Verträumt - Alicia Witowski - E-Book

Verträumt E-Book

Alicia Witowski

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Beschreibung

Es war einmal ein junges Fräulein, das sich am Tag ihres Geburtstages an einer Spindel sticht … Das junge, hübsche Dornröschen kann sich nicht erklären, wieso sie, nachdem sie sich an einer Spindel gestochen hat, in einen hundertjährigen Schlaf fiel und alles mit ihr stehenblieb. Wie kann das nur sein? Dank Prinz Phillip erwacht sie wieder, doch was danach geschieht, konnte niemand ahnen. Den darauffolgenden Tag wacht sie plötzlich mitten in einem Wald auf. Vollkommen allein. Bis sie auf zwei Kinder trifft, die bereits drei Tage im Wald herumirren und sich als Hänsel und Gretel vorstellen. Damit beginnt das Abenteuer für das junge Dornröschen erst richtig, denn die Geschwister sind in großer Not. Doch was hat es eigentlich mit der mysteriösen Kette, die sie auf einmal um ihren Hals spürt, auf sich? Wieso ist sie ständig so müde und verträumt? Wie kann es sein, dass sie plötzlich an einem ihr fremden Ort erwacht und wann wird sie wieder zu Hause sein? Wie soll sie wieder heimkehren, wenn sie nicht weiß, wie sie in den Wald gekommen ist? Nicht nur all diese Fragen sind es, die Dornröschen plagen; sie fühlt sich ständig beobachtet und es scheint, als sei sie nie allein. Wer kann das nur sein? Dornröschen mal ganz anders. Von Hänsel und Gretel bis Aschenputtel ist das Abenteuer vorprogrammiert! Für alle Märchenliebhaber, die zu ein wenig Abwechslung auch nicht Nein sagen!

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Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Verträumt

Die Märchenreise

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

100 Jahre später …

„Knusper, knusper, knäuschen …“

„Den roten Backen iss du, den weißen will ich essen“

„Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“

„Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich“

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Morgen ist mein Geburtstag. Endlich werde ich sechzehn! Schon seit einer gefühlten Ewigkeit freue ich mich auf diesen Tag und auch meine Eltern scheinen ziemlich glücklich. Ehrlich gesagt scheinen sie ziemlich erleichtert, auch, wenn ich mir dies nicht wirklich erklären kann. Doch sie haben schon angedeutet, dass ich ab meinem sechzehnten Lebensjahr mehr Freiraum habe und sie nicht mehr so viel klammern. Natürlich liebe ich meine Eltern und es hat mich auch nicht gestört, dass ich die meiste Zeit im Schloss mit ihnen verbracht habe, doch langsam spüre ich das Verlangen, mehr von der Welt zu sehen. Zu leben. Zu entdecken.

Staunend und bewundernd gehe ich durch den großen Ballsaal, der soeben für meine anstehende Feier geschmückt wird. Alles funkelt und strahlt und ich hüpfe fröhlich unter den Kronleuchtern entlang. Da steigt mir ein wunderbarer Duft in die Nase und ich beschließe kurzerhand in die Küche zu gehen. Vielleicht gibt es ja etwas zu helfen?

„Das wird der beste Geburtstag, den ich je hatte“, rufe ich begeistert, denn die lockere Stimmung ist im gesamten Schloss zu spüren. Deutlich zu spüren. So war es noch nie und ich bin sehr optimistisch, dass es nun so bleiben wird.

Als ich die mir riesig erscheinende Torte entdecke, stockt mir der Atem. „Die ist absolut umwerfend, Susanna!“

„Danke, Herzchen. Wir wollen doch alle, dass du einen wundervollen Geburtstag hast!“

Während sie die Creme auf die sechsstöckige Torte streicht, zwinkert sie mir liebevoll zu und ich schlendere langsam zu ihr hin um probieren zu können. Blitzschnell stecke ich meinen Finger in die Schüssel und kassiere von Susanna einen bösen Blick, von dem ich jedoch weiß, dass er nicht ernst gemeint ist. Lachend renne ich aus der Küche und in diesem Moment scheint mein Leben einfach nur perfekt. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht laufe ich die Treppe hinauf in das Zimmer meiner Eltern, denn mir ist soeben etwas eingefallen: Meine Eltern denken zwar, ich wüsste es nicht, doch ich habe mitgehört, wie sie über mein Geburtstagsgeschenk geredet haben. Dieses Mal sollte es etwas ganz Besonderes sein und deswegen haben sie für mich ein Kleid anfertigen lassen. Ja, ich weiß, ich habe gelauscht und man schaut seine Geschenke vorher nicht an, doch ich bin so neugierig und aufgeregt, dass ich es einfach nicht mehr länger aushalten kann!

Da meine Eltern noch letzte Besorgungen erledigen, schlüpfe ich vorsichtig durch die Tür, die jedoch so alt ist, dass sie jedes Mal, wenn man sie öffnet oder schließt, ein knarrendes Geräusch von sich gibt. Ich kneife die Augen zusammen und warte ab, ob sich etwas im Schloss rührt, doch alles bleibt still. Zum Glück. Erst jetzt bemerke ich, dass ich die ganze Zeit den Atem angehalten habe und hole tief Luft.

Zielstrebig gehe ich in den angrenzenden Ankleideraum, der sich rechts von mir befindet. Und da sehe ich es. Ich spüre, dass es meins ist und reiße schwungvoll das Laken von dem Mannequin. In diesem Moment scheint es, als würde die Welt stehen bleiben und nur mich und dieses wundervolle Kleid geben. Alles daran ist perfekt: Meine Hoffnung, dass es rosa ist, hat sich bewahrheitet, es funkelt und glitzert und strahlt wie die Sonne höchstpersönlich. Trotz des Glitzers und der Perlen ist es dezent, hat aber einen aufregenden Touch. Ich liebe alles daran. Alles.

Nein, Dornröschen, du wirst es jetzt nicht anprobieren, spreche ich mir selbst zu und stehe eine Weile nervös davor, während Engelchen und Teufelchen eine angeregte Debatte darüber führen, ob ich es anziehen sollte oder nicht. Letztendlich kann ich nicht widerstehen und werfe alle Bedenken über Bord.

Als ich mein neues Lieblingskleid trage, drehe ich mich euphorisch um mich selbst und bewundere mich im Spiegel. Jetzt, da ich es an mir selbst sehe, gefällt es mir noch besser und ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das Kleid ist so wundervoll, dass ich gar keine Worte dafür finde, es zu beschreiben.

Plötzlich höre ich Schritte auf dem Flur und schrecke zusammen. Sind das meine Eltern? Wie spät ist es? Kann es wirklich sein, dass sie schon zurück sind? Doch anstatt dass das Knarren der Tür ertönt, höre ich, wie jemand an ihr vorbei geht. Verwundert starre ich die Tür an, als ob diese mir sagen könnte, wo die Person hingeht. Kurzentschlossen drehe ich mich auf dem Absatz um und strecke meinen Kopf auf den Flur. Dort, wo der Flur normalerweise endet, erstreckt sich mir eine alte Wendeltreppe und ich sehe soeben noch einen Schatten hinauf huschen.

Mein Herz klopft mir bis zum Hals und doch ist meine Neugier geweckt. Ich hebe mein Kleid an und gehe eisernen Schrittes auf die Treppe zu. Meine Gedanken sind auf Hochtouren. Wie kann das nur sein? In diesem Bereich des Schlosses war ich zwar kaum, doch ich müsste doch wissen, dass es hier eine Treppe gibt? Nein, ich bin sicher, hier ist normalerweise eine Wand. Oder nicht? Ganz in Gedanken vertieft, setze ich einen Fuß vor den anderen und habe nur ein Ziel: Herausfinden, wohin dieses Mysterium führt.

Die Wendeltreppe scheint kein Ende zu nehmen, mir wird langsam schwindelig und ich muss kurz stehen bleiben. Laut schnaufend schaue ich um die Ecke und stelle mit Freude fest, dass ich in einen langen Gang blicke.

„Geschafft“, pruste ich und gehe auf die einzige Tür in dem einsamen Gang zu. Was verbirgt sich nur dahinter? So bizarr es auch scheinen mag: Ich habe das Gefühl, es beobachte mich jemand und ein kalter Wind streift mich. Augenblicklich bekomme ich eine Gänsehaut und Kälte durchströmt meinen Körper. Mit all meiner Kraft lehne ich mich gegen die Tür, damit sie sich öffnet und stehe plötzlich in einem kleinen Turmzimmer, das nur spärlich eingerichtet ist. Einzig ein schönes, mit Gold verziertes Himmelbett steht dort und die Frau, der ich hinterhergelaufen bin, sieht mich lächelnd an.

„Guten Tag“, sage ich noch etwas zurückhaltend. „Was machen Sie da?“

„Ich spinne“, antwortet die alte Dame.

„Und was genau ist das für ein Ding, auf dem Sie da spinnen?“

„Das hier, mein liebes Mädchen, ist ein Spinnrad.“ Ich nicke, obwohl ich nicht ganz genau weiß, was ich damit anfangen soll. „Möchtest du es selbst mal probieren?“

Ohne darüber nachzudenken, nicke ich erneut und gehe zu der netten Frau herüber. „Aber ich weiß gar nicht, was ich machen muss“, meine ich etwas nervös.

„Es ist nicht schwer, ich zeige es dir. Komm, mein Kind, hab keine Scheu. Hier, die Spindel“, spricht die alte Dame aufmunternd.

Kaum berühre ich sie, da steche ich mir in den Finger und urplötzlich überkommt mich ein unendlich starkes Gefühl der Müdigkeit. Vor meinen Augen verschwimmt alles und ich erkenne nur noch die Umrisse der alten Dame. Bilde ich mir das ein oder lacht gerade jemand? Aber das ist kein normales Lachen oder? Meine Gedanken scheinen wie in Zeitlupe in meinem Kopf herumzugeistern und es fällt mir schwer, die Situation zu begreifen. Ist das ein hysterisches Lachen? Hört es sich für mich nur so an, oder klingt es tatsächlich böse? Was ist los mit mir? Ich beginne zu schwanken und das Lachen dringt immer gedämpfter zu mir, als würde ich mich immer weiter entfernen. Ich fühle mich taub und als würde ich auf einer kleinen Wolke davon schweben. Mein Kopf fühlt sich schwer an und in meinen Ohren rauscht es.

Die Welt scheint sich um mich zu drehen, ich verliere das Gleichgewicht und falle nach hinten auf etwas Weiches. Mein Körper scheint sich diesem Untergrund anzuschmiegen und ich spüre nichts anderes mehr.

Das Letzte, was ich realisiere, ist eine leise Stimme, die mir mit einem gehässigen Unterton zuflüstert: „Schlaf schön, mein Liebes.“

Dann wird alles schwarz.

100 Jahre später …

Weiche Lippen auf meinen. Das ist das erste, was ich spüre. Es ist nur eine kurze, zärtliche Berührung, doch sie lässt mich wieder zu Bewusstsein kommen. Ich schlage die Augen auf und blicke in das Gesicht eines jungen Mannes. Schüchtern und mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht sehe ich ihn freundlich an. Er weicht mit seinem Kopf etwas zurück, dennoch schaut er mich grinsend an und mein ganzer Körper scheint zu kribbeln. Schmetterlinge tanzen in meinem Bauch und ich kann nicht aufhören zu lächeln.

Doch plötzlich stürmen alle Erlebnisse auf mich ein: Die Treppe. Die Frau. Das Zimmer. Das Spinnrad. Die Spindel. Die Lache. Ich bekomme eine Gänsehaut.

Schnell fahre ich hoch, werde jedoch sofort von einem heftigen Schwindelanfall überfallen, sodass ich mich direkt wieder hinlegen muss und mein persönlicher Held wieder an meiner Seite ist.

„Dornröschen, alles in Ordnung? Geht es dir nicht gut?“, fragt er besorgt.

„Du kennst meinen Namen?“, frage ich verwundert und reibe mir meine Augen, die sich noch wehren, offen zu bleiben.

„Jeder kennt ihn. Schließlich hast du auch hundert Jahre geschlafen. Es wollten schon viele durch die dichte Dornenhecke, die sich um das Schloss bildete, dringen, doch sie sind alle gescheitert.“

Ich weiß nicht, was ich zuerst denken oder tun soll. Hundert Jahre?! Mein Gott, wie mag ich nun wohl aussehen? Dornenhecke?

In dem Moment deutet der mir noch immer namenlose, aber zweifelsohne sehr gut aussehende junge Mann nach draußen und ich habe das Gefühl, ich sei im Paradies. Überall wachsen wunderschöne rote Rosen und verleihen dem Schloss eine unbeschreiblich schöne und romantische Atmosphäre, die kaum zu beschreiben ist.

„Und hab keine Angst, du siehst wunderschön aus“, höre ich da eine flüsternde Stimme dicht an meinem Ohr, die mir eine Gänsehaut beschert. Ich drehe meinen Kopf in seine Richtung , sodass unsere Nasenspitzen sich fast berühren und merke, wie mein Herz anfängt, stark zu pochen, als wolle es mir aus der Brust springen.

„Verrätst du mir nun deinen Namen?“, hauche ich und sehe in seine wunderschönen blauen Augen.

„Phillip. Prinz Phillip.“ Zärtlich streicht er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sieht mich lächelnd an.

Ich bin unschlüssig, wie ich reagieren soll, doch er kommt mir zuvor: „Bitte, nenn mich einfach Phillip und vergiss den Prinzen.“ Ich nicke lächelnd. „Denn das ist unbedeutend. Ich würde dich genauso lieben, wärst du eine Magd, mein schönes Dornröschen.“

Glücksgefühle strömen von meinem Bauch in meinen gesamten Körper und ich kann einfach nicht aufhören zu grinsen. Da umfasst Phillip meinen Kopf mit seinen Händen und küsst mich. In diesem Moment scheint die Zeit still zu stehen und ich wünsche mir, weitere hundert Jahre würden so vergehen.

Als wir uns voneinander lösen, trifft mich ein Sonnenstrahl auf der Wange und die Wärme, die ich dort spüre, spüre ich im gesamten Körper.

Vorsichtig taste ich mein Gesicht ab und Phillip fängt an zu lachen. „Ich habe dir doch gesagt, dass du wunderschön aussiehst.“ Schon im nächsten Augenblick wird er wieder ernst und sieht mich intensiv an. „Alles an dir ist perfekt.“ Ich merke, wie mir die Röte ins Gesicht steigt und wende meinen Blick ab. Vorsichtig versuche ich nun aufzustehen und als ich mit beiden Beinen auf dem Boden stehe, strömt alles auf einmal auf mich ein. Mutter. Vater. Was ist mit ihnen? Wieso habe ich hundert Jahre lang geschlafen? Ich bin zwar etwas müde, doch müsste ich mich nicht eigentlich ganz anders fühlen nach hundert Jahren? Müsste ich nicht alles noch mal neu lernen? Sprechen? Laufen? Mich bewegen? Müsste ich nicht eigentlich tot sein? Wie kommt es, dass ich während dieser hundert Jahre nicht gealtert bin?

„… mich heiraten?“, höre ich da eine Stimme wieder in mein Bewusstsein dringen. Phillip sieht mich erwartungsvoll an und schon wieder färben meine Wangen sich rosarot.

„Wie bitte?“, stammle ich und als ich in sein enttäuschtes Gesicht schaue, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. „Tut mir leid, ich war ganz in Gedanken.“

„Ich werde aber nicht alles wiederholen, was ich soeben gesagt habe“, meint er und grinst mich an. Erleichtert atme ich aus und gehe zwei Schritte auf ihn zu. „Dann wiederhole nur das Wichtigste“, flüstere ich. Phillip schluckt.

„Mein liebes, wunderschönes Dornröschen“, haucht er, „möchtest du meine Frau werden?“

In diesem Moment ist alles andere egal. Es existieren nur wir beide. Nur er und ich. Anstatt zu antworten, beuge ich mich zu ihm und küsse ihn erneut; dies scheint mir Antwort genug. „Aber ich muss erst Vater bitten“, meine ich dann und Angst durchflutet mich. Angst, er könnte etwas dagegen haben. Doch in Phillip habe ich meine andere Hälfte gefunden. Es scheint, als würden wir uns schon viel länger kennen, uns schon unser gesamtes Leben lang lieben.