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Im Roman Unschärfen begleiten wir die willensstarke Immobilienmaklerin Louise, die in der rauen Realität des Immobiliengeschäfts ihren Platz gefunden hat. Ihr Ruf ist nicht der beste sie ist unbeliebt, frisch getrennt, hat ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Tochter und führt ein Leben auf der Überholspur. Als sie auf ihre blinde Nachbarin Brooklyn trifft, ist sie überfordert. Die Begegnung der beiden Frauen ist zunächst unerfreulich. Doch die Straße verändert sich, alteingesessene Bewohner weichen neuen Gesichtern, das Milieu wird rauer. Brooklyn, die mit ihrer Blindheit eine besondere Sicht auf die Welt hat, erkennt die Veränderungen besser. Louise, die stets ihre eigenen Interessen verfolgt, sieht in Brooklyn zunächst nur eine Möglichkeit, ihre Geschäfte voranzutreiben. Sie plant die blinde Frau für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Doch dann taucht ihr alter Geschäftspartner Theo auf, ein charismatischer Mann mit einer dunklen Vergangenheit. Theo ist von Brooklyn fasziniert und verliebt sich in sie. Zwischen den Dreien entfaltet sich ein Netz aus Eifersucht, Freundschaften, Verlusten, Trauer, Vertrauen, Liebe und Machtmissbrauch. Während Louise und Brooklyn sich näherkommen, enthüllen sie Geheimnisse, die tief in ihnen verwurzelt sind.
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Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Liebe Leser, dieser Roman ist ein Werk der Fiktion. Alle Personen, Orte und Ereignisse sind frei erfunden oder wurden für die Handlung künstlerisch aufbereitet. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen, lebend oder verstorben, sowie tatsächlichen Orten oder Geschehnissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Es liegt keinesfalls in der Absicht dieses Werkes, Menschen oder Minderheiten in irgendeiner Weise zu beleidigen oder zu verletzen. Die Geschichte dient ausschließlich der Unterhaltung und spiegelt keine realen Überzeugungen oder Absichten wieder.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Die grauen Regenwolken türmten sich bedrohlich auf, als sich ein dunkler Wagen mit offensichtlich überhöhter Geschwindigkeit näherte. Im Wagen war undeutlich eine Frau mit dunkler Sonnenbrille zu erkennen. Die Straße war von einzelnen schlank, aufragenden Bäumen gesäumt, die den eher trist anmutenden Gebäuden etwas Leben einhauchte. Hier und da zeigte sich das erste Grün des Jahres. Einige Häuser der Straße gaben ihren voranschreitenden Verfall preis. Dazwischen gab es Gebäude, die von Baugerüsten umhüllt waren. Das ein oder andere Haus war bereits renoviert und hatte nur noch wenig von dem ursprünglichen Charme der noch unberührten Häuser. Früher gab es in dieser Gegend ausschließlich Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Handelsunternehmen.
Doch diese Zeiten waren längst vorbei nun gab es Agenturen, Produktionsfirmen und Softwareunternehmen. Entsprechend angesagt war nun das kulinarische Angebot in der Straße, die Trinkhalle war einer Smoothie Bar gewichen und an der Imbissbude, wo es früher Currywurst gab, konnte man vegane Suppen und Wraps zu sich nehmen.
Zum Glück gab es noch das Napoli, den italienischen Kiosk in dritter Generation. Giovanni der Besitzer trotzte dem Zeitgeist, er würde niemals seine alte Espressomaschine austauschen, auch wenn diese bei jeder Zubereitung teils so gruselig, zischende Geräusche von sich gab, dass selbst Giovanni seine Stirn in Falten legte. Der Wagen kam abrupt mit quietschenden Reifen direkt vor dem Napoli zum Stehen. Die Fahrertür öffnete sich und eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters, modisch gekleidet mit sprang heraus. Sie betrat das Napoli und ging schnellen Schrittes auf den Tresen zu. Ihr Gang und ihre Körperhaltung wirkten erhaben und fordernd.
Am Tresen angekommen schob sie ihre Sonnenbrille auf den Kopf und schaute Giovanni emotionslos an. Zu keinem Wort des Grußes bereit bestellte sie, bevor Giovanni sie überhaupt fragen konnte, einen Cappuccino zum Mitnehmen. Er machte sich umgehend an die Arbeit. Für Giovanni war seine Interpretation eines Cappuccinos wie eine Symphonie in vier Sätzen, er fühlte sich wie ein Dirigent. Den Kopfsatz, bildete die Geräuschkulisse seiner alten italienischen Kaffeemühle. Der nussige Geruch der frisch gemahlenen Kaffeebohnen erfüllte den Raum und machte den Kunden neugierig. Den zweiten Satz die Sonate bildete nach dem Einsetzen des gefüllten Siebträgers das sich langsam aufbauende Druckgeräusch seiner alten Espressomaschine. Mit dem ersten Finale, dem hineinfließen des Espressos in die vorgewärmte Espressotasse. Der dritte Satz, das Scherzo entstand durch das zischende Geräusch der Dampfdüse, die die Milch in einen wunderbaren Schaum verwandelte. Gefolgt vom Finale, dem Rondo die Verschmelzung des Espressos mit dem Milchschaum. In diesem Fall leider in einem recycelbaren braunen Pappbecher.
„Pronto Madame, mit Zucker?“, fragte er.
Ihre funkelnden grünen Augen trafen seine, ihre linke Hand ballte sich kurz zu einer Faust. Giovannis Körper wich leicht zurück, denn einen Moment lang glaubte er sie wolle ihn schlagen.
„Um Gottes Willen auf gar keinem Fall?“, erwiderte sie mit undurchschaubarer strenger Stimme. Wortlos legte sie einen Geldschein auf den Tresen, nahm ihren Becher und verließ ebenso schnell wie sie gekommen war das Napoli.
„Ihnen auch noch einen schönen Tag “, rief er ihr hinterher.
Dann zündete er sich eine Zigarette an und schüttelte seinen, mit grauen Locken bedeckten Kopf. Früher war es anders hier im Viertel gewesen, da hatte man sich noch gekannt und sich begrüßt. Schon damals waren es vollkommen verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Milieus, die hier lebten. Es gab die Ärzte und die Anwälte und es gab den Blumenhändler und den Bäcker, deren Kinder immer zusammen auf der Straße gespielt hatten. Jetzt war da draußen eine anonyme, uniforme Menschenmasse unterwegs, die kam und ging. Auch spielende Kinder hatte man hier lange nicht mehr gesehen. Letztes Jahr war sein Hausarzt Dr. Elger im betagten Alter von neunzig Jahren verstorben, er hatte mit seiner Frau Rosa und den Kindern im Haus Nummer 5 gearbeitet und gewohnt. Die Kinder gingen ins Ausland zum Studieren, erst starb Rosa dann ein Jahr später er.
Jeden Tag war Dr. Elger bei ihm gewesen und hatte seine Tageszeitung und einen Espresso, den er immer direkt am Tresen trank, gekauft. Sie hielten meist einen gemeinsamen Plausch über alles Mögliche, manchmal auch einfach nur über das Wetter. Über das Wetter konnte man sowieso die tollsten Unterhaltungen führen. Rosa liebte ihre Gartenzeitschrift und das Wissenschaftsmagazin, sie war sehr belesen und führte gerne Gespräche zu den neusten technischen Entwicklungen. Die kurzen Unterhaltungen waren immer respektvoll und zugewandt, man hörte sich gerne gegenseitig zu. Nach ihrem Tod kamen erst die Anwälte, dann die Container. Kisten wurden herausgetragen und so das ganze Leben der Familie Elger entsorgt. Möbel, Kleidung, Schallplatten, das handgetöpferte Blumengeschirr welches Rosa so liebte. Sogar Fotoalben, persönliche Aufzeichnungen, Gemälde und die Zinnfigurensammlung von Dr. Elger landeten im Container. Es war windig am Tag als die Entrümplungsfirma kam, Fotos und Zeitschriften flogen in der Straße umher. Noch Tage danach konnte man im Rinnstein, den ein oder anderen verblassten Urlaubsschnappschuss der Familie Elger finden. Eines hatte Giovanni aufgehoben, es zeigte die Familie an einem sonnigen Tag in einem Ruderboot auf einem See. Er hatte das Bild, mit einer Reißzwecke an die Wand, hinter seiner Espressomaschine aufgehängt. Danach kamen die Handwerker und die Tapeten, die Treppe und die Fenster wurden herausgenommen. Dann riss man mit brutaler Grobheit Rosas geliebte Rosenbüsche aus dem Vorgarten. Nachts hatte Giovanni sich zum Container geschlichen und ein paar davon gerettet, um sie in seinen Garten zu pflanzen Er wartete noch auf deren Dankbarkeit durch reiche Blüte.
Ein paar Wochen stand das Haus Nummer 5 ohne Fenster, wie ein menschliches Skelett da. Dieser Anblick hatte Giovanni sehr bedrückt und nachdenklich gemacht. Dann letzten Monat tauchte diese Frau mit ihrer Arroganz hier auf. Sie hatte das Haus gekauft.
Louise betrat mit ihrem Becher in der Hand das Haus Nummer 5. Die Haustür machte ein elektronisches Geräusch und öffnete sich automatisch. Sie wusste das diese technischen Kleinigkeiten den zukünftigen Besitzern gut gefallen würden. Dieses Haus war ein wahres Schnäppchen für Louise gewesen, die Erben in Übersee hatten per Zoomschaltung bewiesen, dass sie keine Ahnung hatten und das Objekt mit gesamtem Inhalt schnell veräußert. Das war momentan üblich in der Branche, die Angehörigen meist die erwachsenen Kinder, hatten keinerlei Bezug zum Besitz der Eltern. Der Nachlass wurde emotionslos und schnell abgewickelt. Die Treffen fanden wie in diesem Fall meist nicht einmal mehr vor Ort statt. Manchmal aus Entfernungsgründen, doch meistens aus Verdrängungsgründen. Dies kam Immobilienmaklern wie Louise van den Burg sehr entgegen, sie boten vertrauensvoll eine komplette Abwicklung an. Einfach sauber und unkompliziert. Sie hatten ihren Anwalt Walter Grimm damit beauftragt die Abwicklung zu übernehmen und dieser war zufällig ein guter Bekannter von ihr. So kam es für sie zu einem lukrativen Abschluss. Die Kleinigkeit die Walter von ihr dafür verlangte war nicht der Rede wert. Sie nahm einen Schluck von ihrem Cappuccino, den sie ganz passabel fand. Das Haus wurde nur oberflächlich renoviert, die alten Leitungen blieben, das Dach wurde stellenweise geflickt. Die neuen Fenster mit den schwarzen Rahmen, hatte sie auf Grund ihrer Hässlichkeit günstig erworben. Kurt ihr Handwerker hatte sie eingesetzt und auch alle anderen Arbeiten durchgeführt, mit nicht ganz legaler Rechnung was beiden entgegenkam. Sie hatte alles im Rohbaucharme belassen, Betonwände, der alte Holzboden wurde abgeschliffen, die alten Türen und die Fensterbretter ließ sie schwarz lackieren. Die Optik war entscheidender als alles andere.
Sie wusste das dies die potenziellen Käufer beeindrucken würde, aus Erfahrung wurden dann meist weniger Fragen zur Energieeffizienz gestellt. Der Kunde ging von vornherein bei dem Wort Smart Home davon aus. Den Energiepass hatte sie beim städtischen Energieversorger schönen lassen, sie kannte den Sachbearbeiter und er hatte sich über einen kleinen Urlaubszuschuss sehr gefreut.
Louise lächelte und summte die bekannte Melodie eines Songs, in dem es um das Nichtstun und trotzdem Geld verdienen ging. Die Zeilen des Liedes tanzten in ihrem Kopf, als sie ihren Kontrollrundgang durch das Haus fortsetzte. Es war ihr erstes Projekt in dieser Straße und ein äußerst Lukratives. Sie stoppte und fluchte.
„Nein, nicht schon wieder.“
Auf dem schwarzen Fensterbrett des Raumes, in dem sie sich gerade befand, lag eine dicke Schicht grauen Baustaubes. Verärgert zog sie ihr Telefon heraus und fuhr mit ihrem Zeigefinger über das Fensterbrett.
„Sie werden noch heute jemanden vorbei schicken, der den Pfusch hier in Ordnung bringt, sonst werde ich sie nicht zahlen.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, legte sie auf. In zwei Tagen würden die ersten Interessenten eintreffen. Sie ging durch jeden Raum, schaute sich jede Wand, jede Leiste, jede Steckdose genau an. Auf der Vorderseite des Hauses gab es einen kleinen Vorgarten, sie hatte das hässliche Rosengestrüpp und den Mandelbaum herausreißen lassen. Die Neuanlage bestand nun aus einer Granitsteinfläche deren Mitte ein akkurat in Form geschnittener Buchsbaum krönte. Die Granitsteinplatten glänzten gerade durch den Regen und vermittelten einen sauberen und sterilen Charme.
Sie betrat durch eine Flügeltür, den letzten Raum ihres Rundganges, er war hell nicht all zu groß und würde sich gut als Arbeitszimmer eignen. Vom Fenster aus konnte man die Straße gut sehen, den Kiosk Napoli und ihren Wagen, der davorstand. Der Handwerker hatte seine Leiter im Raum stehen lassen, sie setzte sich auf eine der Sprossen, sie hatte noch etwas Zeit, checkte ihre Mails, hob den Kopf und blickte hinaus. Das graue Wetter hatte sich verzogen, ein kleines blaues Band wurde sichtbar, grelle Sonnenstrahlen trafen auf den Bürgersteig der sofort zu dampfen begann. Dann sah sie eine Gestalt den Bürgersteig entlangkommen, der Gang wirkte unsicher. In der linken Hand einen Regenschirm und in der rechten Hand etwas Unklares, eine Art dünner Stock der sich rhythmisch hin und her bewegte. Sie wendete den Blick ab und schaute auf ihre Armbanduhr. Es war bereits früher Nachmittag.
Heute hatte sie ihren Termin mit Durant, es war die letzte Kapitulation. Er hatte ihr alles genommen, ihre Unschuld, ihre Sicherheit, ihren Stolz und jetzt fast noch ihre berufliche Zukunft. Die letzte Version vom Paradies war das gemeinsame Immobilienprojekt in der Karibik gewesen. Für ihn blieb diese Version nur mit dem Unterschied das er dies mit einer dreißig Jahren jüngeren Version von ihr, Namens Chloe, teilte.
Louise war 49 Jahre alt, wenn sie heute unterschreiben würde, geschieden, mit einem Berg Schulden und einsam. Einsam war sie auch schon mit Durant gewesen. Durant Remi der umwerfend aussehende Franzose. Groß, schlanke Erscheinung, das Haar akkurat kurz geschnitten. Sie hatte sich sofort in ihn verliebt. Sie liebte nicht nur seinen Akzent. Auch die Art und Weise wie er sich bewegte, so elegant, nie zu schnell, immer kurz davor zu stoppen und dann doch den anderen immer voraus zu sein.
All das hatte Louise schlicht vom ersten Moment an beeindruckt an ihm. Sein Kleidungsstil war klassisch, mit Jackett Tuch passend zur Krawatte. Dass er sich nicht selbst einkleidete, sondern seine Mutter Francine behielt er bis heute bei.
Ihr gemeinsamer Start in die Beziehung war stürmisch und schnell. Er war älter und erfahrener, Louise fühlte sich sicher und liebte das Luxusleben das er ihr bot. Er erwartete von ihr, dass sie die perfekte Ehefrau verkörperte, immer Top gepflegt, gut in Form und aufreizend. Das nahm sie in Kauf, dafür bekam sie Champagner, teure Reisen, Brillanten, Partys, Designerklamotten und ein großartiges Haus. Sie liebte ihre Arbeit als Immobilienmaklerin. Gemeinsam mit Durant gründete sie die Firma. Er vertraute auf ihre Genauigkeit und ihren Instinkt, sie auf seine Kontakte, die er auf dem Golfplatz knüpfte. Mit den Jahren wurde ihre gemeinsame Zeit weniger. Louise wusste das er fremd ging. Trotzdem hatte er bis zum Tag der Trennung an ihr festgehalten. Natürlich mehr um seiner selbst willen. Beide hatten voneinander profitiert. Sie das von den Eltern nie ernst genommene, mathematisch begabte Kind. Trotzig hatte sie die viel zu enge Plattenbauwohnung in der Vorstadt verlassen. Besonders ihrem Vater wollte sie beweisen, dass sie es schaffen kann. Ihr Vater vertrat die Meinung das Frauen nur für den Haushalt und Kinder taugten. Sie hatte die Wohnungstür hinter sich zugezogen und war nie wieder zurückgekehrt. Ähnlich hatte es nun Durant vor einem Jahr mit ihr getan, er hatte seinen Ehering und die Hausschlüssel in die vergoldete Designerschale, die sie gemeinsam ersteigert hatten, gelegt und war gegangen. Es war ihm zu eng geworden hatte er gesagt, was er damit meinte, hatte sie nicht verstanden. Sie hatte in den letzten Jahren oft die Luft angehalten, wegen seiner waghalsigen Geschäfte, die die Firma beinahe in die Insolvenz getrieben hätte.
Nur durch Louises Karibik Idee war gerade nochmal alles gut gegangen. Nun hatte sie nichts, außer den ihr zustehenden Teil ihres gemeinsamen Hauses. Sie hatte das Haus in der Innenstadt geliebt. Alles hatten sie gemeinsam ausgesucht, jede Fliese, jedes Möbelstück, ja selbst die innenliegenden Kabel. Sie hatte die goldene Designerschale genommen und war in ein kleines Apartment in der eingezogen. Ohne Möbel, nur einer Matratze, einem Stuhl und der Behelfsküche des Vermieters, die aus einer Spüle und einem Kühlschrank bestand. Den Rest der wenigen Dinge, die sie noch besaß, hatte sie eingelagert. Das Haus Nummer 5, dieses Haus hier mit der staubigen schwarzen Fensterbank war ihr Neustart. Sie hatte alles auf eine Karte gesetzt. Mit der Unterstützung ihrer Freundin Ruth von der Bank, hatte sie eine Kreditsumme erhalten, bei der es ihr flau im Magen wurde. Dieses Haus war ihre letzte Chance, es war ihre Zukunft. Sie saß noch immer auf der Sprosse der Leiter, als ihr Blick zu ihrem Wagen, der vor dem Napoli parkte, direkt zu der Politesse wanderte, die gerade ihren Stift herauszog. Louise sprang von der Leiter, die mit einem lauten Rumms auf den Parkettboden landete.
„Du kriegst mich nicht“, fluchte sie. Schnellen Schrittes verließ sie das Haus um wie ein Pfeil, direkt auf das Ziel, die Politesse zuzustürmen.
„Was machen sie da bitte?“, rief Louise ihr zu.
„Wonach sieht es denn aus. Ich notiere eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf Zwölf, Absatz eins, zwei und drei“, antwortete die Politesse mit professioneller Gelassenheit.
Louise die ihre Wut kaum zügeln konnte wurde laut und erwiderte, „Sie und ihre dumpfe, stupide Ordnungswidrigkeit sie für mich trivial, vollkommen unwichtig.“
Giovanni vom Napoli kam vom Lärm alarmiert herausgelaufen. Bremste verängstigt ab, als er die fluchende Louise sah, und setzte sich tollpatschig auf eine der alten Sitzgelegenheiten der Außenbestuhlung des Napolis. Dann zündete er sich eine Zigarette an. Die Politesse stand in ihrer blauen Uniform regungslos direkt vor Louise und schaute sie streng an.
„Zweite Ordnungswidrigkeit Paragraf 185 Beamtenbeleidigung. Ich rufe die Kollegen.“ Sie zog ihr Mobilteil aus der Brusttasche. „Hallo Zentrale ich habe hier einen 185 und brauche Verstärkung.“
Das Mobilteil gab krachende Geräusche von sich und eine kaum zu verstehende Rückmeldung war zu hören. Louise platzte fast der Kragen, ihr sonst eher blasser Teint verfärbte sich in Sekunden von rosa im Hummerrot. Ihr Mund verzog sich zornig und ihre Hände bildeten sich zu Fäusten. Giovanni fürchtete, dass sie möglicherweise einem Herzinfarkt nahe war oder, passender zu ihrem Charakter, die Politesse mit einem gezielten Schlag niederstrecken würde.
In genau diesem Moment vernahm Louise ein leises, scharrendes und klopfendes Geräusch. Ein schmaler Stab, gehalten von einer dunkel gekleideten Gestalt, bewegte sich direkt zwischen ihr und der Politesse. Eine sanfte, weibliche Stimme war zu hören.
„Verzeihen sie darf ich bitte durch?“
Die Politesse und Louise wichen langsam zurück.
„Selbstverständlich, gehen sie schon “, entgegnete Louise etwas ungeduldig.
„Ich habe sie leider nicht bemerk, das tut mit wirklich leid“, sagte die Politesse mit bedauern.
„Alles gut ich wollte sie nicht unterbrechen “, erwiderte die blinde Frau.
Giovanni näherte sich ihr langsam.
„Brooklyn darf ich dir meinen Arm anbieten?“
„Also wirklich Giovanni den Weg zu dir habe ich bisher immer selbst bewältigt und dabei bleibt es auch, ein Espresso bitte “, antwortete sie.
„Mit eine Kugel Pistazieneis. Besser als jedes Feierabendbier.“ Lachend verschwanden die Beiden im inneren des Napolis. Louise und die Politesse standen leicht irritiert auf dem Bürgersteig.
„Wo waren wir gerade?“, fragte Louise, empört von der Absurdität der Situation.
„Ordnungswidrigkeit falsch parken. Lady, hören sie das mit der Beamtenbeleidigung lass ich nochmal.“ Sie nahm ihr Mobilteil das kratzende Geräusch wurde nun von einem summenden Unterton untermalt.
„Zentrale die Sache hat sich erledigt. Feind kooperiert.“ Dann schaute sie Louise direkt mit versteinerter Miene an.
„Aber bitte fangen sie jetzt bloß nicht an charmant zu werden, das machen immer nur Männer, besonders dann, wenn die Karre schon am Haken hängt. Einen schönen Tag noch und hoffentlich bessere Laune.“
Dann drehte sie sich herum und entfernte sich langsamen Schrittes. Louise blieb für einen Moment fassungslos auf dem Bürgersteig stehen, der Wind streifte kühl ihre Wangen, dann stieg sie in ihren Wagen und fuhr Richtung Kanzlei. Dort angekommen sah sie von weitem Durant der nervös an seinem Jackett Tuch herum nestelte.
Es war das seidene Tuch mit den Pfauen darauf. Francine seine Mutter hatte darauf bestanden das er dieses passend zu seiner Krawatte tragen solle. Sein nachtblaues Jackett spannte etwas und die beige Hose erschien etwas zu kurz, kombiniert mit seinen braunen Loafer Schuhen. Schließlich handelte es sich nicht um eine Verabredung, sondern um seinen Scheidungstermin. Später würde er sich zur Feier des Tages mit Chloe zum Mittagessen treffen. Sie würde entzückt sein und ihm jeden Wunsch erfüllen. Er dachte kurz an ihre jugendlichen Lippen und bemerkte das Erregung in ihm aufstieg. Bis zu dem Moment als er aufblickte und direkt in Louises kalte, grünen Augen starrte. Beschämt schaute er auf den Boden. Fing sich wieder und begrüßte sie.
„Hallo Louise.“
„Guten Tag Durant“, erwiderte sie knapp.
„Dann lass es uns hinter uns bringen.“
Sie folgte ihm schweigend in die Büroräume der Anwaltskanzlei Ruppert und Söhne. Einer der Rupperts kam ihnen freundlich entgegen.
„Da sind sie ja der Fall Remi van die Burg.“
„Frau van die Burg ihr Anwalt ist bereits hier.“ Sie nickte Walter zu, dieser erwiderte ihren Gruß nickend zurück. Er hatte das Möglichste für sie herausgeholt und für sich selbst auch. Vom bereits investierten Geld in der Karibik würde sie keinen einzigen Cent mehr sehen. Duran war geschickt genug gewesen das zu verheimlichen und sie hatte nichts in der Hand, außer einem Steuerbescheid von beträchtlicher Summe. Immerhin hatte sie den Anteil des Hausverkaufes. Sie betraten einen großen Besprechungsraum mit modernen Designermöbel, schon beim Hinsetzen bestätigte sich der Gedanke das sie nur gut aussahen und nicht bequem waren. Louise dachte das Durant heute seinem Pfauenoutfit sehr ähnelte. Nicht mehr und nicht weniger. Leer blickte sie auf die umherwandernden Dokumente. Kommentarlos setzten alle Beteiligten ihre Unterschriften darunter.
„Wir wünschen ihnen alles Gute für ihre jeweilige Zukunft,“ verkündigte einer der Rupperts zum Abschied. Durant schüttelte allen, mit Ausnahme von Louise, die Hand und bedankte sich. Vor ihr stehend zögerte er einen Moment.
„Bis bald Louise.“
Wut stieg in ihr auf, wie sehr hätte sie sich ein `leb wohl` gewünscht. Doch sie würden sich wiedersehen müssen, allein wegen ihrer gemeinsamen Tochter Zoe. Zoe ihr absolutes Wunschkind. Kurz nach ihrer Heirat, sie hatten gerade die Firma gegründet und den Kaufvertrag für ihr Haus unterschrieben. An diesem Morgen hatte Louise ihr gesamtes Frühstück, welches aus einem Müsli mit Obst und einem Kaffee bestand, während einer Autofahrt in Durants Schoß erbrochen. Der Schwangerschaftstest war eindeutig ausgefallen. Er war so überglücklich, dass er umgehend darauf bestand das Louise mit ihrer Arbeit in der Firma kürzertrete. Dies revidierte er sehr schnell da er ohne ihre Fachkenntnisse verloren war, ganz zu schweigen von der Launenhaftigkeit, die das Arbeitsverbot mit sich brachte. Sieben Monate später war Zoe da, das perfekte kleine Mädchen, die Krönung ihres gemeinsamen Glückes. Louise war seit der Geburt nie wieder so glücklich und traurig in einem Moment ihres Lebens gewesen. Die Angst zu versagen, die sie empfand, als man ihr das kleine Wesen direkt nach der Geburt auf die Brust legte, war bis heute geblieben und hatte sie nachhaltig verändert. Alles, was vor der Geburt so einfach gewesen war, erschien ihr plötzlich Zentner schwer. Durant empfand es komplett umgekehrt, er war vernarrt in Zoe.
Seine kleine Zoe. Aktuell befand sich die nun 25-jährige Zoe irgendwo im Pazifik, um Plastikmüll aus dem Ozean zu fischen, fest davon überzeugt mit dieser Aktion die Welt retten zu können. Zoe hasste ihre Mutter. Sie hielt sie für einen Eisberg, den selbst der Klimawandel nicht zum Schmelzen bringen würde. Louise hatte auf voller Linie versagt.
„Wie war dein Tag?“, fragte Giovanni als er Brooklyn ihren Espresso und die Kugel Eis servierte.
„Nicht wirklich besonders aufregend, ein paar Telefonate, ein paar Systemabstürze, das übliche.“
Sie arbeitete in der IT- Abteilung der Steuerbehörde. Der Job war interessant, doch ihre eigentliche Leidenschaft galt der Musik. Sie hatte Klavier und Komposition studiert. Ihre Ängste und das starke Lampenfieber, hatten verhindert das sie diesen Weg beruflich gegangen war. Sie trank ihren Espresso aus, der herrlich nussig schmeckte.
„Was war das vorhin für eine Auseinandersetzung?“ „Das war diese unfreundliche, neue Besitzerin von Haus Nummer 5, sie ist ein Immobilienhai mit grauenvollem Benehmen.“
Brooklyn stand auf und nahm ihren Stock, legte das Geld auf den Tisch und verabschiedete sich herzlichst.
„Ciao Giovanni.“
„Ciao Bella“, hauchte er ihr mit übertriebenem italienischem Akzent entgegen. Sie lachte und machte sich auf den Weg zum Haus Nummer 8, ihrem zuhause. Ihr Weg führte sie über den Bürgersteig. Diesen Weg kannte sie ganz genau, sie war ihn schon als kleines Kind gegangen. Sie kannte jede Unebenheit des Untergrundes, jeden herausstehenden Stein, jede Bordsteinkante. Durch die umfassenden Renovierungsarbeiten an mittlerweile drei Häusern in der Straße, musste sie sich mit ihrem Stock sehr vorsichtig voran bewegen. Plötzliche Hindernisse konnten immer eine potenzielle Sturzgefahr bedeuten. Die alten Narben an ihren Beinen waren stumme Zeugen solcher Überraschungen.
Sie genoss den Geruch der Straße, jedes Haus hatte seinen Eigenen, ebenso wie die Bewohner. Brooklyn steuerte das Haus Nummer 9 mit Paulines Blumen und Obststand an.
„Hallo Brooklyn, wie wäre es mit Strandflieder und Rosen, riech doch mal.“
Ein Hauch von Flieder und Rosenduft umhüllten sie für einen kurzen Moment.
„Oder vielleicht doch lieber Lilien, die sind ganz frisch.“ „Bitte Pauline, auf gar keinem Fall Lilien “, flehte sie. Der Geruch von Lilien erinnerte sie immer schmerzhaft an Verlust und Trauer. Als ihre Mutter starb, durchströmte am Tag ihrer Beisetzung und noch Tage danach der Duft von Lilien das Haus. Sie musste tagelang lüften. Ein melancholisches Gefühl überkam sie, so hatte es beim Tod ihres Vaters und ihrer Großmutter gerochen. Wahrscheinlich würde es auch bei ihrem Tod so sein. Außer dass es sie dann nicht mehr stören würde. „Strandflieder und Rosen bitte“, entgegnete Brooklyn. Sie nahm einen Apfel in die Hand und roch an ihm. Er roch so wunderbar frisch, dass sie die Nähe des Baumes mit dem holzigen Rindengeruch noch wahrnehmen konnte. In ihrem Kopf entstand ein Bild von Grün, Sonne und Wärme und dem wunderbaren Gefühl von Freiheit, wenn man mit nackten Füßen durch das Grün wandert. „Und bitte noch vier von diesen Äpfeln.“
Pauline verstaute die Einkäufe sicher in Brooklyns Rucksack, den Strauß Blumen platzierte sie in Seidenpapier gewickelt in der Seitentasche. Pauline selbst roch nach verschiedenen Blumen und Obstsorten, erdig mit einer leichten Süße. Leider hatte sie die Unart zu viel eines schweren Industriedeodorants aufzutragen.
Welches besonders an warmen Tagen, den angenehmen natürlichen Geruch von ihr in einen unangenehmen Schweißgeruch verwandelte. Genau das war heute der Fall. Brooklyn würde ihr das nie sagen. Als sie wieder auf den Bürgersteig trat, konzentrierte sie sich nicht nur auf die Informationen, die sie von ihrem Blindenstock bekam, sondern auch auf alle Geräusche, die ihr unterwegs begegneten. Personen, die sie an ihren Schritten wahrnahm, die ihr entgegenkamen und ihr meist rechtzeitig auswichen. Gelegentlich kam es zu kleinen Kollisionen, meist waren es junge Leute mit Smartphone und Kopfhörern. Sie stießen gegen ihren Stock um sich dann peinlich berührt zu entschuldigen. Dann gingen sie ihren Weg ebenso abgeschottet weiter. In ihrem zuhause angekommen waren die Abläufe immer gleich. Sie schloss die Tür auf, hielt kurz inne, um in die Stille des Hauses zu lauschen wie ein Ritual. Der Schlüssel kam ans Schlüsselbrett, der Stock und der Mantel zu den anderen an die Garderobe. Sie wechselte die Schuhe und betrat die Küche. In ihrem zuhause war sie nicht blind. Hier kannte sie jeden Winkel. Sie hatte sich das Haus als Kleinkind ertastet, errochen und erschmeckt. Sie öffnete einen Schrank, nahm eine Blumenvase und die Rosenschere heraus und kümmerte sich um den Blumenstrauß, den sie im Anschluss in das Wohnzimmer trug und auf den kleinen Tisch neben dem Klavier stellte. Nach dem Tod ihrer Eltern hat sie kaum Veränderungen an der Ausstattung des Hauses vorgenommen. Die Schrankwand mit den geliebten Porzellanfiguren ihrer Mutter hatte sie an einen Sammler verkauft, um dort ihre Vinylplattensammlung zu platzieren. Auch sie mochte Figuren, aber eher anspruchsvolle Bildhauerarbeiten wie eine kleine Nachbildung der Daphne, die auf der Anrichte stand und ganz und gar nicht Porzellankätzchen. Sie öffnete eine Flasche Sodawasser und goss etwas in ein Kristallglas, dann ging sie hinüber zu ihrer Plattensammlung. Sie liebte Musik, kein bestimmtes Genere.
Gestern Abend hatte sie Klassik gehört Haydens Symphonie 96 in D-Dur. Das Wunder. Heute zog sie es vor etwas 80ziger Jahre Nostalgie zu lauschen. Die Musik erklang, der Song handelte von einem Menschen, der in seiner eigenen Blase lebt und an Wunder und Zauberei glaubt. Sie lachte und sang leise mit.
`Das ist die Zeit von wundersamem Zauber,
niemand weiß was ist`.
Louises Stimme ertönte professionell durch die Räume.
„Das Haus wurde 1920 erbaut, ebenso wie die gesamte Siedlung. Nach dem Erwerb durch Van den Burg Immobilien wurde das Objekt umfassend modernisiert, wie sie deutlich sehen können. Es wurde auf die modernste Ausstattung geachtet. Die Küche, Bäder und Fenster wurden erneuert. Das Original Echtholzparkett wurde erhalten und steht mit seinem ursprünglichen Charme in einem angenehmen Kontrast zu den modernen Elementen. Im Obergeschoß befinden sich drei weitere Räumlichkeiten und ein weiteres Badezimmer. Besonders interessant ist die kleine Souterrain Wohnung mit ihren 42 qm die durchaus als Büro- oder Kapitalmieteinheit nutzbar ist. Das Highlight des Hauses ist der nach japanischem Vorbild, angelegte Vorgarten.“ Sie machte eine Pause, der Tross von Menschen bestand überwiegend aus jungen Paaren. Es gab zwei Herren in Businessanzügen die das Objekt vielleicht als Firmensitz in Betracht zogen und ein älteres Paar, die das Haus für ihre Tochter erwerben wollten. Sie erzählte weiter.
„Bitte schauen Sie sich in Ruhe um das Exposee liegt im Flur aus, gerne kann ich ihnen bei näherem Interesse den Grundriss per mail zusenden. Falls sie Fragen haben sollten, stehe ich ihnen gerne zur Verfügung.“
Den Verkaufswert hatte sie höher angesetzt als üblich. So blieb eine Verhandlungsbasis, von der besonders sie profitierte und dem Käufer würde das gute Gefühl vermittelt ein Schnäppchen gemacht zu haben. Der alte Trick den Louise aus dem FF kannte, der funktionierte immer. Als wenig später die Menschenmenge endlich das Haus verlassen hatte, beschlich sie ein merkwürdiges Gefühl der Erleichterung.
Sie ging ins Beobachtungszimmer, setzte sich wieder auf die Sprosse der Leiter und blickte hinaus. Von der U-Bahn-Station kommend beobachtete Louise eine schemenhafte Person die rhythmisch Voranschritt mit einem dünnen Stock, der sich hin und her bewegte. Sie erkannte das es die blinde Frau von neulich war. Als sie näherkam, bemerkte sie, dass sie einen grauen Mantel trug, ihr langes dunkles Haar mit den wilden Locken wurde vom Wind hin und her geworfen. Sie hatte ihr Äußeres bei ihrer ersten Begegnung gar nicht wahrgenommen. Sie beobachtete, wie sie im Haus direkt gegenüber in die Dunkelheit verschwand, kein Licht war zu sehen. Plötzlich wurde es ihr kalt, dann nahm sie ihre Handtasche und warf die Tür von Haus Nummer 5 schwungvoll zu. Sie mochte den Klang der alten Tür, er erinnerte sie an ihr verlorenes zuhause. Etwas wehmütig ging sie schnellen Schrittes Richtung des Napolis. Der kauzige Italiener mochte sie nicht und das schien sich auf Gegenseitigkeit zu beruhen.
„Was kann ich diesmal für sie tun?“, fragte er sie in einem gereizten Ton.
„Rotwein, welchen haben sie da?“
