Vaginase - Thomas Reich - E-Book

Vaginase E-Book

Thomas Reich

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Beschreibung

ICH WILL DEINE ROTZE LECKEN! Facharzt Johannes Riecher geht nichts über ein enges Nasenloch. Rasiert muss es sein und schön feucht, damit er seinen Rüssel einführen kann. Fieberhaft forscht er dem nasalen Orgasmus entgegen. Macht Abstriche und Videoaufnahmen. Streichelt und leckt, reizt und quält. Auf sensible Schleimhäute wird keinerlei Rücksicht genommen. Wer überlebt, dem ist ein schweres Trauma sicher. Verstörender ist Sex auf Krankenschein nie gewesen! NASENPROBE "Atme mal. Ich will mir von deinen respirativen Fähigkeiten ein Bild machen." Alexa war es gewohnt, durch den Mund zu schnaufen. Normale Nasenatmung fiel ihr schwer. Unbekümmert drückte Johannes sein kaltes Stethoskop gegen ihre Brust. Der Nippel wurde hart unter dem Metall. "Klingt gar nicht gut." Doktor Riecher zögerte. "Bei so einer jungen Frau wie dir dränge ich nicht leichthin zur Operation. Es gibt Alternativen abzuwägen, sanftere Methoden. Du musst dir das Loch abfingern." "Wie bitte?" "Ähem- deine Nase." "Mein Gott, und ich dachte schon an sexuelle Belästigung." "Da liegst Du vollkommen falsch. Ich achte meine Schäfchen. Das Verhältnis von Arzt zu Patient sollte stets von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt sein." "Gegenseitig?" "Du brauchst mir nicht zu huldigen. Denk einfach an den guten alten Doktor Riecher, wenn du deine Finger in die Nase schiebst. Stell dir vor, es wären meine erfahrenen Arzthände. Dann machst Du es richtig." Er wartete, bis Alexa seine Praxis verließ. Dann leckte er sich ihre Rotze von den Fingern, und knabberte die Popelreste unter seinen Nägeln wie eine seltene Delikatesse.

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Thomas Reich

Vaginase

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Vaginase

Vaginase

 

 

 

 

 

Thomas Reich

Text 2017 © von Thomas Reich

Coverphoto © https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Epistaxis1.jpg mit Änderungen

 

Impressum: Thomas Reich

Bachenstr. 14

78054 Villingen-Schwenningen

Über das Buch:

 

ICH WILL DEINE ROTZE LECKEN!

 

Facharzt Johannes Riecher geht nichts über ein enges Nasenloch. Rasiert muss es sein und schön feucht, damit er seinen Rüssel einführen kann. Fieberhaft forscht er dem nasalen Orgasmus entgegen. Macht Abstriche und Videoaufnahmen. Streichelt und leckt, reizt und quält. Auf sensible Schleimhäute wird keinerlei Rücksicht genommen. Wer überlebt, dem ist ein schweres Trauma sicher. Verstörender ist Sex auf Krankenschein nie gewesen!

Rotzlöffel

Ausgelassene Kinderstimmen kicherten hinter der Besenkammertür. Sie würden verbotene Dinge tun, während die Anderen im Schlafsaal lagen und Schäfchen zählten. Die Mittagsruhe agierte als heilige Stunde im Hort. Alle Zwerge schwiegen, und genervte Erzieherinnen brühten Ginsengtee für strapazierte Nerven. Sie hassten ihre Arbeitsgeräte, und ließen sie es spüren. Nur eine Viertelstunde mit Obstsalat aus Bio-Anbau und langen Damenzigaretten zur offenen Tannenluft hinaus ohne die Nervensägen. Rauch kräuselte am gekippten Fenster, und färbte den Verputz gelb. Die Hortleitung sah es ihnen nach. Dafür zahlte sie entsprechend schlecht. Eine alleinerziehende Mutter konnte nicht über die Runden kommen, ohne sich aufs Betteln zu versieren. Die peinlichen Gänge zur Tafel, um wenigstens den Kühlschrank aufzustocken. Ihre schmutzigen Kinder spielten auch im Hort. Weil sie sich kein eigenes Kinderzimmer leisten konnten. Selbst zum Weinen blieb nur die einsame Tür der Toilette. Sie war angenehm kühl an der Stirn.

„Komm, wir spielen Doktor.“

Messingschnallen klapperten. Ein Reißverschluss hätte Johannes überfordert. Schnürsenkel binden hatte ihm die Mutter erst letzten Herbst beigebracht. Eine Latzhose wurde heruntergelassen, der Fahnenmast enthüllt. Sein Banner flatterte in der steifen Brise.

„Geh auf die Knie.“

Die Schatten wurden länger und härter. Aus der Dunkelheit entwuchs ein Spross, spitz und klein wie ein Daumennagel.

„Soll ich dein Pippi in den Mund nehmen?“

„Das wäre komisch, findest du nicht?“

„Es war deine Idee mit der Besenkammer.“

„Schließ die Augen, ich habe eine Überraschung.“

„Ist es etwas Schönes?“

„Vielleicht.“

Rascheln, Johannes holte seinen kleinen Pillermann aus der Unterhose mit dem Spiderman-Aufdruck. Bislang hatte er ihn nur zum Pissen benutzt. Doch in letzter Zeit juckte der kleine Teufel bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

*

Der Bub war ein Spätentwickler. Kein Schnupfen, keine Grippe wollte seine kleine Nase plagen. Waltraud Riecher machte sich Sorgen um ihren Kleinen. Entwickelte er sich normal? Warum konnte er nicht wie andere Jungs in seinem Alter sein? Der Kinderarzt konnte das Phänomen nicht erklären.

„Seien Sie doch froh. Oder wollen Sie ihn schnäuzen?“

„Natürlich nicht.“

„Ihr Sohn verfügt über ein ausgesprochen robustes Immunsystem. Kein Anlass zu vorschneller Sorge. Irgendwann rotzt er ab wie Jungs in seinem Alter das gewöhnlich tun.“

Mädchen bekamen ihre erste Periode, Johannes seinen ersten Schnupfen. Niemand hatte es für nötig befunden, ihn über das Wunder der Nasensexualität aufzuklären. Normale Kinder stellten solche Fragen nicht. Und so wurde er von den Vorgängen in seinem Körper vollkommen überrascht. Den ganzen Tag über hatte er sich komisch gefühlt, nicht Herr seiner Sinne. Die Schulter schmerzte, das Ei war dick. Alles begann mit einem harmlosen Kribbeln in seiner Nase, gefolgt von einem aufsteigenden Impuls, wie er ihn bis dato weder kannte, noch geistig einordnen konnte. Sein sensibler Beckenboden zog sich zusammen, mit ihm Zwerchfell und Lungen. Was er herausschleuderte, sollte das erste Ejakulat seiner zarten Jugend sein. Explosionsartig entlud Johannes den Inhalt seines Kolbens.

„Hatschi!“

Rotz verklebte seine Finger. Verschämt linste er durch den schillernden Vorhang einer geplatzten Seifenblase. Johannes Pillermann drückte hart gegen die Knöpfe seiner Kordhose. Er trug Knieflicken, weil kein Stoff seinem kindlichen Tatendrang standhielt. Grasgrün leuchteten seine Ellenbogen. Nachts hatte er feuchte Fieberträume, in denen seine Nase die Bettlaken verkrustete. Ein echter Arzt hätte einen ungewöhnlich frühen Pubertätseintritt diagnostiziert. Kindliche Grausamkeit, die über Ausreißen von Insektenflügeln weit hinausging. Neugierigen Entdeckergeist, oder was immer seine Handlungen entschuldigte. Mit Vier sprossen Johannes Riecher erste Nasenhaare.

*

In seinem Kopf klimperte leise eine Melodie aus Mutters Spieldose. War es schwermütig wie das Zeug, was Vater an Weihnachten auf den Plattenteller legte? Oder heiter wie ein Kinderlied mit dem Fuchs und der gestohlenen Gans? Er versuchte, den Rhythmus zu finden, und das dazu passende Gefühl. Zärtlichkeit würde es nicht sein.

„Au, du tust mir weh!“

Sabines Kopf knallte gegen die Tür. Es war ein kreativer Hort, der die Kinder zum Musikspielen ermutigte. Johannes gab den Takt vor, den er mit Trommeln in der Gruppe erlernt hatte. Ihre Kopfhaut platzte unterhalb der Haarwurzel und blutete. Sein Penis steckte in ihrer Nase.

*

Die Schläge hallten durch den Flur, wie eine defekte Waschmaschine mit kolossaler Unwucht. Bei jeder neuen Drehung schepperte die Trommel gegen das Gehäuse. Sie würde ihre unruhige Fracht in einer Welle aus Weichspüler ausspucken wie Stofftaschentücher, zu einem Ballen verklumpt. Der Lärm drang bis zum Pausenraum, wo die Erzieherinnen ihre wohlverdiente Mittagspause genossen.

„Sieh du mal nach den Kindern.“

„Die schlafen tief und fest.“

„Dann geh das Murmeltier wecken, welches den Radau veranstaltet.“

Tante Sieglinde drückte ihre kaum gerauchte Zigarette in einem Teebeutel aus. Die putzige Mäuseuhr zeigte Käse vor Eins. Verdammt, sie kam zu spät zur Teestunde. Die Schlafmaus verputzte alles Gebäck auf dem Tisch, und ihr blieben nur die Krumen. Schick ruhig die Dienstälteste vor. Ihre grauen Strähnchen kamen nicht vom Friseur für teuer Geld, die waren echt. Jeder Schritt schmerzte in Sieglindes Knie, das bald operiert werden sollte. Sie war recht kräftig um die Hüfte, Fett drückte auf die Knochen. Das junge Gemüse saß da, und lackierte sich die Fingernägel.

*

Zuerst kontrollierte sie den Schlafraum, wo außer sonorem Schnarchen dutzender Kinderkehlen nichts zu vernehmen war. Zwischen den schmalen Feldbetten konnte Tante Sieglinde die Geräuschquelle nicht ausmachen. Onkel Claus las mit der Taschenlampe einen zerfledderten Groschenroman. Bergdoktor oder Prinzessinnenglück. Neben seiner Schulter lag eine halbvolle Tüte M & M's. Claus neigte zu Süßigkeiten wie zur Fettleibigkeit. Sein Bäuchlein versteckte er unter weinroten Pullundern. Tante Sieglinde schlich auf Zehenspitzen herein und flüsterte, um niemand aufzuwecken.

„Bei dir alles okay?“

„Schlafen alle friedlich, wieso?“

„Ich dachte, etwas gehört zu haben.“

„Jedenfalls nicht im Schlafraum.“

„Dann lass dich nicht weiter stören. Ist die Geschichte spannend?“

„Die neue Patientin betört den Bergdoktor mit tief ausgeschnittenen Dirndln. Dabei ist der arme Kerl verheiratet.“

„Also ein moralisches Dilemma?“

„Kannst du wohl sagen!“

„Pass gut auf die Kleinen auf. Ich schaue mich im Flur um.“

Sacht schloss sie die Tür. Spielen und toben laugten das beste Kind aus. Kostbare Momente der Ruhe für Pädagogen.

*

Kinderstimmen drangen aus der Kammer und ein Poltern, was alles Mögliche bedeuten konnte. Mit gerunzelter Stirn begutachtete sie kleine Fingerabdrücke auf der Patina, in Dreck verewigt. Jemand verweigerte seinen notwendigen Mittagsschlaf. Außer dem Hausmeister benutzte niemand die Besenkammer. Putzmittel reihten sich auf staubigen Regalen, manche ausgelaufen und zu brauner Schmiere geronnen. Fliegen klebten darin und kleine Käfer. Der Mopp roch nach Bohnerwachs und Langeweile, wie in einem dieser Lieder im Radio. Unangekündigt riss Tante Sieglinde die Tür auf.

„Habe ich euch erwischt!“

Johannes Penis stecke in Sabines linkem Nasenloch. Aus dem rechten drückte eine dicke Kaugummiblase, rot und fruchtig. Dann platzte sie, und Blut lief in Strömen. Etwas dort drin war stark beschädigt worden. Rohe Hosengewalt, wie man sie von erwachsenen Triebtätern erwarten würde. Nicht aber von einem kleinen Jungen, der unschuldig und naiv grinste.

„Was hast du dir nur dabei gedacht?“

Mit einem ploppenden Geräusch glitt er hinaus. Sabine überwand ihre Schockstarre, und heulte auf wie eine Alarmanlage im Bonzenviertel. Tante Sieglinde begann die Situation zu entgleiten. Sie hatte es gewöhnlich mit Streitigkeiten um Sandschaufeln zu tun und Kopfnüssen. Dass ein Kind von der Schaukel stürzte, und sich die Handflächen aufschürfte. Für schlimmere Fälle gab es den Notruf im Büro, in all den Jahren hatte sie ihn nie gebraucht. Worum kümmerte die Kindergärtnerin sich zuerst? Den Jungen ausschimpfen, oder das am Boden aufgelöste Mädchen trösten?

„Ihr bleibt hier stehen, und rührt euch nicht von der Stelle. Ich melde es Frau Zepf.“

Nun schwiegen beide vor Ehrfurcht. Der Leiterin des Hort überstellt zu werden kam nur bei ganz großen Vergehen in Frage. Die so richtig Pfui-Pfui oder Aua-Aua waren.

*

Tante Sieglinde brachte ihre Chefin mit, und zwei jüngere Kolleginnen. Gottseidank ereignete sich der Vorfall zur allgemeinen Schlafenszeit. Kinder konnten rechte Petzen sein, die alles zuhause ausplapperten.

„Bringen Sie die Kleine in den Erste-Hilfe-Raum. Stoppen Sie die Blutung, und geben Sie ihr einen Lutscher.“

„Sollten wir sie nicht zu einem Arzt bringen?“

Frau Zepf fauchte sie mit einer Stimme an, die keinen Widerspruch duldete. Ihr Führungsstil war rigoros, wie Anita Zepf burschikos. Sie trug formlose Hosenanzüge mit breiten Schulterpolstern und schmalen Rindsledergürteln. Wenn sie einen Mann als Haustier hielt, dann trug das bedauernswerte Geschöpf eine kurze Leine.

„Damit uns die Eltern mit Klagen überziehen und scharenweise ihre Kinder aus dem Hort nehmen? Nur zu. Die Lokalzeitung hat uns noch nicht in den Dreck gezogen? Kein Problem. Bringen Sie Sabine zu einem Arzt.“

„Wenn sie nun ernsthaft verletzt ist?“

„Es ist mein Ruf, und ihr Arbeitsplatz. Schauen Sie sich doch die kleine Mistkröte an. Glauben Sie ernsthaft, er könne ihr das Hirn rausvögeln mit seinem kleinen Pimmel?“

Halbnackt stand Johannes Riecher im Gang, und jedes Wort der Standpauke war ein Schlag in seine schrumpfenden Kronjuwelen. Er traute sich nicht, die Hose hochzuziehen. Starr vor Angst wartete er auf seine Strafe. Sein Pimmelchen schrumpfte zusammen wie ein Bleistiftstummel nach zwei Stunden Bastelgruppe. Johannes sehnte sich nach der warmen Nasenhöhle zurück.

„Also, was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“

Jungs bohrten gerne in der Nase. Mit Begeisterung, den ganzen Tag. Suchten sie das gelbe Gold, und verschlangen es sofort. Gewöhnlich benutzten sie einen Finger dazu, selten arbeitete ein Kind sich beidhändig vor. Oder verwendeten ganz andere Körperteile, wie Johannes. Was bewegte einen Jungen, das Nasenloch eines Mädchens in Doktorspielen zu erkunden? In keiner Familie kursierte heimlich versteckte Pornografie diesen Inhalts im elterlichen Schlafzimmer. Noch brachten ihn seine Spielkameraden auf dumme Gedanken. Es fiel Johannes schwer, seine Beweggründe in Worte zu fassen. Er schloss die Augen, und konzentrierte sich auf den Auslöser für ihren Ausflug in die Besenkammer.

„Sie hatte eine rote Nase.“

„Wie bitte?“

„Vom Schnupfen war sie ganz dick. Und die Rotze ist gelaufen.“

„Was soll das heißen?“

„Da ist mein Pippi ganz hart geworden. Und ich wollte ihn da reindrücken. Wo es feucht ist und schön warm.“

Zack! Da hatte er eine kleben. Seine Backe brannte fürchterlich.

„Ich sollte dir den Mund mit Kernseife auswaschen. Schämst du dich kein Stück?“

Johannes verwirrte die Frage. Kinder zählten zu den schamlosesten Kreaturen auf der Welt, deren Schuldbewusstsein lediglich rudimentär ausgebildet war. Erst die Gesellschaft sollte es formen.

*

Sabines Nasenscheidewand war geborsten wie ein Jungfernhäutchen. Johannes hatte sie fachgerecht nasal entjungfert. Besser hätte es auch ein Arzt nicht hinbekommen, der Berufskokser behandelte. Sabines Blutung konnte gestillt werden, der Wissensdurst ihrer Eltern hingegen nicht. Ungeduldig warteten sie in unbequemen Besucherstühlen aus cremefarbener Hartplastik. Ein Sitzkissen wäre hilfreich gewesen, gab es aber nicht.

„Petzold, wir hatten telefoniert.“

„Wegen ihrer Tochter.“

„Sie sagt, ein Junge hätte ihr seinen Penis in die Nase eingeführt.“

„Das halte ich für ausgeschlossen.“

„Nennen Sie meine Tochter eine Lügnerin?“

„So weit würde ich nicht gehen. Sehen Sie, Sabine ist ein aufgewecktes Mädchen mit einer überschäumenden Phantasie. Sie hat sich das sicher nur eingebildet.“

„Sie hat eine Woche lang geblutet.“

„Das habe ich nie bestritten. Sie hat sich Buntstifte in die Nase gesteckt, und dabei verletzt. Meine Mitarbeiterin Frau Albrecht hat sich um Sabine gekümmert, ihre Nase in Eis gepackt und die Blutung mit einem Tampon gestillt.“

„...dessen roter Faden wie bei einem Teebeutel heraushing.“

„Praktisch zu entfernen, finden Sie nicht?“

„Es fällt mir schwer, ihren Humor zu teilen.“

„Kinder spielen und verletzen sich. Sie begehen Dummheiten, über die wir Erwachsenen nur den Kopf schütteln. Darüber steht uns kein Urteil zu.“

„Dann bin ich ja beruhigt.“

„Es freut mich, wenn ich ihre Zweifel zerstreuen konnte.“

„Versprechen Sie, besser auf unsere Tochter aufzupassen?“

Reingeschmeckt

Der Junge wuchs heran zum Mann, und studierte Medizin. Vom üppigen Erbe seines Großvaters erstand er eine Gründerzeit-Villa mit schmuckem Stuckwerk und einer von Schnitzereien verzierten Treppe zur herrschaftlichen Galerie. Doktor Johannes Riecher baute sie nach seinen Zwecken um, was einen nicht unerheblichen Teil seines Vermögens verschlang. Im Erdgeschoss installierte er ein modernes Büro mit Ledersesseln und dominantem Schreibtisch aus dunkel gebeizter Eibe. Massive Aktenschränke nahmen die gesamte Südwand ein. Hier verstaute er offizielle Akten, falls die Krankenkasse eine Buchprüfung anordnete. Die verzogenen Holztüren im Obergeschoss tauschte er durch schalldichte Stahltüren mit kassettierter Auflage, optisch waren sie kaum von ihren Vorgängern zu unterscheiden. Auch akustisch blieben die Patientinnen voneinander getrennt. Aus Gefängnissen lernte man, dass Gespräche über Gang und Fensterluke konspirative Kräfte freisetzte. Nimm ihnen die Möglichkeit zum Austausch, und Revolten ersticken im Keim. Ein den historischen Vorlagen entsprechender Außenaufzug aus poliertem Kalkstein verband rollstuhlgerecht die einzelnen Etagen, und führte in den Keller. Dort stand ein alter Gartenschredder, den er liebevoll „Gulaschkanone“ nannte, wegen der handlichen Würfel. Niemand sollte sein Geheimnis verraten. Wirklich niemand.

*

Das Nasenschnibbeln hatte er im Klinikum von der Pike auf gelernt. Höcker korrigiert und sich zum Schönheitschirurgen spezialisiert. Brot und Butter brachten verstopfte Schnarchnasen und eklige Rachenkrankheiten auf den Tisch, bei denen Johannes regelmäßig einer abging. Großvaters Tod spendierte ihm endlich das Startkapital zur eigenen Klinik. Stundenlang hatte er verstaubten Geschichten gelauscht, um Vertrauen und Geldbörse des alten Knackers zu gewinnen. Von Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit und Hitlers Schergen, zu denen Otto Riecher gehörte. An heißen Sommertagen entblößte er seine saure Männerachsel mit dem grauen Gestrüpp. Dann zog er die feuchten Haare auseinander, und zeigte seine exklusive Mitgliedsnummer der Waffen-SS, in blauer Tinte tätowiert. Er trug einen geflochtenen Panama mit schwarzem Band, der ihn vor der Sommerhitze bewahrte. Darunter lauerte eine pockennarbige Stirn wie der Panzer einer Schildkröte. Seine einst adlerscharfen Augen gingen dem Teufel zu. Lupendick hing die braune Hornbrille im Gesicht, das Hörgerät hinter dem Bügel. An guten Tagen erinnerte er an Fidel Castro mit seinem zotteligen Bart. An schlechten Tagen an Erich Honecker mit Gestrüpp im Gesicht.

„Wir haben ihre Frauen an den Haaren durchs Dorf geschleift, und ihnen die Nase aufgeschlitzt wie billigen Huren.“

„Habt ihr sie vergewaltigt?“

„Mitten ins Gesicht. Mein Kumpel Erich am linken Nasenloch, und ich knöpfte mir die rechte Seite vor.“

Otto Riecher war zeitlebens ein Drecksack gewesen, der von den erotischen Erinnerungen der Kriegszeit zehrte. Seine Frau zog nach Waiblingen, kaum dass ein potenter Liebhaber mit normalen Begierden gefunden war. Johannes wusste, Großvater ging in den Puff. Und als die Beine nicht mehr mitmachte, fuhr er mit dem Rollstuhl vor, und verbumste seinen Ehrensold. Man konnte von Glück reden, dass Ottos Bankberater das Portfolio sicher anlegte, und er nicht alles zu den Huren trug. Ein zarter Flaum umgab seine Kanzel wie der Lorbeerkranz eines Imperators. Zuletzt sabberte er das Laken voll, und Blut mischte sich darunter. Johannes schnäuzte ihm die Nase, als es zu Ende ging.

*

Die letzten Umzugswagen waren vom Hof, Doktor Riechers persönliche Hab und Gut eingeräumt. Montag solle eine neue Sprechstundenhilfe anfangen. Zwei Hirnzellen weniger, und das Mädel hätte im Hof gescharrt wie ein gemeines Stallhuhn. Intelligenz war kein Auswahlkriterium bei der Postenvergabe. Schlaue Mitarbeiter forderten mehr Lohn, und stellten Fragen. Zerbrich dir nicht dein Strohköpfchen, Marie. Doktor Riecher kümmert sich um alles. Und wenn eine Patientin seine Privatklinik nicht zur Vordertür verlässt, dann durch den Gartenschredder, in Würfel zerteilt. Schwatz nicht so viel, und hilf mir ihre Reisetasche zu entsorgen. Ein paar Schwarze in Afrika freuen sich bestimmt. Die Praxisräume rochen nach frischer Farbe. Er hatte in der Nachbarschaft Handzettel verteilt, und eine Zeitungsanzeige geschaltet. Zu seinem Verdruss erwies sich die Annonce als rausgeschmissenes Geld, lediglich auf direkte Anwohner war Verlass. Ein Vertreter der Presse lungerte mit der Kamera um den Hals, und rauchte filterlose Zigaretten, die er achtlos mit seinen staubigen Büroschuhen im Gras zerdrückte. Johannes Riecher galt dem Blatt als zukünftiger Anzeigenkunde, und diese mussten umworben sein. Später sollte Herr Doktor den Korrekturabzug erhalten, voll Schleim und Anbiederei, wie Pressetexte eben aussehen. Im Garten winkte die Tombola, und eine halbe Sau auf dem Grill, angefeuert von Metzgermeister Orms. Papiergirlanden schwirrten zwischen den Bäumen, es war ein herrlicher Sommertag. Riecher lief der Schweiß, er tupfte sich die gefühllose Stirn. Kein Muskel zuckte unter dem andauernden Artilleriefeuer der Botoxspritzen. Sein dunkles Blond stammte aus dem Frisiersalon, die Ansätze wurden jeden Monat aufgefrischt. Zeit für Urlaub war nicht geblieben, Bauarbeiter mussten überwacht, und ein redundantes Karteisystem aufgebaut werden. Im Schlafzimmer stand eine Sonnenbank, die er aufsuchte wie ein Vampir seinen Sarg. Noble Blässe stand dem Proletarier gut mit seinem ausgefransten Unterhemd. Doktoren erreichten die optimale Bräunungsstufe bei einem halben Hendl mit Pommes. Stolz enthüllte er das Messingschild in einem feierlichen Akt, zu dem er die Nachbarschaft geladen hatte. Sein makelloses Grinsen war gebleicht wie sein Arschloch. Doktor Riecher ging bei seinem Schritt in die Selbstständigkeit auf Mitte vierzig zu. Sein Äußeres passte besser zu einem Dreißigjährigen, was plastische Chirurgie eben so ausmacht. Kollegen hatten ihn aufgepolstert wie die schwarzen Ledersitze eines Citroen Dieuesse. Das Gesicht im Fahrtwind nach hinten gezogen, einen Streifen entfernt, und hinterm Ohr wieder zusammengenäht. Lächeln lag nicht im Spektrum seiner Möglichkeiten. Er musste mit der Hand nachhelfen, wenn die Mundwinkel seinen Emotionen nicht folgen konnten. Riechers Beine steckten in austerngrauen Designerhosen. Die Bundfalten waren das einzig Faltige an diesem Mann vom Stabe Aesculaps. Wenn er sprach, erinnerte seine über die Gaumenplatte gepresste Stimme an Theo Lingen in Frack und Fliege.

„Hiermit erkläre ich meine Praxis für eröffnet. Die ersten zehn Patienten erhalten einen Gutschein über zehn Prozent auf eine Nasenkorrektur.“

„Seien Sie herzlich in unserer Gemeinde willkommen, Herr Doktor.“