Verliebt in die Schwester der Braut? - Yvonne Lindsay - E-Book

Verliebt in die Schwester der Braut? E-Book

YVONNE LINDSAY

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Beschreibung

Wie ein Blitz trifft Reynard del Castillo die Erkenntnis: Das ist nicht Sara, die er da küsst! Freundschaft hat er bis jetzt für sie empfunden, sich nur aus Vernunftgründen verlobt - jetzt jedoch brennt die Leidenschaft lichterloh. Die Fremde in seinen Armen muss Saras Zwillingsschwester Sarina sein. Soll Reynard das doppelte Spiel aufdecken? Nein. Der Millionenerbe entscheidet sich für die verführerischste Lösung: Schweigen und genießen! Wenn die süße Betrügerin ihm endlich die Wahrheit sagt, kann er sie immer noch fortschicken. Vorausgesetzt, er will es dann noch …

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IMPRESSUM

BACCARA erscheint 14-täglich im CORA Verlag GmbH & Co. KG

Redaktion und Verlag:

Postfach 301161, 20304 Hamburg

Tel.: +49(040)600909-361

Fax: +49(040)600909-469

E-Mail: [email protected]

CORA Verlag GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen der Harlequin Enterprises Ltd., Kanada

Geschäftsführung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)

Cheflektorat:

Ilse Bröhl

Lektorat/Textredaktion:

Daniela Peter

Produktion:

Christel Borges, Bettina Schult

Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

Vertrieb:

asv vertriebs gmbh, Süderstraße 77, 20097 Hamburg Telefon 040/347-29277

Anzeigen:

Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

© 2010 by Dolce Vita Trust

Originaltitel: „Stand-in Bride’s Seduction“

erschienen bei: Silhouette Books, Toronto

in der Reihe: DESIRE

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: BACCARA

Band 1661 (9/2) 2011 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Übersetzung: Ute Launert

Fotos: Harlequin Books S.A.

Veröffentlicht im ePub Format in 04/2011 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN: 978-3-86295-305-9

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

BACCARA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Der Verkaufspreis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, HISTORICAL MYLADY, MYSTERY,

TIFFANY HOT & SEXY, TIFFANY SEXY

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Yvonne Lindsay

Verliebt in die Schwester der Braut?

1. KAPITEL

„Rina! Hier bin ich!“

Als Sarina Woodville die Stimme ihrer Zwillingsschwester hörte, drehte sie sich lächelnd um und entdeckte den roten Haarschopf ihrer quirligen Schwester inmitten der Menschenmenge in der Ankunftshalle des Flughafens. Glücklicherweise hatte es nicht lang gedauert, die Einreiseformalitäten abzuwickeln, was Rina nach der anstrengenden Reise nur recht war. Sie zog ihren Koffer hinter sich her, und kurz darauf fielen die beiden Schwestern sich in die Arme.

„Es tut so gut, dich wiederzusehen“, sagte Rina.

„Wie war die Reise? Ich schätze, es war die Hölle, richtig? Immerhin bist du sehr lange unterwegs gewesen, habe ich recht?“, plapperte Sara drauflos und wartete die Antworten ihrer Schwester gar nicht erst ab.

Obwohl Sara sich außerordentlich über ihr Wiedersehen zu freuen schien, fielen Rina der angespannte Gesichtsausdruck und die dunklen Ringe unter den Augen ihrer Schwester auf.

„Alles in Ordnung, Sara? Macht es dir auch wirklich nichts aus, dass ich bei dir bleibe?“ Rina hoffte inständig, dass Sara ihre Meinung nicht geändert hatte. Als Rinas Verlobung eine Woche zuvor auf sehr schmerzhafte Weise gelöst worden war, hatte Sara sie nach Isla Sagrado eingeladen, damit sie auf andere Gedanken kam. Erfreut war Rina auf den Vorschlag eingegangen, doch jetzt befürchtete sie, ihre Schwester vielleicht zu stören. Erst kürzlich hatte nämlich auch Sara sich verlobt – mit einem Mann, der Reynard del Castillo hieß und dessen Familie zu den einflussreichsten im kleinen Inselstaat im Mittelmeer zählte.

Die del Castillos hatten das Reitturnier gesponsert, an dem Sara nach einem erfolgreichen Durchlauf in Frankreich teilgenommen hatte. In ihren E-Mails hatte sie überschwänglich die Schönheit Isla Sagrados und der männlichen Inselbewohner gepriesen. Es war nicht schwer für Rina gewesen, eins und eins zusammenzuzählen, als ihre Schwester darüber hinaus gelegentlich Reynard del Castillo in ihren Mails erwähnt hatte. Trotzdem war ihre überstürzte Verlobung für alle eine Überraschung gewesen. An diesem Reynard musste wirklich eine Menge dran sein, wenn es ihm gelungen war, Sara so schnell für sich zu gewinnen, dachte Rina.

Sara lächelte ihre Schwester an. „Lass uns ins Café hier gehen und reden.“

„Können wir uns nicht auf dem Weg zu dir nach Hause unterhalten?“, fragte Rina verwirrt. Im Augenblick wünschte sie sich nichts sehnlicher, als zu duschen, etwas Heißes zu trinken und danach zehn oder zwölf Stunden ohne Unterbrechung zu schlafen. Am folgenden Tag würde sie sich dann sicher wieder wie ein Mensch fühlen. Die Reise von Neuseeland nach Isla Sagrado hatte inklusive aller Zwischenstopps und Flughafentransfers siebenunddreißig Stunden gedauert. Rina hatte das Gefühl, sich keine Minute länger auf den Beinen halten zu können.

„Es ist kompliziert, und ich habe nicht viel Zeit. Es tut mir wirklich leid. Ich erkläre es dir später, aber jetzt muss ich nach Frankreich zurück.“

„Was?“, fragte Rina bestürzt. Sie wusste, dass Sara vor Kurzem ein paar Freunde in Südfrankreich besucht hatte, die sie bei einem Wettkampf kennengelernt hatte. Sie war erst an diesem Tag zurückgekehrt. Zufälligerweise hatten sich Rinas und Saras Ankunftszeiten auf dem Flughafen überschnitten. „Zurück nach Frankreich? Aber bist du nicht gerade erst angekommen?“

Sara nickte und wich dem Blick ihrer Schwester aus. Stattdessen sah sie auf die elektronische Anzeige mit den Abflugzeiten.

„Das stimmt, aber ich habe noch etwas zu erledigen, wofür ich noch etwas Zeit brauche. Hier.“ Sie griff in ihre Handtasche und reichte Rina einen Umschlag. „Das habe ich dir geschrieben, für den Fall, dass wir uns heute Nachmittag verpasst hätten. Es tut mir ehrlich leid, und ich wünschte, ich hätte mehr Zeit. Ich weiß ja, dass du hierhergekommen bist, um dich aufbauen zu lassen, aber eigentlich brauche ich deine Hilfe. In dem Brief sind die wichtigsten Informationen, und ich erkläre dir bestimmt alles, wenn ich wieder da bin. Fahr zum Cottage, der Schlüssel ist hier drin.“ Sie tippte auf den Umschlag. „Fühl dich wie zu Hause, und wenn ich wieder zurück bin, machen wir uns eine richtig schöne Zeit.“

Aus den Lautsprechern ertönte gerade der letzte Aufruf für den Flug nach Perpignan.

„Oh, das ist meiner. Es tut mir wirklich leid, Reeny“, beteuerte Sara zerknirscht, indem sie die Koseform für den Namen ihrer Schwester benutzte. „Ich habe dir doch versprochen, für dich da zu sein, aber –“ Sara stand auf, um Rina zu umarmen. „Ich mache es wirklich wieder gut, versprochen! Hab dich lieb!“, sagte sie, bevor sie ging.

Verblüfft blieb Rina an dem kleinen Tisch sitzen und sah, wie ihre Schwester zu ihrem Abflugbereich ging. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie völlig übermüdet, verstört und ganz allein mit ihrem Jetlag war. Instinktiv umklammerte sie den Umschlag in ihrer Hand. Das Knistern des Papiers erinnerte sie daran, dass der Brief ihrer Schwester ihre Fragen beantworten würde.

Sie löste das Siegel des dicken Umschlags, um ein Blatt Papier und einen Schlüssel herauszuziehen. Dabei fiel auch etwas anderes, Glänzendes auf den Tisch. Schnell griff Rina nach dem Gegenstand und schnappte erschreckt nach Luft, als sie den großen Diamanten betrachtete, der in einen edel verzierten Platinring eingefasst war.

Das ist wieder mal typisch für Sara, so etwas Wertvolles in einen normalen Briefumschlag zu packen, dachte Rina verwirrt und entfaltete den Papierbogen, um den Brief zu lesen, der in der geschwungenen Handschrift ihrer Schwester verfasst worden war. Unwillkürlich ballte sie die Hand, in der sie den Ring hielt, zu einer Faust und stöhnte laut auf. Das konnte Sara doch unmöglich ernst meinen! Nein, das war nicht möglich! So etwas hatte ihre Schwester noch niemals getan. Jetzt wunderte es Rina nicht mehr, dass Sara sich eben vor einer Erklärung gedrückt hatte. Immer wieder las Rina, was ihre Schwester geschrieben hatte, doch der Inhalt des Briefes blieb immer derselbe.

Liebe Rina!

Es tut mir so leid, dass ich nicht bei Dir sein kann. Ich weiß, dass es eine schwere Zeit für Dich ist, aber wenigstens bist Du weit weg von ihm und kannst den Abstand nutzen, um über ihn hinwegzukommen. Ich habe einen großen Fehler begangen und brauche etwas Zeit und Luft, um in Ruhe darüber nachzudenken, ob ich das Richtige tue. Könntest Du bitte in der Zwischenzeit für ein paar Tage so tun, als wärst Du ich? Reynard wird es nicht merken. Setz einfach meinen Verlobungsring auf, und zieh meine Sachen an. Schließlich haben wir uns schon als Teenager – bevor wir erwachsen geworden sind – immer füreinander ausgegeben. Na ja, zumindest bevor Du erwachsen geworden bist … Ich für meinen Teil weiß noch nicht so genau, ob ich mich schon wie eine Erwachsene benehme.

Danach hatte Sara ein paar Informationen über Reynard aufgelistet – darüber, wo sie sich das erste Mal begegnet waren, was er am liebsten trank, wo sie schon zusammen gewesen waren und so weiter.

Trotz ihrer Erschöpfung spürte Rina, wie sie wegen des haarsträubenden Vorschlags ihrer Schwester wütend wurde. Wie konnte Sara es nur wagen, sie um so etwas zu bitten? Dachte sie denn nur an sich selbst? Wie konnte sie von ihrer Zwillingsschwester, die gerade das schmerzhafte Ende einer Verlobung zu verkraften hatte, erwarten, dass sie sich in die nächstbeste Beziehung stürzte und vorgab, jemand anderes zu sein? Das war doch völlig aberwitzig. Wenn man mal davon absah, was es für Rina bedeutete, war es auch diesem Reynard gegenüber nicht besonders fair.

Wütend zerknüllte Rina den Brief in ihrer Hand. Saras Worte schienen sich in ihr Gedächtnis eingebrannt zu haben. Ich habe einen großen Fehler begangen.

Nahezu die gleichen Worte hatte sie schon einmal gehört – nicht von Sara, sondern von ihrem Exverlobten Jacob.

Trotz der Wärme, die in dem Flughafengebäude herrschte, fröstelte Rina plötzlich. In Gedanken war sie wieder in ihrem Lieblingsrestaurant, weit weg in Neuseeland. Sie saß dem Mann gegenüber, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte, und er erzählte ihr, dass er sich in eine andere Frau verliebt hatte. Und dass er Rina das schon seit Monaten verheimlicht hatte. Doch so kurz vor ihrer Hochzeit wollte er endlich offen zu ihr sein.

Rina schüttelte den Kopf, als könnte sie so die Erinnerungen an diesen Abend loswerden. Nachdem sie monatelang von Jacob betrogen worden war, konnte sie den Gedanken nicht ertragen, jemand anderem etwas vorzumachen. Auf gar keinen Fall würde sie das tun, noch nicht einmal für ihre Schwester.

Sie schob den Briefbogen zusammen mit dem Schlüssel und dem Ring zurück in den Umschlag und verstaute ihn ganz unten in ihrer Handtasche, bevor sie die Tasche über die Schulter hängte und aufstand. Seufzend griff sie nach ihrem Koffer und zog ihn müde hinter sich her. Erst einmal musste sie ein Taxi finden, das sie zu Saras Cottage brachte, wo sie duschen und sich umziehen konnte, bevor sie irgendwie Reynard del Castillo finden und ihm erzählen würde, was ihre Schwester ihm verschweigen wollte.

Reynard del Castillo las das Gerichtsprotokoll, das schon seit sechs Monaten auf seinem Schreibtisch gelegen hatte – quasi als Mahnung dafür, dass die del Castillos Gegner hatten, vor denen man auf der Hut sein musste.

Er starrte auf den Namen im Bericht. Estella Martinez. Diese Frau hatte für ihn gearbeitet. Sie war temperamentvoll, schön und intelligent, sodass er beinahe in Versuchung gewesen war, eine Affäre mit ihr zu beginnen. Doch sein Instinkt hatte ihn davor gewarnt. Diese Frau schien etwas vor ihm zu verbergen. Irgendwann hatte Estella schließlich versucht, ihm eine Szene zu machen, und es so dargestellt, als hätte er seine Stellung als Arbeitgeber ausnutzen wollen. Sie hatte mehrere Hunderttausend Euro gefordert und damit gedroht, Reynard der sexuellen Belästigung zu bezichtigen. Reynard hingegen hatte alles darangesetzt, ihre Bemühungen ins Leere laufen zu lassen.

Estellas Erpressungsversuche waren in der geschlossenen Gerichtsverhandlung schonungslos offengelegt worden. Reynard hatte alle seine Kontakte und den Einfluss seiner Familie genutzt, damit Estella nur wenig Zeit blieb, ihr Anliegen vorzutragen – alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Um einer Gefängnisstrafe wegen ihres Erpressungsversuches zu entgehen, hatte sie sich schließlich verpflichtet, Isla Sagrado für immer zu verlassen und keinem Mitglied der Familie del Castillo jemals wieder unter die Augen zu treten.

Reynard schob das Dokument in den Umschlag zurück und steckte das Bündel in den Aktenvernichter. Jetzt, da die erpresserische Frau die Insel verlassen hatte, brauchte er keine Gedächtnisstützen dieser Art mehr.

Umso mehr freute er sich über seine kürzliche Verlobung mit Sara Woodville. Sara stellte keine besonderen Ansprüche an ihre Beziehung, die für Reynard nur einem einzigen Zweck diente: seinen Großvater davon zu überzeugen, dass der Fluch, den dieser so fürchtete, keine Macht über die Familie der del Castillos hatte. Die alte Geschichte war Hunderte von Jahren alt und Reynards Meinung nach nichts als Aberglaube. Doch sein Großvater, den alle Familienmitglieder liebevoll Abuelo nannten, war wie besessen von diesem Fluch. Um den alten Mann von seiner Sorge zu befreien, Reynard und seine Brüder könnten die Letzten ihrer Familie sein, hatten die drei Brüder entsprechende Schritte unternommen.

Schlimm genug, dass Abuelo vergangenen Monat wieder einen Schlaganfall erlitten hatte. Nur dem besonnenen Handeln seines persönlichen Dieners Javier war es zu verdanken, dass der alte Mann umgehend hatte medizinisch versorgt werden können und sich nun langsam wieder erholte. Weder Reynard noch seine Brüder Alexander und Benedict wollten das noch mal durchmachen müssen. Daher hatten sie einen Plan geschmiedet, um dem alten Oberhaupt der Familie die letzten Jahre so angenehm wie möglich zu gestalten: Alle drei Brüder würden heiraten und eine Familie gründen.

Alex war so weit gegangen, ein fünfundzwanzig Jahre altes Verlobungsversprechen wieder aufleben zu lassen, das gegeben worden war, als er selbst noch ein Kind und seine zukünftige Verlobte drei Monate alt gewesen war. Bei dem Gedanken an seine neue Schwägerin Loren musste Reynard lächeln. Obwohl sie so zart und jung wirkte, besaß sie erstaunlich viel Durchsetzungsvermögen und hatte um Alex gekämpft. In seinem Glück war das frischgebackene Ehepaar jetzt wild entschlossen, Reynard und Benedict ebenfalls zu Familienvätern zu machen.

Rey fühlte sich nicht wirklich berufen dazu, eine Familie zu gründen, weswegen er eine vorläufige Verlobung mit Sara eingegangen war. Dadurch konnte er Abuelo beruhigen, und das war alles, was für ihn, Reynard, zählte, denn seine Familie ging ihm über alles.

Sarina blinzelte in die warme mediterrane Sonne, als sie aus dem Flughafengebäude von Isla Sagrado trat. Der Kontrast zwischen der angenehmen Wärme, die sie an den Wangen spürte, und dem kalten Schneeregen, den sie zu Hause im Süden Neuseelands erlebt hatte, war einfach unbeschreiblich. Kein Wunder, dass Sara sich dazu entschlossen hatte, lieber hier zu bleiben, als den Winter auf der südlichen Erdhalbkugel zu verbringen.

Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, wäre Rina jetzt nicht weit von hier auf einer griechischen Insel, um ihre Flitterwochen zu verleben. Sie erinnerte sich daran, wie sie mit Jacob in ein Reisebüro gegangen war und mit ihm über den Broschüren gebrütet hatte, um den perfekten Ort ausfindig zu machen, an dem sie ihr neues gemeinsames Leben beginnen wollten. Geistesabwesend rieb Rina mit dem Daumen über den Ringfinger ihrer linken Hand. Allerdings wurde ihr dabei jedes Mal schmerzhaft bewusst, dass dort außer einem schwachen Abdruck in ihrer Haut nichts mehr war. Es sollte ihr eigentlich nichts ausmachen, dass Jacob sich eine spontanere Frau gewünscht hatte – eine, die es verstand, seinem Leben mehr Würze zu verleihen, oder? Mühsam unterdrückte Rina die Tränen, als sie erneut den Schmerz verspürte, den ihr Verlobter ihr mit seinem Geständnis zugefügt hatte. Dabei hatte sie gedacht, den Mann fürs Leben gefunden zu haben, jemanden, der verlässlich war und auf den man bauen konnte. Jemanden, der genau das Gegenteil von ihren Eltern war, die eine problematische, wenn auch äußerst leidenschaftliche Beziehung geführt und stets miteinander im Wettstreit gelegen hatten. Doch ganz offensichtlich hatte sich Rina in Jacob getäuscht und versuchte nun, nicht länger an dessen unerwarteten Rückzieher zu denken, nachdem sie fünf Jahre lang miteinander verlobt gewesen waren. Sie hatte sich vorgenommen, seinetwegen keine einzige weitere Träne zu vergießen. Seufzend versuchte sie, ihren Unmut herunterzuschlucken. Warum war es manchmal nur so verdammt schwer, seine eigenen Vorsätze in die Tat umzusetzen?

Die Gruppe der Mitreisenden, mit denen sie angekommen war, hatte sich längst in alle Himmelsrichtungen verstreut, und die Gehsteige vor dem Terminal waren nahezu leer. Dummerweise galt das auch für die Taxistände. Eine knappe halbe Stunde später begann Rina zu schwitzen, als die Nachmittagssonne ihre volle Kraft entfaltete. Um ihre blasse Haut zu schützen – ein Fluch, mit dem nun mal jede rothaarige Frau zu kämpfen hatte –, suchte sie neben dem Gebäude Schutz im Schatten.

Erschöpft sah Rina ein weiteres Mal auf ihre Armbanduhr, und glücklicherweise fuhr in diesem Moment eines der grün-weißen Taxis vor. Rina presste ihre Umhängetasche fest an sich und ging, ihren Koffer auf Rollen im Schlepptau, zum Bordstein. „Zum Governess’ Cottage, bitte“, sagte Rina durch das offene Fenster auf der Beifahrerseite des Taxis.

Bildete sie es sich nur ein, dass der Fahrer sich verstohlen bekreuzigte, bevor er ausstieg und ihre Taschen im Kofferraum verstaute? Allerdings war sie viel zu müde, um sich Gedanken darüber zu machen. Im Augenblick war ihr nur eines wichtig: Sie musste das Durcheinander, das ihre Schwester hinterlassen hatte, wieder in Ordnung bringen.

Etwas verwirrt sah Rina einige Minuten später dem davonrasenden Taxi nach. Der Himmel mochte wissen, warum der Fahrer so sehr in Eile war.

Als sie abermals nach ihrem Koffer griff, hoffte sie, dass es für die nächsten vier Wochen das letzte Mal sein würde. Müde ging sie durch das hübsche Eisentor in der Steinmauer, die das Cottage umgab. Rina fand das altertümliche Bauwerk außerordentlich idyllisch und ging den Pfad entlang, der zu einer kleinen Veranda führte, deren Treppenstufen im Laufe der Jahre schon etwas abgenutzt waren.

Die ockerfarbenen Pflastersteine waren teilweise zerbrochen und gaben den Blick auf die ursprünglichen Steine preis, die darunter lagen. Die dunkelorangefarbenen Ziegel des Daches trugen ihr Übriges dazu bei, das Gebäude wie eine altmodische Aquarellzeichnung wirken zu lassen. Durch die niedrigen Fenster mit hellblauen Holzrahmen konnte man einen Blick auf die stilgerechte Einrichtung des Hauses werfen.

Für einen Moment glaubte Rina, ein Telefon läuten zu hören, das erst verstummte, um kurz darauf wieder zu klingeln. In ihrer Handtasche suchte sie nach dem Umschlag, den Sara ihr gegeben hatte. Der schwere alte Schlüssel passte perfekt in das altertümliche schwarze Schloss, und die Tür schwang leise auf. Als Rina eintrat, verstumme das Telefon abermals.

Sie nahm sich kaum die Zeit, die Balken an den Deckenwänden oder das hübsche blau-weiß gekachelte Badezimmer zu bewundern. Auch erlaubte sie sich nicht mehr als einen einzigen sehnsuchtsvollen Blick auf das überaus verlockende Bett, als sie im Schlafzimmer ihren Koffer verstaute. Sie würde erst ihre Mission erfüllen und Saras Verlobtem erzählen müssen, was ihre Schwester getan hatte. Sicher würde er Verständnis dafür haben, denn die beiden hatten sich nach so kurzer Zeit miteinander verlobt, ohne einander wirklich zu kennen. Es wäre wohl nicht verkehrt, wenn sie alles noch einmal in Ruhe überdachten.

Nachdem sie geduscht hatte, ging Rina in den Wohnbereich, um zu telefonieren. Zehn Minuten später hatte sie die Informationen, die sie benötigt hatte. Dank der mehrsprachigen Kultur von Isla Sagrado, dem hohen Ansehen der del Castillos und der Hilfsbereitschaft des Mitarbeiters von der Auskunft konnte Rina ein Taxi rufen, das sie nach Puerto Seguro zu Reynards Büro bringen sollte.

Als Rina an dem Bürokomplex im Zentrum der Hafenstadt ankam, lagen ihre Nerven bereits blank. Da sie selbst erst kürzlich vom Ende ihrer eigenen Beziehung unterrichtet worden war, war sie unsicher, wie sie Reynard die Nachricht von der Abreise ihrer Schwester überbringen sollte. Was sagte man zu jemandem, den man nie zuvor gesehen hatte und dessen Beziehung gerade auf sehr wackeligem Fundament stand?

Mit zitternden Händen strich sie über das ärmellose beige Seidenkleid, das sie in der Eile nach dem Duschen übergezogen hatte, und hoffte, dass ihr Haar sich nicht aus dem lockeren Knoten im Nacken gelöst hatte.

Die Informationstafel neben den Fahrstühlen verriet ihr, dass sie in den einundzwanzigsten Stock musste. Der breite Gang, den sie sah, als sie mit einem flauen Gefühl im Magen aus dem Fahrstuhl trat, lag verlassen vor ihr. An seinem Ende befand sich eine große hölzerne Doppeltür, in deren Flügel jeweils das Familienwappen der del Castillos geschnitzt war. Rina machte einen Schritt vorwärts und strich über die erhabenen Außenlinien des stilisierten Schildes, das in drei Abschnitte unterteilt war. In einem befand sich ein sorgfältig geschnitztes Schwert, in einem anderen eine Papierrolle, auf der etwas geschrieben stand, und ganz oben auf dem Schild war ein eingraviertes Herz zu sehen. Mit Hilfe ihrer bescheidenen Spanischkenntnisse übersetzte Rina die Inschrift: Ehre, Wahrheit, Liebe.

Sie schluckte. Wenn der Mann, den sie im Begriff war aufzusuchen, tatsächlich nach dem alten Familienkodex lebte, dann tat sie genau das Richtige, ihm die Wahrheit erzählen zu wollen. Rina drückte gerade auf die Messingklinke, als die Tür plötzlich vor ihr aufging. Rina geriet ins Stolpern und stieß gegen einen muskulösen Männerkörper, der mit einem maßgeschneiderten dunkelgrauen Anzug bekleidet war.

Große, warme Hände umfassten zärtlich ihre Ellenbogen und halfen ihr, das Gleichgewicht wiederzufinden. Als sie wieder sicher auf ihren Füßen stand, sah Rina lächelnd auf und war wie gebannt von den klassisch schönen Gesichtszügen des Mannes vor ihr.

Sein Gesicht war sonnengebräunt, seine Nase gerade, und seine dunklen Brauen betonten die haselnussbraunen Augen und die kurzen, dichten Wimpern. An diesem Gesicht war einfach alles perfekt. Der umwerfend attraktive Mann bedachte Rina mit einem herzlichen Lächeln.

„Gott sei Dank bist du hier“, murmelte er erleichtert, und seine Stimme klang unglaublich sanft.

„Mr. del Castillo, Ihr Bruder lässt Sie wissen, dass er im Krankenhaus auf Sie wartet“, erklärte da plötzlich die Empfangssekretärin, die an dem Schreibtisch hinter ihm saß.

Langsam wurde Rina die Bedeutung dieser Worte bewusst. Mr. del Castillo? Dieser Mann, der eher auf die Titelseite eines Promimagazins als in einen Konferenzraum gepasst hätte, war Reynard del Castillo, der Verlobte ihrer Schwester?

2. KAPITEL

Bevor sie wusste, wie ihr geschah, ging Rina Hand in Hand mit Reynard zu den Fahrstühlen.

„Sara! Die ganze letzte Stunde habe ich versucht, dich zu erreichen! Ich habe es auf deinem Handy und dem Festnetz probiert, weil ich mir nicht sicher war, ob du schon wieder zurück auf der Insel bist. Ich weiß immer noch nicht, warum du mir deine Flugverbindung nicht nennen wolltest, denn ich hätte dich gerne vom Flughafen abgeholt. Warum hast du mich nicht angerufen?“

„Ich …“, begann Sarina und versuchte, ihm gedanklich zu folgen. Sara hatte wohl seine Anrufe ignoriert. Denk nach, ermahnte Saina sich im Stillen, was würde Sara sagen? Sie entschied sich für die nächstbeste Antwort. „Das tut mir leid. Ich habe während der Reise mein Telefon verloren. Du weißt ja, wie ich bin.“

„Ist ja auch egal. Ich bin nur froh, dass du endlich hier bist.“

„Aber ich …“ Der besorgte Ausdruck in Reynards Gesicht ließ Rina abrupt verstummen.

„Ich habe schlechte Nachrichten“, sagte Reynard. „Benedict hatte einen Unfall. Alex hat mich gerade angerufen. Gott sei Dank bist du hierhergekommen, das spart uns Zeit.“

„Benedict?“

„Der Idiot.“ Reynard schüttelte den Kopf. „Du weißt ja, wie leichtsinnig er fährt. Es ist auf der Küstenstraße zum Weingut geschehen.“

„Geht es ihm gut?“

„Nein. Wir wissen nicht, wie lange er in dem Wagen eingeklemmt war. Das Notfallteam hat fast eine Stunde gebraucht, um ihn aus dem Wrack zu befreien. Er wird gerade operiert.“

Reynards Stimme versagte, und Rina drückte mitfühlend seine Hand.

„Es geht ihm bestimmt bald wieder besser“, versuchte sie, ihn zu beruhigen, auch wenn in ihr selbst das Chaos tobte. Wie sollte sie Reynard bloß klarmachen, dass sie nicht die Frau war, für die er sie hielt? Benedict war der jüngste Bruder der del Castillos, das wusste sie aus Saras Mails – und ihr war auch bekannt, dass Benedict für das Weingut der Familie zuständig war.

„Ich bin froh, dass du hier bist“, wiederholte Reynard und drückte ihre Hand noch fester.

„Ja, ich auch“, wisperte sie und meinte das auch so. Das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war eine durchgebrannte Verlobte. Die Wahrheit könnte Rina ihm immer noch in den kommenden Tagen gestehen, wenn Benedict das Schlimmste überstanden hatte.

Während sie mit dem Fahrstuhl nach unten fuhren, schwieg Reynard. Rina spürte, wie besorgt er war, und sie konnte sich vorstellen, wie sie sich fühlen würde, wenn Sara einen Unfall gehabt hätte. Vermutlich wäre sie, Rina, ziemlich kopflos.

Endlich erreichten sie das untere Parkdeck, in dem Reynards Ferrari geparkt war.

Rina war verwirrt. Bisher schien es so, als wäre Reynard del Castillo in allen Punkten ganz nach dem Geschmack ihrer Schwester. Er war groß, attraktiv, und Geld spielte offensichtlich keine Rolle für ihn. Warum also dachte Sara, dass sie einen Fehler beging? Und weshalb musste sie verreisen, um mit sich ins Reine zu kommen? Eigentlich war es gar nicht Saras Art, vor irgendetwas davonzurennen, denn normalerweise stellte sie sich ihren Problemen.