Verlangen - Monica J. Wagner - E-Book

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Monica J. Wagner

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Beschreibung

Taylor Hastings reist nach einem Tornado mit der Human Nature Organisation, in der sie ehrenamtlich tätig ist, nach Ardmore. Der Stadtkern wurde völlig zerstört und es gibt viele Verletzte. Sie hilft sowohl bei den Aufräumarbeiten draußen auf der Straße mit, als auch in der medizinischen Versorgung. Sie dachte, sie hätte aufgrund ihrer Arbeit in einer Notaufnahme in einem New Yorker Krankenhaus schon viel gesehen, doch der Leichenfund einer Frau, die gefoltert und ermordet wurde, erschüttert sie zutiefst. Zu ihrem Entsetzen, stellt sie fest das nicht der Tornado das Monster in dieser Stadt ist, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und er will sie! Jordan Paul ist der leitende Detective. Kann er sie beschützen?

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Seitenzahl: 522

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Ähnliche


Monica J. Wagner

Verlangen

Der Tod hat zwei Gesichter

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Epilog

Impressum

Prolog

Als Detectiv Jordan Paul und sein Partner Detektive Mike Webster am Tatort eintrafen, bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung. Umgeknickte Bäume, zum Teil abgedeckte Häuser. Nichts erinnerte mehr an die beschauliche mit Bäumen gesäumte Straße in der Kinder Fußball spielten, Männer vor dem Grill standen und Fleisch brieten, während die Frauen den Tisch deckten.

Sie befanden sich außerhalb des Stadtkerns von Ardmore, eine ruhige Straße in der die meisten zwei stöckigen Häuser standen, umsäumt von großen alten Eichen und netten gepflegten Vorgärten.Hier wohnten Familien oder ältere Ehepaare die das ruhigere Leben vorzogen um ihre Kinder groß zu ziehen oder einfach nur den Lebensabend genießen wollten. Das Einzige was daran erinnerte, das die Stadt in einer Tornadoschneise der Tornado Alley lag, waren die Sturmbunker die man auf den Grundstücken vorfand.

Jordan blickte sich um und atmete tief ein, „der Tornado heute Nacht hat ganze Arbeit geleistet.“

Sie gingen auf Officer Peter zu, der die zwei gerufen hatte.

„Es sieht ganz danach aus, das euer Freund wieder zugeschlagen hat.“

Bei dem Wort "Freund" lupfte Jordan eine Augenbraue und blickte Officer Peter finster an.

„Tschuldigung“, der Officer zog bei diesem Blick den Kopf ein und holte sein Notizblock raus.

„Also, was haben wir hier?“

Webster blickte zum Eingang des Sturmbunkers und sah dort Rick von der Kriminaltechnik rauskommen, der strammen Schrittes zum Auto lief. Er schaute zu Mike und schüttelte betroffen den Kopf.

„Das Opfer ist eine 32 – jährige alleinstehende Frau namens Kathrin Higgins.“

Officer Peter zeigte auf ein älteres Ehepaar, das etwas abseits des Geschehens stand, die Ehefrau hatte sich haltsuchend an ihren Mann gelehnt und ließ sich von ihm trösten.

„Sie haben sie gefunden, eine Schaufel wurde vorne an den Griffen des Bunkers durchgeschoben. Nachdem sie das Opfer gefunden hatten, riefen sie die Polizei.“

„Okay, danke“, damit entließ Jordan den Officer, um sich mit dem Ehepaar zu unterhalten.

Jordan und Mike zeigten ihre Marken und ließen dem Ehepaar Zeit sich zu sammeln.

„Ich kann es nicht fassen, gestern habe ich mich noch mit Kathrin unterhalten und heute finde ich sie so abscheulich zugerichtet vor.“

Mrs. Winters hatte Mühe ihre Fassung zu wahren, ihr Mann strich ihr beruhigend über den Rücken.

„Ist gut Marie – Ann.“

Auch ihr Mann war noch sehr blass im Gesicht.

„Hatte Ms. Higgins gestern eine Verabredung oder Besuch?“

Jordan schaute auf Mrs. Winters hinab und Mitgefühl lag in seinem Blick.

„Nein, Kathrin lebte sehr zurückgezogen, sie hatte jetzt erst eine schwere Scheidung hinter sich und wollte erst mal alles hinter sich lassen, ich verstehe das nicht. Wer tut so was? Zumal heute Nacht das Unwetter war.“

Mrs. Winters schluckte schwer und atmete tief ein.

„Mir ist auch nichts Verdächtiges aufgefallen, dir Henry?“

Sie wandte sich ihrem Mann zu, der auch nur hilflos den Kopf schüttelte.

„Nein mir auch nicht, tut mir leid. Rechnet ja keiner damit, das sich so etwas in unserer Stadt zuträgt.“

Jordan und Mike unterhielten sich noch etwas mit dem geschockten Ehepaar und gingen dann zum Bunker.

„Schauen wir mal, ob Todd schon was für uns hat.“

Mike schaute sich um und beobachtete die Menschenmenge, die sich um das gelbe Absperrband gebildet hatte. In einer kleinen Stadt wie Ardmore blieb nicht lange etwas geheim, das sprach sich schneller rum, als es die Presse gedruckt hatte. Jordan wurde es eng in der Brust, bei dem Gedanken daran das in der Stadt wo er aufgewachsen war, ein Frauenmörder rumlief, sie schändete und auf brutalste Weise misshandelte.

„Schon ein komisches Szenario, wer rennt los und bringt Frauen um, wenn man weiß, daß ein Tornado auf die Stadt zusteuert? Man versucht doch eigentlich sich in Sicherheit zu bringen? Der Mistkerl ist so kalt wie eine Hundeschnauze. So kann man auch Zeugen vermeiden.“

Mike schüttelte angewidert den Kopf.

Jordan und Mike betraten den Sturmbunker, es war ein kleiner Raum der nur das Nötigste entielt. Eine Seite war mit Regalen gesäumt, in denen Lebensmittel, Decken und kleinere Gegenstände lagerten. Das Klappbett das sich vorher an der anderen Seite des Raumes befunden hatte, stand nun mittig im Raum. Auf ihm lag der zerschundene Frauenkörper und über ihm gebeugt stand ein kleiner rundlicher Mann. Er war ganz in Gedanken und sprach in sein Aufnahmegerät.

„Hey Todd, hast du schon was für uns?“

Der kleine Körper zuckte bei der Ansprache zusammen und drehte sich den Detectives zu. Die Augen waren geweitet und die Brille wurde nur noch von der Nasenspitze gehalten.

Eigentlich erinnert er mich mehr an einen Mathematikprofessor der über eine Formel brütet, als an einen Gerichtsmediziner, dachte Jordan und konnte nicht verhindern das ein Lächeln über sein Gesicht huschte.

„Hm – eigentlich sollte ich diesem Menschen dankbar sein das ich jetzt hier bin. Meine Frau war gerade dabei das Essen aufzutischen, so hatte ich wenigstens einen Grund dem zu entkommen.“

Seine Augen funkelten belustigt, wurden aber wieder ernst, als er sich dem Leichnam zuwandte.

„Tja meine Lieben, es ist eindeutig euer Täter der zugeschlagen hat, er hat sich ganz schön ausgetobt.“

Jordan blickte auf das Opfer und schluckte, als er sie anschaute.

Seine blauen Augen verdunkelten sich und er biss seine Zähne zusammen um seiner aufgewühlten Gefühle Herr zu werden. Sie war genauso positioniert wie die anderen beiden Frauen. Die Arme waren am Kopfteil des Bettes befestigt, die Beine gespreizt und ein Holzstock, der an einen durchgesägten Besenstiel erinnerte, ragte aus ihr heraus. Zwischen ihren Schenkeln hatte sich eine Blutlache gebildet. Webster umrundete das Bett um sich ein genaueres Bild zu machen, passte aber auf, das er nichts berührte, sonst bekäme er Ärger mit Rick der ihn schon mit Adleraugen beobachtete.

Er war gerade dabei Spuren zu sichern um den Mistkerl der das hinterlassen hatte, an die Wand zu nageln. Jordan stand etwas abseits um Todd und Rick nicht im Weg zu stehen, reicht wenn Mike es tut dachte er und ein Mundwinkel zog sich leicht nach oben.

Als hätte Rick Jordans Gedanken gehört, verbannte er Mike mit einer Geste die klar machte, das er bitte gehen möchte. Mike zog den Kopf ein und gesellte sich zu seinem Partner. So standen sie nebeneinander an der Wand und warteten auf die ersten Ergebnisse, die Todd hoffentlich bald Preis gab. Jordan wurde schon nervös und trat von einem Fuß auf den anderen.

„Moment Jungs, ich bin gleich soweit.“

Er murmelte etwas in sein Aufnahmegerät und ging nochmal um die Leiche und nahm sie etwas genauer in Augenschein. Todd schüttelte langsam den Kopf und seufzte.

„Er macht mir echt viel Arbeit, wir sind eine Kleinstadt, so etwas kenne ich eigentlich nur aus Filmen. Das ich so etwas mal live miterlebe, ist schon traurig. Viel kann ich noch nicht sagen, vorläufig nur, das sie ca. 6-10 Stunden tot ist, sie wurde mit dem Holzstock vergewaltigt während sie lebte und es schien ihm richtig Spaß gemacht zu haben. Er hat ganz schön Gewalt angewendet. Was mich an der Sache stutzig macht, ist die Blutlache zwischen ihren Schenkeln.“

„Wie meinst du das?“

Beide sprachen wie aus einem Mund. Jordan stieß sich von der Wand ab und seine Muskeln verspannten sich augenblicklich, während Mike erstaunt die Augenbrauen hob.

„Es ist zu viel Blut“, Todd atmete tief ein und schaute betroffen drein.

„Mehr kann ich dazu aber erst nach der Autopsie sagen, ansonsten das gleiche Muster, Todesursache ist Strangulation, die Haare sind gekämmt, die obligatorische weiße Perlenkette, er schminkte sie sorgfältig und das hier….“

Er trat etwas zur Seite, damit Jordan und Mike es besser sehen konnten. Auf ihrer Bauchdecke prangte das Wort Hure.

„Das wurde ihr post mortem in die Bauchdecke geschnitten.“

Keiner sagte etwas, jeder hing seinen Gedanken nach, man hörte nur das klicken von Ricks Kamera….

Kapitel 1

New York

Sie war froh endlich zu Hause zu sein. Erschöpft von ihrer Nachtschicht, holte sich Taylor ein Glas Wasser und schaute aus dem Panoramafenster, runter zu den Straßen New Yorks.

Oh, wie sie diese Stadt liebte, die belebten Straßen, sie schien nie zu schlafen, sie pulsierte.

Taylor zog vor 8 Jahren nach New York – ihre für sie damals, große weite Welt – und fing im Kings County Hospital in der Notaufnahme an, dort lernte sie ihre jetzige beste Freundin, Mitbewohnerin und Arbeitskollegin Christine O`Connor kennen. Sie beschlossen, sich gemeinsam eine Wohnung zu mieten um die Kosten so gering wie möglich zu halten, denn damals im Alter von 22 Jahren, war der Big Apple die große Verführung, wenn man dort nicht groß geworden war. Die Geschäfte hatten eine zu große Anziehungskraft.

Bei dem Gedanken an ihre Freundin lächelte Taylor, sie war ihr eine große Hilfe, Balsam für ihre angeschlagene Seele und ihr angeknackstes Selbstvertrauen.

Oh nein.. denke nicht mal daran ermahnte sich Taylor, sie atmete tief ein und drückte die Schultern durch, du wirst jetzt nicht wieder an die damalige Zeit denken, es ist vorbei…schluss…aus!

Trotzdem konnte sie sich nicht ganz davon freimachen. Sie verspürte immer noch einen Stich in der Brust, wenn sie an Vergangenes dachte.

„Du bist schon da?“ Erschrocken drehte sich Taylor um und stand einer verschlafenen Christine gegenüber.

„Mensch hast du mich erschreckt, kannst du dich nicht irgendwie bemerkbar machen?“

Christine reckte sich und rieb sich den Schlaf aus den Augen.

„Habe ich doch, du warst wohl so in Gedanken, das du mich nicht gehört hast. Ist irgendwas passiert, du schaust deprimiert aus? Bist Du etwa traurig, weil du ab heute Urlaub hast?“

Christine zwinkerte ihr mit einem Auge zu und ging in die Küche um sich Kaffee zu kochen.

„Urlaub wird es wohl kaum werden, ich werde nachher nochmal mit Darlene sprechen und mir schon mal Infos geben lassen was mich in Ardmore erwartet, zumal ich noch einige Vorbereitungen zu treffen habe.“

Taylor ließ sich ihren Jahresurlaub geben um nach Ardmore zu fliegen, sie war Mitglied der Human Nature Organisation. Sie leisteten gemeinnützige Arbeit, indem sie in Katastrophengebieten Aufräumarbeiten durchführten und bei der medizinischen Versorgung halfen. Nachdem ein Tornado die Stadt heimgesucht hatte, machten sich schon Mitglieder auf den Weg dorthin um zu helfen.

Darlene, die Organisatorin des Einsatzes war schon vor Ort, gemeinsam mit Santiago dem Teamleiter, sowie einigen anderen. Taylor konnte sich erst jetzt frei machen, ihr Urlaub musste noch genehmigt werden.

„Mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken das du da unten bist. Ich finde es ja toll das du helfen möchtest, aber Mensch Taylor, die Tornadowarnung ist noch nicht aufgehoben. Hast du überhaupt eine Ahnung, in welcher Gefahr du dich begibst?“

Christines blaue Augen fixierten sie und es lag Sorge in ihrem Blick. Es rührte Taylor und machte sie gleichzeitig froh, das sie so eine tolle Freundin hatte, nein, Freundin konnte man das schon nicht mehr nennen, sie waren wie Schwestern. Sie ging rüber zu ihr und nahm sie im Arm.

„Hey mir wird schon nichts passieren, du kennst mich doch, Unkraut vergeht nicht. Außerdem wird schon aufgepasst das uns nichts passiert.“

Taylor knuffte sie am Arm und holte 2 Tassen aus dem Schrank um Kaffee einzuschütten. Christine raufte sich ihre roten langen Haare und schüttelte den Kopf.

„Wieso kannst du nicht Urlaub machen wie andere Leute auch. Und wenn du auf Abenteuerurlaub stehst, da finde ich mit Sicherheit auch noch eine Lösung.“

Taylor schaute sie über den Rand ihrer Kaffeetasse an und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Jaja schon gut, ich bin schon ruhig, aber versprich mir, das du mich zwischendurch anrufst, damit ich weiß das alles ok ist, ok?“

„Ja Mama“, beide schauten sich an und mussten dann doch lachen.

„Wer fährt dich denn jetzt zum Flughafen?“

Taylor lächelte bei dem Gedanken an ihren Bruder.

„Gott sei Dank konnte sich Ben doch noch frei nehmen.“

Christines Gesicht nahm eine rosige Färbung an, bei der Erwähnung seines Namens, was Taylor keines falls verborgen blieb. Sie dachte sich schon öfter, das Christine mehr für Ben übrig hatte, mochte sie aber auch nicht darauf ansprechen.

„So, ich muss mich jetzt fertig machen. Bevor ich zum Dienst fahre, wollte ich nochmal schnell in die City. Am Wochenende haben wir doch die Betriebsfeier, da brauche ich noch was zum Anziehen. Ruf mich an, wenn du dort gelandet bist.“

Christine ging in ihr Zimmer und Taylor schaute ihr nach, bis sie aus ihrem Blickfeld verschwand. Sie räumte die Tassen in die Spülmaschine und ging rüber in den Wohnbereich, griff zum Laptop und machte es sich im Sessel gemütlich.

Während der Laptop hochfuhr blickte Taylor sich im Loft um und Stolz lag in ihren Augen. Sie hatten eine wunderschöne Wohnung, sie liebte sie. Helle Wände, dunkler Holzfußboden, für den Küchenbereich hatten sie weiße moderne Möbel gewählt, die Elektrogeräte waren aus Edelstahl, das Wohnzimmer war das Gegenteil.

Dort war auf Gemütlichkeit Wert gelegt worden, nicht auf Funktionalität. Während sie weiter darüber nachdachte, wie sie damals mit viel Ausdauer und Eigenarbeit die Wohnung renovierten und sie so zu ihrem Eigen machten, überfiel sie eine bleierne Müdigkeit. Nur kurz ausruhen…

Sie legte den Kopf an die Lehne, schloss die Augen und schlief ein. Als Taylor erwachte, surrte noch der Laptop und die Sonnenstrahlen die ins Wohnzimmer fielen, ließen die Staubkörner im Lichtschein tanzen. Oh Gott, wie spät ist es? Sie schaute blinzelnd zur Wanduhr und erschrak.

„Oh Mist!“Hastig sprang sie auf, wobei sie gegen den Couchtisch stieß und während sie Richtung Bad humpelte rieb sie ihr Bein, mit der Gewissheit das sich dort morgen ein blauer Fleck gebildet haben würde. Taylor blickte nach einer ausgiebigen Dusche im Spiegel. Es musterten sie grün braune Augen, sie lagen groß und geheimnisvoll in einem ovalen Gesicht. Leicht gesprenkelt von kleinen Sommersprossen, umrahmt von langem kastanienbraunem Haar. Der Schlaf hatte gut getan und lächelte ihrem Spiegelbild zu. Sie ging rüber in ihr Zimmer, zog sich an und packte die letzten Dinge, die sie für ihre Reise brauchte.

Bei dem Gedanken bekam sie Magenkribbeln und rief Darlene an, um sich nochmal zu vergewissern das sie vom Flughafen abgeholt wurde und um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Während sie mit ihr telefonierte kündigte Ben seine Anwesenheit durch ein Klingeln an.

„Ja alles klar Darlene, wir sehen uns dann später, ich werde gegen 22.30 Uhr landen.“

Sie öffnete im vorbeigehen die Türe und winkte Ben rein.

„Danke, das du dich darum gekümmert hast, ich habe alles eingepackt, … ja mache ich,… dann bis später.“

Taylor legte auf, umarmte Ben und drückte ihm ein Kuss auf die Wange.

„Hey Bruderherz, danke das du hier bist, ich wüsste gar nicht was ich sonst tun würde.“

Sie war schon einigermaßen groß, doch bei Ben mußte sie ihren Kopf in den Nacken legen. Er grinste verschmitzt.

„Ähm.. Taxi rufen?“

Sie verdrehte die Augen und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Trotzdem danke.“

„Klar, für dich immer. Weißt du doch, also, wo sind deine Sachen?“

„Noch bei mir im Zimmer, na dann lass uns loslegen.“

Ben ging in ihr Zimmer. Sie blieb noch an der Türe stehen und wartete auf seine Reaktion, die auch prompt durch ein erstauntes Ausrufen kam.

„Sag mal, hast du noch Sachen im Schrank oder hast du alle deine Besitztümer eingepackt?“

Sie ging zu ihm und blickte ihn schuldbewusst an.

„Nee, ein bisschen was habe ich noch in den Schränken, doch das meiste befindet sich in den Taschen.“

Taylor blickte beschämt auf ihr Gepäck, sie hat sich schon beim Packen zusammengerissen, ist ihr aber dann doch nicht ganz gelungen. Wie typisch für mich, dachte sie für sich, naja man muss auf alles vorbereitet sein. Sie griff beherzt zu ihrem Gepäck.

„Dann lass uns mal los, wenn ich den Flieger noch erreichen möchte.“

Ardmore, Oklahoma

Taylor war froh, als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen spürte. Die wenigen Stunden Schlaf im Sessel, die alles andere als gemütlich waren, machten sich jetzt bemerkbar. Sie ging zum Laufband um ihr Gepäck zu holen und schaute sich anschließend suchend im Gate um, ob sie schon jemanden ausfindig machen konnte der sie abholte. Sie blinzelte mit den Augen und konnte etwas abseits stehend eine kleine, zierliche Frau ausmachen, die sich schon ungeduldig umschaute.

Taylors Mund umspielte ein Lächeln, als sie Darlene darin erkannte. Es gab eben nur eine Frau die so krause braune Haare hatte, die mit nichts zu bändigen waren. Sie spiegelten Darlenes Charakter und Widerspenstigkeit wieder. So klein wie sie körperlich war, ihre innere Stärke war umso größer. Beide Frauen gingen aufeinander zu und umarmten sich herzlich.

„Ist das schön dich zu sehen, wie geht’s dir?“

Darlene nahm Taylors Gepäck mit einer Leichtigkeit und legte es auf den Gepäckwagen, was Taylor bewunderte, da ihre Taschen doch ganz schön Gewicht hatten.

„Mir geht`s ganz gut, bin etwas erschöpft vom Flug, aber sonst okay. Und – wie ist die Lage?“

Darlene schob behände den Wagen zielsicher durch den Flughafen. Selbst abends um kurz vor elf war doch noch reger Betrieb auf dem Gelände.

Während die zwei Frauen das Gepäck im Auto verstauten, brachte Darlene Taylor auf den neuesten Stand.

„Santiago und Angela sind gerade vor Ort um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Was ich dir jetzt schon sagen kann ist, das es kein Zuckerschlecken wird. Was du bisher erlebt hast, ist nichts im Vergleich zu dem, was dich hier erwartet.“

Darlene hielt bei diesen Worten inne um Taylor anzuschauen.

„Die medizinische Versorgung ist mehr als dürftig. Das Krankenhaus wurde vom Tornado getroffen, die stabilen Patienten hat man umverteilt in andere Krankenhäuser, soweit ich weiß. Ist auf jeden Fall gut das du hier bist. Du arbeitest in der Notaufnahme New Yorks, da bist du Stress gewohnt. Wir brauchen jede helfende Hand, ich danke dir.“

Taylor war zu gerührt um etwas zu sagen, also beließ sie es dabei und packte die letzte Tasche in den Kofferraum.

„Ich habe uns für die Zeit unseres Aufenthaltes in eine kleine Pension eingemietet. Ich finde sie fantastisch, hat was von Schneewittchen und den 7 Zwergen.“

Darlene zuckte mit den Schultern und ein Grinsen flog über ihr Gesicht.

„Wohnen noch andere in der Pension von uns dort, oder nur wir beide?“

„Angela und Santiago sind auch noch dabei, die anderen haben geguckt das sie in ein anderes Hotel unterkommen, ist ja jetzt relativ einfach. Die, die Urlaub machten, sind abgereist.“

Taylor saß auf dem Beifahrersitz, schaute aus dem Fenster und versuchte in der Dunkelheit die tolle Landschaft auszumachen. Sie war sehr gespannt auf die Umgebung, sie hatte nachgelesen das Ardmore eine Kleinstadt im Süden der USA war. Umgeben von vielen Seen, unter anderem dem Lake Murray, der sich im State Lake Murray Park befand. Die Attraktion der Gegend die viele Besucher anlockte, war der Tucker Tower, er stand auf einer Landzunge, umgeben von schroffen Felsen die steil ins Meer abfielen.

Da muss ich auf jeden Fall mal hin, machte sich Taylor geistig eine Notiz.

„Hey, bist du noch wach?“

Darlene stieß sie von der Seite an und schreckte sie aus ihren Gedanken hoch.

„Sorry, ich hing meinen Gedanken nach, aber lange halte ich nicht mehr durch.“

Taylor rieb sich die Augen und gähnte herzhaft. Das gleichbleibende Motorengeräusch und das leichte Schaukeln des Autos, hatten bei Taylor den Effekt als läge sie in einer Hängematte, die Augenlider wurden immer schwerer.

Als sie durch ein Rütteln erwachte, erkannte sie, das sie am Ziel angekommen waren.

„Na endlich wirst Du wach, wann hast du das letzte Mal richtig geschlafen?“

Darlene stieg kopfschüttelnd aus dem Auto. Taylor blieb noch ein Moment sitzen um sich zu sammeln. Beim Aussteigen schlug ihr warme Luft entgegen, sie schloss die Augen und sog gierig die Nachtluft ein. Sie hörte das quaken der Frösche und das leichte rauschen der Blätter im Wind.

„Willst du da Wurzeln schlagen?“

Darlene schlug die Heckklappe des Wagens runter und lehnte sich dann am Auto an, um mal tief Luft zu holen.

„Was hast du denn alles mit?“

Taylor blickte zu Darlene rüber und zuckte hilflos mit den Schultern, „alles was mir sinnvoll erschien, was ich hier brauchen könnte.“

Sie ging zu ihr rüber und tat es ihr gleich. Sie lehnte sich ans Auto und ließ ihren Blick über die Umgebung wandern.

Sie parkten vor einer zweigeschossigen, holzverkleideten Pension. Sie war umgeben von mächtigen Eschen, als würde sie dort Schutz suchen.

Die kleine Veranda wurde durch eine Laterne beleuchtet. Die roten Geranien, die die Fensterbänke schmückten, schienen dadurch noch roter zu leuchten und verströmten ihren Duft. Schaukelstühle flankierten die Seiten der Veranda und luden zum Verschnaufen ein.

„Es ist wunderschön hier, ich freue mich schon darauf morgen alles bei Tageslicht zu sehen.“

„Ich habe nicht übertrieben was? Dann lass uns mal reingehen, damit du dich in deinem Zimmer einrichten kannst. Morgen ist ein langer Tag.“

Darlene blickte lächelnd zu Taylor und wollte sich gerade eine Tasche um die Schulter legen, als die Türe sich öffnete und eine zierliche Frau mittleren Alters, sich schnellen Schrittes den beiden näherte.

„Schön das sie da sind. Entschuldigen sie, ich sollte mich erst mal vorstellen. Ich bin Vivian Parks, mir gehört die Pension.“

Vivian nahm Taylors Hand in ihre und schüttelte sie kräftig um sie anschließend zur Pension zu führen.

„Kommen sie ruhig rein, Raymond wird sich um ihr Gepäck kümmern, sie müssen ganz erschöpft sein von der langen Reise.“

Vivian brachte Darlene und Taylor in den Eingangsbereich der Pension, es war eine kleine Halle, sie war sehr wohnlich eingerichtet. Der Parkettboden glänzte mit den Fenstern um die Wette und von der Mitte aus, ging eine breite Holztreppe nach oben ins erste Geschoss. Vivian ging hinter den Tresen um den Zimmerschlüssel Taylor zu überreichen. „Hier bitte ihr Zimmerschlüssel, es ist die Nummer 5. Es liegt direkt neben Darlenes und falls irgendetwas ist, was ihnen fehlt sagen sie ruhig bescheid, damit wir das schnell beheben können.“

„Vielen Dank, ich freu mich auf das Bett, ich bin doch recht müde.“

Taylor versuchte ein Gähnen zu unterdrücken, was ihr nicht ganz gelang.

„Na anstrengenden Flug gehabt?“

Taylor drehte sich um und schaute gegen eine Männerbrust. Doch diese Stimme hätte sie unter Millionen raus gehört.

„Santiago, schön dich zu sehen, wie geht’s dir? Leider sehen wir uns immer unter so grausigen Umständen.“

Taylor stellte sich auf Zehenspitzen um Santiago einmal zu drücken. Sie lernten sich durch die Organisation kennen und verstanden sich auf Anhieb.

„Also schieß los, wie ist dein Eindruck?“

Santiago konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Das ist typisch für dich, bist noch nicht ganz hier, willst aber schon wissen was los ist. Naja, es sieht nicht gut aus, hier haben wir noch Glück. Der Tornado hat diesen Teil der Stadt ausgelassen, auf der anderen Seite siehts anders aus. Das Schlimme daran ist, das genau dort das Zentrum der Stadt ist, wie das Krankenhaus, das Einkaufscenter, Wohnviertel…, wir haben viel zu tun. Das Krankenhaus wurde bis auf weiteres evakuiert. Die dortigen Patienten wurden verlegt, bzw. sie sind jetzt noch dabei. Menschen die durch den Tornado verletzt wurden oder medizinische Hilfe benötigen, werden vor Ort versorgt. Es wurde eine ärztliche Grundversorgung in der örtlichen Turnhalle eingerichtet. Die schweren Fälle werden stabilisiert und dann ins nächste Krankenhaus transportiert."

„Okay, was ist meine Aufgabe?“

Taylors Müdigkeit war wie weg geblasen, sie stellte sich sofort wieder Menschen vor, die ihre Hilfe benötigten. Menschen die unter Schutt lagen, die sich nicht selbst befreien konnten aufgrund ihrer Verletzungen, oder weil sie einfach zu schwach waren.

„Ich muss dich enttäuschen, heute nichts mehr. Du gehst jetzt mit Darlene, Vivian und Raymond nach oben. Dort legst du dich zum schlafen hin und morgen früh um halb sechs treffen wir uns im Speiseraum und besprechen den Einsatz, okay?“

Taylor war gar nicht aufgefallen das sich in der Zwischenzeit Raymond zu ihnen gesellte. Er stand am Treppenabsatz, bepackt mit ihren Koffern und Reisetaschen, was dazu führte das sie sofort wieder ein schlechtes Gewissen bekam.

„Entschuldigung, ich habe sie gar nicht kommen hören, mein Bruder beschwerte sich schon über mein Gepäck, weil ich immer so viel mitnehme. Warten sie, ich nehme ihnen was ab.“

Taylor wollte zu ihm hin um ihm zu helfen, doch Vivian hielt sie zurück.

„Nein, nein lassen sie nur. Raymond wird ihnen die Taschen nach oben tragen, für ihn ist es sein Training, statt Hanteln nimmt er Gepäck.“

Vivian lächelte Taylor an und schob sie Richtung Treppe.

„Macht es ihnen wirklich nichts aus?“

Taylor war etwas verunsichert, doch um Raymonds Mund legte sich ein Lächeln und er schüttelte den Kopf.

„Machen sie sich da mal keine Gedanken. Vivian hat recht, für mich ist es mein Training, doch ich muss gestehen, bei dem Gewicht ihres Gepäcks kann man schnell in die Knie gehen.“

Na wenn er das schon sagt, dachte sie sich, während sie Raymond mit einem Blick musterte.

Er war groß und kräftig gebaut. Eine feine Röte stieg in ihr Gesicht was die umstehenden Personen in schallendes Gelächter ausbrechen ließ. Sie nuschelte eine Entschuldigung und setzte sich in Bewegung. Darlene gesellte sich neben sie und legte einen Arm um ihre Taille und schubst sie an.

„Hey, Kopf hoch, hättest du weniger Gepäck, würden wir dich für krank erklären.“

Gemeinsam stiegen sie die Treppe hoch. Raymond blieb vor ihrer Zimmertür stehen und wartete darauf das die Türe aufgeschlossen wurde. Vivian nahm den Schlüssel entgegen um aufzuschließen. In der Zeit verabschiedeten sich Santiago und Darlene von Taylor und wünschten ihr eine gute Nacht.

Vivian führte Taylor ins Zimmer und zeigte ihr, ihr Reich für die nächsten Tage. Es war ein großes behaglich eingerichtetes Zimmer, mit einem hellen Teppich, Mahagonimöbel und ein angrenzendes Bad. Raymond deutete auf den Kamin, ein Feuer prasselte darin.

„Ich habe mir erlaubt ihn anzumachen, damit es nicht so kalt ist für sie, das Zimmer war doch etwas ausgekühlt.“ Raymond stand neben einem eindrucksvollen Kamin, der seine Wärme im Zimmer verteilte. Vivian gesellte sich zu ihm und drückt seine Hand.

Sie reichte ihm knapp über die Schulter und wirkte klein und zerbrechlich in seiner Gegenwart, doch Taylor hatte ihren kraftvollen, zupackenden Händedruck nicht vergessen.

„Vielen Dank, es ist ein sehr schönes Zimmer. Wunderbar, ich werde mich hier sicher sehr wohl fühlen.“

„Gut, dann lassen wir sie jetzt alleine, damit sie sich ausruhen können“, mit diesen Worten verließen Raymond und Vivian das Zimmer.

Taylor ging zu den Balkontüren um sie zu öffnen und schob die geblümten, frisch duftenden Gardinen zur Seite und öffnete die Flügeltüren. Sie trat auf den kleinen schmalen Balkon hinaus und der Anblick der sich ihr bot, verschlug ihr den Atem.

Vor ihrem Auge erstreckte sich ein See, umgeben von großen mächtigen Bäumen.

Das Mondlicht spiegelte sich auf der Wasseroberfläche und leichter Nebel waberte darüber. Die Frösche sangen ihr eigenes Konzert. Eine leichte Brise umspielte ihr Haar und strich über ihre Haut.

Sie genoss diesen Moment in vollen Zügen und beschloß, die Türen über Nacht offen stehen zu lassen. Nichts erinnerte daran, das gestern Nacht ein Tornado durch diese Stadt fegte.

Kapitel 2

„Sie sind alle so schön und doch so schlecht, ich muss es tun, ich muss ihren schmutzigen Körper von ihrer Seele befreien.“

Sanft strich er mit seinen Fingern über die Haarlocken und ließ sie zwischen seine Finger gleiten. Er schloss seine Augen. Seine letzte gütliche Tat lief wie ein Film vor seinem geistigen Auge ab. Er sah sie wimmernd und flehend auf dem Bett liegen. Sie bettelte um ihr Leben, sie bot sich ihm sogar an.

„Oh meine Schöne, genau deswegen bin ich ja bei Dir. Ich weiß das du mich willst, ich habe es in deinen Augen gesehen als wir uns das erste Mal begegnet sind, nun bin ich da“, murmelte er.

Er spürte, wie er immer härter wurde, seine Atmung wurde schneller.

Oh ja, sie wimmerte, sie wollte es, ich hatte es gesehen. Ich zeigte ihr was sie brauchte! Sie brauchte keinen Schwanz, sie brauchte einen richtigen Mann! Sie hatte sich den Männern angeboten. Sie trennte sich von ihrem nichtsnutzigen Mann, um es mit anderen zu treiben.

Kaum hatte sie ihn aus dem Haus gejagt, stand der andere schon im Vorgarten und wartete auf Einlass, ja nicht nur Einlass in ihr Haus, auch Einlass in ihre dreckige Möse! Ich gab ihrer Möse was sie wollte, oh wie sie schrie!

Seine Faust ballte sich um das Haar, er spürte ihn zucken, er sah wie sich der Stock immer tiefer in sie schob, wie sie schrie vor Schmerzen. Sie weinte. Dann stieß er ein letztes Mal zu, sie bäumte sich auf, tanzte geradezu vor Schmerz….

Ja, …das war fantastisch… .

Er spürte die Feuchtigkeit in seiner Hose. Erleichtert und freudig erregt wechselte er seine Kleidung, in Gedanken schon bei seinem nächsten Opfer….

Es war noch früher Morgen, als Jordan und Mike an ihren Schreibtischen saßen, mit jeweils einem starken Kaffee. Sie sprachen über das letzte Opfer, als sie von ihrem Chef in sein Büro gerufen wurden. Captain Frank Spengler hatte seine Fingerspitzen aneinandergelegt und betrachtete sie prüfend.

„Sagt mir, das ihr irgendwas habt, was ich dem Bürgermeister sagen kann. Er tritt mir auf die Füße.“

Er stand vom Stuhl auf, trat zum Fenster und stemmte seine Hände in die Hüfte.

„Das kann die Stadt zur Zeit überhaupt nicht gebrauchen, das ein Wahnsinniger sie unsicher macht. Die Presse hat noch nicht viel davon mitbekommen, wir können das aber nicht mehr lange unter Verschluss halten. Also was habt ihr?“

Er wandte sich den beiden zu. Sein blondes leicht schütteres Haar wirkte im Sonnenlicht wie ein Heiligenschein.

„Um ehrlich zu sein nicht viel, der Täter hinterlässt keine Spuren, wir haben nichts!“

Jordan sprang so abrupt vom Stuhl auf, das die Lehne nach hinten kippte.

„Wir versuchen schon die ganze Zeit den Exmann von Ms. Higgins zu erreichen, leider ohne Erfolg.“

„Der Täter ist wie ein Phantom, keiner hat was gesehen. Wir sprechen heute Nachmittag mit unserem Polizeipsychologen, in der Hoffnung das er uns etwas sagen kann, wo wir anfangen können.“

Jordan fuhr sich mit seinen Händen durchs Haar und stützte sich mit den Händen an der Stuhllehne ab.

Mike griff in den Ordner und zog einige Fotos der zugerichteten Opfer heraus und reichte sie dem Captain.

„Die Vorgehensweise ist fast immer die gleiche, er vergewaltigt, fesselt und knebelt sie. Hinzu kommt, das er seine Opfer nach dem Todeseintritt schminkt und ihre Haare kämmt. Er legt denen eine Perlenkette um und ritzt „Hure“ in die Bauchdecke.“

Captain Spengler trat hinter seinen Tisch während er die Fotos studierte.

„Was meinst du mit - fast?“

„ Nun – beim letzten Opfer konnte Todd nicht mehr feststellen, ob sie vorher vergewaltigt wurde.“

Mike blickte runter auf die Schreibtischplatte und faltete die Hände. Frank stütze sich auf seine Hände ab und beugte sich zu Mike rüber.

„Hättest du bitte die Güte mir genau zu erklären was das heißt – vorher?“

Die Nasenflügel des Captains blähten sich auf und er blickte starr zu ihm runter. Jordan schaltete sich ein, der mittlerweile an der Wand lehnte.

„ Er hat sein letztes Opfer, Kathrin Higgins, mit einem selbstgebauten Gegenstand sexuell missbraucht. Der Pathologe entfernte einen abgesägten Besenstiel, versetzt mit eingeschlagenen Nägeln aus ihrem Unterleib. Sie war innerlich total zerfetzt, er kann nicht sagen, ob er sie selbst vorher vergewaltigte.“

Bei dem Gedanken drehte sich Jordan der Magen um. Er spürte eine unbändige Wut auf diesen Menschen. Wer konnte so grausam sein, so etwas anderen an tun?

„Oh mein Gott“, Frank setzte sich in seinen Stuhl und atmete mehrfach tief ein.

„Was sonst noch? Schlimmer kann es ja nicht mehr kommen.“

Bei diesen Worten blickten sich Mike und Jordan an. Mike räusperte sich.

„Nun, Kathrin Higgins war noch am leben, als er sie mit dem Stiel sexuell missbrauchte. Erst als sie die Besinnung verlor, brachte er sie um.“

Frank schüttelte angewidert den Kopf und gab beiden die Akte zurück.

„Ich kümmere mich um den Bürgermeister. Seht zu was ihr aus dem Psychologen rausholt. Ich spreche mit Rick und Todd. Ich möchte das wir uns morgen früh um 8 Uhr im Büro treffen, damit wir gemeinsam durchgehen können, was wir bisher haben. Ich will diesen Mistkerl haben!“

Mit diesen Worten entließ der Captain Jordan und Mike. Von ihren Schreibtischen her konnten die zwei sehen, wie er zum Telefon griff und anschließend beschwichtigend mit den Händen gestikulierte. Jordan blickte zu seinem Partner rüber.

„Das dürfte jetzt der Bürgermeister sein, wir müssen uns beeilen bevor er nochmal zu schlägt!“ Sie griffen nach ihren Jacketts und verließen das Büro.

Um punkt halb sechs morgens versammelten sich alle im Salon. Vivian kam herein und baute das Frühstücksbuffet auf, es roch augenblicklich nach Rührei, geröstetem Speck, frischen Brötchen und Kaffee.

„Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen und großen Hunger. Ich habe immer das Problem das ich zu viel koche, deswegen endschied ich mich eine Pension zu führen, damit ich eine Ausrede habe.“

Taylor ging zu ihr hin und legte ihr eine Hand auf die Schulter, „seien sie unbesorgt, ich denke das werden wir schon schaffen und so himmlisch wie das riecht.“

Taylors Magen fing zu knurren an.

„So, das sagt wohl alles, ich sterbe fast vor Hunger. Darf ich mir schon davon nehmen?“

Vivian lächelte glücklich, nickte und verschwand aus dem Zimmer. Der Kaffee rann Taylors Kehle runter, sie spürte die erste Wirkung des Koffeins. Gott tut das gut….. Sie beschloss nach der Besprechung kurz Ben und Christine anzurufen, oder denen zumindest eine SMS zu schicken das sie gut angekommen war, sonst machten sie sich nachher noch Sorgen.

Zu Taylors Freude war heute auch Angela da, sie war gestern Abend nicht mit anwesend, da sie schon im anderen Stadtteil Ardmores war, um sich einen Überblick zu verschaffen, was noch getan werden musste und wer wie einsetzbar war.

Angela war die Vertretung für Darlene wenn sie nicht da war, so wie gestern. Sie hatte Talent, sie brachte alles wieder zum laufen, egal um was es sich handelte, also von unschätzbaren Wert für die Organisation.

Taylor mochte sie auf Anhieb gut leiden, sie war eine Frohnatur und versuchte in allem das Beste zu sehen, das bewunderte sie insgeheim an ihr. Taylor war schon immer ein Realist, sie konnte nicht alles optimistisch sehen, selbst wenn sie es gekonnt hätte.

Spätestens in der Notaufnahme hätte sie sich das abgewöhnt, sie hatte zu viel gesehen. Kinder mit Schussverletzungen durch Bandenkriege, vernachlässigte, misshandelte Kinder, oder einfach nur schwerkranke Patienten die ein hartes Los mit ihrer Gesundheit gezogen hatten. Es existierte so viel sinnlose Gewalt und hier in Ardmore, eine beschauliche Kleinstadt, kam der Fingerzeig Gottes und vernichtete so viele Existenzen und Leben.

Taylor schüttelte den Kopf um sich aus diesen trübsinnigen Gedanken zu befreien, und spürte jetzt erst das sie von ihren Teammitgliedern beobachtet wurde.

„Geht’s dir gut?“

Santiago beugte sich vor und berührte sie am Unterarm, sein Blick sah besorgt aus.

„Ja danke, mir fehlt nichts, sorry, ich war gerade ganz in Gedanken.“

Das war Taylor sehr unangenehm, bei einer so wichtigen Besprechung einfach gedanklich abzudriften, das sah ihr eigentlich gar nicht ähnlich.

„Ich habe wohl noch nicht genug Kaffee getrunken, möchte noch jemand eine Tasse?“

Mit diesen Worten stand sie auf um sich Kaffee nach zu schütten.

„Also es sieht folgendermaßen hier aus…“ Angela griff nach einigen Papieren, unter anderem Handgeschriebenes und eine Straßenkarte.

„Ich sprach gestern mit der Einsatzleitung der Feuerwehr und auch mit dem Personal der medizinischen Versorgung. Um es kurz zu machen, das städtische Krankenhaus ist vollkommen ruiniert. Das Gebäude wird abgerissen, die instabilen Patienten wurden in die Turnhalle der High School verlegt. Es ist zur Zeit die einzige Möglichkeit die sie haben. Sie versuchen noch Gerätschaften aus dem Krankenhaus zu beschaffen, was nicht sehr einfach sein wird, da es Einsturzgefährdet ist. Hinzu kommt, das es an medizinischem Personal mangelt. Manche sind selber Patienten, zumal Ardmore noch nie so gewaltig von einem Tornado getroffen worden ist. Die Aufräumarbeiten erweisen sich als schwierig. Es sind alle im Einsatz die helfen können, viele Freiwillige. Das Problem ist, das auch Stromleitungen getroffen wurden und es in einigen Straßen keinen Strom gibt. Die Wasserversorgung ist zum Glück gewährleistet, man weiß aber noch nicht, wie viele Menschen verletzt sind und wer sich noch unter Trümmern befindet. Soweit habe ich von unserer Organisation das Personal eingeteilt. Darlene, wenn du da mal bitte drüber guckst, ob das auch so in deinem Interesse ist?“

Sie schob ihr eine Liste rüber die Darlene mit einem Kopfnicken absegnete.

„Gut, so machen wir das.“

Darlene stand mit der Liste in der Hand auf, griff zu ihrer Tasse und nahm einen Schluck, bevor sie die Liste vorlas.

Taylor saß mit Santiago und Karen im Wagen, auf dem Weg zum ersten Einsatztag. Sie spürte eine innerliche Unruhe, sie wusste nicht konkret was sie erwartete, sie konnte sich nur von dem ein Bild machen, was Angela heute morgen berichtete und das war alles andere als erfreulich.

Taylor wurde in die medizinische Versorgung eingeteilt, sie sollte sich einen Überblick über die Patienten in der Turnhalle verschaffen und dann draußen an der Front mithelfen, vor allem sollten Menschen geborgen werden.

Sie betete, das sie Menschen lebend wieder fand. Als sie allerdings in dem Bezirk eintrafen sank augenblicklich ihr Optimismus. Bäume lagen entwurzelt in Häuser, persönliches Hab und Gut lag verteilt auf den Straßen. Man fuhr mit Planierraupen die Straßen frei, damit man mit Fahrzeugen durch kam. Viele Anwohner halfen mit, Menschen aus den Trümmern zu bergen. Was ihr Herz zusammen ziehen ließ, war der Anblick eines kleinen Jungen und Mädchens die alleine auf einem umgestürzten Baum saßen, während die Mutter schluchzend in den Trümmern nach etwas suchte. Santiago folgte ihrem Blick und hielt sofort an.

Sie stiegen aus dem Auto und liefen zu der weinenden Frau, die ohne Vorsichtsmaßnahmen in das verfallene Haus einsteigen wollte. Sie befand sich bereits auf dem Vordach des Hauses

„He Madam, warten sie, sie können da nicht einfach rauf, bitte… warten sie….“

Santiago rannte zu ihr hin und war mit wenigen Schritten bei ihr. Er fasste sie bei der Schulter um sie zu sich zu drehen. Ihr Gesicht war vom Weinen gerötet und ganz nass.

„Mein Mann, ich suche meinen Mann. Er ist hier rein um unseren Hund zu holen, dann sackte unser Haus zusammen, seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Oh bitte… helfen sie mir…“

Sie krallte sich hilfesuchend an Santiagos Hemd fest. Er geleitete sie runter zu ihren Kindern, wo sich Karen schon um sie kümmerte, die Kinder schauten mit großen Augen zu ihnen auf. Der kleine Junge, Taylor schätzte ihn nicht viel älter als 5, wendete sich hilfesuchend an Santiago.

„Helfen sie meiner Mum und retten unseren Dad? Bitte .. .“

Er griff nach Santiagos Hemdzipfel und hielt sich daran fest. Taylor ging vor dem Jungen in die Hocke und redete erst mit ihm, als er ihren Blick erwiderte.

„Wie heißt du? Mein Name ist Taylor“, sie hielt ihm die Hand hin, die er nach kurzem Zögern annahm. Santiago war dankbar, das sich Taylor darum kümmerte, er wußte nicht was er tun sollte.

„Ich heiße Brandon.. .“

Es lag eine solche Traurigkeit in seinen Augen, das es ihr die Kehle zuschnürte.

„Okay Brandon, mein Freund Santiago“, sie zeigte auf ihn, „und ich gehen jetzt in das Haus um deinen Vater zu suchen. Karen, unsere Freundin, bleibt solange bei euch. Wenn was ist, sagen wir über unsere Walkie Talkies bescheid, okay? Wie heißt denn dein Dad, damit wir nach ihm rufen können?“

„Michael, mein Dad heißt Michael.“

Brandon ließ während des ganzen Gespräches nicht ihre Hand los, als sei sie ein Rettungsanker für ihn. Die Mutter hatte einen Arm um ihre Tochter gelegt und drückte das Gesicht an ihre Brust. Taylor vernahm ein leises schniefen des Mädchens.

Sie lächelte Brandon aufmunternd an und erhob sich. Santiago war in der zwischenzeit beim Auto gewesen um einiges an Material zu holen, wie Sicherheitsseil, Helme, Taschenlampen und den erste Hilfe Kasten. Sie machten sich auf den Weg zum Haus, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Keiner von beiden wußte, wie es ausging. Taylor betete, das dem Vater nichts ernsthaftes passiert war. Sie taten es der Mutter gleich und gingen über das Vordach rauf, es wirkte am stabilsten.

Santiago brachte die Sicherheitsseile an, während sie sich ein Überblick vom Inneren des Hauses verschaffte, indem sie mit einer Taschenlampe rein leuchtete. Möbel lagen zerborsten und quer in dem Haus, der Fußboden war an manchen Stellen aufgerissen oder ganz weggebrochen, was den Zugang sehr erschwerte. Taylor suchte mit Hilfe der Taschenlampe den sichersten Weg. Sie sicherte sich mit Hilfe eines Seiles und betrat vorsichtig das Haus. Langsam setzte sie ein Fuß vor dem anderen und prüfte mit dem Fuß immer erst an, ob der Boden ihr Gewicht trug.

„Michael, hören sie mich? Mein Name ist Taylor, wir sind hier um ihnen zu helfen! Versuchen sie sich irgendwie bemerkbar zu machen.“

Taylor lauschte angestrengt in die Stille und schaute rüber zu Santiago, der draußen blieb um alles zu sichern. Auf dem Weg zum Haus entschieden sie, das es sinnvoller war, wenn Taylor rein ging da sie weniger wog, kleiner und wendiger war. Santiago stimmte dem zähneknirschend zu, ihm war gar nicht wohl in seiner Haut, Taylor alleine da rein gehen zu lassen. Doch sollte Michael schwer verletzt sein, konnte sie am besten beurteilen was zu tun war. Beide hörten kein Ton.

Taylor ging langsam tiefer in das Haus, der Boden gab ein leises Ächzen von sich, was sofort ihren Puls beschleunigen lies. Bitte lieber Gott, bring uns hier heile wieder raus.. . Taylor rief nochmal, diesmal lauter.

„Michael! Hören sie mich? Michael!“

Ist da nicht ein winseln? Sie hob die Hand um Santiago mitzuteilen, das sie was hörte.

„Michael, hier ist Taylor, wenn sie nicht sprechen können, klopfen sie….“

Da – nochmal ein winseln, diesmal lauter. Der Hund … es war der Hund… . Taylor hielt vor Aufregung den Atem an, sie spürte ihr Herz, es raste geradezu vor Anspannung.

„Santiago, frage mal die Familie, wie ihr Hund heißt.“

Taylor wartete ungeduldig auf die Antwort. Sie hörte die Stimme eines Mädchens, verstand aber nicht was sie sagte. Taylor war nur froh, das sich das Mädchen offenbar etwas beruhigt hatte.

„Buck, der Hund heißt Buck.“

Der Hund schien seinen Namen gehört zu haben, als Santiago ihn ihr zurief, denn sie vernahm ein janken.

„Gib mir mehr Seil. Sie scheinen direkt unter mir zu sein, ich muss durch den Boden durch.“

Taylor legte sich auf den Boden und robbte nach vorne zu einem aufklaffenden Loch und leuchtete nach unten um sich ein Überblick zu verschaffen. Sie spürte wie ihr Schweiß den Rücken runter lief. Unter ihr befand sich die Küche, Küchenutensilien lagen verstreut, Schränke waren umgestürzt und gaben ihren Inhalt preis.

„Buck, mein Junge, wo bist du?“

Taylor leuchtete den Raum aus und versuchte in dem schummrigen Licht irgendwas ausfindig zu machen, was lebendig wirkte. Wieder ein janken, diesmal lauter, es ging in ein Geheul über. Da.. endlich.. sie hatte den Hund gefunden. Taylor griff zum Walkie Talkie und teilte Santiago mit, das sie den Hund gefunden hatte. Langsam ließ sie sich an dem Rand des Lochs runter, überprüfte jeden ihrer Schritte und achtete auf das kleinste Geräusch.

Das Schwierigste wird sein, den Hund hier raus zu kriegen, bedachte sie. Taylor robbte sich zum Hund vor. Sie musste manchmal was zur Seite schieben. Zum Glück versperrten keine großen Möbelstücke den Zugang, so daß sie recht zügig beim Hund war, der Gott sei Dank unter dem Küchentisch Schutz suchte.

Als sie bei ihm ankam, schleckte er ihr vor Freude das Gesicht ab. Sie kraulte ihm vor Erleichterung und zur eigenen Beruhigung den Kopf. Da erst sah sie, das sich hinter ihm eine Person befand. Sofort war sie sie wieder voll konzentriert und durchdachte jeden ihrer weiteren Schritte. Sie schob sich langsam an Buck vorbei und sprach auch leise zu ihm, da sie nicht wusste wie er wohl reagierte, wenn sie auf sein Herrchen zu ging, da Michael anscheinend verletzt war.

"Michael, hören sie mich?“

Keine Reaktion, sie legte ihre Finger an seinem Puls, sie spürte ihn kraftvoll und regelmäßig. Sie krabbelte unter den Tisch, um sich Michael besser anschauen zu können, er hatte einige Schürfwunden im Gesicht. Sie tastete vorsichtig die Extremitäten ab und sprach ihn immer an, in der Hoffnung er reagierte. Sie schaute rüber zum Hund, der sie nicht aus den Augen zu lassen schien, er beobachtete anscheinend jeden ihrer Handgriffe.

„Ok Buck, dann wollen wir mal. Du bist jetzt meine moralische Unterstützung.“

Taylor konnte keinen offensichtlichen Bruch feststellen, sie öffnete ein Lid und leuchtete ins Auge, um die Pupillenreaktion zu untersuchen. Nachdem ein Schock ausgeschlossen werden konnte, tätschelte sie behutsam seine Wange.

„Michael, hey, kommen sie zu sich, ich möchte sie hier raus holen.“

Endlich kam eine Reaktion, er kniff die Augen zusammen und verzog sein Gesicht. Buck sprang bei Michaels Reaktion sofort auf und schnupperte, leckte sein Gesicht und wedelte freudig mit dem Schwanz. Er versuchte den Hund ab zu wehren, was ihm zu Taylors Freude nicht ganz gelang. Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, anhand Michaels Bewegungen konnte sie Brüche zum Glück gänzlich ausschließen.

„Buck - alter Junge – ist ja gut.“

Er kraulte ihn hinter den Ohren und versuchte sich aufzusetzen. Er fasste sich stöhnend am Kopf.

„Haben sie Schmerzen?“

Taylor blickte ihn fragend an, da erst wurde Michael bewußt, wo er war, was passiert war und das noch jemand anwesend war, außer der Hund.

„Wer sind sie?“ Michael schaute sie irritiert an.

„Mein Name ist Taylor Hastings, ich bin hier um sie raus zu holen, ihr Haus wurde vom Tornado zerstört.“

Taylor gab über Walkie Talkie durch, das sie auch Michael gefunden hatte und das sie nun rauskommen. Allem Anschein nach, hatte er sich nur Schürfwunden und Prellungen zugezogen, das grenzte für Taylor an ein Wunder. Sie war heilfroh, als sie sich endlich auf der Straße befanden.

Der Ausstieg war nicht ganz so schwer wie befürchtet und Buck hatte zum Glück still gehalten, als Michael ihn raus trug. Der Krankenwagen stand bereit, damit Michael von einem Arzt untersucht und ärztlich versorgt werden konnte. Der Hund tollte mit den Kindern um die Wette und die Mutter wusste vor Glück gar nicht, wem sie zuerst danken sollte. Taylor spürte wie Tränen in ihre Augen stiegen, als sie das Glück der Familie sah, die sich in den Armen lagen.

Man sah deutlich die Liebe und Achtung die sie ausstrahlten und jedem Familienmitglied zollten.

Sie liebten und ehrten sich und das ist das, was sich Taylor auch für sich wünschte. Sie hielt dieses Geschenk schon in ihren Händen, behütete es kostbar wie einen Schatz, doch dann verlor sie ihn. Und mit diesem Verlust verlor sie auch ein Stück von sich selbst, sie wollte nie wieder so fühlen, das spüren und durchmachen was sie erlebte. …

„Ich gratuliere dir, du hast super Arbeit geleistet.“

Santiago schreckte Taylor aus ihren Erinnerungen, sie brauchte einen kurzen Moment um sich zu sammeln. Sie schaute zu ihm auf und versuchte zu lächeln, was ihr wohl nicht wirklich gelang, da er sie kritisch musterte.

„Ist alles in Ordnung? Ist wohl das Adrenalin was sich jetzt bemerkbar macht, bist ja auch ein ganz schönes Risiko eingegangen.“

Er klopfte ihr auf die Schulter, da spürte sie ein Prickeln im Nacken. Langsam drehte sie sich um und blickte zur Straße. Ein schwarzer Geländewagen kam angefahren. Er machte keine Anstalten bei ihnen anzuhalten, sie konnte den Blick von diesem Wagen aber nicht lassen.

Ihr Blick wurde magisch angezogen, als würde eine äußere Kraft sie steuern. Sie befand sich mit dem Wagen nun auf einer Höhe, sie konnte den Beifahrer ausmachen, da das Fenster runter gelassen war. Sie blickte in ein kantiges, gebräuntes Gesicht mit ernsten leuchtend blauen Augen, umrahmt von dunkelblondem Haar. Es kam ihr vor, als würde die Zeit still stehen. Sie spürte seinen ruhigen und doch intensiven Blick auf ihrem Gesicht. Er nickte ihr zu und schon war dieser Moment vorbei.

Sie blickte dem Wagen nach und wandte sich wieder Santiago und Karen zu, die sie eingehend musterten. Sie winkte lächelnd ab und ging zum Auto rüber um das Gepäck abzuladen, das sie immer noch mit sich rum trug. Ihr nächstes Ziel war die provisorische Krankenstation. Taylor wollte sich selbst ein Bild machen, was zu tun war und wo sie dort helfen konnte.

Beim Eintreffen sah sie einige Meter weiter ein Haus, das mit gelbem Absperrband eingezäunt war.

„Was ist denn dort passiert?“

Taylor hatte die Frage noch nicht ganz ausgesprochen, da sah sie den schwarzen Geländewagen, der auf der gegenüberliegenden Seite des Hauses parkte. Leider war nicht auszumachen, wo die Insassen des Wagens waren. Schade …Sie spürte eine gewisse Neugier aufsteigen, war es wirklich Neugier oder wollte sie nur nochmal in dieses tiefe Blau eintauchen.

In Gedanken gab Taylor sich selber einen Klaps auf den Hinterkopf. Du bist hier um zu arbeiten…. Um diesen Gedanken nochmal zu unterstreichen, griff sie zu ihrer Ausrüstung die sie mit brachte. Karen betrachtete Taylor misstrauisch.

„Sag mal, ist was im Haus passiert, du wirkst auf einmal so abwesend?“

„Nein, es ist wirklich alles in Ordnung.“Taylor fühlte sich ertappt.

„Aber ich sage es dir gerne nochmal, da du gerade mit deinen Gedanken woanders warst. Man hat in dem Haus drüben wohl eine Frauenleiche gefunden, man munkelt, das sie ziemlich übel zugerichtet war.“

„Naja“, gab Taylor zu bedenken, „hier wütete ein Tornado, da gibt es leider nicht nur schöne Leichen, falls einer umkommt.“

Karen stellte sich vor sie und beugte sich zu ihr rüber um nicht so laut sprechen zu müssen.

„ Nein, kein Opfer wegen des Tornados, sie soll ermordet worden sein, aber pscht….“

Karen blickte Taylor eindringlich an und ging zur Turnhalle. Santiago war wohl schon drinnen, da sie ihn nicht finden konnte. Ein letztes Mal blickte sie zum Haus, sie spürte eine kalte Hand nach ihr greifen. Kopfschüttelnd streifte sie das Gefühl ab und folgte ihren Kollegen.

Kapitel 3

Jordan und Mike betraten das Haus von Kathrin Higgins, sie hofften irgendwas zu finden.

„Wir müssen irgendeine Verbindung zwischen den Opfern finden, in der Hoffnung, das wir so herausfinden mit wem sie zuletzt Kontakt hatten.“

Jordan ging durch die Eingangshalle wie ein eingesperrter Tiger, sein Körper strotzte vor Energie, sie wollten was in Händen haben womit sie arbeiten konnten. Bisher hatten sie noch keine Gemeinsamkeiten gefunden, aber etwas musste es geben.

Sie suchten jeden Raum des Hauses ab, wälzten Papiere, untersuchten jedes Kleidungsstück, Kassenbons, alles was Sinn ergab wo und mit wem sich Kathrin zum Schluss auseinander setzte. Nach Stunden zermürbender Arbeit verließen sie mit leeren Händen das Haus. Jordan hatte so gehofft irgendwas zu finden, es war frustrierend.

Niedergeschlagen ließ er sich auf den Beifahrersitz nieder und betrachtete die Umgebung. Mike setzte sich ans Steuer, beobachtete ihn und sagte nichts.

„Jetzt mal ehrlich, wenn du weißt es kommt ein Tornado auf die Stadt zu. Was veranlasst dich dazu, genau diesen Tag zu wählen um jemanden umzubringen? Bleibst du nicht selber auch zuhause und versuchst dich und deine Familie zu schützen, sofern du eine hast?“

Jordan hatte diesen Gedanke noch nicht ganz ausgesprochen, da setzte er sich abrupt auf und sah hoffnungsvoll auf Mike. Er schlug mit der Hand auf das Armaturenbrett.

„Mensch Mike denk doch mal. Wenn ich Familie habe, dann kann ich nicht einfach weg gehen, wenn ein Tornado auf die Stadt zu steuert. Das würde dem Partner ganz schön zu denken geben. Aufgrund der Tornadowarnungen hatten die meisten eh ihre Geschäfte geschlossen gehabt. Das heißt, der Täter hätte sich nicht einfach von seiner Familie loseisen können.“

Jordan vergrub sich immer tiefer in seine Gedanken, sie überschlugen sich, endlich hatten sie was greifbares, einen Ansatzpunkt.

„Stimmt“, Mike blickte gedankenverloren aufs Lenkrad.

„Selbst wenn ich an diesem Tag hätte arbeiten müssen, weil ich im öffentlichen Dienst bin. Kann ich mich dann von der Arbeit entfernen ohne das es auffällt? Der Täter lässt sich sehr viel Zeit mit seinen Opfern, das heißt, hätte ich arbeiten müssen, wäre es einem Kollegen aufgefallen, wenn ich so lange weg bin, vorausgesetzt ich bin selbstständig. Und während des Tornados geht’s eh nicht, also muss ich mir vorher Zugang zum Bunker verschafft haben.“

Mikes Gesicht hellte sich auf, er grinste und startete das Auto. Sie fuhren zurück zum Revier, der Termin mit dem Psychologen stand an, da konnte man die gerade ausgesprochenen Schlussfolgerungen direkt mit ihm besprechen, wie seine Meinung dazu war.

Jordans Laune hob sich bei diesem Gedanken augenblicklich, sein Blick schweifte über die Straße und es tat ihm im Herzen weh zu sehen, was von den schönen Häusern nach dem Tornado übriggeblieben war. Manche Menschen hörten mit ihren Arbeiten auf als sie vorbei fuhren und blickten sie an. Jeder wusste schon, wer sie waren und warum sie hier waren. An einer Person allerdings blieb Jordans Blick hängen. Wer ist sie, ich habe sie hier noch nie gesehen? Als hätte Mike seine Gedanken erraten, sprach er die Antwort auf seine Frage aus.

„Das ist mit Sicherheit eine Mitarbeiterin dieser Organisation die kommen, wenn Not am Mann ist. Ganz schön mutig, ich könnte mir einen besseren Zeitvertreib vorstellen.“

Mike blickte rüber zu Taylor, die gerade dabei war das Auto auszuladen. Sie war anfangs so mit ihrer Arbeit beschäftigt, das ihr das Auto gar nicht aufgefallen war.

Ein Prickeln im Nacken veranlasste sie allerdings ihren Kopf zu heben. Sie schob mit ihrer Hand gerade eine störende Haarsträhne hinters Ohr, da sah sie ihn. Sie hatte noch nie so leuchtende Augen gesehen. Taylor fühlte sich magisch angezogen von seinem Blick, sie spürte wie er sie musterte. Ihr Puls begann zu rasen und tief in ihrem Inneren spürte sie eine Regung, die sie schon lange nicht mehr fühlte. So schnell wie dieser Augenblick dauerte, war er zu ihrem Bedauern wieder vorbei. Taylor blickte zum zweiten Mal an diesem Tag, dem Auto hinterher und stellte fest, das sie die ganze Zeit über den Atem angehalten hatte.

„Kennst du ihn“? Karen gesellte sich neben sie und schaute zu ihr rüber.

„Nein, tue ich nicht, woher denn?“

Sie drehte sich von Karen weg, um die letzten Pakete gefüllt mit Medikamente, aus dem Auto zu holen.

„Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten, nur vorhin warst du auch völlig neben der Spur, als sie an uns vorbei fuhren.“

Karen war etwas beschämt und nahm Taylor einige Kartons ab.

„Schon okay, ich bin es die sich entschuldigen muss. Nein ich kenne ihn wirklich nicht, obwohl ich zugeben muss, das ich das ziemlich schade finde.“

Taylor war so erschrocken über diese offenherzige Aussage, das ihr Gesicht hochrot anlief. Mein Gott, was hat dieser Mann bloß an sich, das ich alle meine Prinzipien und meine gute Erziehung so über Bord schmeiße! Ich kenne ihn nicht einmal! Karens wissender Blick zwang Taylor gedanklich in die Knie.

„Gib es zu, du findest ihn äußerst gut aussehend.“

Jetzt war sie in die Falle getappt. Taylor kannte Karen zu gut, um zu wissen, das sie sie erst wieder gehen ließ, wenn sie eine Antwort bekam die sie zufrieden stellte. Also, warum nicht gleich mit der Wahrheit raus rücken.

„Ja, er sieht gut aus das gebe ich zu, aber ich habe bisher nur sein Gesicht gesehen, vielleicht ist er sonst 1,60 m groß, hat einen Bierbauch und Haare auf dem Rücken.“

Beide lachten bei dieser Antwort und gingen mit den Kartons in die Krankenstation, wo sie garantiert schon erwartet wurden.

Jordan und Mike saßen Dr. Foster gegenüber. Sie betrachtete eingehend die Fotos der Tatorte die sie mitbrachten und studierte die Fallakten. Eine ältere Frau betrat das Büro, nach dem sie anklopfte. Es war die Sekretärin der Psychologin und stellte ein Tablett mit herrlich duftendem Kaffee und Gebäck auf dem Tisch.

„Danke Heriett, jetzt bitte keine Telefonate durchstellen.“

Lächelnd entließ Dr. Foster ihre Sekretärin, die lautlos den Raum verließ. Er war geschmackvoll eingerichtet, nicht so wie Jordan vermutet hätte, mit schweren Möbeln und Ledersofas. Nein, ihre Praxis war hell und luftig, die Sitzmöbel waren aus hellem Stoff, auf denen in den Ecken lindgrüne Kissen drapiert waren. Die Schränke waren aus dunklem Holz, wie der Fußboden, der zwischendurch mit hellen Läufern geschmückt war, alles in allem sehr gemütlich wie Jordan fand. Sein Blick wanderte zur Psychologin die zurückgelehnt in einem Sessel saß und ihn mit einem Lächeln musterte.

„Test bestanden?“

Jordan fühlte sich ertappt und rutschte tiefer in den Sessel. Er hörte ein prusten und schaute rüber zu Mike, der sich eine Faust vor dem Mund gelegt hatte um nicht laut los zu lachen.

„Ähm ja, sehr schön eingerichtet….“

Jordan nahm die Kaffeekanne in die Hand und fragte nach wer möchte, nur um von sich abzulenken.

„Und Doktor, können sie uns schon irgendwas sagen, mit was für einem Typ Mensch wir es zu tun haben?“

Jordan blickte sie über den Rand der Tasse an und war angespannt bis in die Haarspitzen. Er selber hatte keine Erfahrungen mit Psychologen, er hatte noch nie mit Dr. Foster gearbeitet. Ihr Ruf allerdings eilte ihr voraus, sie arbeitete sehr gewissenhaft und war unter den Kollegen sehr beliebt, was im Polizeidienst nicht ganz einfach war. Jordan hatte sich vorab über sie erkundigt. Er wusste immer gerne einiges über die Menschen mit denen er zusammen arbeitete.

„Der Täter ist ein Mann zwischen 35 und 50 Jahre, er hasst mehr oder weniger Frauen und bevorzugt den gleichen Typ Frau.“

Mike runzelt die Stirn.

„Was heißt mehr oder weniger?“

„ Nun…“, Dr. Foster griff in die Ordner und holte einige Fotos raus. „Diese Frauen stehen meiner Meinung nach, so wie ich es derzeit sehe, für eine bestimmte Person. Sie scheinen das zu verkörpern, was er an der eigentlichen Frau so hasst. Er ritzt denen das Wort Hure in die Bauchdecke, entweder verkörpern die Opfer zu dieser Zeit der Tat die eigentliche Frau um die es geht, oder sie sind im biblischem Sinne Huren. Überprüft mal den Lebenswandel der Opfer, hatten sie viele Männerbekanntschaften, ging jemand fremd? Hinzu kommt, das er die Opfer anschließend fertig macht, er schminkt sie sorgfältig, kämmt die Haare und legt eine Perlenkette um.“

Sie schaute die beiden Detectives eindringlich an.

„Was ich definitiv sagen kann ist, das er erst aufhört, wenn er gefasst ist und seine Gewaltbereitschaft nimmt immer mehr zu.“

Jordan legte seine Unterarme auf die Knie und schaute sie aufmerksam an.

„Woran machen sie das fest?“

Foster schaute sich das Foto des letzten Opfers an.

„Sehen sie sich an, was er mit ihr gemacht hat. Er hat Gefallen an Schmerzen, ob er das jetzt neu an sich entdeckt hat oder der Hass auf Frauen stärker geworden ist, kann ich noch nicht sagen. Er fertigt Gegenstände an, um dem Opfer die größtmöglichen Schmerzen und Verletzungen im weiblichsten Areal des Körpers zu bereiten.“

Keiner sagte mehr etwas. In dem Raum hätte man eine Stecknadel fallen hören können, jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Jordan atmete tief durch, er musste das erst einmal verdauen was er gerade zu hören bekam. Beide sprachen mit Foster den morgigen Termin der Besprechung ab und verließen die Praxis. Sie fuhren zurück zum Revier, um alle gesammelten Informationen neu zu sortieren und für die morgige Besprechung vorzubereiten.

Wer hätte gedacht das Spiegel so überaus nützlich sein können? Es war so schön, sie während des Aktes von allen Seiten bewundern zu können. Oh ja das war gut! Allein bei dieser Vorstellung, spürte er ein Spannen in der Hose. Zufrieden mit dem Ergebnis und dem vorangegangenem Erlebten, richtete er das Schlafzimmer so her, wie es vorgefunden werden sollte. Er stand vor dem Bett und betrachtete Sheila. Er legte ihr Haar zurecht, zog die Lippen ein letztes Mal nach und strich das Laken glatt.