Unfall oder Mord – Mörderische Kurzgeschichten - Peter Schreiber - E-Book

Unfall oder Mord – Mörderische Kurzgeschichten E-Book

Peter Schreiber

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Beschreibung

War es ein Unfall oder Mord? Diese Frage stellen sich die Ermittler in den in diesem Band enthaltenen Kurzgeschichten, und nicht immer kann hierauf eine eindeutige Antwort gegeben werden.
Wenn Benjamin Jonathan Smith aus der Geschichte »Perfekt sein ist alles«, der von seinen Freunden und Mitarbeitern kurz Benjo genannt wurde, gewusst hätte, dass es im Wesentlichen nur drei Gründe waren, die zu seinem viel zu frühen gewaltsamen Tod führen würden, hätte er zweifellos erfolgreich gegengesteuert und seine Firma weiterhin auf Expansionskurs gehalten. Nur, er wusste es eben nicht …

In diesem Band sind folgende mörderische Kurzgeschichten enthalten:
Perfekt sein ist alles
Hustensaft
Miau, Miau
Leiche im Lavafeld
Deine Hand … deine Hand!
Mobbing

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Peter Schreiber

Unfall oder Mord

Mörderische Kurzgeschichten

Impressum

Copyright © by Author/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Steve Mayer nach Motiven, 2026

Korrektorat: Ines Bauer

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau (OT), Gemeinde Oberkrämer. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

www.baerenklauexklusiv.de / [email protected]

Alle in diesem Buch niedergeschriebenen Geschehnisse und die damit verbundenen Namen von Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sowie Übereinstimmungen mit tatsächlichen Vorkommnissen sowie Parallelen hierzu wären reiner Zufall.

Alle Rechte vorbehalten

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt bei Bärenklau Exklusiv. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Das Buch

Unfall oder Mord

Perfekt sein ist alles

Hustensaft

Miau, Miau

Leiche im Lavafeld

Deine Hand … deine Hand

Mobbing

Das Buch

War es ein Unfall oder Mord? Diese Frage stellen sich die Ermittler in den in diesem Band enthaltenen Kurzgeschichten, und nicht immer kann hierauf eine eindeutige Antwort gegeben werden.

Wenn Benjamin Jonathan Smith aus der Geschichte »Perfekt sein ist alles«, der von seinen Freunden und Mitarbeitern kurz Benjo genannt wurde, gewusst hätte, dass es im Wesentlichen nur drei Gründe waren, die zu seinem viel zu frühen gewaltsamen Tod führen würden, hätte er zweifellos erfolgreich gegengesteuert und seine Firma weiterhin auf Expansionskurs gehalten. Nur, er wusste es eben nicht …

In diesem Band sind folgende mörderische Kurzgeschichten enthalten:

Perfekt sein ist alles

Hustensaft

Miau, Miau

Leiche im Lavafeld

Deine Hand … deine Hand!

Mobbing

***

Unfall oder Mord

Mörderische Kurzgeschichten von Peter Schreiber

Perfekt sein ist alles

Wenn Benjamin Jonathan Smith, von Freunden und Mitarbeitern kurz Benjo genannt, gewusst hätte, dass es im Wesentlichen nur drei Gründe waren, die zu seinem viel zu frühen gewaltsamen Tod führen würden, hätte er zweifellos erfolgreich gegengesteuert und seine Firma weiterhin auf Expansionskurs gehalten. Nur, er wusste es eben nicht.

1. Kapitel

Der erste dieser drei Gründe war seine durchaus richtige Überzeugung, dass sich Mitarbeiter besser mit Lob als mit Tadel motivieren lassen, sodass er mit Lob nicht sparte, wobei er jedoch nicht umhinkonnte, Anerkennungen im gleichen Atemzug einzuschränken. Das hörte sich in dem Fall beispielsweise so an: »Gratuliere zu Ihrem Erfolg, Bill! Vielleicht geht’s ja nächstes Mal noch schneller!«

Oder: »Hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut, Patrick, toll, wie Sie das gemacht haben! Das zeigt doch, dass Sie auf dem Weg sind, Ihr Leistungsmaximum zu erreichen! Arbeiten Sie an sich!«

Oder: »Das ist großartig, Jim, ich bin stolz auf Sie! Wenn Sie sich am Riemen reißen, nehmen Sie auch noch die letzten Hürden!«

Der zweite der drei Gründe war die Tatsache, dass er nicht nur ein wohlwollendes Auge auf Jessica Brown geworfen hatte, sondern dass er sie aus dem Sekretariat seines Abteilungsleiters Bob Evans, der Jessicas Leistungen über den grünen Klee zu preisen pflegte, kurzerhand in sein eigenes Vorzimmer versetzte, um ihr, wie Evans annahm, besser Avancen machen zu können. Evans sah seine Chancen bei der attraktiven Jessica im gleichen Maße schwinden, indem sie die Karriereleiter hinaufkletterte, zumal sein Boss ein gutaussehender Junggeselle war. Evans wurmte das bis ins Mark, aber was sollte er machen? Schließlich fasste er einen Plan, der im Laufe der Zeit immer deutlicher Gestalt annahm.

Dritter und letzter Grund, der das Schicksal von Benjo Smith in so verhängnisvolle Bahnen lenkte, war dessen Vorliebe für pompöse Autos, für sündhaft teure Straßenkreuzer, die nicht nur an Länge und Breite, sondern auch an feudaler Ausstattung nichts zu wünschen übrigließen, wie etwa seine von den Firmenangestellten abschätzig als Goldener Saurier bezeichnete Luxuskutsche, die er unter Verzicht auf die Beschäftigung eines Chauffeurs, stets selbst lenkte. Doch gemach! Nicht etwa ein zufälliger oder provozierter Autounfall kostete Benjamin Jonathan das Leben, oh nein, er wurde auf andere Art ermordet.

Die Tiefgarage der Firma bestand aus Flächen und Nischen, und eine dieser Nischen hatte Benjo Smith zu einer allseitig gepolsterten Garage ausbauen lassen, die die Gefahr eines Lackschadens oder gar schlimmerer Beschädigungen an seinem Lieblingsauto auf ein Minimum reduzierte. Diese Villa für den goldenen Saurier wurde durch eine Klimaanlage be- und entlüftet und war mit einer Schiebetür versehen, die in Fußbodennähe zwei Luftschlitze aufwies. Sie war von außen wie von innen mittels eines in Benjos Besitz befindlichen Spezialschlüssels elektrisch oder, ohne diesen Schlüssel, mit einiger Mühe, auch manuell zu bedienen.

Bob Evans hatte diesen Mechanismus auf das Genaueste studiert. Er wusste, welche Sicherung herauszuschrauben war, um die Stromversorgung der Garage lahmzulegen und dass es nur eines Stahlkeiles bedurfte, um ihre Schiebetür so zu blockieren, dass sie, einmal geschlossen, auch manuell nicht mehr bedient werden konnte. Die Garage war von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends für Mitarbeiter geöffnet, die über einen Berechtigungsschein verfügten, während die übrigen Angestellten, sofern sie ein eigenes Auto benutzten, mit Freiraum auf dem Kundenparkplatz vorliebnehmen mussten, der jedoch im Bereich der Laderampen gelegentlich durch Lieferwagen blockiert war. Um neunzehn Uhr schloss der Hauptportier das Stahlgitter der Garagenzufahrt. Danach hatte niemand mehr von der Belegschaft im Haus etwas zu suchen, ausgenommen der Boss höchstpersönlich, die Abteilungsleiter, die Raumpflegerinnen und der Wachmann, der das Betriebsgelände inspizierte.

Freilich waren Benjo und die Abteilungsleiter der Firma mit Schlüsseln auch für das Stahlgitter an der Garagenzufahrt ausgestattet, denn es kam durchaus vor, dass der Chef oder einer seiner engsten Mitarbeiter bis einundzwanzig oder zweiundzwanzig Uhr im Büro blieben, um Terminsachen aufzuarbeiten, ja, mitunter ließ einer der Herren seinen Wagen auch über Nacht in der Garage stehen, sei es, dass er noch einen Spaziergang, einen Bar- oder Kneipenbesuch machen wollte oder einfach zu müde war, um sich selbst ans Steuer zu setzen und deshalb ein Taxi orderte.

2. Kapitel

Es war ein Mittwoch, an dem Benjamin Jonathan Smith seinem Abteilungsleiter Bob Evans auf die Schulter klopfte und sagte: »Das haben Sie ja perfekt gemacht, Bobby, wirklich perfekt, meine Anerkennung! Wenn Sie sich noch ein wenig steigern, wird’s noch perfekter!« Als ob etwas noch perfekter als perfekt sein könnte! Bob Evans kochte innerlich vor Wut, und er kochte fast über, als er in der Mittagspause vom Fenster seines Büros Jessica in Benjos goldenen Saurier steigen und mit dem Boss davonfahren sah. Evans war zu allem entschlossen. Er würde Benjo Smith schon zeigen, was Perfektion bedeutete und ihn perfekt umbringen!

Aber dieser Mittwoch erwies sich als schlechter Tag für sein Vorhaben, und er musste sich noch eine gute Woche gedulden bis seine Stunde schlug; doch die Wartezeit hatte seinen Zorn keineswegs eingedämmt, sondern auf heißer Flamme weitergekocht.

Endlich, nach mehreren missglückten Anläufen, war es in diesem Moment so weit. Benjamin Jonathan Smith blieb nach Feierabend länger als sonst in der Firma. Die Raumpflegerinnen hatten das Haus schon lange verlassen, und immer noch brannte Licht in Benjos Büro im sechsten Stockwerk. Als es schließlich verlöschte, zog Evans Handschuhe an, befeuchtete sein Taschentuch, holte den Stahlkeil aus der Schublade seines Schreibtisches und fuhr mit dem Aufzug in die Tiefgarage, wo er seinen Wagen, unerheblich, ob der Boss diesen nun sah oder nicht! in einer Nische unmittelbar neben Benjos Saurierkabinett geparkt hatte.

Diesmal waren Zeit und Umstände günstig. Die Tiefgarage war bis auf seinen und Benjos Wagen leer und der Wachmann erst in anderthalb Stunden zu erwarten. Evans überlegte noch, ob er seinem Boss nicht einfach frech unter die Augen treten sollte. Es spielte ja keine Rolle mehr! Und Benjo würde anschließend wissen, wem er sein Schicksal zu verdanken hatte. Doch Bobby war zu aufgeregt und zog es daher vor, im Schatten einer stützenden Betonsäule auf seinen Chef zu warten.

Smith steckte den Schlüssel ins Schloss für die elektrische Öffnung der Garagentür, ließ ihn dort stecken, öffnete die Fahrertür seines Wagens, hievte sich umständlich hinter sein Steuerrad und zog die Fahrertür zu. Jetzt ging es um Sekunden! Bob Evans betätigte den Knopf, mit dem die Schiebetür elektrisch bedient werden konnte, klemmte, nachdem sie sich geschlossen hatte, den längst auf seine Passform überprüften Stahlkeil in die linke Führungsschiene der Tür und lief zum Sicherungskasten. Er drehte die Sicherung heraus und legte damit die Stromversorgung der für ihn wichtigen Hälfte der Tiefgarage lahm. Dann lief er zur Garage zurück. Seine Hände zitterten. Was konnte jetzt noch passieren? Jetzt konnte er, wenn ihn jemand überraschte, immer noch alles rückgängig machen und so tun, als käme er seinem Boss als Retter und Befreier zu Hilfe. Doch seine Rechnung ging auf.

Er hörte Benjo Smith in der Garage rufen und schließlich toben: »Was ist denn los? Verdammt noch mal! Ist denn da keiner?« Und um ihn ruhigzustellen, antwortete Evans mit instinktiv verstellter Stimme, denn offenbar wollte er doch nicht erkannt werden. »Warten Sie, ich hole Hilfe!« Smith fragte, »Wer ist denn da?« Doch Evans war bereits zu seinem Wagen gelaufen. Er fuhr ihn rückwärts gegen das Garagentor und sagte, wiederum mit verstellter Stimme: »Einen Moment noch!«

Der laufende Motor seines Wagens machte sowohl seine Worte als auch die seines Chefs kaum verständlich. Er befestigte den parat liegenden Gummischlauch am Auspuff seines Wagens und das andere Ende des Schlauches mit Zwingen und Isolierband derart am rechten Lüftungsschlitz, den er zusätzlich abdichtete, dass es Smith in der Dunkelheit nicht möglich war, das giftspeiende Schlauchende nach draußen zu drücken. Als Nächstes verklebte Evans auch den linken Lüftungsschlitz mit einem präparierten Folienstreifen.

Er hatte diese Handgriffe dutzendmal geübt. Danach hielt er den Schlauch, der die Auspuffgase in das Innere der Garage leitete, noch einige Minuten fest und presste sich dabei sein feuchtes Taschentuch gegen Mund und Nase, denn es war unvermeidlich, dass ein geringer Teil der Abgase auch nach außen drang. Vermutlich waren Bobs Maßnahmen jedoch überflüssig, denn sein Chef, der bald nicht mehr sein Chef sein würde, geriet, als er das Garagentor manuell vergeblich zu öffnen versuchte, so in Erregung, dass er gar nicht an die Lüftungsschlitze dachte, ja, in diesem Zustand nicht einmal mehr wusste, wo sie sich überhaupt befanden. Im Übrigen, was hätten sie ihm, versiegelt wie sie waren, auch genützt? Er trommelte wenig wirksam gegen die teils gepolsterte Garagentür und schrie: »Lassen Sie mich raus! Lassen Sie mich sofort raus! Wollen Sie mich vergiften? Wer ist denn da draußen?«

Doch er erhielt keine Antwort. Schließlich konnte Evans Benjos Geschrei nicht mehr ertragen. Er ging zum Stahlgitter, dass die Garagenausfahrt versperrte und atmete kühle Nachtluft ein. Seine Erregung war ein wenig abgeklungen. War er sich eigentlich darüber klar, was er getan hatte und noch tat? Er hatte im Affekt einen Mord geplant und war dabei, ihn kaltblütig auszuführen. Was wäre, wenn ihn jetzt doch noch jemand überraschen und stellen würde? Er schob diesen Gedanken beiseite und blieb merkwürdig gelassen. Dann wäre es eben aus mit ihm, so wie es mit Benjo Smith inzwischen aus sein musste. Er wusste nicht, wie viele Minuten verstrichen waren, als er schließlich zu seinem Wagen zurückkehrte. Er stellte den Motor ab, riss den Gummischlauch aus seiner Verankerung und die Verklebungen von den Lüftungsschlitzen, verstaute Schlauch, Stahlkeil und Klebestreifen im Kofferraum seines Wagens und rief in piepsigem Tonfall: »Hallo, Mr. Smith! Hallo! Hören Sie mich?« Doch nichts rührte sich im Inneren der Garage. Bob legte sich auf den Fußboden und wiederholte seine Worte, wobei er seinen Mund dicht an den linken Lüftungsschlitz heranführte. »Hallo, Mr. Smith! Hallo! Hören Sie mich?« Und auch diesmal blieb er ohne Antwort.

Er ging zum Sicherungskasten und drehte die gelockerte Sicherung wieder fest. Die dunkle Hälfte der Garage wurde hell, und es sah aus, als wäre nichts geschehen. Der Wachmann würde den Raum in einer guten halben Stunde kontrollieren und das Licht löschen. Noch hing der Geruch von Auspuffgasen in der Luft, aber das war ja in einer Tiefgarage nichts Besonderes. Bob legte sich erneut auf den Boden und horchte durch den linken Lüftungsschlitz ins Innere der Garage. Zu seiner Beruhigung hörte er nur das Vibrieren der wieder funktionierenden Klimaanlage, die dafür sorgte, dass verbrauchte Luft abgesaugt und frische zugeführt wurde. Evans nahm Benjos Schlüsselbund, der noch im Schloss für die elektrische Öffnung der Garagentür steckte, an sich und überlegte, ob er die Garage öffnen und sich vergewissern sollte, dass Benjamin Jonathan Smith nicht mehr am Leben war. Er zögerte lange, doch es graute ihm plötzlich vor dem Anblick seines toten Chefs, der möglicherweise blau angelaufen war. Und so zwängte er den Schlüsselbund durch den rechten Lüftungsschlitz ins Innere der Garage. Jetzt brauchte er seine Stimme nicht mehr zu verstellen, denn Benjo war tot und würde ihn nicht mehr hören. Und in einem Anfall von befriedigtem Rachedurst sagte Evans, noch auf dem Boden hockend, laut und deutlich und mit großer Genugtuung: »Perfekter als perfekt geht’s nicht, Mr. Smith! Habe ich mich nicht toll gesteigert?« Danach fühlte er sich besser. Seine Knie zitterten nicht mehr. Er hatte es geschafft und war erleichtert.

Er steuerte seinen Wagen aus der Tiefgarage und parkte ihn zwischen zwei Lastkraftwagen neben der Verladerampe auf dem Kundenparkplatz. So vermied er es, den Hauptportier zu passieren, der ihm den Schlagbaum hätte öffnen müssen. Er blieb noch etwa eine halbe Stunde im Wagen sitzen und wartete, bis Dykes, der Wachmann, die Tiefgarage inspiziert hatte. Dykes hatte offenbar nichts zu beanstanden gehabt und danach, wie üblich, das Licht in der Garage gelöscht. Bob Evans hätte nun, nach einer Weile, erneut in die Garage fahren und seinen Wagen dort irgendwo parken können. Das wäre anderntags niemandem aufgefallen, doch es schauderte ihn jetzt, nachdem alles vorüber war, den düsteren Ort noch einmal zu betreten. Schließlich war auch sein jetziger Parkplatz im Freiland zwischen den Lastkraftwagen absolut unverdächtig. Er hatte sich eben, nachdem er aus der Garage gefahren war, entschlossen, an diesem sommerlich milden Abend zu Fuß zu gehen. Und er war zu bequem gewesen, noch einmal in die Garage zurückzufahren.

Er verstaute alle Indizien seiner Tat in einer großen Plastiktasche, kletterte auf die der Umzäunung nächste Laderampe und von dort auf die Straße. Der Hauptportier würde sich nicht erinnern können, wann der Abteilungsleiter Bob Evans, sei es per Auto oder zu Fuß, das Firmengelände verlassen hatte.

Zu Hause angekommen verbrannte er Klebe und Plastikfolien, zerschnitt den benutzten Gummischlauch in kleine Stücke und warf ihn, zusammen mit Stahlkeil und Zwingen, zwei Straßen weiter in einen Müllcontainer. Er konnte lange nicht einschlafen und musste ein Beruhigungsmittel nehmen.

3. Kapitel

Als er am folgenden Morgen gegen acht Uhr den Hauptportier, der ein anderer als der Nachtportier war, passierte, sagte dieser: »Guten Morgen Mr. Evans, heute zu Fuß?« Evans parierte freundlich: »Auch gestern Abend, ich habe den Wagen stehen lassen!«

Der Portier nickte verständnisvoll und ließ sich von John Graham, dem Subdirektor, in ein Gespräch verwickeln. Bob ging zu seinem Wagen und fuhr ihn in die Garage. Niemand hatte besondere Notiz davon genommen, dass er ihn am Kundenparkplatz gestartet hatte. In der Tiefgarage war alles wie immer. Man sah sich, grüßte sich, eilte aneinander vorbei und begab sich in sein Büro. Und dies tat, nach einem flüchtigen Blick auf die Garage des Firmenchefs, auch Bob Evans, dessen Vormittag nicht anders verlief als üblich.

Natürlich wäre es denkbar und vielleicht sogar möglich gewesen, dass Benjamin Jonathan Smith seine verzweifelte Situation in den Griff bekommen und er auf irgendeine Weise überlebt hätte. Welch ein Auftritt, wenn er dann, tot geglaubt, plötzlich wie ein Deus ex machina im Büro von Bob Evans erschienen wäre! Leider aber war Benjo Smith wirklich tot, während der Verbrecher, der ihn ermordet hatte, wenn schon nicht seelenruhig, so doch notwendigerweise beherrscht, seiner Sekretärin Maggie Jones Geschäftsbriefe diktierte.

Am frühen Nachmittag verbreitete es sich wie ein Lauffeuer in der Firma, dass Benjo Smith nicht zum Dienst erschienen und, nach Auskunft seiner Haushälterin, am Vorabend nicht nach Hause gekommen und die ganze Nacht über fortgeblieben war. Niemand konnte sich einen Reim darauf machen, und es verging noch eine weitere Nacht, ehe man darüber beriet, ob eine Vermisstenanzeige aufgegeben werden sollte, denn es war absolut ungewöhnlich, dass Benjamin Jonathan Smith auch nicht die kleinste Nachricht hinterlassen hatte. Doch sollte man ihm nachspionieren?

Gegen Mittag kam John Graham, der Subdirektor, auf die Idee, Benjos Privatgarage zu überprüfen. Da sie sich jedoch nicht öffnen ließ, benachrichtigte er schließlich die Polizei.

Als Bob Evans, wiederum einen Tag später, in einer Nische auf dem Flur zu seinem Büro, Jessica Brown begegnete, brach diese in Tränen aus: »Haben Sie bereits gehört, Bob? Benjo Smith ist tot! Ich kann’s nicht fassen!«

Bob zeigte sich bestürzt: »Um Gotteswillen! Wie ist das denn passiert?« Doch Jessica wusste es nicht.

Sie schluchzte, »er war so nett zu mir und nie aufdringlich. Ich habe ihn gemocht, nicht als Mann, aber als Chef …«

Und obgleich es nicht der richtige Augenblick war, entschloss sich Bob dennoch zu der Frage: »Und wen mögen Sie als Mann, Jessica?« Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, sah ihn überrascht an und antwortete: »Das wissen Sie doch, Bob!« Unvermittelt und für ihn überraschend, warf sie sich an seine Brust.

Er war wie vor den Kopf geschlagen, presste sie jedoch so fest an sich, dass sie merken musste, wie sehr er mit ihrem Gefühlsausbruch einverstanden war. Und während sie sich langsam von ihm löste, sagte sie: »Benjo wollte dir übrigens eine Gehaltserhöhung geben. Er war überzeugt, du seist absolut perfekt!« Evans verschlug es die Sprache.

Nachdem er sich gefangen hatte, fragte er: »Gehen wir nach Dienstschluss noch irgendwo hin? Und darf ich dich danach nach Hause bringen?« Sie nickte, und er drückte sie noch einmal fest an sich, bevor sie sich trennten. Evans zitterte am ganzen Körper. Es war vollkommen unnötig gewesen, Smith zu ermorden.

Doch zu einem Rendezvous mit Jessica sollte es nicht mehr kommen.

Als Bob Evans sein Büro betrat, warteten dort zwei Herren auf ihn, die sich als Kriminalbeamte auswiesen. Bob erschrak, hatte sich aber sofort wieder in der Gewalt und überlegte hektisch, was die Beamten ausgerechnet zu ihm geführt haben könnte. Was wollten sie von ihm? Er war sich der Perfektion seiner Tat absolut sicher. Er bat die Herren, Platz zu nehmen, und fragte: »Womit kann ich dienen? Darf ich Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten?« Der Ältere von beiden schüttelte den Kopf. »Wir haben eine Frage an Sie!«, sagte er, und Bob machte sich auf ein längeres Verhör gefasst. Längst hatte er sich jede mögliche Antwort zurechtgelegt. Der jüngere Kriminalbeamte schlug sein Notizbuch auf und fragte: »Ist Ihnen bekannt, dass Mr. Smith, der Inhaber dieser Firma, tot ist?«

»Ich habe es vor wenigen Minuten gehört und kann es noch gar nicht begreifen!«

»Trifft es zu, dass Mr. Smith vor einiger Zeit sinngemäß zu Ihnen gesagt hat, sie seien wirklich perfekt und könnten, sofern Sie sich steigerten, noch perfekter werden?« Bob nickte: »Ja, das trifft zu, aber was soll …« Der ältere Kriminalbeamte unterbrach ihn: »Wir wissen das von Miss Jones, Ihrer Sekretärin. Sie war zugegen als Mr.Smith Sie auf diese Weise lobte!«

Anschließend holte er ein Taschendiktiergerät aus seinem Aktenkoffer und verband es, nachdem er die Batterien geprüft hatte, mit einem ebenfalls zutage geförderten kleinen verstärkenden Lautsprecher, den er an eine Steckdose anschloss.

»Dies«, erklärte er und zeigte auf das Taschendiktiergerät, »ist ein sogenanntes elektronisches Notizbuch. Mr. Smith trug es, während er ermordet wurde, in seiner Brusttasche. Wir wissen nicht, ob er vergessen hatte, das Gerät auszuschalten oder ob er es in seiner letzten Stunde bewusst eingeschaltet hat. Es kann auch sein, dass es sich durch Druck oder Reibung in der Tasche von Mr. Smith aktivierte!«

Der Beamte blickte auf Bob Evans, der leichenblass geworden war, denn aus dem Lautsprecher klang es jetzt: »Was ist denn los, verdammt noch mal! Ist denn da keiner?«

»Warten Sie, ich hole Hilfe!«

»Wer ist denn da?«

»Einen Moment noch!«

Und anschließend, untermalt vom Geräusch eines laufenden Motors: »Lassen Sie mich raus! Lassen Sie mich sofort raus! Wollen Sie mich vergiften? Wer ist denn da draußen?«

Der Beamte stoppte das Band. Evans war es kalt den Rücken hinuntergelaufen, doch dank äußerster Selbstdisziplin und Beherrschung bewahrte er Fassung und bemerkte so kühl wie möglich: »Das ist ja furchtbar! Das war die Stimme von Mr. Smith und eine Zweite, die ich nicht kenne! Wer war das?«

Der Beamte sagte: »Das wissen wir nicht!« Bob fiel ein Stein vom Herzen und er fragte: »Haben Sie eine Vermutung?«

Der Beamte nickte und ließ das Band weiterlaufen. Zweimal schallte eine piepsige Stimme aus dem Lautsprecher.

»Hallo, Mr. Smith, hören Sie mich?«, und schließlich wieder.

»Hallo, Mr. Smith, hören Sie mich?« Niemand würde diese Stimme je identifizieren können. Der ältere Beamte ging zur Tür, öffnete sie und bat Miss Jones ins Zimmer. Er spulte das Band ein wenig zurück und ließ die piepsige Stimme erneut ertönen.

»Hallo, Mr. Smith, hören Sie mich?«

Er schaltete das Band ab und fragte Miss Jones: »Kennen Sie diese Stimme?« Miss Jones schüttelte den Kopf und verneinte energisch. Der Beamte ließ das Band weiterlaufen.

»Und diese?«, fragte er.

Der Lautsprecher knisterte, und danach hörte man klar und deutlich die Worte: »Perfekter als perfekt geht’s nicht, Mr. Smith! Habe ich mich nicht toll gesteigert?«

Miss Jones Augen weiteten sich. Erschreckt nahm sie die Hand vor den Mund und lief wie gehetzt hinaus. Da gab Bob Evans auf und brach zusammen. Die Beamten legten ihm Handschellen an und führten ihn durch einen Hinterausgang zum Polizeiwagen.

In jenem Staat, in dem er vor Gericht gestellt wurde, war die Todesstrafe, wie in den meisten Staaten der U.S.A., bisher nicht abgeschafft. Und so vertauschte er seinen Bürostuhl mit dem elektrischen.

Hustensaft

Nun mag es ja eine Menge Gründe dafür geben, dass man einen Mitmenschen am liebsten umbringen würde, wenn nur die moralische Hemmschwelle, das Gewissen und die Angst nicht wären, die Angst, als Mörder entlarvt und kraft Gesetzes ins Gefängnis gesteckt zu werden.

1. Kapitel

Für Madame Deray, die in einem kleinen Städtchen an der Loire eine von ihrem Vater ererbte Apotheke unterhielt, gab es allerdings nur einen einzigen Grund aus dem sie ihren Mann, den Chemiker Louis Deray, den sie im Alter von neunzehn Jahren kennengelernt und etwas übereilt geheiratet hatte, loswerden wollte. Und den lieferte er ihr selbst. Er wollte sich nicht scheiden lassen. Warum auch? Bei der Hochzeit war Gütertrennung vereinbart worden, und Güter hatte er keine. Die hatte seine Frau. Und diese Güter, allen voran die Apotheke, es war eine Goldgrube, nebst zwei verpachteten Grundstücken und einem vermieteten Vierfamilienhaus, warfen genug ab, um ihm, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hatte, ein sorgloses Leben zu ermöglichen. Zwar kümmerte er sich gewissenhaft um die Buchhaltung der Pharmazie, doch ging er im Wesentlichen seinen Liebhabereien nach, bei denen die Philatelie an erster Stelle stand. Jede noch so großzügige finanzielle Abfindung hätte ihn nach Trennung von seiner Frau gezwungen, seinen Lebensstandard auf Dauer einzuschränken und gegebenenfalls wieder als Chemiker tätig zu werden.

Madame Madeleine Deray freilich fühlte sich, seit sie den jungen Pharmazeuten Lanvin zu ihrer Unterstützung angestellt hatte, nicht nur magisch zu diesem hingezogen, sondern auch, seit Alain ihrer Verführungskunst erlegen war, um zwanzig Jahre jünger. Und das war akkurat die Zeitspanne, die sie, eine attraktive Fünfzigerin, älter war als er. Im Übrigen tat sie es ihrem Mann gleich und erledigte für die Apotheke nur das Notwendigste. Alain Lanvin war ja da und sorgte für alles Erforderliche. Und den Haushalt bestritt Yvette Falcon, eine hübsche, sehr ordentliche Mittzwanzigerin, die ganz in der Nähe wohnte und nunmehr seit zwei Jahren gegen gute Entlohnung werktags zur Verfügung stand.

---ENDE DER LESEPROBE---