Verlag: ROWOHLT E-Book Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2011

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E-Book-Beschreibung Verwesung - Simon Beckett

Von Tina Williams und den Bennett-Zwillingen fehlt jede Spur. Die Bewohner von Dartmoor bangen um ihre Kinder. Als der Außenseiter Jerome Monk bei dem Überfall auf ein viertes Mädchen gefasst wird und die Morde gesteht, sind alle erleichtert. Doch Monk weigert sich zu verraten, wo die Opfer begraben sind.
Bis in den Sümpfen von Dartmoor eine Leiche gefunden wird. David Hunter kann Tina Williams identifizieren. Mit Hilfe der Profilerin Sophie versuchen David und sein Freund Detective Terry Connors, auch die anderen beiden Mädchen zu finden. Eine großangelegte Suchaktion im Moor endet jedoch in einem Desaster.
Acht Jahre später bricht Jerome Monk aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus und scheint sich an allen, die damals an der Suche beteiligt waren, rächen zu wollen. Vor allem an Sophie, die ihm damals ihre Hilfe angeboten hat. David versucht, ihn zu stoppen, doch Monk kennt das Dartmoor besser als jeder andere ...
«Becketts Psychothriller sind so unglaublich spannend, dass man mit klopfendem Herzen dasitzt und bei jedem kleinsten Geräusch aufschreckt.» (stern.de)

Meinungen über das E-Book Verwesung - Simon Beckett

E-Book-Leseprobe Verwesung - Simon Beckett

Simon Beckett

Verwesung

Thriller

Aus dem Englischen von Andree Hesse

Ihr Verlagsname

Über dieses Buch

Von Tina Williams und den Bennett-Zwillingen fehlt jede Spur. Die Bewohner von Dartmoor bangen um ihre Kinder. Als der Außenseiter Jerome Monk bei dem Überfall auf ein viertes Mädchen gefasst wird und die Morde gesteht, sind alle erleichtert. Doch Monk weigert sich zu verraten, wo die Opfer begraben sind.

Bis in den Sümpfen von Dartmoor eine Leiche gefunden wird. David Hunter kann Tina Williams identifizieren. Mit Hilfe der Profilerin Sophie versuchen David und sein Freund Detective Terry Connors, auch die anderen beiden Mädchen zu finden. Eine großangelegte Suchaktion im Moor endet jedoch in einem Desaster.

Acht Jahre später bricht Jerome Monk aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus und scheint sich an allen, die damals an der Suche beteiligt waren, rächen zu wollen. Vor allem an Sophie, die ihm damals ihre Hilfe angeboten hat. David versucht, ihn zu stoppen, doch Monk kennt das Dartmoor besser als jeder andere …

 

«Becketts Psychothriller sind so unglaublich spannend, dass man mit klopfendem Herzen dasitzt und bei jedem kleinsten Geräusch aufschreckt.» (stern.de)

Über Simon Beckett

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Seine Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter wird rund um den Globus gelesen. ‹Verwesung› ist nach ‹Die Chemie des Todes›, ‹Kalte Asche› und ‹Leichenblässe› der vierte Band in der Reihe. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.

 

Weitere Informationen zum Autor

Erfahren Sie mehr über Simon Beckett und entdecken Sie spannende Hintergrundinformationen und spannende Aktionen auf www.simon-beckett.de und facebook.com/SimonBeckett.de

Inhaltsübersicht

WidmungPrologVor acht JahrenKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Die GegenwartKapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26Kapitel 27Kapitel 28Kapitel 29Kapitel 30Kapitel 31Danksagung

Für Hilary

Prolog

Eins. Zwei. Acht.

Die Ziffern des Zerfalls. In diesem Verhältnis verwesen alle Organismen, ob groß oder klein. An der Luft, im Wasser, unter der Erde. Bei gleichen klimatischen Bedingungen wird eine Leiche im Wasser zweimal so lange brauchen, um zu verwesen, wie eine an der Oberfläche. Unter der Erde wird es achtmal so lange dauern. Eins. Zwei. Acht. Eine einfache Formel – und eine unveränderliche Wahrheit.

Je tiefer etwas vergraben ist, desto länger wird es überdauern.

Vergräbt man eine Leiche, schützt man sie vor den Insekten, die sich von verdorbenem Fleisch ernähren. Auch die Mikroorganismen, die normalerweise das Gewebe zersetzen, können ohne Luft nicht existieren, und die kühlende Isolierung der dunklen Erde verzögert das Einsetzen des Zerfalls. Jene biochemischen Reaktionen, die normalerweise die Zellen auflösen, werden durch die niedrige Temperatur verlangsamt. Ein Prozess, der unter anderen Umständen nur Tage oder Wochen braucht, kann Monate dauern. Sogar Jahre.

Manchmal noch länger.

Ohne Licht und Luft und Wärme kann eine Leiche für fast unbestimmte Zeit konserviert werden. Tief unter der Erde, geschützt vor den Witterungseinflüssen, überdauert sie.

Doch auch hier gelten die Regeln von Ursache und Wirkung. Genauso wie in der Natur nichts vollständig zerstört werden kann, kann nichts wirklich verlorengehen. Egal wie tief eine Leiche vergraben ist, es wird immer Hinweise geben, die ihr Versteck verraten. Eins. Zwei. Acht.

Nichts bleibt für immer verborgen.

Vor acht Jahren

Kapitel 1

«Wie war der Name?»

Das Gesicht der Polizistin war kalt, in jeder Hinsicht. Ihre Wangen waren rissig und rot, ihre weite gelbe Jacke glitzerte vom Nebel, der sich über das Land gelegt hatte. Sie betrachtete mich mit unverhohlener Abneigung, als machte sie mich nicht nur für das schlechte Wetter verantwortlich, sondern auch dafür, dass sie an einem solchen Tag draußen im Moor stehen musste.

«Dr. David Hunter. Ich gehöre zum forensischen Team. Detective Chief Superintendent Simms erwartet mich.»

Mit mehr als deutlichem Widerwillen betrachtete sie ihr Klemmbrett und hob dann das Funkgerät. «Hier ist jemand, der zum Ermittlungsleiter will. Ein Mr. David Hunter.»

«Doktor», korrigierte ich sie.

Mit einem Blick machte sie mir klar, dass ihr diese Unterscheidung völlig egal war. Aus dem Funkgerät kam ein Rauschen, dann sagte jemand ein paar Worte, die ich nicht verstehen konnte. Die Laune der Polizistin verbesserten sie jedenfalls nicht. Mit einem letzten mürrischen Blick trat sie zur Seite und winkte mich durch.

«Immer geradeaus, bis zu den anderen Fahrzeugen», sagte sie frostig.

«Vielen Dank auch», brummte ich und fuhr an.

Der ganze Wagen war in einen dichten Nebelschleier gehüllt, der sich nur manchmal lichtete, um das düstere, feuchte Moorland vor der Windschutzscheibe erahnen zu lassen. Nach einer Weile sah ich die Fahrzeuge der Polizei, die auf einem relativ ebenen Abschnitt parkten. Ein Polizist winkte mich heran, und der Citroën holperte und schlingerte über den matschigen Boden, bis ich einen freien Platz gefunden hatte.

Ich machte den Motor aus und streckte mich. Es war eine lange Fahrt gewesen, und ich hatte keine Pause gemacht. Meine Neugier war stärker gewesen als meine Erschöpfung. Simms war nicht ins Detail gegangen, er hatte mir am Telefon nur gesagt, dass im Dartmoor ein Grab gefunden worden war und er mich bei der Bergung dabeihaben wollte. Es hatte nach einem jener Routinefälle geklungen, zu denen ich mehrere Male im Jahr hinzugezogen wurde. Doch seit zwölf Monaten verband man die Worte Mord und Dartmoor nur mit einem Mann.

Jerome Monk.

Monk war ein Serienmörder und Vergewaltiger, der vier Morde an jungen Frauen gestanden hatte. Zwei von ihnen waren noch minderjährig gewesen, ihre Leichen hatte man nie gefunden. Sollte hier eine dieser Leichen liegen, bestand die Möglichkeit, dass auch die anderen in der Nähe waren. Ihre Bergung und Identifikation würde eine der größten Ermittlungen des Jahrzehnts werden.

Und ich wollte unbedingt daran beteiligt sein.

 

«Man hat immer vermutet, dass er dort seine Opfer vergraben hat», hatte ich am Morgen in der Küche zu meiner Frau Kara gesagt, während ich mich hastig fertig machte und meine Sachen zusammensuchte. Wir wohnten bereits seit über einem Jahr in dem alten Haus in South West London, aber ohne Karas Hilfe fand ich mich noch immer nicht zurecht. «Dartmoor ist ein riesiges Gebiet, aber so viele Leichen können dort nicht liegen.»

«David», mahnte Kara und schaute hinüber zu Alice, die gerade frühstückte. Ich zuckte zusammen und warf ihr einen schuldbewussten Blick zu. Normalerweise erwähnte ich die grausigen Einzelheiten meiner Arbeit nicht in Anwesenheit unserer fünf Jahre alten Tochter, doch dieses Mal hatte ich mich von meinem Enthusiasmus mitreißen lassen.

«Was sind Opfer?», fragte Alice und betrachtete konzentriert, wie der Erdbeerjoghurt von ihrem Löffel tropfte. Nachdem sie vor kurzem beschlossen hatte, viel zu alt für Cornflakes zu sein, war Joghurt ihr Lieblingsessen.

«Das ist nur Papas Arbeit», sagte ich und hoffte, dass sie nicht weiter nachfragen würde. Sie hatte noch genug Zeit, etwas über die dunkleren Aspekte des Lebens zu erfahren, wenn sie älter war.

«Warum sind sie vergraben? Sind sie tot?»

«Komm, Liebling, iss dein Frühstück auf», sagte Kara. «Papa muss gleich los, und wir wollen nicht zu spät zur Schule kommen.»

«Wann kommst du zurück?», fragte Alice mich.

«Bald. Ehe du dichs versiehst, bin ich wieder zu Hause.» Ich hob sie hoch. Ihr kleiner Körper war warm und unglaublich leicht, trotzdem erstaunte es mich immer wieder, wie groß sie geworden war. Mir kam es so vor, als wäre sie noch gestern ein Baby gewesen. Werden alle Kinder so schnell groß? «Wirst du ein liebes Mädchen sein, solange ich weg bin?»

«Ich bin immer ein liebes Mädchen», sagte sie empört. Sie hatte noch den Löffel in der Hand, von dem nun Joghurt auf die Notizen tropfte, die ich auf den Tisch gelegt hatte.

«Oje», Kara riss ein Stück von der Küchenrolle und wischte die Papiere ab. «Das gibt einen Fleck. Ich hoffe, sie sind nicht wichtig.»

Alice schaute mich verzagt an. «Tut mir leid, Papa.»

«Nichts passiert.» Ich gab ihr einen Kuss, setzte sie ab und packte meine Notizen zusammen. Das oberste Blatt hatte einen klebrigen Joghurtfleck. «Ich fahr dann mal los.»

Kara folgte mir in den Flur, wo bereits meine Tasche stand. Ich nahm sie in den Arm. Ihr Haar roch nach Vanille.

«Ich ruf dich später an. Dann weiß ich bestimmt schon, wie lange ich bleiben muss. Hoffentlich nur ein paar Tage.»

«Fahr vorsichtig», sagte sie.

Wir waren beide an meine Reisen gewöhnt. Ich war einer der wenigen forensischen Anthropologen des Landes, und es gehörte zu meinem Job, dass ich dorthin fahren musste, wo gerade eine Leiche gefunden wurde. In den letzten Jahren war ich sowohl im Ausland als auch überall in England zu Ermittlungen gerufen worden. Meine Arbeit war häufig grausig, aber in jedem Fall notwendig, und ich war nicht nur auf meine Fähigkeiten, sondern auch auf meinen immer besser werdenden Ruf stolz.

Dennoch fiel mir die Trennung von meiner Frau und meiner Tochter jedes Mal schwer. Aber es sollte ja nur für ein paar Tage sein.

 

Ich stieg aus dem Wagen und trat vorsichtig auf das matschige Gras. Die Luft roch nach Feuchtigkeit, Laub und Abgasen. Ich ging zum Kofferraum, zog einen Overall aus dem Karton mit Einwegschutzkleidung und schlüpfte hinein. Für gewöhnlich wurde man von der Polizei ausgestattet, doch ich hatte gerne meine eigenen Sachen dabei. Nachdem ich den Reißverschluss des Overalls hochgezogen hatte, nahm ich den Aluminiumkoffer mit meinem Equipment heraus. Bis vor kurzem hatte mir ein alter, abgewetzter Koffer genügt, aber Kara fand, dass ich damit wie ein Vertreter aussah und professioneller auftreten müsste.

Als ich gerade zwischen den geparkten Polizeifahrzeugen hindurchging, hielt ein Wagen an. Die hellgelbe Karosserie hätte mir eigentlich gleich bekannt vorkommen müssen, aber ich war zu abgelenkt und achtete nicht weiter darauf, bis jemand rief.

«Hast du also hergefunden?»

Ich schaute mich um und sah zwei Männer aus dem Wagen steigen. Der eine war klein und hatte vorstehende Zähne und eine spitze Nase. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber den jüngeren Mann an seiner Seite erkannte ich sofort. Groß und gutaussehend und mit den breiten Schultern eines Athleten kam er selbstbewusst heranstolziert. Ich hatte nicht damit gerechnet, Terry Connors hier zu sehen, doch seinen Wagen hätte ich erkennen müssen. Der protzige Mitsubishi war sein ganzer Stolz und setzte sich deutlich von den unauffälligen Autos ab, die die Kriminalpolizei für gewöhnlich benutzte.

Ich lächelte, obwohl ich wie immer gemischte Gefühle hatte, wenn ich auf ihn traf. Einerseits freute es mich, im unpersönlichen Polizeiapparat ein bekanntes Gesicht zu sehen, andererseits herrschte zwischen Terry und mir aus irgendeinem Grund immer eine Befangenheit, die sich nie ganz auflöste.

«Ich wusste nicht, dass du an der Ermittlung beteiligt bist», sagte ich, als die beiden vor mir standen.

Er grinste, wie immer ein Kaugummi zwischen den Zähnen. Seitdem ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, hatte er ein bisschen abgenommen, sodass seine kantigen Züge ausgeprägter geworden waren. «Ich bin stellvertretender Ermittlungsleiter. Was glaubst du, wer ein Wort für dich eingelegt hat?»

Ich rang mir ein Lächeln ab. Als ich Terry Connors zum ersten Mal begegnet war, war er Detective Inspector bei der Londoner Polizei gewesen, aber wir hatten uns nicht durch die Arbeit kennengelernt. Seine Frau Deborah war zur gleichen Zeit schwanger gewesen wie Kara und hatte zufällig denselben Kurs zur Geburtsvorbereitung besucht. Während die beiden Frauen sich angefreundet hatten, waren Terry und ich uns zunächst voller Argwohn begegnet. Abgesehen von den Überschneidungen unserer Berufe, hatten wir wenig gemeinsam. Er war äußerst ehrgeizig und sah in jedem einen Konkurrenten; ein typischer Sportsmann, für den die Karriere nur eine weitere Arena war, in der er sich Lorbeeren verdienen konnte. Seine Selbstgefälligkeit und Angeberei konnten einem ziemlich auf die Nerven gehen, doch der Erfolg bei den Fällen, die er mir zugeschustert hatte, war für uns beide kein Nachteil gewesen.

Dann – wieso, war mir bis heute nicht klar – hatte er vor gut einem Jahr überraschend die Londoner Polizei verlassen. Angeblich wollte Deborah näher bei ihrer Familie in Exeter sein, doch für jemanden wie Terry war der Wechsel vom hektischen und glamourösen London nach Devon ein nicht nachvollziehbarer Karriereschritt.

Kurz vor ihrem Umzug waren wir noch einmal mit den beiden essen gegangen, doch zwischen Terry und seiner Frau hatte die ganze Zeit eine kaum unterdrückte Anspannung geherrscht, sodass wir regelrecht erleichtert waren, als es vorbei war. Kara und Deborah hatten sich danach ziemlich erfolglos und eher aus Höflichkeit bemüht, Kontakt zu halten, und ich hatte Terry seit diesem Abend weder gesehen noch gesprochen.

Aber wenn er stellvertretender Ermittlungsleiter bei einem derart wichtigen Fall war, ging es ihm offenbar gut. Ich hätte gedacht, dass eine solche Verantwortung bei einem ranghöheren Beamten als einem Detective Inspector liegen würde.

Angesichts des Drucks, unter dem er stehen musste, war es kein Wunder, dass er abgenommen hatte.

«Ich hatte mich schon gefragt, woher Simms meinen Namen hat», sagte ich. Obwohl ich mittlerweile ein anerkannter Berater der Polizei war, erhielt ich die meisten Aufträge durch Empfehlungen. Ich hätte mir nur gewünscht, für eine so große Ermittlung nicht gerade von Terry Connors empfohlen worden zu sein.

«Ich habe ordentlich Reklame für dich gemacht, also enttäusch mich nicht.»

Ich unterdrückte meinen Ärger. «Ich werde mich bemühen.»

Er deutete mit dem Daumen auf den kleineren Mann neben sich. «Das ist DC Roper. Bob, das ist David Hunter, der forensische Anthropologe, von dem ich dir erzählt habe. Er kann dir mehr über verweste Leichen sagen, als du wissen willst.»

Der Detective Constable grinste mich an. Auch sein Kinn war spitz, die vorstehenden Zähne waren von Nikotin verfärbt, und seinen Augen entging nicht viel. Als er nickte, verströmte er einen Hauch billigen Rasierwassers.

«Dann ist das hier ja genau das Richtige für Sie», sagte er mit nasaler Stimme im regionalen Dialekt. «Besonders wenn wir finden, womit alle rechnen.»

«Noch wissen wir nicht, was uns erwartet», wies ihn Terry barsch zurecht. «Geh schon mal los, Bob. Ich möchte kurz mit David sprechen.»

Die Abweisung grenzte an Unhöflichkeit. Der Blick des anderen Mannes wurde etwas härter, doch er grinste unbeirrt weiter. «Wie Sie wollen, Chef.»

Terry schaute ihm grimmig hinterher. «Nimm dich vor Roper in Acht. Er ist das Schoßhündchen des Ermittlungsleiters. Ein Arschkriecher vor dem Herrn.»

Anscheinend gab es persönliche Konflikte im Team, aber Terry legte sich sowieso mit jedem an. Und ich hatte keine Lust, in irgendetwas hineingezogen zu werden. «Gibt es Meinungsverschiedenheiten wegen der Leiche?»

«Das nicht, aber jeder hofft inständig, dass es ein Opfer von Monk ist.»

«Was denkst du?»

«Ich habe keine Ahnung. Wir sind hier, um das herauszufinden. Und wir dürfen uns keine Fehler erlauben.» Er holte tief Luft und wirkte angespannt. «Egal, komm, hier entlang. Simms ist schon dort, lass ihn lieber nicht warten.»

«Was ist er für ein Typ?», fragte ich, als wir über die Straße zu ein paar Wohnwagen und Containern gingen.

«Ein humorloses Arschloch. Keiner, mit dem man Ärger haben will. Aber zumindest ist er nicht dumm. Weißt du, dass er auch der Leiter der ursprünglichen Mordermittlung war?»

Ich nickte. Simms war im vergangenen Jahr zu einiger Berühmtheit gelangt, als er Jerome Monk hinter Gitter brachte. «Das wird seiner Karriere nicht geschadet haben.»

Ich hatte das Gefühl, in Terrys Grinsen lag eine Spur Verbitterung. «Kann man wohl sagen. Angeblich hat er es auf den Stuhl des Assistant Chief Constable abgesehen. Diese Sache hier könnte dafür entscheidend sein, er wird also Ergebnisse erwarten.»

Da ist er nicht der Einzige, dachte ich und musterte Terry, dessen nervöse Energie beinahe mit Händen zu greifen war. Aber das war angesichts seiner Funktion bei dieser wichtigen Ermittlung im Grunde kein Wunder.

Wir hatten die Wohnwagen und Container erreicht. Sie waren an einem Feldweg aufgestellt worden, der von der Straße abzweigte. Dazwischen verliefen dicke schwarze Kabel, und die neblige Luft war voll von den Abgasen der knatternden Generatoren. Terry blieb vor dem Trailer der Ermittlungsleitung stehen. «Du findest Simms draußen beim Grab. Wenn ich rechtzeitig zurück bin, kannst du mir einen Drink ausgeben. Wir wohnen im selben Hotel.»

«Kommst du nicht mit?», fragte ich überrascht.

«Hat man ein Grab gesehen, hat man alle gesehen.» Er wollte flapsig klingen, aber es gelang ihm nicht ganz. «Ich bin nur hier, um ein paar Papiere abzuholen. Ich habe eine lange Fahrt vor mir.»

«Wohin?»

«Erzähl ich dir später. Aber drück mir die Daumen.»

Er stieg in den Wohnwagen. Kurz fragte ich mich, wofür ich ihm die Daumen drücken sollte, doch ich musste mich im Moment um andere Dinge kümmern als um Terrys Spielchen.

Ich wandte mich ab und schaute hinaus aufs Moor.

Im Nebeldunst breitete sich die kahle Landschaft vor mir aus. Es gab keine Bäume, nur vereinzelte dunkle, stachelige Ginsterbüsche, und zwischen der Heide, den Felsen und dem dicken, faserigen Gras ragte hin und wieder winterbrauner Farn hervor. Hinter der Straße neigte sich das Gelände sanft, ehe es in einem langen Hang wieder anstieg. Auf dem ungefähr einen halben Kilometer entfernt gelegenen Kamm war die gedrungene, langgestreckte Felsformation zu sehen, die Simms am Telefon erwähnt hatte.

Black Tor.

Im Dartmoor gibt es einige solcher verwitterten Felstürme, die wie Karbunkel aus dem Moor ragen. Doch das Profil des Black Tor war unverkennbar. Die breite, platte Formation, die sich vor dem Himmel abzeichnete wie vom Kind eines Riesen aufeinandergestapelte Bauklötze, sah nicht dunkler aus als die anderen Tors, die ich gesehen hatte, der Name bezog sich also vielleicht auf irgendeine dunkle Geschichte in der Vergangenheit. Kein Wunder, dass sich die Medien sofort geifernd darauf gestürzt hatten. Zumal es sich um Monks Friedhof handelte.

 

Nach Simms’ Anruf hatte ich mich im Internet über den Fall informiert. Monk war der Traum eines jeden Journalisten. Ein Außenseiter und Einzelgänger, der seinen unsicheren Lebensunterhalt als Gelegenheitsarbeiter mit Wilderei und Diebstahl aufbesserte, zudem ein Waisenkind, dessen Mutter bei seiner Geburt gestorben war, wodurch einige Gazetten sich zu dem Kommentar hatten hinreißen lassen, sie sei sein erstes Opfer gewesen. Häufig wurde er in der Regenbogenpresse als Zigeuner beschrieben, was allerdings nicht stimmte. Obwohl er den größten Teil seines Lebens in einem Wohnwagen in der Gegend von Dartmoor verbracht hatte, war er vom reisenden Volk genauso gemieden worden wie vom Rest der Gesellschaft. Unberechenbar und zu brutalen Gewaltausbrüchen neigend, stimmte sein Charakter exakt mit seinem Äußeren überein.

Wenn jemand wie ein Mörder aussah, dann Monk.

Mit seinen schon beinahe unheimlichen Kräften war er eine groteske Gestalt, eine Laune der Natur. Die Fotos und Filmaufnahmen von seinem Prozess zeigten einen Koloss von einem Mann, in dessen kahlen Riesenschädel mürrische Züge eingekerbt waren. Seine schwarzen Knopfaugen waren leblos wie die einer Puppe, der Mund schien ständig höhnisch zu grinsen. Noch beunruhigender war die Delle in seiner Stirn – als hätte sich ein riesiger Daumen in einen Lehmklumpen gedrückt. Diese Verunstaltung war nicht nur furchtbar anzuschauen, sie sah auch aus, als hätte sie eigentlich tödlich sein müssen.

Die meisten Leute bedauerten, dass sie es nicht war.

Nicht allein die Art seiner Verbrechen schockierte die Öffentlichkeit. Es war das sadistische Vergnügen, mit dem er wehrlose Opfer aus der Gegend von Dartmoor ausgewählt hatte. Das erste, Zoe Bennett, war eine dunkelhaarige siebzehnjährige Schönheit gewesen, ein angehendes Model, das eines Abends nach der Disco nicht heimgekommen war. Drei Nächte später verschwand ein zweites Mädchen.

Lindsey Bennett, Zoes eineiige Zwillingsschwester.

Was normalerweise eine Routineermittlung ausgelöst hätte, war plötzlich eine Nachricht auf der Titelseite. Niemand bezweifelte, dass derselbe Täter verantwortlich war, und als Lindseys Handtasche in einem Abfalleimer gefunden wurde und damit jede Hoffnung zunichte war, die Schwestern lebend zu finden, ging die Öffentlichkeit auf die Barrikaden. Schlimm genug für eine Familie, einen solchen Verlust einmal zu erleiden, aber zweimal? Und auch noch Zwillinge?

Als dann Tina Williams, eine attraktive, dunkelhaarige Neunzehnjährige, vermisst wurde, kippte die Stimmung in Hysterie um, mehrmals gab es falschen Alarm. Für eine gewisse Zeit sah es so aus, als hätte man eine Spur: In der Gegend, in der sowohl Lindsey Bennett als auch Tina Williams zum letzten Mal gesehen worden waren, war eine weiße Limousine von den Kameras der Verkehrsüberwachung aufgenommen und von Zeugen gesehen worden.

Dann forderte Monk sein viertes Opfer und besiegelte für immer seinen Ruf als Monster. Mit fünfundzwanzig Jahren war Angela Carson älter als die anderen. Außerdem war sie weder dunkelhaarig noch hübsch. Aber es gab noch einen anderen wichtigen Unterschied.

Sie war taubstumm.

Nachbarn riefen die Polizei, weil sie Monks Lachen hörten, während er Angela Carson in ihrer eigenen Wohnung erst vergewaltigte und dann totschlug. Als zwei Polizisten, den Notrufen nachgehend, ihre Tür aufbrachen, fanden sie ihn außer sich und blutverschmiert neben ihrer Leiche im zertrümmerten Schlafzimmer. Obwohl beide keine kleinen Männer waren, schlug er sie bewusstlos, ehe er in der Nacht verschwand.

Und dann offenbar vom Erdboden.

Trotz einer der größten Fahndungen in der Geschichte Großbritanniens wurde keine Spur von Monk gefunden. Genauso wenig von den Bennett-Zwillingen oder Tina Williams. Bei einer Durchsuchung entdeckte man unter seinem Wohnwagen eine Haarbürste und einen Lippenstift, die Zoe Bennett gehörten, nicht aber die Mädchen selbst. Erst drei Monate später wurde Monk wieder gesehen, am Straßenrand mitten im Dartmoor. Verwahrlost und verdreckt, unternahm er keinen Versuch, sich der Verhaftung zu widersetzen oder seine Verbrechen zu leugnen. Beim Prozess bekannte er sich des vierfachen Mordes für schuldig, weigerte sich aber preiszugeben, wo er sich versteckt und was er mit den Leichen der vermissten Mädchen getan hatte. Die allgemeine Vermutung lautete, dass er sie im Moor vergraben hatte und dann selbst dort untergetaucht war. Doch Monk setzte lediglich sein verächtliches Grinsen auf und sagte nichts.

Nachdem der Mörder hinter Gittern war, verschwand die Geschichte allmählich aus dem öffentlichen Interesse. Das Schicksal der vermissten Mädchen schien für immer ein Rätsel zu bleiben.

Das könnte sich nun ändern.

 

Ein hellblaues Zelt der Spurensicherung hob sich grell vom tristen Moorland ab. Es stand ungefähr in der Mitte zwischen der Straße und der Felsformation, etwas abseits des holprigen Weges, der beides miteinander verband. Ich blieb noch einen Moment im feinen Nieselregen stehen, atmete den satten Geruch des feuchten Torfs ein und fragte mich, was mich in dem Zelt erwarten würde.

Dann ging ich los.

Kapitel 2

Mit Polizeiband war vom Weg aus ein Korridor bis hin zum Zelt der Spurensicherung abgesperrt worden. Da der Boden zwischen den flatternden Bändern bereits zu einem Trampelpfad ausgetreten und aufgeweicht war, platschte ich mit meinen Stiefeln durch den dunklen Morast. Auch das Gebiet um das Zelt herum war abgeriegelt, am Eingang stand ein uniformierter Hundeführer Wache. Neben sich einen Deutschen Schäferhund, trat er in der Kälte von einem Fuß auf den anderen.

«Ich möchte zu Detective Chief Superintendent Simms», sagte ich ein wenig außer Atem.

Ehe er etwas entgegnen konnte, wurde die Zeltluke aufgeworfen, und ein Mann trat heraus. Er war um die vierzig, wollte aber offenbar älter wirken. Die weiße Schutzkleidung schien irgendwie nicht zu ihm zu passen. Er hatte die Kapuze seines Overalls zurückgeschoben, doch sein ordentlich gekämmtes schwarzes Haar war kein bisschen durcheinandergeraten. Sein Gesicht war bemerkenswert faltenlos und jugendlich, was er mit einem Schnurrbart auszugleichen versuchte, der ihm etwas Militärisches verlieh.

«Dr. Hunter? Ich bin Simms.»

Das hatte ich bereits vermutet, und jetzt erkannte ich auch seine Stimme wieder. Er sprach bestimmt und offiziös und sich seiner Autorität bewusst. Als er mich mit seinen hellen Augen von oben bis unten betrachtete, hatte ich das etwas unbehagliche Gefühl, auf die Schnelle abgeschätzt zu werden.

«Wir hatten Sie vor einer halben Stunde erwartet», sagte er und verschwand wieder im Zelt.

Freut mich auch, Sie kennenzulernen. Der Hundeführer trat zur Seite, um mich durchzulassen, und zog fester an der Leine. Der wachsame Blick des Schäferhundes folgte mir bis ins Zelt.

Nach der Weite des Moores kam es mir drinnen beengt und überfüllt vor. Gestalten in Overalls wuselten umher. Das durch die blauen Zeltwände fallende diffuse Licht erzeugte eine ätherische Atmosphäre. Es war feucht und stickig, eine Muffigkeit, die auf unangemessene Weise an Camping erinnerte. Dazu roch es nach frischer Erde und etwas wesentlich weniger Angenehmem.

Das Grab befand sich genau in der Mitte.

Davor waren tragbare Scheinwerfer aufgestellt worden, die in der feuchten Luft leicht dampften. Als Abgrenzung hatte man Metallplatten um das Rechteck aus dunklem Torf gelegt, das mit einem Fadengitter überzogen war. Jemand, wahrscheinlich ein Kriminaltechniker, kniete davor, ein großer Mann, der seine in Latexhandschuhen steckenden Hände in die Luft hielt wie ein Chirurg bei einer Operation. Direkt vor ihm war ein schmutziger Gegenstand in der torfigen Erde zu sehen. Auf den ersten Blick hätte man ihn für einen Stein oder eine Wurzelknolle halten können. Bis man genauer hinschaute.

Aus dem feuchten Boden ragte eine halbverweste, noch mit Hautfetzen bedeckte Hand.

«Sie haben leider den Gerichtsmediziner verpasst, aber er kommt zurück, sobald die Leiche geborgen wird», sagte Simms und lenkte meine Aufmerksamkeit weg vom Grab. «Dr. Hunter, dies ist Professor Wainwright, der forensische Archäologe, der die Ausgrabung leiten wird. Sie werden bestimmt von ihm gehört haben.»

Jetzt betrachtete ich den vor dem Grab knienden Mann genauer. Wainwright? Mir wurde flau im Magen. Natürlich hatte ich schon von ihm gehört. Leonard Wainwright, ein ehemaliger Professor aus Cambridge, arbeitete mittlerweile als Berater für die Polizei und war einer der berühmtesten forensischen Experten des Landes. Eine bedeutende Persönlichkeit, sein Name verlieh einer Ermittlung sofort Glaubwürdigkeit. Doch hinter dem kultivierten öffentlichen Image hatte Wainwright den Ruf, äußerst rüde mit jedem umzugehen, den er als Rivalen betrachtete. Er war ein scharfer Kritiker der von ihm so genannten «modischen forensischen Wissenschaften», womit er so ziemlich jeden Fachbereich meinte, der nicht sein eigener war. Ein Großteil seiner Abneigung konzentrierte sich auf die forensische Anthropologie, ein recht neuer wissenschaftlicher Zweig, der sich in mancher Hinsicht mit seinem Feld überschnitt. Erst im vergangenen Jahr hatte er in einem Wissenschaftsmagazin einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Vorstellung ins Lächerliche zog, dass man über den Grad der Verwesung verlässliche Aufschlüsse über den Todeszeitpunkt erhalten konnte. «Alles faul?» hatte der Titel gelautet. Ich hatte den Text eher amüsiert als verärgert gelesen.

Aber da hatte ich noch nicht gewusst, dass ich einmal mit ihm würde zusammenarbeiten müssen.

Wainwright stemmte sich mit knackenden Knien hoch. Er war ungefähr sechzig, eine Riese von einem Mann, in einem schlammverschmierten, sich über seinen ausladenden Körper spannenden Overall. Seine Finger in den weißen Latexhandschuhen ähnelten dicken Würsten, als er sich die Maske abzog. Darunter kam ein knorriges Gesicht zum Vorschein, das man mit viel Nachsicht aristokratisch hätte nennen können.

Er schenkte mir ein eher neutrales Lächeln. «Dr. Hunter. Ich bin mir sicher, es wird eine Freude sein, mit Ihnen zusammenzuarbeiten», sagte er mit dem sonoren Bariton eines geübten Redners. Ich rang mir selbst ein Lächeln ab. «Ebenso.»

«Das Grab ist gestern Nachmittag von ein paar Wanderern entdeckt worden», sagte Simms mit einem Blick auf die Hand, die aus der Erde ragte. «Es ist nicht tief, wie Sie sehen können. Wir haben den Boden untersucht. Offenbar befindet sich knapp einen halben Meter unter der Oberfläche eine Granitschicht. Also eigentlich kein geeigneter Ort, um eine Leiche zu vergraben, doch zum Glück wusste der Mörder das nicht.»

Ich kniete mich hin, um mir die dunkle Erde näher anzuschauen, in der die Hand steckte. «Der Torf wird die Sache interessant machen.»

Wainwright nickte zurückhaltend, sagte aber nichts. Als Archäologe war er bestimmt vertraut mit den Problemen, die sich durch ein Grab im Torf ergaben.

«Sieht so aus, als hätte der Regen die obere Erdschicht weggespült und die Hand freigelegt, den Rest haben dann Tiere übernommen», fuhr Simms fort. «Leider wussten die Wanderer zuerst nicht, was es ist, und haben etwas Erde weggeschaufelt, um sich zu vergewissern.»

«Herr, bewahre uns vor Amateuren», stieß Wainwright hervor. Vielleicht war es Zufall, dass er dabei gerade mich anschaute.

Ich kniete mich auf eine der Metallplatten, um die Hand zu untersuchen. Sie war ab dem Handwurzelknochen freigelegt. Der größte Teil des Gewebes war abgenagt, und die ersten beiden Finger, die wohl am weitesten herausgeragt hatten, fehlten vollständig. Aber das war nicht anders zu erwarten gewesen. Aasfresser wie Füchse oder selbst größere Vögel wie Krähen oder Möwen waren in der Lage, sie abzutrennen.

Was mich allerdings interessierte, war die Tatsache, dass die Stümpfe der Fingerknochen unter den Bissspuren glatt waren.

«Ist einer von den Wanderern auf die Hand getreten, oder wurde sie beim Ausgraben beschädigt?», fragte ich.

«Sie behaupten, nein.» Simms’ Gesicht war ausdruckslos. «Weshalb?»

«Es muss nichts bedeuten, aber die Finger sind gebrochen. So wie es aussieht, sind sie sauber abgekniffen worden, und das kann kein Tier gewesen sein.»

«Ja, ist mir auch aufgefallen», brummte Wainwright.

«Glauben Sie, es ist wichtig?», wollte Simms wissen.

Wainwright kam mir zuvor. «Kann man noch nicht sagen. Es sei denn, Dr. Hunter hat eine Theorie …?»

Ich wollte mich nicht zu Spekulationen hinreißen lassen. «Noch nicht. Haben Sie sonst etwas entdeckt?» Wahrscheinlich war der Innenraum des Zeltes bereits von der Spurensicherung nach Beweismaterial abgesucht worden.

«Nur zwei kleine Knochen an der Oberfläche, die wohl von einem Hasen stammen. Jedenfalls stammen sie nicht von einem Menschen, aber Sie können gern selbst einen Blick darauf werfen.» Simms schaute auf seine Uhr. «So, wenn das alles war … ich muss jetzt eine Pressekonferenz geben. Professor Wainwright wird Ihnen sagen, was Sie wissen müssen. Sie werden unter seiner Leitung arbeiten.»

Wainwright beobachtete mich aufmerksam. Während der Gerichtsmediziner das letzte Wort bei der eigentlichen Untersuchung der Leiche hatte, war es nur normal, dass die Verantwortung für die Ausgrabung bei ihm als forensischem Archäologen lag. Ich hatte kein Problem damit, zumindest theoretisch. Aber ich hatte schon erlebt, dass Leichen bei einer Ausgrabung durch Unfähigkeit oder Übermut beschädigt worden waren, und meine Arbeit wurde nicht leichter, wenn ein Schädel von einer Spitzhacke oder einem Spaten zertrümmert wurde.

Außerdem hatte ich keine Lust, mich von Wainwright wie ein Assistent behandeln zu lassen.

«Solange es um die Ausgrabung geht, ist das in Ordnung», sagte ich. «Aber ich dachte, ich sollte Sie bei der Untersuchung der Überreste beraten.»

Im Zelt trat Stille ein. Simms betrachtete mich kalt. «Leonard und ich kennen uns schon sehr lange, Dr. Hunter. Wir haben in der Vergangenheit bei zahllosen Ermittlungen zusammengearbeitet. Sehr erfolgreich, übrigens.»

«Ich wollte nicht …»

«Sie sind mir sehr empfohlen worden, aber ich will teamfähige Mitarbeiter. Ich habe ein großes persönliches Interesse an dieser Ermittlung, und ich werde keine Störungen dulden. Von niemandem. Habe ich mich klar ausgedrückt?»

Ich war mir der Blicke von Wainwright bewusst, und ich hatte das Gefühl, dass Simms von dem Archäologen instruiert worden war. Am liebsten hätte ich mich gesträubt, doch ich hatte schon oft genug mit schwierigen Ermittlungsleitern zu tun gehabt, um zu wissen, dass es sich nicht lohnte. Ich versuchte, genauso ungerührt zu wirken wie er.

«Natürlich.»

«Gut. Denn ich muss Ihnen bestimmt nicht sagen, wie wichtig das hier ist. Zwar sitzt Jerome Monk hinter Gittern, aber für mich ist dieser Fall erst dann beendet, wenn die Opfer gefunden sind und an ihre Familien übergeben werden können. Falls – und ich sage bewusst falls – diese Leiche eines seiner Opfer ist, dann muss ich das wissen.» Simms starrte mich noch einen Moment an, wohl um sicherzugehen, dass er sich durchgesetzt hatte. «Gut, wenn das geklärt ist, dann überlasse ich Sie beide Ihrer Arbeit.»

Er machte auf dem Absatz kehrt und stürmte aus dem Zelt. Für eine Weile sprachen weder ich noch Wainwright. Dann räusperte sich der Archäologe theatralisch. «Gut, Dr. Hunter, wollen wir anfangen?»

 

Unter dem grellen Licht der Scheinwerfer schien die Zeit stehenzubleiben. Der dunkle Torfboden wollte die Leiche nur widerwillig freigeben und blieb hartnäckig an den Überresten hängen, die allmählich unter der Oberfläche auftauchten. In den meisten Böden ist die Form oder der Zuschnitt des Grabes recht einfach zu bestimmen. Da die Erde, die ausgehoben und dann auf der Leiche angehäuft wurde, lockerer ist als der unangetastete Boden daneben, kann man relativ leicht die Ränder des Loches erkennen. Im Torf sind die Trennungslinien nicht so deutlich. Torf saugt Wasser auf wie ein Schwamm und bricht deshalb nicht so schnell auf wie andere Böden. Der Zuschnitt des Grabes kann trotzdem festgestellt werden, aber dafür braucht es mehr Sorgfalt und Fachkenntnis.

Wainwright verfügte über beides.

Schon wegen seiner massigen körperlichen Präsenz dominierte er den abgeschlossenen Raum zwischen den leicht flatternden blauen Wänden. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich zum Zuschauer degradiert worden wäre, doch unerwarteterweise nahm er meine Hilfe bei der Ausgrabung gerne in Anspruch. Sobald ich die vorherige Kränkung überwunden hatte, musste ich anerkennen, dass er ein wirklich guter forensischer Archäologe war. Mit seinen großen Händen agierte er geschickt und präzise wie ein Chirurg, während er vorsichtig den feuchten Torf wegkratzte, um die vergrabenen Überreste freizulegen. Wir arbeiteten Seite an Seite, beide auf den Metallplatten am Rande des Grabes kniend, und als die Leiche allmählich aus der dunklen Erde auftauchte, hatte ich meinen ersten Eindruck von dem Mann revidiert.

Wir hatten seit einer Weile schweigend gearbeitet, als er mit seiner Kelle zwei Hälften eines durch einen Spaten geteilten Regenwurms aufhob. «Bemerkenswerte Tiere, nicht wahr? Lumbricus terrestris. Ein simpler Organismus, ohne Gehirn und ohne ein nennenswertes Nervensystem. Trotzdem wachsen sie weiter, wenn man sie in zwei Hälften teilt. Das sollte uns eine Lehre sein: Je komplizierter man ist, desto mehr schwebt man in Lebensgefahr.»

Er warf den Wurm ins Heidekraut, legte seine Kelle ab und zuckte zusammen, als seine Knie laut knackten. «Diese Arbeit wird im Alter nicht gerade leichter. Aber was wird im Alter schon leichter? Na ja, Sie sind noch zu jung, um das zu wissen. Sie sind aus London, richtig?»

«Ich wohne dort, ja. Und Sie?»

«Ich bin aus der Gegend. Torbay. Zum Glück nicht weit von hier, ich muss also nicht in einer der verlausten Absteigen übernachten, wo man normalerweise von der Polizei untergebracht wird. Ich beneide Sie nicht.» Er rieb sich den Steiß. «Und, wie finden Sie Dartmoor bisher?»

«Trostlos, nach allem, was ich bisher gesehen habe.»

«Na ja, aber für einen Archäologen das Gelobte Land. Hier gibt es die größte Konzentration an Überresten aus dem Bronzezeitalter von ganz Großbritannien, das gesamte Moor ist im Grunde ein Museum der industriellen Entwicklung. Hier kann man noch beinahe unversehrte alte Blei- oder Zinnminen finden, konserviert wie Fliegen in Bernstein. Wunderbar! Jedenfalls für alte Dinosaurier wie mich. Sind Sie verheiratet?»

Es fiel mir schwer, ihm zu folgen. «Ja, bin ich.»

«Vernünftig. Eine gute Frau hält uns geistig gesund. Wie sie es mit uns aushalten, verstehe, wer will. Meine Frau verdient einen Orden, woran sie mich auch immer wieder erinnert.» Er kicherte. «Kinder?»

«Ein kleines Mädchen, Alice. Sie ist fünf.»

«Aha. Schönes Alter. Ich habe zwei Töchter, aber die sind beide schon flügge. Glauben Sie mir, in zehn Jahren werden Sie sich fragen, was bloß aus Ihrem kleinen Mädchen geworden ist.»

Ich lächelte pflichtbewusst. «Bis sie in die Pubertät kommt, haben wir noch eine Weile.»

«Genießen Sie die Zeit. Darf ich Ihnen einen Tipp geben?»

«Bitte.» Wainwright schien tatsächlich ganz anders zu sein, als ich gedacht hatte.

«Nehmen Sie Ihre Arbeit niemals mit nach Hause. Das meine ich natürlich im übertragenen Sinne. Aber in unserem Beruf ist es wichtig, Arbeit und Freizeit strikt zu trennen, besonders wenn man Familie hat. Sonst macht es Sie fertig. Was auch immer Sie sehen, egal wie entsetzlich es ist, denken Sie immer daran, dass es nur ein Job ist.»

Er nahm wieder seine Kelle und widmete sich den Überresten.

«Ich habe neulich mit jemandem gesprochen, der Sie kennt. Stimmt es, dass Sie eigentlich Medizin studiert haben?»

«Ja, ich habe meinen Abschluss in Medizin gemacht, bevor ich zur Anthropologie gewechselt bin. Wer hat Ihnen das erzählt?»

Er runzelte die Stirn. «Ich habe mir schon das Gehirn zermartert, aber mein Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es mal war. Ich glaube, es war bei irgendeiner forensischen Konferenz. Wir sprachen über die neue Generation, die sich auf dem Gebiet behauptet, und dabei fiel Ihr Name.»

Es überraschte mich, dass Wainwright zugab, schon von mir gehört zu haben. Ob ich wollte oder nicht, ich fühlte mich geschmeichelt.

«Ein ganz schöner Sprung, von der Medizin zur Anthropologie», fuhr er fort, während er einen Ellbogen freilegte. «Ich habe gehört, Sie sind in den Vereinigten Staaten ausgebildet worden. An dieser Forschungseinrichtung in Tennessee, richtig? Die sich auf Verwesungsprozesse spezialisiert hat.»

«Das anthropologische Forschungsinstitut. Ich war ein Jahr dort.»

Damals kannte ich Kara noch nicht, ich hatte gerade den Fachbereich gewechselt und den Dienst an den Lebenden für die Arbeit mit den Toten eingetauscht. Ich wartete auf kritische Bemerkungen, doch es kamen keine. «Hört sich interessant an. Allerdings nicht für mich, glaube ich. Ich bin kein großer Freund von Calliphoridae. Ekelhafte Viecher.»

«Ich bin auch kein großer Freund von ihnen, aber sie haben ihren Nutzen.» Calliphoridae nennt man die Familie der Schmeißfliegen, deren Lebenszyklus sehr hilfreich bei der Bestimmung des Verwesungsgrades ist. Wainwright war offenbar ein Freund lateinischer Namen.

«Das glaube ich gern. Aber leider nicht in diesem Fall. Es ist entschieden zu kalt.» Er deutete mit seiner Kelle auf die Überreste. «Und, was halten Sie davon?»

«Ich werde mehr wissen, sobald die Leiche in der Gerichtsmedizin ist.»

«Selbstverständlich. Aber Sie haben doch bestimmt schon ein paar Schlüsse gezogen.»

Hinter der Schutzmaske konnte ich ihn lächeln sehen. Ich wollte mich nur ungern äußern, wusste ich doch nur zu gut, wie leicht sich die Einschätzungen ändern können, nachdem die Überreste gereinigt sind. Andererseits war Wainwright keinesfalls das Scheusal, das ich erwartet hatte, und wir waren allein. Angesichts seiner bekannten Abneigung gegen die forensische Anthropologie konnte es nicht schaden, ihm zu zeigen, dass er nicht der einzige Experte vor Ort war.

Ich hockte mich auf die Fersen und betrachtete, was wir freigelegt hatten.

Torf ist eine außergewöhnliche Substanz. Sie besteht zum Teil aus vermoderten Pflanzen und den Überresten von Tieren und Insekten, aber die meisten Bakterien und Insekten, die normalerweise die Erde unter unseren Füßen bevölkern, können darin nicht existieren. Da Torf einen geringen Sauerstoffanteil hat und so säurehaltig ist wie Essig, werden Organismen darin regelrecht eingelegt und wie Proben in einem Reagenzglas konserviert. In Torfmooren sind nicht nur ganze Mammutstoßzähne gefunden worden, sondern auch unheimlich wirkende unversehrte menschliche Leichen, die vor Hunderten von Jahren vergraben wurden. Die Leiche eines Mannes, die 1950 in dem Dorf Tollund in Dänemark entdeckt worden ist, war so gut konserviert, dass er für ein Mordopfer gehalten wurde. Was der Mann angesichts des Seils, das um seinen Hals gebunden war, wahrscheinlich auch war, allerdings hatte man ihn vor über zweitausend Jahren umgebracht.

Aber die Merkmale, die Torf zu einer archäologischen Goldmine machen, können gleichzeitig zu einem forensischen Albtraum werden. Die Bestimmung des genauen Todeszeitpunktes ist immer schwierig, aber ohne die natürlichen Hinweise, die man durch die Verwesung erhält, kann sie völlig unmöglich werden.

Doch in diesem Fall würde es solche Probleme meiner Meinung nach nicht geben. Ungefähr die Hälfte der Leiche war mittlerweile freigelegt. Sie lag mehr oder weniger auf der Seite, die Knie waren etwas angezogen, und der Leib war in der Fötusstellung zusammengekrümmt. Sowohl das dünne Oberteil, das am Torso hing und durch das man den Umriss eines Büstenhalters sehen konnte, als auch der kurze Rock waren aus einem synthetischen Material und vom Stil her zeitgenössisch. Und auch wenn ich nicht behaupten konnte, ein Modeexperte zu sein, sah der hochhackige Schuh des nun ausgegrabenen rechten Fußes für mich recht modern aus.

Obwohl die gesamte Leiche – Haar, Haut und Kleidung – mit einer klebrigen, dunklen Torfkruste überzogen war, konnte nichts die Verletzungen verbergen, die ihr zugefügt worden waren. Unter dem verschmutzen Stoff waren deutlich die Umrisse von gebrochenen Rippen zu sehen, durch die Haut der Arme und der Unterschenkel ragten zerklüftete Knochen hervor. Der Schädel unter dem verfilzten Haar war eingeschlagen und verformt, die Wangen und die Nasenhöhle waren eingefallen.

«Noch nicht viele, abgesehen von den offensichtlichen», sagte ich vorsichtig.

«Und die wären?»

Ich zuckte mit den Achseln. «Weiblich, obwohl man wahrscheinlich Transsexualität nicht völlig ausschließen kann.»

Wainwright schnaubte. «Gott bewahre. Zu meiner Zeit hätte man nicht mal im Traum an so was gedacht. Wann ist bloß alles so kompliziert geworden? Fahren Sie fort.»

Ich begann langsam warm zu werden. «Noch kann man schwer sagen, wie lange sie schon vergraben ist. Die Verwesung ist bereits fortgeschritten, aber das erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass die Leiche nicht besonders tief vergraben war.»

Bei der Nähe zur Oberfläche könnten Luftbakterien das Gewebe selbst in einem Torfgrab zersetzt haben, wenn auch langsamer als unter normalen Umständen. Wainwright nickte zustimmend.

«Also könnte es sich von der Zeit her um ein Opfer von Monk handeln? Die Leiche ist noch keine zwei Jahre vergraben, oder?»

«Könnte, ja», räumte ich ein. «Aber darüber möchte ich nicht spekulieren.»

«Nein, natürlich nicht. Und die Verletzungen?»

«Noch kann man nicht sagen, ob sie vor oder nach Eintritt des Todes zugefügt worden sind, aber das Opfer ist offensichtlich brutal geschlagen worden. Möglicherweise mit irgendeiner Waffe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand mit den bloßen Händen auf diese Weise Knochen brechen kann.»

«Nicht einmal Jerome Monk?» Er grinste mich hinter seiner Maske an. Es gefiel mir nicht. «Kommen Sie, David, geben Sie es zu. Das sieht doch nach einem seiner Opfer aus.»

«Sobald die Leiche gesäubert ist und ich das Skelett untersuchen kann, weiß ich mehr.»

«Sie sind ein vorsichtiger Mensch. Das gefällt mir. Aber sie ist genau im richtigen Alter, das sieht man doch an der Kleidung. Niemand über einundzwanzig würde es wagen, einen so kurzen Rock zu tragen.»

«Ich glaube nicht …»

Er lachte dröhnend. «Ich weiß, ich weiß, das war nicht besonders politisch korrekt. Aber wenn sich hier kein Bock als Lamm verkleidet hat, dann haben wir es mit einer Jugendlichen zu tun oder einer jungen Frau, die grausam geschlagen und in Jerome Monks Territorium vergraben worden ist. Sie kennen doch den Spruch: Wenn es wie Fisch aussieht und wie Fisch riecht …»

Seine Art ging mir langsam auf die Nerven, andererseits sprach Wainwright nur aus, was ich selbst dachte. «Möglich.»

«Aha, also ein Treffer! Okay, ein möglicher Treffer, aber immerhin. Womit die Frage bleibt, mit welcher von Monks unglückseligen Konkubinen wir es zu tun haben, nicht wahr? Mit einer von den Bennett-Zwillingen oder mit der kleinen Williams?»

«Das können wir wahrscheinlich über die Kleidung herausfinden.»

«Stimmt, aber das hier ist eher Ihr Terrain als meins. Und ich vermute, Sie haben bereits eine Ahnung.» Er kicherte. «Keine Angst, Sie sind nicht im Zeugenstand. Tun Sie mir den Gefallen.»

Man konnte sich ihm nur schwer widersetzen. «Zu diesem Zeitpunkt kann ich nur Vermutungen anstellen, aber …»

«Aber?»

«Na ja, die Bennett-Schwestern waren beide ziemlich groß.» Das hatte ich bei meiner eiligen Recherche nach Simms’ Anruf erfahren: Zoe und Lindsey hatten die geschmeidige Eleganz von Laufstegmodels. «Diese Leiche hier ist jedenfalls ziemlich klein. Da sie so zusammengekrümmt ist, ist es schwer, eine genaue Vorstellung von der Größe zu bekommen, aber man kann sich immer recht gut an der Länge der Oberschenkelknochen orientieren. Und davon ausgehend, glaube ich, dass diese Person höchstens eins sechzig oder eins fünfundsechzig groß gewesen sein kann.»

Auch wenn sie vollständig vom Gewebe befreit sind, was hier nicht der Fall war, konnte man von der Länge der Schenkelknochen nur ungefähr auf die Körpergröße schließen. Doch ich hatte einen recht guten Blick für solche Dinge entwickelt, und selbst bei diesen verrenkten und mit Erde überzogenen Überresten war ich mir ziemlich sicher, dass die Frau nicht groß genug gewesen war, um eine der Bennett-Schwestern zu sein.

Wainwrights Stirn hatte sich in Falten gelegt, während er auf das obere Bein starrte. «Verdammt. Das hätte mir auch auffallen müssen …»

«Es ist nur eine Vermutung. Und Sie sagten ja selbst, es ist eher mein Bereich als Ihrer.»

Er warf mir einen Blick zu, aus dem jede Jovialität gewichen war. Dann zuckten seine Lider, und er brach in ein dröhnendes Lachen aus.

«Ja, Sie haben ganz recht. Gut, wahrscheinlich haben wir es mit Tina Williams zu tun.» Er klatschte in die Hände, ehe ich etwas sagen konnte. «Aber eins nach dem anderen. Graben wir sie ganz aus, oder?»

Als er sich wieder mit seiner Kelle an die Arbeit machte, hatte ich plötzlich irgendwie ein schlechtes Gewissen, als wäre das Spekulieren meine Idee gewesen.

Danach redeten wir nicht mehr viel, kamen dafür aber gut voran, nur unterbrochen von den Beamten der Spurensicherung, die begannen, den Torf aus dem Grab zu sieben. Abgesehen von ein paar weiteren Hasenknochen, kam dabei aber nichts Interessantes zum Vorschein.

Draußen vor dem Zelt war es bereits dunkel, als die Leiche bewegt werden konnte. Am Boden der torfigen Kuhle liegend, bot sie einen traurigen Anblick. Simms war zurückgekehrt, begleitet von dem Gerichtsmediziner, den er mir als Dr. Pirie vorstellte.

Pirie gab ein seltsames Bild ab. Da er höchstens eins fünfzig maß, war ihm sein blütenweißer Overall viel zu groß. Das Gesicht unter seiner Kapuze war so fein modelliert wie das eines Kindes, dabei aber faltig und runzlig, und die Augen hinter der goldenen Lesebrille sahen alt und wissend aus.

«Guten Abend, die Herren. Schon Fortschritte gemacht?», fragte er mit dünner, schriller Stimme, als er ans Grab trat. Neben dem hünenhaften Wainwright wirkte er noch kleiner, wie ein Chihuahua neben einer Dogge. Dennoch strahlte er eine unverkennbare Autorität aus.

Nur widerwillig trat Wainwright zurück, um ihm Platz zu machen. «Fast fertig. Ich wollte gerade an die Spurensicherung übergeben.»

«Gut.» Pirie spitzte seinen kleinen Mund, als er sich vor die Kuhle hockte. «O ja, sehr schön …»

Mir war nicht ganz klar, ob er sich auf die Ausgrabung oder auf die Überreste bezog. Gerichtsmediziner sind dafür bekannt, exzentrische Typen zu sein, und Pirie war offenbar keine Ausnahme.

«Das Opfer ist weiblich, der Kleidung nach zu urteilen wahrscheinlich eine Jugendliche oder eine junge Frau.» Wainwright hatte seine Gesichtsmaske heruntergezogen, als er sich vom Grab entfernt hatte. Sein Mund zuckte amüsiert. «Dr. Hunter meinte, sie könnte auch transsexuell gewesen sein, aber ich glaubte, das können wir ausschließen.»

Ich schaute ihn überrascht an. Simms schnaubte verächtlich.

«Allerdings.»

«Die Verletzungen können Sie ja selbst sehen», tönte Wainwright, der jetzt ganz in seinem Element war. «Wahrscheinlich verursacht durch eine Schlagwaffe oder irgendeinen ungeheuer schweren Gegenstand.»

«Um das zu sagen, ist es noch etwas zu früh, oder?», bemerkte Pirie.

«Ja, natürlich. Das wird bei der Autopsie festgestellt werden», korrigierte sich Wainwright schleimig. «Wenn ich beurteilen sollte, wie lange sie schon hier liegt, würde ich sagen, nicht länger als ein Jahr.»

«Sicher?», wollte Simms wissen.

Wainwright breitete die Arme aus. «Das ist in diesem Stadium nur eine Vermutung, doch angesichts der konservierenden Eigenschaften des Torfs und des Grades der Verwesung bin ich ziemlich sicher.»

Ich starrte ihn an und konnte nicht glauben, was ich da gehört hatte. Simms nickte zufrieden. «Dann könnte es also ein Opfer von Monk sein?»

«O ja, mit großer Wahrscheinlichkeit. Und wenn ich eine weitere Vermutung wagen dürfte, würde ich sogar sagen, dass wir es hier mit der kleinen Williams zu tun haben. Der Oberschenkelknochen ist viel zu kurz, um einem von den Bennett-Zwillingen zu gehören, aber wenn ich mich recht erinnere, war Williams, äh, eins sechzig, eins fünfundsechzig? Das würde ungefähr passen. Und die Verletzungen weisen unbedingt auf Monk hin, wenn man bedenkt, was er mit Angela Carter angestellt hat.»

Carson. Angela Carson, nicht Carter. Aber ich war zu wütend, um etwas zu sagen. Wainwright strich schamlos Anerkennung für das ein, was ich ihm erzählt hatte. Und ich konnte nichts entgegnen, ohne kleinlich zu wirken. Pirie schaute von seiner Position am Grab auf.

«Das reicht aber kaum für eine eindeutige Identifizierung.»

Wainwright zuckte abschätzig mit den Achseln. «Nennen Sie es eine fundierte Annahme. Jedenfalls sollten wir zuerst herausfinden, ob es tatsächlich die kleine Williams ist.»

Er schaute Simms mit hochgezogenen Augenbrauen an. Der wirkte angespornt, schlug sich mit der Hand auf den Schenkel. «Dem stimme ich zu. Dr. Pirie, wie schnell können Sie bestätigen, ob es Tina Williams ist?»

«Das hängt alles vom Zustand der Überreste ab, sobald sie gereinigt sind.» Der fragile Pathologe schaute hoch zu mir. «Es würde schneller gehen, wenn Dr. Hunter mit mir arbeitet? Ich denke, dass Skelettverletzungen eher sein Bereich sind als meiner?»

Bei seinem merkwürdigen Singsang klang beinahe jeder Satz wie eine Frage. Ich rang mich zu einem Nicken durch, obwohl ich immer noch verblüfft und wütend über die Show war, die Wainwright gerade abgezogen hatte.

«Sie bekommen jede Hilfe, die Sie benötigen.» Simms schien nicht mehr zuzuhören. «Je schneller wir Sicherheit haben, desto besser. Und wenn Monk eines seiner Opfer hier vergraben hat, besteht Grund zur Annahme, dass auch die anderen in der Nähe sind. Ausgezeichnete Arbeit, Leonard, vielen Dank. Grüßen Sie Jean von mir. Wenn Sie an diesem Wochenende noch nichts vorhaben, könnten Sie ja am Sonntag zum Mittagessen vorbeikommen, was meinen Sie?»

«Wir kommen sehr gern», sagte Wainwright.

Als wäre Simms plötzlich eingefallen, dass ich auch noch da war, wandte er sich im letzten Moment an mich. «Haben Sie dem noch etwas hinzuzufügen, Dr. Hunter?»

Ich schaute zu Wainwright. Er betrachtete mich höflich und neugierig, doch in seinem Blick lag eine gehässige Zufriedenheit. Na schön, wie du willst …

«Nein.»

«Dann lasse ich Sie jetzt allein», sagte Simms. «Wir fangen morgen in aller Frühe an.»

Kapitel 3

In mir brodelte es noch, als ich später am Abend den Pub erreichte, in dem ich untergebracht worden war. Er lag ein paar Kilometer vom Black Tor entfernt in einem Ort namens Oldwych, eine Fahrt von weniger als zwanzig Minuten, wie man mir gesagt hatte. Doch entweder war die Wegbeschreibung zu ungenau, oder ich hatte mich irgendwo verfahren, denn erst nach einer Dreiviertelstunde sah ich die spärlichen Lichter in der Dunkelheit vor mir.

Wurde auch Zeit. Es war ein langer Tag gewesen, und in der absoluten Finsternis durchs Moor zu fahren, hatte meine Laune nicht gerade verbessert. Mich wurmte noch, wie ich mich von Wainwright hatte ausbooten lassen. Bei seinem Ruf hätte ich eigentlich darauf gefasst sein müssen. Ein dunstiger Nieselregen sprenkelte die Windschutzscheibe und brach das grelle Licht der Scheinwerfer, als ich auf den Parkplatz des Pubs bog. Über der Tür hing ein abgeblättertes Schild, die Worte The Trencherman’s Arms waren kaum noch zu lesen.

Von außen sah der Pub nach nichts Besonderem aus, ein langes, niedriges Gebäude mit schmuddeligen, weiß getünchten Mauern und einem durchhängenden Strohdach. Der erste Eindruck bestätigte sich, als ich durch die abgeschabte und quietschende Tür trat. Zu dem Gestank nach schalem Bier passten die abgenutzten Teppiche und die Pferdegeschirre an den Wänden. Die Gaststube war leer, der Kamin kalt. Aber ich hatte schon an schlimmeren Orten übernachtet.

Dachte ich da jedenfalls noch.

Der Wirt war ein griesgrämiger Mann um die fünfzig und, abgesehen von seinem erstaunlichen Bierbauch, der so hart wie eine Bowlingkugel aussah, furchtbar dürr. «Wenn Sie was essen wollen, die Küche macht in zwanzig Minuten dicht», sagte er pampig und schob einen kaputten Schlüsselring über die abgewetzte Theke.

Das Zimmer war in etwa so, wie ich erwartet hatte: nicht besonders sauber, aber auch nicht so verdreckt, dass man sich beschweren konnte. Das Bett quietschte, als ich meine Tasche abstellte, und die Matratze gab schon unter diesem geringen Gewicht nach. Ich hätte mich gerne geduscht, doch im Gemeinschaftsbad gab es nur eine Wanne mit Rostflecken, außerdem war ich hungrig.

Aber Essen und Frischmachen mussten warten. Mein Handy hatte Empfang – immerhin etwas. Ich schob den harten Stuhl vor den kleinen Heizlüfter und rief zu Hause an.

Ich versuchte immer zur gleichen Zeit anzurufen, damit Alice einen möglichst gleichmäßigen Tagesrhythmus hatte. Kara arbeitete drei Tage in der Woche im Krankenhaus, ihre Arbeitszeiten ermöglichten es ihr jedoch, unsere Tochter von der Schule abzuholen, wenn ich unterwegs war. Sie war Radiologin, weshalb wir lange Diskussionen gehabt hatten, als sie schwanger wurde. Eigentlich hatten wir erst in ein paar Jahren Kinder haben wollen, weil ich hoffte, dann genug Aufträge von der Polizei zu bekommen und neben meinem Universitätsgehalt so viel zu verdienen, dass Kara zu Hause bleiben und sich um das Baby kümmern konnte.

Wie so häufig war alles anders gekommen als geplant. Aber wir beide bereuten es nicht. Obwohl Kara eigentlich nicht mehr arbeiten musste, hatte ich keine Einwände gehabt, dass sie wieder als Teilzeitkraft anfing, sobald Alice in die Schule kam. Sie mochte ihren Beruf, und ihr Gehalt konnten wir auch brauchen. Und so sehr, wie mich mein Job in Anspruch nahm, hätte ich ihr den Wunsch, wieder zu arbeiten, kaum abschlagen können.

«Das passt ja», sagte Kara, als sie abnahm. «Hier ist eine junge Dame, die gehofft hat, dass du anrufst, bevor sie ins Bett geht.»

Ich lächelte, als sie den Hörer weiterreichte.

«Papa, ich habe dir ein Bild gemalt!»

«Das ist ja toll! Ist es wieder ein Pferd?»

«Nein, ich habe unser Haus gemalt, nur dass es gelbe Vorhänge hat, weil ich die schöner finde. Mami hat gesagt, ihr gefallen sie auch besser …»

Ich spürte, wie mein Ärger und meine Frustration ein wenig verebbten, als ich den aufgeregten Erzählungen meiner Tochter lauschte. Schließlich schickte Kara sie zum Zähneputzen und kam wieder selbst ans Telefon. Ich hörte, wie sie sich in einen Sessel setzte.

«Und, wie war es?», fragte sie.

Wainwrights Verhalten schien plötzlich nicht mehr so wichtig zu sein. «Ach … hätte schlimmer sein können. Terry Connors ist der stellvertretende Ermittlungsleiter, es ist also wenigstens ein Bekannter hier.»

«Terry? Na, dann richte ihm mal liebe Grüße an Deborah aus.» Sie klang nicht besonders erfreut. «Weißt du schon, wie lange du bleiben musst?»

«Bestimmt noch ein paar Tage. Morgen bin ich in der Gerichtsmedizin, aber die Polizei wird nach weiteren Gräbern suchen, es kommt also darauf an, was sie finden.»

Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis es für Kara an der Zeit war, Alice ins Bett zu bringen. Ich wäre jetzt gerne zu Hause, um ihr eine Geschichte vorzulesen, dachte ich, als ich mich wusch und umzog, bevor ich hinunter in die Gaststube ging. Ich hatte die Warnung des Wirts vergessen, und die zwanzig Minuten waren fast um. Er schaute vielsagend auf seine Uhr und presste missbilligend die Lippen zusammen, als ich bestellte.

«Zwei Minuten später, und Sie hätten nichts mehr gekriegt», blaffte er.

«Na, dann bin ich ja gerade noch rechtzeitig gekommen.»

Schmallippig verschwand er mit meiner Bestellung. Mittlerweile war das Lokal recht gut gefüllt, die meisten Gäste waren bestimmt Polizeibeamte oder in irgendeiner Weise mit der Ermittlung verbunden, vermutete ich. Ich ging mit meinem Getränk zu dem einzigen freien Tisch. Am Nachbartisch saß eine einzelne Frau, die abwesend in ihrem Essen herumstocherte, während sie in dem aufgeschlagenen Hefter neben ihrem Teller las. Sie schaute nicht auf, als ich mich hinsetzte.

Der Wirt kam mit dem Besteck. «Hier können Sie nicht sitzen, der Tisch ist reserviert.»

«Hier steht aber kein Reservierungsschild.»

«Muss auch nicht», entgegnete er triumphierend. «Sie müssen sich woanders hinsetzen.»

Was sollte man dazu sagen? Ich schaute mich nach einem anderen Platz um, doch nur am Tisch der jungen Frau war etwas frei.

«Hätten Sie etwas dagegen …?», begann ich, aber der Wirt kam mir zuvor, indem er mein Besteck auf ihren Tisch knallte.

«Sie müssen den Tisch teilen», verkündete er, bevor er davonstakste. Die junge Frau schaute erst ihn und dann mich überrascht an.

Ich lächelte verlegen. «Toller Service. Ein reizendes Lokal.»

«Warten Sie ab, bis Sie das Essen probiert haben.» Mit einem verärgerten Blick schlug sie ihren Hefter zu.

«Ich kann mir auch einen anderen Platz suchen, wenn ich Sie störe», bot ich an.

Für einen Moment schien sie tatsächlich zu überlegen. Doch dann deutete sie auf den freien Stuhl.

«Nein, schon in Ordnung. Ich bin sowieso fertig.» Sie legte ihre Gabel auf den Teller und schob ihn zur Seite.

Sie war auf eine zurückhaltende Art attraktiv. Sie trug Jeans und einen weiten Pullover, ihr dichtes, kastanienbraunes Haar war mit einem einfachen Band zurückgebunden. Sie kam mir wie eine Frau vor, die nicht viel Aufhebens um ihr Äußeres macht und das auch nicht nötig hat. Kara war genauso. Ganz gleich, was sie anzog, sie sah immer gut aus.

Ich warf einen Blick auf den Hefter, in dem sie gelesen hatte. Obwohl er verkehrt herum lag, wusste ich gleich, dass es ein Polizeibericht war. «Sind Sie wegen der Ermittlung hier?», fragte ich.

Sie nahm den Hefter und steckte ihn in ihre Tasche. «Sind Sie Reporter?» Ihre Stimme klang frostig.

«Ich? Um Gottes willen, nein», erwiderte ich überrascht. «Entschuldigen Sie, mein Name ist David Hunter, ich bin forensischer Anthropologe und gehöre zum Team von Simms.»

Sie entspannte sich und lächelte mich schuldbewusst an. «Sie müssen entschuldigen. Ich werde immer ein bisschen paranoid, wenn mich jemand über meine Arbeit ausfragt. Ja, ich gehöre auch zur Ermittlung.» Sie streckte ihre Hand aus. «Sophie Keller.»

Ihr Griff war fest, ihre Hand kräftig und trocken. Sie war es offenbar gewohnt, sich in der traditionell männlichen Welt der Polizei zu behaupten.

«Und was machen Sie, Sophie? Oder ist das auch zu neugierig?»

Sie lächelte. Ein schönes Lächeln. «Ich bin psychologische Ermittlungsberaterin.»

«Aha.»

Nach einer kurzen Pause lachte sie. «Schon gut, ich weiß auch nicht genau, was ein forensischer Anthropologe ist.»

«Sind Sie so eine Art Profilerin?», fragte ich möglichst diplomatisch. Es war ein Bereich, in den ich nicht viel Vertrauen hatte.

«Mein Beruf hat Aspekte davon, ist aber etwas breiter angelegt. Ich analysiere die Wesensmerkmale und Motivationen eines Täters, daneben begutachte ich aber auch Tatorte, suche nach Strategien, um Verdächtige zu verhören, und solche Dinge.»

«Und warum habe ich Sie dann heute nicht an der Grabstelle gesehen?»

«Gute Frage. Ich habe erst heute Nachmittag davon erfahren, ich muss mich also auf Fotografien verlassen. Das ist nicht ideal, aber deshalb wurde ich eigentlich auch nicht beauftragt.»

«Nein?»

Sie zögerte. «Na ja, ich schätze, es ist kein Geheimnis. Man hat mich hergebeten, weil es sein könnte, dass es noch andere Gräber in der Nähe gibt, wenn in dem ersten ein Opfer von Monk liegt. Ich soll dabei helfen, andere mögliche Grabstellen zu finden. Solche Verstecke zu finden, ist quasi eine Spezialität von mir.»

«Und wie gehen Sie dabei vor?», fragte ich neugierig. In den letzten Jahren hatte es eine Reihe von technischen Neuerungen gegeben, um vergrabene Leichen zu lokalisieren, zum Beispiel Luftfotografien, geophysikalische Mittel oder Wärmebilder. Trotzdem war die Lokalisierung von Gräbern noch immer schwierig, besonders an solchen Orten wie dem Dartmoor. Wie eine Psychologin dabei helfen konnte, war mir schleierhaft.

«Ach, da gibt es viele Möglichkeiten», sagte sie ausweichend. «Aber jetzt wissen Sie, was eine psychologische Ermittlungsberaterin tut. Sie sind dran.»