Vier zauberhafte Schwestern - Sonderausgabe mit Filmfotos - Sheridan Winn - E-Book

Vier zauberhafte Schwestern - Sonderausgabe mit Filmfotos E-Book

Sheridan Winn

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Beschreibung

Der Roman zum Film mit zahlreichen farbigen Filmfotos!
Die Schwestern Flame, Marina, Flora und Sky singen nicht nur für ihr Leben gerne zusammen, sie verfügen auch über geheime Zauberkräfte: Jede von ihnen beherrscht seit ihrem neunten Geburtstag eines der vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde und Luft. Doch die böse Zauberin Glenda will sich die Quelle ihrer Magie, die magische Windrose, zu eigen machen. Als die vier Schwestern an einem wichtigen Musikwettbewerb teilnehmen, versucht Glenda, Streit unter ihnen zu säen, denn so kann sie die magischen Fähigkeiten der Mädchen schwächen. Die Schwestern müssen zusammenhalten, sonst könnten sie alles verlieren!

Der zweite Band der Serie von Sheridan Winn ausgestattet mit farbigen Filmfotos!
Filmstart voraussichtlich im Januar 2020.


Verfilmung mit Starbesetzung: Katja Riemann, Anna Thalbach, Justus von Dohnányi und viele mehr

Alle Bücher der Serie:
Vier zauberhafte Schwestern – Wie alles begann: Flame und die Kraft des Feuers (Band 1)
Vier zauberhafte Schwestern – Wie alles begann: Marina und die Kraft des Wassers (Band 2)
Vier zauberhafte Schwestern – Wie alles begann: Flora und die Kraft der Erde (Band 3)
Vier zauberhafte Schwestern und ein wundersames Fest (Jubiläumsband)
Vier zauberhafte Schwestern (Band 1)
Vier zauberhafte Schwestern und der magische Stein (Band 2)
Vier zauberhafte Schwestern und das Geheimnis der Türme (Band 3)
Vier zauberhafte Schwestern und ein Geist aus alten Zeiten (Band 4)
Vier zauberhafte Schwestern und die große Versöhnung (Band 5)
Vier zauberhafte Schwestern und die fremde Magie (Band 6)
Vier zauberhafte Schwestern und die uralte Kraft (Band 7)
Vier zauberhafte Schwestern und die geheimnisvollen Zwillinge (Band 8)
Vier zauberhafte Schwestern und die Weisheit der Eulen (Band 9)
Vier zauberhafte Schwestern und die unsichtbare Gefahr (Band 10)

Serie bei Antolin gelistet.

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Leseprobe zu:

Sheridan Winn

Vier zauberhafte Schwestern

Das Buch zum Film

Aus dem Englischen von Katrin Weingran

Franziska Harvey

FISCHER E-Books

Erfahren Sie mehr unter: www.fischerverlage.de

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.

© S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

Inhalt

WidmungStammbaumWas bisher geschah …WarnungenGlendas PlanMarinas neue FreundinMrs Duggery klopft anFloras GeheimnisMrs Duggery sorgt für eine ÜberraschungDie Cantrips in LondonDie weinende WandScherereien und StreitereienOswalds unwiderstehliches AngebotDas Geheimnis im WandschrankDie Ruhe vor dem SturmDie Schlacht um Cantrip TowersChaosSonntagabend auf Cantrip TowersAlle Bücher der Serie:Bildteil

Was bisher geschah …

Als Sky Cantrip eines Morgens erwacht, kann sie Dinge durch die Luft schweben lassen! Und nicht nur das, auch ihre Schwestern Flame, Marina und Flora verfügen über magische Fähigkeiten, von denen Sky bis zu ihrem neunten Geburtstag keine Ahnung gehabt hat. Sky merkt schnell: Zauberkräfte zu haben kann ganz schön kompliziert sein! Denn die Schwestern müssen sich an den Ehrenkodex der Cantrip-Familie halten, der besagt, dass sie ihre magischen Fähigkeiten nur einsetzen dürfen, um Gutes zu tun. Vor allem aber müssen ihre besonderen Kräfte ein Geheimnis bleiben, sonst verlieren sie sie für immer. Deswegen dürfen die vier Mädchen noch nicht einmal ihren Eltern von ihren magischen Kräften erzählen. Wie gut, dass sie Grandma haben, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht! Da Grandma früher selbst magische Kräfte hatte, müssen die Mädchen ihre Fähigkeiten vor ihr nicht geheim halten. Grandma selbst hat ihre Kräfte vor langer Zeit verloren, als sie sich gegen eine Verwandte zur Wehr setzte, die sie mit ihrer bösen Magie verletzen wollte: Glenda Glass. Denn neben den guten Cantrips, die sich an den Ehrenkodex der Familie halten, gibt es leider auch böse Cantrips, die ihre Kräfte missbrauchen.

 

Eben diese Glenda ist vor kurzem plötzlich in der Stadt aufgetaucht und fest entschlossen, den Schwestern ihre magischen Kräfte zu nehmen! Doch den Cantrip-Schwestern ist es fürs Erste gelungen, ihr die Stirn zu bieten. Die dunkle Magie, die Glenda ihnen während des Schulkonzerts entgegengeschleudert hat, ist am Magischen Kreis abgeprallt, den die Schwestern zu ihrem Schutz gebildet hatten, und hat sie außer Gefecht gesetzt. Denn solange die vier Schwestern zusammenhalten, sind sie stärker als Glenda. Doch der Kampf ist noch lange nicht zu Ende, und Glenda hat bereits einen Plan, wie sie die Schwestern entzweien kann …

Warnungen

Flame Cantrip schauderte. Es war ein eisiges Schaudern, das an ihrem rechten Ohr begann und sich von dort auf ihrem ganzen Körper ausbreitete. Es kam so plötzlich und unerwartet, dass sie auf der Stelle stehen blieb und nach Luft schnappte.

Sie fröstelte, obwohl die warme Junisonne von einem wolkenlosen Himmel auf sie herabschien. Das ist eine Warnung, dachte sie. Sie hatte gerade den Schulhof auf dem Weg zur morgendlichen Versammlung überquert. Nun stand sie da wie festgefroren und war nicht in der Lage, sich zu rühren.

Eine zweite eisige Welle erfasste sie und ließ sie aufs Neue am ganzen Körper zittern.

Was ist bloß los, wunderte sie sich und starrte einen Moment auf den geteerten Weg vor sich.

Dann hob sie ihren Blick und atmete geräuschvoll ein. Keine zehn Meter von ihr entfernt rollte ein großer silberner Wagen langsam vom Schulgelände. Seine Fahrerin, eine elegante Frau, die ihr aschblondes Haar im Nacken zu einem Dutt geschlungen trug, starrte sie unverhohlen an.

Es war Glenda Glass, die erbitterte Feindin der Cantrip-Schwestern. Glenda, die während des Schulkonzerts vor neun Tagen versucht hatte, ihnen wehzutun und beinahe damit durchgekommen wäre.

Obwohl sie am ganzen Körper zitterte, hielt Flame dem Blick der Frau entschlossen stand. Sie presste die Lippen aufeinander, als sie Glendas kaltes, einschüchterndes Lächeln sah.

Glenda versucht, mir Angst einzujagen, dachte Flame. Obwohl ihre Magie sich das letzte Mal, als sie uns angegriffen hat, gegen sie selbst gerichtet hat, wird sie nicht aufgeben. Das spüre ich.

Flame hielt den Kopf hoch erhoben, drückte den Rücken durch und machte sich so groß sie konnte.

Du wirst uns nicht noch einmal wehtun, dachte sie, während sie beobachtete, wie der Wagen davonfuhr. Es wird dir nicht gelingen, uns unsere Magie zu nehmen. Versuch es ruhig, du wirst diesen Kampf nicht gewinnen …

Als sie sich umdrehte, sah sie Verena Glass.

Sie zitterte ein drittes Mal am ganzen Körper, während sie dem großen blonden Mädchen nachblickte.

Es ist eine Warnung, dachte Flame, und sie hat irgendwie mit ihr zu tun. Wir müssen uns vor Verena ebenso in Acht nehmen wie vor Glenda. Wir sollten besser sehr, sehr vorsichtig sein …

Ein spielerischer Knuff gegen die Schulter riss sie aus ihren Gedanken.

»Komm schon, Flame!«, sagte Marina auffordernd. »Wir müssen zur Versammlung. Heute werden wir endlich erfahren, wer den Musikwettbewerb gewonnen hat! Hast du das etwa vergessen?«

Dann bemerkte Marina plötzlich, wie blass ihre Schwester war und fragte besorgt: »Alles o.k. mit dir?«

»Klar«, sagte Flame mit einem kleinen Lächeln. »Los geht’s.«

Ich will nicht, dass meine Schwestern sich unnötig Sorgen machen, dachte sie bei sich. Ich warte ab, bis ich herausgefunden habe, was es mit dieser Warnung auf sich hat. Erst dann erzähle ich den anderen davon.

 

Zwanzig Minuten später saßen die Schüler und Lehrer der Drysdale-Schule in der großen Aula mit der hohen Decke und den dunklen, holzvertäfelten Wänden. Alle waren aufgestanden, um die Schulhymne zu singen. Dann hatten sie der Ansprache des Kaplans gelauscht. Jetzt rutschten sie aufgeregt auf ihren Stühlen hin und her und warteten auf das Ergebnis des Landesweiten Musikwettbewerbs der Schulen.

Neun Tage zuvor waren die Cantrip-Schwestern und etliche ihrer Mitschüler bei der Regionalmeisterschaft angetreten. Falls die Drysdale es tatsächlich geschafft haben sollte, Regionalmeister zu werden, würden sie alle zum Finale nach London fahren und in der berühmten Royal Albert Hall gegen zwei weitere Schulen um die Landesmeisterschaft musizieren.

Jeder Einzelne im Saal beugte sich gespannt auf seinem Stuhl nach vorn, als Brian Blenkinsop, der Direktor der Drysdale, mit langen, raumgreifenden Schritten auf das Mikrophon zuging.

Flame, Marina, Flora und Sky hielten den Atem an. Hatte ihre Schule gewonnen?

»Und nun«, verkündete Mr Blenkinsop, »das Ergebnis des Landesweiten Musikwettbewerbs der Schulen …«

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still war es im Saal. Alle warteten mit klopfenden Herzen. Brian Blenkinsop hustete.

»Mach endlich!«, flüsterten die Schüler.

»Wir alle sind sehr gespannt zu erfahren, wer …«, sagte Mr Blenkinsop und räusperte sich nervös.

Dröhnende Stille. Mr Blenkinsop räusperte sich erneut. Einige Schüler stöhnten ungeduldig auf.

Der Direktor sah seine Schüler und Lehrer an. Dann grinste er plötzlich breit und rief: »Wir haben gewonnen!«

Lautes Hurrageschrei entbrannte.

»Unsere Schule gehört zu den drei Finalisten, die am Samstagabend in der Royal Albert Hall auftreten werden!«

Alle schrien aufgeregt durcheinander und klatschten wie wild.

»Ich kann es noch gar nicht fassen!«, sagte Flame zu ihrer Freundin Pia, die neben ihr saß. »Herzlichen Glückwunsch, Flame!«, gratulierte ihr Pia und lächelte. Ihre braunen Augen strahlten. »Das habt ihr wirklich toll gemacht«, fügte sie hinzu.

Flame drehte sich auf ihrem Platz um und entdeckte ein paar Reihen hinter sich Marina. Sie lachte überglücklich. Beide wussten, welch besondere Bedeutung dieser Sieg für die Cantrip-Schwestern hatte.

Das viele Üben hat sich wirklich gelohnt, dachte Flame. Sie drehte sich nach allen Seiten und versuchte Flora und Sky unter den anderen Schülern ausfindig zu machen. Allein die Cantrip-Schwestern und ihre Großmutter wussten, was sich während des Konzerts wirklich abgespielt hatte. Glenda Glass war entschlossen gewesen, die Schwestern mit ihrer Magie zu verletzen. Sie hatte der Großmutter der Mädchen, Marilyn Cantrip, bis heute nicht verziehen, dass sie einst die bessere Ballerina gewesen war. Und dass sie Sheldon Cantrip geheiratet hatte, den Besitzer von Cantrip Towers.

Obwohl auch Glenda eine Cantrip war, hielt sie sich nicht an den Ehrenkodex der Cantrips, der besagte, dass Magie nur zum Guten eingesetzt werden durfte. Und das machte sie zu einer sehr gefährlichen Gegnerin.

Flame seufzte. Im Gegensatz zu ihrem Vater hatten sie und ihre Schwestern die magischen Kräfte ihrer Großmutter geerbt. Und damit auch die Bürde, sich an den Ehrenkodex zu halten, wenn sie ihre Kräfte nicht verlieren wollten. Was geschah, wenn eine gute Cantrip ihre Kräfte missbrauchte, zeigte das Beispiel ihrer Großmutter: Marilyn Cantrip war eines Nachts gezwungen gewesen, sich gegen Glenda zur Wehr zu setzen, und hätte sie beinahe getötet. Seitdem waren ihre Kräfte verschwunden.

 

Nun saßen die vier Schwestern in der großen Aula und dachten darüber nach, wie sehr sie ihre Musik liebten. Wieder und wieder hatten sie ihre Stücke geprobt, und die harte Arbeit hatte sich schließlich ausgezahlt.

Flame wäre beinahe in Tränen ausgebrochen. Wir haben es tatsächlich geschafft, dachte sie und sah blinzelnd zur Decke hoch. Ihr langes, kupferfarbenes Haar glitt über ihre Schultern den Rücken hinunter. Ein paar Reihen weiter hinten beobachtete Marina, wie Flame den Kopf in den Nacken legte. Sie wusste, dass ihre Schwester die Tränen zurückhielt.

Flame ist tapfer und stark und sehr klug, dachte Marina. Wenn sie nicht erkannt hätte, dass der Magische Kreis uns vor Glendas dunkler Magie beschützen würde, wäre unser Auftritt kein Erfolg geworden, und wir hätten womöglich ernsthafte Verletzungen davongetragen.

Marina schluckte. Sie liebte und bewunderte ihre große Schwester, und sie konnte kaum glauben, dass sie in ein paar Tagen zusammen in London auf der Bühne stehen würden.

Ich bin ja so glücklich, dachte sie.

»Toll gemacht!«, sagte ihre beste Freundin, Janey McIver, die neben ihr saß, fröhlich.

Marina lachte. »Danke, Janey!«

Als die Versammlung vorüber war, rannten die Schwestern freudestrahlend aufeinander zu.

»Wir haben es geschafft!«, kreischten Flame, Marina und Flora. »Wir haben geholfen, die Regionalmeisterschaft zu gewinnen!«

»Gigantastisch!«, schrie Sky, so laut sie konnte.

Flame sah ihre kleine Schwester mit den großen grauen Augen und der Stupsnase an. »Gut gemacht, Frechdachs«, sagte sie und strich ihr über das glatte blonde Haar.

Skys Backen glühten vor Freude. »Ich glaub’s nicht, wir fahren nach London!«, quietschte sie und strahlte über das ganze Gesicht.

Flora, die ruhigste der Cantrip-Schwestern, sah einfach nur glücklich aus. Marina umarmte sie, dann zerzauste sie ihr übermütig das kurze kastanienbraune Haar.

»Lass das!«, protestierte Flora lachend und knuffte ihre Schwester freundschaftlich.

Marina sah Flame an. »Wir haben es tatsächlich geschafft, wir haben es zusammen geschafft!«, sagte sie, und die beiden älteren Schwestern umarmten einander.

»Royal Albert Hall, wir kommen!«, rief Flame.

 

Als die Schwestern auf den Ausgang der Aula zugingen, blieb Flame kurz stehen, um mit Mr Taylor, dem Musiklehrer, zu sprechen. So bekam sie nicht mit, wie Verena Glass sich zu Marina gesellte.

»Hallo, gut gemacht!«, sagte Marina und lächelte Verena zu.

»Danke«, antwortete diese. »Du aber auch!« Verenas außergewöhnlich schöne Stimme hatte ihren Teil dazu beigetragen, dass sie die Regionalmeisterschaft gewonnen hatten. Sie hatte wundervoll gesungen und war stolz auf das Ergebnis.

Seit Verena den Samstagnachmittag bei einem Softballspiel auf Cantrip Towers verbracht hatte, mochte sie die Cantrip-Schwestern recht gern, auch wenn sie Flame gegenüber vorsichtig blieb. Sie und Flame waren sich einfach zu ähnlich. Beide Mädchen waren sowohl klug als auch sportlich. In der Schule wetteiferten sie tagtäglich um gute Noten und Anerkennung. Und zu allem Überfluss mochten beide denselben Jungen: Quinn McIver mit den dunklen Augen, was die Sache nicht einfacher machte.

In Marinas Gegenwart jedoch fühlte Verena sich wohl. Als Einzelkind, das sich sein Zuhause mit einer kaltherzigen Großmutter teilte, sog sie Marinas Freundlichkeit in sich auf wie ein Schwamm.

»Das haben wir wirklich toll hingekriegt!«, sagte Marina. »Du kommst doch mit nach London, oder?«

»Ja, klar.« Verena lächelte. »Kaum zu glauben, dass ich in der Royal Albert Hall singen werde! Ich bin mir nur nicht sicher, ob meine Großmutter mitkommt. Sie mag London nicht und scheint kein bisschen interessiert daran, mich singen zu hören.«

»Wie schade«, sagte Marina. Verena tat ihr leid, aber dass Glenda nicht zum Konzert kommen würde, nahm sie erleichtert zur Kenntnis. »Weißt du schon, wie du nach London kommst?«, fragte sie.

»Ich werde wohl eine Mitfahrgelegenheit brauchen. Übernachten kann ich bei meinem Vater in der

Stadt.«

»Ich frage Mum, ob du mit uns fahren kannst, wenn du möchtest«, schlug Marina vor.

»Danke, das wäre nett«, erwiderte Verena erleichtert.

In diesem Moment beendete Flame ihre Unterhaltung mit Mr Taylor. Als sie entdeckte, dass Marina sich mit Verena unterhielt, verlor ihr Gesicht schlagartig jegliche Farbe.

Im selben Moment wandte auch Marina sich um und sah, dass Flame sie anstarrte, das Gesicht weiß wie ein Bettlaken. Sie warf ihrer älteren Schwester einen irritierten Blick zu.

Verena blickte von einer Schwester zur anderen. Sie hatten gerade den Sieg der Regionalmeisterschaft gefeiert, und jetzt starrte Flame Cantrip sie angsterfüllt an.

Was ist bloß los, überlegte Verena ratlos. Was glaubt sie, habe ich getan?

Verena und Marina sahen sich einen Moment lang mit hochgezogenen Augenbrauen an, und als sie wieder zu Flame blickten, war diese verschwunden.

***

Zu Hause auf Cantrip Towers war Dad auf dem Weg in sein Arbeitszimmer, eine Tasse Kaffee in der Hand. An manchen Tagen arbeitete er in seinem Architekturbüro in der Stadt, an anderen zu Hause. Er summte vor sich hin, wie er es häufig tat, wenn er gute Laune hatte.

Ich frage mich, ob die Drysdale das Finale erreicht hat, dachte er, als er die Tasse auf seinem Schreibtisch abstellte.

Er setzte sich und trank ein paar Schlucke Kaffee, während er über die Woche nachdachte, die vor ihm lag. Dann fiel sein Blick auf den Brief von Oswald Foffington-Plinker. Er lag zuoberst auf dem Poststapel und war leider nicht zu übersehen.

»Verflixt nochmal«, brummte Dad. Einen Moment wünschte er sich, er wäre auf direktem Weg in sein Büro in der Stadt marschiert und hätte den Brief erst gar nicht gesehen. Er hatte ihn schon vor über einer Woche gelesen und seitdem nicht mehr angerührt.

Dad lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, öffnete den teuer aussehenden weißen Umschlag und faltete den Brief auseinander.

Da stand es: Oswald Foffington-Plinker wollte Cantrip Towers und das Grundstück, auf dem es stand, kaufen.

Dads Herz zog sich zusammen, genau wie beim ersten Mal, als er den Brief gelesen hatte. Er kratzte sich am Hinterkopf und seufzte, als plötzlich das Telefon klingelte.

»Hallo, Colin Cantrip?«

«Guten Morgen, Colin, alter Knabe, Oswald am Apparat.«

»Guten Morgen, Oswald«, antwortete Dad

vorsichtig.

»Ich rufe wegen meines Angebots an. Hast du kurz Zeit?«, sagte Oswald mit einer Stimme, die schmierig und entschlossen zugleich klang.

»Ich lese es grade noch mal durch«, sagte Dad.

»Sehr gut«, erwiderte Oswald. »Ich dachte mir schon, dass du etwas Zeit brauchen würdest, mein Angebot zu überdenken. Ich würde gern einen Termin vereinbaren, damit ich mit meinen Geschäftspartnern vorbeikommen kann, um das Objekt auf Herz und Nieren zu prüfen. Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass sich Cantrip Towers erfolgreich in ein Wellnesshotel umwandeln ließe, mit Pool und allem Drum und Dran. Es hat so viel ungenutzte Fläche und unglaubliches Potential. Das perfekte Bauobjekt!«

Dad schwieg. Der Gedanke, sein Haus, das Zuhause seiner Familie, in die Hände eines Immobilienhais zu geben, erfüllte ihn mit Verzweiflung. Dann sagte er: »Oswald, es ist nicht nötig, dass ihr vorbeikommt. Wir haben nicht vor, Cantrip Towers zu verkaufen. Weder jetzt noch in Zukunft.«

»Nun, denk darüber nach, alter Knabe«, sagte Oswald ungerührt. »Weißt du, letztes Mal, als ich bei euch war, ist mir aufgefallen, dass euer Dach in einem schlimmen Zustand ist. Und das ist schon ein Weilchen her. Es ist ein ganz schön großer Kasten, den du da unterhältst, besonders wenn man bedenkt, dass du jedes Jahr einen Batzen Schulgeld für deine vier Töchter berappen musst.«

Dad atmete hörbar aus. Oswald hatte recht. Das Dach von Cantrip Towers war in einem schlechten Zustand, und das Schulgeld für die Drysdale riss jedes Schuljahr ein enormes Loch in die Familienkasse.

Da Oswald ein erfahrener Geschäftsmann war, wusste er, wann es Zeit war, zu schweigen und das Gesagte sacken zu lassen. »Ich lass dich jetzt mal weiterarbeiten. Ruf mich an, wenn du und Ottalie Gelegenheit hattet, ernsthaft über mein Angebot nachzudenken. Du sitzt da auf einer Goldmine, alter Knabe.«

Dad legte den Hörer auf und starrte aus dem Fenster in den Garten hinaus.

Was soll ich nur tun, dachte er. Mein Architekturbüro bringt gutes Geld, aber ich müsste ein reicher Mann sein, um das Dach von Cantrip Towers neu decken zu lassen. Es ist ein sehr großes Dach … Mein Urgroßvater, der Süßwarenfabrikant Sidney Cantrip, besaß ein ordentliches Vermögen, als er Cantrip Towers 1910 erbauen ließ. Seit damals ist das Dach nicht erneuert worden. Wie sollen wir das alles nur bezahlen? Wir müssen die Mädchen vielleicht von der Drysdale nehmen. Was ist wichtiger für unsere Töchter? Eine gute Ausbildung oder ein wundervolles Zuhause? Je nachdem wie schlimm es ist, können wir Cantrip Towers womöglich nicht halten. Ich werde mir das Dach heute Abend mal genauer ansehen. Ich muss wissen, womit wir es zu tun haben.

Dad lächelte, als er an seinen Vater, Sheldon Cantrip, dachte. Er hatte immer gesagt: »Auf Cantrip Towers müssen stets Cantrips leben.« Mein Vater war ein reicher Mann, dachte Dad. Und wenn sein Erbe sich nicht in Luft aufgelöst hätte, wäre meine Mutter es heute noch. Wir haben kein Familienvermögen mehr, auf das wir zurückgreifen könnten. Wenn wir das Dach von Cantrip Towers reparieren wollen, werde ich einen großen Batzen Geld verdienen müssen. Und wie um Himmels willen soll ich das bloß anstellen?

[...]

Über Sheridan Winn

Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendbuchprogramm der S. Fischer Verlage finden sich auf www.fischerverlage.de

Impressum

Deutsche Erstausgabe

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Die englische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel »The Sprite Sisters. Book Two - The Magic Unfolds« bei Piccadilly Press Ltd., London

© Sheridan Winn 2009

 

Covergestaltung: Norbert Blommel, MT Vreden, nach einer Idee von Buena Vista International

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-7336-5169-5