Vier Jahre Hölle und zurück - Lukas - E-Book

Vier Jahre Hölle und zurück E-Book

Lukas

4,6
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oder
Beschreibung

"Böses ersetzt das Gute, Haß ersetzt die Liebe." Nach dieser Ideologie einer Satanssekte lebt Lukas vier Jahre lang. Zuerst bleibt er aus Angst dabei, später aus Stolz, einer solchen Elite-Gruppe anzugehören. Psychoterror, Ekeltraining, Alkohol, Drogen und kriminelle Mutproben sind ebenso Teil seines Sektenalltags wie Orgien, Opferungs- und Schändungsrituale. Brutale Strafen sorgen dafür, dass er sich den grausamen Regeln der Satanisten bedingungslos beugt. Aber eines Tages erhält er einen Auftrag, bei dem sich - trotz jahrelanger Gehirnwäsche - sein Gewissen meldet. Er schafft es auszusteigen und unterzutauchen. Doch auch der Weg aus der Hölle ist ein Horrotrip, denn für die Sekte steht er jetzt auf der Liste der Todgeweihten.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 262




Lukas

VIER JAHRE HÖLLE UND ZURÜCK

Lukas, 15, gerät in die Klauen einer der mächtigsten Satanssekten Deutschlands. Seine erste Lektion: Wer aussteigt, muss sterben.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabedes in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Originalausgabe

Copyright © 1995/2014 by Bastei Lübbe AG, Köln

Umschlaggestaltung: Gisela Kullowatz

Titelbild: Mechthild Op Gen Oorth, Köln

E-Book-Produktion: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7325-0243-1

Sie finden uns im Internet unter www.luebbe.deBitte beachten Sie auch: www.lesejury.de

Vorwort

Satanismus heute

von Pfarrer Jürgen Hauskeller

»Von dem, was in diesem Buch steht, glaube ich kein Wort. – So etwas gibt es doch in Wirklichkeit nicht, doch nicht hier bei uns in Deutschland.«

Das werden vielleicht Ihre Gedanken sein, wenn Sie dieses Buch gelesen haben.

Vor zwei Jahren hätte ich nach der Lektüre eines solchen Buches genauso reagiert. Damals, im April 1993, wurde in meinem Wohnort Sondershausen Sandro B. von drei Gymnasiasten ermordet. Die drei Täter und einige Freundinnen und Freunde hatten sich jahrelang mit satanistischem Gedankengut beschäftigt – über Videos, Literatur und Musik. Denn es gibt eine Subkultur, durch die die Ideologie des Satanismus über Bilder, Bücher und Bands transportiert und vor allem an Jugendliche herangetragen wird.

Auch die Richter haben während der Verhandlung gegen die Mörder von Sandro B. erkannt, dass der Einfluss des Satanismus in der Entwicklungsgeschichte der Jugendlichen ausschlaggebend dafür war, dass es zu Wesensveränderungen und schließlich zu der grauenvollen Tat kam. Was sich in Sondershausen gezeigt hat, war Satanismus in einem frühen Stadium.

Für die Tötung von Sandro in einem rituellen Zusammenhang, etwa im Rahmen einer schwarzen Messe, gibt es keinen Anhaltspunkt. Die Tat ist also kein Ritualmord gewesen. Aber die These, dass der Satanismus in Sondershausen eine Erfindung der Medien und der Presse gewesen sei, ist durch Fakten und Feststellungen im Gerichtssaal während des Prozesses vor dem Landgericht in Mühlhausen eindeutig widerlegt worden. Erschüttert mussten wir feststellen, was Satanismus selbst in dieser noch unterentwickelten Form, mit schwachen Organisationsformen, mit lächerlich anmutenden Ritualen, aber mit ideologischem Hintergrund und einer starken Führerpersönlichkeit, für ein Unheil anrichten kann und welche Gefahr dieses Gedankengut für die Jugendlichen darstellt.

In einer Studie des Institutes für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena vom Herbst 1994 wird nach einer repräsentativen Befragung von 1.367 Schülern an den Regelschulen und Gymnasien Thüringens festgestellt, dass 35,3 Prozent der Schüler Praxiserfahrungen im Bereich des Okkultismus haben. Die meisten haben dabei das Kartenlegen, Pendeln und Gläserrücken genannt. Zu Erfahrungen mit schwarzen Messen hat sich ein Prozent der Schüler bekannt. Auf die Schülerschaft in Thüringen übertragen würde das bedeuten, dass über 2.000 Schüler satanistische Erfahrungen haben. Diese Thüringer Erhebung deckt sich fast genau mit Vergleichszahlen aus Rheinland-Pfalz, und in den übrigen Bundesländern dürfte die Situation ähnlich sein. Lehrer und Jugendsozialarbeiter haben mir bestätigt, dass vor allem an Gymnasien und Berufsschulen satanistische Erscheinungen bei Jugendlichen festgestellt werden. Dabei dürfte die Dunkelziffer verhältnismäßig hoch sein.

Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht auf einen Nenner zu bringen. Der Reiz des Magischen, die Verfügungsgewalt böser Mächte, eine Ideologie, die Stärke verleiht, Härte abverlangt und Gewalt als Mittel heiligt, eine Sache, die einfach etwas Besonderes und ungeheuer aufregend und geheimnisvoll ist – das alles übt auf manche Jugendliche eine große Anziehungskraft aus.

In den letzten Jahren sind mir noch ganz andere Erscheinungsformen des Satanismus bekannt geworden. Lukas, der in diesem Buch seine Erfahrungen erzählt, habe ich persönlich kennengelernt. Mich hat seine Geschichte damals sehr aufgewühlt. Inzwischen weiß ich, dass sie wahr und beileibe kein Einzelfall ist. Auch mit Marlies, die ihn in seiner Ausstiegsphase betreut und die das Nachwort dieses Buches geschrieben hat, habe ich gesprochen. Lukas ist nicht der einzige Betroffene geblieben, der bei ihr Rat und Hilfe gesucht hat. Sie betreut inzwischen noch andere, die sich vom Satanismus lösen wollen oder gelöst haben.

Andere, die das Phänomen Satanismus in Deutschland untersuchen, haben mir das bestätigt, was in diesem Buch als Erfahrungsbericht eines Jugendlichen niedergeschrieben ist: Es gibt eine harte Satanismusszene in Deutschland, die logenartig organisiert und international vernetzt ist. Im Rahmen ihrer Riten kommt es neben anderen Vergehen auch zur Tötung von Menschen und zur Opferung von neugeborenen oder noch ungeborenen Kindern. Unabhängig davon, ob man jedes Detail des Erfahrungsberichts in diesem Buch akzeptieren kann oder nicht, die Gesamtdarstellung der satanistischen Szene mit ihrer Brutalität und Perversität entspricht der Wirklichkeit. Diese Szene ist nicht mehr nur Tummelplatz verirrter Jugendlicher, sondern Betätigungsfeld von Erwachsenen aus nahezu allen Berufsgruppen und gesellschaftlichen Schichten. Es dürfte sicher sein, dass sich der Nachwuchs und der Zuwachs aus solchen Jugendlichen rekrutiert, die in ihrer Entwicklungsphase auf der Suche nach Lebensinhalten dem satanistischen Gedankengut verfallen sind.

Die Frage, die nach der Lektüre dieses Buches im Raum steht, lautet: Wie kann so etwas mitten unter uns geschehen, ohne dass der Staat, die Polizei und die Justiz eingreifen? Da werden doch Verbrechen begangen, Frauen vergewaltigt, Menschen umgebracht! Die Strafverfolgung muss doch tätig werden! Wie kann das ungeahndet bleiben?

Die Erfahrung zeigt, dass Ermittlungen sich äußerst schwierig gestalten. Der Geheimhaltungsgrad in satanistischen Gruppen ist sehr hoch. Aussteiger sind in höchstem Maße gefährdet und müssen mit ihrer Ermordung rechnen. Das ist auch der Grund, warum in diesem Buch keine Ortsnamen genannt werden und alle anderen Namen geändert sind. Für eine gerichtliche Verfolgung solcher Untaten stellt der Rechtsstaat sehr hohe Anforderungen an das Beweismaterial, an Opfer und Zeugen. Daran scheiterten bisher Versuche einer Strafverfolgung. Die skandinavischen Länder, vor allem Norwegen, erlebten in den letzten Jahren eine Welle satanistischer Gewalt. Menschen wurden getötet, über zwanzig Kirchen brannten nieder. Die Justiz ist oft machtlos.

Das Wort »Hilflosigkeit« beschreibt die Situation in Deutschland vielleicht am treffendsten. Wenn ein Betroffener sich hier bei der Polizei meldet und Informationen über satanistische Aktivitäten zu Protokoll geben will, wird er in der Regel wieder weggeschickt, weil der Polizeibeamte dem Bericht keinen Glauben schenkt. Bestenfalls wird das Protokoll in einem Ordner abgeheftet. Nicht selten werden Leute, die Angaben über satanistische Umtriebe machen wollen, ausgelacht, weil die Beamten die Berichte als unglaubwürdige Übertreibungen abtun.

Die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber dem Satanismus als einer okkulten Erscheinungsform mit krimineller Energie ist noch immer groß. Unkenntnis, Gleichgültigkeit und mangelnde Bereitschaft, sich mit so etwas Schrecklichem auseinanderzusetzen, gehen dabei Hand in Hand. Einzelne Fälle erregen kurzzeitig Aufsehen, so in den USA der Prozess gegen den Satanisten Charles Manson und seine Anhänger, die die schwangere Schauspielerin Sharon Tate Polanski, ihre vierköpfige Partygesellschaft und ein Ehepaar aus der Nachbarschaft abgeschlachtet haben. Das war 1969.

Vor ein paar Jahren hat es in England unter dem Druck von Betroffenen-Initiativen und der Öffentlichkeit eine Unterhausdebatte über Verbrechen und kriminelle Vergehen satanistischer Gruppen gegeben. Das Ergebnis dieser Debatte war die Einsetzung einer Sonderkommission bei Scotland Yard. Das ist bisher die einzige parlamentarische Erörterung dieses internationalen und gesellschaftlichen Problems mit einer konkreten politischen Entscheidung geblieben.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland müssen die politisch Verantwortlichen nach Wegen suchen, wie sie ihre Bürger vor den Gefahren des Satanismus schützen können. Die erste Voraussetzung dafür ist, dass Polizei- und Justizapparat mit der Ideologie und den Praktiken satanistischer Gruppen vertraut gemacht werden, um Kenntnis und Verständnis zu verbessern. Das würde auch zur Sensibilisierung und zu größerer Aufmerksamkeit für dieses Phänomen beitragen. Und es würde das Vertrauen schaffen, das notwendig ist, damit Aussteiger und Betroffene Mut bekommen, Aussagen zu machen und Erlebtes zu Protokoll zu geben.

Es ist erfreulich, dass es ein Netz von Beratungsstellen, Betroffenen-Initiativen und Sekten-Informationsstellen gibt, die für Hilfe und Information, Beratung und Begleitung zur Verfügung stehen. An sie sollten sich Betroffene und deren Angehörige zuallererst wenden, wenn es Probleme gibt. Anschriften solcher Stellen finden Sie im Anhang dieses Buches.

Doch darüber hinaus ist es die Aufgabe der Gesellschaft, die Gefahr, die vom Satanismus ausgeht, zu erkennen und zu bekämpfen. Das muss vorbeugend durch Information und Aufklärung erfolgen. Hier sind vor allem die Schulen, Jugendorganisationen, die Kirche und die Eltern gefragt. Das muss aber auch durch Strafverfolgung geschehen, und das ist Aufgabe des Gesetzgebers, der Polizei und der Justiz.

»Von dem, was in diesem Buch steht, glaube ich kein Wort. – So etwas gibt es doch in Wirklichkeit nicht, doch nicht hier bei uns in Deutschland.«

Das werden vielleicht Ihre Gedanken sein, wenn Sie dieses Buch gelesen haben.

Es ist die Wirklichkeit. Auch wenn uns so etwas unbekannt, vor uns verborgen ist und nur gelegentlich spektakulär an die Öffentlichkeit gelangt. Auch wenn es unglaublich und unfassbar erscheint: Was dieses Buch erzählt, ist ein Stück unserer Wirklichkeit.

1

Da war er wieder, der Mann mit dem Messer. Etwa zehn, zwölf Meter von mir entfernt. Ich stand auf einem weiten Platz, im Hintergrund ragten Hochhäuser in einen orangeroten Abendhimmel. Aus pechschwarzen, weit versprengten Wolkenfetzen fiel leichter Regen herab. Das Pflaster war übersät mit Leichen. Menschenleichen. Doch niemand schien sie wahrzunehmen. Leute hetzten über den Platz, so sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, dass ihnen nicht auffiel, wie der feine Nieselregen ihre Regenschirme rot färbte. Der Mann mit dem Messer steuerte langsam auf eine Frau zu. Das weiße, blutgetränkte Hemd klebte auf seiner Haut, seine dunklen, nassen Haare hingen ihm strähnig ins Gesicht. Aus seinen Haarspitzen tropfte Blut. Es war der Regen – denn es regnete Blut. Vor einer Frau im zinnoberroten Kleid mit rostroten Haaren blieb der Mann stehen. Was jetzt passieren würde, wusste ich. Aber ich konnte nichts tun. Nichts. Mein Körper versagte, ich musste zuschauen. Regungslos. Atemlos. Wie festgewachsen hafteten meine Füße am Asphalt, meine Zunge klebte am Gaumen. Ich wollte die Frau warnen, versuchte, einen Schrei aus meiner Kehle zu pressen, aber ich brachte keinen Laut hervor. Also musste das Unvermeidliche geschehen: Langsam, fast zärtlich, schob er sein Messer zwischen ihre Rippen. Lautlos sackte ihr junger Körper vor seinen Füßen zu Boden. Mit gleichgültiger Verachtung stieg der Mörder über die tote Frau hinweg. Sein letztes Opfer. Waren die anderen Menschen auf dem Platz denn blind? Sahen sie nicht, was hier geschah? Kein Lüftchen regte sich, gespenstische Stille lag über dem Platz.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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