Vielleicht nicht heute oder morgen – aber dann… - Yvonne Kalb - E-Book

Vielleicht nicht heute oder morgen – aber dann… E-Book

Yvonne Kalb

0,0
9,99 €

oder
Beschreibung

Eine weise Frau sagte einmal zu Isabella: „Vielleicht nicht heute oder morgen - aber dann werden all deine Wünsche in Erfüllung gehen. Auch wenn es manchmal ein bisschen Zeit braucht, halte durch und hör´ bitte niemals auf zu träumen.“ Aber wann ist denn „dann“? Wie lange muss man denn warten, bis sich die Wünsche und Träume vielleicht erfüllen? Isabella, eine junge Frau, die „eigentlich“ nur einen Wunsch hat: Endlich als Fotografin erfolgreich zu sein. Denn die Suche nach der wahren Liebe hat sie längst aufgeben, auch wenn sie fest daran glaubt, dass es die Liebe auf den ersten „klick“ gibt. Ihre Kindheit war gezeichnet von Disziplin und dem Gefühl, sie könne ihrer Mutter niemals etwas recht machen. Max, ihr Freund aus der Kindheit, war ihr einziger Lichtblick in Italien, gemeinsam bildeten sie die „teuflischen Zwei“. Dann verlässt sie als junge Erwachsene ihr „Schnöselheim“-Elternhaus am Gardasee und geht zurück nach München. Ob sie Max je wiedersehen wird? Gemeinsam mit ihren Freunden startet die Halbitalienerin in Deutschland in eine neue und turbulente Zukunft zwischen Spielzeug, Pleiten, Pech und Pannen spaziert sie auf der Brücke der Ereignisse. Das Leben hat eben manchmal andere Pläne und Wege für uns bereit. Denn für Isabella ändert sich alles mit nur einem Anruf und ein Geheimnis sorgt für eine plötzliche Wendung in ihrem Leben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhaltsverzeichnis

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

24.

25.

26.

27.

28.

Danksagung

Bücher der Autorin

Über die Autorin

Yvonne Kalb

Vielleicht nicht heute oder morgen – aber dann …

Personen und Handlung in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Dieses Buch ist auch als Taschenbuch erhältlich.

Copyright 2021 Yvonne Kalb

c/o AutorenServices.de Birkenallee 24 36037 Fulda

www.yvonnekalb.com

Herstellung und Verlag: tolino media

ISBN: 9783754606902

Lektorat: Katrine Hütterer

Covergestaltung: Yvonne Kalb

Coverdesign und – bild: Canva

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Verfasserin unzulässig.

1.

„Einen wunderschönen guten Morgen Isabella!“ Ach, ich liebe meinen sprechenden Wecker. Ist die Welt nicht wunderbar? Die Sonne lacht. Was braucht es mehr. Ich könnte Bäume ausreißen, mit diesem Gefühl starte ich gerne in einen wundervollen Tag. So jetzt flott aus dem Bett und unter die Dusche, aaaaah immer wird das schlagartig kalt, arschkalt. O Mann, jetzt habe so viel Schaum in den Haaren. Na, ganz toll, ich hasse die alten Wasserleitungen in diesem Haus. Mal ist das Wasser kochend heiß, dann arschkalt. Ich bin noch viel zu jung für eine Kneiptherapie. Gut, Augen zu und durch. Geht ja nicht anders.

Scheiße, ist das kalt, schnell abtrocknen und warm föhnen. Was ist denn jetzt los? Ich glaub es nicht, gestern funktionierte der Scheiß-Fön noch. Was ist das denn? Ist die Zwei-Jahresgarantie schon abgelaufen? Meistens gehen nach zwei Jahren gefühlt alle Elektrogeräte kaputt. So langsam werde ich doch etwas zickig. Okay, noch ist nicht alles verloren, ich laufe zurück ins Bett, wärme mich auf, dann zieh ich mich schnell an und trinke einen Kaffee, dann ist wieder alles schick. Puuuuuh, jetzt tief durchatmen! Verdammt, Isabella, der Kaffee ist leer. Mann, was ist denn heute Morgen los? So viel zu einem wunderschönen Start in den Tag. Ich könnte schreien. Jetzt bloß nicht aufregen, nicht weinen, alles ist gut, der Tag geht sicher nicht so weiter, wie er gerade überraschend begonnen hat. Ne, ne, gleich bei Jonas im Geschäft ist sicher wieder alles gut, der Kaffee dort schmeckt eh viel besser. Bla, bla, positives Denken … Ach, vergiss es. Fuck! Willkommen, beim ‚Tag der toten Ente‘ – dem ‚Alles-ist-doof-Tag‘, dem ‚Alles-geht-in-die-Hose-Tag‘. Ich hasse diese Tage. Also, ich bin Isabella Romano und habe jetzt echt schlechte Laune, genau in solchen Momenten spüre ich meine Wurzeln, denn mein italienisches Blut ist fast am Kochen. Ich lebe in München und arbeite in einem Spielwarengeschäft mit dem grandiosen Namen Tinkiwinki. – Grausamer Name! (Liegt nur an meiner Stimmung – ne, der Name gefällt mir auch bei guter Laune nicht.)

Also, ich finde man sollte aus dem ‚Tag der toten Ente‘ einen Feiertag machen, wenn es nicht so traurig wäre. Denn auf gut Deutsch, ich habe meinen Depri-Tag und keinen Bock mehr. Wer kennt diese Tage nicht? Kaltes Wasser, der Fön ist Schrott, und das Beste vom Besten ist noch, dass der Kaffee leer ist, o Mann, das nervt total.

So sollte kein Tag starten. Das ist die beste Grundlage für die ‚tote Ente‘. Toll, was kommt denn sonst noch alles heute? So viel Pech kann man doch nicht in den ersten dreißig Minuten eines neuen Tages haben. Das ist doch unfassbar. Großartig, jetzt füllt sich auch noch der Tränenkanal, also bitte, warum das denn? Jetzt sitze ich hier heulend in meiner Wohnung in der wunderschönen Stadt München und ich weiß noch nicht einmal, warum? Liegt es am kalten Wasser, dem fehlenden Kaffee oder am Fön, der Schrott ist? Ne, ich glaube eher nicht. All diese Dinge sind nervig, sind aber kein Grund zum Heulen. Scheinbar kommt heute einfach alles wieder hoch, was mich unbewusst so beschäftigt, denn gerade fällt mir meine Vision wieder ein, dass ich doch von Italien zurück nach München gekommen bin, um meinen größten Wunsch zu verwirklichen. Ich möchte endlich eine erfolgreiche Fotografin sein, weil ich gut fotografieren kann, und eben Spaß daran habe. Nur hat das bis jetzt noch nicht funktioniert, eigentlich ist mein Leben, was das angeht, total in die Hose gegangen, aber ich bereue nichts. Ich werde es niemals bereuen, zurück nach München gegangen zu sein, bis auf das, dass ich Max zurückgelassen habe, er hätte einfach mit mir gehen sollen, och Max. Hm …

Meine Eltern (oder eher meine Mutter) haben nie daran geglaubt, dass ich es schaffe und dass Fotografin der richtige Beruf für mich ist. Das macht das Ganze nicht besser. Naja, viel Unterstützung von zuhause habe ich nicht bekommen, ich hatte den Eindruck, als ob meine Mutter etwas anderes für mich vorgesehen hatte. Ich kann das Gelächter von ihr förmlich in meinen Ohren hören. „Na, was habe ich dir gesagt? Das war wohl nichts.“ „Du hättest in die Firma miteinsteigen sollen, aber du hattest ja schon immer deinen eigenen Kopf und jetzt schau, wie weit du gekommen bist.“ Ich werde den Teufel tun und zu meinen Eltern kriechen und um Hilfe bitten. Auf keinen Fall. Auch wenn sie die Mittel und die Bekanntheit haben, um mich als Fotografin zu unterstützen, ich werde sie niemals darum bitten. Nö, nö, niemals, never ever! Zum Glück sehe ich sie sehr selten, eigentlich nie, sodass ich nicht erklären muss, warum mein Leben so ist, wie es ist. Sie leben in Italien und ich in München und das ist auch gut so, weit genug voneinander entfernt.

Meine Nonna sagte zu mir immer: „Vielleicht nicht heute oder morgen – aber dannwerden all deine Wünsche in Erfüllung gehen. Auch wenn es manchmal ein bisschen Zeit braucht, halte durch und hör´ bitte niemals auf zu träumen.“ Jo, ich arbeite dran.

Dieser Spruch ist zu meiner Devise geworden, wenn ich ihn auch gerne abkürze.

So, jetzt mal ehrlich, Isabella, geht es dir wirklich so mies? Ist dein Leben wirklich so unerfüllt, ohne das Fotografinnen-Dasein? Hm, ne, eigentlich nicht, eigentlich geht es mir richtig gut, ich habe alles, was ich brauche. Und eigentlich ist das, was ich gerade mache, Jammern auf höchstem Niveau. Ich habe seit drei Jahren einen super Job bei meinem besten Freund Jonas in seinem Spielwarengeschäft, er hat sich früh selbstständig gemacht. Seitdem ich ihn kenne, war dieses Geschäft sein größter Traum. Unsere beste Freundin Jess ist Lehrerin, wahrscheinlich die beste, die es gibt und ist stets zur Stelle, gemeinsam unternehmen wir viel. Irgendwie warten wir alle drei auf die große Liebe, denn wir haben es aufgegeben, nach bewusst danach zu suchen oder überhaupt ihr nachzulaufen, so ein Quatsch, das ist viel zu anstrengend und man glaubt ja gar nicht, was es für Vögel gibt, auf die man sich so einlassen kann. Also haben wir beschlossen, wir warten einfach mal ab. Jeder Topf hat schließlich auch einen Deckel. In der Zwischenzeit machen wir uns eine schöne Zeit zu dritt. Ich liebe mein Leben. Alles wird sich mit der Zeit schon fügen. (Bla, bla. Oh je, ‚mit der Zeit‘? Das kann noch lange dauern.)

Aber gut, alles gar nicht so schlimm. Der richtige Mann kommt von allein und ich werde es auch sicher noch irgendwann zur Fotografin schaffen. Ich kann es schon fühlen, wie es wäre, wenn sich mein Traum erfüllt hat. Ich weiß ganz genau, wie mein Atelier aussehen soll. Es wird eine schöne, helle und doch gemütliche Räumlichkeit. Einen Bereich mit meiner eigenen Bilderausstellung. Fotos von zwischenmenschlichen Begegnungen, von der Natur und dem Leben im Allgemeinen. Dann gibt es einen Bereich, um die Fotos zu machen, mit allem, was es braucht. Ständig höre ich das Telefon klingeln, sodass ich jemanden einstellen muss, der die Termine macht. Weil alle eine spitzenmäßige Fotografin brauchen. Ich gebe meinen Traum niemals auf. Ich werde als Fotografin überall sein. Von der prunkvollen Hochzeit bis zum Promi-Dinner hin zum Kindergeburtstag und dem Abiball, es ist einfach alles dabei. Weil ich für jeden da bin, ich mache keinen Unterschied. Mensch ist Mensch. Ich möchte jedem seinen besonderen Tag unvergesslich festhalten. Denn viel zu schnell vergessen wir spezielle Erlebnisse und das Gefühl dazu, wie es war. Meine Bilder sollen all dies festhalten. Ja genau, das wäre schön. So wird es sicher auch kommen. Ich muss nur fest daran glauben, genauso, wie ich daran glaube, dass es die große, wahre Liebe gibt, ich muss nur warten. Wo Geduld genau meine Stärke ist. „Als Gott damals die Geduld verteilt hat, bin ich gegangen, es dauerte mir zu lange.“ Es gibt tausend Postkarten mit diesem Spruch. Jedes Mal, wenn ich so eine sehe, erkenne ich mich wieder. Das macht es nicht immer ganz so leicht. Meine Ungeduld treibt mich an, aber sie frustriert mich auch manchmal, so wie heute. Da sehe ich alles schwarz, es gibt dann kein Grau und ganz sicher kein Weiß. Nein, alles ist tiefschwarz. Manche Menschen würden sagen, ich habe eine Depression, ich sage nur ‚tote Ente‘, zum Glück bleibt die nie so lange, und das ist gut so. Ich bin ja froh, dass ich trotzdem auch in solchen Momenten erkenne, wie wundervoll mein Leben eigentlich ist. Also, keine Depression. Ne! Also ist der IST-Zustand gar nicht so schlimm.

Wie sagt die Jugend heute: „Komm runter und chill mal.“ Gar keine so schlechte Idee …

2.

Überwiegend bin ich in München aufgewachsen. Mein Vater Milo und meine Mutter Katharina liebten beide schon immer Italien, besonders mein Vater, denn er ist Vollblut-Italiener, ursprünglich kommt er aus Verona. Er lernte meine Mutter in Deutschland kennen, während er in München sein Millionenunternehmen in der Computertechnik aufbaute. Ein Klassiker, wie ich finde. Er stellte sie ein, denn er brauchte jemanden, eine rechte Hand, die alles für ihn erledigte, ihm den Rücken freihielt, damit er sich nur um das Wesentliche kümmern konnte. Es vergingen ein paar Jahre der gemeinsamen Arbeit, bis sie endlich wahrgenommen haben, dass sie nicht ohneeinander leben möchten und sich aus tiefstem Herzen liebten. So heirateten sie ganz festlich in Italien. Direkt am Gardasee, in einer wunderschönen Villa. Meine Oma und mein Opa haben das alles organisiert. Sie leben in Verona, nicht weit vom Gardasee. Nach einem Jahr erblickte ich dann das Licht der Welt.

Mein Papa war überglücklich, eine Tochter geschenkt zu bekommen. Er bestand auf den Namen Isabella, zu Ehren seiner verstorbenen Oma. Ist das nicht schön? Schade, dass ich meine Uroma nie kennengelernt habe.

Ich erinnere mich noch, früher waren wir oft zu Besuch bei meinen Großeltern väterlicherseits, in Italien. Von den Eltern meiner Mutter habe ich noch nie etwas erzählt bekommen. Meine Mutter sagte, sie seien früh gestorben und das war es dann auch schon, damit war das Thema für sie durch. Ich habe auch nicht nachgefragt. Es hätte eh nicht viel Sinn gemacht. Sie blockte direkt ab, es war ihr scheinbar sehr unangenehm. Meine italienische Nonna hat mir viel über meine Eltern erzählt. Für mich war es früher sehr wichtig zu wissen, was die wahre große Liebe ist und ob meine Eltern das so erlebt haben. So richtig vorstellen konnte ich es mir nie, denn wenn ich es meiner Mutter nicht recht machen konnte, wie sollte es dann mein Vater schaffen? Ich wollte einfach alles wissen, wie sie sich kennengelernt hatten bis hin zur Hochzeit. Ich glaubte immer an einen Prinzen auf einem weißen Pferd. Wobei das nach dem Wissen meiner Nonna wohl eher ein Esel oder eine Ziege wäre, zumindest in Italien. Bis jetzt habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass es den Prinzen nicht gibt, zumindest habe ich ihn noch nicht kennengelernt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wenn es meine Eltern schaffen, wie auch immer, dann ich doch sicher auch.

Mama und Papa hatten scheinbar eine wirklich schöne Zeit miteinander. Jo, meine Eltern, was soll ich da sagen, alles hört sich doch ganz wunderbar an, wenn ich so darüber nachdenke. Ich habe meine Eltern so erlebt, dass mein Papa der Herzliche ist und sich eher zurückhält und meine Mama eigentlich permanent streng war. Heute würde man sicher sagen, dass sie in der Ehe die Hosen anhatte, bis heute. Sie hat bis heute das Talent, meinen Namen so streng mit einem skeptischen Unterton auszusprechen, dass ich immer zusammenschrecke. Warum? Keine Ahnung. Ich mag es lieber, wenn man mich Isa nennt. Soll man gar nicht glauben. Aber so ist es. Papa lässt sich noch heute gerne von ihr mitziehen, obwohl er ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, der ein ganzes Unternehmen für Computertechnik leitet. Aber vielleicht ist das auch normal, denn zu Hause konnte er damals lockerlassen und kann die Verantwortung teilen, na gut, oder eben abgeben und sich entspannen und sein kleines Mädchen verwöhnen, was meine Mutter nicht so großartig fand. Sie steht auf Disziplin und feste Regeln.

Und ich? Ich bin halb Italienerin und halb Deutsche. Ich spreche zwei Sprachen, in mir lodert manchmal italienisches und temperamentvolles Blut, besonders wenn ich Hunger und zu wenig Schlaf bekomme, aber das kommt zum Glück heute so gut wie nicht mehr vor. eine ersten vierzehn Jahre habe ich in einem noblen Vorort von München gelebt. Nicht selten war ich früher allein. Ich hatte gefühlt vom ersten Tag an eine Nanny, sie brachte mich in den Kindergarten, zur Schule, machte mit mir Hausaufgaben, kochte mir Essen und backte mit mir Kuchen und was machte meine Mutter? Sie meckerte, wie ich mich zu verhalten habe, damit sie nach außen einen guten Eindruck machten. Nach Jahren harter Arbeit, wurden meine Eltern erfolgreich, verdienten ohne Ende Schotter, sodass sie sich ihren Traum von einer Villa in Malcesine, am Gardasee erfüllt haben. Und somit haben dann meine Eltern beschlossen, sich am Gardasee zu verwirklichen. (ganz großartig, das war auch genau mein Plan). Jetzt arbeiten andere für sie. Papa ist natürlich weiterhin Firmeninhaber, jedoch hat er einen Geschäftsführer, auf den er sich verlassen kann und somit kommt er nur noch gelegentlich nach München, um nach dem Rechten zu schauen.

Der Tag des Umzugs nach Italien war das Schlimmste für mich, von dem Tag an änderte sich für mich einfach alles. Wir sind umgezogen in eine noch noblere Gegend, in ein neues Land. Ich musste in eine neue Schule und lernte neue schnöselige Leute kennen. Es war ein komplett neues Leben (ganz toll). Ein Leben, das ich noch weniger wollte als das zuvor. Wegziehen wollte ich niemals, es war ein totales Desaster. Alles, was mir lieb war, musste ich zurücklassen. Auch wenn wir nicht weit von den Grenzen zu Österreich, Schweiz und Deutschland waren, fühlte es sich unendlich weit weg an. Ich musste meine einzigen und wichtigsten Menschen zurücklassen. Meine Freunde Jess und Jonas, sie waren die einzigen, auf die ich mich immer verlassen konnte, bei denen ich so sein konnte, wie ich wirklich bin. Die Erwartungen von meinen Eltern, besonders die meiner Mutter, konnte ich auch in Italien nur schlecht ertragen, und noch viel weniger erfüllen. Ich bin noch heute dankbar dafür, dass Jess und Jonas in all den Jahren nie den Kontakt zu mir abgebrochen haben, trotz der Entfernung. Sie waren mein Anker nach München. Nicht selten haben sie mich wieder aufgemuntert.

Meine Eltern haben es eben geschafft und sie gehören zu den oberen Zehntausend. Das ist wirklich nett und ich weiß, was sie alles dafür getan haben, ich gönne es ihnen von Herzen. Zu ihrem Freundeskreis gehören Nachbarn, Clubmitglieder, mit denen sie regelmäßig segeln gehen (gääähn) oder Schmarotzer, die sich erfolgreich bei meinem Eltern einschleimen möchten. Aber das haben sie noch nicht verstanden. Auch okay. Es war ihnen schon immer wichtig, was ihr Umfeld über sie und ganz besonders über mich sagt. Die Vorbildtochter war ich wahrscheinlich nie, ich glaube, sie haben sicher zwischendurch gedacht, ich wäre die Ausgeburt der Hölle. Ich war eben eine kleine Rebellin und habe mich gegen alles gewehrt, was man mir aufgetragen hat, ganz besonders ab dem Tag, an dem wir in Italien angekommen sind. Ich konnte es ihnen niemals verzeihen, dass ich alles, was mir heilig war, zurücklassen musste, nur damit sie ihren Traum verwirklichen konnten. Ich fand das echt egoistisch. Ich war vierzehn. Zu jung, um mich zurückzulassen und zu alt, um einfach unfreiwillig wegzuziehen. Wir sind damals mit allem, was meine Eltern hatten und das war nicht wenig, in unser neues Haus eingezogen. Die Nachbarschaft war ja ganz nett, es beobachte mich ein Junge. Er saß oft allein rum, und sah ziemlich unglücklich aus. Da ich das verstehen konnte, haben wir uns angefreundet. Schnell wurde klar, dass auch er sich ein anderes Leben wünschte. Auch er war ein kleiner Rebell und hatte keinen Bock auf dieses piekfeine Leben. Er wollte auch mehr erleben, mehr sehen, und sich nicht eingeschränkt fühlen. Ja, das war Max, ebenso zugezogen aus Deutschland. Er war in Italien mein Lichtblick. Gemeinsam gingen wir zur Schule und haben die Gegend unsicher gemacht. Jeder kannte die ‚teuflischen Zwei‘. Wobei ich bis heute sagen muss, so schlimm waren wir gar nicht. Unsere Eltern empfanden es so schlimm. Na gut, wir sind im Sommer mal über den Zaun des Freibads gehüpft. Passiert! Ich würde auch sagen, wir sind drüber gestolpert, der Zaun war nicht hoch. Total harmlos, wie ich finde. Wir waren eben nicht die typischen Kinder, die mit einem Stock im Rücken ganz brav, höflich und leise am Tisch sitzen. Sowas Langweiliges!

Allerdings gab es plötzlich eine Sache, die mich sehr interessierte. Sie erhielt meine hundertprozentige Aufmerksamkeit. Ich wollte nichts anderes mehr machen. Mein Opa gab mir kurz vor seinem Tod seine Kamera. Er war Fotograf, ganz, ganz früher. Die Kamera ist auch mindestens siebzig Jahre alt. Mein Opa hat diese gehegt und gepflegt und sie funktioniert noch immer. Er sagte: „Isabella, ich glaube, die Kamera ist doch was für dich.“ Für mich? Wie kommt er denn darauf? Dachte ich. Aber mein Interesse war geweckt, ich wollte alles wissen, alles lernen, alles ausprobieren, einfach alles. So schaute ich mir die alte Kamera genau an und kaufte mir eine neue mit dem ganzen Schnickschnack und probierte mich auch da aus. Stunde um Stunde saß ich da. In dieser Zeit habe ich die Kamera auseinander und wieder zusammengebaut, jede Einstellung, ob manuell oder elektronisch ausprobiert. Max war mein Model, wir waren viel unterwegs. Wir haben jedes Licht, das wir brauchen, in jedem Winkel kennengelernt. Ich habe mir alles besorgt, vom Stativ bis zur Lampe und alles, was ich brauchte, um meine Fotos zu entwickeln. Und vieles mehr, ich bin bis heute komplett ausgestattet. Es gibt nichts, was ich über das Fotografieren nicht weiß. Rein technisch war schnell alles klar, aber das Entwickeln der Fotos, war ein Alptraum für mich. Wie oft habe ich das versucht, bis alles auf einmal funktionierte. Ich liebe es bis heute.

Wie oft hat Max mich gefragt, wie ich das wohl mache, dass ich immer den richtigen Fotomoment treffe. Hm, ich kann‘s halt, war dann meine Antwort. Wir hatten so viel Spaß miteinander. Somit hatte ich meine wahre Bestimmung, meinen Beruf gefunden. Ich habe mir alles selbst beigebraucht. Das war meine beste Ausbildung, das vergesse ich nämlich niemals. Denn alles, was ich selbst ausprobiere und erforsche, habe ich verinnerlicht und abgespeichert.

Gelernt und brav geübt, war ich mit zwanzig Jahren, fest entschlossen, mein ach so trautes ‚Schnöselheim‘ in Italien zu verlassen und zurück nach München zu Jess und Jonas zu ziehen. Max hat mich immer und immer wieder darin bestärkt, auch wenn es ihm sichtlich nicht leichtfiel. Ich wollte endlich meine Ziele erreichen, ohne kontrolliert zu werden, ohne bevormundet oder kritisiert zu werden. So, und was war nun mein Ziel? Ganz einfach, natürlich wollte ich Star-Fotografin sein. (Oh Gott, war das überhebliche Gelächter zu Hause groß.) Naja, ich will keine Fotografin für irgendeine Klatsch-und-Tratsch-Zeitschrift sein. Das ist mir zu anstrengend, dort will doch jeder das erste Foto schießen. Und außerdem habe ich absolut keinen Bock, mir die Nächte, um die Ohren zu hauen, nur um einen Promi in Unterhose zu fotografieren. So ein Blödsinn. Als ob die nicht auch nur normale Menschen sind, meistens mit einem ganz normalen Körper. Meine piekfeinen Eltern – und besonders meine Mutter – haben nie verstanden, was ich genau machen wollte. Ich will die Person sein, die man bucht, wenn man grandiose und außergewöhnliche, natürliche oder extravagante Fotos möchte. Das war der Plan, rein theoretisch.

Wie immer hatte ich meine Mutter enttäuscht als ich ihr sagte, dass ich mich auf den Weg mache und zurück nach München ziehe, um meine Ziele zu erreichen. Sie wünschte mir eine gute Fahrt, viel Erfolg und auf Wiedersehn. Ooookaayy! Somit hatte sie ein Problem weniger, um das sie sich kümmern musste. Ach egal, also bin ich nach München, um allen zu beweisen, dass ich es echt draufhabe. Mein Papa hat mir noch heimlich einen Scheck zugesteckt, er wollte, dass der Anfang nicht ganz so schwer wird. Das fand ich wirklich total lieb und ich war auch sehr dankbar dafür. Denn so konnte ich mir die Kaution meiner jetzigen Wohnung leisten und noch so einige weitere Mieten.

Nun, schaue ich hier auf meinen Abstellraum, den ich umfunktioniert habe, um meine Bilder zu entwickeln. Jedoch wird dieser Raum so selten genutzt, wie ich meine Fenster putze. Wahrscheinlich hätte ich besser Managerin in einem Millionenunternehmen werden sollen, vielleicht in Computertechnik.

Haha, sehr witzig, wie hätte ich das denn schaffen sollen? In der Firma meines Vaters? Wirklich sehr witzig. Er wollte immer, dass ich die Firma übernehme, aber nö, da habe ich keinen Plan von. Das Gen zur Geschäftsführerin haben mir meine Eltern mal nicht vererbt. Ist mir egal. Wobei, wenn ich da jetzt so drüber nachdenke, vielleicht hätte ich das Angebot meiner Eltern doch annehmen sollen. Vielleicht hätte ich es doch geschafft und würde jetzt in einer genialen Eigentumswohnung leben, mit vernünftigen Wasserleitungen, wo ich die Temperatur perfekt einstellen kann. Ach, ne …

Aber eine Hobbyfotografin für eine prunkvolle Hochzeit für ein Picknick oder eine Einweihungsfeier will auch keiner. Mein letzter Auftrag war ein Kindergeburtstag. Das war soooo phänomenal, danach durfte ich erst einmal ein Stück Sahnetorte, die einem Kind beim Laufen vom Teller gefallen war, aus meiner Kameratasche kratzen. Und da habe ich noch Glück gehabt, denn scheinbar stand die Sahnetorte zu lang in der Sonne, die Torte kam bei den meisten Kindern dann auf anderen Wegen wieder zum Vorschein. Puuuh, das war wirklich nicht nett mitanzusehen (iiih). Nicht einmal die Fotos von vor diesem Vorfall wollte das Geburtstagskind dann, denn an diese Party wollte sich wirklich niemand erinnern. Somit flogen die Aufnahmen in die Tonne. Weitere Aufträge lassen zurzeit auf sich warten. Vielleicht fehlen mir wohl wirklich die richtigen Zertifikate, die ich sowieso nirgends aufhängen kann, außer an meine Wohnzimmerwand und da sieht sie dann auch keiner. Meine Mama hat es schon immer gesagt: „Kind, du musst etwas Anständiges lernen oder mach zumindest eine Ausbildung zur professionellen Fotografin.“ Bla, bla, bla.

Erstens ist Fotografin ist ein anständiger Beruf und zweitens, ja, vielleicht hätte ich eine Ausbildung dazu machen sollen. Okay, ja, so weit bin ich mittlerweile auch. Vielleicht wäre es besser gewesen, dann hätte ich einen Beweis für mein Können. Damit andere lesen können, was ich kann. Ach, was soll‘s, schließlich zählt die Qualität. Hätte, hätte Fahrradkette, ist jetzt so. Ich werde es schon noch schaffen. Vielleicht nicht heute oder morgen – aber dann. (Wann auch immer „dann“ ist.) Es gibt immer Hoffnung und einen Weg.

Also, Rumheulen und in der Vergangenheit schwelgen ist Zeitverschwendung. Ich werde die tote Ente jetzt vergraben, schließlich ist sie tot und gleich bei Jonas im Spielwarengeschäft Tinkiwinki ganz dringend einen Kaffee trinken. Es ist ein großartiges Geschäft. Die Kinder und sogar die Erwachsenen besuchen uns wirklich gerne, sie lieben das Geschäft. Manchmal höre ich die Menschen sagen, dass es hier so magisch ist. Ja, es liegt Magie in der Luft. Ich glaube, dass es Liebe ist, die sich im Geschäft breit macht. Die Liebe zum Detail, die Liebe zu den Kindern und ihren Wünschen. Es ist eben kein üblicher Spielwarenladen, wie man es so kennt. Natürlich bedeutet das nicht, dass nicht doch schonmal ein Tränchen kullert, wenn die Mama ‚Nein‘ sagt oder eine Barbie fliegen lernt, weil eine kleine Maus schlechte Laune hat. Aber es kommt nicht oft vor und selbst wenn, wir haben dann immer einen kleinen Notfallkoffer mit „Gute-Laune-Bonbons“ und schon ist alles wieder gut. Ich muss sagen, ich arbeite gerne dort. Es hätte mich durchaus schlechter treffen können, um meine Miete zu zahlen. Ich denke, der Notfallkoffer mit den Bonbons gehört heute aber mir.

Halt, Stopp! Meine Fotoausrüstung nehme ich mit, denn anschließend nach der Arbeit möchte ich in den Park gehen, auch wenn ich nur den Sonnenuntergang betrachten und fotografieren kann, ist es doch wunderschön.

3.

Jonas ist bereits im Geschäft, heute sieht er etwas zerzaust aus. Im Normalfall ist er gepflegt, hat seine lockige Mähne meistens im Griff, ist glattrasiert, trägt immer, wirklich immer, ein Hemd und seine Chino-Hosen, die ihm wirklich gut stehen. Heute hat er wohl das erste T-Shirt gegriffen, was er finden konnte, auch noch ein AC/DC-T-Shirt, oh je, und eine Jogginghose. Interessant, was ist denn da heute passiert? Es wundert mich eh, dass er schon da ist, meistens kommt er zu spät. Als Chef darf er das auch, da ich grundsätzlich viel zu früh dran bin und ich einen Schlüssel habe, passt das. Wir ergänzen uns sowieso ganz wunderbar. Aber gut, dass er schon da ist, dann können wir noch gemeinsam einen Kaffee trinken und ein bisschen plaudern.

„Guten Morgen, Jonas, geht’s dir gut? Warum bist du denn schon hier? Und warum trägst du eine Jogginghose? Das ist nicht normal, du siehst etwas zerzaust aus.“ – „Guten Morgen, Isabella, ja, na klar, es ist alles okay. Nun, ich musste heute Morgen von zuhause flüchten. Warum hast du nasse Haare?“ – „Bitte was? Warum denn flüchten? Meistens flüchten andere aus deiner Wohnung, wenn sie morgens durch deine Wohnung gehen, nachdem sie diese abends im Dunkeln betreten haben. Im Dunkeln ist doch alles schön. Frag nicht, mein Start in den Morgen war auch speziell. Kurzfassung: Ich brauche einen neuen Fön, Kaffeepulver und die Telefonnummer meines Vermieters. Also, alles vollkommen in Ordnung, ich habe mich bereits wieder beruhigt.“ – „Oh, ähm, das klingt auch nicht besonders gut. Ach ja, und übrigens: Diesmal hatte ich aufgeräumt. Ich habe das halbe Wochenende damit verbracht, mal Ordnung in die Wohnung zu bringen, und wenn schon, ich bin doch geflüchtet.“ – „Ja, das sagtest du, warum bist du denn geflüchtet? Soll ich uns vielleicht erst schnell einen Kaffee machen? Ich brauche auch dringend meinen ersten Kaffee.“ – „Ja klar, Kaffee klingt gut, den nehme ich.“

„So, bitte, dein Kaffee mit Milch und Zucker, mein Lieber, wir setzen uns jetzt und dann erzählst du mir, was denn heute Morgen los war!“ – „Okay, also eigentlich war alles wie immer. Mein Wecker nervte mich, die Sonne kitzelte in der Nase, dass ich erst mal kräftig niesen musste und dann kam ein leises ‚Guten Morgen, Liebling. Gesundheit!‘ von der rechten Betthälfte. Ähm, ich habe mich erst nicht getraut hinzuschauen, ich dachte auch schon, ich hätte mich verhört. Okay, ich hatte auch einen Bourbon zu viel gestern Abend. Ich war in unserer Bar mit meinem Bruder.“ – „O je! Was? Du warst in unserer Bar und hast Jess und mir nicht Bescheid gesagt? Ein Unding.“ – „Ja, das stimmt, aber Markus wollte reden, er hat seine Arbeitsstelle verloren und war nicht gut gelaunt. Das änderte sich, als sich zwei Frauen zu uns gesellten. Ich glaube, es war ganz nett, denn danach hatte ich einen Filmriss. Also, wie gesagt, heute Morgen schaute ich auf meine rechte Betthälfte und da lag sie, nackt! Ganz nackt.“ – „Ja und, was ist schon dabei? Wäre schließlich nicht das erste Mal.“ – „Ja, das stimmt, aber das, was ich dort gesehen habe, hat mich echt erschreckt. Also, absolut nicht mein Beuteschema. Ui, ui, ui, da muss ich wirklich mehr als einen Bourbon zu viel gehabt haben. Also, ich glaube, sie ist sicher nett, aber ‚Liebling‘, also echt, das war zu viel. Somit bin ich aus dem Bett gehüpft, bin ins Bad und habe dann mit den Worten ‚Bitte zieh die Tür hinter dir feste zu, die schließt nicht immer direkt‘ die Wohnung verlassen. Ich habe jetzt die Hoffnung, dass sie bis heute Abend verschwunden ist.“ – „Yeah, Jonas, Respekt. Ich dachte schon, ich hätte einen scheiß Start in den Tag gehabt, aber du schießt den Vogel ab. Ist schon lustig, findest du nicht? So, und was lernen wir daraus?“ – „Ne, finde ich nicht, das ist nicht lustig. Das nächste Mal werde ich ganz klar ein Glas Bourbon weniger trinken. Ich sag’s dir, das war was, zumindest war ich schlagartig wach. Passiert auch nicht oft. So jetzt weißt du alles. Gleich ist es acht Uhr, wir sollten uns bereit machen, um das Geschäft zu öffnen. Ich kann schon kleine und knuffige Menschen erkennen.“ – „Okay, Chef. Ich finde es trotzdem lustig. Bis heute Abend wird sie sicher verschwunden sein. Weißt du eigentlich, wie sie heißt?“ – „Ähm, gute Frage. Anna? Anne? Antonella? Annabell?“ – „Komm, ist gut, ich merke schon, das wird nichts mehr, eins ist auf jeden Fall klar, ihr Name beginnt mit A. So, los geht’s, öffnen wir die Tore zum Spielwarengeschäft.“ – „Kannst du die Tür öffnen? Ich verstecke mich heute hinten im Lager, mit meiner Jogginghose.“ – „Ja, das ist sicher besser. Hihi, wie lustig.“ – „Sehr witzig. Wenn was ist oder ein Kind etwas Bestimmtes braucht, dann sag Bescheid, ich gebe es dir dann an der Tür zum Lager an.“ – „Ja, ist gut, du kannst dich auch hinter der Bedientheke verstecken, da sieht auch niemand was du untenrum anhast und AC/DC kann man verzeihen.“ – „Ja, ja.“

„Kommt hinein in die gute Stube, schön, dass ihr da seid. Schaut euch gerne alles in Ruhe an, wenn ihr Hilfe braucht, dann sagt uns Bescheid.“

Wie schön, ich liebe die strahlenden Kinderaugen, wenn sie ins Geschäft kommen. Alles steht zum Anschauen und Ausprobieren bereit. Es gibt eine kurze Fahrbahn, auf der die Kinder ihre Rollschuhe ausprobieren können oder auch einen Holzroller, den sie fahren können, die elektrische Eisenbahn, die um ein kleines Dorf gesteuert werden möchte, das Kuscheln der Teddybären, das Schütteln der Schneekugeln und das Aufziehen der Spieluhren. Aber das ist noch lange nicht alles, von der Decke hängen kleine bewegliche Figuren, die freundlich guten Tag wünschen. Es fliegen kleine magische Schmetterlinge durch den Raum. Na, wie das wohl funktioniert? Das wird natürlich nicht verraten. In den Regalen finden die Kinder von den Autos bis hin zur Barbie auch noch Brettspiele, Bilderbücher und Comics. Natürlich haben wir auch Spielzeug für die großen Spielkinder. Von der Drohne und deren Zubehör bis hin zur Spielkonsole und den dazugehörigen Spielen und vieles mehr. Hier erfüllt sich jeder Wunsch. Es gibt auch absolut nichts, was Jonas nicht besorgen kann.

Wie schön, ich sehe nicht nur viele Wurzelzwerge, die uns besuchen kommen, ich sehe auch Jess auf mich zukommen, och, das freut mich. Ihr langes blondes Haar, flattert im Wind, sie hat eine so sportliche Figur. Wenn ich es nicht besser wüsste und ich raten müsste, welches Fach Jess unterrichtet, würde ich ganz klar Sportunterricht sagen. Aber ne, sie hat so einige Fächer, aber keinen Sport. Ich glaube, es ist egal, was sie anzieht, es steht ihr alles, das finde ich mega-cool. Meistens jedoch sind ihr Jeans, Turnschuhe, T-Shirt und ihre Lederjacke am liebsten. Sie grinst schon, winken geht schlecht, sie hat die Hände voll mit Coffee-to-go-Bechern. Ich bin mal gespannt, was es Neues gibt. Sie wirkt aufgeregt, wobei das ist auch nichts Neues. So ist sie, und das ist gut so. Ich freu mich, sie zu sehen.

4.

„Hallo, Jess, schön, dass du da bist. Jonas! Schau mal, wer uns gerade besuchen kommt. Sie hat sogar deinen Lieblingskaffee dabei, du Glückspilz.“ – „Hey, Isa, dir habe ich doch auch einen Kaffee mitgebracht. Ich weiß doch, dass ihr diesen extrem süßen Sirup in Karamell und Vanille in eurem Kaffee so gerne habt und da ich heute eine Stunde später anfange zu arbeiten, dachte ich, komme ich mal schnell vorbei.“ – „Das ist total lieb von dir. Ah, Jonas hat mich gehört, er ist gerade im Lager. Ein kleines Mädchen fragte nach einer bestimmten Puppe, die es eigentlich nicht mehr zu kaufen gibt. Aber Jonas behält auch die Auslaufware, falls mal ein Kind fragt und siehe da, er hat die Puppe gefunden. Und er versteckt sich, er trägt heute Jogginghose.

---ENDE DER LESEPROBE---