Verlag: btb Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Vom Ende eines langen Sommers E-Book

Beate Teresa Hanika  

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E-Book-Beschreibung Vom Ende eines langen Sommers - Beate Teresa Hanika

Marielle lebt als Bildhauerin in Amsterdam. An einem der ersten warmen Frühlingstage kehrt die Vierzigjährige mit einem riesigen Strauß roter und blassrosa Tulpen vom Bloemenmarkt zurück und findet vor ihrer Wohnungstür ein Paket. Altmodisch verschnürt und geheimnisvoll. Der Inhalt: Tagebücher ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter Franka. Ein Leben lang fühlte Marielle sich von ihr unverstanden. Immer war ihr diese stolze, kühle Frau fremd geblieben. Nun beginnt sie zu lesen. Von jenem langen Sommer 1944, den Franka auf einem Gut in der Toskana verbracht hatte. Von einer Begegnung, die das Leben der jungen Frau für immer veränderte. Und von einem Verhängnis, das über die Generationen hinweg zu wirken scheint.

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E-Book-Leseprobe Vom Ende eines langen Sommers - Beate Teresa Hanika

Buch

»Bei vielen Dingen ist es einem nicht klar, dass man sie zum letzten Mal erlebt. Mir war nicht klar, dass es der letzte Sommer mit meiner Mutter werden sollte.«

Marielle lebt als Bildhauerin in Amsterdam. An einem der ersten warmen Frühlingstage kehrt die Vierzigjährige mit einem riesigen Strauß roter und blassrosa Tulpen vom Bloemenmarkt zurück und findet vor ihrer Wohnungstür ein Paket. Altmodisch verschnürt und geheimnisvoll. Der Inhalt: Tagebücher ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter Franka. Ein Leben lang fühlte Marielle sich von ihr unverstanden. Immer war ihr diese stolze, kühle Frau fremd geblieben. Nun beginnt sie zu lesen. Von jenem langen Sommer 1944, den Franka auf einem Landgut in der Toskana verbracht hatte. Von einer Begegnung, die das Leben der jungen Frau für immer veränderte. Und von einem Verhängnis, das über die Generationen hinweg zu wirken scheint.

Autorin

Beate Teresa Hanika, geboren 1976, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Regensburg. Für ihre Jugendbücher wurde sie u.a. mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Der Roman »Das Marillenmädchen«, ebenfalls bei btb erschienen, wird in sechs Sprachen übersetzt.

Beate Teresa Hanika

Vom Ende eines langen Sommers

Roman

Für meine Schwestern Sanne und Stift

Prolog

Bei vielen Dingen ist es einem nicht klar, dass man sie zum letzten Mal erlebt. Der letzte Blick auf den Liebhaber, der nie wiederkehrt, das letzte Wort, das man mit jemandem spricht, der einen für immer verlässt. Mir war nicht klar, dass es der letzte Sommer mit meiner Mutter werden sollte. Ich weiß nicht, ob manche Dinge mit diesem Wissen anders gewesen wären. Ob sich die Reise mit meiner Mutter nach Italien anders entwickelt hätte. Diese letzte Reise, von der ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, dass es die letzte sein sollte.

Wir erreichten das Meer in der Dämmerung. Der Fahrer hatte die Route über La Spezia gewählt, entlang der Küste, weil es Mutter sowieso egal war, auf welchem Weg wir in die Toskana kamen, zu dem Ort, der ihr immer schon so viel bedeutet hatte. Ich hatte nur mit den Achseln gezuckt. Wir saßen zusammen auf der Rückbank und schwiegen. Wir schwiegen schon an die drei Stunden. Davor hatte meine Mutter einmal das gleißende Licht über den Alpen erwähnt und dann den Blick auf die Poebene. Ich lehnte meinen Kopf gegen die Scheibe, schloss die Augen und dachte daran, dass es immer unmöglicher wurde, diese Reise zu überstehen, den zusammengekniffenen Mund meiner Mutter, die Erinnerungen an zurückliegende Sommer, heiß und unendlich, mit der flimmernden Luft über den italienischen Bergen, dem Dorf und dem Gut meiner Verwandten.

Der Chauffeur hielt in einer kleinen Haltebucht, von der aus man zum Meer hinuntergehen konnte, und öffnete die Wagenverschläge. Ich ließ ihn Mutter hinaushelfen und stieg alleine die Treppe zum Strand hinab. Die Wellen rollten träge ans Ufer. Die meisten Badenden waren schon zurück in ihren Hotels, nur vereinzelt saßen Paare nebeneinander im noch warmen Sand und blickten auf die Stelle, an der die Sonne im Meer versunken war. Und während sie den silbrigen Glanz der Wellen sahen, sah ich mich selbst, damals als Kind mit den Muscheln spielen. Neben mir meine Kinderfrau Martha und meine Mutter hinter uns. Sie stand an der Uferpromenade, die Hand über die Augen gelegt, und hatte den Blick auf irgendetwas in der Ferne fixiert, das ich nicht wahrnehmen konnte.

»Was tut sie da?«, hatte ich Martha immer wieder gefragt.

»Sie denkt wichtige Dinge«, gab sie zur Antwort.

»Welche Dinge?«

»Dinge, die nur in den Köpfen von großen Frauen vorgehen.«

»Auch in meinem?«

»Natürlich. Irgendwann einmal.«

Ich steckte mir eine besonders große Muschel in die Rocktasche und hüpfte an Marthas Hand ein paar Schritte Richtung Meer.

»Was soll das?«, sagte sie und lachte, und das salzige Wasser umspülte unsere Füße, bis Mutter energisch in die Hände klatschte, so laut, dass sie das Kreischen der Möwen übertönte. Schnell zog Martha mich zurück zum Wagen und klopfte mir den Sand von meinem dunkelblauen Rock und der Bluse.

Wenn Martha jetzt bloß hier wäre, dachte ich, dann wäre alles leichter. Vielleicht auch nicht.

Der Fahrer führte Mutter die Treppen hinunter, aber als ihre Füße den Sand berührten, blieb sie stehen, klein und zerbrechlich, ihr weißes Haar leuchtete hell in der schnell einsetzenden Dämmerung.

Marielle Amsterdam, April 2004

Es sind die Tulpen, die mich nach Amsterdam gebracht haben. Die Tulpenfelder vor Haarlem, schnurgerade mit nickenden Blütenköpfen, die Märkte mit ihren Ständen, kübelweise Blumen, dicht an dicht gedrängt. Ganze Tage könnte ich dort zubringen. Mit einem Arm voller Tulpen komme ich vom Bloemenmarkt zurück. Rote und blassrosa gefüllte Tulpen. Es ist April, und ich kann den Frühling förmlich riechen. Er liegt in meinem Arm und macht mich seltsam froh und mein Herz leicht. Mit einer Hand sperre ich die Tür zu dem roten Backsteinhaus auf, dessen Dachgeschoss ich bewohne. Die Katze zwängt sich mit einem Schnurren und steil aufgestelltem Schwanz vorbei und schießt die Treppe nach oben.

»Ella ohne Tulpen, das ist wie …« Roos, die in der kleinen Wohnung im Erdgeschoss wohnt, steckt den Kopf zur Tür heraus und überlegt. Ihr fällt nichts ein, dafür lächelt sie breit und winkt mich zu sich. »Hast du fünf Minuten?«

Vorsichtig stelle ich meinen Korb vor ihre Wohnungstür und lege den Strauß Tulpen darauf ab.

»Es gibt was zu feiern.«

Ich folge ihr durch einen kleinen, dunklen Gang, der mit Schuhregalen und Klamotten vollgestopft ist, in eine quadratische Küche ohne Herd, mit zwei Stühlen, einem Tisch. An der Wand lehnen diverse Gitarren nebeneinander. Roos öffnet das Fenster und holt eine Flasche Sekt herein, die neben der Butterdose auf der Fensterbank steht. Ganz schön früh für die Tageszeit.

»Was ist passiert?«

»Du kennst doch die Bar in der Slappersteeg, diese kleine Spelunke mit den Jazzkonzerten.« Sie lässt den Korken gegen die Decke fliegen, und der Sekt perlt über ihre Finger. Sie schenkt sich Sekt ein und mir Mineralwasser. »Du wirst es nicht glauben.«

»Dort, wo du kellnerst.«

»Gleich gegenüber. Per, der Typ aus der Bar, hat mich gesehen.«

»Gesehen.«

»Na ja, ein paarmal war er auch schon hier bei mir.« Roos macht ein verlegenes Gesicht, was ihr ziemlich schwerfällt. Sie drückt mir das Glas in die Hand. Ich mag Roos sehr. Sie ist groß und schlank, mit rotem gelockten Haar und Sommersprossen. Ihr Vater ist Afroamerikaner und ihre Mutter Holländerin. Ihre Mutter hat sich optisch durchgesetzt. »Er meint, ich wäre langsam zu alt für den Job. Kellnern ist echt ein Knochenjob. Schließlich bin ich bald fünfunddreißig. Und er mag mich.«

Roos schleppte ständig irgendwelche Kerle an, die sie mochten und die meinten, sie wüssten, wie sie ihr Leben zu führen hatte.

»So.«

»Ich will mit fünfundvierzig ja nicht aussehen wie ein Wrack.«

Ich sehe sie fragend an.

»Per meint, ich könnte in seiner Bar singen. Statt zu kellnern.«

»Das wolltest du doch schon immer.«

»Meine Gebete wurden erhört!« Wir prosten uns zu und nehmen beide einen beherzten, großen Schluck. »Das ist bislang noch nie passiert.«

»Alles wird gut«, prophezeie ich ihr, »irgendwann ändert sich immer alles. Es kann nur besser werden, weißt du.«

»Stimmt. Warum soll das nur bei mir nicht so sein?«

»Man muss nur daran glauben.«

»Red keinen Scheiß. Du weißt, dass ich an so was nicht glaube.«

»Solltest du aber. Eines meiner Bilder ist nämlich verkauft worden. Das mit der Augenklappe.«

»Na gut. Dann glaube ich es eben. Wenn du es sagst.«

Wir trinken die Gläser leer und Roos bringt mich zur Tür.

»Kommst du heute Abend?«

»Mal sehen.«

»Um Mitternacht. Mein erster Auftritt. Du musst kommen und mich sehen.«

»Du weißt doch, dass ich nicht mehr so gerne ausgehe.«

»Was ein Fehler ist. Ach ja, bevor ich es vergesse …«, sie deutet auf ein Paket, das vor der Tür auf dem Boden steht. »Das hat der Postbote für dich dagelassen. Hat ganz schön geflucht, weil’s so schwer war. Der Arme.«

Ich bücke mich und sehe auf den Absender. Maria di Renzi. Farnocchia.

Marielle Farnocchia, August 2003

Früher gab es eine lange Tafel, an der wir zum Essen bei meiner Tante Maria di Renzi zusammenkamen. Da waren Maria und Emilia und ihre Männer Mario und Silvio, die Kinder Margarethe, Ricardo und Anna, meine Mutter und ich. Und ab und zu stahl ich mich davon, kletterte auf ihren Schoß und stibitzte eine Scheibe Weißbrot ohne Salz und ein Stück Käse und diese kleinen runden Tomaten, die noch warm von der Sonne waren. Marthas Rock war wie eine Schaukel. Breitbeinig saß sie auf dem Holzstuhl. Ich zog die Beine an und spielte mit den Zipfeln ihrer Schürze. Ich spürte Marthas Finger auf meinem Scheitel, dann und wann fiel ein Krümel von ihrem Brot auf meine Stirn oder meinen Nacken. Der Tisch war klein geworden, klein und rund. Mehr Platz wurde nicht benötigt. Emilia, Silvio und Mario lebten nicht mehr, und die Kinder waren nach Rom und Florenz gezogen.

Fast jedes Jahr waren wir hierhergekommen, hatten im Sommer ein paar Wochen auf dem Landgut »Castelmonioni« in der Nähe von Lucca verbracht. Nun saß meine Mutter etwas verloren am Fenster, Zia Maria saß mit dem Rücken zu der großen Flügeltür, die zur Terrasse hinausging. Auch meine Tante hatte sich an den Tisch angepasst, klein und rund, ihr weißes Haar adrett geschnitten, kurz im Nacken mit leichten Wellen um ihr faltiges Gesicht.

»Marielle ist am Tag unserer Abreise erst nach München gekommen. Gerade noch rechtzeitig. Keinen Tag früher. Mit dem Flugzeug von Amsterdam nach München«, erzählte meine Mutter ihrer alten Freundin

»Und warum seid ihr nicht gleich zusammen hierher weitergeflogen?«

»Fliegen ist immer eine Strapaze. Ich werde nicht mehr fliegen. Nicht mehr in diesem Leben. Dafür bin ich zu alt.« Mutter tupfte sich mit der Serviette über die Lippen. »Dieses Fliegen ist doch kein Reisen. War es noch nie.«

»Da muss ich dir recht geben, Franka. Und doch ist es die einfachste Möglichkeit für Marielle, hier bei uns zu sein.«

Meine Mutter schnaubte durch die Nase und legte ihre Gabel neben den Teller, sagte aber nichts.

»Nun, Marielle, was macht die Kunst?«, wandte Zia Maria sich an mich.

Ich ignorierte Mutter, die ihre Gabel wieder in die Hand nahm, um das Stück Saltimbocca auf ihrem Teller hin- und herzuschieben.

»Gut. Ich habe ein schönes Atelier. Ich kann sogar die Sint Nicolaaskerk von dort aus sehen. Die Türme. Und die Glocken kann ich auch läuten hören. Im Hinterhof ist eine Werkstatt …« Ich merkte, wie brüchig meine Stimme klang, und brach ab.

»Das freut mich.« Zia Maria lächelte mich herzlich an und ich fühlte mich wie ein dummes, kleines Mädchen. Ich kann von dort aus die Sint Nicolaaskerk sehen. Was für einen Blödsinn redete ich da? Mutter zog eine Augenbraue missbilligend nach oben.

»Entschuldigt mich bitte.« Hastig stand ich auf, ließ mein Abendessen stehen, nahm mein Glas Wein und trat auf die Terrasse hinaus.

Die Grillen zirpten, ich lehnte mich an die Brüstung, von der aus man bis nach Farnocchia sehen konnte, dem kleinen Dorf, das nur einen kurzen Fußmarsch entfernt lag. Mitten in den rauen toskanischen Bergen, die auch heute noch schlecht mit Autos zu durchqueren waren. Aber wenn man sich zu Fuß auf den Weg machte, entdeckte man wilde kleine Flüsse, Berghänge voller Geröll und einsame Täler. Die kleinen Lichter leuchteten in der Ferne, dazwischen Weinberge und hinter mir die kargen Felsen der Apuanischen Alpen. Die Luft fühlte sich warm und weich an. Als wollte sie mich umarmen. Ich konnte mich erinnern, wie ich hier mit Ricardo, meinem Cousin, über die Brüstung geklettert war und mir beim Hinunterfallen den Fuß verstaucht hatte. Vorsichtig stemmte ich mich nun hoch und schwang meine Beine über den Stein und ließ sie auf der anderen Seite hinunterbaumeln. Vor mir lag der quadratische Innenhof, fein gekieselt, mit dem Brunnen in der Mitte. Um das ganze Grundstück zog sich eine Mauer mit einem ovalen Torbogen, an dem sich die Rosen hochrankten.

Wenn es früher auch der ganze Sommer gewesen war, den wir hier verbrachten, so waren es nun nur drei Wochen. Es war auszuhalten. Mutter war auszuhalten. Es fiel mir schwer, mir die Zeit mit ihr vorzustellen, doch ich beschloss, zuversichtlich zu sein.

»Verkauft sie die Skulpturen denn?«, hörte ich Zia Maria sagen.

»Komm. Sei nicht albern. Sie lebt von ihrem Erbe, vom Verkauf der Fabrik, genau wie ich. Sie hat noch nie eine einzige Skulptur verkauft.«

»Vielleicht sollte sie es lieber mit Malerei versuchen. Schon als Kind hat sie ganz bezaubernd gezeichnet. Kannst du dich an ihre Bilder erinnern?«

»Dunkel.«

»Franka, ich bitte dich. Die Sonnenblumen. Die Kirche von Farnocchia. Den kleinen Rocco, Rocco Mantovani …«

Mantovani. Rocco Mantovani war zwei oder drei Jahre jünger als ich gewesen, ein hübscher Junge, perfekt zu malen. Das Bild hatte ich im hinteren Teil des Gartens verbrannt und die Asche unter den Olivenbäumen verstreut. Nicht wegen des Jungen. Nein, es war mein Perfektionismus, der mich das Bild in kleine Stücke hatte reißen lassen. Ich fand, es war ihm nicht ähnlich genug, die Proportionen stimmten nicht und das Leuchten in Roccos dunklen Augen fehlte.

»Schon gut. Sie würde auch da nichts verkaufen.«

Ich nahm einen großen Schluck Wein. Was machte es schon?

»Das kommt vielleicht noch.«

»Dein Herz war schon immer zu groß, Maria.«

Zia Maria lachte. Kurz und hell. Als hätte sie sich verschluckt.

»Du musst ihr sagen, dass sie mehr essen soll. Sieh dir ihren Teller an. Sie hat das Essen nicht angerührt. Frauen in ihrem Alter dürfen nicht so dünn sein. Sie sollte mehr Pasta essen. Überhaupt. Frauen ab vierzig brauchen ein paar Kilos mehr auf den Rippen.«

»Sie ist erwachsen.«

»Sie sieht aus wie eine dieser furchtbaren Frauen aus diesen Zeitschriften. Knochige Schultern, nichts an den Hüften. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um sie.«

Meine Mutter antwortete etwas, das ich nicht verstehen konnte, und ich legte den Kopf in den Nacken. Der Nachthimmel hing voller Wolken, so tief, als könnte ich danach greifen, sie streiften die Bergspitzen hinter mir. Die Blätter der Olivenbäume und Steineichen flüsterten im Wind.

Marielle Amsterdam, April 2004

Die Geschichte ist die: Meine Mutter und ich waren uns, seitdem ich denken kann, auf seltsame Weise fremd. Vielleicht war es aber auch gar nicht so seltsam, schließlich ist sie nicht meine leibliche Mutter. Franka Fellner ist 1964 von München nach New York gezogen. Damals war sie 37 Jahre alt. Sie wohnte in einem Apartment gleich beim Central Park, das schon seit den 1920er Jahren unserer Familie gehörte. Sie verbrachte dort das ganze Jahr 1964, während meine Großmutter daheim schier durchdrehte, weil sich jemand dringend um die Handschuhfabrik der Familie kümmern musste und Franka die Einzige war, die dafür infrage kam. Als sie nach einem Jahr nach München zurückkam, hatte sie mich. Ein Baby von gerade vier Wochen. Sie hatte mich in New York adoptiert. Bis heute verstehe ich nicht, warum sie das getan hat. Meine Mutter ist niemand, der etwas aus reiner Nächstenliebe tut. Wenn ich sie fragte, sagte sie, ich wäre das uneheliche Kind einer ihrer Hausangestellten gewesen. Ein Baby, das mir nichts, dir nichts ein so junges Leben komplett ruiniert hätte.

Ich kannte die Frau, die meine richtige Mutter gewesen war, nicht, aber ich rätselte darüber. Wenn wir in New York waren, sah ich mir die Frauen genau an, die bei uns putzten, kochten, auf mich aufpassten. Ich studierte ihre Gesichtszüge, ihr Haar, ihren Ausdruck, wenn sie lachten, irgendetwas, das sie verriet, sie als meine Mutter zu erkennen gab. Sie flochten mir das Haar zu Zöpfen, badeten mich in der großen Badewanne mit den goldenen Armaturen, die in der Mitte des Badezimmers stand, und lasen mir Gute-Nacht-Geschichten vor. Danach huschten sie davon, und wenn ich aus dem Fenster sah, konnte ich sie unten auf der Straße sehen, wie sie eilig ihre Mäntel zuknöpften, Männern flüchtig auf die Wange küssten oder den Arm hoben, um ein Taxi anzuhalten. Sie gingen mit mir im Central Park spazieren, wir drehten Runden um den See, an dessen Ufer ich Enten fütterte und kleine Steine springen ließ, im Winter fuhren wir mit dem Pferdeschlitten und ich versuchte mich unter den Decken an die Frau zu kuscheln, die ich für meine Mutter hielt.

Doch die Frauen mochten keine Berührungen und schoben mich weg, und so saß ich auf der anderen Seite und sah den Schneebrocken zu, die von den Hufen der Pferde aufwirbelten. Die Frauen wechselten schneller als ich schauen konnte. Mal waren sie jung und hübsch, zart und blond. Mal waren sie alt und ruppig und behandelten mich nur freundlich, weil sie es mussten. Manche zeigten mir kleine, ausgeschnittene Fotos von ihren Kindern. Kleine Mädchen, die vielleicht meine Schwestern waren und in den Vororten wohnten. Manchmal waren es auch Jungen, die ich dann nicht als Brüder haben wollte. Ich dachte, irgendwann würde mich eine von diesen Frauen mit hinausnehmen, hinaus in eine andere Welt, und es wäre mir egal gewesen, welche Welt das war. Sie würde mich abends in mein Zimmer begleiten und vorsichtig die Tür hinter uns schließen, damit niemand uns hören könnte, und dann würde sie sagen, dass ich das packen sollte, was mir am wichtigsten war.

»Mir ist nichts wichtig«, würde ich sagen, und schließlich würde sie eine Puppe, den Bären, der Geräusche machen konnte, und die Spieldose mit den tanzenden Pferdchen in einen kleinen Koffer packen.

»Ab jetzt heißt du nicht mehr Marielle Fellner.«

Ich würde nicken.

»Du heißt nun Ella. Nur noch Ella. Und du wirst vergessen, woher du kommst.«

Es passierte nie.

Als Martha dann auftauchte, war ich mir völlig sicher, sie musste es sein. Sie kam am Morgen meines sechsten Geburtstages. Sie sagte irgendetwas wie: »Alles Gute, meine kleine Prinzessin«, und ich flog in ihre Arme und weinte.

Ab diesem Tag war Martha immer da. Sie begleitete uns nach New York und nach Italien zu Zia Maria und Zia Emilia, und wenn wir in München waren, in dem riesigen Stadthaus in Bogenhausen, da wohnte Martha dann in dem Zimmer am Ende meines Gangs, und nachts, wenn es dunkel war und ich mich fürchtete, lief ich auf nackten Füßen zu ihr und schmiegte mich an ihren warmen, weichen Körper.

Mutter ahnte davon nichts. Weder davon, dass ich Martha innig liebte, noch davon, dass ich sie für meine Mutter hielt. Was Martha dachte, weiß ich nicht. Sie war da, wenn es nötig war. Sie brachte mich zum Lachen und tröstete mich, wenn ich traurig war.

Marielle Farnocchia, August 2003

Der erste Morgen in dem alten Gutshaus meiner Tante war immer besonders. Auch dieses Mal schlief ich in einem Zimmer, von dem aus man die Berge sehen konnte. Das Bett war riesig und die Matratze eigentlich zu weich, und doch schlief ich darin so tief und traumlos wie in keinem anderen Bett. Die Bettwäsche war aus Leinen und etwas kratzig, vor allem, wenn man am Tag davor zu lange in der Sonne gewesen war und sich die Haut auf Schultern und Armen verbrannt hatte. Aber sie war auch kühl und schmiegte sich federleicht an den Körper, und am Morgen, als ich aufwachte, schlug ich mir das Bettlaken einfach um den Körper und trat hinaus auf den Balkon.

Von oben sah ich Mutter und Zia Maria auf der Terrasse frühstücken. Sie saßen nebeneinander und schienen nicht zu sprechen. Mutter trug einen breitkrempigen Strohhut mit weißem Band, damit die Sonne sie nicht blendete, und Zia Maria eine riesige Sonnenbrille, die sie aussehen ließ wie eine verwirrte Hummel. Ich setzte mich auf den Korbstuhl, der in einer Ecke des Balkons stand, legte meine nackten Füße auf das Geländer und zündete mir eine Zigarette an. Ich rauchte fast nie, doch nun vermissten meine Hände ihre Beschäftigung.

Zuhause ging ich frühmorgens in meine Werkstatt, zog meinen zerschlissenen Overall an, setzte mir die Schweißbrille auf und begann, Eisenteile aneinander zu löten. Eine Woche zuvor hatte ich eine Frau entworfen. Sie war klein und buckelig und trug eine Weltkugel auf ihrem Rücken. Sie sah furchtbar aus. Alt, hässlich und ausgemergelt. Ich dachte, dass ich bald genauso aussehen würde. Aber ich mochte sie irgendwie, und als Roos mich besuchen kam, zuckte sie zuerst zusammen, doch dann sagte sie:

»Verdammt, Ella? Aber eigentlich hast du recht, wir Frauen tragen die ganze Welt auf unseren Schultern. Nur kein Mensch kapiert es.«

Hier waren meine Hände nutzlos. Ich klemmte mir die Zigarette zwischen die Lippen und knetete meine Finger. Die Sonne stand schon über den Bergen und wärmte bereits mein Gesicht. Es würde ein heißer Tag werden. So heiß, dass Mutter und Zia Maria sich spätestens um elf Uhr ins Haus zurückziehen und Patiencen legen würden. Der ganze Tag würde vergehen, ohne dass sie nennenswert miteinander sprechen würden. Vielleicht war das meiste zwischen ihnen gesagt. Nur das leise Geräusch der Karten auf dem runden Mahagonitisch würde zu hören sein. Als ich klein war, war dies der ideale Augenblick gewesen, um sich zu verdrücken und etwas zu tun, was nicht erlaubt war.

Es war der Moment, in dem ich mir die drückenden Schuhe von den Füßen gestreift hatte und hinter dem Gutshaus in den Olivenhain gelaufen war. Ich kletterte damals auf die knorrigen Bäume und pflückte die kleinen grünen Oliven, steckte sie in meine Rocktasche, um sie später Martha in der Küche zu zeigen. Ich fand einen verletzten Hund zwischen den Felsen am Ende des Grundstücks und pflegte ihn den ganzen Sommer, brachte ihm Wurst und Reste vom Braten, bis er eines Morgens davonlief, hinein in die Berge, und niemals wiederkam. Das undankbare Tier. Manchmal versteckte ich mich in einem von Zia Marias Lieferwagen, mit denen die Fahrer das Olivenöl an die Geschäfte und Märkte lieferten. Auf den Serpentinenstraßen fuhr ich mit, hinunter nach Partigliano, Pastino, Lucca, nach Vecchiano und ans Meer, roch das Salz und den Fisch, und wenn Stefano, einer der Fahrer, den Wagen abstellte, hüpfte ich hinaus und sprang mit all meinen Kleidern ins Wasser.

Ich glaube, Stefano wusste, was ich tat, doch er sprach nie darüber. Aber ich hatte den Eindruck, dass er oft den Motor länger laufen ließ, bis ich wieder hinaufgeklettert war auf die Ladefläche und gut zwischen den Kisten mit den klirrenden Ölflaschen versteckt war.

Daran dachte ich, als ich meine Finger knetete und Zia Maria und Mutter schweigsam nebeneinander auf der Terrasse saßen und ihre Kaffeetassen mit einer Hand balancierten. Ein dreirädriger, roter Piaggio Ape 50 kam die geschwungene Auffahrt hinaufgefahren und vor dem Lieferanteneingang zum Stehen.

Ich kannte den Mann nicht, der mit sichtlicher Mühe aus seinem viel zu kleinen Gefährt stieg. Es sah irgendwie aus, als müsste er sich auseinanderfalten. Dann lehnte er sich an die Seite des Piaggio und legte seine Finger an die Lippen und stieß einen schrillen Pfiff aus. Die Hunde begannen wie rasend zu bellen und schossen hinter dem Haus hervor, drei Cirneco dell’Etna, braune Jagdhunde mit absurd riesigen Fledermausohren, und Davide, der seit einigen Jahren den Handel mit Olivenöl von Zia Maria übernommen hatte, eilte hinterher. Ich hörte ihn mehrmals basta brüllen, doch die Hunde stürzten sich trotzdem auf den Fremden und begrüßten ihn überschwänglich.

Ich drückte meine Zigarette aus und beugte mich über das Geländer. Die Männer begannen eine Unterhaltung, wobei Davide wild gestikulierte und der andere nur ab und zu nickte. Er erinnerte mich schwach an jemanden, doch mir wollte nicht einfallen, an wen. Er sah auf eine raue Art gut aus, so, wie einen ein Wolf fasziniert oder ein Steppenlöwe. Man möchte ihn ansehen, ihm aber nicht zu nahe kommen, geschweige denn ihn streicheln. Mehrmals strich er sich seine schwarze Haartolle zurück und irgendwann zuckte er mit den Schultern, worauf Davide eine Flut von Schimpfwörtern ausstieß.

»Das ist doch verrückt«, konnte ich verstehen. »Du hast sie doch nicht mehr alle!«

Davide schlug mit der flachen Hand auf das Dach des Piaggio, dann wandte er sich um und blickte unvermittelt zu mir herauf. Kurz erwog ich in meinem Zimmer zu verschwinden und so zu tun, als hätte ich sie nicht bemerkt. Stattdessen blieb ich wie angewurzelt stehen. Ich zog noch einmal an der Zigarette und drückte sie dann am Geländer aus.

»Ah. Principessa Marielle«, er lächelte mir zu, »gut geschlafen?«

Er nannte mich principessa, nur um mich zu necken.

»Wie immer.«

Der andere runzelte die Stirn und warf mir einen undefinierbaren, kurzen Blick zu.

»Ein herrlicher Morgen!«

Ich nickte.

»Besser könnte er nicht sein.«

»Sonnig, klar. Perfekt.«

»Da hast du recht, Davide.«

»Solange einem niemand die Laune verdirbt, wird aus einem wunderbaren Morgen bestimmt ein wunderbarer Tag.«

»Man darf sich die Laune einfach nicht verderben lassen«, gab ich zurück, und Davide schüttelte nur den Kopf.

»Madonna mia«, sagte er.« Principessa, du hast keine Ahnung!«

Ich schwieg, und der Fremde ging um den Piaggio herum, faltete sich wieder zusammen und startete den Motor. Wir sahen ihm beide nach, wie er in einer Staubwolke den Hügel hinunterschoss.

Marielle Amsterdam, April 2004

Ich schließe die Tür hinter Roos und höre, wie sie die Holztreppen hinunterpoltert.

»Das Ding da, das kannst du unmöglich allein nach oben tragen. Das mach ich für dich«, hatte sie gesagt.

Und ich muss ihr recht geben. Es ist viel zu schwer.

Mit dem Fuß schiebe ich das Paket in die Mitte des Zimmers, dann packe ich meine Einkäufe aus und stelle die Tulpen in eine Vase. Sie sehen wunderschön aus. Rosa und hellrot, die Ränder zierlich ausgefranst, wie ein altmodisches Stück Stoff. Ich platziere die Blumen auf dem Küchentisch und lasse die Katze zum Fenster herein. Sie tritt von einer Pfote auf die andere und stellt ihr Fell auf.

Die Glocken der Sint Nicolaaskerk beginnen Mittag zu läuten, und ich setze mich auf einen der Holzstühle und betrachte das Paket. Es sieht aus, als wäre es ins Wasser gefallen, das Papier ist an manchen Stellen dunkel und wellig. Die Katze streicht herum und reibt ihre Nase an den Kanten.

Seit dem Sommer habe ich nichts mehr von Zia Maria gehört. Dann und wann hatte ich mich dabei ertappt, wie ich ihre Nummer in mein Telefon tippte, aber ich hatte sofort wieder aufgelegt. Erst letzte Woche noch hatte ich ihre vertraute Stimme hören wollen und mir vorgestellt, wie sie mit dem Telefon im Kaminzimmer saß, die drei Jagdhunde zu ihren Füßen. Das Feuer knisterte und sprühte Funken. Die Hunde winselten im Traum, ihre Pfoten bewegten sich, als würden sie laufen, einen Hasen hetzen oder die Spur eines Wildschweins aufnehmen. Doch was sollte ich mit ihr reden? Was wollte ich von ihr hören? Ich wusste es nicht, und deswegen hatte ich es bleiben lassen.

Vorsichtig gehe ich vor dem Paket in die Hocke und versuche, die Verschnürung mit den Fingern abzubekommen. Zia Maria hat kein Klebeband benutzt, sondern Schnur, die sie an die hundert Mal um das Paket gewickelt hat. Sie hat ein geradezu starrsinniges Faible für altmodische Dinge. Sie benutzt keinen Computer und kein Telefon mit Tasten. Sie nennt den Kühlschrank Eisschrank und gratuliert einem zum Namenstag.

Als ich die Schnur und das wellige Papier entfernt habe, kommt eine Kiste aus dunklem Holz zutage. Der Deckel sieht glatt und abgenutzt aus. Ein Briefumschlag liegt darauf. Meine Hände zittern, als ich ihn öffne.

»Mein Kind«, lese ich, »deine Mutter wollte, dass ich sie verbrenne. Vor vielen Jahren habe ich ihr versprochen, dass ich es tun werde. Ich hatte es mir auch fest vorgenommen, doch dann, als ich mit der Kiste vor dem Kamin saß und der Zeitpunkt gekommen war, konnte ich es nicht tun. Ich dachte, sie sollten bei dir sein, und somit auch die Entscheidung, was damit geschehen soll. Ich bin eine schlechte Freundin. Vielleicht die schlechteste.«

Mein Herzschlag und das Schnurren der Katze sind die einzigen Geräusche im Raum. Ich setze mich auf meine Fersen, das Knien fällt mir seit ein paar Wochen schwer. Die Katze springt auf die Kiste und macht einen behaglichen Buckel. Meine Mutter hat mir einiges hinterlassen. Aktien vom Verkauf der Fabrik. Die Wohnung in München. Grundstücke und Wald in der Nähe von Herrsching. Aber nichts, was mir eine Erinnerung an sie gewesen wäre.

Als ich im Herbst zurück in das Haus am Herzogpark kam, den Ort, an dem sie die letzten dreißig Jahre verbracht hatte, waren ihre persönlichen Dinge fort gewesen. Ich konnte es nicht fassen. Die Möbel standen an ihrem Platz. Alles war sauber und aufgeräumt, kein Stäubchen war zu sehen. Der Hausmeister hatte mich hineingelassen und mir die Schlüssel übergeben. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal dort gewesen war, denn im Sommer, vor unserer Reise nach Italien, hatte mich der Chauffeur am Flughafen abgeholt und danach meine Mutter, die schon unten im Foyer auf uns wartete.

Doch dort, im Haus, konnte ich nichts finden, keine Papiere, keine Aufzeichnungen, keine Briefe. Ich ließ die Schlüssel auf dem zierlichen Biedermeiertisch neben der Wohnungstür liegen und strich durch die Zimmer. Spürte den Holzboden unter meinen nackten Füßen und die Zeit, die vergangen war, in meiner Brust. In meinem alten Zimmer drehte ich mich einmal um mich selbst. Sie hatte nicht viel verändert.

Die cremefarbene Überdecke meines Betts war noch da, der Schreibtisch vor dem Fenster und der Schrank, in den ich früher meine Kleidung gestopft hatte. Ich bückte mich und sah unters Bett. Öffnete die Schubladen des Schreibtisches, ein dunkelblauer Fleck erinnerte an die ausgelaufene Tinte meines Füllfederhalters, sonst war der Schreibtisch leer. Im Zimmer meiner Mutter bot sich mir der gleiche Anblick. Alles war aufgeräumt, unberührt, beinahe steril. Als wäre das ganze Haus mit seinen vielen unbewohnten Zimmern, den schweren samtroten Vorhängen, den Lüstern an der Decke, den Büchern in den Regalen, die sie vermutlich nie gelesen hatte, den hohen Wänden mit Stuckleisten rundherum mir auch so vertraut von den Jahren, in denen ich hier gewesen war.

Selbst ihre Kleidung war nicht mehr da. Nur ganz fein hing ihr Geruch noch in den Schränken. Ich musste stundenlang in Mutters Schlafzimmer auf dem Boden gesessen haben, auf diesem wunderschönen Kelim wie aus Tausendundeiner Nacht, bis mir klar wurde, dass sie mir nichts von sich geben wollte oder vielleicht nicht konnte.

Die Katze sagt mir, ich soll die Kiste öffnen. Sie macht ein Gesicht, als müsste eine Maus in der Kiste sein oder ein zappelnder Fisch, etwas, womit man spielen und sich die Zeit vertreiben kann. Ich befürchte, sie enthält nichts, was ihr oder mir gefällt. Trotzdem ziehe ich sie näher an mich heran. Der Deckel ist mit einem einfachen Haken verschlossen, ich lasse ihn aufschnappen und beuge mich über die Kiste. Als ich den Deckel aufmache, steigt mir ein holziger, herber Geruch in die Nase. Dicht an dicht drängt sich ein Buch an das andere. Jedes mit einem dunkelroten Ledereinband. Ich nehme das oberste heraus und öffne das Tagebuch meiner Mutter.

ENDE DER LESEPROBE

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1. Auflage

Copyright © 2018 by btb Verlag

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: semper smile, München

unter Verwendung eines Motivs von

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Satz: Uhl + Massopust, Aalen

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ISBN 978-3-641-19618-9V001www.btb-verlag.de

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