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Fechten in Transsilvanien. Drei gute Freunde eines Schweizer Fechtclubs folgen einer Einladung, an einem Fecht Turnier in Rumänien teilzunehmen. Der Schauplatz dieses Turniers ist kein geringerer als das Sagen umwogende Schloss Bram in Kromstadt, dem Schloss von Fürst Flad, Graf Dracula. Bereits auf der Anreise widerfahren den drei Freunden seltsame Dinge, die sie allesamt als Einbildung abtun und ignorieren so die Warnungen, nicht weiterzufahren. Sie tun es trotzdem und erleben bald den schrecklichsten Alptraum ihres Lebens. Und sie müssen die entsetzliche Erkenntnis gewinnen, dass es kein Zurück mehr gibt und sich dem Kampf stellen! Jake Moore Lake mystique Jake Moore ist Reporter einer englischen Fachzeitung für prähistorische Erkenntnisse und Forschung. Für seine neuste Recherche muss er ins Herzen der Schweiz reisen, an den Vierwaldstättersee. An diesen See geschehen unheimliche Dinge und Jake will nun herausfinden, was der Grund für diese Vorkommnisse sind? Von den Einheimischen wird er freundlich empfangen, doch er spürt auch, dass dieser Ort ein Geheimnis verbirgt, ein Geheimnis das schlecht für den Tourismus und das lokale Gewerbe darstellt. Schliesslich gelingt es Jake, mit einem Taucher die unterirdischen Strömungen des Sees zu erforschen und dabei machen die beiden Taucher eine Erfahrung, mit der sie nicht gerechnet haben! Nach diesem Erlebnis wird Jake einiges klar und er beginnt, die Dinge aus einem anderen Licht zu sehen.
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Seitenzahl: 509
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Da sind Sie ja, hereinspaziert und herzlich willkommen bei Vampire & Monsters.
Willkommen zu den unerklärlichen Phänomenen unserer Zeit, für welche Menschen nur ein mitleidvolles Lächeln übrighaben.
Doch Vorsicht, wenn das Grauen Sie erst einmal am Schlafittchen gepackt hat, dann ist es vorbei mit Lächeln, dann ist der Moment gekommen wo die Dinge eine ganz andere Dimension annehmen.
Eine Frage vorne weg, glauben Sie an Geister und Monster?
Haftet an den Schauergeschichten über Vampirismus ein Körnchen Wahrheit dran, oder sind sie eben das, was sie sind – nämlich Schauergeschichten?
Aus einem Buch habe ich gelesen, dass es wahre Fälle von Vampirismus tatsächlich gegeben haben soll, in Teilen von Ex Jugoslawien sowie in Rumänien.
Dass man Tote wieder ausgegraben hat, um festzustellen, dass diese Toten, welche man vor drei Wochen beerdigt hatte, noch genauso aussahen wie zu Lebzeiten, keine Anzeichen von Fäulnis oder Zersetzung!
Seltsam oder nicht?
Danach soll man diesen Toten einen Holzpfahl durch ihr Herz gerammt haben, so wollten die Menschen sicherstellen, dass der Tote wirklich nun tot war und nie wieder aus seinem Grab steigen konnte, um Lebende heimzusuchen.
Oder glauben Sie an das Monster von Loch Ness, auch weltbekannt geworden durch die schlichte Bezeichnung Nessie?
Gibt es noch prähistorische Tiere, solche die es auf unerklärliche Weise geschafft haben, die ganze Evolution auf der Erde zu überleben und sich den neuen klimatischen Bedingungen anzupassen?
So wie im Film von Stephen Spielberg «Jurassic Park»?
Dass auf einer unbewohnten Insel noch direkte Nachfahren von Dinosauriern leben?
Mir ist klar, dass dies ziemlich wilde Spekulationen sind, doch einfach mal angenommen, es gäbe wirklich Vampire & Monster auf der Welt.
Was wäre dann?
Wie würden Sie reagieren, wenn Sie plötzlich mit Entsetzen feststellen müssten, dass all diese Geschichten die Sie gehört haben und von denen man ihnen bereits in der Schule gesagt hat, dass es diese nicht gibt.
Und Sie dann mit Entsetzen feststellen müssen, oh my God, das ist kein fiktiver Scheiss, ich stehe wirklich einem Vampir gegenüber oder stellen Sie sich vor, ein Forscher auf einer Expedition entdeckt, irgendwo fernab einen Dinosaurier?
Ich weiss, ein interessantes Gedankenspiel das ich hier angeleiert habe, denn ich habe mir diese Fragen auch gestellt, was wäre also, wenn es doch Vampire & Monster gibt?
Und was wäre weiter, wenn diese direkt vor unserer Haustüre leben und wir deren Existenz einfach nicht wahrgenommen haben?
Weil wir sie nicht wahrhaben wollten, weil es ja gemäss unserem Glauben und Erziehung solche Wesen gar nicht geben darf?
Und wenn es etwas nicht geben darf, dann kann es auch nicht sein, stimmt’s?
Die beiden vorliegenden Geschichten handeln von Vampiren & Monstern, die es so nicht geben sollte oder darf, doch sie sind sehr real und lassen sich nicht so einfach abschütteln.
Fencing in Transylvania handelt von einem Ausflug in die Karpaten in Rumänien die drei Freude gemeinsam antreten.
Bei den drei Freunden handelt es sich um Fechter, ich selbst habe mich jahrelang aktiv dem Fechtsport gewidmet und war an vielen Turnieren, auch international.
Die Veranstalter versuchen den Teilnehmern ein möglichst authentisches Umfeld zu bieten bei Turnieren und so kann es durchaus vorkommen, dass mal ein Turnier in einem Schluss oder Burg stattfindet.
In der folgenden Geschichte handelt es um einen ganz besonderen, einen geschichtsträchtigen Ort an dem ein internationales Fecht Turnier ausgetragen werden soll.
Auf Schloss Bram in Kromstadt in den Karpaten, dem Sitz des Fürsten Flad, dem Pfähler.
Auch besser bekannt als Dracula.
Bereits auf der Fahrt haben die Drei seltsame Erkenntnisse und Begegnungen, doch diese ignorieren sie einfach, bis sie an einen Punkt kommen, wo sie das Offensichtliche nicht mehr weiter leugnen können.
Du kannst im Leben davonlaufen oder dich deinen Ängsten stellen, die drei Freunde haben keine andere Wahl, als sich dem Alptraum zu stellen, der sich direkt vor ihren Augen auftut.
Vampirismus ist also keine Erfindung aus Hollywood wie die drei am eigenen Leib erfahren müssen und bevor das Böse zuschlägt, warnt es immer vorher, teils durch subtile Anzeichen.
Doch wenn man diese Anzeichen, ob subtil oder nicht, erkennt oder nicht wahrhaben will, sie sind da und sie sagen uns, hey, hast du nicht aufgepasst, wir haben dich gewarnt und du hast die Warnung einfach ignoriert.
Nun ist es zu spät, wir haben dir die Möglichkeit gegeben umzudrehen, doch du bist nicht umgedreht, dafür musst du nun büssen…!
Bei Jake Moore in Lake mystique geht es um die Frage, gibt es Monster aus prähistorischer Zeit oder nicht?
Was ist, wenn es das Monster aus Loch Ness eben doch gibt und dieses Wesen aus einer längst vergangenen Zeit überlebt hat?
Ich selbst bin in Ennetbürgen im Kanton Nidwalden im Herzen der Schweiz aufgewachsen.
Glauben Sie mir, ein schöner sonniger Ort wo die Menschen gerne wohnen, wo man mit dem Auto schnell auf der Autobahn ist und wo man seine Nachbarn noch kennt.
Ein Ort an dem die Welt noch in Ordnung zu sein scheint.
Der Vierwaldstättersee ist ein langer tiefer See, und es gibt unterirdische Strömungen wie ich im Buch beschrieben habe, die gibt es wirklich.
Und weiter stimmt es auch, dass Menschen die im Vierwaldstättersee ertrunken sind, nie wiedergefunden wurden, das sind also keine Schauermärchen die ich ihnen hier auftischen will, sondern Dinge die tatsächlich passiert sind.
Was wäre also, wenn ein Ungeheuer sein Unwesen im See treibt, was wäre, wenn Menschen im See schwimmen gehen, sie wagen sich weiter hinaus und sie sind alleine!
Dann ganz plötzlich, sind sie verschwunden!
Kein Schrei, nichts.
Niemand hat etwas gesehen oder gehört, den Angehörigen fällt das Verschwinden erst auf, nachdem die Person nicht nach Hause gekommen ist.
Alles was sie wissen, war, dass die Frau oder der Mann noch im See schwimmen gehen wollte, sie hat sich ganz normal wie immer von Zuhause verabschiedet und ist gegangen.
Doch sie ist nie mehr wiedergekommen, auch solche Fälle hat es schon gegeben, wenn die Personen vielleicht nicht ertrunken sind, so gingen sie aus dem Haus um etwas zu erledigen und sind seit da an nie mehr gesehen worden.
Eine quälende Ungewissheit lastet auf den Hinterbliebenen, die Ungewissheit nicht zu wissen, was mit der eigenen Schwester Bruder oder Mutter Vater geschehen ist.
So habe ich mir einige Male, als ich am Seeplätzli, einem Ort direkt am Vierwaldstättersee auf einer der Bänke die in Richtung auf die See hinaus zeigen, gesessen habe und mir diese Frage gestellt habe?
Was wäre nun, sollte es in den Tiefen dieses Sees so etwas wie ein zweites Loch Ness geben?
Würde man es ja zu Gesicht bekommen und wie würden die Menschen wohl reagieren, wenn sie wüssten, dass vor ihrer Haustüre ein Ungeheuer im Wasser sein Unwesen treibt?
Würden Sie da noch baden gehen, oder würden Sie es lieber so wie ich machen, erst gar nicht ins Wasser zu gehen?
Wie gehe ich mit einer Situation um, die für mich neu ist und wie würde ich auf ein Monster oder einen Vampir reagieren, schliesslich sind das beides Kreaturen, die es eigentlich gar nicht gibt!
Stimmt, doch was wäre, wenn es sie doch gäbe?
Aus welchen Gründen auch immer, vielleicht aus einer Laune der Natur heraus, ein weiterer erschreckender Gedanke, was ist, wenn solche Kreaturen der Nacht direkt oder mitten unter uns leben?
Ted Bundy oder Wayne Gacy, beides Serienkiller die als unauffällige Nachbarn und Arbeitskollegen ein Doppelleben geführt haben, und dabei während Jahren und teils Jahrzehnten x Morde verübt haben.
Vampire & Monsters sind nicht immer fiktiv, sollten sie einem von beiden jemals in ihren Leben begegnen oder gegenüberstehen, dann werden Sie ganz gewiss für den Rest ihres Lebens eine andere Sichtweise zu solchen Dingen haben.
Dinge geschehen, manchmal erkennen und sehen wir die Zusammenhänge nicht und manchmal verschwinden Menschen einfach so.
Vieles, das wir nicht erklären oder begreifen können geschehen und das Böse mag in einer unscheinbaren Maske daherkommen, all das heisst nicht, dass sie deshalb nicht geschehen sollten oder nicht.
Vampire & Monsters geht genau diesen Fragen nach, kommen Sie also mit an unterschiedliche Orte in der Schweiz und in Transsylvanien und begleiten Sie mich als Leser.
Doch seien Sie vorsichtig, ich habe Sie gewarnt.
Wenn es erst mal zu spät ist, dann ist es zu spät und sich dann Gedanken über einen Rückzug zu machen, macht dann wenig Sinn – warum?
Wir haben die drohenden Anzeichen nicht erkannt, oder vielleiht einfach nicht erkennen wollen, weil es solche Dinge und Wesen ja im Grunde gar nicht geben darf.
Doch was ist, wenn dann eben doch?
Welche Warnung bekam Jake Moore, als er am Rande des Sees stand?
«Bleib weg von hier!»
Ich hoffe, dass Sie standhaft bleiben, so wie Jake und den Dingen auf den Grund gehen und bis zum Ende der Geschichte durchhalten, es lohnt sich, denn manchmal muss man im Leben gewisse Warnungen einfach ignorieren.
Denn nur wer wagt, gewinnt das Spiel.
Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen von Vampire & Monsters.
Herzlichst.
Euer Fritz Dominik Buri
Teil 1: Die Einladung
Hallo!
Ich möchte Ihnen heute von einer Geschichte erzählen, die ich, besser gesagt handelt es sich dabei um mich und meine beiden Freunde, Rebi und Markus, und unseren Erlebnissen in Transsilvanien.
Wir hatten uns damals gegenseitig geschworen, niemals mit einer aussenstehenden Person darüber zu sprechen, weil wir uns nicht der Gefahr hingeben wollten, als Spinner abgestempelt zu werden.
Also schwiegen wir eisern und haben unser gemeinsames Geheimnis für uns behalten … bis heute!
Einfach deshalb, weil es zu unglaublich erscheint, eine solche Geschichte überhaupt erst Publik zu machen, Ergebnisse die sich fest in unserem Bewusstsein eingebläut haben, so wie dies bei unseren Geschehnissen der Fall ist, die bei einem Menschen nie wieder ausradiert werden können.
Und ich denke, dass in unserem Fall nicht mal Hypnose oder eine andere Art der geistigen Therapie einen grossen Erfolg vorweisen würde, nicht, dass ich die Erfolge auf diesem Gebiet schmälern will, sondern deshalb, weil es zu grauenhaft gewesen war.
Rebi, Markus und ich sind Freunde und wir sind Fechter. Sie wissen schon was Fechter sind, oder?
Angefangen hatte damals alles mit einer simplen Mail, einer Einladung zu einem internationalen Fechtturnier, an und für sich nichts Besonderes, wenn man von dem Austragungsort absieht.
Dem Ort, wo das Turnier stattfinden sollte!
Schloss Bram in Kromstadt.
Ich denke, dass es in jeder Sportart ganz besondere Anlässe und Lokalitäten gibt, die auf ihre Athleten einen besonderen Reiz ausüben, einfach deshalb, weil es sich um spezielle Orte handelt.
Orte, die für die Athleten eine besondere Aura ausstrahlen und jeder, der in dieser Sportart aktiv ist und etwas auf sich hält, weil sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, an solchen speziellen Orten und Turnieren teilzunehmen.
Deshalb haben wir uns da auch nicht ausgenommen und uns für dieses Fecht Turnier in Transsilvanien angemeldet.
Ein Entschluss den wir besser hätten sein lassen, doch zum damaligen Zeitpunkt konnte natürlich keiner von uns dreien wissen, was uns erwarten würde.
Was wir erlebt hatten, in jenen Tagen in Rumänien, in der Taverne Bram, war etwas gewesen, das so ungeheuerlich war, dass es kaum zu glauben ist. Und es gibt Erlebnisse, die wir gemeinsam erlebt hatten, die etwas Intimes an sich haben und die es nicht darauf ankommen lassen wollen, zwingend und mit Nachdruck in die Welt hinausposaunen möchte.
Und doch denke ich, nachdem die ganze Geschichte schon über mehr als vier Jahre zurückliegt, dass ich sie trotzdem rausposaunen werde, nicht weil ich als schwatzhafte Elster durchgehen will, sondern um etwas loszuwerden.
Ich denke weiter, dass sie dieses Gefühl bei sich selbst auch kennen, das Gefühl sich etwas von der Seele reden zu müssen, in der Hoffnung sich danach etwas von der inneren Last entledigt zu haben, selbst wenn es nur ansatzweise geschieht.
Die ganze Geschichte klingt zu verrückt und am Ende hätte man uns ja doch nur ausgelacht. Wir waren uns einig darüber, dass wenn man uns selbst eine solche Geschichte erzählen würde, dass wir dem Erzähler dabei deutlich in die Augen schauen würden, um festzustellen, ob der Erzähler nun komplett den Verstand verloren hat.
Wieso?
Weil es Geschichten gibt, die einfach zu unglaublich klingen, um sie als bare Münze zu nehmen. Unsere Geschichte gehört zu jenen Geschichten, die, wenn man sie anderen Leuten erzählt, als Witz oder mit einem ungläubigen das – kann – doch – gar – nicht – wahr - sein Ausrufer abgetan werden.
Nun verstehen Sie vielleicht, lieber Leser, warum ich so lange damit zugewartet habe, diese Geschichte zu Papier zu bringen und warum es mich auch etwas Überwindung gekostet hat, es überhaupt zu tun.
Ich meine damit den absichtlichen Verrat, den ich hiermit sogar noch beglaubige, indem ich Sie darüber in Kenntnis setze, wie die Dinge liegen.
Und die Dinge lagen absolut nicht im Rahmen des Fassbaren, wir sollten es mit dem wahrhaft Bösen zu tun bekommen und wir sollten lernen und am eigenen Leib erfahren, dass es gewisse Mächte gibt, die sind und nicht das Produkt oder der Fantasie eines Drehbuchautors oder Hollywood entspringen.
Das Böse existiert und es lebt mitten unter uns!
Und wie es so ist, erkennen wir es nicht, wenn wir es erkennen, ist es in der Regel bereits zu spät, dann, wenn man alle drohenden Anzeigen ignoriert hat und sich einredet, dass einem der Verstand nur ein Streich spielen will.
Hinterher ist man immer schlauer, doch gewisse Erfahrungen würden wir uns lieber ersparen, habe ich recht?
Ich wäre froh gewesen, uns dreien wäre diese Erfahrung erspart geblieben.
Doch das sollte nicht der Fall sein!
Also hatten wir uns damals entschieden, das, was wir in den Karpaten erlebt hatten, einfach für uns zu behalten und mit niemandem darüber zu sprechen, bis heute!
Vielleicht werde ich für meinen Frevel von meinen beiden Fechtfreunden gelyncht oder mit einem Fluch belegt. Wer weiss? Doch wie ein armer Sünder sich seine Sünden von der Seele reden will, so will ich meine Erlebnisse von jenem Wochenende in den Karpaten mit ihnen teilen.
Vielleicht wird es am Ende nur beim kläglichen Versuch bleiben, doch ich will den Versuch wagen.
Ich weiss, dass sie mich nicht lynchen und auch nicht mit einem Fluch belegen werden, ist auch einerlei, weil ich je länger ich darüber nachdenke zu der Überzeugung gekommen bin, dass wir damals mit einer Art Fluch belegt worden sind.
Wir drei haben zwar nie darüber gesprochen, wir haben danach nie wieder über unsere gemeinsamen Erlebnisse miteinander gesprochen und doch wissen wir von den anderen, dass keiner von uns vergessen kann, so gerne wir es auch würden, es geht nicht.
Das ist dasselbe, wie wenn Sie versuchen von etwas loszukommen. Nehmen wir das Beispiel Rauchen oder Popcorn mampfen vor dem Fernseher. Je mehr Sie das nicht mehr wollen, je stärker wird ihr Verlangen nach genau diesen Sachen, von denen Sie loskommen wollen, irgendwie geht es einfach nicht. Shit Happens!
Nur, wenn Sie es mit einem geistigen Ding zu tun haben, dann liegt die Sache noch eine Spur komplizierter vor Ihnen auf dem Seziertisch. Sie wollen diese Sache, die Sie mental aufzufressen scheint, wegmachen, so wie man einen Pickel oder eine Warze wegmachen will. Nur wenn es ein sogenanntes mentales Fickorama ist, dann geht das nicht.
Doch was erzähle ich Ihnen da? Sie wissen doch ganz genau was ich meine. So mentale Dinge wie Neurosen oder Psychosen, wie es die Fachleute im Bereich der Psychologie nennen, schon recht komplexe Angelegenheiten sind.
Deswegen versuche ich, beziehungsweise, ich habe viel mehr das Gefühl und eine von mir unbekannter Quelle spendenden Gewissheit, wenn ich die Geschichte hier niederschreibe, dass ich diesem mentalen Fickorama den Garaus machen kann, es wegmachen, wenn sie so wollen.
Es beginnt bereits zu wirken. Ich meine, schon als ich den Entschluss gefasst hatte, all diese grässlichen Bilder niederzuschreiben, die seit jenen Tagen in meinem Kopf herumspuken, dass es mir bereits bessergeht und ich wie eine Erleichterung empfinde. Die Bilder waren wie ein Geschwür, das mich langsam von innen heraus zu zerfressen drohte. Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass Schreiben eine therapeutische Wirkung auf unsere Seele und unseren Verstand hat und jetzt, wo ich anfange, das hier niederzuschreiben was mich beschäftigt, geht es mir zunehmend besser.
Also hat dieses Zitat oder Spruch wohl eine gewisse Berechtigung wie mir scheint.
Ich wäre glücklich, wenn es tatsächlich so ist, doch ich wage noch ein wenig daran zu zweifeln. Wenn sie wie ich seit Jahren von diesen schrecklichen Bildern und Tönen, in ihren Tagträumen und ihren Träumen in der Nacht verfolgt würden, dann sind ihre Zweifel durchaus legitim und berechtigt. Oder etwa nicht?
Doch in einem Fall wie dem meinem, sind sie bereits glücklich und dankbar, wenn die Linderung auch nur von geringem Ausmass ist. Glauben sie mir, sie sind sogar sehr glücklich, wenn dies eintrifft und ich für meinen Teil hoffe sehr stark, wenn ich mit dieser Geschichte am Ende angelangt bin, mir Erleichterung widerfahren wird.
Eine Garantie dafür habe ich wahrlich keine, doch wenn ich mir mit dem Niederschreiben dieser Geschichte wenigstens einen Teil meiner seelischen Last loswerden kann, dann hat sich meine Art gelohnt.
Ich werde dafür mir selbst immer dankbar sein, oh ja, das gelobe ich so wahr ich ihnen diese Zeilen nun widme und sie für sie (und in erster Linie für mich selbst) schreibe.
Eine Art Läuterung, wenn Sie so wollen, ich nenne es Erleichterung, denn genau dies soll es für mich darstellen. Wenn ich mit meiner Vermutung recht habe, der liebe Gott möge mein Zeuge sein und ich dadurch wirklich eine Erleichterung erlebe, werde ich dies meinen beiden Freunden ebenfalls empfehlen, ihre Bilder und Stimmen, die auch bei ihnen durch die Träume schwirren, niederzuschreiben.
Nennen sie mich an dieser Stelle einen kühnen Vorreiter für uns drei. Ich sehe mich jedoch nicht als kühnen Vorreiter, denn wer weiss, geht der Schuss auch nach hinten los. Dann habe ich eben die Arschkarte gezogen – was soll’s!
Doch wie gesagt, bereits mit dem Entschluss meine Erlebnisse in den Karpaten niederzuschreiben, hat mir eine erste Erleichterung oder nennen Sie es meinetwegen Läuterung gebracht. Mit jeder Zeile, die ich weiter schreibe fühle ich eine weitere Erleichterung in mir drin.
Und da ich nun schon dabei bin und damit angefangen habe, mache ich einfach weiter. Ein Zug der einmal in Gang gesetzt worden ist, sollte man auch nicht stoppen, es sei denn, ein Unglück naht. Mein Unglück wäre in diesem Fall, nicht bis zum Ende zu schreiben und mich bereits vorher von meiner eigenen Angst in dem Schwanz beissen zu lassen, ehe ich das Ende der Fahnenstange erreicht habe.
Wenn es so etwas wie dauerhafte, mentale Rückenschmerzen gibt, dann habe ich diese seit jenen Tagen, gegen Ende Oktober vor vier Jahren. Seit meinem Besuch in den Karpaten versuche ich einfach nur, mir etwas Linderung zu verschaffen.
Schreiben ist in meinem Fall Linderung. Denken sie bitte daran, wenn sie diese Geschichte lesen und an gewissen Stellen ungläubig mit dem Kopf schütteln. Glauben sie mir weiter, ich würde an ihrer Stelle ebenfalls meinen Kopf schütteln.
Doch ich war da, wir drei waren da und wir haben es erlebt, es gefühlt und wir haben es geatmet.
Und stellen sie sich vor, sie würden unter starken chronischen Schmerzen leiden. Sie würden, wie ich, nach jeder Möglichkeit greifen, die sich ergibt, um von diesen Schmerzen loszukommen. Bei mir sind es wie gesagt nicht körperliche Schmerzen, sondern mentale psychische Schmerzen und die haben es echt in sich, das können sie mir glauben.
Ich wollte Sie dies wissen lassen, weil ich nicht will, dass sie mich für einen Scharlatan oder dummen Schwätzer halten. Ich habe mich entschieden diesen Weg zu gehen und da ich mich nun auf den Weg gemacht habe, meinen Entschluss bis zum Ende durchzuziehen, werde ich dies auch tun.
Ich habe mir vorgenommen stark zu sein, denn obwohl ich die ersten Anzeichen von Erleichterung spüre, so spüre ich auch ein inneres Gefühl, als wäre da etwas in meiner Seele und in meinem Kopf, dass mit aller Macht versucht, mich von meinem Vorhaben abzuhalten.
Doch ich war schon immer hart im Nehmen, was eine Voraussetzung für einen Fechter ist, weil ich mir schon manche Schramme bei dieser Sportart zugezogen habe. Ich werde versuchen standhaft zu sein und allen, selbst den geschicktesten Verhinderungstaktiken, zu wiederstehen, um mein Werk, meine Geschichte zu Ende zu schreiben.
Auf das mir eine höhere Macht dabei zur Seite stehe, die Dämonen, die von mir Besitz ergriffen haben, zu besiegen. Ich weiss und fühle es, dass ich auf diese Hilfe angewiesen bin und ich hoffe weiter, die Kraft zu haben diese Geschichte bis zum Ende zu schreiben.
Folgen sie mir nach Transsilvanien, zu jenem verhängnisvollen Abend im Oktober 2008….
Und ich bin nun bereits schon zu weit gegangen um Ihnen eine lange Nase zu zeigen, also will ich Sie darüber informieren, selbst auf die Gefahr hin, dass Sie mich am Ende einen bescheuerten Spinner nennen.
Nun gut, ich muss wohl dieses Risiko in Kauf nehmen, so wie wir drei damals auch ein Risiko auf uns genommen haben, als wir uns entschieden, nach Rumänien an dieses Turnier zu fahren.
Und wie gesagt, nun bin ich sowieso schon zu weit gegangen und habe Sie bis hierher informiert. Würde ich nun einen Rückzieher machen, sozusagen auf eine schäbige Art und Weise, wie man das in der Gossensprache sagt, den Schwanz einziehen, wenn es hart auf hart kommt, dann wäre ich wirklich die miese Type für die der Strick um den Hals am nächstbesten Baum noch die humanste Vergeltungsmassnahme wäre!
Kommen Sie also mit mein werter Freund auf die Reise nach Transsilvanien……
und folgen Sie mir zu den Untoten!
Doch bevor ich anfange von meiner Geschichte zu erzählen, sollte sie mir eines glauben lieber Freund und Leser!
Sie mögen nicht an Untote glauben und dies für ein Schauermärchen halten, dann lassen Sie mich ihnen eins sagen, mir erging es wie ihnen, doch ich wurde eines Besseren belehrt.
Eine Erfahrung die ich gar nicht machen wollte, doch ich musste sie machen und mit mir meine Freunde Rebi und Markus.
Seid diesen Tagen bewahren wir unser Geheimnis für uns, ich für meinen Teil habe mich jedoch dafür entschieden, endlich damit herauszurücken, ungeachtet der Konsequenzen die ich mir damit vielleicht aufbürde.
Soll ich ihnen etwas sagen, es ist mir im Moment auch egal, aber sowas von egal.
Angefangen hatte alles damit, dass ich eine Mail vom Fechtverband erhalten hatte!
Einladungen an Fechtturniere, national oder international werden in der Zeit von Internet und E-Mail elektronisch versendet, mit einer PDF Datei im Anhang mit allen wichtigen Informationen. Es war allerdings der Titel in der Betreff Zeile, die in mir ein Kribbeln verursacht hatte, eine augenblickliche Gänsehaut.
Bei diesem Mail hatte es sich um eine Einladung gehandelt und was mich –wenn ich im Nachhinein an die ganze Geschichte denke – wohl sofort angesprochen hatte, war die Betreffzeile.
Mensch, wenn du als Fechter so eine Mail bekommst, mit einem solchen Betreff und du zu den älteren Semestern gehörst, die sich noch an die alten schwarz-weiss Filme aus den siebziger Jahren, mit Christopher Lee als Graf Dracula erinnern können, dann lässt dich so eine Betreff Zeile nicht einfach kalt.
Nein, das ist wie Nitro und Glyzerin in einem vereint, eine verdammt explosive Mischung, die es in sich hat. Sie hatte es insofern in sich, dass meine Augen wie gebannt auf dieser Betreffzeile ruhend fixiert waren. Ein Turnier im Land des Fürsten der Untoten. Das ist genau die passende Kulisse fand ich und zugegeben, mein Kopf Kino fing mächtig an zu rattern, vermischt mit diesem Gänsehautgefühl.
Mich hat sie nicht kalt gelassen und so habe ich erst einen weiteren Schluck Kaffee aus meiner Tasse getrunken und las danach den Inhalt der beigefügten PDF Datei mit allen Informationen und Einzelheiten dieses aussergewöhnlichen Turniers. Nun gut, nicht das Fechten an sich ist aussergewöhnlich (für Aussenstehende vielleicht schon) doch die Lokation macht in diesem Fall den Unterschied aus, gibt dem Ganzen den gewissen Kick.
Etwas hatte von mir Besitz ergriffen und dieses Gefühl kann ich nicht genauer beschreiben. Es war einfach eine Mischung aus sich langsam sträubenden Nackenhaaren und einem spürbar schnelleren Herzrhythmus. Dieses Gefühl stellte sich ein, als ich anfing die Mail genauer zu lesen und sah was geboten werden sollte.
Ein Fechtclub, aus einer Ortschaft für unsere Verhältnisse schwer auszusprechenden Namen, die zu Deutsch Kronstadt heisst, war der Organisator dieses Fechtturniers.
Das war echt starker Tobak. Ich las weiter, wie ein Süchtiger der sich die Nadel setzt, auch wenn er dies im Grunde genommen gar nicht will. Doch wie ein Süchtiger sich seiner Sucht nicht entziehen kann, so konnte ich mich der Magie dieses Mails einfach nicht entziehen.
Ehrlich gesagt, ich wollte es in diesem Moment auch gar nicht, die ganze Sache war einfach zu geil um davon abzulassen oder sich nicht damit zu befassen. Zudem muss ich gestehen, bin ich schon immer ein grosser Fan von Dracula Filmen gewesen und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich die alten Dracula Filme aus dem 70er Jahren mit Christopher Lee förmlich in mich eingesogen hatte.
Nun kommt der Hammer, (das was der ganzen Sache seinen Reiz verleiht) der Austragungsort sollte Schloss Bran, in den Karpaten in Rumänien sein. Sollte man den Angaben aus den Reiseführern glauben, dann handelte es sich bei Schloss Bran, um das Schloss von Graf Dracula.
Holy Moly, was sagt man dazu?
Ich erinnere mich noch wie ich bei diesen Zeilen für mich selbst dachte, das ist ja abgefahren, ein Fechtturnier im Schloss des Grafen Dracula in Transsilvanien. Die Jungs verstanden etwas von cleverem Marketing und wussten anscheinend, wie man Fechter an ein Turnier lockt. Fechtturniere werden ja oft in einem entsprechenden Ambiente ausgetragen, so war es nicht das erste Mal, dass Turniere an historischen Orten durchgeführt werden. Irgendwie gehört das eine zum anderen.
Wie oft im Leben hat man die Möglichkeit in einem Schloss zu fechten, in einem derart geschichtsträchtigen Ort? Gut, das haben wir alles schon erlebt und passt auch irgendwie zum Fechtsport, wenn das Ambiente stimmig ist. Doch Schloss Dracula, einfach abgefahren, mehr kann ich nicht dazu sagen.
Mehr war dazu auch nicht zu sagen, wozu und warum auch!
Wir, meine beiden Kollegen aus dem Fechtclub und ich, beschlossen kurzerhand uns für dieses Turnier anzumelden. Die Fahrt von der Schweiz nach Rumänien würde einen Tag in Anspruch nehmen und wir würden dafür sorgen, schon einen Tag vor Turnierbeginn im Ort Kronstadt einzutreffen.
Wir fuhren schon seit Jahren zusammen an Turniere und ein solches Turnier, nein das wollte ich mir nicht entgehen lassen, dazu war die Vorstellung des Ortes einfach zu besonders, um die Gelegenheit sausen zu lassen. Es war allerdings eine ziemliche Strecke, doch trotzdem …. Schloss Dracula!
Wir würden ein paar Tage unterwegs sein, das war die Fahrerei allemal wert, gar keine Frage.
Wir machten es immer so. Dadurch vermieden wir es Stress zu haben und konnten am Turniertag entspannt im Hotel frühstücken und dann ans Turnier fahren. Und dabei würden wir noch Zeit haben, uns die Gegend etwas genauer anzusehen, eben stresslos, das Turnier mit einem Ausflug verbinden.
Das Turnier würde am Sonntag, den 27. Oktober 2008, stattfinden.
Heute schreiben wir den 21. August 2008, also hatten wir noch genug Zeit um alle Reisedetails zu besprechen. So meldeten wir uns für dieses Turnier an, das auf Schloss Bran in Transsilvanien durchgeführt würde. Doch zwei Monate würden auch schnell rum sein, das wusste ich und das wussten auch meine beiden Begleiter.
Immer noch von der Vorstellung gepackt in einem echten Schloss in den Karpaten zu fechten, übte auf mich eine ganz besondere Magie und Anziehung aus. Ich denke es ergeht wohl jedem so, selbst wenn die Geschichte um Graf Dracula eine Erfindung der Filmindustrie war. Das Ganze hatte etwas Beklemmendes und Magisches an sich, also die Art von Gefühlskombination, die einem einen gewissen Grad an Bammel in der Magengrube verursacht.
Nach der Anmeldung liess ich meiner Gedankenkraft noch einen Moment freien Lauf, ehe ich mich wieder den alltäglichen Dingen zuwandte und mich dabei um meine Arbeit kümmerte. Bis zum Treffen mit Graf Dracula blieb ein Zeitfenster von gut zwei Monaten.
Was zu diesem Zeitpunkt keiner von uns dreien wusste war, dass wir sehr wohl Bekanntschaft mit dem Übernatürlichen machen sollten und zwar auf eine Art, wie wir uns das so kaum vorgestellt hatten.
Das war auch gut so, dass keiner von uns zum Zeitpunkt der Anmeldung wusste, was wir erleben sollten. Hätten wir es gewusst oder hätten wir es geahnt, wir wären nicht nach Transsilvanien gefahren, Schloss Bran und Dracula hin oder her.
Oftmals sind wir froh, wenn wir nicht wissen was die Zukunft für uns bereithält. Nichts gegen die angenehmen und schönen Überraschungen im Leben, doch die weniger schönen Überraschungen gehören wohl auch dazu!
Und eine dieser weniger schönen Überraschungen, die uns allen noch lange in Erinnerung bleiben sollte, würde uns in Rumänien erwarten.
Das Unheimliche wartet auf gewisse Menschen ganz gezielt, oder waren wir einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Es hätte genauso gut nichts von alledem geschehen können, was geschehen war.
Doch es war geschehen und ich bin der Überzeugung, dass Dinge nicht einfach so geschehen, sondern hinter allem ein tieferer Sinn liegt.
Über den tieferen Sinn, unserer damaligen Erlebnisse, bin ich mir noch nicht so richtig im Klaren. Vielleicht werde ich und meine Freunde es auch nie sein, ich weiss nur eines mit Sicherheit, je mehr ich mir die ganze Sache von der Seele schreibe, umso besser geht es mir.
Vielleicht liegt hier der Sinn begraben, dass jemand über das schreibt was er erlebt hat, so dass die Menschen einen stichhaltigen Beweis dafür haben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich auf rationaler Basis nicht erklären lassen.
Anyway, wir hatten uns angemeldet und wir würden nach Rumänien fahren. Für den Moment war das alles was wir wussten und wir freuten uns auf den Abstecher nach Rumänien, soll es dort doch atemberaubende Landschaften geben und Transsilvanien ist ja für seine Vampire und Werwolf Geschichten bekannt.
Wie gesagt, Vampire und Werwölfe sind keine realen Erscheinungen, auch wenn gewisse Menschen berichten, dass es diese Kreaturen wirklich gibt, sie hätten Beweise für deren Existenz. Ich glaubte nicht daran und meine Begleiter ebenfalls nicht.
Es ist wohl der Mythos, der solche Geschichten leben und erhalten lässt, weil wir Menschen uns gerne nach Mythen und Helden orientieren. Und Dracula, nun, das war schon eine Liga für sich, jedes Kind kennt schliesslich die Geschichte des blutrünstigen Grafen und seinem Schloss. Bram Stoker hatte diesen Mythos geschaffen vor über hundert Jahren, und er hatte bis heute nichts von seinem Glanz und Anziehungskraft verloren.
Zumindest trifft diese Behauptung zu hundert Prozent auf mich zu.
Ich muss aber auch zugeben, meine Fantasie hat diese Vorstellung, für ein verlängertes Wochenende nach Rumänien zu fahren, gewaltig beflügelt.
Und die Toten reisten mit uns und sie reisten schnell! Dieser Gedanke jagte mir einen weiteren Schauer über den Rücken, ich zuckte unkontrolliert zusammen und ich bekam Lust auf etwas Süsses, ich machte mich auf nachzusehen, ob ich noch Schokolade im Haus hatte.
So wie Dracula frisches Blut brauchte, so brauchte ich nun etwas Süsses, ja, man kann daraus durchaus seine Parallelen ziehen.
Ich vermute zu wissen was Sie im Augenblick gerade denken, doch ich muss Ihnen bereits hier an dieser Stelle eine herbe Enttäuschung zufügen. Nicht dass mir das Spass machen würde, nein, doch es kam ganz anders auf unserer Reise, wie Sie nun mit spitzbübischer Manier und einem kleinen Schuss Sherlock Holmes feststellen.
Ganz anders, doch ich will den Dingen nicht vorgreifen, sondern will mich wirklich an alle Details unserer Reise halten. Ich habe Ihnen schliesslich versprochen Sie mit auf unsere Reise zu nehmen und deshalb ist es wichtig, dass ich mich dabei an die Chronologie halte. Und ausserdem will ich mir endlich, nach Jahren die ganze Geschichte von der Seele schreiben, mich mental erleichtern.
Die Wochen vergingen und ich dachte nicht mehr weiter über Rumänien, Schloss Bran und Graf Dracula nach. Doch kam der Tag der Abfahrt nach Kronstadt mit jedem Tag etwas näher.
Der Berufsalltag hatte mich eingeholt und bis zu unserem Treffen mit Graf Dracula und Schloss Bram blieben schliesslich noch ein paar Wochen Zeit.
Inzwischen hatten wir, das heisst ich über Michelin Routenplaner im Internet schlau gemacht, wie und vor allem wie lange wir von Zürich aus nach Kronstadt zu fahren hatten. Ich war von ungefähr sechs- bis siebenhundert Kilometer ausgegangen, ich sollte mich täuschen. Gewaltig täuschen sogar.
Es waren eintausendachthundert Kilometer. Als mir diese Distanz so richtig bewusstwurde, dachte ich daran, ob die anfängliche Idee, nach Rumänien zu fahren, um an einem Fechtturnier teilzunehmen, wohl doch nicht so klug war. Doch ich verwarf den Gedanken schnell wieder, geplant war geplant und ausserdem hätte mir Rebi eine Standpauke gehalten wie noch niemals jemand zuvor, wenn ich einen Rückzieher gemacht hätte. Markus hätte es verstanden, doch nicht Rebi.
Wir hatten uns entschieden mit dem Auto zu fahren, doch hallo, eintausendachthundert Kilometer schleckte keine Kuh so einfach weg, und diese Distanz bezog sich nur auf den Hinweg, zurück würden wir nochmals dieselbe Distanz abspulen müssen. Auf der anderen Seite waren wir zu dritt und jeder von uns konnte Autofahren, wir würden uns gegenseitig abwechseln, es ging ja auch nicht darum, dass einer alleine hinter dem Steuert die ganzen Autobahnkilometer alleine runterspult.
Gut tausendvierhundert Kilometer waren Autobahn, die restlichen ungefähr vierhundert Kilometer Hauptstrasse oder was auch immer, in Rumänien sollen die Strassen ja nicht den Standards wie bei uns in der Schweiz entsprechen. Wir würden von Wettingen in der Schweiz starten. Alleine bis Wien wären es ungefähr achthundert Kilometer. Egal, wir würden dort ankommen und würden völlig fremde Gegenden zu sehen bekommen und … ja, das Schloss selbst!
Jedes Mal wenn ich daran denken musste, überkam mich ein Schauer, vielleicht ging bei mir dabei einfach die Fantasie durch, doch Rebi hatte mir zu gemunkelt, dass sie sich genauso freute wie ich, doch der Ort, na ja, wäre etwas gespenstisch, doch würde sie sich davon nicht abbringen lassen, ihr ging es ums Fechten und nicht um Vampire und andere seltsame Typen.
Nach kurzem Überlegen habe ich dann entschieden. Egal ob es eine weite Strecke zum Fahren ist, wir gehen da hin und meine beiden Freunde freuen sich auch darauf. Du fährst ja nicht alleine und jeder von uns dreien kann Autofahren, also können wir uns gegenseitig abwechseln.
Ich habe schon ganz andere Strecken bei Wind und Wetter ganz alleine gefahren, also schaffen wir das auch. Ich war mir auch bewusst, dass wir für die Strecke zwei Tage an Fahrtzeit brauchen würden. Tja, was macht man nicht alles um einmal auf Schloss Dracula fechten zu dürfen.
So vergingen die Tage und ich kümmerte mich um einen brauchbaren und zuverlässigen Wagen. Ein guter Freund der eine Garage besitzt, habe ich angefragt, er stellte uns für unsere Fahrt einen schwarzen Range Rover zur Verfügung.
Für eine solch lange Reise braucht ihr einerseits Platz und andererseits einen bequemen Wagen, meinte mein Freund, ich dachte kurz nach und nickte dann zustimmend, daran gab es nichts zu erwidern.
Wir würden zuerst einen Teil durch Österreich fahren, dann eine gewisse Zeit durch Bayern und schliesslich durch Ungarn und Jugoslawien bis wir endlich auf rumänischem Boden sein würden. Ja, irgendwie abgefahren so weit zu fahren, nur um an einem Turnier teilzunehmen.
Doch es ging mir noch um etwas Anderes. Es ging mir darum einmal in Transsilvanien zu sein, diesem Sagen und Legenden umworbenen Land, mit all seinen düsteren Geheimnissen aus seiner Geschichte. Angeblich soll es immer noch Orte geben, an denen unerklärliche Dinge geschehen.
In meinem tiefsten Innern würde ich zu gerne einmal Bekanntschaft mit dem Unbekannten machen. Ich habe keine genaue Vorstellung wie eine solche Bekanntschaft im Einzelnen aussehen würde. Ich war mir sicher, wenn ich eine solche Erfahrung machen sollte, würde sie speziell sein.
Gut möglich, dass ich dabei vor Schreck in die Hosen pinkeln würde, doch das Risiko musste ich einfach auf mich nehmen – no risk, no fun.
Die Vorstellung mit dem Fürsten des Blutes hatte etwas Beängstigendes und Faszinierendes zugleich. Hey, Schloss Bran soll schliesslich eine Touristenattraktion sein. Da waren schon jede Menge zu Besuch und mir ist kein einziger verbriefter Fall bekannt, bei dem eine Person von einem Vampir gebissen worden ist.
Warum sollte das also bei uns anders sein, dachte ich mir damals. Was ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass das Grauen und Unsichtbare nicht immer Zähne hat und nach Blut verlangen muss, es gibt noch andere Möglichkeiten.
Wir sollten sie an unserem eigenen Leib erfahren.
Manchmal ist oder wäre es besser, wenn wir mehr auf unsere innere Stimme hören würden, also auf unsere Intuition. Bei mir ist es nicht anders und der Tag unserer Abreise kam schliesslich näher.
Ich hatte seit einigen Tagen schlecht geschlafen. Warum ich das weiss? Nun, als ich in jenen Tagen im Oktober, vor unserer Abreise nach Transsilvanien missgelaunt aufgewacht bin, ohne jedoch einen bestimmten Anhaltspunkt dafür anbringen zu können. Ich war missgelaunt, so wie wenn man das Gefühl hat schlecht geschlafen und einen bösen Traum gehabt zu haben.
Ich hatte schlecht geschlafen, sass auf meiner Bettkante und fühlte mich wie gerädert. Ich versuchte mich daran zu erinnern ob ich geträumt hatte. Hatte ich oder hatte ich nicht? Ich hatte keine Ahnung! Ich schüttelte diese Gedanken und Empfindungen von mir ab, wie ein Hund das Wasser aus seinem Fell schüttelt, nachdem er aus dem Wasser gestiegen war.
Angeblich träumen die Menschen jede Nacht, wenn man den Ergebnissen der neusten Forschungsstudien Glauben schenken sollte. Ich für meinen Teil bin da wohl eher ein schlechtes Beispiel, ich träume nicht, jedenfalls nicht wissentlich. Und wenn dann doch einmal, dann kann ich mich in den seltensten Fällen daran erinnern.
Doch zu jener Zeit hatte ich einfach schlecht geschlafen und spürte eine innere Unruhe, die ich selbst nicht genauer definieren konnte. Ich freute mich auf unsere Reise zu Graf Dracula und auf das Fechtturnier.
Vielleicht war es einfach eine Überreaktion meines Körpers, denn ich hatte zu dieser Zeit auch beruflich viel zu tun und hatte mir für dieses Turnier und die Tage in Rumänien, eine Woche Ferien genommen.
Ein paar Tage weg von dem Ganzen würde mir nicht schaden, dachte ich damals.
Die Tage und Wochen vergingen bis schliesslich der grosse Tag kam.
Es war Mittwoch, der 23. Oktober 2008, also ein Tag vor unserer Abreise nach Rumänien. Da wir über tausendachthundert Kilometer zu fahren hatten, hatten wir beschlossen bereits am Donnerstagmorgen loszufahren und an diesem Tag bis nach Budapest zu fahren, um dort zu übernachten.
Von Budapest aus würden wir dann weiterfahren bis nach Kronstadt in Rumänien. Gemäss Routenplaner hatten wir mit Budapest die Hälfte der Reise hinter uns.
Wieder kam mir in den Sinn was ich so lange und geschickt in den Tiefen meines Unterbewusstseins hatte absacken und schlummern lassen. Wir hatten eine Strecke von fast eintausendachthundert Kilometer zu fahren. Komplett bescheuert, jedoch eine Tatsache.
Und diese Tatsache waberte nun an den Rändern meines Bewusstseins herum. Morgen würden wir losfahren und dies schon um sechs Uhr in der Früh. Herrgott ich hasse es so früh aufzustehen und dabei schnaubte ich laut hörbar durch meinen Mund.
Der Mittwoch verging ohne besondere Vorkommnisse. Das dumpfe Gefühl in meinem Magen frischte mal auf, ehe es wieder langsam abflaute, es war ein stiller und hartnäckiger Begleiter geworden, der mich durch den Tag begleitete. Sie kennen das Gefühl, wenn sie etwas gegessen haben, das ihnen auf den Magen schlägt. Sie sind nicht wirklich krank und bettlägerig und doch sind sie auch nicht auf dem Damm, wie sonst.
Sie fühlen sich auf eine seltsame Art neben den Schuhen, die Gedanken immer einen Tick zu langsam, was wohl einen direkten Zusammenhang mit ihrem flauen Gefühl in der Magengegend zusammenhängt.
Tagsüber war ich auf der Bank gewesen und hatte mir ausreichend Euros besorgt und meinen Pass bereitgelegt. Vorsichtshalber hatte ich mir eine ganze Stange Chesterfields besorgt, nicht auszudenken, wenn mir mein blauer Stoff ausgeht! Marlboro bekommst du ja überall zu kaufen und wenn nicht, hatten die Einheimischen bestimmt Zigarettensorten im Angebot die so grässlich zum Rauchen waren, dass man sich kurzerhand entschied zum Nichtraucher zu werden.
Wenn sich Unannehmlichkeiten vermeiden lassen, dann vermeide ich diese gerne, macht ja auch Sinn, finde ich.
Ich hatte von meinen Eltern erfahren, die schon ein paar Mal Reiterferien in Ungarn gemacht hatten, dass die Ungaren eine gute, deftige und für unsere Verhältnisse sehr fettige Küche hatten.
Dies war mir in den Sinn gekommen, als ich mir im Internet unsere Reiseroute nochmals genau angeschaut hatte. Darauf hatte ich für mich, nein für uns drei eine Flasche Whisky gekauft, die wir mitnehmen würden.
Um auf Nummer sicher zu gehen, würde ich nach jeder Mahlzeit einen ordentlichen Schluck Whisky runterkippen, der dann dafür sorgen würde, dass alle Viren, Bakterien oder was auch immer im Essen sein konnte, abgetötet würden und ausserdem liebe ich Scotch Whisky.
Schliesslich ist Single Malt Whisky nicht einfach nur Alkohol, sondern Medizin. Eine Tatsache die jeder Schotte beim Eid auf alle bekannten und weniger bekannten Heiligen schwor.
Das ungute Gefühl in meiner Magengegend flaute nicht ab. Das Gefühl, das sich nicht näher umschreiben lässt. Ein Gefühl, dass ein Unheil geschehen wird. Ich versuchte mir einzureden, dass ich mir das alles nur einbildete, da wir Schloss Dracula besuchen würden, ein Ort um den sich viele sagenumworbene Gerüchte rankten. Ich schob dieses Gefühl einfach weg, so gut es eben ging.
Ich schrieb es also diesem Umstand zu und ignorierte diese seltsamen Vorahnungen ganz gezielt. Ich meine, es war nun noch ein Tag bis zu unserer Abreise und da kann ich keinen Rückzieher mehr machen, nur weil ich ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache habe, stimmt’s?
In einer Woche oder früher, würden wir wieder zuhause sein und ich würde mir sagen können, dass meine Bedenken vollkommen unbegründet gewesen waren und ich mich einfach in etwas hineingesteigert habe. Doch egal wie ich es anstellte und versuchte mir zu suggerieren, dass ich mir nur was vormachte, das dumpfe Gefühl blieb.
Doch ich hatte mich in nichts hineingesteigert. Wir alle würden etwas erleben was uns niemand glauben würde. Das ist der Grund, warum wir unsere Erfahrungen die wir in Rumänien gemacht haben, auch für uns behalten würden.
Dass es auf der Welt unerklärliche Dinge gibt und diese auch geschehen, das wusste ich und ich wusste ebenfalls, dass an Orten die für ihre Vergangenheit bekannt waren, seltsame, ja gelegentlich geradezu unheimliche Dinge geschahen.
Doch dass ich selbst ein solches Erlebnis dieser Art erfahren sollte, wusste ich noch nicht. Hätte ich auf mein Bauchgefühl und meine Empfindungen gehört, dann hätte ich diese Dinge nie wirklich erlebt.
Ich würde heute nicht über Nächte berichten, in denen ich teilweise mitten in der Nacht erwachte mit einem Gefühl, als würde jemand versuchen, mich zu erwürgen und ich nach Luft japsend aufschreckte.
Nein, dies wäre mir erspart geblieben. Doch da ich nicht hören wollte, mussten wir alle es an unserem eigenen Leib erfahren.
War es nicht Charles Dickens der einmal geschrieben hatte, dass die Unwissenden von den Taten des Unvorstellbaren nicht vorschont bleiben würden?
Irgendwie musste der gute alte Charles Dickens wohl eine ähnliche Erfahrung wie wir gemacht haben, sonst würde er kein solches Zitat von sich geben können. Heute denke ich anders darüber, doch damals noch nicht.
Vielleicht ist es auch besser so, ich weiss es nicht!
Ich ging also wieder in die tägliche Routine über, nachdem ich alle wichtigen Unterlagen beisammen, meinen SUV vollgetankt und die Reiseroute sicherheitshalber noch ausgedruckt hatte.
Dann, nachdem ich selbst meine Fechtausrüstung durchgecheckt hatte, meine Reisetasche kontrolliert, Geld Pass und die Zigaretten und den Whisky nochmals überprüft hatte, dass alles dort war wo es sein sollte, legte ich mich schlafen.
Mein Wagen hatte ein Navigationssystem. Wir wussten, dass wir die ganze Strecke nicht in einem Stück durchfahren, sondern irgendwo auf halber Strecke übernachten würden und die Hälfte war gemäss Routenplaner bereits irgendwo auf rumänischem Boden.
Egal hatte ich mir schliesslich gesagt, ob wir dort oder dort übernachten, du bist schon auf der halben Welt übernachtet und wirst auch morgen Abend ein Bett zum Schlafen haben, ob das nun bereits auf rumänischen Boden ist oder nicht. Zudem, so hatte ich mir gesagt, hatten wir bewusst genug Zeit für die Hin und Rückreise eingeplant.
Es war kurz nach zwei Uhr morgens als mich mein Wecker aus dem Schlaf holte, doch ich weiss noch, ich hatte eher gedöst als geschlafen, vielleicht deshalb, weil ich mir vorgenommen hatte nicht zu verschlafen.
Wir würden uns in Wettingen treffen, von Luzern bis nach Wettingen hatte ich ungefähr eine Stunde Fahrtzeit, ich hatte mir vorgenommen, spätestens um halb vier morgens loszufahren. Um diese Zeit braucht ich mir noch keine Gedanken über die morgendliche Rush Hour Luzern – Zürich zu machen, doch wie ich Rebi und Markus kannte, würden die beiden auch frühzeitig dort sein.
Schliesslich kam dann der Moment und ich holte meine beiden Freunde, die zusammen mit mir nach Rumänien fuhren, am vereinbarten Treffpunkt ab.
Und wie ich vermutet hatte, waren beide bereits da, ich hatte einen Blick auf die Uhr geworfen, es war 4:42.
Markus hatte zusammen mit seiner Lebenspartnerin Gertrud Rebi abgeholt und waren dann gemeinsam zur AVIA Tankstelle gefahren, dem vereinbarten Treffpunkt in Wettingen. Es war ein guter Treffpunkt, von der Autobahnabfahrt Wettingen Otelfingen in wenigen Minuten erreicht, und ebenso schnell wieder auf der Autobahn.
Rebi war gerade dabei eine Zigarette zu rauchen während sie in der rechten Hand einen Pappbecher mit Kaffee hielt, aus dem sie gelegentlich schlürfte. Markus hatte ebenfalls einen Pappbecher mit Kaffee in der einen und ein Sandwich in der anderen Hand.
Wir begrüssten uns, dann fragte mich Rebi ob ich ebenfalls einen Kaffee haben wollte, ich stimmte freudig zu, Rebi war zweifache Mutter, ihre Kinde waren inzwischen schon grösser und selbständig, Frauen denken eben auch an die kleinen Dinge, wie eine Thermoskanne mit heissen Kaffee oder Sandwiches und einigen Wasserflaschen für die Reise.
Zehn Minuten später verabschiedeten wir drei uns von Gertrud, packten die Fechtausrüstungen von Rebi und Markus in den Range Rover den ich vom meinem Freund geliehen bekommen hatte, sowie die Reisetaschen, die Sandwiches das Obst und die Wasserflaschen.
Dann fuhren wir los, die Uhr am Armaturenbrett zeigte 5:09.
Ich fuhr bis zum Dreiländereck Schweiz – Deutschland – Österreich, dann wechselten Rebi und ich die Plätze. Während sie fuhr, sass ich auf dem Beifahrersitz und schaute aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft.
Markus sass hinten, schon kurz nachdem wir Zürich hinter uns gelassen hatte, war er eingeschlafen. Ich fühlte mich wach und fit, obwohl ich kaum geschlafen hatte und in dem Moment realisierte ich auch, dass ich mich auf unseren Ausflug nach Transsilvanien freute.
Ich bin ganz froh, wenn ich auch einfach nur mal auf dem Beifahrersitz Platz nehmen kann um die Gegend anzuschauen. Da gibt es immer wieder Interessantes zu sehen und wir waren gut unterwegs, irgendwie zu gut.
Die Toten reisen schnell schoss es mir durch den Kopf, doch wir waren keine Toten. Warum war mir dieser Satz in den Sinn gekommen?
Lag es daran, dass wir in einem schwarzen Geländewagen unterwegs waren, dessen Heck und Seitenfenster dunkel getönt waren? Unser Wagen hatte daher im Entferntesten eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Leichenwagen. Vielleicht.
Und in unseren drei grossen Sporttaschen, in denen wir unsere Fechtausrüstungen mitführten, war nicht unsere Ausrüstung drin, sondern …. drei Untote.
Wir würden nicht zu Graf Dracula fahren, um auf seinem Schloss zu fechten, nein, Graf Dracula war bereits mit uns auf dem Weg nach Hause in sein Schloss, Schloss Bram. Er reiste mit uns in einem schwarzen Geländewagen, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Leichenwagen hatte.
Keine schwarze Kutsche, mit vier schwarzen Pferden die vorne eingespannt waren, nein, auch Graf Dracula reiste inzwischen moderner.
Was denkst du dir für einen Schwachsinn zusammen durchfuhr es mich.
Unweigerlich zuckte ich leicht zusammen. Rebi hatte mein Zucken bemerkt und fragte mich was mit mir los sei?
Ich log, indem ich ihr sagte, dass ich ein Muskelzucken im Bein gehabt hätte, so ein unkontrolliertes Zucken eben, das wie aus dem Nichts kommt und dich und dein Bein, oder manchmal ist es auch ein Arm, der diesen kurz aufzucken lässt.
Rebi nickte nur und achtete weiterhin auf die Autobahn vor sich. Der Verkehr ging zügig voran und mit jedem Kilometer, kamen wir Kronstadt in Rumänien ein Stück näher. Auch wenn wir inzwischen bereits einige hundert Kilometer zurückgelegt hatten, es waren nochmals so viel, was wir heute schaffen wollten.
Inzwischen waren wir schon längere Zeit auf österreichischen Boden und auf der Autobahn Salzburg – Wien, die Uhr auf dem Armaturenbrett zeigte 10:13.
Obwohl wir genügend Wasser Früchte und Sandwiches dabeihatten und von Zeit zu Zeit eine rauchten, so hatten wir einstimmig beschlossen bei der nächsten Raststätte rauszufahren, um zu tanken und uns die Füsse zu vertreten.
Ich musste pinkeln und eine Kleinigkeit essen. Etwas Warmes brauchte ich im Magen und auch meine beiden Mitfahrer äusserten sich, dass sie etwas essen und auf die Toilette mussten.
Markus war kurz vor Salzburg erwacht, hatte sich geräuspert und hatte als erstes wissen wollen, wo wir waren. Rebi hatte es ihm gesagt, dabei hatte Markus zufrieden genickt und sich die Augen gerieben, dann zur Wasserflasche gegriffen und hörbar mehrere grosse Züge daraus getrunken.
Nach ungefähr fünfzig Kilometern kam eine Autobahnraststätte in Sicht, Rebi fuhr von der Autobahn, brachte den Wagen unmittelbar vor den Toiletten zum Stehen, wir steuerten alle gemeinsam die Toiletten an.
Wir trafen uns wieder neben unseren schwarzen Range Rover, wieder kam mir der Gedanke einer schwarzen Kutsche beim Anblick in den Sinn, ich drehte mich weg um den Wagen nicht ansehen zu müssen und rauchte eine Zigarette.
Es tat gut nach der langen Autofahrt, wieder die Beine vertreten zu können. Es wehte eine leichte Brise, es war leicht bewölkt, doch es würde nicht regnen. Ich fühlte mich erleichtert, nachdem meine Blase geleert war und endlich eine Zigarette zu rauchen.
Einen Moment berieten wir uns, ob wir hier an der Raststätte etwas essen sollten, etwas Warmes essen, schliesslich hatten wir Sandwiches und Früchte dabei, oder ob wir noch weiterfahren sollten und erst gegen 13 Uhr etwas Warmes zu uns zu nehmen. Die Entscheidung war schnell getroffen, wir fuhren weiter und wollten noch Strecke machen, richtig Hunger hatte noch niemand so richtig und ein zwei Stunden würden wir es aushalten. Also stiegen wir wieder ein, Rebi setzte sich wieder ans Steuer, was mir und Markus ganz recht war, wir verliessen die Raststätte und fuhren wieder auf die Autobahn.
Wir hatten die Absicht, an diesem Tag die österreichische Grenze nach Ungarn zu überqueren, es war nur schon eine Kopfsache, zu wissen, dass wir in einem Tag drei Länder überquert hatten und am anderen Tag immer noch an die achthundert Kilometer vor uns hatten.
Wie gesagt, wir versuchten dadurch einfach unserem Verstand ein Schnäppchen zu schlagen.
Während der Fahrt sagte Rebi etwas, was mir eine gewisse seelische Genugtuung verschaffte. Sie meinte, dass es doch bescheuert von uns war, eine solche Strecke mit dem Auto zu fahren und das Ganze nur für ein Fecht Turnier.
Bingo, liebe Rebi, dachte ich für mich selbst. Dann bin ich also nicht der Spielverderber und anderen ergeht es genauso. Drei bescheuerte Fechter aus der Schweiz, die tagelang über die Autobahnen von mehreren Ländern donnern und für was…. ja für was?
Ein Turnier!
Die ganze Sache bekam durch Rebis Aussage einen gewissen masochistischen Touch. Wir waren nun hier, irgendwann mal vor den Toren Wiens, und der Zeitpunkt, sich jetzt darüber klar zu werden, war etwas spät gekommen!
Etwas reichlich spät sogar.
Zumindest dann, wenn man bereits gut tausend Kilometer runtergespult hatte und sich dem tröstlichen Glauben hingeben konnte, mit diesem tausend Kilometer die halbe Strecke geschafft zu haben. Von der Rückreise will ich nun erst gar nicht zu sprechen kommen, ja mich nicht einmal mit diesem Gedanken befassen.
So gesehen ja, die ganze Sache war in rationaler Hinsicht gesehen, bescheuert!
Ja schon, hatte ich beiläufig bemerkt, doch schliesslich geht es darum, dass wir nicht irgendwo fechten, fügte ich hinzu, Leute, wir fechten auf Schloss Bram in Transsilvanien. Das gab dem Ganzen die besondere Note und den Grund, wenn auch einen bescheuerten, dies hier alles zu machen. Einen Moment schwiegen alle.
Markus hatte stumm genickt und mir somit seine Zustimmung gezeigt, Rebi lächelte was mir sagte, dass sie den Gedanken sehr reizvoll fand, obwohl wie ich wusste, sie kein Liebhaber von Dracula oder anderen Vampirfilmen war, doch dies schien auch weniger von Bedeutung zu sein, Hauptsache ein geiles Turnier an einem geilen Ort mit hoffentlich guten Fechtern.
Manchmal machen Menschen eben bescheuerte Dinge. Das gehört wohl einfach zu unserer Spezies oder vielleicht war ein Code in unserer DNA hinterlegt, der dafür sorgte, dass Menschen sich gelegentlich bescheuert benahmen.
Normal ist es nicht, ich weiss, doch wir waren hier – Ende der Durchsage.
Graf Dracula, hatte Markus beiläufig gesagt, als ich Schloss Bram erwähnte. Er hatte es in einer beinahe ehrfürchtigen Weise ausgesprochen, mehr ein Flüstern und dabei war sein Blick auf einen Punkt in der Ferne fixiert gewesen. Vielleicht hatte er dort, an diesem, für andere Menschen unsichtbaren Fixpunkt etwas gesehen, dass nur er sehen konnte.
Zu einem späteren Zeitpunkt an diesem Tag überkam mich ein seltsames Gefühl, so als würde langsam etwas von mir Besitz ergreifen, je näher wir dem Ziel der Reise kamen. Dabei hatte ich mich, nachdem ich mich mit Rebi in der Steuer abgewechselt hatte, nachdem wir die Schweizer Grenze heute Morgen passiert hatten, ein so gutes Gefühl gehabt. Ein Gefühl, wenn man sich auf ein paar entspannte Tage freute.
Doch diesmal hatte ich nicht, wie zuvor im Wagen, gezuckt, damit mich Rebi wieder hätte von der Seite anschauen können um mich zu fragen, ob etwas los sei! Bald würden wir die ungarische Grenze erreichen, das seltsame Gefühl fing an, sich zu verstärken, ich tat es ab und versuchte es zu ignorieren.
Nein, Rebi Schätzchen, es ist alles in bester Ordnung! Das dunkle Grauen von Schloss Bram streckte seine unsichtbaren Fühler einfach nach mir aus und in unseren Sporttaschen lagen nicht unsere Fechtausrüstungen und Degen, nein, in unseren grossen Taschen führten wir die lebendigen Gebeine von drei Vampiren mit uns. Ich fühlte wie mich eine innere dumpfe Angst erfasste und dabei versuchte, mir die Luft zu Atmen abzudrehen. Vielleicht das Sandwich oder die lange Fahrt oder die Spannung darauf, was mich, was uns erwarten würde versuchte ich mir einmal mehr einzureden. Versuchte einmal mehr, dieses dumpfe Gefühl zu verdrängen.
Zeitweise gelang mir das auch, nicht dauerhaft, doch zeitweise.
Bleib jetzt ganz ruhig, redete ich mir selbst gut zu, ja ich versuche es, beruhigte ich mich selbst.
Du siehst also Rebi, es ist alles bestens in Ordnung und wir können weiterfahren, denn die Toten reisen schnell!
Das Paranormale hat viele Gesichter und sie zeigen sich uns Menschen, auf unterschiedliche Weise. Bei den einen ist es einfach ein Gefühl oder eine Stimme im Kopf, die sie hören und auf die sie sich keinen Reim machen können. Wieder andere, und zu denen kann ich mich wohl mitzählen, haben ein beklemmendes Gefühl, das sie nicht näher umschreiben lässt. Doch sie sind da, die Zeichen sind immer da. So wie in diesem Augenblick.
Schliesslich brachen wir auf und verliessen die Raststätte. Wir tankten noch voll und Markus reinigte die Frontscheibe, die von toten Mücken übersät war. Wir hatten uns kurz beraten, wie wir fahren würden.
Es war inzwischen kurz nach halb drei Uhr nachmittags und wir hatten noch eine Strecke von gut dreihundert Kilometer vor uns. In Autobahn Kilometern, würde dies ungefähr als drei Stunden Fahrt bedeuten.
Dann würde es gegen achtzehn Uhr abends zugehen, eine gute Zeit, um in einem Hotel einzuchecken. Und genügend Zeit um etwas zu essen und ein gutes Bier zu trinken.
Während der ganzen Fahrt lief Ry Cooder und sein melancholischer Soundtrack passte zur Stimmung. Wir fuhren auf der Autobahn dahin, hatten die Grenze zu Ungarn passiert und waren zeitmässig im Plan. Rebi hatte sich erneut ans Steuer gesetzt, was mir und auch Markus nur recht war. Ich fahre gerne Auto, bin aber genauso froh, wenn ich nicht selbst fahren muss und so lasse ich meinen Blick über die wilde Vegetation streifen.
Mir erschien es, als hätten wir mit unserem Grenzübertritt eine andere Welt betreten, die geheimnisvoll und so anders war als unsere vertraute Welt in der Schweiz, wo wir noch vor einigen Stunden gewesen waren.
War es die wilde, zerklüftete Landschaft an der wir vorbeifuhren, die auf die Fahrer einen Einfluss auslösten, der sich nicht in Worte fassen liess? Nein, es war mehr ein Gefühl in Verbindung mit… ja was?
Das Gefühl in Verbindung mit dem Unbeschreiblichen, liess sich nicht einfach in Worte fassen. Ich war einfach fasziniert von der Landschaft und liess sie auf mich wirken, während die Landschaft an uns vorbeizog, wie ein flüchtiger Reisender an einem vorbeizieht, den mal wohl nie wieder in seinem Leben sieht.
In der Ferne kam eine grössere Ortschaft in Sicht und nach ein paar gefahrenen Kilometern auf der Autobahn kam auch die Ausfahrtstafel in Sicht, mit einem Namen der keiner von uns lesen konnte.
Inzwischen war es kurz nach sechs Uhr abends und in gut einer Stunde würden wir an unserem Ziel für heute angekommen sein. Einfach ein nettes Hotel, welches ein gutes Bier führt und wo man anständig etwas essen konnte.
Die Ortschaft mit dem unaussprechlichen Namen verschwand, genauso schnell aus unserem Blickwinkel wie sie aufgetaucht war. Wir waren alle froh, wenn wir bald ankommen würden. Wir waren seit gut zehn Stunden unterwegs und der Hunger macht sich auch bemerkbar.
Keiner von uns sagte etwas, wir waren alle müde und es war erstaunlich wie es Rebi schaffte, die ganze Zeit am Steuer zu sitzen und die ganze Strecke zu fahren. Ich wusste, dass sie gerne Auto fährt, doch dass sie zehn Stunden an einem Stück hinter dem Lenkrad zubringen würde…Chapeau Madame.
Markus war irgendwann, nachdem wir die Autobahnraststätte verlassen hatten, eingeschlafen. Sein leises Schnarchen war zwischen den einzelnen Liedern von Ry Cooder zu hören.
Nach gut einer weiteren Stunde Fahrt, fuhren wir von der Autobahn ab. Ein kleines Städtchen war in Sicht gekommen und deckte sich mit den Angaben des Navigationsgerätes.
Als wir in das Städtchen fuhren, bemerkten wir, was von der Autobahn aus nicht sichtbar gewesen war, dass in diesem kleinen Ort, viele Gebäude in einem alten, fast mittelalterlichen Zustand waren. Von der Hauptstrasse gingen kleine Gässchen ab. Rebi fuhr langsam, während wir alle die Augen nach einem Hotel offenhielten. Markus war inzwischen aus seinem Schlaf erwacht und gähnte gerade herzlich, als wir es alle gleichzeitig sahen.
Da vorne! Wir sprachen diesen Satz alle gleichzeitig aus und mussten dann über unsere gemeinsame Reaktion lachen. Ungefähr fünfzig Meter vor uns sahen wir ein imposantes Haus, auf dessen Giebel, auf einer Holztafel die Worte HOTEL IMPERIAL, in blutroter Farbe aufgemalt waren.
Blutrote Farbe auf Holz geschrieben. Das ganze Szenario hatte etwas von einem Hitchcock Film in meinen Augen
Ein etwas gewagter Name für dieses Haus, dachte ich, doch von aussen sah es sauber und gepflegt aus. Vor dem Haupteingang, der etwas erhöht lag und über eine breite Betontreppe erreichbar war, standen einige parkierte Fahrzeuge auf einem Kiesplatz mit grossen Bäumen umzäunt. Vom Parkplatz aus konnte man hinauf zum Eingang sehen an dessen beiden Seiten je ein steinerner Löwe postiert war. Wie stille steinerne Wächter dachte ich bei dem Anblick.
Links neben der breiten Treppe, die zum Eingang führte, war eine Metalltafel angebracht worden, mit der Aufschrift HOTEL P und einem schwarzen Pfeil, der auf eine Durchfahrt hinwies, die hinter das Gebäude führte.
Fahr mal da lang, sagte ich zu Rebi. Sie steuerte unseren Wagen durch die schmale Durchfahrt, die zu einem Innenhof führte. Da fanden wir ein weiteres Schild mit der Aufschrift HOTEL P, welches darauf hinwies, dass dieser Platz für Hotelgäste und deren Fahrzeuge reserviert war.
Von den ungefähr zehn Parkplätzen, waren die Hälfte mit Autos belegt, die deutsche und holländische Nummernschilder hatten. Doch ausser unserem Wagen konnten wir kein Schweizer Nummernschild sehen.
