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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Pädagogik - Pädagogische Psychologie, Note: sehr gut, Universität Zürich (Pädagogisches), Sprache: Deutsch, Abstract: Gegenstand dieser Untersuchung war eine Analyse des Eltern-Kind-Kommunikationsverhaltens von Jugendlichen in der Frühphase der Adoleszenz. Dabei wurde der Fokus auf die Kommunikations-Merkmale der männlichen Familienmitglieder (Vater-Sohn) gerichtet. Neben erfassten Kommunikationsmerkmalen zwischen Vater und Sohn werden auch quantitative (Wie oft kommunizieren Vater und Sohn?), thematische (Welche Themen sind wie oft Gegenstand ihrer Kommunikation?) und auch formale Aspekte untersucht. In die Untersuchung flossen die Angaben von 37 Schülerinnen und 40 Schülern der ersten Oberstufe (Sek. A & B) in Opfikon-Glattbrugg (ZH) ein. Die Daten wurden mittels eines Fragebogens erhoben. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren die Befragten zwischen 13 und 15 Jahren alt und befanden sich damit in der Frühphase der Adoleszenz, einer Zeit, die einen vielseitigen Umbruch physiologisch-biologischer, psychologischer, kognitiver sowie auch sozialer Natur verspricht. In diesen Veränderungsprozessen wird dem Entwicklungskontext Elternhaus eine bedeutende Rolle zugemessen, dies besonders in Bezug auf die anstehenden Entwicklungsaufgaben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Dyaden allgemein gering ausfallen. Allerdings stellen die Mütter für ihre Söhne die wichtigsten Ansprechpartnerinnen dar, im Gegensatz zu den Vätern, die in eher marginale Rollen einnehmen. 90 Prozent der Jungen bezeichnen die Beziehung zu beiden Elternteilen als zumindest „gut“, wobei Jungen wie auch Mädchen die Beziehung zur Mutter besser werten, als diejenige zum Vater. Die Dyade Tochter-Mutter erreicht punkto Bindung die höchsten, die Dyade Tochter-Vater die tiefsten Mittelwerte.
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Veröffentlichungsjahr: 2008
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Väter und Söhne
Kommunikation mit Adoleszenten in der Frühphase
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Die Autoren dieser Arbeit sind ausgebildete Primarlehrer und weisen mehrjährige Berufserfahrung auf. Die Kontakte mit den Eltern oder auch nur einem Elternteil sind für den Lehrerberuf unerlässlich. Die Autoren machten die Erfahrung, dass praktisch alle Eltern für ihre Kinder nur das Beste wollen, nämlich eine positiv verlaufende Entwicklung bis ins Erwachsenenalter. Man könnte also annehmen, dass Familien in Bezug auf die Entwicklungsaufgaben ihrer Kinder - es wollen ja alle nur das Beste - in ihrem Erziehungsverhalten ähnliche Muster aufweisen. Wie wir aber alle wissen, ist dies nicht der Fall. Die unterschiedlichen Erziehungsansätze und das Erziehungsverhalten reichen von Überbehütung bis hin zu Verwahrlosung. Nach dem traditionellen Rollenverständnis geht in der Regel der Vater einer Erwerbstätigkeit nach, während dem sich die Mutter um den Haushalt und um die Kinder kümmert. Die Autoren stellten sich, besonders bei sozial schwierigen Familienverhältnissen, immer wieder die Frage nach der emotionalen Verbundenheit, respektive, wie die Eltern zu ihren Kindern stehen und umgekehrt.
Die vorliegende empirische Seminararbeit entstand aus dem Proseminar bei Fred Berger: „Soziale Integration und die Entwicklung von Beziehungskompetenzen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter“. Ungefähr mit dem 12. Lebensjahr beginnend, erleben die Jungen und Mädchen den allmählichen, manchmal auch abrupten Einstieg in die Pubertät, eine Zeit, die ihnen einen vielseitigen Umbruch verspricht. „Sie müssen die schnelle Veränderung von Körpermerkmalen, Gefühlslagen, Denkweisen und Reaktionsmustern und den Neuaufbau ihrer personalen Identität in einer Zeitspanne ihres Lebens bewerkstelligen, in der von ihnen zugleich soziokulturelle Anpassungs- und sozioökonomische Qualifizierungsleistungen verlangt werden“ (Hurrelmann, 1997, S. 193). In diesen Veränderungsprozessen werden den beiden Entwicklungskontexten Elternhaus und Gleichaltrigengruppe besonders wichtige Bedeutungen und Aufgaben zugemessen. Das Proseminar befasste sich vor allem mit der Entwicklung von Bindungssicherheit, der Vorhersage von Beziehungsfähigkeit, sowie dem prosozialen Verhalten und ging weiter der Frage nach, wie bindungs- und beziehungsförderndes Elternverhalten aussieht und inwiefern die Gruppe von Gleichaltrigen am Aufbau der persönlichen Kompetenzen beteiligt ist.
Durch den gemeinsamen beruflichen Kontext und das besuchte Proseminar gelangten die Autoren schlussendlich zum Thema der Seminararbeit. Betrachtet wird der Entwicklungskontext Elternhaus in Bezug auf die wahrzunehmenden Aufgaben. Aus
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pädagogischer Sicht muss ein Individuum im Verlauf seines Lebens verschiedene Entwicklungsaufgaben bewältigen. Der Familie fallen daher besonders wichtige Funktionen zu, bewusst oder auch unbewusst, sie werden ganz unterschiedlich wahrgenommen. Dabei interessiert in diesem Fall besonders das Kommunikationsverhalten in der Familie, insbesondere die Kommunikation zwischen den männlichen Familienmitgliedern. Im Theorieteil dieser Arbeit wird die Adoleszenz als Lebensphase betrachtet und es werden die vielseitigen Veränderungen differenziert. Die psychologischen Veränderungen werden als besonders relevant betrachtet. Zur Identitätsentwicklung gehören die zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben, die Individuation mit dem Ziel der Selbstwerdung und die Beziehung zu Gleichaltrigen die, im Gegensatz zu den Eltern, eine andere wichtige Funktion wahrnehmen. Aber nicht nur die Jugendlichen stehen vor einer Veränderung, auch die Eltern-Kind-Beziehung entwickelt sich dementsprechend. Die gewohnte asymmetrische Eltern-Kind-Beziehung gleicht sich immer mehr einem symmetrischen, gleichwertigen Verhältnis an. Die Interaktion zwischen Eltern und Kind sind ein Indikator für die Beschaffenheit der Eltern-Kind-Beziehung. So lässt sich die Symmetrie in der Beziehung auch im Kommunikationsverhalten erkennen. Das Gespräch wird zu einem wichtigen Instrument zur Umsetzung der Entwicklungsaufgaben. Betrachtet werden verschiedene Aspekte in der Eltern-Kind-Kommunikation, vorwiegend die Kommunikation zwischen Vater und Sohn.
Das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen in der Frühphase der Adoleszenz ist Thema dieser Arbeit. Diese weit gefasste Thematik erfährt eine Einschränkung, in dem vorwiegend die familieninterne Kommunikation betrachtet wird. Fokussiert wird dabei die Kommunikation der männlichen Familienmitglieder. Es werden Aussagen zur Kommunikation von Vater und Sohn erarbeitet. Als Vergleichsgrösse dient einerseits die Kommunikation zwischen Mutter und Sohn, andererseits die Kommunikation zwischen Vater und Tochter. Die Untersuchungen lassen sich folglich auf zwei Ebenen ansiedeln. Im Zentrum der Untersuchungen 1. Ordnung stehen die Söhne. Hier wird die Kommunikation zu den Elternteilen analysiert, also die Kommunikation der Dyade Sohn-Vater mit der Dyade Sohn-Mutter verglichen. Die Untersuchung 2. Ordnung konzentriert sich auf die Väter. Die Dyaden Vater-Sohn und Vater-Tochter werden verglichen. Die übergeordnete Fragestellung lautet demnach:
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Welche Merkmale weist die Kommunikation zwischen Vater und Sohn in der Frühphase der Adoleszenz auf?
Diese Fragestellung ist rein deskriptiver Natur. Aus der analytischen Verknüpfung einiger herausgearbeiteter Merkmale erhoffen sich die Autoren jedoch Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Beziehung, respektive auf Teilsaspekte derselben machen zu können. Aufgrund der theoretischen Betrachtungen zur Thematik lassen sich verschiedene Aspekte ausmachen, welche die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern prägen. Im Folgenden orientieren wir uns an Youniss (vgl. 1994, S. 109-136), der die Befunde seiner Forschungen wie folgt unterteilt: Gesprächsthemen, Kommunikationsformen, Autorität, Disziplin, Respekt und gegenseitiges Verständnis.
Auf diese Untersuchung bezogen, lassen sich folgende Unterfragen formulieren:
•Quantitativer Aspekt: Wie oft und wann kommunizieren Vater und Sohn?•Thematischer Aspekt: Welche Themen sind wie oft Gegenstand ihrer Kommunikation?
•Formaler Aspekt: In welcher Form verlaufen die Gespräche? Welche Rollen nehmen die Beteiligten darin ein?
Abschliessend wird versucht, diese Ergebnisse deskriptiver Art als Indikatoren für die Beschaffenheit der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen heranzuziehen. Die Arbeit weist in diesem Abschnitt jedoch eher explorativen Charakter auf.
Aus forschungsökonomischen Gründen wurde der Objektbereich dieser Arbeit sehr stark eingeschränkt. Die Menge von Objekten, für die Aussagen der Untersuchung gelten (vgl. Schnell, Hill und Esser, 1999, S. 247) wird folgendermassen definiert:
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Alle Schülerinnen und Schüler, die zum Zeitpunkt der Befragung im Oberstufenschulhaus Halde in Opfikon-Glattbrugg, Kanton Zürich, die erste Klasse der Sekundarstufe A oder B besuchten.
Der Objektbereich wurde vollständig erhoben, wobei zwischen der angestrebten Grundgesamtheit und der Auswahlgesamtheit, den zum Zeitpunkt der jeweiligen Befragung tatsächlich vor Ort anwesenden Schülerinnen und Schüler, unterschieden werden muss. Es erschien den Verfassern logisch, den Objektbereich innerhalb einer Gemeinde anzusiedeln. Eine für die Schweiz repräsentative Stichprobe zu ziehen, hätte den Rahmen gesprengt. Die Aussagekraft dieser Arbeit endet denn auch an der definierten Grenze des Objektbereichs. Entsprechend gelten die Ergebnisse nicht als repräsentativ. Die Verfasser trachteten danach, den Objektbereich, der mit dem Sample identisch ist, möglichst homogen zu halten, um die Zulässigkeit von Vergleichen innerhalb des Samples zu gewährleisten. Anhand von drei Kriterien wurde die Auswahl des Objektbereichs getroffen und damit das Sample bestimmt.
Die befragten Jugendlichen befinden sich in der Frühphase der Adoleszenz, also im Übergang zwischen dem Primarschulalter und dem Eintritt in die Oberstufe. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (n=76) hat den Jahrgang 1990, wird also in diesem Jahr 14 Jahre alt. Immerhin noch rund 30 Prozent wurden 1991 geboren. Der älteste Schüler hat Jahrgang 1988. Gemäss einer Definition von James Youniss (vgl. 1994, 111) können die Jugendlichen als Früh- bis Mitteladoleszente beschrieben werden. Der Amerikaner positioniert diese Phase in der Zeitachse zwischen dem 13. und 16. Lebensjahr.
