Verborgene Hoffnung - Maren Carle - E-Book

Verborgene Hoffnung E-Book

Maren Carle

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4,99 €

Beschreibung

Als engagierte Journalistin wollte Hanni schon lange eine Story finden, die herausragt. Aber doch nicht so. Gefangen auf einer verborgenen Insel. Mit seltsamen Kreaturen. Und mit diesem stets griesgrämigen Inselbewohner, Sam. Doch ist wirklich die Insel das Problem? Oder kommt die wahre, mörderische Gefahr von außen? Mit der Zeit wird Hanni klar, dass die Inselbewohner selbst Angst haben. Angst davor, dass ihr geheimes Projekt auffliegt und zerstört wird. Ein geheimes Projekt, das eine außerordentlich gute Story abgeben würde. Doch soll Hanni wirklich einen Artikel über das streng geheime Unterfangen veröffentlichen? Denn damit würde sie alle Bewohner der verborgenen Insel in große Gefahr bringen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 158

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Inhalt

Verborgene Hoffnung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Verborgene Hoffnung

Die Insel der Entscheidung

Maren Carle

Kapitel 1

Vollkommen erledigt stellte ich meinen Rucksack in die Ecke im Flur und legte mein Handy auf die kleine Kommode. Endlich Urlaub. Ich liebte meinen Job über alles, keine Frage. Journalistin war man aus Leidenschaft. Jeder einzelne Tag war auch nach Jahren in der Branche noch super aufregend. Am meisten jedoch die Tage, an denen ich auf Konzerte und zu Filmpremieren ins Kino gehen und Interviews mit ganz besonderen Künstlern führen durfte. Max Giesinger hatte mich schon Huckepack getragen, Kay One hatte mir die Tür aufgehalten und Matthias Schweighöfer hatte unser Interview einfach kurzerhand umgedreht. Es passierte immer wieder irgendetwas Neues und Aufregendes. Aber die Medienbranche war auch ein Haifischbecken. Jeder Journalist wollte diese eine große Story aufdecken, mit der man selbst bekannt wurde. Eine Story, über die auch nach Jahren noch geredet werden würde. Und genau das wollte ich auch. Dafür hatte ich mir nun stolze fünf Wochen Urlaub genommen. Fünf Wochen, um die Welt zu bereisen und hoffentlich spannende Geschichten zu entdecken. Schon morgen würde es losgehen. Als Erstes für eine Woche nach Akumal, mit Schildkröten schnorcheln, dann für zwei Wochen auf Safari nach Botswana und zu guter Letzt sollte es nach Kairo gehen, zum ersten Mal in meinem Leben Pyramiden sehen.

Seit über einem Jahr hatte ich die Reise geplant und mühsam Geld gespart. Ich konnte es kaum erwarten, dass es morgen früh tatsächlich losging. Auf in ein Abendteuer, auf in die Wärme! Hier mochte man ja kaum noch vor die Tür gehen, so ungemütlich und kalt war es. Winter in Deutschland eben, was sollte man da schon erwarten … Die Vorstellung daran, bald jeden Tag einen Bikini tragen zu können und bei 30 Grad in der Sonne am Strand zu liegen, schien noch so surreal. Ich würde ganz viele Bilder bei Instagram posten und bestimmt viele neue Follower dazugewinnen. Und wenn es gut liefe, würde ich sicher auch mit der einen oder anderen spannenden Geschichte im Gepäck zurückreisen …

Etwas Weiches, Warmes an meinen Beinen riss mich aus meinen Gedanken. Meine beiden Katzen, Sally und Luke, hatten sich von ihrem Kuschel-Thron erhoben und schlichen nun um mich herum. Ach, wie sehr ich die beiden vermissen würde. Behutsam kniete ich mich nieder und streichelte die zwei Fellnasen. Ihr weiß-braunes Fell war so flauschig. Die beiden schnurrten und blickten mich erwartungsvoll mit ihren großen blauen Kulleraugen an. Den Blicken konnte ich einfach nicht widerstehen. „Ihr habt langsam Hunger, was?“, fragte ich sie, obwohl ich genau wusste, dass die Frage völlig überflüssig war. Wenn sie könnten, würden sie den ganzen Tag lang fressen. Ich machte mich auf den Weg in die Küche – und die beiden eilten mir direkt mit ihren tapsigen Sprüngen hinterher. Zum Abschied füllte ich ihnen eine besonders große Portion in die rosafarbenen Schüsseln. Morgen würden meine Eltern die kleinen Racker zu sich nach Hause holen, aber heute Abend wollte ich Sally und Luke noch einmal bei mir haben. Meine Eltern und Großeltern waren nicht gerade begeistert von der Idee, dass ich über einen Monat lang allein umherreisen würde. Ich hatte sie damit vertröstet, dass ich jeden Tag anrufen und direkt nach der Reise noch ein paar Tage zu ihnen fahren würde. Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich von dieser Reise nie wieder zurückkehren würde, hätte ich ihre Bedenken wohl nicht so lässig weggelächelt.

Um vier Uhr morgens riss mich mein Radiowecker aus einem äußerst kurzen Schlaf. Vor lauter Aufregung konnte ich kein Auge zutun. Daher hatte ich lieber noch ein wenig mit Sally und Luke gekuschelt, was ich allerdings jetzt in den frühen Morgenstunden total bereute. Doch dank des Adrenalins schaffte ich es, mich irgendwie aus dem Bett zu hieven. Endlich war der sehnsüchtig erwartete Tag gekommen. Ich wusch mir schnell das Gesicht, putzte meine Zähne, schlüpfte in ein paar gemütliche Klamotten und verbrachte den Rest der Zeit damit, die beiden ruhig schlafenden Birmakätzchen zu streicheln. Ich stupste ihre grauen Näschen sanft an: „Mama und Papa holen euch zum Frühstück zu sich nach Hause, da verbringt ihr dann ein paar schöne Tage. Und ich bin auch ganz schnell wieder da.“ Wahrscheinlich würden sie mich nicht halb so sehr vermissen wie ich sie … Solange sie nur genügend Futter und ein paar Streicheleinheiten bekamen, waren sie wunschlos glücklich. Als ich mein Taxi aus dem Fenster erspähen konnte, zog ich mir die Schuhe an, schnappte mir meinen bis zum Rand vollgepackten Reiserucksack und den pinken Rollkoffer und zog die Tür hinter mir zu. Das Abendteuer konnte beginnen!

Am Flughafen angekommen, hatte ich noch genug Zeit, um mir ein mit Käse belegtes Brötchen und einen saftigen Schokomuffin vom Bäcker zu holen. Lecker. Dazu einen minimal überteuerten, aber dafür frisch gepressten Orangensaft und ich kam langsam in Fahrt. Dennoch war ich sehr erleichtert, als ich endlich im Flugzeug saß und mich von nun an zwölf Stunden lang ausruhen konnte. Aber richtige Entspannung sah anders aus. Im Flugzeug schlafen war noch nie mein Ding gewesen – so auch heute nicht. Ich beneidete meinen Sitznachbarn, der den halben Flug über laut schnarchend neben mir lag. Und auch ansonsten war an Ruhe nicht zu denken. Irgendwo schrie ein Baby, eine Gruppe Jugendliche unterhielt sich lautstark … und abgesehen von meinen Beinen schlief nichts an meinem Körper ein.

Als ich nach einer insgesamt über sechzehnstündigen Reise endlich im Hotel in Akumal ankam – in Mexiko war es bereits später Abend –, machte ich deshalb auch nur noch einen schnellen Gang am reichhaltig geschmückten Buffet entlang, hinterließ meinen Eltern eine WhatsApp-Nachricht, um sie zu beruhigen, und ließ mich anschließend völlig erschöpft in das fluffige Doppelbett fallen. Dieses Mal schlief ich sofort tief und fest ein. Schon morgen sollte der erste große Ausflug anstehen: Schnorcheln mit Schildkröten. Für mich ein ganz besonderes Erlebnis, das ich schon seit langem auf meiner Bucket List stehen hatte. Genau genommen, seitdem ich damals als Kind zwei Wasserschildkröten besessen hatte. Morgen würde ich nun endlich ein Haken hinter dieses wunderbare Vorhaben machen können.

Dieses Mal wurde ich vor dem Wecker wach. Sonnenstrahlen schienen durch die Vorhänge und erhellten mein Zimmer. Munter sprang ich auf, zog den schweren Stoff vor den Fenstern zur Seite und trat hinaus auf den kleinen Balkon. Wie schön warm es schon war. Ich schielte auf den kleinen Wecker auf meinem Nachttisch: erst sieben Uhr. In Deutschland würde ich um diese Uhrzeit noch keinen Fuß vor die Tür setzen, wenn es nicht unbedingt notwendig war … Da herrschten ja noch Minusgrade. Aber hier war die Luft bereits jetzt wohlig warm. Ich blieb noch einige Minuten auf dem Balkon stehen und genoss die Aussicht auf das Meer. Das Wasser war ganz ruhig, am Himmel war weit und breit keine Wolke zu sehen – alles wirkte so friedlich. Der perfekte Tag für einen Schnorchelausflug. Wie viele Schildkröten würde ich wohl sehen? Hätten wir womöglich so viel Glück, dass wir sogar ein paar Delfine beobachten könnten?

Das schrille Piepen meines Handyweckers riss mich aus meinen Gedanken. Ich ging schnell zurück ins Zimmer, schlüpfte in meinen knallpinken Bikini, zog ein kurzes Kleidchen über und machte mich mit knurrendem Magen auf zum Frühstücksbuffet. Hoffentlich war das genauso reichhaltig gedeckt wie das Buffet des gestrigen Abends.

Das war es. Ich konnte mich zwischen all den Leckereien kaum entscheiden. Dementsprechend voll wurde auch mein Teller. Wer wusste schon, wann und ob es bei dem Ausflug Essen gab? Zwei kleine Croissants, Schokocreme, Marmelade, frisches Obst, Joghurt, Müsli, Pancakes … von all den süßen Naschereien konnte ich gar nicht genug bekommen. Sogar einen Smoothie konnte man sich an einer Theke frisch mixen lassen. Ich entschied mich für einen mit Orangen, Erdbeeren und Bananen – und er schmeckte mindestens so köstlich, wie er duftete. Bevor ich mehr von der bunten Erfrischung trank und in das Croissant biss, das noch so warm war, dass die Schokocreme darauf zerfloss, zückte ich mein Handy. Es war Zeit für den ersten Instagram-Post aus Mexiko. Ich versuchte, sowohl mich als auch meinen für mindestens zwei Personen gefüllten Tisch und das Meer im Hintergrund passend in Szene zu setzen. Als nach diversen Verrenkungen auch das zehnte Selfie nicht wirklich gut aussah und ich bereits Angst hatte, dass das wunderbar warme Croissant gleich komplett abgekühlt sein würde, bat ich einen der freundlich grinsenden Kellner auf Englisch um Hilfe. So ganz schien er nicht zu verstehen, was ich von ihm wollte, aber als ich ihm das Handy hinhielt, nickte er sofort eifrig. Endlich hatte ich es! Ein Foto, das ich definitiv posten könnte.

Zufrieden biss ich in mein Croissant und probierte munter all die anderen Leckereien – von Müsli mit Joghurt über das frische Obst bis zu den in Ahornsirup getränkten Pancakes.

Gern hätte ich noch länger so dagesessen, der Strand und das Meer nur ein paar Schritte von mir entfernt, die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut und ein Buffet prall gefüllt mit leckerem Essen. Was wollte man mehr? Aber ich musste los. Morgen hatte ich einen ruhigen Tag im Hotel eingeplant, da würde ich das Frühstück bis zur letzten Minute auskosten.

Ich trank den letzten Schluck meines leckeren Smoothies, kehrte Buffet, Strand und Meer den Rücken zu und trat den schmalen, mit Steinen dekorierten Rückweg in mein Zimmer an. Die Hotelanlage war wirklich schön konzipiert. Morgen würde ich alles in Ruhe erkunden – zwei Pools gab es auch noch irgendwo und in einem fand nachmittags immer Aqua-Zumba statt. Das wollte ich die nächsten Tage unbedingt ausprobieren.

Eine halbe Stunde später betrat ich die Hotellobby, bepackt mit meinem Reiserucksack, in dem sich neben meiner Schnorchelausrüstung und einem Handtuch auch etwas zu trinken und ein paar Notfall-Schokoriegel versteckten. Außer mir standen schon vier weitere Personen am vereinbarten Treffpunkt vor dem Empfangstresen. Zwei Pärchen, ein älteres und eines in schätzungsweise meinem Alter. Natürlich Pärchen … Wer fuhr schon allein in den Urlaub? Ich hatte lange hin und her überlegt, ob ich das wirklich machen sollte, aber ich hatte eine Mission und wollte möglichst viel von der Welt entdecken. Wenn es also keinen Mann in meinem Leben gab, der all das gemeinsam mit mir erleben wollte, dann stürzte ich mich eben allein ins Abenteuer. „Hello!“, begrüßte ich die anderen Urlauber auf Englisch. Sie nickten, grüßten freundlich zurück und es stellte sich schnell heraus, dass sie ebenfalls Deutsche waren. Ingrid und Hellmut kamen aus der Nähe von Stuttgart, Kaja und Lars aus Hamburg. Auch für sie war es der erste Schnorchelausflug ihres Lebens.

„Ich hoffe, wir sehen Delfine!“, sagte Kaja und grinste ihren Freund hoffnungsvoll an, als könnte er in die Zukunft sehen.

„Ganz bestimmt“, nickte Lars, „wir finden schon welche für dich.“ Dann drückte er seiner Freundin einen Kuss auf den Mund. Na klasse, das konnte ja nervig werden, hoffentlich musste ich heute nicht dauerhaft neben ihnen sitzen.

„Und ihr?“, ergriff Kaja wieder das Wort. „Was würdet ihr gern sehen?“

Da Ingrid und Hellmut in ihrem Gepäck wühlten und sich anscheinend aus dem Gespräch ausgeklinkt hatten, lag es an mir, ihr zu antworten. „Schildkröten“, sagte ich schnell und wünschte mir ebenfalls jemanden, der mir das genauso glaubwürdig versicherte wie Lars Kaja zuvor. Zwar ohne Kuss, aber mindestens genauso überzeugt nickte Lars tatsächlich auch bei meiner Wunschvorstellung.

„Die eine oder andere Schildkröte werden wir auf jeden Fall sehen, das haben sie uns an der Rezeption schon versichert, als wir den Ausflug gebucht haben.“

„Wie lange seid ihr denn schon hier?“, fragte ich nach.

„Seit etwas mehr als einer Woche“, antwortete Lars und erzählte direkt, welche Ausflüge sie bereits unternommen hatten. So quatschten wir eine halbe Stunde lang, da wir – typisch Deutsch – natürlich alle schon zehn Minuten vor Abfahrt am Treffpunkt eingetroffen waren, Ingrid und Hellmut sogar noch deutlich früher. Da hier aber kein Wert auf deutsche Pünktlichkeit gelegt wurde, kam der Bus mit einiger Verspätung an. Es war ein ganz kleiner Bus, der nach unserem Hotel nur noch ein weiteres anfahren sollte. Kurz bevor sich der Bus in Bewegung setzte, sprang noch ein junger Mann hinein.

„Hola!“, rief er in die Runde, nannte dem Busfahrer seinen Namen und setzte sich auf den freien Platz neben mir. Verdammt, ich wollte während der Fahrt doch ganz in Ruhe mein erstes Instagram-Bild hochladen. Doch der junge Mann ergriff nach einem freundlichen Nicken zum Glück auch schweigend sein Handy. Auf dem erkannte ich ein paar Worte aus meinem Spanischunterricht vor geraumer Zeit wieder. Also keine unnötige Konversation, sehr gut! Ich bearbeitete das Foto vom Frühstück noch ein bisschen, überlegte mir passende Hashtags und betitelte es mit einem Zitat: „Adventure begins where plans end.“

„Very pretty“, grinste mein Sitznachbar, während er auf mein Handy lugte.

„Thanks“, murmelte ich etwas verlegen, ich hatte gar nicht mitbekommen, dass er mich beobachtet hatte. Doch damit nicht genug. Auch er öffnete seine Instagram-App, gab meinen Namen ein, folgte meinem Account und war der erste, der mein Bild likte. „Adrian folgt dir jetzt. Adrian gefällt dein Foto“, zeigte mir Instagram an. Immerhin ein neuer Follower, das war es doch, was ich erreichen wollte, oder? Dankend nickte ich Adrian zu.

Die restliche Fahrt über saßen wir schweigend nebeneinander – ein wenig unangenehm, aber ich hatte keine allzu große Lust, mit ihm zu quatschen. In diesem Moment wünschte ich mir doch mein küssendes Pärchen zurück. Lars hatte so viel zu erzählen, dass ich völlig entspannt hätte dasitzen können, ohne dass eine unangenehme Stille aufgekommen wäre. Adrian schien sich keine weiteren Gedanken über ein mögliches Gespräch zu machen und war wieder voll und ganz in sein Handy versunken. Also tat ich es ihm gleich. Die Neugier hatte mich ein wenig gepackt, also rief ich Adrians Instagram-Profil auf. Breit grinsend präsentierte er auf dem ersten Foto seine perfekten weißen Zähne und seine tiefbraunen, strahlenden Augen harmonierten perfekt mit den dunklen Locken auf seinem Kopf. Das schienen auch Adrians über achttausend Follower so zu sehen und hatten sein Bild fleißig gelikt. Wow! Wenn ich am Ende meines Urlaubs nur halb so viele Follower hätte, wären meine Erwartungen schon weit übertroffen.

Nach etwa einer Stunde Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Drei kleine Motorboote schipperten am Ufer und erwarteten uns bereits. Gemeinsam mit den Gästen des anderen Hotels sollten wir uns gleichmäßig auf die Boote verteilen. Ich entschied mich kurzerhand für das Boot in der Mitte und stellte höchst erfreut fest, dass nicht nur Adrian mir folgte, sondern auch das Knutsch-Pärchen. Welch hervorragende Kombination! Unser Bootsführer stellte sich als Fernando vor, war schlank und nur leicht bekleidet. Kein Wunder … bei diesen Temperaturen. Bis eben hatte er sich noch lautstark mit den anderen beiden Bootsführern unterhalten und als wir das Boot betraten, begrüßte er uns fröhlich. Dann wies er Adrian und mich an, auf der linken Seite gegenüber von Kaja und Lars Platz zu nehmen. Zu guter Letzt reichte er uns allen noch eine Schwimmweste, etwas zu trinken und ein kleines Lunch-Paket, bevor er den Motor startete. Da Kaja und Lars damit beschäftigt waren, romantische Pärchen-Selfies zu schießen, überlegte ich mir, dass es nicht schaden könnte, auch schon mal ein paar Schnappschüsse für Instagram zu machen. Danach würde ich mir die Snack-Tüte genauer angucken. Als ich gerade das türkisblaue Wasser filmte, nahm Adrian mir vorsichtig, aber bestimmt das Handy aus der Hand.

„Hey!“, rief ich entsetzt und sah ihn giftig an. Adrian lachte nur herzhaft.

„Smile!“, forderte er mich auf und schon machte er das erste Selfie von uns beiden. Entsetzt starrte ich in die Kamera. „Oh, I’m sure you can smile a litte bit more beautiful“, sagte Adrian mit einem verschmitzten Grinsen. Der hatte sie ja wohl nicht mehr alle! Andererseits konnte ein gutaussehender junger Mann zur Abwechslung auf meinen Instagram-Feed bestimmt nicht schaden. Also spielte ich mit und lächelte brav in die Kamera.

Nach gefühlt zwanzig Fotos gab Adrian mir mein Handy zurück und ich widmete meine volle Aufmerksamkeit der Lunch-Tüte. Zwei dick mit Butter bestrichene und mit Käse belegte Sandwiches entpuppten sich als mein Mittagessen. Leider befand sich auf einem der Sandwiches auch eine Scheibe Schinken und da ich kein Fleisch aß, pulte ich diese herunter. Plötzlich spürte ich Adrians Hand auf meiner Schulter.

„What?“, fragte ich genervt und blickte auf. Auch Adrian war mit seiner Snack-Box beschäftigt.

„Don’t you like it? Can I have it?“, fragte er und deutete auf die Scheibe Schinken in meiner Hand. Ich zuckte mit den Schultern und reichte sie ihm. Das Käse-Sandwich schmeckte super lecker. Im Urlaub – noch dazu auf einem Boot, das uns auf paradiesischem Wasser zu Schildkröten und Delfinen, kunterbunten Fischen und Rochen schippern würde – schmeckte einfach alles besser als zu Hause.

Es war ein befreiendes Gefühl, über die sanften Wellen zu peitschen, den Wind im Gesicht zu spüren und weit und breit nur türkisfarbenes Wasser zu sehen. Allmählich wurden wir etwas langsamer.

„There are two dolphins, look!“, sagte Fernando aufgeregt. Gebannt folgte ich seinem Zeigefinger und starrte auf die Stelle im Wasser. Doch ich sah dort rein gar nichts. „Wait, wait, wait … ahora!“, rief Fernando und genau in diesem Moment sprangen die beiden Delfine nebeneinander aus dem Wasser und spritzten eine kleine Fontäne Wasser in die Luft. Wow, die Tiere aus dieser Nähe zu sehen, war wirklich beeindruckend. Auch Adrian schien vollends begeistert und zückte mit glänzenden Augen sein Handy. Selbst Kaja und Lars hatten endlich mal nicht nur Augen für sich selbst. Wie hypnotisiert starrte Kaja auf die Wasseroberfläche.

„Das ist der absolute Wahnsinn“, flüsterte sie glücklich und Lars streichelte ihr über den Rücken.

„Schau genau hin, sie tauchen bestimmt gleich noch mal auf.“ Lars behielt recht. Dieses Mal hatte ich mein Handy zum Glück auch griffbereit und filmte, wie die beiden Delfine ein weiteres Mal in die Luft sprangen. Eine Weile fuhren wir hinter ihnen her, um sie zu bestaunen, bis unsere Bootsführer sie aus den Augen verloren. Dann ging es in rasantem Tempo noch ein Stück weiter bis zu dem Korallenriff, an dem unsere Schnorcheltour endlich losgehen sollte. Wir sollten die Schwimmwesten anbehalten und immer hinter unserem Bootsführer her schnorcheln. Die anderen beiden Bootsführer blieben bei den Booten. Nacheinander sprangen wir ins Wasser. Ich setzte meine pinke Taucherbrille auf und versuchte, den Schnorchel korrekt auszurichten, damit er nach oben zeigte, was sich als gar nicht mal so leichte Aufgabe entpuppte. Mit ein paar wenigen, eleganten Zügen kam Adrian angeschwommen.