sie ihren Kopf nicht bewegen konnte, war es unmöglich, festzustellen, ob sie nackt oder angezogen war. Eines wurde ihr aber schon nach wenigen Sekunden klar, sie war absolut hilflos. Wer immer sie in diese Lage versetzt hatte, besaß die absolute Kontrolle über sie. Das machte ihr Angst. Sie wusste nicht, warum ausgerechnet diese Vorstellung für sie so furchteinflößend war, bestand doch die Möglichkeit, dass sie gelähmt oder amputiert war, immerhin spürte sie ihre Gliedmaßen nicht mehr. Obwohl der Gedanke, jemand könnte bei ihr sein, sie in Panik versetzte, öffnete sie den Mund und begann zu sprechen.
»Hallo«, sagte sie.
Hatte sie gesprochen?
Es war nichts zu hören gewesen, außer der Stimme in ihrem Kopf. Sie versuchte es erneut, konzentrierte sich ganz auf das, was sie sagen wollte. Kein Laut war zu hören.
»Oh mein Gott!«
Nichts. Stille. Nur das Pochen ihres Herzens. Sie riss und zerrte an ihren Armen und Beinen, wandte alle Kraft auf, um den Kopf ein wenig zu heben. Sie lag da wie tot. Im Kopf nur diesen einen Gedanken, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war und immer mehr von ihr Besitz ergriff. Sie war gefangen, schutzlos jemandem ausgeliefert, der sie absichtlich in diesen Zustand versetzt hatte, weil er etwas mit ihr vorhatte, bei dem sie sich nicht rühren durfte.
»Hallo!«
Sie war stumm. Auch ihre Stimmbänder waren gelähmt. Die Zunge war noch da, daran konnte es nicht liegen. Man hatte etwas mit ihrem Kehlkopf gemacht. Spürte sie da nicht einen Verband am Hals oder war das nur eine Einbildung?
»Hallo!«
Ein Schatten huschte über sie weg, sie blinzelte rasch einige Male, riss dann die Augen auf, so weit sie konnte. Es wurde erneut dunkel über ihr, etwas schob sich vor die grellen Lichter, die direkt auf ihr Gesicht gerichtet waren. Sie erkannte die Umrisse eines Kopfes, lange Haare, schmales Profil, eine Hand vor ihren Augen, die Finger lang und dünn.
Eine Frau.
Allmählich erkannte sie Einzelheiten dieses Gesichts. Große Augen, blau, klar, lange Wimpern, eine schmale Nase, dünnlippiger Mund, weiße Zähne. Die Frau sagte etwas, ihre Lippen bewegten sich. Sie drehte sich nach links, nickte ein oder zwei Mal. Dann eine Explosion. Es hörte sich an wie ein Pistolenschuss, direkt neben ihrem Ohr.
»Hören Sie mich jetzt?«
Die Stimme einer Frau. Wieder antwortete sie, wieder war nichts zu hören.
»Sie bewegt die Lippen.«
Sie wusste nicht, wer das gesagt hatte. Es war jemand, der sich links von ihr befinden musste.
»Ja, ich habe es gesehen«, sagte die Frau, die noch immer voller Neugier auf sie hinabsah.
»Blinzeln Sie, wenn Sie mich verstehen. Einmal für Ja, zweimal für Nein.« Sie blinzelte einmal.
»Sehr gut!«, lobte die Frau. »Ich bin Ärztin. Mein Name ist Lena Schmitt. Sie sind in der Universitätsklinik. Machen Sie sich keine Sorgen.«
Sollte das ein Witz sein?
Sie sollte sich keine Sorgen machen?
Sie lag gelähmt in einer Klinik, konnte nicht sprechen und hatte bis gerade eben nicht einmal bemerkt, dass jemand bei ihr war, und diese Frau wollte ihr weismachen, dass alles in Ordnung wäre?
»Wir haben alles unter Kontrolle.«
Unter Kontrolle? Von was redete diese Frau eigentlich?
»Können Sie mir einige Fragen beantworten?«
Sie blinzelte rasch.
»Gut. Erinnern Sie sich daran, was passiert ist? Nein? Das habe ich befürchtet. Ok. Machen Sie sich keine Gedanken, das ist ganz normal.«
Normal?
»Wissen Sie noch, wie Sie hierhergekommen sind? Nein ... das dachte ich mir.«
Die Ärztin machte eine kurze Pause, man sah ihr an, dass sie über etwas nachdachte.
»Können Sie mir sagen, wie Sie heißen?«
Sie wusste es nicht!
Ihr Kopf war vollkommen leer, fieberhaft dachte sie nach, aber da war buchstäblich nichts. Sie wusste weder ihren Namen noch ihre Adresse, sie wusste nicht einmal, wie sie aussah.
»Keine Panik! Bitte, beruhigen Sie sich«, sagte die Ärztin. »Es gibt keinen Grund zur Sorge! Glauben Sie mir. Das ist alles ganz normal. Ihr Zustand wird sich sehr bald schon bessern. Ich weiß, sie können ihre Arme und Beine nicht spüren, aber das ist nicht schlimm. Das geht vorbei.«
»Sollen wir die Dosierung erhöhen?« Eine Krankenschwester trat von links an das Bett heran.
»Nein, es ist besser, wenn Sie das Bewusstsein so schnell wie möglich wiedererlangt. Haben Sie Schmerzen?« Sie blinzelte zweimal. »Das freut mich.«
»Was ist mit mir passiert?«, schrie sie lautlos aus vollem Hals.
»Frau Doktor!«, sagte die Schwester und deutete auf etwas über dem Bett. Wahrscheinlich waren es Monitore, mit denen ihre Vitalfunktionen überwacht wurden.
»Ich sehe es«, antwortete die Ärztin und beugte sich etwas weiter zu ihr hinab. »Bitte bleiben Sie ruhig. Aufregung schadet Ihnen nur. Ich nehme an, Sie wollen wissen, was mit Ihnen los ist.«
Sie blinzelte einmal.
»Es geht Ihnen so weit gut. Sie hatten ... einen Unfall, bei dem Sie schwer verletzt worden sind. Die Lähmungserscheinungen sind eine Folge des Komas. Bitte! Warten Sie, hören Sie mir zu! Sie hatten einen Herzstillstand, doch waren Sie nur zwei Tage im Koma und sind von selbst wieder aufgewacht. Ihre Verletzungen sind nicht so schwer, dass sie dauerhafte Schäden hinterlassen werden. Sie werden wieder vollkommen gesund, haben Sie mich verstanden?«
Sie blinzelte einmal. Erleichtert war sie dennoch nicht. Sie wollte sich sehen, wollte wissen, von welchen Verletzungen die Ärztin sprach. Wenn sie ihr nur irgendwie verständlich machen könnte, was sie wollte.
»Ich muss jetzt ...«, begann die Ärztin.
