Unter dem Blauen Mond - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit Prinz Rupert und Prinzessin Julia das Waldkönigreich vor dem Untergang und der langen Nacht Unter dem Blauen Mond bewahrt haben. So wurden zwei junge Helden geboren. Inzwischen sind die beiden Falk und Fischer, zwei knallharte Gesetzeshüter in Haven der Hauptstadt des Verbrechens. Das Letzte, was sie jetzt brauchen, ist eine Erinnerung an das, was einst war was sie einst waren. Doch der Blaue Mond droht sich wieder zu erheben. Das Waldkönigreich bedarf erneut seiner Helden von einst. Es braucht Rupert und Julia. Was es jedoch bekommt, sind Falk und Fischer.

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Seitenzahl:895

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Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Eva Westphal

Lektorat: Oliver Hoffmann

Korrektorat: Maran Alsdorf

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 2000

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2014

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-195-3

Originaltitel: Beyond the Blue Moon

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-194-6

Unter dem Blauen Mond ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2013. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

1

Schatten der Vergangenheit

In Haven war Frühling, und es kümmerte keinen. Überall sonst auf der Welt war der Frühling eine Zeit des Lebens, der Liebe und des fröhlichen Neubeginns für alles Lebendige, aber dies war Haven, der berüchtigte faule Apfel der niederen Königreiche. Ein unabhängiger Stadtstaat am übelsten Ende der südlichen Inseln, wo Schwerter und Zauberei, Religion und Politik, Leben und Tod nur wohlbekannte Münzen im Alltagstauschgeschäft einer dunklen, tückischen Stadt waren. Haven lag am Knotenpunkt einiger Dutzend florierender Handelswege und war über die Jahre aufgeblüht wie die große, grelle Knospe einer giftigen Blume, und Menschen und Kreaturen aller Art waren auf der Suche nach den vielen Geheimnissen und Rätseln der Stadt hergekommen. In Haven konnte man reinweg alles finden, wenn man gewillt war, den Preis zu bezahlen. Manchmal war der Preis Gold und manchmal das Leben anderer, aber letztlich war er fast immer die eigene Seele. Haven, die Stadt der Träume, auch der bösen. Ein Ort voller Wunder, Schrecken und allem, was dazwischen lag. Hungrige Augen starrten aus schattigen Seitenstraßen, nicht alle menschlich und manche noch nicht einmal lebendig.

In Haven gab es Schönheit und Geheimnisse, Erlöser und Abscheulichkeiten, Freuden und Verderbtheit in allen Formen. Es gab Helden, Bösewichte und eine Menge Leute, die einfach nur den Tag hinter sich bringen wollten. Manchmal – nur manchmal – gab es auch ein paar gute Leute, ehrenwert und ehrlich, die ihr Bestes taten, um alles am Laufen zu halten, die Schuldigen zu bestrafen und die Unschuldigen zu beschützen oder wenigstens alles unter Kontrolle zu halten.

Zwei solcher Leute waren Falk und Fischer, Eheleute, Hauptleuter der Stadtwache und womöglich die einzigen ehrlichen Polizisten, die es in Haven noch gab. Sie hatten sich nie bestechen lassen, nie weggeschaut und nie gezögert, einen Bösewicht in seinem Tun zu unterbrechen. Oder auch, ihm Arme und Beine zu brechen. Sie hatten so viele Schlachten verloren wie gewonnen, aber sie hatten in ihrer Zeit ein paar ziemlich große gewonnen und sogar die ganze verdammte Stadt mehr als einmal gerettet. Es hatte ihnen keine Auszeichnungen eingebracht und noch nicht einmal viel, was Gehaltserhöhungen oder Belobigungen anging, weil sie sich im Laufe der Zeit aufgrund ihrer ekligen Vorliebe für Wahrheit und Gerechtigkeit viele einflussreiche Feinde gemacht hatten. Aber dennoch führten sie noch immer den gerechten Kampf. Denn das machte sie aus.

Wenn ihre Vorgehensweise manchmal übertrieben und allzu gewalttätig war und man hätte glauben können, man könne sie finden, indem man der Spur von blutigen Leichen folgte, die sie hinterließen … nun, dies war schließlich immer noch Haven.

Ihr Revier war das Nordviertel, der ärmste, verzweifeltste und gefährlichste Teil der Stadt, und die gefährlichsten Dinge in diesem berüchtigten Viertel waren ohne Zweifel Falk und Fischer. Die Leute neigten nicht dazu, sie zu nerven. Tatsächlich neigten die Leute dazu, auf die andere Straßenseite zu wechseln, wenn sie sie kommen sahen. Falk und Fischer hatten sich im Laufe der Jahre in Haven einen Ruf erworben, und sie hatten ihn sich hart verdient.

Falk war groß, dunkel und schon lange nicht mehr gutaussehend. Er trug eine Augenklappe aus schwarzer Seide über der leeren Höhle, wo einst sein rechtes Auge gewesen war, und eine Reihe alter Narben zog sich zerklüftet über die rechte Seite seines Antlitzes, was ihm ein kaltes, unheimliches Aussehen verlieh. Er trug einen einfachen, weißen Kittel und Hosen unter einem dicken schwarzen Mantel, der einzige Farbtupfer war das blaue Seidenhalstuch.

Dennoch machte er auf den ersten Blick keinen großen Eindruck. Er war schmal und drahtig statt muskulös und hatte einen kleinen Bauchansatz. Er trug sein dunkles Haar schulterlang und hatte es im Nacken mit einer silbernen Spange zusammengefasst. Im Alter von fünfunddreißig Jahren hatte es bereits dicke graue Strähnen. Es wäre leicht gewesen, ihn als einen Muskelprotz unter vielen abzutun, einen weiteren Söldner, der die besten Jahre langsam hinter sich hatte, aber es lag eine gefährliche Wachsamkeit in seiner Haltung, und der kalte Blick seines einzigen dunklen Auges war verstörend direkt und unnachgiebig. An der rechten Hüfte trug Falk statt eines Schwertes eine Axt mit einem kurzen Griff. Er war sehr gut damit. Er hatte viel Übung mit ihr.

Fischer ging an seiner Seite, als gehöre sie schon immer dorthin. Sie war zweiunddreißig und gut und gerne einen Meter achtzig groß. Ihr langes, blondes Haar fiel in einem dicken, geflochtenen Zopf bis zur Taille. Die Spitze des Zopfes beschwerte eine glänzende Stahlkugel. Sie war eher gutaussehend als hübsch, ihr Gesicht hatte eine grobknochige Härte an sich, die in starkem Kontrast zu ihren tiefblauen Augen und dem üppigen Mund stand. Wie Falk war sie in reines Schwarz und Weiß gekleidet, ohne auch nur die sanfte Brechung eines Halstuchs. Sie hatte ihr Hemd nur halb zugeknöpft und zeigte einen großzügigen Ausschnitt, vornehmlich, um ihre Gegner abzulenken. Sie trug die Ärmel bis über die Ellbogen aufgerollt und zeigte ihre Arme, die von dicken Muskelsträngen und alten Narben gezeichnet waren. An der Hüfte trug sie ein Schwert, so einfach und schmucklos wie das Werkzeug eines Metzgers, und ihre Hand wich selten weit weg davon.

Vor einiger Zeit hatte ihr etwas alle menschlichen Schwächen ausgetrieben, und das sah man.

Falk und Fischer, Gefährten, Kämpfer, unfreiwillige Helden. Einer musste es ja machen. Meist bekamen sie nicht die gewöhnlichen, alltäglichen Aufträge. Sie bekamen die schwierigsten, seltsamsten und gefährlichsten Fälle, weil man sich an Falk und Fischer wandte, wenn man alles andere schon versucht hatte, auch, einfach die Augen zu schließen und sich zu wünschen, es würde verschwinden. Trotzdem versprachen die frühen Stunden dieses besonderen Morgens einen bizarren Fall, selbst für diese beiden.

„Ich kann nicht glauben, dass man uns zu einem Geisterhaus schickt“, sagte Fischer und trat gereizt nach Abschaum auf der Straße, der ihr nicht schnell genug aus dem Weg gegangen war. „Sehe ich etwa aus wie eine Exorzistin?“

„Es scheint eher ein Fall für einen Kleriker zu sein“, sagte Falk, um den Frieden zu wahren. „Aber wenn es bedeutet, dass wir die kältesten Morgenstunden in einem schönen, warmen Herrenhaus verbringen können, vielleicht mit einem Glas Glühwein und einem kultiviertem Imbiss in greifbarer Nähe, dann muss ein Mann eben gehen, wohin die Pflicht ihn ruft. Ich kann genauso gut an Wände klopfen und Kruzifixe schwenken wie die besten Kleriker. Gespenster suchen sich immer die größten und teuersten Häuser aus, um in Erscheinung zu treten, ist dir das mal aufgefallen?“

Fischer rümpfte die Nase und blickte bockig geradeaus. „Du bist der einzige, der solche Geschichten liest. Ich bin nicht mal sicher, ob ich überhaupt an Geister glaube. Wir sind schon gegen mehr als genug kranken Scheiß angetreten, von Vampiren über Werwölfe bis zu mächtigen Wesen aus der Straße der Götter, aber wir haben noch keinen einzigen Spuk gesehen. Verdammt, bei der Zahl der Leute, die wir über die Jahre töten mussten, müssten wir bis zu den Hüften in Gespenstern schwimmen, wenn es sie gäbe!“

„Jedenfalls, was auch immer es ist, das die Familie Hartley in Angst und Schrecken versetzt, sie haben anscheinend genug Beziehungen, um unsere Vorgesetzten unter Druck zu setzen, also haben wir den Job, das wieder ins Reine zu bringen. Vermutlich wird sich herausstellen, dass es nichts weiter ist als ein paar quietschende Bodendielen und ein schlechtes Gewissen, und wir werden einfach gemütlich herumsitzen und darauf warten, dass etwas Unheimliches auftaucht. Vorzugsweise, während wir eine nette kalte Platte verspeisen und vielleicht ein wenig Knoblauchwurst. In großen Stücken. An Spießchen. Ich könnte jetzt wirklich etwas Knoblauchwurst vertragen.“

Fischer sah ihn das erste Mal an und seufzte schwer. „Ich weiß nicht, warum ich mir die Mühe mache, dich auf Diät zu setzen. Du hältst dich nie an eine. Du hast überhaupt keine Selbstbeherrschung, oder? Ich habe schon Bären im Winterschlaf gesehen, die keinen solchen Dickwanst hatten.“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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