Unser Traum von Afrika - Stephan Schmidt - E-Book

Unser Traum von Afrika E-Book

Stephan Schmidt

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Beschreibung

Der Autor, der bereits etliche Reisen durch das südliche Afrika begangen hat, wollte diesmal Berggorillas in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Auf seiner 2.500 km langen Reise quer durch Uganda und Ruanda lernte er Land und Leute kennen und ließ sich von den üppigen Landschaften und der reichhaltigen Tierwelt faszinieren. Man versteht nach dieser Reise nur zu gut, warum Winston Churchill 1907 Uganda bereits als "Die Perle Afrikas" bezeichnet hat. Der Autor berichtet auf amüsante und informative Weise über die Vorbereitungen und den Verlauf der Reise durch beide Länder. Besonders eindrucksvoll waren der Besuch der Nachzuchtstation der Breitmaulnashörner im Ziwa Rhino Sanctuary, die Begegnung mit Schimpansen im Budongo Forest, der atemberaubende Anblick der Murchison-Falls-Wasserfälle, die Abenteuer auf den Safaris durch die Murchison-Falls- und Queen-Elizabeth-Nationalparks, die Boot-Safaris auf dem Victoria-Nil und dem Mutanda-See, die Wanderung durch das Sumpfgebiet des Bigodi Wetland Sanctuary, der Besuch des Pygmäenvolkes der Batwa und natürlich die Höhepunkte der Reise, die Gorilla-Trekkings im Bwindi Impenetrable Forest in Uganda und im Volcanoes Nationalpark in Ruanda. Die unbequeme Fahrt im Geländewagen auf den schlechten Straßen Ugandas, die Wanderungen in tropischer Hitze und der steile Aufstieg zu den Berggorillas in der dünnen Luft der Bergregionen waren zwar unangenehm, anstrengend und beschwerlich, trotzdem war jedes Abenteuer die Mühe wert. Die 2. überarbeitete Auflage erweitert das Buch mit zusätzlichen Informationen über Land und Leute und deren Geschichte und aktualisiert eine Vielzahl der Zahlen, Daten und Fakten.

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wie alles beginnt

Der Flug nach Uganda

Nashörner im Ziwa Rhino Sanctuary

Das Masindi Hotel

Drehorte für den Film „The African Queen“

Hemingways Flugzeugabsturz

Schimpansen im Budongo Forest Reserve

Jane Goodalls Schimpansen-Projekte

Die Murchison-Falls & eine Bootsfahrt auf dem Victoria Nil

Die Murchison River Lodge

Safari im Murchison-Falls-Nationalpark

Fort Portal am Ruwenzori Gebirge

Der chinesische Einfluss in Uganda

Ugandas Schulsystem

Das RuwenZori View Guesthouse

Wandern im Bigodi Wetland Sanctuary

Safari im Queen Elizabeth Nationalpark

Die Marafiki Safari Lodge

Idi Amin, der Schlächter von Afrika

Gorilla-Trekking im Bwindi Impenetrable Forest

Die Engagi Lodge

Der Bwindi Impenetrable Nationalpark

Gorilla-Baby-Boom in Bwindi

Bootsfahrt auf dem Mutanda-See

Das Mutanda Lake Resort

Lake Mutanda

Besuch in einem Batwa-Dorf

Das Volk der Batwa

Die Berggorillas in Ruanda

Das Hotel La Palme

Der Volcanoes Nationalpark

Dian Fossey und die Berggorillas

Der Aufstieg zu den Berggorillas

Lebensraum der Gorillas am Limit

Der Süden von Ruanda

Das Palm Beach Resort

Der Kivu-See

Das Kigali Genocide Memorial Centre

Das Heaven Restaurant & Boutique-Hotel

Vorwort

Bei vielen Globetrottern werden die Länder Uganda und Ruanda nicht unbedingt auf der Reiseliste stehen, sodass ich mit diesem Buch zeigen möchte, welche faszinierenden Highlights diese Region in Ostafrika zu bieten hat. Unsere Reiseroute bildet den roten Faden, an dem sich die Abenteuer, Informationen und Anekdoten entlanghangeln. Dieses Buch soll keinen Reiseführer ersetzen, sondern beschreibt lediglich die Erlebnisse einer kleinen Gruppe von Reiselustigen, gepaart mit Geschichten von berühmten Persönlichkeiten wie Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Ernest Hemingway, Winston Churchill oder Dian Fossey und Zahlen und Fakten zu Land und Leute.

Dieses Buch berichtet auf amüsante und informative Weise über die Vorbereitungen und den Verlauf der Reise. Besonders hervorzuheben sind der Besuch der Nachzuchtstation der Breitmaulnashörner im Ziwa Rhino Sanctuary, die Begegnung mit Schimpansen im Budongo Forest, der atemberaubende Anblick der steilen Murchison-Falls-Wasserfälle, die Abenteuer auf den Safaris durch die Murchison-Falls- und Queen-Elizabeth-Nationalparks, die Boot-Safaris auf dem Victoria-Nil und dem Mutanda-See, die Wanderung durch das Sumpfgebiet des Bigodi Wetland Sanctuary, der Besuch des Pygmäen-Volks der Batwa und natürlich die Höhepunkte der Reise, die Gorilla-Trekkings im Bwindi Impenetrable Forest in Uganda und im Volcanoes Nationalpark in Ruanda.

Kann ich die Lesebegeisterten auf meine Reise mitnehmen und bezaubern, wäre mein Ziel erreicht.

Wie alles beginnt

Brigitte und ich sitzen an einem kühlen Herbsttag, das Wetter an diesem Wochenende ist besonders trübe, nach langer Zeit komplett entspannt auf unserem Kuschelsofa und schwärmen von unseren letzten Afrika-Urlauben. Diverse Urlaubskataloge breiten sich vor uns aus und wir grübeln, wohin die nächste Reise gehen könnte. Brigitte unterbricht unsere Träumerei und erzählt mir von einem Gespräch mit einem früheren Reisebegleiter, der von einer Exkursion zu den letzten Berggorillas in Uganda schwärmte. Der Gedanke, ebenfalls zu diesen sanften Riesen zu reisen, ließ sie nicht mehr los und überredet mich, eine Reise dorthin zu planen und zu buchen. Ich bin von ihrer Idee einigermaßen überrascht, da ich mir eine Reise in die Berge Ostafrikas momentan gar nicht vorstellen kann. Die Idee, den mächtigen Affen in unmittelbarer Nähe gegenüberzustehen, verursacht mir spontan einiges an Unbehagen. Brigitte hat sich in diese Idee bereits verliebt und ist von ihrem Wunsch nicht mehr abzubringen. Also, was bleibt mir anderes übrig, als mich über die Möglichkeiten zu dieser Art von Urlaub zu informieren.

Während meiner Recherchen im Internet stoße ich auf erste Informationen, dass weltweit nur noch eine Population von ca. 1.000 frei lebenden Berggorillas, verteilt auf die Länder Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo, existiert.

Über die D.R. Kongo habe ich bereits aus der Presse vernommen, dass dort Unruhen und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Ähnlich lesen sich die Auskünfte des Auswärtigen Amtes zur D.R. Kongo. Damit steht dieses Reiseland nicht mehr zur Auswahl. Die Informationen zu den Ländern Uganda und Ruanda sehen bzgl. Sicherheit wesentlich beruhigender aus, auch wenn ich mit dem Land Uganda immer noch die Gräueltaten von Idi Amin aus den 70er-Jahren verbinde. Mit Ruanda geht es mir nicht viel besser. Der Bürgerkrieg zwischen den Hutu und Tutsi, in dem 1994 ca. 800.000 Tutsi umgebracht wurden, lässt mir bei diesem Gedanken einen kalten Schauer über den Rücken hinab laufen.

Das ist längst Vergangenheit, sodass ich mir bei YouTube ein paar Reisevideos zu Gorillas in Uganda anschaue, um zu sehen, was bei solch einer Reise alles auf uns zukommen könnte und was alles zu beachten wäre. Die ersten Videos sehen sehr vielversprechend aus. Besonders ein Video hat mich beeindruckt, indem eine Gruppe Gorillas mit Jungtieren in eine Hotelanlage einmarschiert und zielstrebig zu einem Urlauber, der auf einem Stein sitzt, zugeht. Er ist vor Schreck völlig erstarrt, aber froh, dass seine Frau dieses Abenteuer mit der Kamera verfolgt. Es ist schon erstaunlich, wie neugierig die jungen Gorillas die Haare und die Brille des Urlaubers untersuchen und dabei keinerlei Furcht zeigen. Vielleicht liegt es daran, dass der Silberrücken daneben hockt und jede Bewegung ganz genau verfolgt und aufpasst, dass den Jungen nichts passiert. Nach ein paar Minuten ist der Boss der Gruppe der Meinung, die Jungen hätten ausreichend geforscht, sodass er ihnen mit ein paar Grunz-Lauten zu verstehen gibt, den Urlauber jetzt in Ruhe zu lassen, um weiterzuziehen. Nachdem die Gorillas verschwunden sind, sieht man dem Mann erkennbar an, dass ihm ein Stein vom Herzen gefallen, aber trotzdem dankbar für dieses tolle Abenteuer ist.

In den nächsten Wochenenden reift eine genaue Vorstellung von der Reise nach Ostafrika, sodass wir ein exaktes Bild davon haben, was für uns auf dieser Reise eine wesentliche Rolle spielt. Für uns steht fest, dass die Rundreise als Kleingruppe angeboten werden muss und dass Gorilla-Trekkings in Uganda und Ruanda stattfinden sollten, damit wir auf jeden Fall Gorillas zu sehen bekommen.

Da wir in beide Länder reisen wollen, bleibt letztlich nur noch ein Reiseveranstalter übrig. Er bietet eine Rundreise durch Uganda und Ruanda mit jeweils einem Gorilla-Trekking in einer Kleingruppe von maximal sieben Personen an. Auf seiner Homepage wird ein Vier-Minuten-Kurzfilm zu dieser Reise angeboten, den wir uns natürlich neugierig anschauen. Dieser Kurzfilm ist wirklich gut gemacht und zeigt die genaue Reiseroute mit den zu erwartenden Highlights. Unser zukünftiger Guide Victor spielt kurioserweise in dem Film eine kurze Rolle. Man sieht ihn, wie er am Steuer eines Geländewagens sitzt und sich kurz zur Reise äußert. Spätestens nach diesem animierenden Reisekurzfilm sind sämtliche Bedenken verflogen und die Begeisterung für dieses Abenteuer geboren.

Bevor wir die Reise buchen können, müssen erst einmal ein paar Informationen zu Klimadaten und Einreisebestimmungen besorgt werden. Da Uganda und Ruanda am Äquator bzw. in Äquator-Nähe liegen, gibt es in dieser Region nur Trocken- oder Regenzeit. Das Klima zeigt sich verhältnismäßig gleichbleibend, da es keine vier Jahreszeiten wie bei uns gibt. Dennoch fällt die Fülle der Niederschläge zwischen Trocken- und Regenzeit naturgemäß sehr unterschiedlich aus. Auch wenn am Äquator jeden Tag mit Regen zu rechnen ist, unterscheidet sich seine Intensität und Dauer doch ganz erheblich. In der Regenzeit sind die Niederschläge so mächtig, dass viele Straßen und Wege völlig durchweicht und nicht passierbar sind. Das betrifft insbesondere die Bergstraßen zu den Berggorillas. Folglich ist klar, dass nur ein Reisetermin innerhalb der Trockenzeit infrage kommt. Wir entscheiden uns, in der Zeit vom 19.08. bis zum 01.09. zu buchen. Dies scheint die trockenste Zeit in Uganda zu sein.

Bei den Einreisebedingungen gibt es für die Reise nach Uganda und Ruanda sowohl Visa-Bestimmungen als auch Impfvorschriften. Aufgrund häufiger Fernreisen haben wir für etliche Gesundheitsrisiken noch gültige Impfungen wie gegen Hepatitis A+B, Wundstarrkrampf, Polio und Diphtherie. Als Malaria-Prophylaxe – beide Länder sind Malariagebiete und sollten ohne Schutz auf keinen Fall bereist werden – lassen wir uns Malarone-Filmtabletten verschreiben. Bei früheren Reisen konnten wir am eigenen Leibe erfahren, dass wir dieses Medikament gut vertragen hatten und gehen somit kein zusätzliches Risiko ein.

Um in Uganda immigrieren zu dürfen, benötigt der Reisende, zusätzlich zu den üblichen Impfungen, einen Nachweis über eine Gelbfieberimpfung. Ohne ihn darf ein Tourist nicht ins Land einreisen. Gegen Gelbfieber besitzen wir noch keinen Impfschutz und müssen uns hierfür im Institut für Tropenmedizin auf dem Charité Campus des Virchow-Klinikums einfinden. Nach einem kurzen Einstich und der Zahlung von jeweils zwölf Euro ist dieser Punkt ebenfalls abgearbeitet. Da die Impfvorbereitungen abgeschlossen sind, muss ich mich jetzt den Visa für Uganda und Ruanda zuwenden.

Man benötigt sowohl für Uganda als auch für Ruanda ein Visum und einen Reisepass, der bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig ist. Nach einiger Suche stoße ich auf das „East Africa Visa“. Dieses Visum, 90 Tage gültig für die Länder Kenia, Uganda und Ruanda, erspart uns die Beantragung von zwei Visa und würde uns bei Bedarf das mehrfache Aus- und Einreisen in beide Länder ermöglichen. Beim Einzelvisum wäre dies nicht erlaubt, sodass Terminverschiebungen im schlimmsten Fall dazu führen könnten, keine Genehmigung für die Einreise in das entsprechende Land zu erhalten.

Das East Africa Visa kann mittlerweile, laut Aussage des ugandischen Konsulats, nur noch online beantragt und bezahlt werden. Wie dies funktioniert und wie das Online-Formular ausgefüllt werden muss, ist mir im Moment noch schleierhaft.

In der Zwischenzeit stellt Brigitte zu allem Übel fest, dass ihr Reisepass bei Einreise in Ruanda, keine sechs Monate Gültigkeit besitzt. Es fehlen drei Tage. In Berlin einen kurzfristigen Termin im Bürgeramt zu bekommen, um einen neuen Reisepass zu beantragen, ist nicht mehr so einfach. Ich muss Brigitte online einen Termin reservieren. Dieser liegt erst in drei Wochen. Da wir das Thema Gott sei Dank rechtzeitig auf der Agenda hatten, ist der neue Reisepass für Brigitte noch rechtzeitig fertig. Jetzt fehlt nur noch die Beantragung des Visums.

Ende Juli erhalte ich die erlösende Mail vom Reiseveranstalter mit einer genauen Anleitung, wo und wie man das Visum online bestellt. Die E-Mail lautete: „Der Visaantrag muss über das Online-Portal unter: ´https://visas.immigration.go.ug´ beantragt werden. Alle Anträge werden im Anschluss von der ugandischen Botschaft in Berlin auf Vollständigkeit und Richtigkeit geprüft. Der an die E-Mail des Antragsstellers zurückgesandte Ausdruck „Entry Permit“ ist bei der Einreise mitzuführen.“

Im Nachhinein habe ich mich gefragt, warum ich mir wochenlang den Kopf zerbrochen habe, wie ich das Visum bestellen kann. Ich hätte vielleicht einfach zum Telefonhörer greifen und beim Reiseveranstalter anrufen sollen. Dann hätte ich schon früher Klarheit gehabt. Nach dieser Erkenntnis kann ich Anfang August die beiden Visa beantragen. Früher ist es leider nicht möglich, da man in dem Monat, in dem die Reise angetreten wird, das Visum bestellen muss. Sonst läuft man Gefahr, dass die zu früh bezahlte Gebühr einbehalten wird und verfällt. Für die Online-Beantragung des East Africa Visums benötigen wir eine Kopie unseres Reisepasses, den Nachweis einer Gelbfieberimpfung, ein Passbild, das Flugticket und einen kurzen Reiseverlauf. Die Visagebühr beträgt 100 USD und ist vorab zu zahlen.

Auch wenn das Einscannen der unterschiedlichen Dokumente mit etlichen Restriktionen einiges an Mühe bereitet, bin ich im Nachhinein ziemlich begeistert, dass ein afrikanisches Land wie Uganda und Ruanda so fortschrittlich bei der Ausstellung von Visa verfährt. Ich hätte nicht vermutet, dass wir bei der Einreise in Uganda am Flughafen nur den Ausdruck des Visa-Papiers vorzeigen müssen. Dort wird der Barcodes des Dokuments, die Fingerabdrücke beider Hände und die Iris gescannt, um anschließend das ausgedruckte Visum in den Reisepass einzukleben.

Unabhängig vom Dauerthema Visum haben wir uns in der Zwischenzeit Gedanken darüber gemacht, was wir alles mitnehmen müssen. Auf einer Reise mit sieben Personen in einem relativ kleinen Toyota kommen unsere heiß geliebten und schon weit gereisten Hartschalenkoffer nicht zum Einsatz. Aufgrund des geringen Stauraums unseres zukünftigen Fahrzeugs beschaffen wir uns alternativ zwei Reisetaschen.

Die geeigneten Stromadapter für das tägliche Laden von Fotoapparat, Videokamera und Taschenlampe sind schnell gefunden. Für Uganda benötigen wir einen Adapter für den Steckertyp „G“, für Ruanda Adapter der Steckertypen „C“ und „J“. Beide Modelle sind zwar kompatibel zum zweipoligen Eurostecker, allerdings nicht zum Konturenstecker.

Gartenhandschuhe für das Gorilla-Trekking zum Schutz vor spitzen Dornenbüschen sind ein absolutes Muss und dürfen auf der Reise nicht fehlen. Eine weitere Besonderheit bei der Einreise sollte man wissen. Nach Ruanda dürfen keine Plastiktüten eingeführt werden. Demzufolge haben wir darauf verzichtet und Leinenbeutel eingepackt.

Jetzt nur noch US-Dollars besorgen und dann kann die Reise auch schon losgehen. Man ist gut beraten, nur kleine Dollarnoten mitzunehmen. Das Bündel von den eingetauschten 800 USD war zwar durch die zahlreichen 1, 5, 10 und 20 USD-Noten ziemlich dick, war aber für die Trinkgeldzahlungen recht praktisch.

Der Vorabend des Reisetermins ist gekommen. Unsere Aufgabe besteht heute Abend darin, zu versuchen, unsere Reiseutensilien in zwei Reisetaschen zu verstauen. Hört sich im ersten Moment unproblematisch an, stellt allerdings eine gewisse Herausforderung dar, da einer der beiden Reisetaschen relativ klein ist und nur ein Volumen von 10 Kg besitzt. Nach langem Gerangel und mehreren Packversuchen stehen nach einiger Zeit zwei prall gefüllte Reisetaschen vor uns. Es ist vollbracht! Es folgt abschließend das Anbringen der Vorhängeschlösser und Reiseanhänger an beide Taschen. In beide Rucksäcke, die wir ebenfalls mitnehmen, verstauen wir in dem ersten die Film- und Fotoausrüstung und in dem zweiten die Reiseliteratur, Ladegeräte und Reisedokumente. Fertig!

Der Flug nach Uganda

Die Nacht zum 19. August ist verflucht kurz. Um drei Uhr klingelt der Wecker erbarmungslos in der sonst völlig stillen Dunkelheit. Unser Puls rast, jetzt kann die Reise beginnen. Das Taxi steht im nächtlichen Dunst pünktlich vor unserer Haustür und befördert uns rasch zum Flughafen. Da zu dieser Uhrzeit die Straßen von Berlin wie leergefegt sind, erreichen wir den Flughafen viel zu zeitig. Die Schalter zum Check-in sind noch geschlossen. Prompt drängt sich der Gedanke auf, dass wir noch eine halbe Stunde hätten länger schlafen können.

Nach Check-in und Verstauen des Handgepäcks starten wir um 06:55 Uhr in Richtung Brüssel. Nach einer kurzen Flugzeit von einer Stunde und 20 Minuten erreichen wir mit Brussels-Airlines, zwar noch ein wenig schläfrig, den Flughafen von Brüssel. Zu unserer großen Freude ist der Flughafen trotz seiner stattlichen Ausmaße relativ übersichtlich und erstklassig ausgeschildert. Wir sind bereits um 08:15 Uhr gelandet und können uns bis zum Abflug um 10:40 Uhr genügend Zeit nehmen, uns in aller Ruhe einen kleinen Snack und insbesondere einen großen Kaffee zu gönnen.

Durch den Kaffee so langsam munter geworden, suchen wir in aller Gemütlichkeit unser Abflug-Gate, um uns zum erneuten Check-in anzustellen. Der gut gemeinte Hinweis des Flughafenpersonals, noch vor dem Check-in die Toilette zu besuchen, hat uns im ersten Moment etwas verwundert. Da wir nicht wissen, was uns im Warteraum erwartet, beherzigen wir vorsorglich diesen Hinweis. Und das war auch gut so! Wir stellen später fest, dass im Wartebereich keine WCs existieren. Verlassen darf man diesen Bereich jetzt nicht mehr, da zuvor der Security-Check abgeschlossen wurde. Mit einem gewissen Schmunzeln im Gesicht flüstere ich zu Brigitte: „Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere, der den Hinweis ignoriert hat, später mit seiner Blase zu kämpfen hat.“

Der achtstündige Flug nach Entebbe gestaltet sich relativ unspektakulär. Die Flugzeit lässt sich mit schmackhaften Mahlzeiten und einem einwandfreien Bord-Entertainment prima überbrücken, sodass wir um 19:35 Uhr Ortszeit noch relativ fit in Uganda ankommen. Nach der Landung am „Entebbe International Airport“, dem wichtigsten Flughafen Ugandas, stellen wir uns erst einmal am Schalter für die „Migration“ an, um unser Visum zu ergattern. Die Schlange, in der wir anstehen müssen, besitzt eine gewaltige Länge, da nur wenige Migrations-Schalter geöffnet sind. Zuvor kontrolliert ein uniformierter Mitarbeiter unsere Gelbfieberimpfpässe. Ohne diesen Nachweis wäre die Reise bereits hier zu Ende.

Nach langem Anstehen endlich am Migrations-Schalter angekommen, geben wir unsere Reisepässe und das Visaformular mit dem entsprechenden Barcode beim Kontrollpersonal ab. Anschließend werden erst die Fingerabdrücke und dann die Iris gescannt. Da bei uns alles in Ordnung ist, erfolgt jetzt der Druck des Visums und das Einkleben in den Reisepass. Damit können wir nun offiziell einreisen.

Wie bei jeder Reise steigt während der Wartezeit am Gepäckband mein Adrenalinspiegel bei dem Gedanken, Koffer könnten fehlen oder beschädigt auf dem Förderband liegen. Nachdem sämtliche Gepäckstücke unversehrt angekommen sind, müssen wir nur noch die Person finden, die uns hoffentlich abholt. Nach einigem Suchen finden wir einen Einheimischen, der mit einem großen Schild des Reiseveranstalters am Ausgang steht und auf unsere Reisegruppe wartet. Als wir zielstrebig auf ihn zugehen, begrüßt er uns mit einem freundlichen Hallo und weist uns den Weg zu drei weiteren Mitreisenden, die wenige Meter entfernt wartend herumstehen. Wir sind allerdings noch nicht ganz vollzählig, denn zwei Personen fehlen noch.

Wir begrüßen Gertrud und Heinz aus Kempten und Thomas aus Köln. Nach kurzer Vorstellungsrunde müssen wir schnell feststellen, dass bei den beiden Teilnehmern aus Köln etwas schiefgegangen ist. Thomas klagt uns rasch sein Leid: „Mein Koffer ist nicht mitgekommen. Mein ganzer Kram für den Urlaub ist dort drin.“

Ulla, seine Frau, ist bereits zum Flughafenschalter für vermisste Gepäckstücke unterwegs, um den Verlust anzumelden. Das Thema seines vermissten Koffers wird uns noch lange auf der Reise beschäftigen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Thomas noch optimistisch. Nach einer Stunde kommt Ulla nach beharrlichen Klärungsversuchen ziemlich genervt zurück zum Sammelpunkt. Leicht außer Atem berichtet sie: „Dein Koffer ist in Frankfurt stehen geblieben und wird erst in zwei Tagen nachgeschickt, da sonntags kein Flug von Brüssel nach Entebbe angeboten wird.“

Die Vorfreude auf unsere Rundreise überwiegt trotz des kleinen Zwischenfalls. Das Vertrauen, der Koffer würde bald zu uns stoßen, überwiegt noch bei Thomas, sodass wir endlich zu unserer ersten Lodge, dem „Lake Victoria View Guesthouse“, aufbrechen können. Wir sind sehr gespannt auf unseren Guide Victor, den wir morgen zum Frühstück kennenlernen. Der letzte Mitstreiter unserer Reisegruppe, Bern aus Obersteinbach, wird später in der Lodge zu uns stoßen, da er nicht über Brüssel, sondern über Amsterdam nach Entebbe anreist.

Die Fahrt zum „Lake Victoria View Guesthouse“ dauert überraschenderweise relativ lange und geht über zum Teil sehr holperige Straßen. Es wird immer einsamer und dunkler, sodass wir froh sind, als wir endlich ankommen. Bei der Ankunft in der Lodge werden wir äußerst freundlich durch das Hotelpersonal begrüßt.

Nachdem wir auf die hübschen, runden Gästehütten aufgeteilt worden sind, stellt sich schnell heraus, dass sie im Inneren erstaunlich schlicht gehalten sind. Von außen zeigen die Unterkünfte ein besseres Bild und suggerieren uns, dass das Innere genauso schön gestaltet ist. Nach dem langen Anreisetag stört uns die einfache Ausstattung unserer Hütte im Moment herzlich wenig. Wir benötigen dringend etwas zu trinken. Meine suchenden Blicke tasten die Hotelfront ab, doch entdecke ich leider keine Bar oder Ähnliches. Neben dem Eingang zur Rezeption, wenn man es denn so nennen mag, erblicke ich einen Souvenirshop. Er gehört zur Lodge und erlaubt, sich wenigstens mit ein paar Flaschen Bier einzudecken. Die Menge für sechs Personen leert wahrscheinlich den gesamten Biervorrat. Auf einer kleinen Terrasse mit groben Holzbänken und langen Holztischen schlürfen wir unsere Biere und erzählen von den Reisen, die wir früher durchgeführt haben.

Wir nutzen bei einem lauschigen Abend die Gelegenheit, uns ein wenig zu beschnuppern und besser kennenzulernen. Schließlich werden wir die nächsten 14 Tage ständig auf engem Raum aufeinander hocken.

Bei unserer feuchtfröhlichen Plauderei stellt sich heraus, dass wir allesamt unglaublich erfahren im Hinblick auf Fernreise sind und schon allerhand von der Welt gesehen haben. Einige zeigen eine große Affinität zu USA-Reisen, andere wiederum lieben das bunte Treiben in Asien und Nahost. Wir decken die Fraktion der begeisterten Afrika-Freunde ab. Australien bleibt von der Gruppe unerforscht. Nach einer Weile sitzen wir auf dem Trockenen. Vor uns steht auf dem Tisch ein trauriger Haufen leerer Flaschen. Beim Versuch Nachschub zu organisieren, müssen wir schmerzlich feststellen, dass der Souvenirshop bereits geschlossen hat und es nichts mehr zu trinken gibt. Unser geselliges Beisammensein findet jäh sein Ende und wir beschließen, zu unseren Hütten aufzubrechen, um für den nächsten Tag ausgeschlafen zu sein.

Unmittelbar vor unseren Unterkünften angekommen, erreicht zeitgleich Bernd die Lodge und stößt als letzter Teilnehmer zu unserer Gruppe hinzu. Er hat unser Biergelage bedauerlicherweise verpasst, sodass wir das gegenseitige Kennenlernen auf das morgige Frühstück verschieben müssen. Mit einer gewissen Bettschwere schlendern wir in unsere Unterkunft und freuen uns auf einen geruhsamen Schlaf. Kaum liegen wir im Bett, fangen die Wachhunde der Lodge entsetzlich an zu bellen. Anscheinend schleichen streuende Hunde um die Anlage, die die Wachhunde über Stunden auf Trab halten. Viel Schlaf gibt es in der ersten Nacht leider nicht.

Am nächsten Morgen, der Nebel liegt noch schwer über den Feldern, hören wir gänzlich unerwartet den Muezzin der in der Nähe liegenden Moschee, wie er die gläubigen Muslime zum Gebet ruft. Sein Gebetsaufruf reißt uns bei Sonnenaufgang aus unserem viel zu kurzen Schlaf, die Nacht scheint abrupt zu Ende zu sein. Jetzt kann nur noch ein gutes Frühstück unsere Laune wieder aufhellen. Mit einem Sprung aus dem Bett machen wir uns auf den Weg zum Gastraum.

Als wir an der kleinen Frühstücksterrasse vor dem Hotel ankommen, sitzen bereits einige Frühaufsteher aus unserer Truppe am Tisch. Vom Frühstück noch keine Spur. Als wir komplett sind, beginnt die freundliche Bedienung damit, uns zum Frühstück Obst zu servieren. Wir gewinnen den ersten Eindruck davon, was uns bei einem ugandischen Frühstück erwartet und können uns zukünftig schon einmal darauf einrichten.

Da ich eher der Frühstückstyp „Käsebrötchen“ bin, hoffe ich insgeheim, dass nach dem Obst noch etwas anderes serviert wird. Außerdem benötige ich jetzt dringend einen Kaffee. Die nächsten Teile des Frühstücks rücken äußerst schleppend an, da die Bedienung offensichtlich damit überfordert ist, das Frühstück für sieben Personen gleichzeitig zu reichen. Der Kaffee, die Milch, der Toast und die Rühreier kommen häppchenweise und sind für jeden exakt abgezählt. Möchte man etwas nachbestellen, bleibt einem nichts anders übrig, als selbst an die kleine Rezeption zu trotten, um seine Wünsche zu äußern, die erst nach relativ langer Wartezeit erfüllt werden. Generell kann man sagen, dass zum Frühstück in der Hauptsache Obst, Ei in jeglicher Form und Toast serviert wird. Das zieht sich komplett durch ganz Uganda.

Während wir frühstücken und den Blick auf den in der Ferne liegenden Victoriasee genießen, nutzen wir die Gelegenheit, Bernd etwas besser kennenzulernen. Er liebt es genau wie wir auf Reisen zu gehen, besitzt aufgrund seines jungen Alters allerdings noch nicht so viel Erfahrung wie wir alten Hasen.

Die Reiseroute durch Uganda nach Ruanda

Die Spekulationen, wie unser Guide Victor aussehen und gestrickt sein würde, sind in vollem Gange. Schließlich verbringen wir die nächsten 14 Tage auf engstem Raum mit ihm. Plötzlich fährt ein Toyota Geländewagen vor und unser heiß ersehnter Guide steigt aus. Nachdem uns Victor alle freundlich begrüßt, gönnt er sich erst einmal selbst einen Kaffee, um richtig wach zu werden. Seine Augen gleichen bisher noch winzigen Sehschlitzen. Victor ist ein waschechter Ugander, der Gott sei Dank relativ gut Deutsch spricht. Die Deutschkenntnisse hatte er sich, wie sich später herausstellt, in einem zweijährigen Aufenthalt in Deutschland angeeignet.

Das Wetter zeigt sich an diesem ersten Morgen von seiner abscheulichen Seite. Während des Frühstücks verdichten sich die einzelnen Wolken zu einer dunklen, geschlossenen Masse. Tief liegende Nebelschwaden schweben über dem Victoriasee und verdecken einen Teil seines Antlitzes. Ein Blick in den Himmel lässt nichts Gutes erahnen. Sollte unser Urlaub in Afrika etwa mit Regen beginnen? Kaum sitzen wir im Geländewagen und rauschen in Richtung Kampala, startet ein heftiger Regenschauer. Unsere Stimmung sinkt auf einen Tiefpunkt. Nichts ist deprimierender, als im Regen durch beschlagende Scheiben das Treiben der Bevölkerung auf den Straßen zu beobachten. Glücklicherweise existieren von Entebbe bis ins 35 km entfernte Kampala asphaltierte Straßen, sodass unser Fahrzeug nicht im Schlamm versinkt.

Entebbe, eine charmante, friedliche Stadt am Ende einer Halbinsel, die am Nordufer in den Victoriasee hineinragt, lädt bei schönem Wetter dazu ein, einen Tag in entspannter Atmosphäre am Strand, im botanischen Garten oder auf dem Golf-Parcours zu verbringen. Die Höhenlage (1.180 Meter) der 70.000 Einwohner zählenden Stadt verleiht ihr ein stets gemäßigtes Sommerklima, sodass Besucher in gefälliger Temperatur die Sehenswürdigkeiten der Stadt besuchen können. Empfehlenswert ist das Uganda Wildlife Education Center (UWEC), eine Auffangstation für verletzte und verwaiste Tiere, die den Besuchern die faszinierende Tierwelt Afrikas in ihrem natürlichen Lebensraum lehrreich näherbringt. Bei einem mehrtägigen Aufenthalt in Entebbe sollte man unbedingt die Schimpansen auf der Ngamba-Insel besuchen. Das 50 ha große Eiland, 23 km südöstlich von Entebbe, ist ein Zufluchtsort für verwaiste Schimpansen, die aus dem UWEC und von der kleinen Insel Isinga im Queen Elizabeth Nationalpark dorthin umgesiedelt wurden, um wieder zu genesen und sich zu erholen.

Nicht mehr als 15 km Luftlinie westlich von Entebbe erstreckt sich der Mabamba-Sumpf über mehr als 100 km2von einer flachen, sumpfigen Bucht am Nordufer des Victoriasees. Die Sümpfe sind ein wertvolles Gebiet, in dem eine große Auswahl an Wasservogelarten beheimatet ist. Dort befindet sich der zuverlässigste Ort, um den Schuhschnabel zu sichten.

Entebbe wurde 1893 als Garnisonsposten gegründet, diente bis 1958 als britisches Verwaltungszentrum und war bis 1962 Hauptstadt. Bis heute befinden sich zahlreiche administrative Organe in der Stadt und erinnern an diese „glorreiche“ Zeit. Entebbe ist im Grunde ein Wohnzentrum für Regierungsangestellte und besitzt keinerlei Industrie, kann dafür aber mit einem internationalen Flughafen und Dampfschiffverbindungen über den Victoriasee nach Kenia und Tansania aufwarten.

Der Flughafen besitzt ein dunkles Kapitel. Er war in der Nacht zum 4. Juli 1976 Schauplatz der militärischen Befreiungsaktion eines israelischen Luftlandekommandos, bei dem 103 Geiseln aus einem von palästinensischen und westdeutschen Terroristen entführten Passagierflugzeug der Air France befreit wurden. Als Vergeltung für die kenianische Unterstützung der Geiselbefreiung, ließ der Diktator Idi Amin mehrere hundert in Uganda lebende Kenianer umbringen.

Der Victoriasee ist mit einer Fläche von 68.800 km2Afrikas größter See und grenzt an die Länder Uganda, Tansania und Kenia. Auch wenn der Victoriasee aufgrund seiner Größe und Schönheit zum Baden einlädt, ist dies aufgrund der starken Verseuchung mit Bilharziose, eine von Würmern (Pärchenegel) verursachte und von Schnecken übertragene Tropenerkrankung, auf keinen Fall zu empfehlen. Bilharziose ist nach Malaria eine der verbreitetsten parasitären Infektionskrankheiten weltweit. Beim Baden, Waten durchs Wasser oder Waschen können Zerkarien in die Haut eindringen. Selbst Spritzwasser beim Segeln reicht aus, um sich zu infizieren.

Da wir ohnehin dafür keine Zeit haben, müssen wir uns über dieses Thema keine Gedanken machen. Ich hätte allerdings gerne nach dem seltenen Schuhschnabel gesucht, der an bestimmten Stellen des Victoriasees zu finden ist.

Nashörner im Ziwa Rhino Sanctuary

Auf dem Weg zu unserem ersten Abenteuer steuert Victor in Kampala zuerst eine Wechselstube an, damit wir einen Teil unseres Geldes in Uganda-Schilling umtauschen können. Wechselstuben sind in Uganda rar gesät, somit ist es angebracht, uns vor Antritt dieser Rundreise mit landestypischer Währung einzudecken. Jeder von uns führt zwar einen gewissen Vorrat an US-Dollars mit sich, in gewissen Situationen ist es allerdings ratsam, ugandische Schilling dabeizuhaben. Nicht überall kann mit USD bezahlt werden. Dieser Sachverhalt scheint anderen Touristen ebenfalls bekannt zu sein. Um an die begehrten Uganda-Schilling zu gelangen, müssen wir uns vor dem Wechselschalter in eine lange Schlange von unterschiedlichen Nationalitäten einreihen.

Unser erstes Ausflugsziel führt uns zum 176 Km entfernten Ziwa Rhino Sanctuary. Das 2005 eröffnete Schutzgebiet widmet sich der Nachzucht und Auswilderung, der seit Mitte der 80er-Jahre in Uganda in freier Wildbahn ausgestorbenen Breitmaulnashörner. Das Gebiet liegt nordwestlich von Kampala und ist bequem über asphaltierte Straßen zu erreichen. Je mehr wir uns dem Schutzgebiet nähern, desto freundlicher wird das Wetter. Bald lacht die Sonne, wir freuen uns über den blauen Himmel über uns. Unsere Laune verbessert sich augenblicklich.

Unseren Weg säumen zahlreiche Hütten, die als Geschäfte oder Handwerksbetriebe genutzt werden. Hier bieten die Einheimischen alles an, was man in Uganda für das tägliche Leben benötigt. Neben einem Händler, der Särge verkauft, steht ein Geschäft für Toilettenschüsseln. Daneben ein Laden, der selbst gebaute Betten anpreist. Nicht zu vergessen, die vielen Handygeschäfte. Da die Läden sehr klein sind und hauptsächlich aus einem Raum bestehen, spielt sich das gesamte Leben, einschließlich der Geschäftsprozesse, unter freiem Himmel ab. Auf der Straße gehören Fahrräder und Motorräder zum überwiegenden Verkehrsaufkommen. Pkws mischen sich eher seltener unter das turbulente Zweirad-Getümmel. Im nördlichen Uganda, insbesondere im Umkreis der Hauptstadt, existiert mittlerweile eine gewisse Infrastruktur, insbesondere im Bereich Energieversorgung, Straßenbau und Handel. Sowie man die Hauptstadt verlässt, findet man dagegen weder Strom- noch Wasserleitungen. Die Armut wird mit jedem Kilometer an Distanz größer und der Fortschritt fortwährend kleiner.

Auf halber Strecke stoppt Victor in einem kleinen Ort und parkt seinen Toyota direkt vor einer Ansammlung von kleinen Geschäften, in denen man von Plastikartikeln wie Eimern, Sitzstühlen, Körben, Bällen, Kanistern bis zu Getränken und Zigaretten alles findet.

Der eigentliche Grund hier zu halten wird schnell sichtbar. Victor marschiert geradewegs in einen „airtel“-Laden, in dem Smartphones inkl. Zubehör angeboten werden, um seine Handy-Karte aufzuladen. Die Raucher in unserer Runde erkennen in der Unterbrechung sofort die Chance, ihr Nikotindefizit auszugleichen und gönnen sich umgehend eine Zigarette. Bei einem Blick auf die massenhaft vorbeifahrenden Fahrräder entdecke ich, dass auf jeden Gepäckträger ein Sitzkissen montiert wurde. Wozu könnte das Polster dienen? Verkehrsmittel sind knapp, daher haben etliche Ugander als Geschäftsidee einen Taxiservice per Fahrrad (Boda-Boda) entwickelt. Für kleines Geld (300 Schilling, 12 €-Cent) kann der Fahrgast auf dem Gepäckträger Platz nehmen und sich zu seinem Ziel radeln lassen. Diese Art der Beförderung ist als preiswertes Modell in der gesamten Bevölkerung äußerst beliebt.

Die „Boda-Bodas“ stellen eine Erfindung des Tourismus dar. An der Grenze von Uganda zu Kenia ist das Niemandsland zwischen beiden Ländern über einen Kilometer breit. Diese beträchtliche Distanz wollte niemand laufen. Es entstand die Idee, mit Fahrrad-Taxis, die den Transport von „Border“ zu „Border“ übernahmen, eine bequeme Alternative zu schaffen. Aus „Border“ wurde „Boda-Boda“, die seit Langem das ganze Land mit großem Erfolg erobern.

Kurz vor unserer Weiterfahrt, gibt Victor den Bananenhändlern, die an jeder Ecke herumstehen und ihre Ware anpreisen, zu verstehen, dass er etwas kaufen möchte. Sofort kommen sechs Händler angelaufen und wollen ihre Bananen an den Mann bringen. Victor nimmt ihnen zwei große Stauden ab, die uns später als Unterwegs-Verpflegung dienen sollen. In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass die Bauern trotz der Fruchtbarkeit des Landes, nur relativ wenige Sorten von Obst und Gemüse anbieten.

Auf der gesamten Reise müssen wir feststellen, dass an den Straßenrändern lediglich Bananen, Melonen, Maniok und Tomaten in größeren Mengen angeboten werden. Vereinzelt auch Ananas, Papaya oder Mangos. Ein vielfältigeres Angebot konnten wir nicht ausmachen, zu mindestens nicht auf unserer Reiseroute.

Nach längerer Fahrt, die Straßen erwecken immer noch einen passablen Eindruck, erreichen wir den Abzweig zum Schutzgebiet. Ein großes Hinweisschild am Straßenrand weist darauf hin, dass wir von unserem Ziel, das Ziwa Rhino Sanctuary, nur noch sieben Kilometer entfernt sind. Dort wird neben Rhino-Trekking überraschenderweise auch Nature Walks (geführte Naturwanderung), Birdwatching Trails (Vogelbeobachtungstouren) und Shoebill Canoe Safari (Schuhschnabel Kanu Safari) angeboten. Voller Vorfreude auf die Rhinos folgen wir dem Hinweisschild und rumpeln über eine grauenvolle Schotterpiste, kurz gestoppt an der Einlasskontrolle, bis zum Ausgangspunkt unseres bereits ungeduldig erwarteten Rhino-Trekkings.

Nach Bürgerkrieg, Wilderei und Vernachlässigung der Nationalparks galten die hier einst heimischen Nashörner seit 1983 in Uganda als ausgestorben. Mit dem Ziel, die Tierart in diesem Land wieder anzusiedeln, wurde 2005 auf einer gepachteten privaten Landfläche das Ziwa Nashornschutzgebiet eröffnet.