Unheiliger Abend - Nina George - E-Book
Beschreibung

Ein Kurzkrimi der Bestsellerautorin Nina George um drei Rentnerinnen, die sich ihrer sexuellen Freiheit beraubt fühlen. Wir befinden uns im beschaulichen Cuxhaven zur Weihnachtszeit. Über der Stadt braut sich etwas zusammen, und das ist kein Schneesturm. Drei Damen höheren Jahrgangs fühlen sich, stellvertretend für ihre ganze Generation, ihrer Freiheit beraubt. Und zwar nicht irgendeiner Freiheit, sondern eben der sexuellen. Und weil man heut „proaktiv“ sein muss, wie man so sagt, und die Anita ordentlich im Lotto gewonnen hat, eröffnen die „Drei von der Krankstelle“ ein Inkognito-Erotikgeschäft für die Senioren der Republik. Ganz schön harter Tobak für so ein verschlafenes Städtchen – manch einen erschreckt das glatt zu Tode ...

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Seitenzahl:18


Nina George

Unheiliger Abend

Ein Weihnachtskrimi aus Cuxhaven

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Nina George: Unheiliger AbendDas besondere Krimi-Glühweinrezept
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Nina GeorgeUnheiliger Abend

Cuxhaven

Natürlich haben wir Evchen vorgeschickt, die lügt am besten von uns dreien. Das kann daran liegen, dass sie immer die Hälfte vergisst mit ihrem löchrigen Schwamm-Dingsda im Kopf. Sie also sechs Wochen vor Weihnachten schön ihren Mottenfiffi-Mantel gestriegelt, beim Friseur im Lotsenviertel die hellblaue Welle gelegt, und ganz auf feine Dame ins Cuxhavener Rathaus rein. Keine zwanzig Minuten später kommt sie mit dem Gewerbeschein wieder raus, und wir erst mal zur Alten Liebe ins Eiscafé, schön ’ne Tasse Cappuccino mit echter Sahne und Zimtstreuseln trinken, dazu Stachelbeerbaiser, zur Feier des Tages. Dass wir drei rostigen Gabeln noch mal einen eigenen Laden aufmachen! In unserem Alter! Wir haben noch gut zu tun bis Weihnachten, schließlich wollen wir noch das Geschenkegeschäft mitnehmen.

Erst mal aber teilen wir uns ein Piccolöchen und stoßen auf Anitas letzten Mann an, den Reinhold, der ihr nichts außer seiner Sammlung von Reiseprospekten und dem Aboschein bei Lotto Niedersachsen hinterlassen hat. Neulich kamen dabei einfach mal so 263000 Euro raus. Doch, doch – die Anita hat ein Händchen für Investitionen.

 

»Wie nennen wir denn nun unser Dingsda?«, fragt Evchen mit ihrer 71-jährigen Klein-Mädchen-hinterm-Deich-Stimme.

»Es gibt keine Dingsdas«, würde dazu erst mal unsere Sprachtrainerin sagen, das etwas mollige Fräulein Cora aus Altenwalde. Die hat zwar keinen Mann, aber dafür einen Vogel, dem sie das Vortragen von Gedichten beigebracht hat. Preise hat die Cora damit schon gewonnen, aber in letzter Zeit kommen nur schlüpfrige Limericks aus seinem Schnabel. Die sagt immer zu uns: »Wenn Ihnen das Wort nicht einfällt, Frau Henrietta und Frau Eva, dann müssen Sie es umschreiben. Um-schrei-ben!«

Wir können die dicke Cora, diese Dementologin, nicht leiden, diese arrogante, blöde … Na, wie heißt das Vieh? Vier Beine, lila, gibt Milch? Egal. Um-schrei-ben.

»›Sexshop‹«, sagt Anita mit ihrer Ex-Raucherinnen-Stimme, »›Sexshop für Seniorinnen‹.«

»Ich mag das Wort Seniorin nicht«, piepst Evchen. »Hört sich nach … Dings an … trocken, riecht nicht gut, bröselt?«

»Tod?«, frage ich.

»Nein, Hettie. Löschpapier mein ich.«