Urologie für Anfänger - Peter Waldbauer - E-Book
Beschreibung

Patrick Wagner, ein 45-jähriger Wirtschaftslehrer, erlebt skurrile Abenteuer in der urologischen Ambulanz. Er muss sich mit körperlichen wie geistigen Problemen herumschlagen. Warum treibt ein kastaniengroßes Organ Männer in den Wahnsinn? Bedeutet Blut im Urin das Ende aller Tage? Was haben Blasenbeschwerden mit Mathe zu tun? Weshalb wird nach dem Katheterziehen die Differentialrechnung angewandt und wieso ist es hilfreich, während des Pinkelns die erste Ableitung zu bilden? Vor allem aber: welche Nachteile hat es, wenn man den Anordnungen der Schwester uneingeschränkt folgt? Darüberhinaus setzt sich Wagner mit dem Zustand in deutschen Notaufnahmen auseinander, mit der Arbeitsbelastung von Ärzten und Schwestern, mit der Rolle des Arztes in der Gesellschaft, mit dem richtigen Arzt-Patienten-Verhältnis, mit der Frage: gesetzlich oder privat versichert?, mit krankheitsverhütender Ernährung und Lebensweise sowie mit dem Thema Früherkennung. Er sinniert über die Vor- und Nachteile einer hightechbasierten Apparatemedizin und befürchtet, dass das klassische Anamnesegespräch zu kurz kommt. Er stöhnt über die juristisch perfekt ausgefeilten Aufklärungsbögen und erfährt die positiven Auswirkungen einer gelungen Integrationspoltik am eigenen Leib, da er mit deutsch-türkischen Medizinern die besten Erfahrungen macht.

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Seitenzahl:238

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Peter Waldbauer

Urologie für Anfänger

© 2018 AAVAA Verlag

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2018

Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag

Coverbild: Kidney line icon. ©VIGE.co / Fotolia, Datei: #98059558

Printed in Germany

Taschenbuch:  ISBN 978-3-8459-2694-0

Großdruck:   ISBN 978-3-8459-2695-7

eBook epub:   ISBN 978-3-8459-2696-4

eBook PDF:   ISBN 978-3-8459-2697-1

Sonderdruck  Mini-Buch ohne ISBN

AAVAA Verlag, Hohen Neuendorf, bei Berlin

www.aavaa-verlag.com

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Personenübersicht

Patrick Wagner

Patient, Lehrer am Wirtschaftsgymnasium Martinstett

Sandra Wagner

Seine Frau, Empfangsdame in einem Hotel

Curt Wagner

Sein Vater, Versicherungsmathematiker

Marlene Wagner

Seine Mutter

Ralph

Psychiater, Schulfreund von Patrick Wagner

Frau Dr. med. Gabriele Anmuth

Fachärztin für Allgemeinmedizin in Martinstett, Hausärztin von Patrick Wagner

Prof. Dr. med. Klaus Weinzierl

Chefarzt der Urologie in der Universitätsklinik Bromtal

Dr. med. Baran Kaya

Oberarzt der Urologie

Dr. med. Syagin Karabulut

Assistenzarzt der Urologie im 5. Jahr

Dr. med. Ahmet Öser

Assistenzarzt der Urologie im 4. Jahr

Dr. med. Dimitrij Oblomov

Assistenzarzt der Urologie im 3. Jahr

Dr. med. Boris Nikolov

Assistenzarzt der Urologie im 3. Jahr

Dr. med. Katja Untersinger

Assistenzarztin der Urologie im 2. Jahr

Heike Lutz

Pflegeleiterin der urologischen Ambulanz Bromtal

Julius Reuter

Fachkrankenpfleger der urologischen Ambulanz Bromtal

Schwester Monika

Urologische Tagesklinik Bromtal

Dr. med. Florian Rosenfeld

Niedergelassener Urologe in Bromtal

Dr. med. Stephan Henninger

Urologe in Biberlingen

Dr. med. Andreas Theisen

Facharzt für Anästhesie, Leiter eines ambulanten Operationszentrums in Biberlingen

Professor Dr. med. Martin Schreiner

Chefarzt der Unfallchirurgie in Frauenburg

Dr. med. Olaf Kübler

Oberarzt der Unfallchirurgie

Schwester Susi

In der Notaufnahme I

Mein Name ist Patrick Wagner. Ich bin Lehrer an einem Wirtschaftsgymnasium für BWL und Mathe, aber eigentlich wollte ich Ihnen erzählen, was mir letzten Mai in der Urologie passiert ist. Alles fing damit an, dass ich wie jeden Tag meine Joggingrunde drehte. Lehrer sind lebenslang verurteilte Schreibtischtäter. Als Kopfarbeiter brauche ich viel Bewegung zum Ausgleich meiner geistig anstrengenden Tätigkeit. Vor der Klasse referieren, Unterricht vorbereiten, Arbeiten korrigieren, Diskussionen, Sprechstunden und Elternabende, Konferenzen - schon nach vier Stunden Schule raucht einem der Kopf. Auch privat bin ich ein leidenschaftlicher Leser, halte mich über viele interessante Themen auf dem Laufenden und verschlinge jede Woche eine Wagonladung Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Deshalb steht bei mir täglich Laufen auf dem Programm. Meist komme ich erst in den frühen Abendstunden dazu. Ich laufe ganz moderat, ohne falschen Ehrgeiz und Leistungsdruck. Um ein intellektuelles Leben zu führen, braucht man keinen athletischen Körper. Mir geht es darum, den Kreislauf in Schwung zu bringen, mich wohl zu fühlen, mein Gehirn zu durchbluten. Auch Schachgroßmeister joggen vor ihren Partien. Nach einem ausgiebigen Waldlauf sind meine Gedanken sortiert und das Denken fällt leichter. Auch das Sprachzentrum im Gehirn ist angeregt, das Sprechen flüssiger. Selbst Routineaufgaben gehen flotter von der Hand. Ich fühle mich angenehm entkrampft.

Ich joggte also auf meiner Strecke im nahegelegenen Wald und hatte gerade hundert Meter zurückgelegt, als ich plötzlich einen Krampf im Unterleib spürte, ein heftiges Ziehen in der Blasengegend und gleich darauf einen starken Harndrang. Was sollte das jetzt? Ich war doch zuvor auf der Toilette gewesen. Das war Routine vor jedem Joggen. Mit gefüllter Blase läuft es sich schlecht, der Harndrang wird durch die Bewegung potenziert. Keine zehn Minuten war das erst her und doch drückte es dort unten schon wieder – nein, es brannte sogar! Ich hielt notgedrungen am Wegrand, zog meine Sporthose herunter und ließ Wasser. Da ich kurze Sportkleidung trug, gelang mir die Befreiung rasch, trotzdem konnte ich es kaum erwarten. Es kam tatsächlich etwas Urin, aber nicht viel; nichts, was den starken Druck gerechtfertigt hätte. Während des Pinkelns spürte ich ein fast lustvolles Zucken und zugleich ein scharfes Brennen. Danach wurde es besser. Puh, geschafft! Mir war unerklärlich, was da gerade vor sich ging. Nun gut, ich zog meine Hose hoch und trabte weiter. Während ich noch darüber nachdachte, was die Ursache meines merkwürdigen Erlebnisses sein könnte, spürte ich kurz darauf schon wieder Zuckungen im Unterleib. Das durfte ja wohl nicht wahr sein! Ich würde jetzt die Zähne zusammenbeißen und weiterlaufen. Ich hatte nicht vor, mich vom Joggen abbringen zu lassen. Ich würde das Aufmucken meines Körpers, das so unpassend kam, einfach ignorieren. Wir würden ja sehen, wer hier der Stärkere war. Verbissen lief ich trotz der Krämpfe weiter. Schon nach 200 Metern stand ich erneut am Wegrand. Die Schmerzen waren nicht auszuhalten. Dasselbe Spiel wie zuvor: unter Ziehen und Brennen kam wenig Urin. So wenig, dass es eigentlich keinen Toilettengang rechtfertigte. Und die Zuckungen während des Wasserlassens erinnerten mich an... nein, das konnte nicht sein, doch... sie erinnerten mich an einen - Orgasmus. Nur waren sie schwächer und schmerzhaft. Komisch. Ich schnaufte tief durch und lief erneut los. Nach weiteren 300 Metern hielt ich wieder an. Die Abstände wurden größer, immerhin. Der Mensch gewöhnt sich an alles. Eins war klar: ein langer Lauf würde das heute nicht werden. Ich konnte froh sein, wenn ich wenigstens eine Minimalstrecke schaffte, vielleicht ein, zwei Kilometer. Besser als nichts. In meinem Zustand war nicht mehr möglich, das sah ich jetzt ein. Ich musste noch weitere Male anhalten und jeweils winzige Mengen Urin lassen. Durch die vielen Unterbrechungen kam natürlich kein richtiges Laufen zustande. Einen Wohlfühleffekt würde ich heute kaum spüren. Der Lauf würde kaum mehr sein als der Tropfen auf den heißen Stein. Mittlerweile war ich überzeugt, eine Blasenentzündung zu haben. Nach meinem fundierten Laienwissen deutete alles daraufhin. Sobald ich zuhause war, würde ich die Symptome googlen. Blasenentzündungen sind ja eigentlich harmlos. Keine schlimme Sache, auch wenn`s höllisch weh tut. Man schluckt ein paar Tage lang Antibiotikum, muss viel trinken und das war´s dann mit den Bakterien.

In meiner Erwartung an den heutigen Abend sehr ernüchtert, kehrte ich in unsere Altbauwohnung zurück, streifte die kaum verschwitzten Sportsachen ab und hüllte mich in meinen dicken Frotteebademantel. Bevor ich duschen ging, saß ich am PC und googelte das Thema „Blasenentzündung“. Eindeutig! Da stand es. Die typischen Symptome trafen auf mich zu. Brennen beim Wasserlassen – hatte ich! Schmerzhafte Krämpfe im Unterbauch – hatte ich auch! Häufiger Harndrang, wobei nur wenig Urin ausgeschieden wird... Bingo!

So lief das heute in den modernen Zeiten des Internets. Selbstdiagnose für Nichtmediziner in fünf Minuten. Wunderbar. Wie sagen die Theoretiker? Ein gut dargestelltes Problem ist bereits halb gelöst. Wer weiß, was er hat, fühlt sich gleich besser. Auch während meiner PC-Recherche war ich zwischendurch immer wieder zur Toilette gerannt. Die Blasenkrämpfe waren zu stark. Über Nacht konnte ich dies nicht aushalten, an Schlaf wäre kaum zu denken. Ich brauchte dringend ein Antibiotikum. Mittlerweile war es 21 Uhr. Wer konnte das jetzt verschreiben? Alle Praxen waren geschlossen. Der Notdienst musste her. Das örtliche Krankenhaus hier in Martinstett besaß keine urologische Abteilung, das wusste ich von früheren Besuchen. Ich musste also in die nahegelegene Uniklinik nach Bromtal. An einem Samstagabend! Na, die würden sich freuen. Egal, es ging nichts anders. Ich bin so veranlagt, die Dinge gründlich anzugehen, nichts aufzuschieben, besser gleich als später. Keine Halbheiten, Nägel mit Köpfen. Meine Frau Sandra arbeitete als Empfangsdame in einem Hotel und hatte heute Abend zum Glück frei. Sie konnte mich zur Sicherheit begleiten. Fahren würde ich allerdings selbst, das ging schneller.

Wir rasten zur Uniklinik Bromtal. Bisher war ich erst einmal dort gewesen, ebenfalls als Notfall. Aber es war eine harmlose Sache gewesen. Ich hatte zuhause auf der Couch gesessen und mir nach dem Lesen ausgiebig die Augen gerieben, so dass eine Wimper abgerissen war und sich im Auge verfangen hatte. Danach bekam ich sie nicht mehr heraus, egal in welche Richtung ich rieb. Auch mit einem Klinextuch die Hornhaut in Richtung Tränenkanal abzustreifen, half nicht. Die Wimper im Auge fühlte sich an wie ein Sperrbalken. Nach über einer Stunde hatte ich die Geduld verloren und war mit zugekniffenem Auge in die Augenklinik nach Bromtal gefahren. Es war an einem Sonntagabend gewesen. In der Notaufnahme saßen schon ein paar Patienten, aber zu deren und meinem Erstaunen kam ich direkt dran. Eine junge Ärztin setzte mich vor das Mikroskop, tröpfelte mir etwas ins Auge, strich kurz darüber und schon war ich von dem Balken befreit. Meine Dankbarkeit war grenzenlos. Die Behandlung war zügig verlaufen und hatte direkt zum Erfolg geführt. Seitdem war ich Fan der Bromtaler Uniklinik.

Jetzt im Auto gingen die Blasenkrämpfe munter weiter. Ich entschloss mich, nicht über die Landstraße zu fahren, sondern für die kurze Strecke von zehn Kilometern die Autobahn zu nehmen. Kurz vor der Stadtausfahrt wurde ich geblitzt. Ich wusste zwar, dass dort eine stationäre Anlage installiert war, hatte dies in der Aufregung aber vergessen. Zwei Kilometer weiter nahm ich die falsche Autobahnauffahrt, weil ich mich vor Schmerzen kaum konzentrieren konnte und wir rasten in die entgegengesetzte Richtung. Oh nein, jetzt musste ich fünfzehn Kilometer bis zur nächsten Ausfahrt weiter fahren und konnte erst dann auf die Gegenspur wechseln. Die Situation machte mich wahnsinnig. Nach einem Kilometer hielt ich die Blasenkrämpfe nicht mehr aus und lenkte seitlich raus auf einen Autobahnparkplatz. Im Dunkeln riss ich mir die Kleider herunter, um schnell ein paar Tropen Urin abzulassen. Ich stand auf dem Parkplatz, während Sandra im Wagen sitzen blieb. Es gab keine Begrenzung durch Bäume oder Schutzwände, ich blickte auf freies Feld. Der Nachtwind blies so heftig, dass die Urinladung auf meinen Hosenbeinen landete. Schnell stieg ich wieder ins Auto und wir fuhren zur nächsten Abfahrt. Dort bog ich ab, zuckelte über die Autobahnbrücke und war froh, als ich auf der anderen Seite endlich die Auffahrt in die Gegenrichtung geschafft hatte. Danach konnten wir, glaube ich, ohne weitere Unterbrechung bis nach Bromtal durchfahren. Die Stadt selbst ist ein Nadelöhr, aber die Uniklinik liegt gottseidank außerhalb und ist mit dem Auto gut zu erreichen. Die Parkplätze vor dem Areal waren zu dieser Stunde verwaist. Ich parkte vor der Einlassschranke irgendwo im Halteverbot, um keine Zeit mit Ticketziehen zu vergeuden. Jetzt mussten wir nur noch die hundert Meter zum Klinikgebäude zurücklegen, das sich gleich am Anfang des Geländes befand. Dann hatte ich es geschafft. Ich lief im Eilschritt voraus. Sandra kam kaum nach.

Der Nachteingang für Notfallpatienten befand sich an der Rückseite des Gebäudes. Wir liefen an Rettungswagen vorbei und betraten eine kleine Halle im Erdgeschoss. Links ging es zum Schockraum, rechts zum OP-Trakt. Das waren ja gute Aussichten. Wir schritten geradeaus zur Anmeldung. In einem kleinen Raum saß hinter Glasscheiben eine adrett gekleidete schwarzhaarige Frau, etwa um die dreißig und las in einem Buch. Trotz meiner Schmerzen registrierte ich dies wohlwollend. Menschen, die Bücher lesen, sind mir per se sympathisch. Wer liest denn heute noch? Von meinen Schülern kaum jemand. Als die Schwarzhaarige uns sah, legte sie ihr Buch zur Seite. Ich hatte sofort ihre Aufmerksamkeit.

„Ich habe ganz starke Krämpfe im Unterleib... wahrscheinlich eine Blasenentzündung...“, stöhnte ich. Sie ließ mich ein Formular ausfüllen und die Krankenkassenkarte zücken. Währenddessen griff sie zum Telefon und meldete mein Kommen an. Dass sie den Weg sofort für mich frei räumte, machte sie mir erneut sympathisch. Dann beschrieb sie uns, wo wir hingehen mussten: einmal um die Ecke, hoch in den ersten Stock, wieder um eine Ecke, den Gang entlang, einmal links herum bis zur... Wegen der Schmerzen schaltete ich schon bald ab - wir würden es finden, egal wie. Sandra und ich wandten uns in Richtung Aufzug. Ich war jetzt etwas beruhigter, gleich würde sich jemand um mich kümmern. Im ersten Stock schlürfte ich mit zusammengebissenen Zähnen den Gang entlang, als ich erfreut eine Tür mit Toilettenschild erblickte. Ich stürzte hinein und erleichterte mich. Der wohltuende Effekt würde ein paar Minuten anhalten. Als ich aus der Toilette kam, öffnete sich schräg gegenüber eine große Schiebetür und eine blütenweiß gekleidete Frau mit Rubensfigur, dem Schönheitsideal früherer Jahrhunderte, trat aus dem Untersuchungsraum. Sie war Mitte zwanzig und trug ihre langen Haare zu einem Zopf geflochten. Es war die diensthabende Schwester. Sie erfasste die Lage sofort.

„Sie waren jetzt aber nicht auf der Toilette, oder??“. Doch Schwester, das war ich.

„Ich brauche nämlich etwas Urin von Ihnen“, sagte sie und hielt mir den leeren Plastikbecher direkt vor die Nase.

„Kein Problem, ich muss ohnehin gleich wieder. Notfalls helfe ich durch Trinken nach“, brüstete ich mich und nahm ihr den Becher ab. Ich war dankbar, dass sich bereits jemand mit mir befasste. Die Schwester zeigte sich zufrieden.

„Sie können ihn dann in der Toilette mit der Durchreiche abstellen“, sagte sie und deutete nach hinten in den Gang. Zuversichtlich, nun am richtigen Platz zu sein, ließen Sandra und ich uns auf den Hartschalensitzen in der Ambulanz nieder. Sonst war niemand hier. Ich würde gleich aufgerufen werden und blickte mich um. Da stand ein kleiner Tisch mit Wasserflaschen und Plastikbechern. In der Urologie musste offenbar viel getrunken werden. Ich stand auf und goss mir einen Becher Mineralwasser ein, den ich in einem Zug austrank. An eine Urinabgabe hatte ich in der Aufregung überhaupt nicht gedacht. Mir war wichtiger, dass ich meine Schmerzen los wurde. Aber das war kein Problem. Es würde nicht lange dauern, bis ich wieder musste. Die Toilette befand sich direkt nebenan. Nach fünf Minuten ging ich hinein, presste etwas Urin heraus und stellte den Becker mit der Ladung in die Durchreiche. Als ich die Tür von außen schloss, hörte ich, wie bereits der Schieber an der hinteren Wand aufgezogen wurde. Man würde nun den Inhalt des Bechers im Labor untersuchen und die Bakterien feststellen. Während Sandra ruhig auf ihrem Platz saß, tigerte ich im Warteraum nervös hin und her. An der Wand hing eine Bildtafel mit Namen und Funktionen der Mitarbeiter, hauptsächlich Ärzten, auch ein paar Pfleger und Pflegerinnen waren darunter. Aha, eine moderne Klinik, die Wert legte auf ein individuelles Auftreten gegenüber den Patienten. Sehr lobenswert. Hier waren wir richtig. Während mir durch den Kopf ging, welchen Aufwand es für die Verwaltung bedeutete, die Mitarbeitertafel trotz Personalfluktuation auf dem neuesten Stand zu halten, wurde ich aufgerufen. Eine der Türen zu den Untersuchungsräumen öffnete sich und eine junge Ärztin trat heraus. Ihre blonden Haare hingen lange herunter. In abgewandter Körperhaltung forderte sie mich auf, einzutreten. Ich wunderte mich zwar über ihren schneidigen Ton, sprang aber schnell zu ihr hin und betrat einen kleinen Raum. Sie ließ mich schildern, was passiert war (Joggen, Blasenkrämpfe, Harndrang) und untersuchte mich per Ultraschall. Als sie fertig war, erwartete ich, dass sie mir berichtete; dass sie mir sagte, was ich hatte. Im Labor hatten sie meinen Urin bestimmt schon untersucht. Ich wartete auf das Wort „Blasenentzündung“, doch es fiel nicht. Stattdessen nahm sie mich ins Kreuzverhör.

„Müssen Sie oft auf die Toilette?“

„Haben Sie einen starken Harnstrahl?“

„Können Sie nachts durchschlafen?“

Da ich noch immer heftige Krämpfe spürte, konnte ich mich auf die Antworten kaum konzentrieren. Plötzlich merkte ich: Hä? Was will die denn jetzt? Die fragt mich ja die Symptome eines Adenoms ab, einer gutartigen Prostatavergrößerung. Die war auf dem völlig falschen Dampfer. Frau Doktor, so alt bin ich noch nicht! Ich bin erst 45. Das, wonach sie fragte, ist eine Altmännerkrankheit. Die Kenntnis der Symptome, die sie aufgezählt hatte, gehört zur Allgemeinbildung. Auch wenn das Prostataadenom schon im mittleren Alter beginnen kann, das Thema betrifft eher Sechzig-, Siebzigjährige - nicht mich.

„Eine Blasenentzündung haben Sie aber nicht.“, sagte die Frau in Weiß.

War das eine Frage?

„Keine Ahnung... ich weiß nicht...deshalb bin ich ja hier...“

„Nein, haben Sie nicht!“, betonte sie.

Ach so, sie wusste es schon. Jetzt dämmerte mir: sie kannte das Ergebnis des Urintests längst, hatte mir den Befund aber vorenthalten, mich im Ungewissen gelassen, erst einmal verhört und rückte jetzt, weil ihre Fragerei zu nichts geführt hatte, mit ihrem Herrschaftswissen heraus. Deshalb der Symptomenkatalog. Sie erwog weitere Möglichkeiten, was es sein konnte. Dabei schoss sie jedoch ins Blaue. Wenn der schmerzhafte Harndrang aufgrund der fehlenden Bakterien nicht durch eine Blasenentzündung verursacht wurde, dann vielleicht durch ein Prostataadenom, dachte sie wohl. Doch wenn ich die Altmännerkrankheit gehabt hätte, hätte ich das selbst gemerkt. Ich war nicht so blöd, dass ich mich samstagabends in der Notaufnahme vorstellte, weil ich seit Wochen oder Monaten unter den von ihr genannten Symptomen litt. Ein Prostataadenom kommt nicht über Nacht, sondern allmählich. Prostatavergrößerung – sie hatte offenbar nur diese eine Möglichkeit auf ihrem Radar, um die Herkunft meiner Schmerzen zu erklären. Ich fand das ein bisschen engstirnig.

„Keine Blasenentzündung, ja was denn dann?“, stammelte ich.

„Keine Ahnung, aber Bakterien sind keine nachweisbar und der Test ist sehr sensibel“, betonte sie.

Sehr sensibel - so wie ich. „Keine Ahnung“ hatte sie gesagt, da hatten wir`s. Mein Verdacht war bestätigt. Na wunderbar. Sie klang auch ziemlich desinteressiert.

Lag es vielleicht daran, dass ich in der Eile und wegen der geringen Menge den Urin falsch abgegeben hatte? Ich wusste von früheren Arztbesuchen, dass man immer den Mittelstrahlurin abgeben soll. Man lässt erst etwas Urin aus der Blase, um die Bakterien der Harnröhre herauszuspülen, dann erst gibt man die eigentliche Urinprobe ab, den Rest lässt man wieder in die Toilette laufen. Ich aber hatte Erststrahlurin abgegeben, aus dem Penis direkt in den Plastikbecher, sonst hätte der Urin für eine Probe gar nicht gereicht.

„Liegt es vielleicht daran, dass ich keinen Mittelstrahlurin abgegeben habe?“, versuchte ich es erneut, weil ich mir nicht vorstellen konnte, keine Blasenentzündung zu haben. Die Symptome waren doch eindeutig.

„Nein, dann wären ja erst recht Bakterien nachweisbar.“

Ach so, ja logisch! Vor lauter Krämpfen konnte ich nicht mehr denken. Sie hatte recht. Trotz möglicherweise zu vieler Bakterien waren keine Bakterien nachweisbar. Also konnte es keine Blasenentzündung sein. Das war schon mal gut, bzw. schlecht, denn die Krämpfe und Zuckungen hatte ich ja immer noch und es musste eine Ursache dafür geben.

„Was ist es dann?“, fragte ich.

„Sie haben sich sicher überanstrengt“, sagte die Notfallärztin, die mich inzwischen gar nicht mehr als Notfall betrachtete. Überanstrengung fand ich eine ziemlich fadenscheinige Erklärung. Damit konnte man jedes körperliche Symptom begründen. Von der einfachen Fingerverrenkung bis zu komplizierten Kopfschmerzen. Sie schloss anscheinend aus der Tatsache, dass ich Sport getrieben hatte mangels anderer Erklärung darauf, dass es zuviel gewesen sein musste. Wie gesagt – reine Zockerei, denn von Überanstrengung konnte nach ein paar hundert Metern Joggen keine Rede sein. Nicht bei jemandem, der seit dreißig Jahren mehrmals pro Woche lief. Während ich mich anzog, wandte sie sich bereits zur Tür. Ich konnte es nicht fassen. Sie ließ mich einfach so mit meinen Schmerzen zurück. Sie hatte ihr Statement abgesondert und damit schien der Fall für sie erledigt. Es hatte mir nichts ausgemacht, mich von einer Frau untersuchen zu lassen. Im Gegenteil, ich hatte ihr gleich zu Beginn unterstellt, besonders einfühlsam auf diesem Gebiet vorzugehen. Männer sind bei Krankheiten sensibler und wehleidiger als Frauen. Schon eine einfache Erkältung wirft sie aus der Bahn. Ich halte Frauen bei körperlichen Leiden für das stärkere Geschlecht, schließlich bringen sie die Kinder zur Welt. Wer muss wohl mehr aushalten? Aber diese Kampfzicke hier war die Höhe. Dabei sah sie gar nicht danach aus, sondern eigentlich wie eine junge, liebe Studentin. Da hatte ich mich wohl getäuscht.

„Was soll ich denn jetzt Ihrer Meinung nach machen?“ Ich war am Verzeifeln.

„Was wollen Sie denn, dass ich tun soll?“, fuhr sie mich an. „Soll ich Ihnen ein Antibiotikum geben, wenn Sie gar keine Entzündung haben?!“

Jetzt wurde sie barsch. Offenbar war sie sauer, weil ich unnötig ihre Zeit beansprucht hatte und sie von wichtigeren Dingen während ihres Dienstes abgehalten hatte. An einer Stärkung des Arzt-Patienten-Verhältnisses schien sie jedenfalls nicht interessiert.

„Äh, nein...natürlich nicht...keine Ahnung... ich habe nicht Medizin studiert...“.

Eine Verlegenheitsantwort. Sie hatte mich in der Defensive. Ich hatte ihr unfreiwillig bescheinigt, dass sie besser wusste als ich, ob ich etwas hatte oder nicht, obwohl mich die ganze Zeit Krämpfe im Unterleib quälten. Diese trotzige Frage nach dem Antibiotikum – sie war es offenbar gewohnt, dass viele Patienten erst zufrieden sind, wenn ihnen der Arzt ein Medikament verschreibt, auch wenn es nichts nützt. Es wirkt dann wenigstens als Placebo, als Scheinmedikament. Manche Patienten brauchen das Gefühl, dass mit ihnen etwas getan wird. Aber ich wollte kein Antibiotikum. Dass ich keine Blasenentzündung hatte, nahm ich ihr inzwischen ab, ich wollte eine Erklärung.

„Sie haben sich überanstrengt, das beruhigt sich wieder“, sagte sie in der halbgeschlossenen Tür stehend.

„Sind Sie sicher?“, fragte ich. Mein Ton wurde jetzt auch nachdrücklicher. Die Schmerzen sehnten sich danach, abreagiert zu werden, zumindest verbal.

Kurzes Zögern, sie antwortete nicht sofort, zwei Sekunden Pause, dann: „Ja.“

Sie hatte überlegt. War das ein gutes Zeichen oder ein schlechtes?

„Ich gebe Ihnen Buscopan zum Entkrampfen, morgen ist es wieder weg“, lenkte sie ein.

Dann verschwand sie von der Tür. Kurz danach kam die korpulente Schwester in den kleinen Raum, bewegte sich erstaunlich behände zwischen Behandlungsliege, Tischen und Geräten zu mir hindurch und verabreichte mir eine Buscopan-Tablette. Ich verabschiedete mich.

Als ich wieder draußen bei Sandra war und wir an der großen Schiebetür vorbei in Richtung Aufzug gingen, fiel mir ein: die Schwester hatte drinnen gesagt, sie wolle noch Fieber messen. Das hatten wir beide glatt vergessen. Vielleicht hatte ich ja etwas, das sich durch erhöhte Temperatur nachweisen ließ. Ich klopfte an die Schiebetür. Die Schwester öffnete.

„Sie wollten noch Fieber messen.“

Das weiße Ungetüm verschwand wortlos im Raum, kehrte kurz darauf mit einem Gerät zurück, hielt es mir eine Sekunde ins Ohr und verkündete nach dem Piepton mit aufgesetzter Heiterkeit: „Kein Fieber!“

Ganz klar, die war auf der Seite der Ärztin. Die hielten mich beide für einem Simulanten oder Hypochonder oder Samstagabend-Gelangweilten. In diesem Moment eilte ein Schwung japanischer Touristen (ich weiß, das Wort klingt komisch an diesem Ort, aber es sah genau danach aus), den Gang entlang. Ein halbes Dutzend asiatischer Männer und Frauen mittleren Alters hielten direkt an der Schiebetür und versammelten sich vor der Schwester. Keine Ahnung, was die hier wollten. Krank sahen sie jedenfalls nicht aus, eher gesund und gut gelaunt. Vielleicht suchten sie eine Station. Aber eigentlich war die Besuchszeit vorbei.

„Was ist denn hier los?“, stöhnte die Rekordzeitfiebermesserin. Sie war völlig perplex. Die Japaner hatten sie auf dem falschen Fuß erwischt. Touristengruppe nachts in der Urologie - darauf war sie in ihrer Ausbildung nicht vorbereitet worden. Na, das gönnte ich ihr. Das hatte sie jetzt mal gebraucht. Sollte sehen, wie sie mit denen fertig wurde. Notfalls konnte sie ja bei jedem Fiebermessen.

Sandra und ich fuhren im Aufzug hinunter. Vor der Anmeldung fiel mir ein: Wenn die Buscopan-Tablette gegen Krämpfe helfen soll, wäre es ja gut, wenn ich ein paar mehr davon hätte. Vielleicht reicht eine Tablette ja nicht oder die Wirkung hört zu früh auf (falls sie überhaupt wirkt). Am besten gehe ich mir gleich einen Vorrat in der Apotheke besorgen, noch heute Nacht. Viel hilft viel. Ich dachte, ich frage mal die freundliche Dame von der Anmeldung, die weiß das bestimmt, gehört ja auch zum Personal.

„Da oben die Ärztin hat mir Buscopan gegeben. Kann ich mir die auch selbst besorgen und ein paar mehr nehmen, falls nötig?“

„Keine Ahnung, ich bin Hotelkauffrau“, sagte die schwarzhaarige Lese-

 ratte, „ich mache hier am Wochenende nur den Empfang“.

Bitte, was?? Haben die hier so Personalnot, dass sie schon Fachfremde einsetzen müssen? Andererseits fand ich es gut, wenn die Klinikverwaltung sich pragmatisch zeigte und auch Branchenfremden Arbeit gab. Soso, Hotelkauffrau - wie Sandra. Mein berufliches Interesse war geweckt

„Ach ja, wo haben Sie denn Ihre Ausbildung gemacht, oben auf der Hotelfachschule?“

Dort hatte ich früher auch unterrichtet, ich kannte die Kollegen dort.

„Ja“, bestätigte sie, „aber ich frage gerne für Sie nach“.

Schon hatte sie den Hörer in der Hand.

„Aber Vorsicht! Die Ärztin dort oben war ziemlich ungehalten, um nicht zu sagen unfreundlich“, warnte ich, „die wollte sich kaum mit mir abgeben.“

„Ach was, das macht sie bestimmt gerne.“

Die Hotelkauffrau hatte ein Selbstbewusstsein, alle Achtung! Mittlerweile stieg sie auf meiner Sympathieskala ins Unermessliche, so wie sie sich für mich einsetzte. Die tat ja mehr als das medizinische Personal. Hotelkaufleute haben die Dienstleistung eben verinnerlicht. Die Ärztin war eher der gegenteilige Typ: junge, ehrgeizige Medizinerin, aber nicht den Patienten zugetan und wenig einfühlsam. Sie taugte wenig für die praktische Arbeit und strebte wohl eine akademische Karriere an, bei der sie forschen konnte. Da störten so Fälle wie meiner nur. Solange man kein Messer im Bauch hat, nehmen sie einen als Notfall gar nicht ernst. Dabei ist die Medizin gar keine exakte Wissenschaft, auch wenn sie auf Naturwissenschaften basiert, sondern eine Kunst. Deswegen heißt sie ja Heilkunst. Während ich sinnierte, war eine Minute vergangen. Meine neue Freundin hatte jetzt die Ärztin am Telefon. Katja? Ich hörte erstaunt, wie sie sie duzte. Die hatten ja ein tolles Betriebsklima hier, kein Hierarchiedenken. Von wegen ewiger Kampf zwischen Akademikern und Nichtakademikern. Fachfremde Aushilfsrezeptionistin duzt Halbgöttin in Weiß. Nun gut, die Hotelkauffrau war sicherlich etwas älter und die Ärztin noch Assistenzärztin, erst in der Ausbildung zur Halbgöttin.

„Ja, Sie können ruhig ein paar mehr nehmen von den Buscopan“, verkündete die Königin der Dienstleistung, nachdem sie den Hörer aufgelegt hatte. Ich bedankte mich herzlich bei ihr. Ich würde mir gleich eine Großpackung in der Apotheke besorgen. Sandra und ich verließen die Klinik. Wir gingen durch den Hintereingang nach draußen, vorbei an den Rettungswagen. Als ich die Fahrzeuge sah, dämmerte mir: Moment mal, ich bin doch vorhin kurz nach der Abfahrt von zuhause geblitzt worden und das hier ist ein Notfall gewesen. Da haben die Damen und Herren von der Bußgeldstelle bestimmt Verständnis dafür. Was ich brauche, ist eine Bescheinigung, ein ärztliches Attest, dass und warum ich heute Abend hier gewesen bin. Behörden lieben Papier.

„Warte mal, Sandra“, sagte ich, „ich gehe noch mal kurz hinein und lass mir meinen Besuch hier bestätigen.“

Meine Frau würde in der Zwischenzeit eine rauchen. Ich schlürfte zurück ins Klinikgebäude, wandte mich diesmal ohne Anmeldung gleich nach links zu den Fahrstühlen und fuhr hoch in den ersten Stock. Den Weg kannte ich jetzt. Die japanische Reisegruppe schien verschwunden, der Gang war leer. Die Schiebetür des großen Behandlungszimmers stand halb offen. Ich sah die Karriereärztin und die Krankenschwester in der Mitte des Raumes hantierten, offenbar mit Schreibarbeiten beschäftigt, wahrscheinlich der Dokumentation meines Falles. Die Ärztin erblickte mich zuerst.

„Sie schon wieder!“

Nein, Frau Doktor, nicht schon wieder – immer noch! Ich ließ mich von ihrem Schneid nicht beeindrucken. Ich kannte sie ja jetzt. Ich sprach ganz ruhig, fast sachlich.

„Ich hätte eine Bitte. Könnten Sie mir freundlicherweise eine Bestätigung schreiben, dass ich heute Abend hier in der Notaufnahme war, ich bin nämlich vorhin auf der Herfahrt geblitzt wo...“

„Wird nicht anerkannt!!“, tönte die Schwester aus dem hinteren Teil des Raumes. Anscheinend kannte sie solche Fälle. Patienten, die zur Notaufnahme rasen und dabei geblitzt werden.

„Bitte, seien Sie doch so nett, ich versuch`s trotzdem.“, beharrte ich.

Aufgrund des Einwandes der Schwester hatte ich bei der Ärztin mit Widerstand gerechnet, aber sie ließ sich erstaunlich schnell erweichen. Kurz darauf sah ich sie wortlos vor einem Bildschirm hantieren und zwei Minuten später überreichte mir die Schwester einen schönen Schrieb mit Klinik-Briefkopf, Stempel und Unterschrift. Perfekt. Ich bedankte mich. Aufs Fiebermessen verzichteten wir diesmal einvernehmlich. Sandra und ich fuhren ohne Unterbrechung nachhause, die Krämpfe waren etwas abgeklungen und gerade noch auszuhalten. Unterwegs erzählte ich Sandra, was sich im Behandlungszimmer zugetragen hatte. Zuhause in Martinstett machten wir rasch die Notdienstapotheke ausfindig, ich kaufte eine Packung Buscopan, warf vor dem Zu-Bett-gehen ein, zwei Tabletten ein und konnte die Nacht durchschlafen. Am nächsten Tag hatte ich unterrichtsfrei, es war ein Sonntag.

In der Notaufnahme II