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Edward Poniewaz

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Beschreibung

Verzweifelt wendet sich eine junge, schwangere Frau an den renommierten Psychologen Dr. Stefan Heimer. Ihr Ehemann will die Geburt des gemeinsamen Sohnes um jeden Preis verhindern, da er an das Schicksal glaubt, bei der Geburt sterben zu müssen. Fasziniert von der ebenso attraktiven wie rätselhaften Frau und dem ungewöhnlichen Fall, versucht er ihr zu helfen. Dabei verstrickt sich Heimer in düstere Machenschaften, die bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft reichen. Zwischen Wahn und Schicksal, zwischen Liebe und Verrat gerät er in tödliche Gefahr und mit ihm die Liebe seines Lebens. Redaktion Lesehits: »Alfred Hitchcock hätte sich auf diesen Thriller gestürzt und ihn mit Grace Kelly und James Stewart verfilmt. Psychologische Manipulationen, eine leidenschaftliche Liebe jenseits aller Gewissheiten und eine Verschwörung, die ihresgleichen sucht – ein rasanter Roman, der in die Abgründe menschlichen Handels führt.« Setting: Gegenwart; Berlin/Zürich/St. Moritz/Schwarzsee

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ähnliche


Inhaltsverzeichnis
Über dieses Buch
Impressum
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Geständnisse
Über den Autor
Über dieses Buch
Verzweifelt wendet sich eine junge, schwangere Frau an den renommierten Psychologen Dr. Stefan Heimer. Ihr Ehemann will die Geburt des gemeinsamen Sohnes um jeden Preis verhindern, da er an das Schicksal glaubt, bei der Geburt sterben zu müssen. Fasziniert von der ebenso attraktiven wie rätselhaften Frau und dem ungewöhnlichen Fall, versucht Heimer ihr zu helfen. Dabei verstrickt er sich in düstere Machenschaften, die bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft reichen. Zwischen Wahn und Schicksal, zwischen Liebe und Verrat gerät er in tödliche Gefahr und mit ihm die Liebe seines Lebens.
»Alfred Hitchcock hätte sich auf diesen Thriller gestürzt und ihn mit Grace Kelly und James Stewart verfilmt. Psychologische Manipulationen, eine leidenschaftliche Liebe jenseits aller Gewissheiten und eine Verschwörung, die ihresgleichen sucht - ein rasanter Roman, der in die Abgründe menschlichen Handels führt.«
www.lesehits.de
Impressum
1. Auflage 2024 Copyright Edward Poniewaz, Köln. Alle Rechte vorbehalten. Die Nutzung für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behält sich der Autor ausdrücklich vor. Lektorat: Kati Hertzsch Korrektorat: Judith Schwibs Coverdesign: Casandra Krammer Covermotiv: Freepik.com - EyeEm, Gimi Totori, Rawpixel Herausgeber: Edward Poniewaz c/o Sven Clauer, Königsberger Weg 8, 53859 Niederkassel (Impressum-Service)Content Note: Kapitel 35 enthält detaillierte Beschreibungen von Gewalt. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Kapitel 1
Der Moment war gekommen. Sie hatten mit Champagner angestoßen, und der Schein der Kerzen ließ ihre Stimmung feierlich werden.
»Jetzt sag schon, was feiern wir heute?«
Er wollte kein Kind und sie war schwanger. Von den vielen Sätzen, die sie abgewogen hatte, wählte sie den einfachsten: »Du wirst Papa!«
Er schwieg, seine aufgerissenen Augen nicht.
Sie versuchte zu lächeln.
»Das kannst du vergessen!«, stieß er hervor.
Das Gemurmel an den Nebentischen verstummte.
Er sprang auf, beugte sich zu ihr. »Ich werde sterben, wenn ein Sohn geboren wird«, flüsterte er ihr ins Gesicht.
»Was redest du da für einen Unsinn?«
Er drehte sich um und verließ das italienische Nobelrestaurant.
Zu Hause hatte sie ihn zur Rede gestellt, geschrien und geweint. Alles war an ihm abgeperlt. In den nächsten Tagen mieden sie das Thema, sprachen nur über das Nötigste. Als er sie fragte, ob sie ihn auf einer Dienstreise nach Berlin begleiten möchte, schöpfte sie Hoffnung und sagte zu. Die Anreise, der traditionelle Spaziergang zum Gendarmenmarkt, die Restaurantbesuche hatten jedoch die Unbeschwertheit früherer Jahre verloren. Das Unausgesprochene lastete auf ihren Gedanken, auf jedem Atemzug. Als sie in der Hotelsuite den Mut gefasst hatte, es noch einmal anzusprechen, schrie er sie an.
»Das Kind darf nicht geboren werden. Verstehst du das denn nicht?«
Seine Worte: »Wenn du nicht freiwillig abtreibst, zwinge ich dich dazu«, spukten ihr bis zum frühen Morgen im Kopf herum. Ihr Mann brauchte professionelle Hilfe und sie beschloss, am nächsten Tag einen Psychologen aufzusuchen.
In der Sitzung dauerte es quälende Minuten, bis sie die Kraft fand, es auf den Punkt zu bringen: »Du wirst Papa, habe ich gesagt. Und er? Er hat von seinem Tod gestammelt.«
Dr. Stefan Heimer zögerte, beugte sich vor. »Ist der Vater todkrank?«
Sie schaute ins Leere, war ihm entglitten, und dann brach es aus ihr hervor.
»Die aufgerissenen Augen, wie er aufgesprungen ist, die Blicke vom Nebentisch, es war grässlich.«
»Der Vater? Ist er –«
»Er glaubt, dass er sterben muss, wenn ein Sohn zur Welt kommt.« Ihr fahriger Blick streifte Heimer. »Ich habe Angst. Angst, dass etwas Entsetzliches passiert.«
»Ich verstehe nicht«, sagte Heimer mit seiner ruhigen Baritonstimme.
»Anfangs habe ich angenommen, er sei emotional überfordert, das alles sei nur ein Vorwand. Aber nein, er ist davon überzeugt. Es ist der absolute Horror!«
Heimer machte eine beschwichtigende Handbewegung. »Wie begründet er seine Angst?«
»Für ihn ist es Schicksal, Vorsehung. So ein Irrsinn! Es gab Abende, an denen wir beide stundenlang schweigend im Wohnzimmer saßen.«
Ihre Augen schimmerten feucht. Eine Weile blieb es still.
Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen, ohne Worte, ohne Erklärungen. Dieser Impuls ließ ihn wieder einmal an seiner Professionalität zweifeln. »Frau Witt, haben Sie eine Vermutung, weshalb er diesen Zusammenhang sieht?«
Sie sah ihn jetzt gefasst an. »Sein Vater ist am Tag seiner Geburt tödlich verunglückt. Er ist davon überzeugt, dass ihn das gleiche Schicksal trifft.«
»Ich verstehe. Was haben Sie seitdem unternommen?«
»Eine Therapie lehnt er ab, und vor Freunden gibt er es nicht zu. Dann bin ich die notorische Lügnerin, die Märchen erzählt.« Sie sah aus, als ob sie aufbrausen wollte. »Helfen Sie uns. Bitte!«, sagte sie beschwörend.
»Das Einverständnis Ihres Ehemanns vorausgesetzt, gern. Die Bereitschaft, die eigenen Gedanken und Gefühle kritisch zu betrachten, ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Psychotherapie.«
»Das ist das Problem. Versteht ihr denn nicht?«
In Heimer reifte die Gewissheit, dass sie nicht zum ersten Mal vor einem Therapeuten saß, dennoch fühlte er sich verpflichtet, sie darauf hinzuweisen: »Psychische Symptome können eine organische Ursache haben. Deshalb wären zunächst neurologische und internistische Untersuchungen zu  empfehlen, um körperliche Fehlfunktionen auszuschließen«, leierte er herunter.
Gebannt sah sie auf das Wandtattoo hinter dem Schreibtisch:
Am Ende des Tages wird deine
Seele gewogen und ist sie
leichter und reiner als Luft wirst
du schlafen wie in einem Himmelbett.
Sie zeigte zur Wand. »Es berührt mich«, flüsterte sie. »Ich würde gern mehr davon lesen. Von wem ist das?«
Heimer vermied es, sie anzusehen. »Eine mythologische Ableitung … von mir.«
Er schob die Teeschale auf dem Besprechungstisch zur Seite, um sein schwarzes Notizbuch abzulegen. Den Bleistift legte er daneben.
»Ist das Ihr Versprechen?«
Seine Gedanken wanderten zu dem Patienten, der gefragt hatte, ob das sein Fahnenspruch sei. Der militärische Begriff missfiel ihm, dennoch hatte er genickt und geschwiegen. Es war seine Vision von Heilung. Früher stand jede Sitzung unter diesem Motto und war wie ein beginnender Tag, an dem die Hoffnung neu geboren wurde.
»Ist etwas?«
»Oh, bitte entschuldigen Sie! Im Einklang mit sich selbst zu sein, ist ein therapeutisches Ziel. Sprechen Sie bitte mit Ihrem Ehemann, erzählen Sie von unserem Gespräch und falls er zustimmt, vereinbaren wir einen Termin.«
»Und, wenn nicht?«
»Rufen Sie mich morgen an, dann sehen wir weiter.«
Als er sich beim Abschied sagen hörte, »Frau Witt, wir werden eine Lösung finden. Vertrauen Sie mir«, bereute  er es schon. Er ahnte, und ihre Blicke hatten sich noch nicht voneinander gelöst, wie schlimm es enden konnte.
Heute verließ Heimer die Praxis früher als gewöhnlich, um letzte Korrekturen an seinem neuen Buch vorzunehmen. Zuhause schmierte er sich ein Käsebrot, setzte sich mit einem Glas Wein ins Arbeitszimmer und nahm sein Manuskript. Zurückgelehnt blätterte er durch die Druckfahne, die ihm der Verlag zur Freigabe zugestellt hatte. Die Lektorin hatte einen komplett neuen Klappentext verfasst, der für eine Boulevard-Zeitung geeignet schien. Die reißerischen Formulierungen waren für ihn indiskutabel, doch er gab den Gedanken auf, sie heute noch zu korrigieren. Jedes Mal, wenn er sich das Manuskript vornahm, drängten sich die Eindrücke des Tages dazwischen, der von einem außergewöhnlichen Fall geprägt war. Sein Blick schweifte zur Bücherwand. Bald würde sein zweites Buch neben Freud, Jung und Adler stehen. Heimer kannte die Titel seiner umfassenden Büchersammlung zur Psychoanalyse auswendig, selten waren sie so populärwissenschaftlich und reißerisch wie der, den seine Lektorin vorgeschlagen hatte. Er hatte mit ihr gestritten, gerungen und am Ende doch Wer die Erinnerungen verändert, verändert seine Zukunft akzeptiert. Als einziges Zugeständnis hatte er erreicht, dass der Verlag künftig nicht mehr auf Lesungen bestehen würde. Diese Veranstaltungen waren für ihn eine Strafe. Selbst in kleinen Buchhandlungen mit nur wenigen Zuhörern wirkte er fahrig. Bei den Fragerunden am Ende antwortete er zu umständlich, zu langatmig und verlor sich in wissenschaftlichen Definitionen. Dass er Wissenschaftler sei, wiederholte er ein ums andere Mal, wie um sich zu entschuldigen. Es war absehbar, wer die Lesung vorzeitig verlassen würde. Bereits nach wenigen Minuten sah er es ihnen an. Andere blieben nur aus Höflichkeit bis zum Ende. Ihre gelangweilten Gesichter brannten sich jedes Mal in sein Gedächtnis ein. In Wahrheit war er nicht nur auf der Bühne ein Langweiler.
Heimer setzte sich ins Wohnzimmer, nahm den Krimi vom Beistelltisch und schlug die Seite mit dem Lesezeichen auf. Nach wenigen Sätzen dachte er an sein Versprechen: »Wir werden eine Lösung finden. Vertrauen Sie mir.« Gestern war es ihm schwergefallen, den Roman gegen Mitternacht beiseitezulegen, doch heute gelang es ihm nicht, in diese Welt einzutauchen. Entgegen seiner Gewohnheit leerte er ein drittes Glas Rotwein und seine Gedanken schweiften zu Christiana Witt. Als sie sein Sprechzimmer betreten hatte, glaubte er für einen Moment, Nina sei zurückgekehrt. Der blonde Farbton ihrer Haare, die Figur, die elegante Kleidung – all das kam ihm seltsam vertraut vor. Selbst ihre Stimme weckte für einen Augenblick Erinnerungen an vergangenes Glück. Vergeblich hatte er versucht, die Ähnlichkeiten mit Nina zu ignorieren. Zweimal war er ihrem Blick ausgewichen, hatte an ihr vorbeigeschaut, aus Angst, sie würde es bemerken.
Mitten in der Nacht wachte Heimer auf und fragte sich, ob es für die Angst des werdenden Vaters, er werde am Tag der Geburt eines Sohnes sterben, irgendwo Parallelen gab, in der Mythologie etwa, im Sinne einer göttlichen Vorsehung für eine männliche Blutlinie? Er konnte einfach aufstehen und das Licht einschalten, sich an den Computer setzen und nachforschen. Gern hätte er Rücksicht auf eine neben ihm schlafende Frau genommen, wäre leise aufgestanden, hätte ihre Decke nachgezogen und das Schlafzimmer im Dunkeln verlassen. Aber es gab sie nicht, für die er leise sein durfte. Er schenkte sich ein Glas Wasser ein und begann, Begriffe in eine Suchmaschine einzugeben. Was ihm an Treffern angezeigt wurde, betraf ausschließlich Frauen. Der Gedanke des Mannes war einzigartig: Weder in der griechischen Götterwelt noch sonst wo ließ sich etwas Vergleichbares finden. Zumindest nicht in dieser Nacht.
Kapitel 2
Wie jeden Wochentag verließ Stefan Heimer nach dem Frühstück um zwanzig vor neun seine Wohnung in der Sophienstraße, schlenderte an den Hackeschen Höfen vorbei und blieb gelegentlich an einem Schaufenster stehen. Andere hetzten um diese Uhrzeit über die Oranienburger Straße zur Arbeit. Er ließ jedoch seine Gedanken schweifen, war bei seinen Patienten und den bevorstehenden psychotherapeutischen Sitzungen.
Der Zugang zur Gemeinschaftspraxis lag versteckt in einem Hinterhof, in dessen Mitte eine Parkbank mit schmiedeeisernen Füßen aus dem 19. Jahrhundert stand, die man vor ein paar Jahren zusammen mit dem Haus instandgesetzt hatte. Links war sie von Sträuchern umsäumt, denen man den Spätherbst ansah, und rechts von einer bonsaiähnlichen Kiefer, die im geharkten Kiesmeer wuchs. Sanft plätscherte daneben Wasser aus einem flachen Quellstein.
Eine Denkoase, hatte er damals gedacht, als er die Praxisräume in dem typischen Berliner Altbau mit seinen hohen Decken, Stuckelementen und den massiven Holztüren besichtigt hatte. Der Makler sah ihm die Euphorie an und grinste siegessicher. Für nachmittags vereinbarte Heimer einen zweiten Termin, diesmal war Frank Burger, ein ehemaliger Kommilitone, dabei. Nach der Besichtigung saßen sie in der Denkoase und diskutierten ihre gemeinsame berufliche Zukunft, die sie sich mit jedem Satz immer rosiger ausmalten. Heimer plante psychoanalytische Behandlungen, die zu seinem Forschungsschwerpunkt passten, und Burger sah sich als Coach und Psychotherapeut für das Management in den oberen Führungsetagen. Eine Woche später unterschrieben sie den Mietvertrag und gaben das weiße Praxisschild mit dem schwarzen Schriftzug Burger & Heimer, Gemeinschaftspraxis  für Psychotherapie und Coaching in Auftrag.
Die Anfänge lagen nun vier Jahre zurück und heute betrieben sie eine gutgehende psychotherapeutische Praxis. Sogar aus der Charité kamen Patienten mit Empfehlungen ihrer Oberärzte. Und doch musste er sich überwinden, die Tür zur Praxis zu öffnen. Seine Assistentin Charlotte Meierfeld stand im hell erleuchteten Flur und scannte am Kopierer Patientenakten ein.
Mit »Good Morning, Charlie! What’s on the agenda?«, begrüßte er sie.
Sie drehte sich zu ihm um, sagte: »Hi!«, und hielt einen Stapel Leistungsnachweise in der Hand. »Hast du Dettmann wegen der offenen Rechnung angesprochen?«
»Habe ich vergessen.«
»Darf ich jetzt die Mahnung rausschicken?«
»Ich bespreche das mit ihm. Das Porto sparen wir uns.«
Charlie verdrehte genervt die Augen. »Er ist seit drei Monaten im Verzug. Du wolltest ihn beim letzten Mal schon ansprechen.«
»Diesmal denke ich dran«, sagte Heimer.
»Ja, ja«, hörte er hinter seinem Rücken. Auf der Schwelle zum Sprechzimmer drehte er sich um.
»Ah Charlie, falls Frau Witt anruft, stell sie bitte auch während einer Sitzung durch.«
»Die Blonde, die gestern da war?«
»Die Hübsche, die gestern da war«, sagte er und grinste absichtlich breit.
Heimer hatte um die Mittagszeit bei Charlie nachgehört und am späten Nachmittag die Hoffnung auf einen Anruf aufgegeben.
Vor dem letzten Termin öffnete Charlie die Tür zum Sprechzimmer und blieb auf der Schwelle stehen. »Die Blonde hat angerufen«, sagte Charlie und wartete auf einen Kommentar, der ausblieb. »Sie wollte nicht in einer Sitzung zu dir durchgestellt werden. Stattdessen hat sie für morgen ein Treffen im Adlon vorgeschlagen, um halb vier. Falls dir das nicht passt, habe sich die Angelegenheit erledigt.«
Heimer zögerte.
»Ich sage ihr ab«, bot Charlie an.
»Warte. Ich nehme den Termin wahr.«
»Seit wann akzeptieren wir denn ein Ultimatum?«, fragte Charlie irritiert.
»Sag für morgen Nachmittag alle Termine ab und bestätige ihr den Treffpunkt.«
»Wie du willst«, sagte sie verärgert.
Er vergrub sich wieder in die Patientenakte.
Charlie sah ihn noch eine Weile an und schloss die Tür.
Heimer lehnte sich zurück. Bald würden sie es bemerken, dass er den Aufgaben nicht mehr gewachsen war. Seine Leidenschaft für den Beruf war einer zunehmenden inneren Leere gewichen. Er war kurz davor, den Kampf gegen sich selbst zu verlieren, zu oft hatte er gesehen, dass alles vergeblich war.
Spät abends notierte Heimer in sein Tagebuch: »Erstgespräch mit Frau Witt – seltsam.« Zuvor hatte er in seiner kleinen psychiatrischen Fachbibliothek nach Fallbeschreibungen gesucht, die Ähnlichkeiten aufwiesen. Es gab keine. Er legte das Tagebuch auf den Couchtisch und dimmte die Leselampe herunter, bis sie nur noch schimmerte. In der angenehm stillen Wohnung fielen ihm die Augenlider zu. Nur das gleichmäßige Ticken der Wanduhr war zu hören. Seine Gedanken wurden langsamer, und es schien so, dass sein Bewusstsein zurücktrat, nur noch aus der Ferne zusah. Er schwebte in einer Seifenblase, umgeben von weiteren. Im Inneren der Blasen sah er nur die Konturen von Menschen. Wie Wolken trieben sie lautlos und schwerelos an ihm vorbei. Er versuchte, nicht zu denken, sondern wollte sehen, was noch aus seiner Tiefe kam. Doch dieser Gedanke machte alles zunichte – es war vorbei. Sein Bewusstsein drängte sich unwiderruflich nach vorne. Das verblichene Bild hatte ihn berührt, sowie er auch in jungen Jahren einen Zauber gespürt hatte, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gab, dass Menschen eingebunden waren in einem übergeordneten Plan, eine Gesetzmäßigkeit, eine Vorbestimmung, die ihn hoffen und beten ließ.
Kapitel 3
Heimer saß frühzeitig im Adlon, hatte ein Kännchen Tee bestellt und betrachtete die Lobby. Bestickte Polstermöbel mit blaugrauem und gelbgoldenem Samtbezug, Antiquitäten, prunkvolle Kronleuchter und der plätschernde Elefantenbrunnen sorgten für ein stimmungsvolles Ambiente aus den Goldenen Zwanziger Jahren. Leise Klaviermusik im Hintergrund umhüllte die Szenerie.
»Hi«, sagte Christiana Witt und amüsierte sich, weil Heimer zusammenzuckte. »Waren wir nicht verabredet?«
»Doch … sicher Frau Witt. Ich dachte, Sie kämen von draußen.«
»Ich komme von meinem Zimmer.«
Sie setzte sich und lehnte sich vor. »Schön, dass Sie es einrichten konnten«, sagte sie mit einem Lächeln, das beidseitig Grübchen hervorrief. »Ich habe gestern Nacht in Ihrem Buch geschmökert. Einige Passagen haben mich an Frankenstein von Mary Shelley erinnert.«
Auch das hatte er seiner Lektorin zu verdanken, die nur die Auflagenhöhe im Blick hatte. Das Buch dramatisierte unnötig, versprach zu viel, machte Hoffnung auf neue Therapien, die es nicht gab. Er fing an, sich ungeschickt zu rechtfertigen, »Manche Formulierungen sind –«, doch sie fiel ihm ins Wort.
»Ich habe gut reden«, sagte sie und senkte den Blick. »Sie kennen die Menschen hinter diesen Schicksalen und ich ziehe billige Vergleiche zu Frankenstein.«
»Das psychopathische Verhalten für den Leser erlebbar zu machen, war der Wunsch meiner Lektorin. Sie wollte eine packende Darstellung, wie Angst und Verzweiflung in den Alltag der Familie eindringen. Mir lag die wissenschaftliche Sicht am Herzen und ich habe versucht, sie so verständlich wie möglich darzustellen«, sagte Heimer steif und fand sich abtötend sachlich.
»Erinnerungen manipulieren, wie sind Sie darauf gekommen?«, fragte sie und ihr Interesse schien echt.
Sie war heute anders, wie ausgewechselt, und führte charmant durch das Gespräch. Ihre Verzweiflung war verschwunden.
»Guten Tag, Frau Witt, haben Sie einen Wunsch?«, fragte ein junger Kellner, der sich unbemerkt genähert hatte.
»Ein Wasser bitte.«
»Wie immer, Zimmertemperatur und spritzig.«
Sie grinste den Kellner an. »Vor allem spritzig.«
Er schmunzelte, sah in Heimers ernstes Gesicht, der den Kopf schüttelte, und verließ den Tisch.
»Wo waren wir stehen geblieben?« Sie lächelte wie eine Gewinnerin. »Ja, genau! Sie wollten mir erzählen, warum Sie sich mit dem Manipulieren von Erinnerungen beschäftigen.«
Er nippte am Tee und stellte die Tasse vorsichtig ab. Diese Frage hatte er bisher nur seinem besten Freund beantwortet.
»Ein tragischer Fall gab den Impuls. Wollen Sie das wirklich wissen?«
»Ich würde gern mehr über Sie und Ihre Therapien erfahren. Nur zu. Schlimmer als in Ihrem Buch wird‘s nicht werden.«
Heimer lehnte sich nun auch zu ihr hinüber. »Es handelte sich um einen Fall schizophrener Psychose: akustische Halluzinationen, Ich-Störungen, Fremdsteuerung durch unbekannte Mächte. Aufgrund meiner Verdachtsdiagnose befürwortete ich die Zusammenarbeit mit einem Psychiater, um eine medikamentöse Behandlung einzuleiten. Mein Patient lehnte jedoch ab. Er befürchtete, in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt zu werden.«
Sie rückte näher. »Was sagten die Stimmen?«
»Er habe es nicht verdient zu leben. Sie forderten ihn auf, sich umzubringen, verrieten, dass ständig Live-Aufnahmen von ihm im Internet gezeigt werden. Die Menschen stimmten täglich darüber ab, ob er sich erhängen sollte. Alle waren dafür, weil er die größte Drecksau sei, die jemals die Erde betreten hat.«
Ihre zusammengepressten Lippen schoben sich leicht nach vorn, während sie ihn ernst ansah. »Schrecklich, da darf man sich nicht hineinversetzen«, sagte sie nachdenklich. »Was waren die ersten Anzeichen?«
»Wenn jemand auf der Straße hustete, hieß das für ihn, dass er verachtet wurde. Andere wiederum spukten dazu auf dem Boden. Seine Verzweiflung nahm zu, die kleinsten Anlässe führten zu peinlichen und tragischen Situationen. Für seine Kinder war es unerträglich, sie brachen den Kontakt ab. Seine Frau hatte ihn schon vor Jahren verlassen. Am Ende stand Vereinsamung.«
»Eine Zwangsunterbringung über einen psychiatrischen Facharzt zu bewirken, kam für Sie nicht infrage?«
»Solange ein Mensch keine Gefahr für sich oder andere darstellt, ist man auf seine Zustimmung angewiesen.«
»Ich weiß.«
Heimer versuchte, seine ausufernden Gedanken zu zähmen. »Ich sah keine Gefahr, da er schon seit Jahren damit lebte.«
Sie nickte und blickte ihn dabei verständnisvoll an.
»Dann erlitt er einen Schlaganfall mit vorübergehendem Gedächtnis- und Sprachverlust. Trotz seiner eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit ist er den Menschen unbefangen begegnet. Wenn er nicht das richtige Wort fand, lachte er, versuchte es erneut und zeigte mit den Händen, was er nicht aussprechen konnte. Er schäkerte mit den Krankenschwestern und die mochten ihn sehr.«
»Vom Schizophrenen zum Womanizer«, sagte sie und lächelte Heimer an, der das Lächeln nicht erwiderte.
»Ich besuchte ihn auch in der Reha. Inzwischen sprach er zwar besser, aber seine fröhliche Unbefangenheit war verschwunden. Es dauerte nur wenige Wochen und er litt unter den alten Symptomen. Mit seinen Erinnerungen trat die Krankheit wieder auf, er hörte Stimmen, fühlte sich verfolgt, bedrängt, bloßgestellt. Die paranoide Schizophrenie war zurück.«
»Und wie geht es ihm heute?«
Der Klavierspieler hatte eine Pause eingelegt und der plätschernde Brunnen füllte die Stille.
»Er hat sich einen Zug ausgesucht. Suizid.«
»Oh. Tut mir leid«, sagte sie und blickte betroffen. »Sie machen sich doch hoffentlich keine Vorwürfe?«
Heimer zögerte. In ihrem Beisein schien es leichter zu sein, darüber zu sprechen. »In gewisser Weise schon. Stunden vor seinem Selbstmord hatte er mir eine Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen, den ich erst eine halbe Stunde vor Mitternacht abhörte.« Er hielt inne und wieder drang das Plätschern des Brunnens an sein Ohr. »›Ich warte am Ostkreuz. Wenn nicht Sie, dann wird der Zug um sechs nach zwölf meine Probleme lösen‹, hatte er hinterlassen. Diesen Satz habe ich ständig im Ohr.«
Sie nickte, suchte seinen Blick und sah ihm ernst in die Augen.
»Kurz nach Mitternacht kam ich am Bahnhof an. Er stand auf dem Bahnsteig, weit entfernt von den anderen Wartenden. Er wird doch nicht wirklich springen, dachte ich noch. Dennoch rannte ich los, hörte das Sirren der Gleise, schrie seinen Namen. Er drehte sich um, hob den Arm zum Gruß, dann trat er auf die Bahnsteigkante. Der Zug kam aus der Kurve herausgeschossen und er sprang. An der Bahnsteigkante zögerte ich, blieb stehen und brüllte. Wie all die anderen Menschen auch, die angerannt kamen. Das Quietschen der Bremsen, der Aufprall, all das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Er wurde wie eine Puppe gegen den Bahnsteig geschleudert. Im Nachhinein glaube ich, ich hätte es schaffen können, ihn von den Schienen zu stoßen.
Sie legte ihre Hand auf seine. »Sie hätten dabei sterben können.«
»Nachts wache ich auf, sehe seinen erhobenen Arm, immer, und immer wieder, und bin dabei so wütend auf ihn, dass ich mich schäme.« Heimer hätte nie gedacht, dass er einmal so offen darüber sprechen würde.
Sie zog ihre Hand zurück.
Heimer lehnte sich nach hinten. »Er verweigerte eine stationäre Behandlung und eine Zwangseinweisung erschien mir nicht möglich.«
»Eine schlimme Geschichte. Machen Sie sich bitte keine Vorwürfe, er wollte es genau so.« In ihren Mundwinkeln nistete ein einfühlsames Lächeln.
Heimer kamen die letzten Minuten unwirklich vor. Was geschah mit ihm? »Aber jetzt zu Ihnen. Wie war Ihr Gespräch? Wann kommen Sie mit Ihrem Mann in meine Praxis?«
»Sie haben einen Termin mit ihm in Zürich.«
»Wie bitte?« Heimer verschränkte die Arme vor der Brust.
»Der Terminkalender meines Mannes ist proppenvoll. Er ist CEO und Chefarzt, da muss man einfach Kompromisse schließen.« Sie zuckte mit den Schultern und sah ihn verwundert an.
»Von welchem Unternehmen?«
»Er ist Vorstandsvorsitzender der Schlosskliniken Zürich AG, und ich bin froh, dass er überhaupt einen Termin freigeschaufelt hat. Am Freitag erwartet er Ihren Besuch.«
Heimer zögerte. War das etwa der Witt? Der international bekannte Neurologe und Psychiater Berthold Witt? Er wusste nicht viel über ihn, aber er kannte seinen legendären Ruf. Viele Fragen gingen ihm durch den Kopf und doch stellte er nur eine. »Übermorgen?«
»Ja, um halb vier haben Sie eine Stunde.«
»Sie sind doch dabei?«
»Nein. Mein Mann geht davon aus, dass ich bei Ihnen in Behandlung bin und Sie deshalb mit ihm sprechen wollen. Mehr weiß er nicht.«
Heimer schüttelte den Kopf. »Das hatten wir anders vereinbart.«
»Warum nicht? Ist doch nur ein Gespräch.«
»Unter Vortäuschung falscher Tatsachen.«
»Dann bin ich eben ab sofort Ihre Patientin, eine werdende Mutter, die psychisch labil ist und in einer Ehekrise steckt.« Mit einem diebischen Lächeln fügte sie hinzu: »Das ist doch ein genialer Einstieg.«
Schmunzelnd zog sie mit zwei Fingern einen Briefumschlag aus der Handtasche, den sie Heimer zuschob. »Hier ist ein erster Vorschuss für Honorar und Spesen.«
Er ignorierte den Umschlag. Eine winzige steile Falte bildete sich auf ihrer Stirn. Was verbarg sie nur dahinter? Er schaute ihr in die Augen und war entschlossen, nach der Wahrheit zu suchen, sich für das Unerklärliche zu öffnen. Sie hatte gewonnen. »Nur unter der Bedingung, dass wir uns vor dem Gespräch in Zürich treffen«, bluffte er.
»Ich wusste, dass Sie mir helfen.« Sie schwieg einen Moment. Plötzlich wurde sie ernst und sagte: »Danke.«
Heimer sah einen Anflug von Traurigkeit in ihren Augen aufblitzen, der gleich darauf von einer sprühenden Fröhlichkeit abgelöst wurde.
»Am Freitag würde es mir am besten in meiner Mittagspause passen.«
»Darf ich fragen, wo Sie arbeiten?«
»In der Marketingabteilung der Schlosskliniken. Gleich morgen sende ich Ihnen eine SMS, wo wir uns am Freitag treffen. Ich muss jetzt leider los, mein Mann wartet am Flughafen.«
Beide standen auf und sie gaben sich die Hand. Einige Schritte vom Tisch entfernt, schaute sie über die Schulter und ihre Blicke trafen sich.
Christiana Witt hatte ihre Traurigkeit hinter einer gespielten Fröhlichkeit verborgen, die Heimer nicht gefiel, die ihn besorgt zurückließ. Wohin psychische Belastungen führen, wusste er nur allzu gut. Ihn packte die Angst, in diesem ungewöhnlichen Fall zu versagen, ihr nicht helfen zu können. Er hatte es versäumt, ihr Fragen zu stellen, ihr Hinweise für den Umgang mit ihrem Mann zu geben. Stattdessen war sie die aufmerksame Zuhörerin, die die richtigen Worte fand.
»Haben Sie noch einen Wunsch?« Der junge Kellner, der vorhin die Wasserbestellung entgegengenommen hatte, stand am Tisch und riss Heimer aus seinen Gedanken.
»Nein, danke. Bringen Sie mir bitte die Rechnung.«
»Das geht aufs Zimmer.«
»Danke.« Und noch bevor er sich zurückhalten konnte, fragte er: »Übernachtet Frau Witt öfters hier?«
Der Kellner schien abzuwägen, sah sich um und beugte sich dann zu Heimer hinunter. »Professor Witt ist Stammgast und seine Frau begleitet ihn gelegentlich. Er fährt morgens mit dem Taxi zur Charité und kommt erst abends wieder, sie überbrückt den Tag mit Shopping und Museumsbesuchen.« Er zwinkerte Heimer grinsend zu. »Auf Dauer ist das doch langweilig, oder?«
Draußen schlug Heimer kalte Luft entgegen und er klappte den Mantelkragen hoch. Nach zehn Minuten erreichte er die Friedrichstraße und blieb vor dem Kulturkaufhaus Dussmann stehen. In der Schaufensterscheibe spiegelte sich sein Gesicht und er kam sich fremd vor. Bisher hatte er fast immer die innere Distanz zu seinen Patienten gewahrt, alle Regeln des Berufsstandes gewissenhaft befolgt. Heute war im Adlon etwas Sonderbares passiert: Nina und Christiana Witt verschwammen zu einem Bild, wie wenn man zwei transparente Fotos übereinanderlegt.
Auf dem Weg zu seiner Wohnung kam er beim Amrit vorbei, seiner bevorzugten Adresse, wenn er Appetit auf indische Speisen verspürte. Er aß Palak Paneer in einem bunten, exotischen Zelt, das an die Zeiten der Maharadschas erinnerte. Am Anfang ihrer Beziehung hatte er oft mit Nina hier gesessen und über die schrägen Gestalten gelästert, die auf der Oranienburger Straße unterwegs waren. Das gemeinsame Lachen wurde mit der Zeit seltener, und am Ende ihrer Beziehung hingen nur noch unausgesprochene Erwartungen in der Luft.
»Jeden Tag das gleiche Ritual! Du bist so vernünftig, dass das unvernünftig ist«, war ein Vorwurf, der anfangs diplomatisch über ihre Lippen kam. Dass die Patienten an erster Stelle standen, hatte sie nie verstanden. In den letzten Monaten der Beziehung wurde ihr Ton schroffer. Er versuchte, sich zu ändern, Unvernünftiges zu tun, Regeln zu brechen. Sie schüttelte nur den Kopf. Ihre letzten Worte »Du ödest mich an!« hatte sie trotz allem unter Tränen ausgesprochen. Dies hatte ihn hoffen lassen, dass sie zurückkommen würde. Seitdem blieb der Beruf sein alleiniger Lebensinhalt. In der Praxis fand er nach wie vor die Akzeptanz, die Sicherheit, die ihm draußen fehlte. Nina hatte ihm diesen Spiegel vorgehalten, in dem er nicht hineinschauen wollte. Seit einiger Zeit wagte er den Blick, akzeptierte ihre Sichtweise, und der Gedanke, dass so eine Frau wie Nina nicht mehr zu ihm zurückkehren würde, war zur Gewissheit geworden.
In Erinnerungen versunken saß er noch eine Weile da und nippte an seinem Weinglas, bevor er seinen Kollegen Frank Burger anrief.
»Hast du zwei Minuten?«
»Klaro.«
»Ich fliege am Freitag nach Zürich.«
»Hast du keine Termine?«
»Das wird Charlie koordinieren«, sagte Heimer.
»Was ist denn so wichtig? Dein Buch wird am Samstag im Tagesspiegel besprochen. Wir werden uns vor Anfragen nicht mehr retten können. Charlie meinte, wir sollten allen neuen Patienten eine andere psychologische Praxis empfehlen.«
»Der Andrang legt sich wieder.«
»Bei Wartezeiten von vier Monaten?«
»Auch das geht vorbei. Könntest du bitte etwas über Professor Witt herausfinden? Es ist möglich, dass er mit der Charité kooperiert.«
»Meinst du etwa den berühmten Psychiater?«
»Genau den.«
»Sag mal, was ist los? Termine verschieben, und jetzt soll ich auch noch Detektiv spielen?«
»Machst du nicht gerade ein Coaching für ärztliche Führungskräfte an der Charité? Sprich einfach mit deinen Teilnehmern.«
»Versprechen kann ich es nicht. Wann brauchst du die Infos?«
»Morgen.«
»Wat? Bist du meschugge?«
»Du gehst mir auf den Zeiger mit deinem aufgesetzten Berlinerisch.«
»Ich weiß, deswegen mache ich es ja«, sagte Frank und sein breites Grinsen war fast hörbar.
»Im Amrit, gegen achtzehn Uhr.«
»Na jut. Dit is jebongt!«
Um unerwünschte Zuhörer auszuschließen, saßen sie abseits in einer Ecke. Heimer hatte wie immer Palak Paneer bestellt und darum gebeten, das Spinatcurry etwas schärfer zu würzen. Frank Burger hatte sich diesmal für Chicken Masala entschieden. Während Heimer sein Palak Paneer vernachlässigte und von den letzten Tagen erzählte, aß Frank genüsslich sein Hähnchen. Schmunzelnd nahm er zur Kenntnis, wie detailliert Heimer die Gespräche mit Christiana Witt schilderte. Er verkniff sich jeden Kommentar und sagte am Ende nur: »Soso und morgen in der großen Welt des Geldes.«
»Erzähl endlich, was du über Witt und die Schlosskliniken herausbekommen hast.«
»Insgesamt gehören zur Gruppe elf Privatkliniken sowie rund zweitausendeinhundert Ärztinnen und Ärzte. Hinzu kommen die Kliniken, die sich auf Psychotherapie und Psychiatrie in der Luxusvariante spezialisiert haben. In diesem Segment betreiben sie Akut- und Belegarztkliniken in Bern, Montreux, Luzern und Zürich, und zwar auf einem Niveau, das sich in Ausstattung und Komfort mit den besten Fünf-Sterne-Hotels der Welt messen kann. Alles vom Feinsten. An der Zürcher Goldküste stehen für besonders vermögende Privatpatienten Unterkünfte mit Seeblick zur Verfügung.«
»Ja, ja. Man bleibt unter seinesgleichen. Schicke, exklusive Zimmer mit einer 24-Stunden-rundum-Versorgung.«
»Nee, nee, nicht ein Patientenzimmer in der Villa, sondern eine ganze Villa für einen Patienten. Butler, Chauffeur und Koch inklusive«, empörte sich Frank.
»Die sind also spezialisiert auf A-Promis, Politiker, russische Oligarchen …«
»Oder anders gesagt, der ganze Service beginnt bei hundertfünfzigtausend Franken pro Woche.«
»Welche Rolle spielt die Charité dabei?«
»Ich glaube, die Klinikleitung hat davon keinen blassen Schimmer. Dass Professor Witt angeblich im Rahmen ärztlicher Konsultationen herangezogen wird, zweifeln viele an. Es wird über ein geheimes Forschungsprojekt auf Chefarztebene gemunkelt.«
Frank Burger lehnte sich zurück, schwieg und genoss grinsend sein Wissen.
»Jetzt pack endlich aus.«
Frank beugte sich wieder vor, nahm das Weinglas in die Hand und betrachtete die rubinrote Weinfarbe und zelebrierte den Schluck wie bei einer Weinprobe. »Witt ist CEO der Schlosskliniken Zürich AG und mit der Tochter des Hauptgesellschafters verheiratet, also mit deiner Christiana Witt. Sie ist das einzige Kind und wird später einmal den ganzen Konzern erben, das nennt man eine gute Partie.«
»An was du wieder denkst!«
»Eine künftige Milliardärin trifft man nicht jeden Tag.«
»Komm bitte zum Thema.«
»Witt promovierte in Medizin und Philosophie. Vor drei Jahren wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg verliehen. Zufälligerweise an seinem 50. Geburtstag.« Frank grinste einen Augenblick. »Einige halten ihn für aufgeblasen.«
»Hat jemand seine psychischen Probleme erwähnt?«
Frank schüttelte den Kopf und schob ein »Nein« hinterher.
»Verständlich.«
»Etwas irritiert mich an der Sache.«
»Was denn?«
»Warum hat sie ausgerechnet dich ausgesucht? In ihrem Umfeld wimmelt es doch nur so von Psychologen und Psychiatern.«
»Wegen meines Buches, sagte sie.«
»Det gloob ick nich.«
Kapitel 4
Heimer ließ den Blick über das schimmernde Blau des Zürichsees gleiten. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte er eine Maschine früher gebucht. Jetzt saß er in dem vereinbarten Restaurant mit Seeblick und schaute immer wieder auf seine Armbanduhr und auf das bronzene Zifferblatt, das über dem Kamin hing. Die Speisekarte, die er inzwischen auswendig kannte, bot regionale Spezialitäten und Fisch aus dem See. Trotzdem entwickelte sich kein Appetit. Statt sich auf seinen zukünftigen Patienten zu konzentrieren, waren die Gedanken bei dessen Frau. Sie hatten sich für 13:00 Uhr verabredet. Das große bronzene Zifferblatt zeigte mittlerweile 13:17 Uhr an, langsam ließ die Anspannung nach.
Ihr Auftritt glich dem eines Filmstars. Heimer sprang auf, stieß dabei mit den Kniekehlen an den Bistrostuhl, der nach hinten kippte. Beide mussten lachen, sahen sich in die Augen, und er begrüßte sie eine Spur herzlicher als geplant. Er bot ihr den Platz mit Seeblick an, den sie mit der Bemerkung »Ich sehe den See öfters« lächelnd ablehnte. Sie nahm ihm gegenüber Platz.
Für einen Moment hatte er das Gefühl, ein Gemälde zu betrachten, bei dem der Künstler dasselbe Blau für den Himmel, den See und ihre Augen verwendet hatte.
Wie im Adlon übernahm sie die Gesprächsführung: »Herr Doktor, legen Sie los«, sagte sie spaßig. »Ich werde alles nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Großes Ehrenwort. Ach, und was ich noch sagen wollte, hier in der Schweiz ist man ab dem zweiten Treffen per Du.« Nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu: »Falls man sich mag.« Ihre Finger strichen eine Haarsträhne aus der Stirn, was ihre gleichmäßigen Gesichtszüge noch besser zur Geltung brachte. Sie merkte, dass Heimer zögerte. »Ich finde«, sagte sie trotzig, »Siezen gehört ins vorherige Jahrhundert.«
Heimer hielt das Glas Wasser in die Höhe. »Gern. Stefan.«
»Christiana.«
Sie strahlte ihn an und zwinkerte leicht. Sie schaffte es, binnen einiger Minuten einen regen Gedankenaustausch zu entfachen und dabei ein fortwährendes Lächeln in sein Gesicht zu zaubern. Eine dreiviertel Stunde saßen sie nun zusammen, stocherten auf ihren Tellern herum und plauderten mittlerweile wie ein entflammtes Pärchen beim ersten Date.
Heimer sah auf die Wanduhr. Wo waren die Minuten geblieben? Sie ließ ihn davon träumen, was nicht passieren durfte. Er schüttete ihr Wasser nach und trank selbst einen Schluck. Der Termin mit Witt näherte sich und sie hatten bisher das eigentliche Thema gemieden. Er versuchte das Gespräch auf die Geburt überzuleiten und fragte: »Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie nur einen Wunsch frei hätten?«
»Das Du fällt dir schwer?«, fragte sie ohne zu lächeln. »Mein Vater schaut stundenlang auf den Zürichsee und ist kaum mehr ansprechbar. Er wohnt in einer Seniorenresidenz in Küsnacht, und ich wünsche mir, mit ihm zu reden wie früher. Seine lichten Momente nehmen ab, dabei habe ich ihm noch so viel zu sagen.«
»Das tut mir leid. Seit wann ist dein Vater in der Einrichtung?«
»Seit etwa fünf Monaten: Von einem auf den anderen Tag hörte er auf zu praktizieren. Sprach von Erinnerungslücken, von Behandlungsfehlern und davon, dass er die Verantwortung nicht mehr tragen könne. Einige Wochen später ist er ins Seniorenheim gezogen.«
»Ungewöhnlich für eine demenzielle Erkrankung, die macht sich normalerweise schleichend bemerkbar. Hat ihn ein Spezialist untersucht?«
»Er hat gesagt, das könne er selbst am besten beurteilen, und damit war das Thema für ihn erledigt.«
»Hat er sich auch aus seinem privaten Umfeld zurückgezogen?«
Sie nickte. »Von heute auf morgen hat er seinen Freundeskreis in Zürich und den Vorstandsposten in der Handelskammer aufgegeben. Selbst an seinem Lebenswerk, den Schlosskliniken, hat er kaum noch Interesse. Dabei ist unter seiner Führung aus einer kleinen privaten Nervenklinik eine exklusive Klinikkette entstanden.«
»Das tut mir sehr leid. Ich wünsche deinem Vater noch viele helle Momente.«
»Lieb von dir«, flüsterte sie wie zu sich selbst. Eine kurze Pause entstand.
»Gleich treffe ich deinen Mann«, sagte Heimer und trank einen Schluck Wasser.
Jetzt war sie es, die auf die Uhr sah. »Versuch, sein Vertrauen zu gewinnen.«
»Wie würdest du ihn kurz charakterisieren?«
Sie lächelte. »Charmant, ehrgeizig, selbstbewusst. Früher war er der Fels in der Brandung.«
»Und heute?«
»Seine Handlungen sind gelegentlich befremdlich, um es milde auszudrücken.«
»Ist ihm bewusst, dass er unter einer psychischen Erkrankung leidet?«
»Er leugnet sie gegenüber anderen und vielleicht auch vor sich selbst. Ich habe es lange Zeit nicht bemerkt, wie schlecht es um ihm steht. Erst seine Angst, sterben zu müssen, wenn ein Sohn geboren wird, hat mir die Augen geöffnet.«
Nach allem, was Christiana ihm geschildert hatte, war er sich sicher, Witt gehörte zu denen, die ihre psychische Erkrankung nicht akzeptierten. Er musste mit einer extremen Reaktion rechnen. »Wie würde er reagieren, wenn ich ihn direkt auf die Wahnvorstellung anspreche?«
»Einem Genie muss man nicht den Wahnsinn erklären, würde er jetzt antworten.« Ihre Mundwinkel ließen ein Lächeln erahnen.
»Worauf sollte ich achten?«
»Nicht jeder kommt mit seinen Gedankensprüngen klar. Er ist ein geistiger Punk und verliert in letzter Zeit die Selbstkontrolle. Ihr würdet von niedriger Frustrationstoleranz sprechen.«
»Hast du ein Beispiel?«
»Er schrie grundlos einen meiner Geburtstagsgäste an, nur weil ich mich mit ihm auf der Tanzfläche unterhalten hatte.«
»Hatte er etwas von dem Gespräch mitbekommen?«
»Nein, wir haben getanzt und er saß am Tisch. Am nächsten Tag hat er sich entschuldigt und geschworen, dass es nie wieder vorkommen würde.«
»Aber es ist wieder vorgekommen.«
Sie nickte. Nach einem Augenblick sagte sie: »Ach, und ehe ich es vergesse, wenn er sich langweilt, beendet er die Gespräche schlagartig.«
Gemeinsam verließen sie das Restaurant. Einige Meter entfernt blieben sie an einer Hauswand stehen. Zum Abschied drückte sie ihm zärtlich die Lippen auf die Wange und bewegte sich einen Moment nicht, sodass ihr warmer Atem über sein Gesicht strich. Er schluckte und wusste nicht, wohin mit seinen Händen. Sie hob leicht den Kopf, sah ihm in die Augen, trat einen Schritt zurück und lächelte ihn verlegen an.
Heimer suchte nach Worten, die er nicht fand.
»Telefonieren wir nach dem Termin?«, fragte sie kühl.
»Ja, gern.«
»Ich rufe dich an.« Sie drehte sich schwungvoll um und entfernte sich mit großen Schritten.
Er sah ihr nach, wie sie die Treppe zur Tiefgarage hinunterstieg. Für einen Moment hatte er das Gefühl, ihr folgen zu müssen. Dann sah er auf seine Armbanduhr und ging zum Taxistand.
In der Tiefgarage stand ein schwarzer Kastenwagen direkt neben ihrem weißen Porsche. Wie kann man nur so eng parken?, fragte sich Christiana genervt. Ein Mann fummelte an der geöffneten Schiebetür herum. Am liebsten hätte sie ihn zur Rede gestellt, aber dafür hatte sie jetzt keine Zeit. Christiana zwängte sich zu ihrem Auto, öffnete die Tür einen Spalt und versuchte, sich hineinzuquetschen.
Jemand packte sie von hinten und presste ihr ein getränktes Tuch ins Gesicht.
Ihre Handtasche fiel zu Boden. Sie strampelte, schlug mit dem Ellenbogen nach hinten, traf ihren Angreifer, der sie dennoch wie in einem Schraubstock gefangen hielt. Die Luft wurde knapp; atmen durfte sie nicht. Sie versuchte, nach hinten zu treten, zweimal, dreimal, dann schwächer. Um sie herum wurde es dunkel.
Ein zweiter Mann stieg aus dem Wagen und sah sich um. Sie trugen Christiana in den Lieferwagen und deckten sie mit einer Plane zu.
Kapitel 5
Die Zentrale der Schlosskliniken AG lag im Westen des Stadtzentrums. Während der Taxifahrt ließ Heimer die Gedanken schweifen und legte sich für das Gespräch noch einmal alles sorgfältig zurecht. Ihm gegenüber würde gleich ein erfolgreicher Professor mit einem legendären Ruf sitzen, dominant und selbstbewusst. Witt war selbst Profi, und offenbar nicht davon überzeugt, dass er Hilfe brauchte. Als Heimer aus dem Taxi stieg, waren die Selbstzweifel wieder da: Er konnte nicht für den Rest seines Lebens so tun, als sei er ein fähiger Therapeut.
Wie weiße Kreuzfahrtschiffe ragten die Schlosskliniken  aus einer weiten, saftgrünen Wiese. Wege aus hellem Granit durchschnitten den akkurat gepflegten Rasen und verbanden die Gebäude miteinander. Auf dem Weg zum Haupteingang blieb Heimer vor drei Skulpturen stehen. Die Kunstwerke zeigten denkende und betende Menschen in abstrakten Posen. Das Gelände schien auf den ersten Blick überschaubar, doch die Wegweiser zu den zahlreichen Abzweigungen ergaben ein anderes Bild. Sie wiesen auf die Zentralverwaltung und auf die psychiatrische Klinik sowie auf Forschungsabteilungen hin, die sich auf fünf weitere Gebäude verteilten.
Eine Mitarbeiterin am Empfang bot ihm einen Sitzplatz an. Die Sekretärin würde ihn gleich ins Büro von Herrn Professor Witt begleiten. Heimers Blick schweifte über das Atrium zu den Büros mit den raumhohen Glasfronten. Sie waren mit dimmbarem Glas ausgestattet. Einzelne Überwachungskameras bewegten sich und vermittelten den Eindruck eines Hochsicherheitstraktes. Auf eine weiße, lampenlose Kuppeldecke wurden Bilder wie in einem Planetarium projiziert. Anstelle von Sternen sah er Darstellungen von Nervenzellen, Synapsen, Neurotransmittern und deren Vernetzung in verschiedenen Lichtfarben. Milliarden von Zellen weckten die Neugierde auf dieses andere Universum. Heimer blickte staunend nach oben, wie in seiner Jugend, als er auf der Suche nach dem Verständnis der Welt den Sternenhimmel erkundet hatte.
Ein adretter junger Mann holte Heimer am Empfang ab. Sie betraten einen gläsernen Aufzug und fuhren in die vierte Etage. Mit der Bitte, einen Moment Platz zu nehmen, ließ er Heimer bei einer Sitzecke zurück. Mal aufrecht sitzend, dann wieder zurückgelehnt, blätterte Heimer durch die Imagebroschüre, die er aus dem kleinen Zeitschriftenstapel hervorgezogen hatte. Dann stand er auf und schlenderte hin und her. Er musste gleich die richtigen Worte finden, um den Zweifel zu nähren, den Witt vor sich und der Welt verbarg. Wenn er diesen Zweifel nicht vorfinden würde, war das Vorhaben aussichtslos.
Ein heller Lichtstreifen fiel auf Christianas Kopf. Mehr ließ der Kellerschacht nicht zu. Es gefiel ihm, wie sie dalag. Der Porsche 911 passte zu ihr, ein Cabrio mit roten Sitzen, genau so einen Wagen würde er später mal fahren. Und genau so eine Blondine säße dann auf dem Beifahrersitz. Er lächelte zufrieden, setzte sich zu ihr auf die Matratze und betrachtete ihren Mund. Mit der Fingerspitze fuhr er über ihre Lippen. Sie schlief fest, und er schob die Hand unter ihr Kleid, tastete sich vor, zärtlicher als sonst. Geräusche drangen aus dem Flur. Schnell zog er die Hand weg und stand auf.
»Total bescheuert oder was?«, brüllte Francesco, der die Tür aufgerissen hatte.
Er fühlte sich ertappt. »Ich wollte nur nach ihr sehen.«
»Wenn du noch einmal ohne Maske zu ihr reingehst«, er schnappte nach Luft, »dann schlage ich dir die Fresse ein! Kapiert?«
Endlich kam die angekündigte Sekretärin und führte Heimer in den Besprechungsraum. »Professor Witt ist noch auf der Station. Er wird gleich hier sein. Bitte nehmen Sie sich schon mal einen Kaffee.«
Der Raum glich einer antiken Bibliothek: Deckenhohe Regale aus dunklem Holz säumten die Wände, vollgestopft mit Büchern und chirurgischen Instrumenten aus vergangenen Jahrhunderten. Skalpelle, eine Rippenschere und eine kleine Knochensäge standen auf Holzhaltern in den Regalen. Ein breiter, gläserner Vitrinenschrank, der den Konferenzbereich abtrennte, nahm Heimers Blick gefangen. LED-Strahler warfen ihr kaltweißes Licht auf historische Aufbewahrungsgläser, in denen kleine deformierte, cremefarbige Kinderköpfe, herausgeschnittene Stirn- und Schläfenlappen im trüben Alkohol schwebten. Unter den Feuchtpräparaten waren Hinweisschilder aus Silber angebracht. In einem Glas hockte ein Säugling, dessen milchige Augen Heimer eindringlich ansahen. Die Nase bestand nur aus einem kleinen senkrechten Schlitz und der Mund fehlte gänzlich.
Als Witt hereinkam, fragte er zur Begrüßung, »Sie wissen sicher, dass Sigmund Freud Neuropathologe war.«
»Ja«, erwiderte Heimer mit versteinerter Miene.«
»Ein Präparat in meiner Sammlung hat er persönlich angefertigt. Jedenfalls wurde es mir in Wien so verkauft. Guten Tag, Herr Dr. Heimer.« Er reichte Heimer die Hand und hielt sie gedrückt.
Heimer betrachtete ihn, ohne sich von den Exponaten ablenken zu lassen. Der weiße Arztkittel, das graumelierte Haar und die schwarze Hornbrille suggerierten ärztliche Kompetenz.
Mit der Hand dirigierte er Heimer zur Vitrine. »Schauen Sie mal in die leere Augenhöhle.«
Heimer sah hin und schwieg. In einem übergroßen Einmachglas hockte ein Baby, das wie ein Zyklop aussah. Die Beinchen waren nach hinten angewinkelt, die Ärmchen hingen nach vorne. Das dunkle Loch in der Stirn schien seinen Blick zu erwidern.
»Meine Frau findet das alles abstoßend. Sie möchte, dass ich den Sehenden bestatten lasse.« Er lächelte. »Er ist mir ans Herz gewachsen, ein Überbleibsel aus dem Jahr 1869. Seitdem verändert der Sehende die Seelen seiner Betrachter. Wäre doch schade, wenn das verloren ginge«, sagte er, noch immer lächelnd.
Witt setzte sich ans Kopfende des Konferenztischs und wies Heimer den Platz schräg daneben zu. Sie musterten sich einen Moment lang, verifizierten ihre ersten Eindrücke. Kompetent, vertrauenswürdig und seltsam, genau in dieser Reihenfolge schätzte Heimer sein Gegenüber ein. Die Brillengläser ließen die Augen und die dunklen Ringe darunter größer erscheinen, das leicht zuckende Lid sah Heimer wie durch eine Lupe. Der souveräne, raumfüllende Auftritt täuschte nicht über das hinweg, was er im Gesicht las: Witt hatte ein Problem und er einen Patienten.
Heimer ließ den Blick zu einer kleinen Grafik wandern, die in einem Bilderrahmen im Regal stand.
»Sie war Teil meiner Dissertation. Seitdem begleitet sie mich«, unterbrach Witt die Stille.
»Die Überschrift ist kaum zu erkennen. Erinnerungs?«
»Erinnerungsidentitäten«, ergänzte Witt. »Das Kreisdiagramm zeigt die dominanten Erinnerungsdimensionen eines Probanden. Ich habe Interdependenzen zwischen Gedächtnis und Charakterprägung nachgewiesen. Die Versuchsanordnungen beschäftigten sich mit der Frage, inwieweit wir über eine Neujustierung der Erinnerungen unseren Charakter und künftige Fähigkeiten beeinflussen.« Mit einem selbstzufriedenen Schmunzeln führte Witt aus: »Im Vordergrund stand damals nicht die abstrakte Theorie, sondern praxisnahe Erkenntnisse. Die These, dass jeder Erinnerungsvorgang das Gedächtnis und damit das Verhalten verändert, habe ich im Rahmen meiner Dissertation verteidigt. Dazu gehörten auch minimale, für die Probanden nicht wahrnehmbare Veränderungen, die ich nachweisen konnte.«
»Damit habe ich mich in den letzten Jahren auch beschäftigt«, antwortete Heimer in der Hoffnung auf einen fachlichen Austausch.
»Ich habe Ihr Buch überflogen.« Witt zog die Augenbraue hoch. »Wie gesagt, was du an der Wand siehst, war der Stand vor zwanzig Jahren.«
Heimer zögerte. Sollte er ihn ebenfalls duzen?
Witt schien seine Gedanken zu erraten. »Ich halte mich nicht an gesellschaftliche Konventionen. Niemanden duze oder sieze ich ausschließlich. Der Kontext entscheidet: Es gibt Sätze, die Verlangen nach einem Du, genauso wie es welche gibt, die ein Sie erfordern. Im Gedächtnis bleiben, emotionale Botschaften senden, darauf kommt es an.«
Heimer vermied die direkte Anrede und versuchte, das Thema auf die Forschungsabteilungen zu lenken, die er den Hinweisschildern draußen entnommen hatte. »Ohne die neueste Computertechnologie ist es heutzutage nahezu unmöglich, in der Forschung mitzuhalten.«
Witt stand auf und führte Heimer zum Fenster. Mit der linken Hand machte er eine Geste über das weitläufige Gelände. »In diesen Arealen stehen die modernsten Positronen-Emissions-Tomografie-Anlagen der Welt. Sie dienen der tierexperimentellen Grundlagenforschung, die wir mit Ratten und Affen betreiben. Wir spielen in der nuklearmedizinischen Anwendungsforschung in der ersten Liga weltweit mit.«
Witt senkte den Kopf und ging wortlos zum Besprechungstisch zurück. »Meine Frau hat Sie aufgesucht, um eine dritte Meinung zu unserer Ehekrise einzuholen.«
Um Zeit zu gewinnen, griff Heimer zur Kaffeetasse, die Witt für ihn gefüllt hatte. Er hatte sich ein paar Sätze zurechtgelegt und wusste nun, dass sie nicht passten. Worte waren für ihn wie Medizin. Manchmal war es nur ein Wort, ein Satz, der heilte. Aber sie hatten auch die Macht, alles zu zerstören. Er zögerte den Moment der entscheidenden Frage hinaus und blieb beim Small Talk. »Wer ist auf die Idee gekommen, den Besprechungsraum so außergewöhnlich einzurichten? Man würde sich nicht wundern, wenn Sigmund Freud hereinspazierte.«
Witt lächelte. »Die heutigen Räume haben keine Seele mehr. Hier finde ich mehr Inspiration und komme auf …«
Heimer folgte den Ausführungen nicht, denn die nächste Frage war für den Verlauf Gespräches entscheidend. Witt war geistig klar und strahlte pure Dominanz aus. Er gehörte nicht zu den Menschen, die sich weinend auf ein Sofa legten. Während Witt zum letzten Satz seiner Ausführungen kam, hatte Heimer sich für eine Vorgehensweise entschieden. »Was könnte in Ihrer Ehe besser laufen?«
»Ich weiß es nicht. Sagen Sie es mir.«
»Haben Sie eine Vermutung, warum Ihre Frau unglücklich ist?«
»Ich sagte doch schon, ich weiß es nicht! Fragen Sie lieber Christianas Vater, der sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist: Eine verwöhnte, reiche Göre, die gelegentlich aus ihrem goldenen Käfig ausbricht!« Er hielt inne, um seinen Ton zu mäßigen.
Heimer registrierte den Wutausbruch, wie es Psychologen tun.
»Sie gehört zu den wenigen Menschen, die immer bekommen, was sie wollen.« Witts Gesichtszüge wirkten angespannt, das Augenlid zuckte heftiger.
»Warum soll Christiana die Schwangerschaft abbrechen?«
Witt machte eine fahrige Handbewegung und sah Heimer dann in die Augen. »Christiana hat Angst, der Mutterrolle nicht gerecht zu werden. Ich sehe das genauso.«
»Sind Sie es nicht, der sich vor der Geburt eines Sohnes fürchtet? Ihre Glaubenssätze wirken wie Tatsachen und führen zu einer selektiven Wahrnehmung, dabei handelt es sich nur um –«
»Das brauchen Sie einem Psychiater nicht zu erklären«, fuhr Witt dazwischen.
Heimer beugte sich kraftvoll vor. »Warum glauben Sie, am Tag der Geburt sterben zu müssen?«
»Ach, hat sie Ihnen diesen Käse erzählt!«, sagte Witt aufbrausend. Wieder um Sachlichkeit bemüht, fuhr er fort: »Sie sind einer gelangweilten Milliardärstochter auf den Leim gegangen.« Witt schüttelte lachend den Kopf. »Christiana bereitet sich vor und sondiert beim Gespräch, wem sie was auftischen kann. In Ihrem Fall hat sie Ihr Buch gelesen. Haben Sie schon mal was von Pseudologia phantastica gehört?«
»Sie ist keine Lügnerin.«
»Christiana spielt doch nur! Heute mit Ihnen und morgen mit einem anderen.«
»Ihre Verzweiflung ist authentisch.«
»Sie inszeniert sich als Opfer. Zutreffend?«
Heimer schwieg.
»Pathologische Lügner setzen Emotionen gezielt ein. Christianas offener Blick, ihre blauen Augen können nicht lügen, denken Sie. Irrtum! Eine Berührung am Arm, versehentlich. Manche ihrer Worte sind zweideutig, man wünscht sich, sie will mehr. Irrtum! In dieser Geschichte ist nur eine Sache wahr, nämlich dass Sie der Hornochse sind. Wir werden uns heute Abend über Sie amüsieren.«
»Es lässt sich eine gewisse Emotionalität in Ihrer Reaktion beobachten, die ich nachvollziehen kann. Ich verstehe Sie.«
»Ach was! Sie wollen meine Frau vögeln.«
»In Berlin hat sie mich darum gebeten, mit Ihnen zu sprechen.«
»Hören Sie mal zu, Christiana leidet unter einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung. Ich brauche Ihnen doch nicht zu erklären, was das ist. Ihre Identitäten wechseln und ihre Erinnerungen sind lückenhaft.«
»Ich halte Ihre Frau für psychisch gesund.«
»Sie ist manchmal über Minuten geistesabwesend, und Sie behaupten, das wäre normal?«
»Bei wem ist Christiana in Behandlung? Ich würde den Arzt gern konsultieren.«
Witts Gesicht verzerrte sich zu einer feuerroten Fratze. »Ich weiß bestens, welche Medikamente ihr helfen!«, brüllte er und schluckte seine Wut herunter. »Seit ihrer Kindheit lebt Christiana in selbstgeschaffenen Welten, in die sie ihre Opfer hineinführt. Sie sind nur ein weiteres Opfer, das es nicht wahrhaben will.«
Heimer wollte brüllen, dass das alles nicht wahr ist, nicht wahr sein kann. Obwohl er als Psychologe wusste, dass es durchaus möglich war. Seine Gedanken stolperten, verursachten Schmerzen, als würde jemand seinen Magen auswringen. Er wusste nicht mehr, was er denken sollte.
Witt legte nach. »Viele psychisch kranke Menschen neigen bekannterweise dazu, über psychische Probleme anderer zu sprechen. Sie projizierten ihre eigenen unerwünschten Gefühle und Gedanken auf diese Menschen, um sich selbst vor einer Auseinandersetzung zu schützen.«
Heimers Magen schnürte sich zu, als wolle er ihn für seine Naivität züchtigen.
Witt stichelte. »Christianas Symptome sind offensichtlich. Jeder Hobbypsychologe hätte das erkannt. Bitte entschuldigen Sie meine Direktheit, von einem Diplom-Psychologen hätte ich mehr erwartet.«
»Sie haben angedeutet, dass Sie Ihre Frau behandeln. Halten Sie das für vertretbar?«
Witt sprang auf. »Ich habe jetzt Wichtigeres zu tun! Sie finden den Ausgang.«
Während des Rückfluges nach Berlin starrte Heimer auf die Rückenlehne vor sich. Er saß am Gang, blass, schwitzend, und wenn sich der Magen verkrampfte, versuchte er sein schmerzverzerrtes Gesicht zu verbergen. Er zwang sich in die Rolle des professionell agierenden Psychologen zurück, dem das Mögliche verborgen geblieben war. Wenn Christiana tatsächlich psychisch krank war, gab es keinen Grund, auf sie wütend zu sein. Ihre dissoziative Persönlichkeitsstörung würde sie von Schuld freisprechen. Er hatte versagt, ihr Kranksein nicht in Betracht gezogen. Es kam ihm so vor, als seien die letzten Tage unausweichlich gewesen, als hätte er seine eigene Demaskierung herbeigeführt. Schlagartig kamen neue Schmerzen hinzu, als würde jemand die Magenwände zerreißen.
»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte eine Flugbegleiterin.
»Flugangst«, erwiderte Heimer mit gesenktem Kopf.
»In zwanzig Minuten landen wir, dann haben Sie es überstanden.«
Kapitel 6
Am nächsten Morgen saß Heimer wie betäubt in der Küche und blätterte in seinem Manuskript. Es war unwichtig, belanglos, ohne Wert. Alles um ihn herum schien dieses Schicksal zu teilen. Das Geschirr von gestern stand noch da. Er nahm es in die Hand, stellte es auf der Spülmaschine ab, öffnete sie und räumte ein. Anschließend drückte er auf den Startknopf. Für sich selbst fand er keinen.
»Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar. Bitte rufen Sie später wieder an.« Wie in Trance rief er Christianas Nummer andauernd an, immer vergebens. Er zwang sich, zwischen den Anrufen Pausen einzulegen, die seine Gedanken nicht fanden. Was war passiert? Mantraartig redete er sich ein, dass Christiana nur ihr Smartphone verloren hatte, doch die Sorgen und Selbstzweifel blieben. Vor allem Selbstzweifel, er hatte sie in ihrem Verhalten bestärkt. Er öffnete eine Flasche Wein und trank das erste Glas mit einem Schluck aus. Ein Anruf von ihr, ein einziges Wort von ihr würde ausreichen, damit er endlich Frieden fand. Die Telefonansage weckte schmerzhafte Erinnerungen: Mehrmals hatte er seinen suizidgefährdeten Patienten in jener Nacht vergeblich zurückgerufen und genau dieselbe Ansage gehört: »Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar. Bitte rufen Sie später wieder an.« Statt zu fahren, hatte er abgewartet. Erst allmählich waren die Befürchtungen gestiegen und er hatte sich zum S-Bahnhof aufgemacht. Das hatte er Christiana gegenüber verschwiegen. Wäre er rechtzeitig aufgebrochen, hätte er den Suizid verhindern können. Er starrte auf sein Smartphone und geriet wieder in das Gedankenkarussell der letzten Stunden. Sie musste dringend in psychiatrische Behandlung, bevor es zu spät war. Und weg von ihrem Mann, der offenbar seine Spielchen mit ihr trieb. Das Telefon klingelte. Ein kurzer Blick und die aufflammende Hoffnung erlosch. Auf dem Display war das Foto seines Partners. Nach wenigen Sätzen schlug Frank vor, sich im Hackeschen Hof zu treffen. Sie verabredeten sich für fünfzehn Uhr.
Frank saß schon im Hof vor einem Cappuccino und winkte. »Oje«, sagte er zur Begrüßung. »Hast du bis in die Puppen gefeiert?«
»Die alten Narben sind wieder aufgebrochen, und ich weiß nicht –«
»Mein Gott, immer so poetisch. Was ist los?«
»Ich lag lange wach«, sagte Heimer trotzig.
»Det klamüsern hilft nich.«
»Ich weiß, deshalb standen heute Erfolgserlebnisse auf der Agenda.«
Sein »Wat denn?« klang leicht provokant.
»Spülmaschine starten und so.«
Frank lachte, verhaspelte sich und erst im zweiten Anlauf kam die Frage klar heraus: »Wo ist denn dein Startknopf?« Er hielt kurz inne und wartete auf ein Lächeln. »Du bist unsterblich in Christiana verliebt und springst gleich in die Spree.«
»Sie ist sympathisch, aber leider auch ein Fall für den Psychiater. Ich versuche, ihr zu helfen. Alles andere ist nachrangig.«
»Deine Gesundheit auch?«
Heimer schüttelte den Kopf.
»Du hast nicht zufällig ein Foto von ihr?
Heimer schüttelte grinsend den Kopf. »Natürlich fotografiere ich sofort eine Frau, wenn sie mir gefällt.« Er lachte kurz auf und spürte, wie gut das tat. »Äußerlich sieht sie Nina ähnlich.«
»Und den Rest projizierst du in sie hinein.«
»Das ist wieder typisch für dich. Ich kann nur jedem davon abraten, sich mit einem Psychologen anzufreunden.«
Nach einer Atempause fragte Frank: »Und was gedenkst du zu unternehmen?«
»Ich weiß es nicht.«
»Eine Idee hast du doch bestimmt. Lass dich nicht so hängen.«
Heimer schwieg.
»Dann schlagen wir die Rubrik gesunder Menschenverstand auf. Welchen Eindruck hast du vom Professor?«
»Ein Choleriker, der sich für ein Genie hält. Vielleicht ist er es auch.«
»Einen Mangel an Narzissmus diagnostizieren wir demnach nicht. Und sonst?«
»Er sieht aus, wie man sich einen Chefarzt vorstellt, und er könnte ihr Vater sein.«
»Wie alt ist Christiana?«
»Kurz vor dreißig, schätze ich.«
»Also ein Altersunterschied von über zwanzig Jahren. Auf Dauer geht sowas nicht gut.« Frank lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. »Wenn diese Ehe bröckelt, hast du eine Chance«, sagte er und grinste.
»Wie bitte?«
»Dein Interesse ist doch nicht auf den Fall begrenzt.«
»Welches Interesse?«
»Tu doch nicht so.
---ENDE DER LESEPROBE---