Volkswirtschaftliche Kosten der Adipositas - Alice Podgorski - E-Book

Volkswirtschaftliche Kosten der Adipositas E-Book

Alice Podgorski

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich BWL - Sonstiges, Note: 1,7, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Sprache: Deutsch, Abstract: Bei der Adipositas handelt es sich um ein sehr aktuelles Thema, das häufig die Schlagzeilen beherrscht, in denen die hohe Verbreitung und neue Strategien zur Eindämmung dieser Entwicklung vorgestellt werden. Immer mehr Studien und Literatur untersuchen Adipositas unter verschiedenen Aspekten und kommen oft zu ungleichen Ergebnissen. In der vorliegenden Arbeit sollen diese unterschiedlichen Informationen über die Adipositas systematisiert sowie der aktuelle Forschungsstand aufbereitet werden. Darüber hinaus wird versucht, die verschiedenen komplexen Wirkungsmechanismen und Kausalitäten darzustellen und die Konsequenzen zu quantifizieren. Der Einleitung folgend, befasst sich das zweite Kapitel mit den weltweiten Ausmaßen der Adipositas. In diesem Zusammenhang wird zuerst die Bedeutung der Adipositas betrachtet (2.1). Als Zweites werden ihre verschiedenen Erscheinungsformen und ihre Diagnostik näher beschrieben (2.2) bevor im Anschluss auf die globale Verbreitung und die Entwicklungsrichtung eingegangen wird (2.3). Hiernach werden im dritten Kapitel die verschiedenen möglichen Ursachen und Erklärungsmodelle analysiert. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den technischen Fortschritt (3.1), die sozioökonomischen (3.2) und kulturellen Einflüsse (3.3), sowie auf mangelnde Selbstkontrolle und rationales Verhalten (3.4) gelegt. Im Kapitelteil 3.5 werden darüber hinaus die genetischen Aspekte näher bestimmt. Als Grundlage für den Versuch einer Quantifizierung der Wirkungskanäle werden die Folgen der Adipositas in Kapitel vier untersucht. Dabei wird sowohl auf die gesundheitlichen (4.1) als auch auf die unterschiedlichen psychosozialen Auswirkungen (4.2) eingegangen. Darauf aufbauend wird in Kapitel fünf versucht, die verschiedenen Konsequenzen in monetäre Größen zu übersetzen. Hierzu werden die volkswirtschaftlichen Kosten definiert, einige Berechnungsmethoden und Vorgehensweisen skizziert und weltweite Ergebnisse der verschiedenen Kostenarten aufbereitet und dargestellt. Anschließend werden im sechsten Kapitel verschiedene Präventionslösungen diskutiert.

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Veröffentlichungsjahr: 2008

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Inhaltsverzeichnis

 

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1          Einleitung

2          Adipositas - eine globale Epidemie

2.1   Definition

2.2   Messmethoden

2.3   Weltweite Verbreitung und globale Entwicklung der Adipositas

3          Ursachen

3.1   Technischer Fortschritt

3.2   Sozioökonomische und umweltbedingte Faktoren

3.3   Kulturelle Einflüsse

3.4   Willensschwäche und rationales Verhalten

3.5   Genetik

4          Individuelle Konsequenzen der Adipositas

4.1   Gesundheitliche Auswirkungen

4.2   Psychosoziale Auswirkungen

4.2.1        Soziale Stereotypen und Diskriminierung

4.2.2        Eigene Wahrnehmung

4.2.3        Lebensqualität

5          Ökonomischen Konsequenzen der Adipositas

5.1   Wirtschaftliche Betrachtung von Adipositas

5.2   Direkte Kosten

5.3   Indirekte Kosten

5.3.1        Volkswirtschaftliche Ressourcenverluste durch Mortalität

5.3.2        Volkswirtschaftliche Ressourcenverluste infolge von Morbidität

5.4   Psychosoziale Kosten

6          Mögliche Handlungsansätze

7          Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

 

Abbildung 1: Kosten ambulanter und stationärer Leistungen

Abbildung A: BMI-Namogramm

Abbildung B: weltweite BMI Verteilung

Tabellenverzeichnis

 

Tabelle 1: Klassifizierung des Body-Mass-Indexes

Tabelle 2: Durch die Adipositas verursachten gesundheitlichen Risiken

Tabelle 3: Inanspruchnahme ambulanter und stationärer Leistungen

Tabelle A: Weltweite Verteilung von Übergewicht und Adipositas

Tabelle B: Wachstumsrate der Adipositas von Erwachsenen (in Prozenten pro Jahr)

Abkürzungsverzeichnis

1                   Einleitung

 

“A diseasethat has assumed epidemic proportions, posing one of the greatest threats to human health and well being in the 21st century“.Mit diesen Worten beschrieb die WHO im Jahr 2000 die Krankheit Adipositas und machte die epidemiologischen Ausmaße dieser chronischen Erkrankung deutlich.[1] Tatsächlich gehört Adipositas zu einer der häufigsten und am schnellsten wachsenden gesundheitlichen Bedrohungen unserer Zeit. Jedes Jahr nimmt die Zahl der adipösen Menschen nicht nur in den reichen Industrienationen, sondern auch weltweit kontinuierlich zu. Mit zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung scheint die Häufigkeit der Adipositas anzusteigen. Weltweit sind schätzungsweise bereits 1,6 Mrd. Menschen übergewichtig und über 400 Millionen adipös. Besonders alarmierend ist die steigende Zahl der adipösen Kinder, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu adipösen Erwachsenen werden.[2]

 

Während Adipositas lange Zeit nur als eine Angelegenheit der persönlichen Ästhetik galt, herrscht heute Einigkeit darüber, dass ihre Auswirkungen in viele Lebensbereiche streuen. Dabei sind die langfristigen gesundheitlichen und psychosozialen Effekte vielfältig und enorm. Es ist davon auszugehen, dass wenn ein Großteil der Bevölkerung unter einer Erkrankung leidet bzw. ein erhöhtes Risiko hat, krank zu werden, die Volkswirtschaft selbst auch stark davon beeinträchtigt wird. Leistungsbeeinträchtigungen, Produktionsausfälle und Einkommensverluste, sowie eine ansteigende Belastung des weltweiten, öffentlichen Gesundheitssystems gehören hier u. a. zu den ökonomischen Konsequenzen.[3] Diese volkswirtschaftlichen Kosten wurden im Fall von Adipositas oft nur am Rande beachtet und rückten erst in den letzten Jahren ins öffentliche Blickfeld. Zuvor betrachtete man die Krankheit selbst sowie ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten aus überwiegend medizinischer Perspektive. Doch den vielfältigen Auswirkungen der Adipositas liegen viele, individuell unterschiedliche und komplexe Ursachen zugrunde. Diese ziehen verschiedene Interventionsmöglichkeiten und Lösungswege nach sich, die zu variierenden Erfolgen führen. Dabei wird zunehmend versucht, die Adipositas nicht erst Auftreten zu lassen, sondern möglichst vorher durch Präventionen zu vermeiden.

 

Bei der Adipositas handelt es sich um ein sehr aktuelles Thema, das häufig die Schlagzeilen beherrscht, in denen die hohe Verbreitung und neue Strategien zur Eindämmung dieserEntwicklungvorgestellt werden. Immer mehr Studien und Literatur untersuchen Adipositas unter verschiedenen Aspekten und kommen oft zu ungleichen Ergebnissen. In der vorliegenden Arbeit sollen diese unterschiedlichen Informationen über die Adipositas systematisiert sowie der aktuelle Forschungsstand aufbereitet werden. Darüber hinaus wird versucht, die verschiedenen komplexen Wirkungsmechanismen und Kausalitäten darzustellen und die Konsequenzen zu quantifizieren.

 

Der Einleitung folgend, befasst sich das zweite Kapitel mit den weltweiten Ausmaßen der Adipositas. In diesem Zusammenhang wird zuerst die Bedeutung der Adipositas betrachtet (2.1). Als Zweites werden ihre verschiedenen Erscheinungsformen und ihre Diagnostik näher beschrieben (2.2) bevor im Anschluss auf die globale Verbreitung und die Entwicklungsrichtung eingegangen wird (2.3). Hiernach werden im dritten Kapitel die verschiedenen möglichen Ursachen und Erklärungsmodelle analysiert. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den technischen Fortschritt (3.1), die sozioökonomischen (3.2) und kulturellen Einflüsse (3.3), sowie auf mangelnde Selbstkontrolle und rationales Verhalten (3.4) gelegt. Im Kapitelteil 3.5 werden darüber hinaus die genetischen Aspekte näher bestimmt. Als Grundlage für den Versuch einer Quantifizierung der Wirkungskanäle werden die Folgen der Adipositas in Kapitel vier untersucht. Dabei wird sowohl auf die gesundheitlichen (4.1) als auch auf die unterschiedlichen psychosozialen Auswirkungen (4.2) eingegangen. Darauf aufbauend wird in Kapitel fünf versucht, die verschiedenen Konsequenzen in monetäre Größen zu übersetzen. Hierzu werden die volkswirtschaftlichen Kosten definiert, einige Berechnungsmethoden und Vorgehensweisen skizziert und weltweite Ergebnisse der verschiedenen Kostenarten aufbereitet und dargestellt. Anschließend werden im sechsten Kapitel verschiedene Präventionslösungen diskutiert.

2                   Adipositas - eine globale Epidemie

 

2.1            Definition

 

Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde eine Definition für Dick- bzw. Fettleibigkeit und Fettsucht festgelegt und diese Begriffe synonym gebraucht. Zu den Definitionskriterien zählten erstens ein hoher Körperfettanteil und zweitens die dadurch verursachten gegenwärtigen oder zukünftigen körperlichen Beschwerden. Das Gewicht selbst ist also nicht der ausschlaggebende Faktor.[4] Im Laufe der Zeit hat sich der neutralere und medizinisch korrekte Begriff Adipositas (engl.:Obesity)in der Wissenschaft durchgesetzt, um jeden negativen und diskriminierenden Beiklang, sowie die fehlerhafte Annahme einer Suchtkrankheit zu vermei- den.[5] Heutzutage stuft die WHO Adipositas als Krankheit ein und definiert sie folgendermaßen: Als eine anomale und exzessive Körperfettansammlung, die die Gesundheit beeinträchtigen könnte.[6]

 

Der Begriff Übergewicht bezeichnet ein über das Normalmaß erhöhtes Gewicht durch einen gestiegenen Körperfettanteil.[7] Diese Vorstufe der Adipositas wird Präadipositas genannt. Übergewicht an sich wird jedoch zunächst nicht als Krankheit gesehen. Erst wenn das Ausmaß der Fettverteilung, und dadurch das Risiko für die Gesundheit besonders ansteigen, spricht man vom krankhaften Übergewicht (Adipositas).[8] Darüber hinaus unterscheidet man zwischen Ideal- und Normalgewicht. Ersteres beschreibt das klinisch definierte optimale Gewicht, bei dem es die geringste Sterblichkeitsrate bzw. die höchste Lebenserwartung gibt. Es handelt sich hierbei nicht um das gesellschaftliche Schönheitsideal, das meist hinsichtlich des Gewicht darunter liegt. Der zweite normative Begriff meint das Durchschnittsgewicht einer Bevölkerungsgruppe und hat keine gesundheitliche Aussagekraft. Bestimmt wird hierbei der Mittelwert einer in Bezug auf Alter und Geschlecht homogenen Gruppe.[9]

 

All diese Begriffe unterliegen einem Zeitwandel. Die Festlegung einer Gewichtsnorm undderenAbweichung (Adipositas) werden laufend durch die Ergebnisse neuer Studien beeinflusst. Auch das Gewicht der Bevölkerung ändert sich, so dass der Bezugswert zur Bestimmung des abnormalen Gewichts variiert. Da primär ein hoher Körperfettanteil Adipositas und Übergewicht definiert, werden Größen wie Ideal- oder Normalgewicht, die schlecht mit der Fett-massekorrelieren,inder Literatur oftmals als veraltet bezeichnet und abgelehnt.[10] Klotter (1990) beklagt die ökonomischen und ästhetischen Faktoren, die die Definitionsschwankungen der Adipositas im 20. Jahrhundert verursachten. So wurden beispielsweise Lebensversicherungen als Datengrundlagen zur Ermittlung des Idealgewichts herangezogen. Außerdem galt eine füllige Figur bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts als Schönheitsideal, das mit Gesundheit und Wohlstand assoziiert wurde. Kritisiert wurde auch, dass bei der Definition der Adipositas im Laufe der Zeit immer geringere Abweichungen von der Norm bereits als krankhaft eingestuft wurden.[11] Im Jahre 1997 hat die WHO Adipositas innerhalb einer eigens erstellten globalen Datenbank klar vom Übergewicht und Normalgewicht abgegrenzt, und die Krankheit selbst in drei verschiedene Schweregrade klassifiziert. Bedient hat sich die WHO dabei des Body-Maß-Indexes, der die international übliche Methode darstellt, Adipositas zu messen.[12]

 

2.2            Messmethoden

 

Adipositas kann durch verschiedene Messmethoden bestimmt werden. Lange Zeit verwendete man den vom französischen Chirurgen Paul Broca (1824-1880) entwickelten Broca-Index. Dabei wird das Normalgewicht in Kilogramm bestimmt, indem die Körpergröße in Zentimeter minus 100 gerechnet wird. Das Idealgewicht erhält man dann indem für einen Mann 10% und für eine Frau 15% vom erhaltenen Normalgewicht subtrahiert wird.[13] Jedoch bestimmt der Broca-Index das Normalgewicht sehr kleiner oder sehr großer Menschen nur ungenau.[14]Als internationaler Standard für den Vergleich von Körpergewicht hat sich der Body-Maß-Index (BMI) etabliert, der besser mit den Parametern und Auswirkungen von Adipositas und dem Körperfettanteil korreliert als der Broca-Index.[15] Der BMI ist ein Gewicht-Längen-Indize und wird berechnet als Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Meter. Er dient zur Bestimmung von Unter-, Normal-, und Übergewicht bei Erwachsenen, ist altersunabhängig und für beide Geschlechter gleichermaßen gültig.[16] Aktuell wird hierzu ein von der WHO entwickeltes, auf dem BMI beruhendes Klassifizierungsmodell zur Bestimmung der weltweiten Ernährungssituation und des Ausmaßes der Adipositas benutzt (vgl. Tabelle1). DieKlassifizierung des BMI erfolgt in Abhängigkeit des relativen Mortalitätsrisikos, dessen geringste Ausprägung sich innerhalb des Normalgewichts befindet. Dieses Modell hat sich inzwischen weltweit durchgesetzt und wird u. a. von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft gebraucht.[17]

 

Tabelle 1: Klassifizierung des Body-Mass-Indexes

 

 

Quelle: Eigene Darstellung nach: WHO (2006a): Global Database on Body Mass Index. BMI classification.

 

Der BMI 18,5 kg/ m2 grenzt das Normalgewicht nach unten ab. Fällt der Wert geringer aus, so spricht man vom Untergewicht. Dabei besteht zwar ein geringes Risiko für Begleiterkrankungen von Überwicht, dafür geht es mit einem erhöhten Risiko für Magen-, Darm- und Lungenerkrankungen und einem höheren Mortalitätsrisiko einher. [18] Ältere Studien setzen das Untergewicht schon ab 19 kg/m2 für Frauen und 20 kg/m2 für Männer an und oft wird aus praktischen Gründen das Untergewicht auf einen BMI <20 kg/m2 vereinfacht.[19] Der Zusammenhang zwischen BMI und der Mortalität ist U-förmig, so dass das Mortalitätsrisiko sowohl bei einem niedrigem als auch einem hohen BMI ansteigt.[20] Dazwischen befindet sich der Normalbereich des BMI (18,5-24,99 kg/m2). Als übergewichtig klassifiziert die WHO einen Menschen, wenn sein BMI zwischen 25 kg/ m2 und 29,99 kg/m2 liegt.[21] Ab dem BMI- Wert von 25 kg/m2 nimmt das gesundheitliche Risiko zu. Mit dem Erreichen bzw. Überschreiten eines BMI von 30 kg/m2 spricht man von Adipositas. Die Krankheit wird in Fünferschritten in drei verschiedene Schweregrade unterteilt. Bei der Adipositas dritten Grades, also ab einem BMI von mindestens 40,00 kg/m2, wird von einer morbiden (krankhaften) Adiposi- tas gesprochen,dieeinstarkerhöhtes Risiko für Folgekrankheiten und kardiovaskuläre, eine das Herz und die Gefäße betreffende, Mortalität birgt.[22]

 

Der BMI ist leicht zu handhaben und exakt zu bestimmen. Jedoch weist er auch einige Einschränkungen als Messmethode zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas auf, da der BMI nur indirekt den Fettanteil im Körper misst.[23] So könnten demnach Personen, deren erhöhter BMI auf eine erhöhte Muskelmaße zurückzuführen ist, ebenfalls als übergewichtig eingestuft werden. Zum Beispiel haben Harbin et al. (2006) in ihrer Studie beobachtet, dass, während der BMI einiger Testpersonen nur um 1% anstieg, sich deren Körperfettanteil um 14% im gleichen Zeitraum erhöhte. Gleichzeitig wurde ein Anstieg des BMI bei den anderen Probanden um 43% gemessen, obwohl ihr Körperfett nur um 15% zugenommen hatte.[24] Ein weiteres Beispiel zeigt, dass afroamerikanische Männer im Schnitt 2,33 kg mehr fettfreie Körpermasse in Form von Muskeln und Körperflüssigkeit haben als weiße Amerikaner. Gleichzeitig ist ihr durchschnittlicher Körperfettanteil um 2,85% geringer als bei den weißen Männern. Muskelmasse wiegt mehr als Körperfett, so dass afroamerikanische Männer dennoch einen genauso hohen oder gar höheren BMI erreichen wie weiße Amerikaner.[25] Eine weitere Einschränkung stellt eine falsche Klassifizierung aufgrund des Körperbaus dar, wenn beispielsweise eine Person einen untersetzten Körperbau hat. Deshalb wird diskutiert, inwiefern diese Einordnung global verwendbar ist und ob, zum Beispiel, für bestimmte ethnische Populationen, v. a. für die ostasiatische und pazifische Bevölkerung, nicht andere Einteilungen sinnvoller wären. Der Zusammenhang zwischen dem BMI, dem Körperfettanteil undseinerVerteilung ist bei den verschiedenen ethnischen Völkern so unterschiedlich, dass ein erhöhtes gesundheitliches Risiko schon unter dem von der WHO als kritische Marke festgelegten BMI von 25 kg/m2 besteht.[26] Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass bei der chinesischen Bevölkerung Übergewicht schon ab einem BMI von über 23 kg/ m2 und Adipositas ab einer Überschreitung von 26 kg/m2 definiert werden sollte.[27] Aus diesem Grund empfahl eine Expertenversammlung der WHO zwar die festgelegten Klassifizierungsgrenzen beizubehalten, sie jedoch um die Schnittpunkte von 23, 27,5, 32,5 kg/m2 und, falls nötig, auch um 37,5 kg/m2 zu erweitern, um eine bessere internationale Vergleichbarkeit zu erreichen.[28]

 

Dieses Klassifizierungsschema nur für Erwachsene und nicht für Kinder und Jugendliche anwendbar, denn es berücksichtigt nur unzureichend die alters-, geschlechts- und wachstumsabhängigen Kriterien. Es existiert jedoch ein Referenzgewicht aus dem sich BMI-Referenzwerte für Kinder und Jugendliche ableiten lassen. Dabei fällt der BMI von der Geburt bis zum 7. Lebensjahr und steigt dann bis zum Erwachsenenalter an.[29]