0,99 €
Arnold und Alina Habbicht haben haben die schrecklichen Ereignisse in denen Alina fast ihr Leben verlor überlebt und verarbeitet. Ihre Tochter Sandy, die ein Jahr später auf die Welt gekommen ist, ist ihr ganzer Stolz. Doch eines Tages verschwindet Sandy spurlos aus ihrem Zimmer. Es gibt keine Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen. Doch eine seltsame Botschaft ist auf einem alten Lumpen geschrieben worden. Einzig Daimian Becker ein im Ort bekannter Trinker, kennt die ganze Wahrheit. Der Geist von Black Barthy die ruhelose Seele der sieben Meere hat Sandy entführt und verlangt eine Kiste voll Gold und Silber. Sieben Tage haben Arnold und Alina Zeit die Kiste zu beschaffen, ansonsten muss ihre Tochter sterben.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
S. Silver
Unter Piraten
Roman
Für Melanie Laven
Kapitel 1
Lasst die Vergangenheit ruhen
Fünf Jahre sind vergangen, seit jenem schrecklichen Ereignis, bei dem ich um ein Haar meine Frau verloren hätte. Seit dieser Zeit leben meine Frau und ich in Marienheim in Frieden die Leute sind wie immer nett und zuvorkommend. Eine gewisse Dankbarkeit schwingt in ihrer Stimme mit, seit Willy seine gerechte Strafe bekommen hat. Meine Kneipe läuft wunderbar und meine Tochter Sandy geht morgens gerne in den Kindergarten. Die Menschen hier leben überwiegend vom Fischen, Boots- oder Strandkorbverleih. Hier ist es anders nicht so hektisch und anonym wie in der Großstadt. Inzwischen haben meine Frau und ich wieder Nachwuchs bekommen, genau ein Jahr nach jenem schrecklichen Unfall, bei dem mein Sohn ums Leben kam. Meine Kneipe läuft wunderbar, jetzt habe ich sogar einen Billardtisch im Hinterzimmer aufgestellt und zwei Dartscheiben aufgehangen. Manchmal veranstalte ich kleine Events, wie ein Karaoke singen oder einen Dartwettbewerb. Des Weiteren hängt an der Wand rechts neben der Eingangstür ein 22 Zoll Flachbildfernseher, auf dem ich Fußballweltmeisterschaften oder Europameisterschaften übertrage. Meine Karte habe ich ein wenig aufgepeppt, so gibt es jetzt an Europa- und Weltmeisterschaften einen Deutschlandcocktail, der bei meinen Gästen sehr beliebt ist.
Nur nachts holen mich die Dämonen der Vergangenheit ein. In meinen Alpträumen. Sandy so heißt unsere gemeinsame Tochter geht morgens von acht bis zwölf in den Kindergarten. Dann holen meine Frau oder ich sie ab und wir reden, wir spielen Frisbee am Strand, oder verstecken. Wir haben unserer Tochter ein Passwort gegeben, man hört ja sehr viel, in den Nachrichten.
Eines Tages ich saß auf der Veranda mit einem Glas Eistee in der Hand und schaute zu wie Sandy im Garten versuchte, einen Schmetterling zu fangen. Sie trägt einen pinken Badeanzug. Es ist warm an diesem Tag, das Planschbecken haben wir im Garten aufgebaut. Die Sonne schien und meine Frau lag in einem geblümten Sommerkleid auf einer Liege mit einem Buch in der Hand.
„Schneller Sandy du bekommst ihn, gleich hast du ihn.“, sagte ich zu meiner Tochter, die lachend hinter ihm herrannte.
„Ach Mist Sandy aber warte nur, jetzt fang ich dich.“, sagte ich zu Sandy und erhob mich.
„Mich kriegst du nicht, fang mich doch, du bist viel zu langsam. Fang mich doch!“; sagte meine Tochter.
Ich lief extra etwas langsamer als sie und rief ihr zu: „Ach was bist du schnell, ich komme ja gar nicht hinter her.“
Meine Tochter lachte und sagte: „Was bist du doch für eine lahme Ente. Lahme Ente.“
Meine Frau erhob sich, sah uns an und fragte: Wer möchte ein Eis?“
Seit Sandy auf der Welt ist, geht es ihr besser. Sie schläft jetzt wieder häufiger durch und wacht nicht mehr jede Nacht schreiend und schweißgebadet auf.
„Ich Mami, bitte ich.“ , sagte Sandy, wobei sie grinste wie ein Honigkuchenpferd. Eine Zeitlang haben meine Frau und ich mit dem Gedanken gespielt von hier wegzuziehen und einen Neuanfang zu wagen. Aber wir können nicht bei jeder Kleinigkeit einfach in eine andere Stadt ziehen. Man konnte vor seinen Problemen nicht immer davonlaufen. Es dauerte nicht lange, da kam meine Frau mit zwei Eis in der Hand in den Garten zurück. Sandy rannte strahlend auf Alina zu. Meine Frau gab ihr eine Tüte Eis, welches Sandy genüsslich aufschleckte.
„Na warte gleich habe ich dich. Sandy ich will dein Eis, na gibt mir dein Eis.“; sagte ich zu meiner Tochter, die davonlief und rief: „Nein kriegst du nicht, kriegst du nicht.“ Ihr lange blonde Haare wehten in der leichten Brise.
„Sandy, komm mal bitte. Ich muss dir ein Geheimnis verraten.“, sagte Alina.
Meine Tochter lief zu meiner Frau, ich riss die Augen auf und sagte: „Was tuschelt ihr da, na wartet, wenn ich euch erwische.“ Sandy machte große Augen, als meine Frau fertig war, und kicherte.
„Los Sandy, du von rechts und ich von links. Wir fangen ihn.“, sagte meine Frau.
„Was ihr zwei wollt mich fangen, das schafft ihr nicht.“; sagte ich und lief nach rechts, wobei ich so tat, als ob ich nicht so schnell laufen könnte.
„Wir kriegen dich Papi.“ , sagte meine Tochter.
„Schneller Sandy lass Daddy nicht entwischen.“ , sagte meine Frau.
Ich tat, als wollte ich nach links ausbrechen und ließ mich von Alina und Sandy fangen.
„Nein bitte nicht, Gnade, das kannst du doch deinem Daddy nicht antun.“, sagte ich zu Sandy, die mich gemeinsam mit meiner Frau in Richtung Planschbecken schob. Dann ließ ich mich fallen, während meine Frau und Sandy von hinten schoben. Mit einem lauten Klatschen landete ich voll bekleidet im kühlen Nass, dabei packte ich jedoch meine Frau gleichzeitig am Arm und zog sie mit ins Wasser.
„Scheiße.“, sagte meine Frau und lachte. Sandy lachte ebenfalls.
„Ihr seid so schräg.“ , sagte meine Tochter.
„Wir sind schräg, warte ab, wie schräg wir wirklich sind.“, sagte ich zu meiner Tochter, packte sie, hob sie hoch und warf sie ebenfalls ins Planschbecken.
„Wartet mal, bleibt ruhig im Planschbecken, ich hole schnell die Kamera wäre doch nett, wenn wir zur Erinnerung ein Foto von uns dreien im Planschbecken machen.“
Meine Tochter und ich stimmten in den Vorschlag mit ein.
Am Abend nahm ich meine Tochter auf den Arm und brachte sie ins Bett. Meine Frau und ich waren immer ehrlich zu unserer Tochter und so hatten wir ihr von ihrem Bruder erzählt, der vor ein paar Jahren bei diesem schrecklichen Autounfall ums Leben gekommen war. Als ich Samanta ins Bett brachte. Fragte sie mich: „Papi glaubst du, dass Sven uns von oben sehen kann? Glaubst du, dass Sven mich genauso lieb gehabt hätte wie euch?“
Ich schluckte, setzte mich zu meiner Tochter ans Bett und schloss für ein paar Sekunden die Augen dann antwortete ich: „Ja mein Engel, da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Weißt du, Sven kann uns von da oben sehen und er wird auf uns aufpassen auf dich und auf Mami und Papi. Dein Bruder ist jetzt unser Schutzengel.“
Sandy lächelte, dann fragte sie: „Wenn es einen lieben Gott gibt, warum hat er dann zugelassen, dass dieser LKW Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit fährt? Gott hätte doch den LKW bremsen können oder nicht? Ich meine er ist doch schließlich Gott.“, sagte Sandy.
Ich schluckte, eine Träne wollte sich aus meinem Augenwinkel stehlen, ich wischte sie mit dem Handrücken fort, dann sagte ich: „Weißt du mein Schatz, Gott kann nicht immer überall gleichzeitig sein. Sieh mal, die Erde ist ganz groß und auf der Erde leben doch ganz viele Menschen.
Sandy nickte.
„Und es gibt nur einen Gott und der kann schließlich nicht immer überall zur gleichen Zeit auf jeden von uns aufpassen. Verstehst du das?“
„Aber Gott hat doch ganz viele Engel. Unsere Religionslehrerin hat gesagt, dass jeder von uns einen Schutzengel hat der uns begleitet.“
„Das ist schon richtig, aber auch unser Schutzengel kann nicht alles abhalten oder verhindern, sonst wäre er ja schließlich Gott oder nicht?“
„Das heißt, der Engel konnte meinen Bruder nicht beschützen?“
„Ganz genau Liebling und jetzt schlaf gut. Gute Nacht.“
„Glaubst du, dass Sven mich lieb gehabt hätte, wenn er noch hier wäre?“
Ich schluckte, beschäftigte sie der Tod ihres Bruders so sehr? Meine Frau und ich hatten es ihr erzählt, da wir auch in Beziehung auf unsere Kinder immer offen und ehrlich sein wollten. Und der Tod gehörte nun einmal zum Leben dazu. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich solche Gedanken um ihren Bruder machte.
„Garantiert, welcher Junge hat nicht gern eine kleine Schwester? Schlaf gut mein Engel.“
„Gute Nacht Papi.“
Ich gab meiner Tochter noch einen Kuss auf die Stirn, dann verließ ich das Zimmer. Meine Frau saß vor dem Fernseher und schaute wer wird Millionär, als ich ins Wohnzimmer trat.
„Ist Sandy am Schlafen?“; fragte meine Frau.
„Weißt du, Sandy hat nach ihrem Bruder gefragt. Die Sache scheint sie mehr zu beschäftigen, als ich dachte.“
Meine Frau blickte eine Zeit lang zu Boden, dann sagte sie: „Kannst du damit nicht aufhören, ich will es nur noch vergessen.“, dann fing sie an zu weinen.
Ich legte ihr einen Arm um die Schulter und sagte: „Ich weiß es ist nicht leicht, aber es ist ganz normal, dass Sandy nach ihrem Bruder fragt und dass sie sich natürlich auch fragt, warum ihr Bruder gestorben ist. Der Tod gehört zum Leben nun einmal dazu. Ich weiß wie schwer das für dich ist, denkst du etwa, mir fällt so etwas leicht?“
„Ich weiß tut mir leid Liebling, wir haben morgen einen harten Tag vor uns und sollten schlafen gehen.“
Mein Blick fiel auf die Uhr, es war gerade erst halb neun.
„Du kannst gern schlafen gehen. Ich denke, ich schau mir noch die Nachrichten an.“, sagte ich und stand auf.
Der Nachrichtensprecher sprach gerade über die Klimaziele der EU Mitgliedsstaaten, als mir die Augen zufielen.
Als ich schlief, hatte ich einen seltsamen Traum, ich träumte, ich stände an Willys ehemaligen Strandkorbverleih. Es war Nacht, der Mond schien wie ein Wächter aus einer anderen Welt am Himmel zu stehen. Die Wellen peitschen gegen den Deich als sich ein seltsamer Nebel vom Meer heraus ausbreitete und langsam ins Land zog. Die Nebelschwaden waren so dicht, dass man seine eigene Hand vor Augen nicht erkennen konnte. Ein gewaltiger Donnerschlag ließ die Insel erzittern. Blitze zuckten vom Himmel herab und tauchten die Insel und das Meer in gleißendes Licht. Was war das? Hatte ich mich getäuscht, bildete ich mir das alles nur ein? Hatte ich nicht gerade eben die Umrisse eines Schiffes gesehen? Eisiger Wind fuhr mir in die Glieder und ließ mich frösteln. Ein weiterer Blitz und wieder die Silhouette eines Schiffes. Aber was war das da in der Ferne? Da auf dem Mast des Schiffes wehte etwas im Wind. Täuschte ich mich, war das nicht eine Piratenflagge? Piraten in der heutigen Zeit?
Dann sah ich die Kanonen, es bestand kein Zweifel, trotz des aufziehenden Nebels es handelte sich um ein Piratenschiff, aber nicht um ein modernes motorbetriebenes Schiff, sondern um ein Schiff aus Holz. Welches von Art und Bauweise zumindest so weit ich erkennen konnte, um 1700 gebaut worden waren. Eine Vielzahl von Kanonen blickten mir entgegen. Die schwarzen Segel bogen sich im Wind. Dann sah ich auf der Enterplattform des Schiffes eine große Gestalt. Für eine Sekunde erhellte ein Blitz die Umgebung, sodass ich die Gestalt deutlich erkennen konnte. Es war ein großer stämmiger Mann, der einen schwarzen Vollbart trug. Gekleidet war er in einem dunkelblauen Oberteil. Auf seiner linken Wange konnte ich deutlich eine tiefe Narbe sehen. Und wen hielt er da an der Hand fest? War das nicht ein kleines Mädchen? Ein weiterer Blitz erhellte die Szenerie, das Mädchen trug ein weiß geblümtes Kleid und hatte lange blonde Haare. Das war nicht einfach nur ein Kind, das war meine Tochter. Ich sprang ins Wasser, ein Strudel ergriff mich, dann ging ich unter. Ich versuchte wieder an die Wasseroberfläche zu gelang, aber unsichtbare Hände schienen sich, um meine Fußknöchel zu legen, und zogen mich in die Dunkelheit.
Ich wachte schreiend und schweißgebadet auf. Das Herz in meiner Brust raste. Ich schnappte nach Luft und sah auf die Uhr, es war genau zwölf Uhr. Ich starrte auf den Fernseher, der Nachrichtensprecher sprach gerade über den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens. Ich schaltete den Fernseher aus und ging ins Bett.
Kapitel 2
Verschwunden
Als meine Frau und ich am nächsten Morgen Sandy für die Schule wecken wollten, trauten wir unseren Augen nicht. Das Bett, in welchem unserer Tochter normalerweise schlief, war leer. Auf dem Fußboden sah ich deutlich zwei nasse Fußabdrücke.
„Sandy, bist du hier irgendwo?“ , rief ich, erhielt jedoch keine Antwort.
„Sandy, hör auf mit solchen Spielchen, du musst in die Schule,“; sagte meine Frau.
