Verlag: Plaisir d'Amour Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Versteigert E-Book

Linda Mignani

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E-Book-Beschreibung Versteigert - Linda Mignani

Gillian Cross hatte sich ihre Zukunft bei Spice on the Tongue bereits ausgemalt, doch Träume sind dazu da, um zu platzen. Das beschauliche Unternehmen will expandieren und Hunter Silsbury, der neue Eigentümer, fegt wie ein Orkan in ihr ruhiges Leben. Die Firma in Sex on the Tongue umzubenennen stellt noch das Harmloseste seiner Vergehen dar. Vom ersten Aufeinandertreffen an fliegen zwischen ihnen die Fetzen und Gillian hasst Hunter inbrünstig. Doch gleichzeitig träumt sie jede Nacht von ihm – verruchte Fantasien, die sie nicht versteht. Hunter will Gillian in sein Bett locken. Doch der Eisblock verwehrt sich seinen Avancen. Daher stellt er ihr eine Falle, und als sie es bemerkt, ist es längst zu spät, denn er hat sie ersteigert und sie muss sich ihm ein Woche lang willig hingeben. Hunter ist ein Meister der Verführung und des BDSM, und so sehr Gillian sich auch sträubt, sie hat bereits verloren, ehe das Spiel beginnt … Doch was hat Hunter mit Gillian vor, nachdem er ihren Körper gezeichnet und ihr Herz erobert hat?

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E-Book-Leseprobe Versteigert - Linda Mignani

Linda Mignani

VERSTEIGERT

Erotischer Roman

© 2016 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamourbooks.com

info@plaisirdamourbooks.com

© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg

(www.art-for-your-book.weebly.com)

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-223-4

ISBN eBook: 978-3-86495-224-1

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Epilog

Autorin

Kapitel 1

Hunters Finger packten den Griff der Gerte, und er tat es bedächtig, sodass die Sub den Anblick ausreichend verinnerlichen konnte. Ein Schaudern erfasste den biegsamen Leib, und gebannt klebte Lucilles Blick förmlich auf ihm, obwohl er nicht der einzige Dom im Raum und zudem nicht ihr Dom war. Bei dieser Züchtigung war er jedoch für sie verantwortlich und hielt im Moment die Zügel in seinen sadistischen Händen. Sie war gut ausgebildet und wusste meistens, was sich gehörte. Zumindest bei Hunter. Und das war irgendwie … langweilig!

Wann hatte er angefangen, gehorsames Verhalten als fade zu empfinden? Vielleicht war es eins zu eins mit seiner Wandlung einhergegangen. So bezeichnete Hunter den Umbruch in seinem Leben, die Selbsterkenntnis, dass er zu einem kalten Arschloch geworden war, das keine Mimik in seinem Spiegelbild erkennen konnte, sondern nur eine glatt polierte Fratze.

Ein hektisch ausgestoßener Atemzug lenkte seine ganze Aufmerksamkeit zurück auf Lucille. Ein unaufmerksamer Dom war des Titels nicht würdig, etwas, das die Kleine auch nicht verdiente.

Hunter hatte ihr nicht befohlen, auf den Boden zu sehen, denn er arbeitete gerne mit visueller Pein, die den empfangenden Part bereits vorab in eine köstliche Angst versetzte.

Auch Barnaby, von allen nur B genannt, achtete akribisch auf alles, was Hunter in seinem Auftrag tat. Hunter erinnerte sich zu gut daran, wie er B nach der seltsamen Abkürzung gefragt hatte. „Welche Sub bricht nicht in Lachen bei dem Namen Barnaby aus? Meine Eltern sind so unglaublich konservativ und haben nicht nur einen Stock im Arsch, sondern gleich ein ganzes Arsenal.“ Hunter sah noch immer B’s Mimik vor sich, als er das gesagt hatte.

B war Lucilles Master, Geliebter und inzwischen auch ihr Gatte. Lucille wünschte sich eine Bestrafung, die jenseits von B’s jetzigen Möglichkeiten lag. Er war nicht mehr sadistisch genug und arbeitete mit eher mildem Schmerz, der Lucille jedoch nicht ausreichte. Aber das war nicht der eigentliche Grund, warum B bei Lucille versagte. Das waren die Worte, die sein Freund benutzt hatte. Natürlich wussten alle Anwesenden, dass ein Versagen hier nicht im Spiel war, das gab es bei BDSM nicht, jedenfalls nicht, wenn vernünftige Praktizierende ihren Kink auslebten. Hunter hoffte, dass er mit seinem Können die Blockade in B nach und nach auflösen konnte, die der umsichtige Master von dem Augenblick an aufgebaut hatte, als er Zeuge der Handlungen einer Gruppe Sadisten ohne Gewissen wurde. An dem Tag hatten sie Zoe, Hunters Assistentin, gerettet, gerade noch rechtzeitig. Doch das Erlebte hatte Narben auf der Seele seines Freundes hinterlassen. B wusste zwar, dass Schmerz nicht mit Perversion gleichzusetzen war, allerdings hatte ihn der abartige Mist seine Neigungen infrage stellen lassen. Zoe hatten sie retten können, andere waren nicht so glücklich gewesen. Die seelischen und körperlichen Schäden waren bei den Opfern bis zum heutigen Tag beträchtlich.

B räusperte sich und verbarg seine Nervosität nur halbherzig. Das Rauschen des Meeres war in der Ferne durch die geöffneten Verandatüren zu hören. Barnaby besaß eine Insel mit einem Landhaus vor der Küste von Cornwall, das er exquisit eingerichtet und zudem für gewisse Vorlieben vollendet ausgestattet hatte. Ein Sadist fand hier alles, was sein Herz ersehnte, aber B hatte leider herausfinden müssen, dass sein Sadismus inzwischen gegen null tendierte, und bei diesem Dilemma nutzte nicht einmal eine edle Umgebung. Er konnte Lucille nicht geben, was sie begehrte, und hatte daher Hunter kontaktiert, denn der war ein Sadist, der es liebte und obendrein brauchte, einer willigen Beute die Pein zuzufügen, die sie nicht nur herbeisehnte, sondern über alles benötigte, um glücklich zu sein. B wusste zwar, dass Hunter mit dem Gossenabschaum ebenso wenig etwas gemein hatte wie er selbst, doch das allein half ihm nicht aus diesem paralysierten Zustand. Er musste mit eigenen Augen sehen, dass es anders ging.

Zudem war auch Lucille nicht erfahren in der Welt des starken Schmerzes, dennoch führte sie sich bei B sehr ungezogen auf, weil sie nicht anders konnte, da sie nicht mit sich im Einklang war. Die schöne Sub hatte ihre devoten Neigungen spät zugelassen und sich erst mit Mitte vierzig getraut, sie auszuleben. Der Grund dafür war B. Der dominante Mann hatte sie auf einer Party kennengelernt und sie waren sich gegenseitig vom ersten Moment an verfallen. Eins hatte zum anderen geführt und sie waren glücklich, ihre Beziehung beinahe perfekt. Doch die beiden wussten, zu was es führen konnte, wenn Sehnsüchte nur Sehnsüchte blieben und nie erfüllt wurden. Das konnte die größte Liebe vernichten.

„Du hast dir diese Strafe verdient, nicht wahr, Lucille?“

Ob sie sich trauen würde, ihm eine schnippische oder respektlose Antwort zu geben? Fast wünschte Hunter es sich, denn die Subs, mit denen er spielte, hielten sich ausnahmslos an das Protokoll und würden es nie wagen, offen gegen ihn zu rebellieren. Das war ein Jammer! Ehrlich gesagt, war das mit dem Willigsein doch nicht das, was er wirklich begehrte. Falls ihm jemals eine Frau begegnen sollte, die ihn von der ersten Sekunde an herausforderte, würde er sie sich schnappen, um den Ungehorsam weiter aus ihr herauszukitzeln, damit er sich anschließend für die Früchte seiner Bemühungen belohnen konnte. Und dazu wäre ihm jedes Mittel recht.

Insgeheim gierte er nach einer wilden, ungezähmten Frau, die zwar devot war, aber sich aus ganzer Kraft gegen ihre Unterwerfung wehrte, die sich bis zum Schluss gegen ihn sträubte und es ihm richtig schwer machte. Doch leider war so eine rare Perle nicht in Sicht.

„Das habe ich wohl, Sir.“ Lucilles Stimme spiegelte Angst, aber auch eine gewisse Vorfreude wider.

„Nimm ihre Hände und halt sie fest. Sie wird nicht stillhalten können und deinen Beistand brauchen, B.“

Lucille lag mit dem Oberkörper auf einem gepolsterten Bock und ihre Füße berührten nicht den Boden. Sie war nackt, so wie Hunter es bevorzugte. Er stand nicht auf Lack und Leder, egal, wie raffiniert das Outfit aussah. Wozu etwas verhüllen, das man mühsam auspacken musste, um an die Haut und das Fleisch ranzukommen? Ihr knackiger Arsch präsentierte sich ihm höchst einladend, und ihr dunkles Haar hing wie ein Vorhang nach unten, sobald sie den Kopf hängen ließ.

Sein Freund packte die Hände seiner Geliebten und sie würde den Griff niemals brechen können. Diese Stärke würde ihr helfen, mit dem unbekannten, heftigen Schmerz fertigzuwerden. Aber sie war ebenso für B, denn er brauchte den Halt genauso wie Lucille, vielleicht sogar noch mehr.

Hunter ließ sich Zeit, bis er richtig anfing, und das steigerte Lucilles Furcht beträchtlich. Er umrundete sein fügsames Opfer und traf B’s Blick, dessen braune Augen in dem flackernden Licht der Kerzen beinahe schwarz wirkten. Das passte perfekt zu Hunters Absichten. Er blieb hinter Lucille stehen und berührte kaum merklich mit der Spitze der Gerte ihren Po. Sie zuckte dennoch zusammen. Langsam und bedächtig folgte er den Kurven ihres Hinterns und sie erschauderte entzückend. Schon wieder!

Und dann schlug er mit dem Paddel zu, das er – unbemerkt von ihr – inzwischen in der anderen Hand hielt. Er fing zart an, erhitzte ihre Haut und vor allem das darunterliegende Gewebe, damit es nicht zu ungewollten schweren Verletzungen kam. Nachdem ihr Po ein flächiges schönes Rot aufwies, lief er um den Bock herum.

„Sieh mich an, Lucille.“

Sie schaute zuerst ihren Dom an und anschließend ihn. Ihre Wangen waren erhitzt und ein leichter Schweißfilm glänzte auf ihrem Rücken. Doch ihr Blick war klar und Hunter legte seine Handfläche gegen ihre Wange. Sie schmiegte sich dagegen und schenkte ihm ein zaghaftes Lächeln, welches er allerdings nicht erwiderte. Jetzt war nicht der Moment für Nettsein.

„Gib Lucille einen Schluck zu trinken, ehe wir fortfahren.“

Nachdem sie etwas Wasser getrunken hatte und sein Freund ihre Hände wieder hielt, holte Hunter aus und die ersten drei Treffer waren für seine Verhältnisse eher zärtlich. Die Kleine stieß dennoch mehrere Schreie aus, denn obwohl sie das Brennen über alles herbeigesehnt hatte, kam das Feuer doch überraschend für sie. Hunter schlug anschließend mit abwechselnder Stärke zu, sodass sie ertragen konnte, was er ihr antat. Dabei richtete er seine Aufmerksamkeit nicht nur auf Lucille, sondern auch auf B. Erleichtert stellte Hunter fest, dass B sich in die Szene eingefunden hatte, sie ihn sogar erregte, und sein Freund machte seine Sache gut. B, als erfahrener Master, wusste genau, wann ein paar liebevolle Worte angebracht waren.

Die Atmosphäre des Raums, mit den vielen in Glasbehältern stehenden dicken flackernden Kerzen, dem dunklen Dielenboden, den weiß verputzten Wänden und den Möbelstücken aus massivem Holz und Leder, strahlte Ruhe aus und diese war essenziell für eine erfüllende Session. Um sie zu zerstören, gab es nichts Schlimmeres als Hektik und Krach. Daher mochte Hunter auch keine Clubs. Sie waren ihm zu laut und unpersönlich. Er bevorzugte es intim, privat und kuschlig.

Hunter hielt kurz inne, damit er sein Werk bewundern konnte. Der Po sah perfekt aus. Schließlich passte er bei jedem Schlag auf, dass er nicht die Haut durchbrach. Blut würde heute auf keinen Fall fließen.

„Sieht sie nicht wunderschön aus?“

Sein Freund schaute gebannt auf die lebendige Leinwand, und mit Tränen in den Augen nickte er.

„Noch drei Stück, die ziemlich fies werden.“

Diese Ankündigung erreichte zwei Dinge: Lucille würde sie leichter aushalten, weil ein Ende in Sicht war, und sie steigerte ihren Angstlevel erneut, sodass Lucille ihr Gefühlsleben im Vorfeld stärker spürte. Hunter setzte die Treffer untereinander und sie schrie bei jedem auf. Das hübsche Streifenmuster war ein Fest für seinen Sadismus, dennoch fehlte ihm etwas, und das lag keinesfalls daran, dass Lucille nicht seine Sub war. Hunter vermisste die Würze, die Spannung, die inneren Konflikte, die eine widersprüchliche Sub in ihm auslösen würde.

Hunter gab B ein Zeichen, dass er zu ihm kommen solle.

„Fass sie an. Fühle ihre Lust, ihr Leid und ihre Geilheit.“

B legte vorsichtig seine Handfläche auf den geschundenen Po, und er schluckte hart, sobald er die Hitze und die Schwellungen bewusst wahrnahm. Lucille stöhnte leicht, und sie versuchte, sich gegen ihren Master zu schmiegen. Ihr ging es prächtig, und das trotz oder vielmehr wegen der Schmerzen, die sie als hochgradig erfüllend empfand.

„Umdrehen, Lucille!“, befahl Hunter ihr mit schneidender Stimme. Noch war die Session nicht vorbei. Er nahm B’s vorherigen Platz ein, und nachdem die Sub auf dem Rücken lag, sah er in ihr zwar tränenüberströmtes, aber auch glückliches Gesicht. Hunter packte ihre Handgelenke und hielt sie, als B den äußerst leistungsstarken Vibrator mit dem breiten Kopf aufnahm.

„Spreiz die Beine, meine kleine Schlampe. Du weißt, wie ich es gerne habe.“ Genau, wie sie es abgesprochen hatten, übernahm B jetzt die Kontrolle über die Szene und somit über Lucille. „Und du wirst Hunter die ganze Zeit in die Augen sehen. Falls du mir nicht gehorchst, wird ein weiterer Orgasmus deine Strafe sein. Wie wir aus Erfahrung wissen, fallen dir die ersten drei ziemlich leicht, die anschließenden jedoch keinesfalls. Diese neue Qual wird sich höchst prächtig mit der auf deinem Arsch vermischen.“

Anscheinend erwachte B’s Appetit auf Sadismus erneut. Perfekt!

Hunter musste zugeben, dass B mit einem wahrhaft sadistischen Grinsen das Sextoy einschaltete. Das Summen vermischte sich alsbald mit Lucilles Stöhnen und ihrem Flehen, dass sie doch aufhören sollten, was sie allerdings nicht taten – für eine längere Zeit nicht.

Eine Stunde nach der Session servierte Lucille nackt das Abendessen, wobei sie ziemlich steif durch die Gegend lief. Allerdings hatte sie nicht selbst kochen müssen, sondern brauchte nur den italienischen Nudelsalat, das Brot und die Antipasti auf den Tisch zu stellen. Charles, B’s Mann für alle Fälle, hatte das Essen zubereitet.

Barnaby vergnügte sich ein paarmal damit, über die geschwollenen Striemen zu streicheln und den Schmerz somit zu neuem Leben zu erwecken. B war sichtlich ebenso glücklich, wie Lucille es war. „Zieh dir den Morgenmantel über und setz dich, Liebes. Du bist bestimmt ausgehungert. Vergiss nicht, dich vorher bei Hunter zu bedanken.“

Lucille sank neben Hunters Stuhl auf die Knie und senkte den Kopf, bis er sie an der Schulter berührte. Sie sah ihn an und ihr Strahlen beschränkte sich nicht nur aufs Lächeln. Die harten Schläge hatten ihr gutgetan, wirkten nach, und dieser Zustand hielt auch einige Zeit an.

„Ich danke dir, Hunter.“ Sie küsste ihn auf den Handrücken, und für einen Moment hatte er das Bild im Kopf, wie sie hineinbiss und sich anschließend nicht freiwillig über seine Knie legen würde. Doch das würden weder Lucille noch Zoe, seine gelegentliche Spielpartnerin, jemals machen.

Er reichte Lucille die Hand. Sie stand auf, zog danach den bereitliegenden Morgenmantel über und setzte sich grinsend hin. Die Kleine lebte die Session erneut im Kopfkino durch.

„Du hast was gut bei mir, Hunter“, sagte B. „Was immer es auch ist, wobei ich dir helfen kann, es ist schon erledigt.“

Sie aßen ein paar Minuten schweigend.

„Stimmen die Gerüchte, dass du eine neue Firma gekauft hast und deine Rastlosigkeit endlich ein Ende hat?“

Hunter sah von seinem Teller hoch. „Ja, ich habe genügend Leben zerstört und dieses Mal will ich alles richtig machen. Ich erwarte keine großen Überraschungen, und das wird das Unternehmen sein, mit dem ich mich zur Ruhe setze. Mittelständisch, bodenständig und nicht börsennotiert. Das ist genau das, was ich brauche. Ein bisschen wohltuende Langeweile.“

Na klar!

Kapitel 2

Möglicherweise träume ich, bin unwach, schließlich ist eine Untote tot, aber nicht richtig tot. The Walking Awake. Hauptdarstellerin: Gillian Cross. Oh mein Goooott!

Gillian stieß einen Atemzug aus, der sich in ihren Ohren wie eine Hüpfburg anhörte, auf die gerade ein Pferd sprang, ein großes Pferd, definitiv kein Pony, und die Seitennähte platzten auf, sodass erst zischend Luft entwich, ehe das ganze Ding mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte.

Soll ich lachen oder weinen? Schreien oder kreischen? Vor Scham endgültig sterben?

Mit den Händen stützte sie sich auf dem Waschbecken ab, doch auch das änderte nichts an der zum Himmel schreienden Karotte, die ihr aus dem Spiegel entgegenblinkte, mit blauen Augen, die unglaublich leuchtend erschienen. Wohlgemerkt, eine Karotte, die man mit Schokolade lasiert hatte.

Auf der Verpackung des Selbstbräuners stand vollmundig: Für helle Haut geeignet. Leichte Tönung. Schnappen Sie sich Ihren Sommerteint frisch vom Meer.

Ihre Gesichtsfarbe dagegen erinnerte an einen Schiffbrüchigen, der, ehe er gerettet wurde, drei Wochen ungeschützt auf einer Insel vegetiert hatte. Gillians Magen plumpste bis in ihre Fußspitzen, denn heute war ein wichtiger und entscheidender Tag. Sie hatte einen guten Eindruck bei dem neuen Besitzer von Spice on the Tongue, Hunter Silsbury, hinterlassen wollen. Ihre teigige Oberfläche in eine lebendige gesunde verwandeln wollen, die ihm auf der Stelle vermittelte: Ich bin eine fähige, wertvolle Mitarbeiterin. Bitte entlassen Sie mich nicht.

Als er vor zwei Wochen in die Firma gekommen war, hatte sie mit dem ekligsten grippalen Infekt, den sie jemals gehabt hatte, im Bett gelegen. Lizzy, ihre Freundin und Kollegin, hatte ihr alles berichtet, auch, dass seine übertrieben schlanke, unglaublich gut aussehende Begleitung mit der Ausstrahlung eines Eisblocks, der absichtlich unter einem Eisbären wegschmolz, sich Gillians Namen notiert hatte. Laut Lizzy hätten ihre Augen dabei wie böse Opale geglänzt.

Bei Spice fürchteten alle um ihren Job, sogar Lizzy, die in der Patisserie arbeitete und für einige der am meisten verkauften Kreationen bei Spice on the Tongue zuständig war. Mr Bohman Junior, dessen Vater die Firma gegründet hatte, ging nächsten Monat offiziell in den Ruhestand und er hatte sich bereits zurückgezogen. Sein Rückzug war überraschend gekommen. Er hatte vor ein paar Monaten einen Herzinfarkt erlitten und sich von einem Tag auf den anderen entschieden, dass er sich nicht zu Tode schuften wollte. Sein Sohn hatte kein Interesse an einem mittelständischen Familienunternehmen, das unter anderem erlesene Pralinen, Cupcakes, Trüffel und Schokolade verkaufte und einen Börsengang vehement ablehnte. Bis jetzt wurden die Mitarbeiter höher gehandelt als irgendwelche fiktiven Kurse, Gewinne und Anteilseigner, denen nichts an Spice lag und die nur ihren Profit im Sinn hatten! Leider würde es keinen Mr Bohman Junior II geben. Mr Bohmans Sohn war Arzt, und daher hatte Mr Bohman Junior das Unternehmen an Hunter Silsbury verkauft, der den Gerüchten nach expandieren wollte. Und jeder wusste, was bei einer Übernahme passierte. Es wurden immer Betriebsangehörige entlassen, entsorgt, als wären sie ausgediente Möbelstücke, und da zählte es auch nicht, wie treu und fleißig sie in der Vergangenheit gewesen waren. Zudem eilte Mr Silsbury sein Ruf voraus. Er sanierte Firmen, und dabei war es ihm egal, wie viele Leichen er im Zuge dessen zurückließ. Gillian hasste ihn bereits jetzt. Überhaupt verabscheute sie egoistische, skrupellose Männer, die anstatt eines Herzens einen Hochleistungscomputerchip in der Brust hatten.

Warum nur musste sie ausgerechnet zu dem ungünstigsten Zeitpunkt so schrecklich krank werden? Dazu noch mit der allseits gefürchteten Männergrippe!

Und wie Lizzy von Hunter Silsbury geschwärmt hatte, allerdings mit einem ehrfürchtigen Unterton, den man auch als ängstlich-fasziniert bezeichnen könnte. Sie übertrieb bestimmt schamlos. Verräterin! Denn nach ihrer Beschreibung war er eine Mischung aus David Gandy, Chris Hemsworth, David Beckham und Aragon, mit einer Prise von Dean Winchester und einem blutverschmierten Jamie Fraser. Wahrscheinlich hatte Lizzy von dem Brandy genascht, anstatt ihn in die Pralinenfüllung zu rühren, weil sie unglaublich nervös gewesen war, als Mr Silsbury nach der Besprechung mit allen Mitarbeitern zu ihr gekommen war. Lizzy vertrug noch weniger Alkohol als Gillian, und wenn es nach der Freundin ging, hatte sie den König von Spice Imperial und nicht von Spice on the Tongue empfangen. Gillian wünschte sich zum hundertsten Male, dass auch sie anwesend gewesen wäre. Irgendwie fühlte sie sich, als hätte man sie in ihrer Abwesenheit verurteilt.

Weshalb nur war das Leben so grausam zu ihr? Krank, single, ungeliebt und verschmäht. Arbeitslos wollte sie keinesfalls zu der Liste hinzufügen. Dabei war sie bescheiden, was ihre Erwartungen anging. Gillian wollte keinen Prinzen, sondern einen Jon Snow, einen Kerl, der mit Ungeheuern und Drachen fertigwurde und der nicht bei dem Anblick einer Frau in Ohnmacht fiel, die nicht nackt joggen konnte, weil ihre Oberschenkel aneinanderrieben und deren Brüste nicht voll und fest waren, sondern nur voll.

Thigh Gap – du kannst mich mal kreuzweise.

Und jetzt hatte sie alles nur weiter verschlimmert! So konnte sie doch unmöglich bei Spice auftauchen. Aber zu Hause zu bleiben, war ebenso utopisch. Niemals zuvor war sie so lange krankgeschrieben gewesen, und wenn sie noch einen Tag länger ausfiel, konnte sie gleich ihre Habseligkeiten packen. Mr Silsbury würde den Posten der Abteilungssekretärin/Rezeptionistin sicherlich mit einer blonden Schönheit besetzen, die auf jeder Datingplattform unter Hunderten von geeigneten Männern auswählen konnte. Männer wie er schmückten sich immer mit den passenden stromlinienförmigen Accessoires, die mit einem riesigen Abstand zwischen den Oberschenkeln ausgestattet waren. Wahrscheinlich konnte man dort einen Medizinball hindurchschießen.

Sie glotzte mit steigender Verzweiflung auf ihr Spiegelbild. Eventuell konnte sie der Mohrrübe mit einem Peeling aus Glassplittern zu Leibe rücken! Ein hysterisches Kichern platzte aus Gillian, denn das war wieder einmal typisch für sie. Wenn es etwas gab, das man versauen konnte, schaffte Gillian Cross es mit Bravour und Anlauf. Sie war sowieso schon spät dran und musste gleich noch in die Apotheke, um sich Kopfschmerztabletten und Nasenspray zu kaufen, andernfalls würde sie den Tag nicht überstehen. Und einen Kaffee, am besten einen doppelten mit Milchschaum sowie ein wenig Zimt und Kakaopulver bestäubt. Gillian rannte in die Küche, um sich den Zucker zu holen, mit dem sie ein provisorisches Peeling machen konnte.

Zehn Minuten später sah sie weitaus schlimmer als vorher aus, denn jetzt war sie nicht mehr orangebraun, sondern rotorangebraun. Wenn sie Glück hatte, würde Mr Silsbury sie nicht bemerken. Sobald er auftauchte, könnte sie sich auf der Toilette verstecken. Man munkelte sowieso, dass die Eisscholle seine Assistentin bei Spice und Gillians Stelle bereits zur Hälfte gestrichen war. Mr Bohman Junior war immer mit ihr zufrieden gewesen und Gillian hatte hervorragend mit seiner Assistentin Veronica zusammengearbeitet. Doch Veronica ging mit ihrem Chef in Rente, und das sehr persönlich. Schlussendlich hatten sie sich als Liebespaar geoutet. Alles änderte sich und nichts war mehr sicher.

Sie musste los! Gillian musterte ihren dunkelblauen knielangen Rock, die pflaumenfarbene Bluse und ihre dunklen langen Haare, die immer so wirkten, als wenn sie gerade aus einem Hurrikan geflüchtet wäre. Nie schaffte sie es, sie glatt und ordentlich hinzubekommen. Aber eigentlich liebte sie das. Mr Bohman Junior hatte sie des Öfteren „seinen kleinen Wildfang“ genannt. Und er hatte alle Mitarbeiter gerecht und familiär behandelt. Ja, ihr Einkommen war nicht sonderlich großzügig, doch es reichte, um über die Runden zu kommen, und wenn sie weiter sparte, konnte sie sich bald einen neueren Wagen leisten. Sie hatte immer bei Spice on the Tongue bleiben wollen, denn sie liebte ihren Job, Beständigkeit und Sicherheit. Eine gut bezahlte Karriere zu machen, die mit endlosen Arbeitsstunden einherging, befand sich nicht auf ihrer Agenda. Eigentlich war sie einigermaßen zufrieden mit ihrem Leben, auch wenn es nicht perfekt war. Doch jetzt stand all das zum Ausverkauf bereit. Gillian schluckte hart und versuchte, das ungute kalte Gefühl zu ignorieren, das sich in ihrem Magen einnistete. Sie schnappte sich Tasche und Jacke und stürzte nach draußen.

Auf der Fahrt verwünschte sie eine Schafsherde in die Todeszone des Mount Everest, da die wolligen Biester mitten auf der Straße standen, sich nicht vom Fleck bewegten und sie höhnisch anblökten. Als sie endlich den Parkplatz des Shoppingcenters erreichte, war dort die Hölle los, weil der ansässige Markt für Elektroartikel mit sensationellen Angeboten lockte, die nur bis zehn Uhr bereitstanden.

Wie könnte es auch anders sein!

Gillian kreiste mit ihrem altersschwachen Fiat auf dem Parkplatz wie ein Hai herum, der sein Opfer belauerte, mit dem alleinigen Ziel, ihm den Todesbiss zu versetzen. Sie entdeckte eine ältere Dame, die einen riesigen Flachbildschirm auf ihrem Einkaufswagen vor sich herschob und offensichtlich zu ihrem Auto unterwegs war. Sie stoppte tatsächlich hinter einem SUV und öffnete die Heckklappe, wobei sie ziemlich verzweifelt aussah. Gillian machte sich bereit, sie zu erlegen. Doch so ein großprotziger Nobelschlitten stand schon in Lauerstellung. Aber er hielt in ausreichendem Abstand, setzte den Warnblinker und es war Pech für den Fahrer, dass er ausstieg, um der Dame beim Einladen zu helfen. Er war nicht nur hilfsbereit, sondern sah auch sexy aus in seinem dunkelgrauen Anzug, dem puderblauen Hemd, allerdings ohne Krawatte, und mit den kurzen dunkelblonden Haaren, und als er sich vorbeugte, konnte sie nicht umhin, seinen Po zu bewundern.

Geiles Fahrgestell …

Schmacht! Konzentrier dich! Zeig kein Mitleid und beschäm deine Mum!

Er lächelte die Frau an und sie lächelte völlig hingerissen zurück. Gillian konnte es ihr nicht verdenken, denn er war ein Sahneschnittchen, allerdings mit Chili gewürzt, das bei jeder Altersklasse punktete. Es gab diese Männer. Sie wusste, dass es arschig war, was sie vorhatte, doch die nächste Apotheke war Kilometer entfernt in der entgegengesetzten Richtung von Spice on the Tongue angesiedelt, und ihre Nase war bereits wieder so zugeschwollen, dass sie kaum Luft bekam. Wenn sie auch noch zu spät auftauchte … Nein, sie durfte kein Erbarmen zeigen. Sobald die Dame eingestiegen war und rückwärts aus der Lücke setzte, rollte Gillian vor. Und dann gab sie Gas, schlug den Nichtschlipsträger um zwei Sekunden und schnappte ihm die Beute weg. Wenigstens etwas, das heute geklappt hatte.

Oh himmelschreiende Scheiße!

Der Typ fuhr nicht weiter, sondern blieb hinter ihrem Fiat stehen und sprang aus seinem Bentley. Er marschierte auf sie zu und wirkte verständlicherweise äußerst sauer. Aber was wollte er ihr schon antun? Sie packen und ihr den Hals umdrehen? Den Kopf abschlagen? Jon Snow würde das möglicherweise tun, doch zum Glück waren sie nicht in Winterfell. Dennoch schlug ihr das Herz bis in den Kehlkopf hinein, als sie verzagt, aber entschlossen aus dem Wagen kletterte und ihm, eher weniger als mehr, mutig entgegentrat. Er mochte vielleicht einen Anzug tragen, wie ein Bürohengst wirkte er jedoch überhaupt nicht.

„Lady!“ Seine Stimme war tief und befehlsgewohnt, sodass sie sich instinktiv in ihr Fahrzeug flüchten wollte, um ihm den Parkplatz zu überlassen.

Das tust du nicht! Du kannst jetzt unmöglich deinen nicht vorhandenen Schwanz einkneifen und dir diese Blöße geben. Du bist nicht deine Mutter! Sei eine Warrior-Gillian!

Er musterte sie von oben bis unten und machte ein schnaubendes Geräusch, das man nur als geringschätzig einstufen konnte, ehe er seinen durchdringenden Blick aus blaugrünen Augen nicht auf sie richtete, stattdessen in sie hineinstampfte. Unwillkürlich wich sie einen Schritt nach hinten, was sie wütend machte, daher lief sie nach vorn, was sie allerdings so nah an ihn heranbrachte, dass sie sein Aftershave, das sie an einen schattigen Sommerwald erinnerte, sogar durch ihre verstopfte Nase riechen konnte. Er blieb an Ort und Stelle und machte ihr keinen Millimeter Platz. Sie könnte auch andersherum um ihren Wagen laufen, aber das wäre feige. Außerdem hatte sie wirklich keine Zeit, um sich auf ein Duell einzulassen. Sie öffnete den Mund, um ihm zu sagen, dass er ihr gefälligst aus dem Weg gehen sollte, doch leider musste sie niesen, und zwar so überraschend, dass sie es nicht schaffte, sich das Taschentuch vor die Nase zu halten, das sie aus ihrer Jackentasche zerrte.

„Das glaube ich jetzt nicht!“ Ein Donnergrollen in einer ansonsten totenstillen Nacht.

Gillian glaubte es ebenso wenig und weigerte sich, darüber nachzudenken, was auf dem Revers seiner Jacke gelandet war. Vielleicht sollte sie sich wirklich entschuldigen. Normalerweise benahm sie sich nie so selbstsüchtig! Das war das peinlichste Erlebnis ihres Lebens!

„Haben dir deine Eltern keine Manieren beigebracht? Oder hat man dich in einer Höhle voller Unrat gefunden, wo du Ratten als Freunde hattest?“

Irgendwie hatte er es geschafft, sie gegen die Seite ihres Autos zu drängen. Allerdings wirkte er nicht gewalttätig, sondern er hatte sich unter Kontrolle. Dieser Mann verlor niemals die Beherrschung, es sei denn, er wollte es. Er schaffte es, dass sie sich ihm unterlegen fühlte, und zwar nicht nur körperlich. Offener Jähzorn wäre weniger einschüchternd.

„Es tut mir leid.“ Sie ignorierte seine Beleidigungen, obwohl sie dazu ihre Zunge förmlich verknoten musste.

„Tatsächlich?“

„Das sagte ich doch gerade, oder soll ich vielleicht noch auf den Knien herumrutschen?“

„Wenn du vor mir kniest, dann bestimmt aus einem anderen Grund.“

Wie bitte?!

„Ich habe jetzt keine Muße für solch dämliche Machosprüche.“

„Du fährst also nicht deinen Wagen aus meiner Parklücke?“

Sie rollte mit den Augen und verzog die Lippen. „Geh mir aus dem Weg! Oder …“

„Oder? Du willst um Hilfe rufen? Wirklich? Du bist diejenige, die sich wie ein egoistischer XXL-Trampel aufführt, der einem fetten Kürbis die Schau stehlen würde.“

XXL-Trampel!

Fetter Kürbis!

Dabei starrte er ihr auf den Busen und er ließ es auch nicht subtil wirken. Dieser Mann hatte etwas an sich, das ihre Stacheln aufstellte. Ja, sie war unverschämt gewesen, aber er hatte weder das Recht, sie zu beleidigen, noch sie derart einzuschüchtern.

„Dein Aftershave brennt mir in den Augen! Und wenn du nicht sofort deinen winzigen …“ An ihm war gar nichts winzig.

„Man sollte keine Drohungen ausstoßen, die man nicht mit Taten untermauern kann, Lady!“ Er betonte das letzte Wort, und es war deutlich, dass er Miststück meinte.

„Aber du kannst das sicherlich!“

Oh Hilfe! Er beugte sich zu ihr runter, und das waren gute dreißig Zentimeter. „Wenn wir an einem anderen Ort wären, würde ich dich über meine Knie zwingen, dir deinen hässlichen Rock nach oben schieben und dir deinen sicherlich noch viel hässlicheren Schlüpfer nach unten ziehen, um dir deinen plumpen Arsch zu versohlen.“

Plump!

Sein schmales Gesicht mit der etwas zu großen Nase war absolut ausdruckslos, aber seine Augen, die untermalten das Gesagte auf eine schreckliche Weise, bestätigten ihr, dass er wusste, wovon er sprach. „Ich würde es mit der bloßen Hand tun, bis meine Handfläche brennt und du den Allmächtigen darum anflehst, dass du keine Haut mehr hättest, die so fürchterlich schmerzt.“

So ein arrogantes widerliches Arschloch erster Güte!

Zeig ihm nicht, wie schmerzhaft das eine Wort dich getroffen hat! Gillian wusste, dass der Rest, den er gesagt hatte, viel schlimmer war. Doch irgendwie verbiss sich ihr Gehirn, und damit auch ihr Ego, in die Beleidigung.

„Und dann …“, sein Atem streifte über ihre Stirn, „wäre der perfekte Moment für dich, um vor mir auf die Knie zu gehen. Du würdest dich bei mir entschuldigen und noch nie hättest du eine Entschuldigung ernster gemeint.“

„Wofür hältst du dich? Du … du Fünfachtelgott!“

Seine Lippen verzogen sich zu einem schneidenden Lächeln, während sich seine Augen verengten, ehe er sich aufrichtete und sie einfach stehen ließ. Gillian schlug sich die Hand vor den Mund, um sich nicht dazu hinreißen zu lassen, ihm etwas ganz und gar Unflätiges hinterherzukreischen. Doch eine Sekunde später machte sie eine obszöne Geste, und zwar mit beiden Fingern, die sich dafür eigneten. Und genau in diesem Moment drehte er sich um!

Beim Allmächtigen!

Er stieß einen Atemzug aus und ein wütender Stier könnte es nicht effektiver hinbekommen.

Was war nur los mit ihr!? Einerseits schämte sie sich für ihr Verhalten halb zu Tode, andererseits würde sie ihn am liebsten wie eine kreischende Furie anspringen, doch außer, dass sich sein Blick verdüsterte, zeigte er keine weitere Regung. Dennoch bebte ihr Körper vor Aufregung, denn sie traute ihm zu, genau das zu tun, was er ihr gerade angedroht hatte. Aber zu ihrer grenzenlosen Erleichterung stieg er in sein Fahrzeug, knallte nicht einmal die Tür zu und fuhr weiter.

Nachdem sie mehrere Male heftig geschluckt hatte, ihr Herzschlag ihr nicht mehr ganz so arg in den Ohren dröhnte, lief Gillian zur Apotheke. Dort holte sie sich ihre Medikamente und anschließend im Beany den Kaffee sowie einen Eistee und bemerkte, dass ihr Puls noch immer zu schnell schlug. Als sie endlich wieder in ihrem Auto saß, verriegelte sie die Türen, und sie hatte sich die ganze Zeit über die Schulter geschaut, um herauszufinden, ob er nicht irgendwo auf sie lauerte.

Armselig!

Sie lehnte sich mit der Stirn gegen das Lenkrad, ehe sie das Nasenspray benutzte und Sekunden später erleichtert einatmete. Gillian beschloss, das Erlebte mit dem heißesten und gefährlichsten Typen, den sie jemals getroffen hatte, als positiv zu erachten. Schließlich konnte der Tag jetzt nur besser werden, und wenn sie ihm die Stirn geboten hatte, dann würde es ihr erst recht bei Hunter Silsbury gelingen.

Das nennst du Stirnbieten!

Dreißig Minuten später erreichte sie Spice on the Tongue und sie fuhr auf den mit Bäumen gesäumten Parkplatz. Sie liebte das alte Fabrikgebäude, und das fing bereits hier an. Die Backsteinmauern des Haupthauses mit den großen weißen Fenstern und der Nebengebäude waren geschichtsträchtig. Gillian glaubte zwar nicht an Geister, dennoch meinte sie an manchen Tagen, die ehemaligen Bewohner zu spüren, sobald sie durch die hölzerne Flügeltür mit den Glaseinfassungen trat - Schatten ihrer einstigen Persönlichkeiten, die den Mauern Leben einhauchten. Das Anwesen lag beschaulich an den Ausläufern von Bristol und sie fühlte sich nicht nur hier zu Hause, sie war hier zu Hause. Es würde ihr das Herz brechen, wenn man sie wegrationalisierte. Tief atmete sie die Seeluft ein und versuchte sich einzureden, dass es ihr besser ging. Den Kaffee hatte sie bereits ausgetrunken, doch der Eistee wartete darauf, die Schmerzen ihres wunden Halses zu lindern. Eigentlich wäre es vernünftiger gewesen, noch eine Woche im Bett zu bleiben. Obwohl sie nicht mehr ansteckend war, merkte sie beim Aussteigen, wie schlapp sie sich fühlte. Die Konfrontation mit IHM hatte ihre spärlichen Kräfte aufgezehrt. Aber ihr Job stand auf der Kippe und ein neuer war nicht so leicht zu bekommen. Wenigstens musste sie körperlich nicht schwer arbeiten und sie konnte sich nachher sofort hinlegen.

Allein zu sein, wenn man krank war, war echt scheußlich. Zwar war Lizzy einige Male vorbeigekommen und auch Ginger, ihre Freundin aus Schulzeiten, um sie mit ein paar Lebensmitteln zu versorgen, doch Ginger hatte drei Kinder und Lizzy war frisch verliebt, sodass sie die meiste Zeit allein gewesen war.

Allein!

Nach dem Desaster mit Andy hatte sie anscheinend die Fähigkeit verloren, einem Mann genügend zu vertrauen, um sich richtig mit ihm einzulassen. Dabei war das bereits etliche Jahre her. Doch Andy hatte seine Spuren nachhaltig in ihr hinterlassen. Aber es war sowieso nicht der Fall, dass die Männer reihenweise bei ihr Schlange standen, besonders, da man sich heute nicht mehr persönlich in einem Pub kennenlernte, stattdessen seinen Wunschkandidaten per Internetplattform orderte, wie einen neuen Kleiderschrank, den man sich nach Maß und mit komplettem Innenleben zusammenstellte. Ihr kam es hauptsächlich auf das Innenleben an, und sie hatte sich normal aussehende Männer zum Daten ausgewählt, doch auch diese wollten das Deluxepaket, obwohl sie selbst mit Bäuchlein und schütterem Haar daherkamen. Zudem hatte sie ihr Augenmerk auf ungefährlich und liebenswert langweilig gelegt. Jedoch war ihre Rechnung nicht aufgegangen. Vielleicht war sie nach all der Zeit einfach nicht mehr beziehungsfähig, und jeder Kerl, der sich etwas Ernsteres erhoffte, witterte das aus kilometerweiter Entfernung.

Seufz!

Gillian stieg aus, nahm sich ihren Eistee und lief die vier Stufen hoch, die ins Foyer führten. Wer bei dem Anblick der großflächigen Fotos hinter Glas keinen Hunger bekam, war entweder kein Mensch oder krank. Beinahe wäre sie wie angewurzelt stehen geblieben, denn der Sitzbereich war komplett mit wunderschönen Frauen belegt, die allesamt aussahen, als würden sie bei Britain and Ireland’s Next Top Model mitmachen. Ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich. Wahrscheinlich hätte sie auch gleich zu Hause bleiben können, um sich die Schmach zu ersparen.

Hillary aus der Buchhaltung lief ihr mit wogendem Busen entgegen. „Zum Glück bist du da. Mein Gott, was ist mit deinem Gesicht passiert? Hast du allergisch auf ein Medikament reagiert?“

Gillian nickte. Das war eine perfekte Ausrede für ihr Aussehen. „Wer sind die?“

„Das sind alles Bewerberinnen für die Assistentenstelle bei Mr Silsbury.“ Hillary legte ihr eine Hand auf den Unterarm. „Du brauchst dir keine Sorgen um deinen Arbeitsplatz zu machen, wenigstens nicht für ein Jahr. Mr Bohman hat das für uns ausgehandelt, das haben wir vorhin durch eine Rundmail erfahren. Kannst du überhaupt arbeiten? Du siehst wirklich krank aus.“

„Ich beiße mich da schon durch. Muss ich mich um die Bewerberinnen kümmern?“ Das unheilvolle Gefühl wollte einfach nicht weichen und ein Jahr konnte verdammt kurz sein.

Hillary schüttelte den Kopf. „Das macht Zoe, eine seiner Assistentinnen aus irgendeiner Filiale von irgendwas aus London. Sie hat sich wohl geweigert, nach Bristol zu ziehen, und daher stellt er jemand Neues ein. Sie hilft nur bei der Einarbeitung und bleibt für zwei Wochen hier. Kannst du dir vorstellen, dass er mehrere Assistentinnen hat? Und er soll sie angeblich alle vögeln. Wenn ich mir die da so ankucke, weiß ich, worauf sein Hauptaugenmerk liegt.“

„Hillary! Das ist bestimmt nur ein blödes Gerücht.“

„Du denkst immer nur das Züchtigste von allen. Aber ich sage dir, falls nur die Hälfte des Flurfunks stimmt, dann ist Mr Silsbury der Teufel in einer schönen Gestalt. Laut Luigi soll sein Blick einen versteinern können. Angeblich hat er vorher noch nie jemanden mit einer derartigen Macht in seinen Augen getroffen. Ich hatte ja leider Urlaub, als er zu Spice gekommen ist.“

Bestimmt war Luigi noch nie dem Kerl von vorhin über den Weg gelaufen! Gillian musste immerzu an ihn denken. Da war etwas an ihm gewesen, das sie auf eine undefinierbare Weise unglaublich angemacht hatte und es auch weiterhin tat, sobald sie sich den Ausdruck in seinen Augen in Erinnerung rief. Die ruhige Autorität, die sie auf der Stelle wahrgenommen hatte. Ein Mann wie er brauchte nicht zu schreien, um seinen Willen durchzusetzen. In einer Herde wäre er das Alphatier, und obwohl sie die Gefahren eines derartigen Anführers kannte, wollte sie keinesfalls ein rangniederes Tier in ihrem Bett. Zu blöd!

„Luigi ist eine Drama Queen.“ Auf den temperamentvollen Italiener traf wirklich jedes Klischee hinsichtlich seiner Gene zu. Er war für den Einkauf der Zutaten zuständig, und zu behaupten, dass er es verabscheute, wenn man ihm reinredete, wäre eine Untertreibung. Fairerweise musste man anerkennen, dass er seinen Bereich im Griff hatte und eigentlich keine Unterstützung brauchte.

Die Dunkelhaarige warf einen neidischen Blick in Richtung der Models, dem aber sichtlich Verzweiflung anhaftete. Hillary war bestimmt nicht jemand, der sich unter einem Stein verstecken musste, doch sie spielte ebenso in einer anderen Liga wie Gillian. „Ich glaube, ich muss wirklich mal mit dieser Saftkur anfangen, für die nächsten sechs Monate oder so. Meinst du, dass sie auch etwas essen?“ Hillary presste die Lippen aufeinander. „Sorry. Ich quatsche und quatsche. Dabei solltest du dich erst einmal hinsetzen und die Tabletten einwerfen, die du in der Tüte hast. Aber am besten wäre es, wenn du dich wieder ins Bett legst.“

„Keine Sorge, ich schaffe das schon. Wir sehen uns später.“

Die Bewerberinnen starrten sie alle mehr oder weniger auffällig an. Gillian konnte es ihnen nicht verdenken, schließlich sah sie zum Kreischen aus. Sie ging zu ihrem Schreibtisch, der am Ende des Foyers platziert war und der von einer Theke aus weiß lackiertem Holz eingerahmt wurde. Rechts und links standen Pflanzen in großen Kübeln. Das war ein weiteres Merkmal, warum sie ihren Arbeitsplatz liebte. Mr Bohman Junior hatte bei der Einrichtung der Büros und auch des Foyers nicht gespart. Die Belichtung war abgestimmt, und sie konnte jedes Fenster öffnen, sofern sie es wollte. Überhaupt hatte er viel Wert auf eine angenehme Atmosphäre gelegt, jetzt jedoch stand alles auf dem Spiel. In einem Großraumbüro mit Neonlicht und Klimaanlage würde sie eingehen. Gillian zog ihren Stuhl zurück, und das Geräusch der Rollen auf dem Laminat in Holzoptik war vertraut, genauso wie der Geruch nach Zitrone von dem Putzmittel, mit dem Marge und Peter die Geschäftsräume reinigten. Auch sie zitterten mit Sicherheit um ihren Job, denn die meisten Betriebe beschäftigten lieber unterbezahlte anonyme Putzunternehmen. Das Ehepaar gehörte genauso zu Spice on the Tongue wie jeder andere Mitarbeiter und sie waren überall beliebt. Gillian setzte sich und schaltete den Computer ein. Das Passwort war noch immer dasselbe, das sie sich vor zehn Jahren ausgedacht hatte. Alleinseinistdoof. Ted aus der IT-Abteilung ärgerte sie andauernd damit und hatte ihr angeboten, diesen Status zu ändern. Doch er war einfach nicht für sie. Ted war nett und sie war gern mit ihm zusammen. Allerdings fehlte das Flattern im Bauch, obwohl sie sich wirklich bemüht hatte, einen Hauch von Erotik bei ihm zu fühlen, jedoch vergeblich. Ein Toastbrot machte sie genauso an wie er.

Sie gab das Wort ein und sogleich blinkte eine Nachricht auf, dass sie ein neues vergeben musste, eines mit mindestens einem Sonderzeichen, zwölf bis fünfzehn Zeichen, drei Zahlen und einem Großbuchstaben. Das fing ja großartig an! Ihr umnebeltes Gehirn wünschte sich ins Bett zurück. Vielleicht sollte sie erst den Eistee trinken, die Medikamente nehmen und hoffen, dass diese Maßnahmen ihr helfen würden, den Tag zu überstehen. Die Aktenstapel auf ihrem Schreibtisch konnten ein paar weitere Tage warten. Gillian löste die Tablette aus der Verpackung und spülte sie mit der herrlich kalten Flüssigkeit herunter. Sie nahm sogleich noch einen tiefen Schluck durch den Strohhalm und schloss erleichtert die Lider. Es tat wirklich gut, als die Kühle ihren wunden Hals beruhigte.

Irgendetwas stimmte nicht! Es war plötzlich totenstill im Foyer, bis auf das Räuspern, das direkt vor ihr ertönte. Gillian riss mit vollem Mund die Augen auf und tauchte in einen blaugrünen Strudel ein, der sie direkt wieder ausspuckte, genau wie sie ihren Tee, der auf seinem puderblauen Hemd landete, weil sie husten musste. Natürlich war ER es und natürlich war ER Hunter Silsbury! Der Name war mehr als zutreffend, denn die juckende Pestbeule war ein Jäger, nur dass er keine Tiere tötete, sondern Frauen nachstellte, sie jagte und zur Strecke brachte, indem er seinen Pfahl in sie hineinstieß, und das, nachdem er ihr den Arsch versohlt hatte. All das glaubte sie in seiner Miene zu erspähen.

Er rührte sich nicht, gaffte sie stattdessen an, dermaßen bedrohlich, dass Gillian die tiefschwarze Wolke förmlich spürte, die über ihrem Haupt schwebte und in diesem Moment golfballgroße Hagelkörner auf sie niederprasseln ließ. Neben ihm stand die Blondine, die genauso schön war, wie Hillary sie beschrieben hatte. Gillian hustete erneut und wollte nur eins: von hier verschwinden und nach Alaska auswandern. Entsetzt betrachtete sie die braunen Flecken und erwartete ein RAUS, das sicherlich im gesamten Gebäude zu hören wäre, vielleicht sogar bis nach Alaska. Sie war nur froh, dass es keine Security bei Spice gab, die sie am Kragen packten und vor die Tür warfen. Doch so wie Mr Silsbury aussah, brauchte er niemanden, der diese Aufgabe für ihn übernahm. Seine Hände waren groß, seine Unterarme muskulös, und Gillian wünschte sich wirklich, dass er die Ärmel nicht hochgekrempelt hätte. Seine vollgerotzte Jacke trug er nicht mehr. Die Blondine, die etwas hinter ihm herumzappelte, wirkte allerdings gar nicht unterkühlt, versuchte stattdessen, nicht loszuprusten, was ihr erstaunlicherweise eher mäßig gelang, sodass sie überhaupt nicht unsympathisch wirkte. Doch dann wandte sich Mr Silsbury ihr zu und innerhalb eines Sekundenbruchteils verriet ihr Gesicht keine einzige Regung. Das war unheimlich. Gillian erhob sich so schnell, dass ihr Stuhl zurückrollte und gegen den Aktenschrank knallte, der ein paar Meter hinter ihr an der Wand stand. Sie fühlte alle Blicke auf sich. Das war schrecklich! Sie schnappte sich den Behälter mit den Papiertüchern, der auf ihrem Schreibtisch lag, und rupfte eines heraus, um damit sein Hemd abzutupfen.

Er riss es ihr aus der Hand, und sie verspürte jetzt tatsächlich das Bedürfnis, auf die Knie zu sinken, sein Bein zu umklammern und ihn um Gnade anzuflehen, während er sie über den Boden schleifte, bis zu den Klippen, und sie dort abschüttelte. Sein fieses Lachen würde sie beim Fall in die Tiefe begleiten, denn Barmherzigkeit war sicherlich das Letzte, was ihm im Moment im Kopf herumging. Wenn sie seine starre Mimik in Betracht zog, spießte er sie gerade in seinen Fantasien auf und ergötzte sich an ihren Schreien.

„Es tut mir leid. Wirklich!“

Er hob die Hand, und sie verstummte mit einem glucksenden Geräusch, das ihn dazu brachte, seine schönen Augenbrauen noch enger zusammenzuziehen. Das unterstrich seine teuflische Ausstrahlung. Sie war so was von gefeuert!

Dieses impertinente, orangefarbene, interessante Miststück! „Womit zur Hölle hat sie ihr Gesicht eingeschmiert?“, fragte er sich zum wiederholten Male. Hunter musste zugeben, dass ihr Anblick ihm wirklich die Sprache verschlug. Wenn er vorhin so gekonnt hätte, wie er es gewollt hatte, dann würde sie jetzt nur unter Schmerzen auf ihrem Bürostuhl sitzen können, und das für eine sehr, sehr, sehr lange Zeit. Er hätte nie gedacht, sie so schnell oder überhaupt wiederzusehen. Sie offensichtlich auch nicht. Das musste Gillian Cross sein, von der ihm Mr Bohman vorgeschwärmt und die bei seinem offiziellen Besuch krank im Bett gelegen hatte. Hunter schenkte ihr seine gesamte Aufmerksamkeit, und da er ein praktizierender Master des BDSM war, war dies keine angenehme Erfahrung für sie. Er versuchte, seinen Kiefer zu entspannen, denn er malmte seine Zähne aufeinander und musste wirklich den Reiz, sie zu packen und hinter sich in sein Büro zu schleifen, um ihr eine Lehre zu erteilen, unterdrücken. Doch das hier war eine Angestellte, seine Angestellte, und er war ihr Boss, nicht ihr Master. Manchmal wünschte er sich ins alte Rom zurück, da wäre seine Position viel einfacher gewesen, und eine Sklavin zu disziplinieren wäre sein gutes Recht, das niemand infrage gestellt hätte. Er hätte es gleich an Ort und Stelle erledigen können.