Beschreibung

Der Zauberer Max Westin ist attraktiv, arrogant und dominant – in jeder Beziehung. Als er eines Tages der betörend schönen Magierin Victoria begegnet, ist ihm sofort klar, dass sie die Seine werden muss. Doch Victoria hat auf tragische Weise ihre große Liebe verloren und den Verlust noch nicht überwunden. Auf gar keinen Fall wird sie einfach so in Max’ Bett fallen! Für Max und Victoria beginnt ein sinnliches Katz-und- Maus-Spiel voll dunkler Vergnügungen, bei dem sie beide bald nicht mehr wissen, was Realität ist und was Magie ...

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Seitenzahl: 205

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DAS BUCH

Der Zauberer Max Westin ist attraktiv, arrogant und dominant – in jeder Beziehung. Als er eines Tages der betörend schönen Magierin Victoria begegnet, ist ihm sofort klar, dass sie die Seine werden muss. Doch Victoria hat auf tragische Weise ihre große Liebe verloren und den Verlust noch nicht überwunden. Auf gar keinen Fall wird sie einfach so in Max’ Bett fallen! Für Max und Victoria beginnt ein sinnliches Katz-und-Maus-Spiel voll dunkler Vergnügungen, bei dem sie beide bald nicht mehr wissen, was Realität ist und was Magie ...

DIE AUTORIN

Die Nummer-1-Bestsellerautorin Sylvia Day stand mit ihrem Werk an der Spitze der New York Times-Bestsellerliste sowie 28 internationaler Listen. Sie hat über 20 preisgekrönte Romane geschrieben, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden. Weltweit werden ihre Romane millionenfach verkauft, Lionsgate plant derzeit eine TV-Verfilmung von CROSSFIRE. Sylvia Day wurde nominiert für den Goodreads Choice Award in der Kategorie bester Autor.

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twitter.com/sylday

Sylvia Day

VERZAUBERT

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Titel der amerikanischen Originalausgabe

SPELLBOUND

Deutsche Übersetzung von Sabine Schilasky

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Deutsche Erstausgabe 07/2016

Redaktion: Uta Dahnke

Copyright © 2013 by Sylvia Day

Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe by

Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN: 978-3-641-16215-3V001

www.heyne.de

VERTRAUTER ZAUBER

1

Der Jäger war endlich eingetroffen.

Victoria betrachtete ihn aufmerksam über die interne Überwachungsanlage, die den Eingangsbereich ihres Büros abdeckte. Sein Armani-Anzug konnte das Raubtier in ihm nicht verbergen. Der große, dunkle Jäger bewegte sich mit einer lässigen Arroganz, die Victoria zum Schnurren brachte. Er blickte sich nicht um, sondern war ganz auf den Moment fixiert, in dem sie zusammen in einem Raum wären. Allein.

Als sie sich die Hände rieb, erfüllte ein kehliges Knurren die Luft. Der Hohe Rat wollte sie mal wieder verwirren. Sie lächelte und putzte sich, wie es in der Natur ihrer Art lag. Dieser Jäger war mächtig; das fühlte sie sogar durch die Wände, die sie trennten.

Und es sprach für ihr eigenes Können, dass sie einen Zauberer wie ihn auf sie ansetzten. Unweigerlich fühlte sie sich geschmeichelt. Schließlich hatte sie absichtlich gegen die Gesetze verstoßen und willentlich ebenjene Mächte angelockt, die ihr Darius genommen hatten. Und hier war ihre »Bestrafung«. Mit langen, festen Schritten kam er in ihr Büro. Die Wahl des Jägers hätte sie kaum mehr erfreuen können.

Er schenkte der Empfangssekretärin noch ein hinreißendes Lächeln, bevor er die Tür hinter sich schloss. Dann wandte er sich Victoria zu und nahm die Sonnenbrille ab.

Oh Mann!

Sie schlug die Beine in den Seidenstrümpfen übereinander, um das plötzliche Brennen zwischen ihren Schenkeln zu lindern.

Stechende graue Augen musterten sie. Seine Züge waren von solch schöner Strenge, dass Victoria beinahe geneigt war, aufzustehen und sich an ihm zu reiben. Dieses markante Kinn … diese gemeißelten Lippen …

Aber natürlich konnte sie das nicht tun. Zuerst musste sie abwarten, ob er verriet, wer er war, oder ihr etwas vorgaukeln wollte. Der Hohe Rat hatte noch nicht begriffen, welche Macht Darius ihr übertragen hatte. Sie wussten bislang nicht, wie viel sie wusste.

Ihr Blick wanderte zu der kristallgerahmten Miniatur auf ihrem Schreibtisch und dem Mann mit dem verwegenen Grübchen, der ihr liebevoll zulächelte. Darius war auf dem Ölgemälde wunderbar getroffen; kleine Goldakzente schimmerten in seinem blonden Haar. Sein Anblick rief das schmerzliche Verlustgefühl und den Kummer in ihr wieder wach und stärkte ihre Entschlossenheit. Sein Tod befeuerte ihren Wunsch nach Vergeltung.

Victoria stand auf und streckte ihre Hand aus. Der Jäger nahm sie gelassen, und sie spürte seine Macht.

»Mr. Westin«, hauchte sie und unterdrückte einen köstlichen Schauer. Sie müsste dem Rat für dieses Geschenk danken, wenn sie mit ihm fertig war. Er war so dunkel – seine Haut, sein rabenschwarzes Haar, seine Aura. Purer Sex. Sie konnte es riechen und, als er näher trat, auch fühlen. Es war offensichtlich, warum er ein so erfolgreicher Jäger war. Victoria war jetzt schon feucht und willig.

Max Westin hielt ihre Hand ein bisschen zu lange, und sein Blick sagte ihr unmissverständlich, dass er beabsichtigte, sie zu haben und zu zähmen. Wie alle Katzen spielte Victoria gern. Deshalb strich sie mit den Fingerspitzen über seine Handinnenfläche, als sie ihre Hand zurückzog. Westins Augen weiteten sich kaum merklich – ein winziges Indiz dafür, dass sie ihn herumbekommen könnte, wenn sie sich nur wirklich anstrengte.

Natürlich hatte sie genau das vor. Der Hohe Rat schickte nur seine besten, meistgerühmten Jäger zu ihr, und Victoria wusste, wie sehr es den Rat wurmte, dass diese Elite verlässlich scheiterte. Es war das Einzige, was sie tun konnte, um sich nicht völlig hilflos zu fühlen: Die Mitglieder des Rats daran erinnern, wie großartig Darius gewesen war und was sie verloren, als sie ihn gänzlich unnötig opferten.

»Miss St. John.« Westins Stimme war wie ein grobes Streicheln. Alles an ihm war ein wenig grob und rau. Er war eine primitive Kreatur, genau wie sie.

Victoria wies auf den Stuhl vor ihrem gläsernen Schreibtisch. Nachdem er einen Knopf an seinem Jackett geöffnet hatte, setzte Max sich. Seine dunkelblaue Hose spannte sich über den festen Schenkeln, zwischen denen sich eine eindrucksvolle Wölbung abzeichnete.

Victoria fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Nicht schlecht …

Sein einer Mundwinkel hob sich zu einem vielsagenden Lächeln. Max Westin war durchaus bewusst, wie unwiderstehlich er für sie war. Und Selbstbewusstsein war etwas, was Victoria sehr schätzte. Ebenso wie einen Hauch Verwegenheit, den Westin zweifellos besaß. Diese düstere Aura verriet seine gelegentlichen Ausflüge in die dunkle Magie. Victoria bezweifelte, dass der Rat ihn besser im Griff hatte als sie.

Schon jetzt mochte sie ihn sehr. Sie sank auf ihren Stuhl zurück und stellte ihre Beine unter dem schwarzen Bleistiftrock so zur Schau, dass sie bestmöglich zur Geltung kamen.

»Das Museum möchte sich aufrichtig für den Verlust Ihrer Halskette entschuldigen«, begann er.

Victorias Lächeln wurde breiter. Er wollte ihr also nicht erzählen, wer er war. Wie köstlich. »Sie sehen gar nicht aus wie ein Kurator, Mr. Westin.«

»Ich vertrete die Versicherung des Museums. Natürlich werden bei einem Verlust dieses Ausmaßes Nachforschungen angestellt.«

»Wie beruhigend.«

Victoria beobachtete ihn durch ihre dichten Wimpern und bemerkte diese Energie, die auf ein rastloses Naturell schließen ließ. Seine festen, vollen Lippen versprachen sündige Wonnen. Victoria mochte sündige, dynamische Männer. Dieser hier war ein bisschen zu streng für ihren Geschmack, aber mit den richtigen Überredungsmethoden ließe sich das noch ändern. Letztlich gaben sie alle nach. Und den Teil des Spiels mochte sie am wenigsten – das Aufgeben.

»Sie wirken erstaunlich entspannt«, murmelte Westin, »für eine Frau, die gerade ein unbezahlbares Schmuckstück verloren hat.«

Victorias Zehen krümmten sich. Seine Stimme war so tief und leicht heiser, als käme er eben aus dem Bett. Zum Anbeißen, wie der Rest von ihm. Er war breitschultrig, zugleich schlank, und bei jeder seiner Bewegungen wölbten sich seine gut trainierten Muskeln.

»Deshalb hysterisch zu werden würde nichts ändern«, sagte sie achselzuckend. »Außerdem sind Sie hier, um die Kette zu finden, und Sie sehen … fähig aus. Warum sollte ich mir Sorgen machen?«

»Weil ich sie vielleicht nicht finden werde. Ihr Vertrauen in meine Fähigkeiten ist schmeichelhaft, Miss St. John, und nicht ungerechtfertigt. Ich bin sehr gut in meinem Job. Dennoch sind die Dinge manchmal anders gelagert, als es den Anschein hat.«

Es war eine Warnung – schlicht und ergreifend.

Nachdenklich stand Victoria auf und trat an die Fensterfront hinter ihrem Schreibtisch. Obwohl sie ihm den Rücken zukehrte, konnte sie seinen musternden Blick spüren. Sie spielte mit den Perlen an ihrem Hals und sah hinaus auf die Skyline der Stadt. »Notfalls kaufe ich mir eben eine neue Kette. Wenn man bereit ist, den entsprechenden Preis zu zahlen, bekommt man alles, Mr. Westin.«

»Nicht alles.«

Fasziniert drehte Victoria sich um und war überrascht, dass er näher kam. Er stellte sich neben sie und betrachtete die Aussicht, auch wenn er vollkommen auf Victoria konzentriert war. Sie spürte, wie seine Energie über sie hinwegglitt, auf der Suche nach ihren Schwächen.

Außerstande, der Gefahr zu widerstehen, rieb sie ihre Schulter an ihm und atmete den maskulinen Duft seiner Haut ein – eine Mischung aus Tausend-Dollar-Eau-de-Cologne und purem Max Westin. Ihre Atmung wurde flacher, und ihr Herz schlug schneller. Rasch ging sie auf Abstand. Es war lange her, dass sie sich einem mächtigen Mann hingegeben hatte. Zu lange. Die anderen Jäger waren gerissen und verführerisch gewesen, doch Westin war reine Magie.

»Max«, sagte sie leise. Willentlich trieb sie die Vertrautheit voran, indem sie ihn mit seinem Vornamen ansprach.

»Hm?«

Sie blickte über ihre Schulter. Er folgte ihr. Stellte ihr nach. Und erinnerte sie daran, dass er hier das Raubtier war.

Ach, er könnte Spaß machen. Falls er denn spielen wollte.

»Essen Sie mit mir zu Abend.«

»Bei mir«, stimmte er zu.

Victoria ging zum Kühlschrank und holte zwei Milchflaschen heraus. Die wählte sie absichtlich, um ihm zu zeigen, dass sie wusste, was er wusste. Ihm war bekannt, wie sie tickte. Doch wusste er auch, warum?

War Westin klar, dass Darius mit seinem letzten Atemzug seine Macht auf sie übertragen hatte, wodurch sie weit mächtiger wurde als die durchschnittliche Gehilfin? Wusste Westin, dass ihr Zauberer sie geliebt hatte und dass diese Liebe sie in die Lage versetzt hatte, nun ihre eigenen Entscheidungen zu treffen?

Vor Darius’ Geschenk war sie wie alle anderen Gehilfinnen und Gehilfen gewesen. Der Hohe Rat arrangierte die Paarungen zwischen ihrer Art und den möglichen magischen Gegenstücken, ungeachtet ihrer Wünsche. Manche Gehilfinnen waren unglücklich mit ihren Partnern. Victoria hatte gleich beim ersten Mal Glück gehabt und eine Liebe zu Darius entwickelt, die alle Zeit überstand. Und aufgrund dieser Liebe war sie nun zu stark, als dass sie je wieder gegen ihren Willen genommen werden könnte. In den zwei Jahrhunderten seit seinem Ableben war es keinem Hexenmeister gelungen, sie an die Leine zu legen. Westin würde es nicht besser ergehen. Sie hatte einmal geliebt, und das intensiv. Für sie würde es nie wieder einen anderen Zauberer geben.

Victoria schwang die Hüften und lächelte verführerisch, als sie zu ihm zurückging. »Wie wäre es bei mir?«

»Nein.« Er bemerkte die Flasche in ihrer ausgestreckten Hand, legte seine Hand auf ihre und ließ sie dort. Er hielt sie fest. »Victoria.«

Es war nur ein Wort, nur ihr Name, doch mit solcher Autorität ausgesprochen, dass Victoria fast schon das Halsband fühlen konnte. Jäger hielten sich keine Gehilfinnen. Sie fingen sie ein und reichten sie an die niederen Zauberer weiter. Victoria würde nie zulassen, noch einmal auf diese Weise zugeteilt zu werden.

So standen sie da, berührten einander, schätzten einander ab. Victoria neigte den Kopf zur Seite und gab sich keine Mühe, ihr Interesse zu verbergen. Es wäre ohnehin unmöglich gewesen, da sich ihre harten Nippel unter der grünen Seidenbluse abzeichneten. Ihre Brust hob und senkte sich rasch, und Max’ Nähe und sein verführerischer Duft machten sie heiß. Er war so groß, so hart, so stark. Einzig die seidige dunkle Locke, die ihm in die Stirn fiel, machte seine maskulinen Züge ein wenig weicher. Wäre er kein Jäger, würde Victoria ihn direkt besteigen, so sehr wollte sie ihn.

Als sein Blick auf ihre geschwollenen Brüste fiel, verzog sich sein Mund zu einem lüsternen Lächeln. »Ich wette, dass ich der bessere Koch bin«, raunte er. Seine Finger streichelten ihre und erregten Victoria.

Sie schmollte. »Das können Sie nicht wissen, wenn Sie nicht zu mir kommen.«

Er wich zurück, und sein Charme war wie weggeblasen. »Entweder bei mir, oder ich muss ablehnen.«

Victoria wünschte, sie wäre in Katzengestalt, denn dann könnte sie mit ihrem Schwanz nach ihm schlagen. Max Westin war es eindeutig gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Er war dominant wie alle Jäger. Zu schade, dass sie es auch war.

»Ein Jammer.« Und das meinte sie ernst. Ihre Enttäuschung schmerzte geradezu, denn seine Wohnung kam nicht in Frage. Wer weiß, was für Zauber er dort installiert hatte? Und welche Spielzeuge er besaß. Ebenso gut könnte sie in einen Käfig marschieren.

Sie ignorierte das Kribbeln, das sie bei diesem Gedanken überkam.

»Haben Sie es sich anders überlegt?« Seine Überraschung war fast mit Händen zu greifen.

Der Mann hörte viel zu selten ein Nein.

»Ich bat Sie zum Dinner, Mr. Westin, und Sie knüpften Bedingungen an die Einladung.« Sie deutete zur Tür. Ihre Abfuhr dürfte ihn maßlos ärgern. »Ich akzeptiere keine Bedingungen.«

Damit hatte sie ihn gewarnt.

Als er keine Anstalten machte zu gehen, schnurrte sie vernehmlich. Es war ein weiches, raspelndes Geräusch, bei dem Westin die Zähne zusammenbiss.

Demnach beruhte die rasende Anziehung auf Gegenseitigkeit. Nun fühlte Victoria sich gleich ein wenig besser damit, länger auf ihn warten zu müssen.

Gelassen hob Westin die Milchflasche an die Lippen und trank. Vom Anblick seiner Schluckbewegungen wurde Victoria der Mund trocken. Die angedeutete Drohung entging ihr nicht.

Dann stellte er die leere Flasche auf ihrem Schreibtisch ab und kam auf sie zu. Dabei knöpfte er seine Jacke zu und ergriff Victorias Hand. Seine Berührung brannte, obwohl seine Haut kühl und vom Kondenswasser an der Flasche feucht war. Und sein Blick war so eisig wie sein Händedruck. Er würde sich etwas ausdenken und wiederkommen, das wusste Victoria.

Und sie würde warten.

Sie streifte seine Handfläche mit den Fingern, ehe sie ihn losließ. »Bis bald, Max.«

Max verließ das St.-John-Hotel und fluchte. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte er gegen die Erektion, die auf dem belebten Gehweg nur peinlich war.

Victoria St. John war ein Problem.

Er hatte es schon geahnt, als ihn der Rat rief. Verwilderte Katzen zu zähmen war Sache niederer, neuerer Zauberer. Zuerst hatte ihn die Bitte erstaunt, dann fasziniert. Und nachdem er seine Beute gesehen hatte, verstand er den Grund.

Victoria bewegte sich mit der natürlichen, verschlagenen und verspielten Eleganz einer Katze. Ihr kurzes schwarzes Haar und die leicht schrägen grünen Augen machten sie auf schwindelerregende Weise betörend. Max hatte ihr Bild schon hunderte Male gesehen und nie mehr empfunden als die übliche Wertschätzung für ein schönes Gesicht. In natura aber war Victoria umwerfend, schiere Sinnlichkeit und Hitze. Sie war ein bisschen zu schlank für Max’ Geschmack, eher dünn als kurvig, aber diese Beine … Diese unfassbar langen Beine …

Bald würden sie um Max’ Hüften geschlungen sein, während er seinen Schwanz tief in ihr versenkte. Leicht würde es allerdings nicht werden. So viel hatte ihm ihr Lächeln verraten.

Sie wusste, wer und was er war, was bedeutete, dass die Gerüchte über ihre Kräfte stimmten. Sie war keine gewöhnliche Gehilfin.

Max schüttelte den Kopf. Darius war ein Idiot gewesen. Gehilfinnen brauchten die feste Hand eines Zauberers, sonst verwilderten sie. Victoria war ein Paradebeispiel dafür. Sie war viel zu wild und widersetzte sich dem Hohen Rat, wo immer sie konnte.

Und ihm auch.

Fasziniert ging Max im Geiste die Informationen durch, die er vor dem Treffen heute über sie zusammengetragen hatte. Victoria war eine echte Prominente in ihren Kreisen. Sie war dank ihres wachen Geschäftssinns von der Geschäftsführerin eines einzelnen Motels zur Besitzerin einer der größten Luxushotelketten im Land geworden. Bis zum Tod ihres Zauberers war sie ein geschätztes Mitglied der magischen Gemeinde gewesen. Ihre Wildheit seit Darius’ Tod hatte allerdings den Rat in seiner Haltung bestärkt, dass Paarungen am besten wohlkalkuliert vorgenommen werden und keine Liebesverbindungen sein sollten. Gelegentlich entstand trotzdem Liebe zwischen Zauberer und Gehilfin, wie es in Victorias Fall geschehen war, aber dank der Intervention des Rats kam das sehr viel seltener vor als früher.

Max bog um eine Ecke in eine Seitengasse. Mithilfe seiner besonderen Kräfte überbrückte er die Distanz zu seiner Penthouse-Wohnung am anderen Ende der Stadt binnen eines Augenblicks. Dort lief er rastlos auf und ab, weil seine Nerven blank lagen. Er bezweifelte nicht, dass Victoria St. John selbst ihre Halskette gestohlen hatte. Solch einen Diebstahl hätte ein Mensch unmöglich bewerkstelligen können.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Museum waren viel zu gut. Victoria hatte es in dem Wissen getan, dass sie mit dieser Unverfrorenheit einen weiteren Jäger anlocken würde. Der Rat arbeitete unermüdlich daran, die Existenz ihrer Art vor den Menschen verborgen zu halten. Und Victorias dreiste Missachtung der Gesetze musste gestoppt werden, ehe sie alle bloßgestellt wurden.

ENDE DER LESEPROBE