Beschreibung

Mit den Männern klappt es einfach nicht! Frustriert muss Claire erkennen, dass sie nicht der Typ Frau ist, den Männer heiraten wollen. Schön und gut ... sie haben nichts gegen einen Flirt mit der umwerfenden Rothaarigen einzuwenden und sind auch ganz sicher nicht abgeneigt, ihr das Kleid vom kurvenreichen Körper zu schälen, aber eine langfristige Beziehung scheint in weiter Ferne zu liegen. Doch Claire hat die Nase voll davon, nach Mr. Perfect zu suchen, und beschließt, auch ohne einen Mann an ihrer Seite das Glück zu finden und ein Baby zu bekommen. Wozu gibt es schließlich Samenbanken? Wenn sich Frauen mit Kreditkarten Schuhe und Taschen kaufen können, dann sollte es doch auch möglich sein, diese für den Kinderwunsch zu benutzen! Ihr Entschluss steht fest, doch dann hat ein One-Night-Stand mit dem wortkargen Grant Folgen, die den Einsatz der Kreditkarte unnötig machen ...

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Beliebtheit


Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

Epilog

Extrakapitel

Leseprobe „Auszeit für die Liebe“ (Band 8)

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Unverhofft verliebt

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage März 2014

 

 

Copyright © 2014 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von ©NinaMalyna – fotolia.com

Korrektorat: SW Korrekturen e.U.

 

 

www.poppyjanderson.de

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

 

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Eure Poppy

 

 

P.S. Verpasst am Ende des Buches nicht die Leseprobe vom nächsten Band!

 

 

 

 

 

 

Für Luise

 

 

 

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Roman handelt von Claire, die Sie bereits in Touchdown fürs Glück kennengelernt haben. Die quirlige Architektin und beste Freundin von Liv Scott beschäftigt mich seit geraumer Zeit, da ich schon im Frühjahr 2013 ihre Geschichte erzählen wollte. Jedoch kamen ständig Ideen für andere Romane dazwischen – Claire blieb dennoch stets präsent.

Daher bin ich sehr glücklich, Ihnen nun Claires Geschichte vorstellen zu dürfen, und ich hoffe, dass Sie sehr viel Vergnügen beim Lesen haben werden.

Ihre Poppy J. Anderson

 

P.S. Ein herzlicher Dank geht an Jacqueline und Jennifer, die eine großartige Namensidee hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

„Ich habe einen Plan.“

Liv sah fragend über die Schulter. „Was?“

„Ich habe einen Plan“, ihre beste Freundin Claire blickte trübsinnig auf den mit Apfelsaftflecken verzierten Küchentisch, an dem sie saß, und drückte der kleinen Brianna auf ihrem Schoß einen Kuss aufs Köpfchen. „Ich werde mir Sperma kaufen.“

Da Liv gerade die Tomatensauce für Briannas Abendessen probieren wollte, verschluckte sie sich prompt und hustete. Ihre kleine Tochter fand das wahnsinnig komisch und kreischte auf. „Mamiiiiiiiiiiiiiii.“

Liv jedoch ignorierte das fröhliche Kreischen ihrer Tochter und fixierte ihre beste Freundin, die ein unglückliches Gesicht machte. „Du willst was tun?!“

Claire lehnte sich seufzend zurück und beachtete das fassungslose Entsetzen ihrer Freundin nicht weiter, sondern kämmte mit ihren Fingern durch die braunen Locken der zweijährigen Brianna, die sich fröhlich an sie schmiegte. „Die halbe Nacht lang saß ich vor meinem Laptop und habe mir Samenspender angeschaut. Drei Kandidaten sind in der engeren Auswahl ...“

„Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, Claire?“

Claire schüttelte ernst den Kopf. „Zwar gibt es keine aktuellen Fotos von den möglichen Spendern, aber man kann sich deren Kinderfotos anschauen. Sogar Stimmproben und Schriftproben werden veröffentlicht. Ist das nicht klasse?“

Liv runzelte die Stirn und stellte den Topf mit der Sauce beiseite. „Kinderfotos? Stimmproben? Claire, was ist los mit dir?“

Zögernd fuhr sich Claire durch ihr rotes Haar und blickte melancholisch nach oben. „Ich will ein Baby, Liv. So einfach ist das.“

„Dann such dir einen netten Mann und ...“

Mit einem wütenden Schnauben unterbrach sie Liv. „Einen netten Mann? Verdammte Schei ...“, ihr Blick glitt zu Brianna, die lachend mit einem Plastiklöffel auf den Tisch schlug und der Unterhaltung ihrer Mutter und ihrer Patentante nicht folgte. „Ich werde vierunddreißig Jahre alt, habe eine verkorkste Beziehung hinter mir und mein letztes Date eröffnete mir während des Abendessens, dass er zur Entspannung gerne Gruppensexvideos schaue.“

Ein Blick auf Liv zeigte ihr, dass ihre beste Freundin nur mühsam ein Lachen unterdrücken konnte. Claire liebte ihre Freundin und wünschte ihr alles Glück auf Erden, aber der tolle Ehemann, der sie vergötterte, das süße Kleinkind mit dem engelsgleichen Gesicht und ein zauberhaftes Baby, das selig in seiner Wiege nebenan schlief, versetzten Claire ab und zu einen eifersüchtigen Stich. Sie sagte sich, dass sie unfair war, wenn man bedachte, was Liv in ihrem Leben bereits mitgemacht hatte, aber dennoch blieb dieses neidische Gefühl, wenn Brianna ihrer Mom einen Kuss gab oder sich der kleine Levi vertrauensvoll in Livs Arme kuschelte. War sie ein schlechter Mensch, weil sie sich auch so etwas wünschte?

„Was stimmt nicht mit mir?“

„Mit dir stimmt alles. Du hast einfach noch nicht den richtigen Mann gefunden.“

„Sei mir nicht böse“, Claire verzog grimmig den Mund, „aber diese klischeehaften Aufmunterungsversuche können mir gestohlen bleiben.“

Ein Vogel flog vor dem Küchenfenster herum und zog Briannas Aufmerksamkeit auf sich. Die Kleine starrte mit entzückten Augen auf den hellbraunen Spatz und wollte vom Schoß ihrer Patentante gleiten. Claire hielt sie sanft davon ab und erklärte an Liv gewandt: „Ich brauche keinen Mann, um glücklich zu sein.“

„Aber ein Baby würde dich glücklich machen?“

„Ja.“

Unschlüssig rührte Liv im Saucentopf und kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. „Versteh mich nicht falsch, Claire. Ich will dich nicht davon abhalten, aber hast du dir das Ganze gut überlegt?“

„Wie meinst du das?“

„Nun“, Liv stellte die Herdplatte aus, rückte einen Stuhl beiseite und setzte sich darauf. „Ein Baby bedeutet viel Verantwortung ...“

„Liv, ich bin kein unreifer Teenager!“

„Ich weiß, aber als Alleinerziehende ...“

Mit einem Schnauben sah Claire an die Decke. „Meine Mom war auch alleinerziehend und hat sowohl meine Schwester als auch mich mit einem Job als Sekretärin durchs College gebracht, nachdem mein Dad gestorben war. Mein Job dagegen ist sicher und sehr gut bezahlt.“

Noch immer runzelte Liv die Stirn. „Eigentlich dachte ich eher daran, dass du dich völlig allein um das Baby kümmern müsstest. Finanzielle Unabhängigkeit ist wichtig, aber es ist nicht alles.“

„Das weiß ich doch“, seufzte Claire schwer. „Glaub mir, es wäre mir hundertmal lieber, wenn ich einen wunderbaren Ehemann an meiner Seite hätte, der mich liebt und sich Kinder von mir wünscht, aber den habe ich nun einmal nicht. Länger will ich nicht warten und eventuell meine Chance verpassen, ein Kind zu bekommen.“

Anstatt darauf zu antworten, murmelte Liv verdrossen: „Ich verstehe die Männerwelt einfach nicht!“

„Frag mich einmal“, gluckste Claire, auch wenn ihr gar nicht danach war. Vermutlich war es der Galgenhumor, der sie lachen ließ, denn besonders amüsant fand sie das Ganze wirklich nicht.

„Nein, ich meine, dass ich nicht verstehen kann, dass du nicht längst glücklich verheiratet bist! Alle Männer, denen du begegnest, sabbern den Boden voll ...“

„Liv“, ein wenig verlegen verdrehte sie die dunkelblauen Augen. „Das stimmt nicht.“

„Und ob das stimmt! Schau dir doch nur mal die Partys in unserem Haus an, wenn das Team dabei ist. Kaum kommst du zur Tür rein, fallen den Jungs die Augen aus dem Kopf. Ich dachte, dass Blake einen Herzinfarkt bekäme, als du dieses dunkelblaue Kleid und die Mörderstilettos zu Levis Taufe getragen hast. Zu deiner hammermäßigen Figur und deinem hübschen Gesicht hast du zudem ein sehr kluges Köpfchen und einen geradezu perversen Sinn für Humor. Wenn Männer darauf nicht stehen, worauf denn dann?“

Claire zuckte mit der Schulter und schmiegte ihr Kinn auf Briannas Köpfchen. „Anscheinend auf irgendetwas anderes.“

„Ach, Claire ...“

Liv war ihre beste Freundin, also konnte sie ihr problemlos gestehen, woran sie wirklich dachte. „Ich bin noch nie geliebt worden. Niemand zuvor hat mich wirklich geliebt. Ich komme mir wie ein Sexobjekt vor. Ständig wollen Männer mit mir schlafen, aber mit mir alt werden will niemand. Das ist verdammt demütigend, Liv.“

„Du bist eine schöne Frau, Claire.“

Den Blick ihrer Freundin beantwortete sie mit einem verzerrten Lächeln. „Weißt du, wie ich mich fühle, wenn ich merke, dass ein Mann nur mit mir schlafen will, aber keinerlei Interesse daran hat, mich kennenzulernen? Ich fühle mich absolut wertlos, unwichtig und minderwertig. Wie eine Frau zweiter Klasse.“

„Das ist Unsinn und das weißt du auch“, Livs Mund verzog sich nach unten. „Ich weiß mit ziemlicher Sicherheit, dass du Brian etwas bedeutet hast. Auch Caleb hing an deinen Lippen, wenn du über deinen Job gesprochen hast.“

Claire seufzte schwer. „Du musst das nicht beschönigen. Keiner der Männer, mit denen ich jemals zusammen war, würde mich als die Liebe seines Lebens bezeichnen. Und das tut weh.“

Seufzend beobachtete sie, wie Liv sich über den Küchentisch beugte und nach ihrer Hand griff. Sofort schossen ihr die Tränen in die Augen.

„Schätzchen ...“

„Woran soll es denn liegen, wenn nicht an mir?“ Sie schluckte die nächsten Tränen hinunter und klagte leise: „Ich war gut genug für Caleb, um eine saloppe Beziehung zu ihm zu führen, aber sobald es ernster wurde, hat er sich von mir getrennt.“

„Caleb war ein Mistkerl“, schnaubte Liv aufgebracht. „Du solltest froh sein, dass du ihn los bist.“

„Das bin ich auch, dennoch muss ich daran denken, dass ich für ihn solange nützlich war, bis ich begonnen habe, Ansprüche zu stellen. Augenblicklich hat er mich von sich gestoßen. Bei Brian und mir kriselte es auch, als ich gerne eine festere Beziehung eingehen wollte.“

„Na ja“, schränkte Liv ein. „Brian war einfach nicht bereit für etwas Festes.“

„Ein halbes Jahr nach unserer Trennung war er komischerweise dafür bereit. Bei mir hatte er kein Interesse an einer ernsthaften Beziehung mit Familienplanung. Doch kaum lernt er eine andere Frau kennen, heiratet er sie und wird bald Vater. Es muss an mir gelegen haben, Liv.“

„Willst du mir damit sagen, dass du Brian immer noch liebst?“

Angesichts der geradezu erschrockenen Frage ihrer Freundin hob Claire den Kopf und schüttelte diesen vehement. „Nein, das will ich nicht. Außerdem bezweifle ich, dass ich überhaupt richtig verliebt in ihn war. Er ist mit Teddy glücklich, was mich freut, Liv. Die beiden passen gut zueinander. Es geht mir nur ums Prinzip.“

„Ich weiß, dass ich mich wiederhole, Claire, aber es gibt auch nette Männer. Du musst sie nur finden.“

„Warum soll ich sie finden wollen? Vielleicht möchte ich ja gefunden werden“, wieder schüttelte sie resolut den Kopf. „Nein, ich will mich lieber um ein Kind kümmern, anstatt meine Zeit mit sinnlosen Verabredungen zu verschwenden, die zu nichts führen.“

„Julian hat mir von einem netten Kerl erzählt, der in der Marketingabteilung der Titans arbeitet.“

„Der letzte nette Mann, den ich kennengelernt habe, bat mich bei unserem zweiten Date um Nacktphotos.“

Claire deutete den Blick ihrer Freundin richtig. „Da siehst du, was für Freaks ich kennenlerne. Ist es denn zu viel verlangt, einen wirklich netten Mann treffen zu wollen, der weder perverse Neigungen noch eine Ehefrau oder Persönlichkeitsstörungen hat?“

„Geht es dir um einen Mann oder um ein Kind?“

„Es geht mir darum, dass ich heutzutage das eine nicht brauche, um das andere zu bekommen. Eine Beziehung macht mich nicht zwangsläufig glücklich, aber ich weiß, dass mich ein Kind glücklich machen wird.“

„Wenn das deine Entscheidung ist, Claire, dann stehe ich natürlich hinter dir.“

Lächelnd sah sie in die Augen ihrer Freundin. „Das ist lieb von dir.“

„Ich spiele gerne die Babysitterin, Claire, habe aber eine Bitte.“

„Die da wäre?“ Skeptisch schaute sie in die grünen Augen ihrer Freundin.

„Triff dich mit dem netten Typen, den Julian kennt.“

„Liv“, protestierte Claire genervt. Sie fand es wirklich lieb, dass sich Liv um sie sorgte, aber eigentlich stand ihr Entschluss längst fest. In den vergangenen Monaten, wenn nicht sogar Jahren, hatte sie einige Männer kennengelernt, von denen manche sogar richtig nett gewesen waren. Sie hatte einige Beziehungen geführt, die manchmal länger und manchmal kürzer gedauert hatten. Doch niemals war der richtige Mann für sie dabei gewesen. Nie war der Mann dabei gewesen, mit dem sie hätte alt werden können. Bisher hatte sie keinen Mann getroffen, der ein heißes Glücksgefühl oder ein atemloses Sehnen in ihr ausgelöst hatte.

Wie es schien, hatte es noch keinen Mann in ihrem Leben gegeben, der sie aus tiefstem Herzen geliebt hatte. Andererseits hatte auch sie noch keinen Mann wirklich geliebt. Zwar hatte sie in ihrem Leben schon mehrere Beziehungen geführt – sechs, um genau zu sein - und in all ihre Freunde war sie verknallt gewesen, aber noch keinen dieser Männer hatte sie richtig geliebt. Das war weder bei Caleb noch bei Brian so gewesen. Manchmal fragte sie sich, ob mit ihr wirklich etwas nicht stimmte. Sie war immerhin dreiunddreißig Jahre alt und hatte noch keine tiefe, alles umwälzende Liebe erfahren. Oft hatte sie sich eingeredet, dass sie ihren Freund liebte, doch immer hatte sie einsehen müssen, dass sie sich nur etwas vormachte.

Auch bei Brian hatte sie sich eingeredet, dass er vielleicht der richtige Mann für sie sei. Immerhin war er ein toller Mann, mit dem sie viel Spaß hatte, doch tief im Inneren hatte sie gewusst, dass beide einfach nicht zueinander passten. Ihre kurzzeitige Beziehung, wenn man sie überhaupt so nennen wollte, war ein Strohfeuer gewesen, das ziemlich schnell erlosch, als der Alltag Einzug hielt. Für ihren Geschmack war Brian zu wenig ernsthaft und zu sehr auf seinen Spaß bedacht gewesen. Claire hatte sich nicht vorstellen können, mit ihm eine Familie zu gründen, und Brian hatte sich überhaupt nicht vorstellen wollen, sich ernsthaft an eine Frau zu binden. Das Ende vom Lied war eine freundschaftliche Trennung gewesen, die sie positiv überrascht hatte. Brian war bis heute ihr Freund geblieben und hatte sich als verlässlicher Kumpel herausgestellt, auf den sie sich bedenkenlos verlassen konnte. Als ihr letzter Freund Caleb, dieses Arschloch, eine Woche vor ihrem gemeinsamen Umzug befunden hatte, dass er sich von ihr trennen wollte, war Brian zur Stelle gewesen, um ihr eine neue Wohnung zu suchen und ihr beim Umzug zu helfen.

Außenstehenden erschien es manchmal befremdlich, dass Claire und Brian noch immer miteinander befreundet waren, aber für beide war es das Normalste der Welt. Sie waren nicht nur die Paten der kleinen Brianna, sondern verstanden sich gut – vielleicht sogar besser als während ihrer Beziehung. Dazu kam, dass Claire Brians Frau sehr mochte. Sie hatte sich über die Hochzeit der beiden gefreut und war nicht zu eitel gewesen, ihnen zu gratulieren, als Teddy schwanger geworden war.

Claire war Teddy gegenüber nicht eifersüchtig. Wieso sollte sie auch? Beide Frauen verstanden sich sehr gut und waren zu so etwas wie Freundinnen geworden. Es freute sie wirklich, dass Teddy und Brian bald Eltern wurden. Claire war auch nicht eifersüchtig, dass Teddy bald ein Baby bekäme, sondern eher unglücklich über den Zustand, dass sie selbst kein Baby bekam, denn sie war an einen Punkt gelangt, an dem sie sich nichts sehnlicher wünschte als ein eigenes Kind.

Immer wenn sie Frauen mit kleinen Babys sah und ein unbeschreibliches Sehnen in ihrem Herzen spürte, sagte sie sich optimistisch, dass sie dies auch noch erleben würde, doch mittlerweile verschwand ihr Optimismus hinter purer Einsamkeit. Sie befürchtete, dass sie bald keine Chance mehr bekommen könnte, Mutter zu werden und ein Baby zu haben. Leider war kein Freund in Sicht, der sich eine gemeinsame Zukunft und eine Familie mit ihr vorstellen könnte, was Claire sich niedergeschlagen eingestand. Sie fühlte sich manchmal so unglaublich allein.

Früher hatte sie keinen Gedanken daran verschwendet, dass sie später einmal allein sein könnte. Für sie hatte immer festgestanden, dass sie irgendwann einmal Ehefrau und Mutter sein würde. Ihre eigene Kindheit war zwar nicht immer einfach gewesen, da ihre Eltern kaum Geld zur Verfügung hatten und viel sparen mussten, doch die liebevolle Atmosphäre war allgegenwärtig gewesen. Claire war mit einem Elternpaar aufgewachsen, das sich wahnsinnig geliebt hatte. Bis zu dem Zeitpunkt, als ihr Vater bei einem Autounfall umgekommen war und Claire mit zwölf Jahren zur Halbwaise wurde, hatte sie gesehen, wie eine glückliche Ehe aussah. Genau das, was ihre Eltern gehabt hatten, hatte sie sich auch für ihr eigenes Leben gewünscht.

Natürlich hatte sie sich vorgenommen, dass ihre eigenen Kinder im Gegensatz zu ihr nicht wissen sollten, was finanzielle Sorgen waren, und dass sie nicht zusehen müssten, wie ihre eigene Mutter abends mit dem Haushaltsbuch in der Küche säße und verzweifelt rechnete, wie viel Geld ihr für den restlichen Monat noch bliebe, doch für sie war eine glückliche Ehe mit Kindern eine absolute Selbstverständlichkeit gewesen.

Heute sah es ganz anders aus. Heute waren ein Mann und eine glückliche Ehe alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Auch nachdem sich ihr Freund Lance, den sie auf dem College kennengelernt hatte und mit dem sie anderthalb Jahre zusammen gewesen war, von heute auf morgen von ihr getrennt hatte, war Claire immer noch davon ausgegangen, dass der richtige Mann noch käme. Einige Zeit hatte sie sich zwar eingebildet, dass sie in Lance verliebt war und dass er womöglich derjenige wäre, den sie heiraten könnte, doch sie hatte sich lediglich etwas vorgemacht. Zwar hatte Lance sie unglaublich verletzt, doch im Nachhinein war ihr klar, dass er nicht der richtige Mann für sie gewesen war. Genau wie Caleb war er ein egoistischer Mistkerl gewesen, der sie nur benutzt hatte. Seit ihrer Trennung hatte sie nämlich ständig die Befürchtung, nicht gut genug für einen Mann zu sein. Lance hatte ihren wundesten Punkt getroffen und ihr diesen gnadenlos vor Augen gehalten. Die Trennung von Lance war eine schreckliche Zeit gewesen – nicht, weil sie unter einem gebrochenen Herzen gelitten hätte, sondern weil er ihr eingeredet hatte, nicht gut genug für ihn zu sein.

Abgesehen vom Tod ihres Vaters war dies die mit Abstand schlimmste Zeit ihres Lebens gewesen. Sie hatte sich wie ein Lückenbüßer gefühlt und war sich richtig schlecht vorgekommen – wie jemand, der weniger Wert als andere besaß.

Vielleicht war diese Erfahrung auch der Kern ihres Problems.

Vielleicht strahlte sie irgendetwas aus, das viele Männer dazu bewog, sie lediglich als ein Sexobjekt zu betrachten, und das ihr das Gefühl gab, nicht gut genug für eine ernsthafte Partnerschaft zu sein. Wenn Claire jemanden kennenlernte, setzte sie sich selbst unter Druck, indem sie sich einredete, perfekt sein zu müssen, damit jemand sie lieben konnte. Sie wusste selbst, dass dies falsch war, aber sie konnte die Befürchtung einfach nicht abstellen, in den Augen von Männern an Wert zu verlieren, wenn sie nicht in allen Bereichen auftrumpfen konnte. Sie musste perfekt aussehen, hübsch sowie charmant sein, andere zum Lachen bringen und von allen gemocht werden. Ihr Job war da nur zweitrangig, da es Männer gab, die davon abgeschreckt waren, wenn sie hörten, dass sie eine erfolgreiche Architektin war und einen sehr gut bezahlten Job hatte. Leider war es trotz aller Fortschrittlichkeit noch immer so, dass Intelligenz bei Frauen auf einige Männer nicht attraktiv, sondern eher bedrohlich wirkte. Claire hatte gelernt, nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen und beim ersten Treffen nicht zu erwähnen, was sie beruflich machte. Selbstverständlich war dies traurig, wenn nicht sogar erbärmlich, doch Claire war Realistin. Schließlich musste jeder Mensch Kompromisse eingehen, oder nicht?

„Was hast du zu verlieren, wenn du dich mit ihm triffst?“

Claire schüttelte ihre Gedanken ab und sah in Livs grüne Augen. „Mit wem soll ich mich treffen?“

„Hörst du nicht zu? Du sollst dich mit dem netten Typen treffen, von dem Julian mir erzählt hat. Er arbeitet in der Marketingabteilung der Titans.“

„Ich hasse Blind Dates.“

Liv verdrehte die Augen und erhob sich, um die Tomatensauce ein weiteres Mal abzuschmecken, was ein sinnloses Unterfangen war, weil sie nun wirklich nicht kochen konnte.

Lächelnd drückte Claire ihrem Patenkind einen Kuss auf das Köpfchen und dachte daran, wie viele liebevoll zubereitete und absolut geschmacklose Gerichte Brianna in ihrem Leben noch über sich ergehen lassen müsste. Die Kleine war erst zwei Jahre alt, daher konnte man sich gut vorstellen, wie viele Jahre sie noch mit den Kochkünsten ihrer Mom leben musste.

„Mit dieser Einstellung wirst du nie den richtigen Mann kennenlernen, meine Liebe.“

„Nicht jeder trifft seine große Liebe auf dem College“, brachte Claire mühsam hervor und vergrub ihre Nase in Briannas braunem Lockenkopf. Liv konnte ihrer Meinung nach gar nicht nachvollziehen, wie sie sich fühlte, immerhin hatte sie ihren Mann direkt in der ersten Woche des Colleges kennengelernt und konnte sich sicher sein, dass er noch immer total verrückt nach ihr war.

„Das vielleicht nicht“, seufzte Liv leise. „Aber ganz bestimmt ist es einen Versuch wert, einen netten Mann kennenzulernen. Was hast du denn zu verlieren? Trefft euch auf einen Drink und ...“

„Ja, ist okay“, Claire rümpfte die Nase und verdrehte die Augen. „Wenn es dich beruhigter schlafen lässt, treffe ich mich mit ihm.“

„Wunderbar“, zufrieden zwinkerte sie ihr zu. „Ich werde Julian sagen, dass er seine Telefonnummer besorgen soll.“

Gottergeben nickte Claire, auch wenn sie kaum einen Gedanken an dieses Date verschwendete. Sie wusste, dass Liv keine Ruhe geben würde, bis sie nicht eingewilligt hätte, diesen angeblich netten Mann kennenzulernen, daher sagte sie lieber zu, anstatt sich stundenlanges Palaver anhören zu müssen.

Wenig später zog sie ihre gefütterte Winterjacke an und verabschiedete sich von ihrer Freundin sowie von der kleinen Brianna, die Nudeln in den Haaren kleben hatte und ihr einen prustenden Kuss gab, bevor sie unter lauten Indianerschreien ins Wohnzimmer stürmte und den schlafenden Levi weckte. Auch wenn das Chaos im Hause Scott herrschte, wünschte sich Claire doch auch ein solches Familienleben und zog mit einem beklemmenden Gefühl im Magen in ihre eigene Wohnung ab. Das dichte Schneetreiben auf den Straßen New Yorks, die Eiseskälte durch den unbarmherzigen Wind und die winterliche Dunkelheit passten wirklich wunderbar zu ihrer momentanen Stimmung. Normalerweise war sie nicht der Typ für Winterdepressionen – oder für irgendwelche anderen depressiven Verstimmungen –, aber seit einiger Zeit fühlte sie sich absolut leer und ständig einsam. Da half es nicht einmal, dass sie viele Freunde und einen tollen Job hatte, in dem sie aufging.

In ihrer Wohnung angekommen, wurde sie von ihrer getigerten Katze Mia begrüßt, die sich um ihre Beine schlängelte, während sich Claire die mit Schnee bedeckten Schuhe und ihre Jacke auszog.

„Hallo, meine Süße“, vorsichtig nahm sie Mia hoch und kuschelte die Katze an sich, bevor sie mit ihr auf dem Arm durch den Flur lief und das gemütliche Wohnzimmer ansteuerte. Sie liebte ihre Wohnung und war Brian von Herzen dankbar, dass er ihr dieses Schmuckstück besorgt hatte, nachdem sie von heute auf morgen ohne Wohnung dagestanden hatte. Es war ihr Glück gewesen, dass er die richtigen Leute kannte, die ihr innerhalb von wenigen Stunden eine traumhafte Wohnung in SoHo mit drei Zimmern, einem Kamin und einem Balkon besorgt hatten. Außerdem war die Wohnung auch noch bezahlbar und befand sich in einem ruhigen Haus, das in einer hübschen Seitenstraße lag. Mehr konnte man sich doch gar nicht wünschen.

„Hast du mich vermisst?“ Sie rieb ihre Nase an Mias seidenweichem Fell und erfreute sich an dem leisen Maunzen, das gleich darauf ertönte.

Manchmal brauchte sie ein paar Kuscheleinheiten ihrer Katze und war froh, dass sie Mia hatte. Tatsächlich schien die Katze einen sechsten Sinn dafür zu haben, wann ihr Frauchen ein wenig Aufmunterung gebrauchen konnte. Wenn es Claire nicht besonders gut ging, schlich sich die Katze in ihr Bett und blieb die ganze Nacht. Dass Mia dann bei ihr war, empfand Claire als wunderbar tröstlich und störte sich nicht einmal an den gelegentlichen Blähungen des Fellknäuels, auch wenn sie sich in solchen Momenten eine Gasmaske wünschte.

Gerade als sie auf die gepolsterte Fensterbank in ihrem Wohnzimmer zuging, klingelte das Telefon, das Claire mit der linken Hand ergriff und an ihr Ohr hielt, bevor sie sich auf das gemütliche Polster setzte, die Beine hochlegte und sich gegen die kalte Fensterscheibe lehnte.

„Hallo?“

„Hallo, Schwesterherz!“

Claire schnitt eine Grimasse und streichelte das weiche Fell ihrer Katze, die es sich schnurrend auf ihrem Schoß gemütlich machte. „Sabrina, wie geht’s?“

„Mir geht’s super!“

„Und wie läuft das Studium?“

„Ach ... ähm ... das Studium läuft ganz gut. Und wie geht es dir?“

Mit einem trockenen Lachen schaute Claire auf die nächtliche Straße unter sich und hätte am liebsten den Kopf geschüttelt. Ihre kleine Schwester log, da ihr Studium alles andere als gut lief. Das wusste Claire aus erster Hand, schließlich stand sie mit Sabrinas Tutor in Kontakt, der erst vor ein paar Tagen ziemlich besorgt geklungen hatte, nachdem sie schon wieder einen Abgabetermin für eine Hausarbeit verpasst hatte. Leider ließ ihre kleine Schwester das Studium schleifen, was ihrer Mutter das Herz brechen würde, schließlich steckte sie neben hohen Erwartungen auch alle ihre Ersparnisse in Sabrinas Ausbildung.

Eigentlich hatte Claire schon seit ein paar Tagen mit ihrer zwölf Jahre jüngeren Schwester reden wollen, damit sie zur Vernunft kam, und war einerseits froh, dass Sabrina nun von selbst angerufen hatte, da die Zweiundzwanzigjährige alle Klischees von feierwütigen Studenten erfüllte und so gut wie nie in ihrem Studentenheim zu finden war. Andererseits war Claire gerade nicht in der Verfassung, ihrer kleinen Schwester den Kopf zu waschen, da sie sich lieber ein bisschen länger selbst bemitleidet hätte. Sie war gerade in der richtigen Stimmung, um ihr Cello auszupacken und sich mit ein paar komplizierten Musikstücken abzulenken, jedoch dachte sie an ihre Mom, die nicht in der Lage war, sich mit Sabrinas übersprudelndem und unbesonnenem Wesen auseinandersetzen zu können, weswegen sie schließlich in den sauren Apfel beißen musste.

„Mir würde es wesentlich besser gehen, wenn mich dein Tutor nicht ständig anrufen würde, weil du deine Prüfungen schmeißt“, seufzte sie und kraulte Mias Nacken.

„Oh Mann, Claire“, beschwerte sich Sabrina sofort. „Der Mann übertreibt! Du weißt doch, wie es auf dem College ist. Das Semester ist bald vorbei und dann sehe ich alle meine Freunde eine ganze Zeit nicht mehr. Die wenigen Partys ...“

„Entschuldige, Sabrina, aber du bist nie in deinem Wohnheim, wenn ich dich anrufen will, weil du mal wieder auf irgendwelchen Partys bist.“

„Wofür habe ich denn ein Handy?“

Claire ignorierte die belustigte Frage ihrer Schwester und musste sich zusammennehmen, um nicht sofort auszurasten. „Sabrina, du bist auf dem College, damit du einen guten Abschluss machst und einen guten Job bekommst. Du bist nicht dort, um jeden Tag Partys zu feiern.“

„Du stellst mich als total verantwortungslos und blöd dar, Claire. Das ist nicht fair.“

„Das tue ich überhaupt nicht, Schatz“, widersprach sie weich. Auch wenn Sabrina es schaffte, sie auf die Palme zu bringen, liebte sie ihre kleine Schwester sehr. Manchmal kam es ihr so vor, als wäre Sabrina nicht ihre Schwester, sondern ihr eigenes Kind, schließlich war sie mit zwölf Jahren große Schwester geworden und hatte die Kleine gefüttert, gewickelt und im Kinderwagen durch die Gegend geschoben. Sabrina war das absolute Nesthäkchen der Familie und nach dem Tod ihres Vaters von Claire und ihrer Mutter übermäßig umsorgt worden. Da war es eigentlich kein Wunder, dass Sabrina so unbesonnen und manchmal auch gedankenlos handelte.

„Und warum hackst du dann ständig auf mir herum?“

„Ich möchte doch gar nicht auf dir herumhacken.“

„Immer redest du über dieses Thema, Claire!“

„Weil ich mir Sorgen um dich mache“, fahrig strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich möchte doch nur das Beste für dich.“

„Du klingst schon wie Mom. Du warst doch auch auf dem College und hattest deinen Spaß!“

„Natürlich“, sie legte den Kopf zurück und unterdrückte ein kleines Lächeln. Selbstverständlich hatte auch sie viele Partys besucht, während sie studiert hatte, aber im Gegensatz zu Sabrina war sie sich immer bewusst gewesen, dass sie ohne einen Abschluss nicht den Job bekommen würde, den sie sich erträumt hatte, und dass sie ihre Mom enttäuschen würde, die hart gearbeitet hatte, um ihrer Tochter das Studium der Architektur zu ermöglichen. Sabrina dagegen nahm es leider als selbstverständlich an, dass sie studieren durfte, auch wenn das Geld dafür hart erarbeitet worden war – von ihrer Mom.

„Deshalb kapiere ich nicht, weshalb du mich nicht verstehst.“

„Du bist kein Freshman mehr, der das erste Mal von Zuhause weg ist, sondern du bist schon zweiundzwanzig Jahre alt und solltest langsam wissen, was du machen möchtest. Andauernde Partys werden dir sicherlich nicht helfen.“

Es passte zu Sabrinas Naturell, dass sie sich weiterhin sorglos gab. „Mach dir keinen Kopf um mich. Ich finde, man sollte das College nicht so ernst nehmen. Bald weiß ich bestimmt, welchen Job ich einmal machen werde, und du musst dir dann keine Sorgen mehr machen, dass ich dich um Geld anpumpen könnte.“

„Sabrina“, seufzte Claire schwer und verdrehte die Augen.

„Wenn wir schon beim Thema sind“, plapperte sie fröhlich weiter. „Ich habe dich so lange nicht mehr gesehen und würde dich gerne besuchen kommen.“

Da sie sich erst vor wenigen Wochen zu Weihnachten gesehen hatten, konnte Claire nur raten, dass Sabrina mehr daran interessiert war, das New Yorker Nachtleben unsicher zu machen, als dass sie darauf aus war, ihre ältere Schwester zu besuchen. Natürlich war es für sie praktisch, dass ihre ältere Schwester mitten in New York wohnte und sogar ein Gästezimmer hatte. Normalerweise wäre Claire Feuer und Flamme gewesen, ihre kleine Schwester bei sich zu haben, aber momentan war sie selbst nicht besonders gut gelaunt, weshalb sie darauf verzichten konnte, Sabrina bei sich zu haben, die Claires Alltag sicherlich auf den Kopf stellen würde.

Abgesehen davon, dass die Studentin einen Besuch vermutlich nur vorschob, um nicht lernen zu müssen.

Das Ende vom Lied war, dass Claire sich mit angeblichen Geschäftsreisen aus der Affäre zog, Sabrina auf ein anderes Mal vertröstete und sich dazu breitschlagen ließ, ihrer kleinen Schwester dreihundert Dollar für eine neue Snowboardjacke zu überweisen. Nachdem sie die Online-Überweisung getätigt hatte, schlug sie die Beine unter und besuchte die Homepage der Samenbank, von der sie Liv erzählt hatte.

Auch wenn sie sich noch völlig euphorisch gegeben hatte, als sie ihrer besten Freundin davon berichtete, musste sie sich doch jetzt eingestehen, dass es verdammt deprimierend war, auf diese Weise nach dem Vater ihres Babys zu suchen. Stimmproben, Haarfarben, Berufsbezeichnungen oder Schriftproben sagten nun einmal nichts über den Charakter eines Menschen aus. Im Grunde wollte sie sich hier nicht umschauen müssen. Sie wollte einen Mann, mit dem sie eine liebevolle Beziehung führen und Kinder bekommen könnte.

Niedergeschlagen klappte Claire den Laptop zu und ging zu ihrem Cellokoffer, der neben dem Wohnzimmerfenster stand. Während sie den Koffer öffnete und den Bogen in die Hand nahm, dachte sie kurz über ihr Gespräch mit Liv nach. Vielleicht war das Date, das sie vorgeschlagen hatte, ja doch ein Volltreffer.

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

Teddy MacLachlan-Palmer war immer eine zierliche, beinahe jungenhafte Erscheinung gewesen, die mit einer gertenschlanken Figur hatte auffahren können, was man momentan nicht von ihr behaupten konnte. Momentan watschelte sie eher durch die Gegend, falls sie es überhaupt schaffte aufzustehen, und ihre Füße konnte sie schon seit Monaten nicht mehr sehen. Die körperlichen Veränderungen setzten ihr jedoch wenig zu. Viel schlimmer empfand sie die Tatenlosigkeiten während der letzten Schwangerschaftswochen, da sie bereits im Mutterschutz war und zuhause Däumchen drehte.

Anders ausgedrückt: ihr war sterbenslangweilig.

Heimlich ließ sie sich Quartalsberichte, Geschäftsdaten oder andere Unterlagen zuschicken, damit Brian dies nicht bemerkte. Er führte sich ziemlich autoritär auf, seitdem er sie dabei erwischt hatte, wie sie vor lauter Langeweile die Wohnung auf Vordermann hatte bringen wollen und auf eine Leiter gestiegen war, um das Bücherregal abzustauben. Er war völlig ausgerastet und im Gesicht rot angelaufen, was Teddy faszinierend gefunden hatte, da Brian normalerweise nie die Geduld verlor und dermaßen wütend wurde. Ihr war nichts übriggeblieben, als ihm zu versprechen, solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen und sich in der restlichen Schwangerschaft ganz brav zu verhalten. Für ihn hieß dies, dass sie zuhause auf der Couch liegen, stundenlang fernsehen oder schlafen sollte. Für sie jedoch hieß es, dass sie ihren Stellvertreter in der Geschäftsführung der Titans nervte, ihn ständig anrief, auf der Couch alle Berichte durchging und von zuhause aus Telefonate mit Geschäftskunden führte, sobald Brian die Wohnung verließ.

Teddy fand, dass er es mit seinen Sorgen ziemlich übertrieb, schließlich war sie eine junge, aktive Frau mit einer geradezu mustergültigen Schwangerschaft, die noch lange nicht in den Mutterschutz, sondern an ihren Schreibtisch gehörte. Die Babys sollten erst in vier Wochen geboren werden und in der noch verbleibenden Zeit hätte sie viel Arbeit erledigen können, die jetzt ihr Stellvertreter übernehmen musste. Auch wenn es peinlich war, dies eingestehen zu müssen, war sich Teddy klar, dass sie ein Kontrollfreak war. Es war ihr entsetzlich schwergefallen, das Zepter aus der Hand zu geben, aber Brian hatte nicht nur sie, sondern die komplette Verwaltungsebene der Titans durch seine ständige Sorge wahnsinnig gemacht. Daher hatte sie es für besser gehalten, ihren Mutterschutz anzutreten, bevor ihre Mitarbeiter in den Streik traten, weil der übernervöse Quarterback und Kapitän des Teams ihnen das Leben erschwerte. Glücklicherweise hatte sich ein perfekter Stellvertreter gefunden, dem sie bedingungslos vertrauen konnte – immerhin lag ihm der Verein nicht weniger am Herzen als ihr.

Mitch Cahill war der perfekte Kandidat für den Posten des General Managers gewesen. Er hatte nicht nur selbst viele Jahre bei den Titans gespielt und war vor Brian der Quarterback und Kapitän gewesen, sondern besaß das Vertrauen des gesamten Vereins. Teddy wusste, dass sie sich zu einhundert Prozent auf ihn verlassen konnte. Das Betriebswirtschaftsstudium und die Branchenerfahrung innerhalb der NFL hatten ihr die Entscheidung nicht schwer gemacht. Sogar ihre Mutter, die manchmal zu kritisch war, was Teddys Entscheidungen betraf, war von Anfang an begeistert von dieser Idee gewesen. Zwar schienen alle total begeistert darüber zu sein, dass Mitch wieder im Verein arbeitete – auch wenn es außerhalb des Feldes war –, Teddy musste jedoch gestehen, dass das Nichtstun verdammt frustrierend war.

Die Langeweile der letzten Zeit ließ sie mittlerweile ziemlich zickig werden, weswegen Brian heute nicht protestiert hatte, als sie entschieden hatte, den Superbowl zusammen mit Liv, Julian und einigen anderen Spielern bei den Scotts zu schauen. In ihrer Wohnung wäre sie sonst noch die Wände hochgegangen und dank Brians Gesundheitswahn, den er während ihrer Schwangerschaft entwickelt hatte, war sie die Befürchtung nicht losgeworden, ihren liebsten Tag des Jahres mit Karotten und Selleriesnacks fristen zu müssen. Sie brauchte Fleisch! Frittiertes Fleisch! Am liebsten mit scharfen Dips und salzigen Crackern.

Glücklicherweise konnte man sich bei Liv darauf verlassen, dass sie zu solch besonderen Anlässen das Essen irgendwo besorgen und nicht selbst kochen würde. Daher saß Teddy relativ vergnügt auf der Couch im Hause Scott, hatte einen Teller auf ihrem riesigen Bauch abgestellt und futterte herrliche Chicken-Wings, die mit würziger Sauce bedeckt waren. Die Blicke ihres Mannes, die zwischen Sorge, Missbilligung und Belustigung schwankten, ignorierte sie und starrte entzückt in den Fernseher, wo gerade eine Berichterstattung des letzten Superbowls lief, den die Titans gewonnen hatten. Leider hatten sie es in dieser Saison nicht in die Playoffs geschafft. Trotz allem sportlichen Ehrgeiz sagte sich Teddy, dass sie insgeheim froh darüber war, denn ein Finale in ihrem jetzigen Zustand zu ertragen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Der Stress hätte sie vermutlich ins Irrenhaus gebracht.

Da ihr Rücken wie verrückt schmerzte, zog sie sich unter Mühen in eine halbwegs aufrechte Position und drückte dem Runningback Blake, der neben ihr auf der Couch saß, den leeren Teller in die Hand.

„Hol mir bitte ein paar frittierte Bruststücke und Chicken-Wings. Und vergiss den Coleslaw nicht.“

„Meinst du nicht, dass du genug hattest?“

Sie würdigte ihn keines Blickes, sondern erklärte mit überraschend geduldiger Stimme, während sie die Sportsendung verfolgte: „Ich unterschreibe deine Gehaltsschecks, also beweg deinen faulen Hintern in die Küche. Wie du siehst, fällt es mir etwas schwer, mir mein Essen selbst zu besorgen.“

„Teddy, Schatz“, Brian kam mit einer Flasche Bier in der Hand aus der Küche und schaute sie besorgt an. „Willst du nicht eine Pause einlegen? Wie wäre es mit einem Glas Tee?“

Sie kniff ihre Augen zusammen und musterte ihn grantig. Er hatte gut reden, schließlich sah er nicht wie ein wandelndes Walross aus und konnte sich auch problemlos die Schuhe zubinden, was sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr konnte. Natürlich liebte sie ihre Babys, aber ihre eigene Unförmigkeit, ihre Unbeholfenheit und ihre Unberechenbarkeit liebte sie ganz und gar nicht. Beim letzten Wiegen hatte sie dreißig Kilogramm zugenommen, obwohl es sich für sie anfühlte, als wären es mindestens einhundert, während Brian noch immer wie ein strahlender Gott aussah und sich kein bisschen verändert hatte.

Das war einfach nicht fair! Es war auch nicht fair, dass er ihr nun das Essen verbieten wollte – nicht, nachdem sie wegen seines Gesundheitsfimmels monatelang grüne Smoothies und Quinoa als Frittenersatz hatte hinunterwürgen müssen. Sie war Chefin eines supererfolgreichen Footballteams und hatte ihre eigenen Spieler bestechen müssen, damit sie ihr ein Stück Pizza abgaben, wenn Brian nicht zugesehen hatte! Irgendwann platzte auch ihr Geduldsfaden.

Verdammt! Es war der Superbowl – sie wollte Chicken-Wings!

Gerade als sie ihn böse anfunkelte, kam Claire mit Brianna auf der Hüfte ins Wohnzimmer geschlendert, verdrehte mit einem tiefen Seufzer ihre dunkelblauen Augen und schaute Brian kritisch an.

Wie immer sah sie wie aus dem Ei gepellt aus, trug ihr wundervolles rotes Haar zu einem welligen Bob und hatte sich trotz des zwanglosen Treffens für ein tailliertes Blusenkleid entschieden, das ihre bombastische Figur hervorhob. Teddy hatte Claire noch nie mit strähnigen Haaren, einem Pickel oder gar mit Augenringen erlebt. Die Ex-Freundin ihres Mannes war immer topgepflegt, modisch gekleidet und kam dennoch nicht auf die Idee, sich wie eine Zicke zu benehmen. Tatsächlich mochte Teddy die rothaarige Schönheit, auch wenn sie zugeben musste, dass sie anfangs kritisch beobachtet hatte, wie Brian auf Claire reagierte, wenn die beiden aufeinandertrafen. Es hatte weniger mit Eifersucht zu tun gehabt, weil sie wusste, dass Brian sie liebte, aber da Claire nun einmal wie der wandelnde Traum eines jeden Mannes aussah und Teddy eher durch ihre Exzentrik sowie einen flachen Busen auffiel, war sie nervös gewesen. Erleichtert hatte sie sehr schnell festgestellt, dass ihre Sorgen völlig überflüssig gewesen waren. Die beiden waren befreundet und mochten sich, mehr steckte nicht dahinter. Mittlerweile konnte Teddy entspannt zusehen, wie Brian und Claire plauderten, oder sich mit Claire auf einen Kaffee treffen.

„Wozu soll sie einen Tee trinken? Du trinkst doch auch keinen, Brian!“

„Danke, Claire“, Teddy lächelte ihr dankbar zu und erntete ein Zwinkern der rothaarigen Sirene, die Brianna hinunterließ und Blake einen auffordernden Blick schenkte.

„Jetzt besorg ihr endlich die Chicken-Wings, Blake!“

Dieser murrte zwar, nahm Teddy jedoch den Teller ab und verschwand in der Küche.

„Ich will doch nur nicht, dass sie sich mit so viel fettigem Zeug vollstopft“, protestierte Brian aufgebracht.

„Du wirst deiner Frau wohl genügend Intelligenz zugestehen müssen, dass sie das selbst entscheiden kann“, schnaubte Claire und setzte sich neben Teddy.

„Das meine ich auch“, sie sah ihn böse an. „Du musst nicht über mich sprechen, als wäre ich gar nicht da. Wie du es vielleicht bemerkt haben solltest, sitze ich direkt hier!“

„Wie soll ich das bitte schön nicht bemerken, immerhin schmatzt du wie eine Horde Ferkel!“

„Eine was?!“ Teddy hatte das Gefühl, jeden Moment vor Wut zu explodieren, doch ihr Göttergatte grinste einfach breit und nahm einen Schluck Bier, während er sie lässig musterte. Da sie wusste, dass Liv rote Saucenflecken auf ihrer strahlend weißen Wand nicht tolerieren würde, beherrschte sie sich und warf ihm das kleine Schälchen nicht hochkant an den Kopf. Stattdessen rückte sie den zeltartigen Pulli über ihrem Bauch zurecht.

„Charmant wie immer“, urteilte auch Claire neben ihr.

„Unglaublich charmant“, ächzte Teddy und funkelte ihn wütend an. „Kannst du dich vielleicht mal entscheiden, Brian? In den ersten Monaten wolltest du, dass ich so viel wie möglich esse, und jetzt beschwerst du dich, wenn ich Hunger habe!“

„Okay, okay ... ich halte ja schon die Klappe.“

Stöhnend stellte er seine Flasche beiseite, bevor er aus seinem Pulli schlüpfte und diesen über die Sofalehne legte.

Da es draußen verdammt kalt war, hatte Julian den Kamin angeworfen und auch die Heizung hochgestellt, immerhin lebte ein Säugling im Haus, der gerade von seiner Mom gefüttert wurde, doch für alle anderen war es übermäßig heiß in den unteren Räumen. Auch Teddy merkte, wie warm ihr in dem überdimensionalen Pulli und der riesigen Latzhose geworden war. Sie beneidete Brian um die Mühelosigkeit, mit der er aus dem Pulli geschlüpft war, während sie Hilfe brauchen würde, aus den Klamotten zu kommen.

Teddy nagte auf ihrer Unterlippe herum und betrachtete ihren Mann, der in seinen engen Jeans und dem verwaschenen T-Shirt absolut hinreißend aussah. Sie schluckte kurz und verfluchte ihn innerlich, weil er sie so unglaublich scharf machte. Es war ja schon peinlich, da sie eigentlich gedacht hätte, dass eine hochschwangere Frau mit dem Umfang eines Nilpferdes, die in wenigen Wochen zwei Babys bekommen würde, andere Gedanken hegen würde, als den ständigen Wunsch, ihrem Mann die Klamotten vom Leib zu reißen und sich nackt auf ihn zu werfen. Doch leider drehten sich Teddys Gedanken nur noch ums Essen und um Sex mit Brian.

Seit einiger Zeit besuchten sie einen Geburtsvorbereitungskurs, bei dem sich Teddy mit anderen werdenden Müttern austauschte. Die meisten Frauen erzählten, dass sie sich wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr vor ihren Männern auszogen und auch keinen Sex mit ihnen haben wollten, weil sie sich für ihre Körper schämten. Das konnte Teddy wirklich nicht von sich behaupten. Sie hatte sich nie für ihren Körper geschämt und tat es auch jetzt nicht – ganz im Gegenteil. Auch hätte sie nicht behaupten können, dass sie Brian mit ihrem schwangeren Körper abstieß, schließlich konnte er kaum seine Finger von ihr lassen und war noch schlimmer als sie, was seine ständige Lust auf Sex betraf.

Da sie ihn unentwegt anstarrte, drehte er den Kopf in ihre Richtung und schaute sie fragend aus seinen blauen Augen an. Angesichts ihrer roten Wangen schien er sofort ihre Gedanken lesen zu können und schenkte ihr ein schmutziges Lächeln, das ihr ein übermäßiges Kribbeln im Magen verursachte. Er wusste allzu gut, wie heiß sie ihn fand, wenn er sie mit funkelnden Augen ansah und ihr ein solches Grinsen schenkte.

Glücklicherweise unterbrach Claire ihre wortlose Kommunikation, bevor Teddy noch auf die Idee kommen könnte, sich tierisch zu blamieren, indem sie sich einfach auf ihren Mann warf. Nichts war schlimmer als unberechenbare Schwangerschaftshormone!

„Außerdem isst sie für drei“, wies Claire ihn auf das Offensichtliche hin.

„Das ist Schwachsinn“, schnaubte Brian und fuhr sich aufgebracht durch sein schwarzes Haar. „Unser Arzt hat gesagt, dass das ein Ammenmärchen ist. Sie soll ganz normal essen ...“

„Ich dachte, du wolltest die Klappe halten“, fuhr Teddy ihn an.

Claire neben ihr gluckste amüsiert und schlug ihre schlanken Beine übereinander, was Blake, der gerade aus der Küche kam, dazu bewog, Stielaugen zu bekommen und prompt über Livs neuen Teppich zu stolpern. Glücklicherweise verfügte er als Footballspieler über grandiose Reflexe und fing sich sofort wieder. Es war auch besser für ihn, entschied Teddy, da sie ihn sicherlich geboxt hätte, wenn er ihre Chicken-Wings auf den Boden hätte fallen lassen. Teppich hin oder her.

„Für jemanden, der sich regelmäßig mit dem widerlichsten Junkfood vollgestopft hat, verteilst du ja geradezu mustergültige Ernährungstipps, mein Lieber. Das nenne ich mal Doppelmoral.“ Claire schenkte Brian einen amüsierten Blick.

Teddy schnappte sich den Teller aus Blakes Händen und griff nach einem Chicken-Wing, in den sie herzhaft hineinbiss. „Brian gebärdet sich mittlerweile fanatisch“, empörte sie sich schmatzend. „Er macht sogar Saft aus Roter Beete und zwingt mich dazu, dieses Zeug zu trinken. Außerdem verbietet er mir Gummibärchen und hat sich ungefähr zwanzig Bücher über gesunde Ernährung gekauft, mit denen er mir auf den Geist geht.“