Wächter der Ewigkeit - Sergej Lukianenko - E-Book

Wächter der Ewigkeit E-Book

Sergej Lukianenko

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Beschreibung

Der grandiose Abschluss der Bestseller-Saga

Nach den Bestsellern „Wächter der Nacht“, „Wächter des Tages“ und „Wächter des Zwielichts“ nun der Höhepunkt in Sergej Lukianenkos einzigartiger Mystery-Saga um die sogenannten „Anderen“ – Vampire, Hexen, Magier, Gestaltwandler –, die seit ewigen Zeiten unerkannt in unserer Mitte leben.

Längst ist der Friede zwischen den Mächten des Lichts und den Mächten der Dunkelheit zusammengebrochen, und auf Moskaus Straßen tobt eine unerbittliche Schlacht. Da taucht eine rätselhafte Kraft auf, die das Schicksal der Welt für immer entscheiden wird ...

Sergej Lukianenkos Wächter-Romane: eine einzigartige Mischung aus Horror und Fantasy, die als Vorlage für die erfolgreichsten russischen Filme aller Zeiten diente und auch in Deutschland längst Kultstatus erreicht hat.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 551




Sergej Lukianenko

Wächter der Ewigkeit

Roman

Aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann

Copyright

Deutsche Erstausgabe 4/07

Copyright © 2006 by Sergej W. Lukianenko

Copyright © 2007 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

ISBN 978-3-89480-416-9http://www.heyne.de

Inhaltsverzeichnis

Erste Geschichte: Die gemeinsame SachePrologEinsZweiDreiVierFünfSechsEpilogZweite Geschichte: Der gemeinsame FeindPrologEinsZweiDreiVierFünfSechsEpilogDritte Geschichte: Das gemeinsame SchicksalPrologEinsZweiDreiVierFünfSechsEpilogDas BuchDer AutorCopyright

Erste Geschichte: Die gemeinsame Sache

Prolog

Lächelnd sah Lera Viktor an. In jedem Mann – und mochte er noch so erwachsen sein – steckte ein kleiner Junge. Viktor war jetzt fünfundzwanzig und damit natürlich erwachsen. Mit der ganzen Überzeugung einer verliebten neunzehnjährigen Frau würde Valerija diese Ansicht verteidigen.

»Verliese«, flüsterte sie Viktor ins Ohr. »Verliese und Drachen. Huhu!«

Vitja schnaubte. Sie saßen in einem Raum, der schmutzig gewirkt hätte, wäre er nicht so dunkel gewesen. Um sie herum drängten sich aufgeregte Kinder und verlegen lächelnde Erwachsene. Auf einer mit mystischen Symbolen bemalten Bühne alberte ein junger Mann mit weiß geschminktem Gesicht und wallendem schwarzen Umhang herum. Von unten strahlten ihn einige purpurrote Lampen an.

»Gleich werden Sie dem Entsetzen begegnen!«, schrie der Mann mit gedehnter Stimme. »Ah! Ah, ah, ah! Selbst mir jagt das, was Sie sehen werden, Angst ein!«

Seine Aussprache war so klar und artikuliert, wie es nur bei Schauspielstudenten der Fall ist. Sogar Lera, die kaum Englisch sprach, verstand jedes Wort.

»Mir hat das unterirdische Budapest gefallen«, flüsterte Viktor ihr zu. »Dort gibt es echte alte Katakomben … wirklich interessant.«

»Und das hier ist nur ein großes Gruselkabinett.«

Viktor nickte entschuldigend. »Dafür ist es kühl«, meinte er.

Der September in Edinburgh war heiß. Am Morgen hatten Vitja und Lera Edinburgh Castle besucht, das Hauptziel aller touristischen Wallfahrten. Anschließend hatten sie in einem der unzähligen Pubs etwas gegessen und ein Pint Bier getrunken. Und jetzt hatten sie etwas gefunden, wo sie der Mittagshitze entkommen konnten.

»Sie wollen es sich wirklich nicht noch einmal überlegen?«, erkundigte sich der Mime im schwarzen Umhang mit beschwörender Stimme.

Hinter Lera ließ sich leises Weinen vernehmen. Als sie sich umdrehte, stellte sie erstaunt fest, dass da ein etwa sechzehnjähriges – also ein fast schon erwachsenes – Mädchen weinte, das bei ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder stand. Von irgendwoher aus der Dunkelheit tauchten Angestellte auf, um rasch die ganze Familie hinauszuführen.

»Das ist die Kehrseite des europäischen Wohlstands«, stellte Vitja oberlehrerhaft fest. »Würde in Russland ein erwachsenes Mädchen in einem Gruselkabinett Angst kriegen? Das allzu ruhige Leben bringt die Leute dazu, sich vor allen möglichen Albernheiten zu fürchten …«

Lera verzog das Gesicht. Viktors Vater war Politiker. Kein sehr einflussreicher, dafür aber ein ausgesprochen patriotischer, der stets und überall die Verderbtheit der westlichen Zivilisation nachzuweisen wusste. Was ihn freilich nicht daran hinderte, seinen Sohn zum Studium nach Edinburgh zu schicken.

Und Viktor, der zehn Monate im Jahr im Ausland verbrachte, wiederholte hartnäckig die väterlichen Tiraden. Einen Patrioten wie ihn traf man in Russland kaum noch an. Mitunter amüsierte Lera das, manchmal ärgerte es sie aber auch ein wenig.

Glücklicherweise ging der Einleitungsteil gerade zu Ende, und der gemächliche Streifzug durch »Schottlands Verliese« begann. Unter einer Brücke in der Nähe des Bahnhofs hatten geschäftstüchtige Menschen triste Betonräume in winzige Kämmerchen unterteilt. Sie hatten trübe Glühbirnen installiert und überall Stofffetzen und Plastikspinnennetze aufgehängt. Die Wände zierten Bilder von Wahnsinnigen und Mördern, die Edinburgh im Laufe seiner langen Geschichte heimgesucht hatten. Und so unterhielt man die lieben Gäste.

»Das ist ein spanischer Stiefel!«, verkündete die junge, in Lumpen gehüllte Frau, die sie durch dieses Zimmer führte, mit heulender Stimme. »Ein schreckliches Folterinstrument!«

Begeistert kreischten die Kinder auf. Die Erwachsenen dagegen schauten betreten drein, als habe man sie dabei erwischt, wie sie Seifenblasen aufsteigen ließen oder mit Puppen spielten. Um der Langeweile zu entgehen, blieben Lera und Viktor zurück und küssten sich unter dem Geleier der Fremdenführer. Ein halbes Jahr waren sie jetzt bereits zusammen. Beide konnten sich des außergewöhnlichen Gefühls nicht erwehren, diese Beziehung entwickle sich für sie zu etwas Besonderem.

»Jetzt gehen wir durchs Spiegellabyrinth!«, teilte der Fremdenführer mit.

So komisch das auch klingen mochte – das stellte sich in der Tat als interessant heraus. Lera hatte immer geglaubt, bei den Beschreibungen von Spiegellabyrinthen, in denen man sich verirrte und mit voller Wucht mit der Stirn gegen das Glas prallte, handle es sich um Übertreibungen. Wie sollte man denn nicht erkennen, wo Glas, wo ein Durchgang war?

Jetzt zeigte sich indes: das konnte passieren. Sogar sehr leicht. Lachend liefen sie gegen die kalten Spiegelflächen, tasteten mit den Armen herum, irrten durch den lärmenden Menschenreigen, der im Nu von einer Hand voll Personen zu einer wahren Masse anschwoll. Viktor winkte zwischendurch jemandem einladend zu, und als sie endlich aus dem Labyrinth heraus waren – perfiderweise war die Tür auch als Spiegel getarnt –, blickte er sich lange um.

»Suchst du jemanden?«, fragte Lera.

»Nö.« Viktor lächelte. »Unsinn.«

Dann folgten noch einige Säle mit den finsteren Attributen mittelalterlicher Kerker und schließlich der »Blutfluss«. Die Besucher, inzwischen still geworden, setzten sich in einen langen metallenen Kahn, der langsam über das dunkle Wasser »ins Schloss zu den Vampiren« glitt. Hohngelächter und bedrohliche Stimmen zerrissen die Dunkelheit. Über ihren Köpfen schlugen unsichtbare Flügel zusammen. Das Wasser grummelte. Der Eindruck wurde einzig dadurch zunichte gemacht, dass der Kahn bloß fünf Meter fuhr – danach gaukelten den Bootsinsassen ins Gesicht blasende Ventilatoren die Bewegung vor.

Gleichwohl wirkte der Horror auf Lera. Sie schämte sich für ihre Angst, empfand sie aber dennoch. Viktor und sie saßen auf der letzten Bank, um sie herum war niemand, vorn stöhnten und kicherten die Schauspieler gemäß ihrer Vampirrolle, hinter ihnen …

Hinter ihnen war Leere.

Trotzdem wollte Lera das Gefühl nicht verlassen, da wäre jemand.

»Vitja, ich habe Angst«, stieß Lera hervor und griff nach seiner Hand.

»Dummerchen …«, flüsterte ihr Viktor ins Ohr. »Fang mir jetzt bloß nicht an zu weinen, okay?« »Gut«, versicherte Lera.

»Ha, ha, ha! Hier sind schreckliche Vampire!«, imitierte Viktor den Tonfall der Schauspieler. »Ich spüre genau, wie sie sich an mich heranschleichen!«

Lera schloss die Augen und packte seine Hand noch fester. Jungs! Sie alle sind Jungs, selbst mit grauen Haaren noch! Weshalb musste er sie so erschrecken?

»Autsch!«, schrie Viktor durch und durch überzeugend auf. Um dann hinzuzufügen: »Jemand … jemand beißt mich in den Hals …«

»Blödmann!«, meinte Lera lakonisch, ohne die Augen zu öffnen.

»Lerka, jemand trinkt mein Blut …«, brachte Viktor mit verzagter und ersterbender Stimme heraus. »Aber ich habe nicht einmal Angst … wie im Traum …«

Ein kalter Wind wehte aus den Ventilatoren, das Wasser gluckerte gegen den Kahn, wilde Stimmen heulten. In der Luft hing sogar ein Geruch, der an Blut erinnerte. Kraftlos sank Viktors Hand nach unten. Voller Wut kniff Lera ihn heftig in die Hand, doch Viktor zuckte nicht einmal zusammen.

»Du machst mir Angst, du Blödmann«, rief Lera ziemlich laut.

Viktor antwortete nicht, sackte allerdings sanft gegen sie. Damit sah die Situation schon nicht mehr ganz so furchtbar aus.

»Ich werde dir noch selbst die Kehle durchbeißen!«, drohte Lera. Das schien Viktor peinlich zu berühren. Er schwieg. Zu ihrer eigenen Überraschung fügte Lera hinzu: »Und dann trinke ich dein ganzes Blut. Hast du verstanden? Sofort … nach unserer Hochzeit.«

Zum ersten Mal sprach sie dieses Wort im Zusammenhang mit ihrer Beziehung aus. Wie gebannt wartete sie auf Viktors Reaktion. Schließlich musste jeder unverheiratete Mann auf das Wort »Hochzeit« reagieren! Entweder erschrocken oder begeistert.

Viktor schien jedoch an ihrer Schulter eingedöst zu sein.

»Hab ich dich erschreckt?«, fragte Lera. Dann lachte sie nervös. Und öffnete die Augen. Um sie herum herrschte nach wie vor Dunkelheit, obwohl das Geheul sich inzwischen gelegt hatte. »Gut … ich werde dich nicht beißen. Und zu heiraten brauchen wir auch nicht!«

Viktor schwieg.

Die Mechanik quietschte, der Eisenkahn fuhr noch einmal fünf Meter durch den schmalen ausbetonierten Graben. Ein trübes Licht ging an. Die lärmenden Blagen strömten zum Ufer. Ein Mädchen von drei, vier Jahren hielt ihre Mutter bei der Hand und nuckelte an einem Finger, während sie immer wieder den Kopf zurückdrehte und Lera nicht aus den Augen ließ. Was interessierte sie denn bloß so? Eine junge Frau, die in einer ausländischen Sprache sprach? Nein, das konnte nicht sein, nicht in Europa …

Lera seufzte und schaute zu Viktor hinüber.

Der schlief tatsächlich! Seine Augen waren geschlossen, seine Lippen zu einem Lächeln erstarrt.

»Was hast du denn?« Lera schubste Viktor sanft – worauf er umzukippen und mit dem Kopf auf die Eisenkante des Boots aufzuschlagen drohte. Lera schrie auf und konnte Viktor gerade noch auffangen und auf die Holzbank betten. Was bedeutete das? Was geschah hier bloß? Warum war er so schlaff, so willenlos? Auf ihren Schrei hin kam sofort ein Angestellter herbeigeeilt – in schwarzem Umhang, mit Eckzähnen aus Plastik und schwarz und rot geschminkten Wangen. Behände sprang er in den Kahn.

»Ist mit Ihrem Freund alles in Ordnung, Miss?« Der Mann war noch sehr jung, vermutlich ein Altersgenosse Leras.

»Ja … nein … ich weiß nicht!« Sie sah den Angestellten an, doch der war selbst verwirrt. »Helfen Sie mir! Wir müssen ihn aus dem Boot schaffen!«

»Ob es was mit dem Herzen ist?« Der Mann beugte sich hinunter, um Viktor bei den Schultern zu packen – und zog die Hände zurück, als habe er sich verbrannt. »Was ist das? Was soll der dumme Scherz? Licht! Wir brauchen Licht!«

Ohne Ende schüttelte er seine Hände, von denen dicke dunkle Tropfen wegspritzten. Lera stand wie versteinert da und starrte auf Viktors reglosen Körper. Das Licht ging an, ein grelles weißes, alle Schatten verbannendes Licht, das die Stätte des Schreckens in die Bühne einer erbärmlichen Farce verwandelte.

Doch auch die Farce endete zusammen mit der Gruselvorstellung. An Viktors Hals klafften zwei Schnittwunden. Aus ihnen sickerte träge wie die letzten Tropfen Ketchup aus einer umgedrehten Flasche Blut. Die wenigen, stoßweise austretenden Tropfen wirkten umso schauriger, weil die Wunden so tief waren. Und noch dazu direkt über der Schlagader lagen … als stammten sie von zwei Rasierklingen … oder von zwei sehr spitzen Zähnen …

Und dann fing Lera an zu schreien. Hoch und schrecklich, mit geschlossenen Augen, während sie mit den Armen vor sich in der Luft herumfuchtelte wie ein kleines Mädchen, vor dessen Augen gerade sein Lieblingskätzchen von einem Laster auf dem Asphalt zerquetscht worden war.

Schließlich steckt in jeder Frau – und mag sie noch so erwachsen sein – ein kleines, verängstigtes Mädchen.

Eins

»Wieso konnte ich das?«, fragte Geser. »Und wieso konntest du es nicht?«

Wir standen inmitten einer endlosen grauen Ebene. Der Blick konnte in dieser ganzen Weite keine leuchtenden Farben ausmachen, brauchte sich aber nur einmal an einem einzigen Sandkorn festzuhaken, um es golden, glutrot, azurblau und grün aufflackern zu lassen. Über uns prangte es weiß und rosa, gleichsam als erstrecke sich am Himmel ein Land, darinnen Milch und Honig fließen.

Wind ging, und kalt war es. In der vierten Zwielicht-Schicht fror ich immer, was jedoch nur meine individuelle Reaktion war. Bei Geser traf beispielsweise das genaue Gegenteil zu: Er schwitzte, sein Gesicht leuchtete knallrot, über seine Stirn rannen kleine Schweißperlen.

»Meine Kraft reicht nicht«, antwortete ich.

»Falsch!« Gesers Gesicht changierte jetzt ins Purpurrote. »Du bist ein Hoher Magier. Wenn auch nur zufällig, aber so ist es nun einmal. Warum werden wohl Hohe Magier auch Magier außerhalb jeder Kategorie genannt?«

»Weil sie sich durch ihre Kraft nur noch so geringfügig voneinander unterscheiden, dass dieser Unterschied nicht mehr messbar ist und man nicht mehr sagen kann, wer schwächer oder stärker ist …«, brummelte ich. »Das weiß ich doch, Boris Ignatjewitsch. Trotzdem reicht meine Kraft nicht. Ich kann nicht in die fünfte Schicht eintreten.«

Geser blickte zu Boden. Wirbelte mit der Schuhspitze Sand auf, schleuderte ihn in die Luft. Trat nach vorn – und verschwand.

Was war das? Ein Tipp?

Ich schleuderte ebenfalls etwas Sand in die Luft. Trat vor – versuchte aber vergeblich, meinen Schatten zu fassen zu kriegen. Da war kein Schatten. Nichts hatte sich verändert.

Nach wie vor klebte ich in der vierten Schicht fest. Mir wurde immer kälter, der Dampf von meinem Atem stob schon nicht mehr als weiße Wolke auf, sondern hagelte in pikenden Nadeln auf den Sand herab. Ich drehte mich um, denn es ist psychologisch immer leichter, die Flucht nach hinten anzutreten, machte einen Schritt und kam in der dritten Schicht des Zwielichts heraus. In dem farblosen Labyrinth aus von der Zeit zerfressenen Steinplatten, über denen ein tiefer schwerer Himmel graute. Hier und da mäanderten vertrocknete Halme über die Steine, eine wuchernde Ranke, die der Frost festgenagelt zu haben schien.

Jetzt noch einen Schritt. Die zweite Schicht des Zwielichts. Das Steinlabyrinth verschwand unter einem Astgeflecht …

Und noch einen. Die erste Schicht. Schon ohne Steine. Bereits wieder mit Wänden und Fenstern. Mit den bekannten Wänden der Moskauer Nachtwache, wenn auch in ihrer Zwielicht-Erscheinung.

Mit letzter Kraft schleppte ich mich aus dem Zwielicht in die reale Welt. Direkt in Gesers Arbeitszimmer.

Selbstredend saß der Chef bereits in seinem Sessel. Während ich schwankend vor ihm stand.

Wie? Wie hatte er mich überholen können? Schließlich war er in die fünfte Schicht abgetaucht, als ich mich auf den Weg aus dem Zwielicht gemacht hatte.

»Als ich gesehen habe, dass du es nicht schaffst«, meinte Geser, ohne mich auch nur anzusehen, »habe ich das Zwielicht auf direktem Wege verlassen.«

»Aus der fünften Schicht direkt in die richtige Welt?« Ich konnte meine Verblüffung nicht verhehlen.

»Ja. Wundert dich das?«

Ich zuckte mit den Achseln. Da gab es nichts zu wundern. Wenn Geser mich überraschen wollte, konnte er aus dem Vollen schöpfen. Vieles wusste ich noch nicht. Und in diesem Fall …

»Ein Jammer«, riss mich Geser aus meinen Gedanken. »Setz dich, Gorodezki.«

Ich nahm Geser gegenüber Platz. Legte die Hände auf die Knie und senkte sogar den Kopf – als ob ich mich irgendwie schuldig fühlte.

»Ein guter Magier erlangt seine Fähigkeiten immer im richtigen Moment, Anton«, meinte der Chef. »Solange du nicht lebensklüger wirst, wirst du auch nicht stärker. Solange du nicht stärker wirst, beherrschst du auch die hohe Magie nicht. Solange du die hohe Magie nicht beherrschst, bleiben dir gefährliche Orte verschlossen. Deine Lage ist einmalig. Dich hat der …« Er verzog das Gesicht. ». der Zauber des Fuaran erwischt. Du bist ein Hoher Magier geworden, ohne darauf vorbereitet zu sein. Ja, du hast Kraft. Ja, du kannst sie lenken … Und das, was dir früher schwergefallen ist, bewerkstelligst du heute ohne Probleme. Wie oft bist du denn schon in der vierten Zwielicht-Schicht gewesen? Und jetzt hockst du da, als ob das nichts wäre?! Eben! Und das, was du bisher noch nicht bewerkstelligst …«

Dann verstummte er.

»Ich werde es lernen, Boris Ignatjewitsch«, versicherte ich. »Schließlich sagen mir doch alle, dass ich große Fortschritte mache. Olga, Swetlana …«

»Das tust du ja auch«, stimmte Geser mir ohne Weiteres zu. »So dämlich bist du nun auch wieder nicht, dass du dich überhaupt nicht entwickeln könntest. Aber im Moment erinnerst du mich an einen unerfahrenen Autofahrer, der ein halbes Jahr lang in einem Shiguli gegondelt ist und plötzlich hinter dem Steuer eines Rennwagens von Ferrari sitzt! Nein, schlimmer noch, hinter dem eines Kippers, eines BelAS von zweihundert Tonnen, der in einer Spirale aus der Sandgrube hochfährt … und neben dir ein Abgrund von hundert Metern! Und da unten fahren auch Kipper. Eine unbedachte Bewegung, ein Herumreißen des Lenkrads oder Tritt aufs Pedal – und es heißt für alle Gute Nacht.«

»Das versteh ich ja.« Ich nickte. »Aber ich hatte es nicht darauf angelegt, ein Hoher zu werden, Boris Ignatjewitsch. Sie waren es, der mich auf die Jagd nach Kostja geschickt hat …«

»Ich mache dir in keiner Weise einen Vorwurf und versuche, dir viel beizubringen«, erwiderte Geser. Dann fügte er recht übergangslos hinzu: »Wenn du dich bloß endlich wie mein Schüler verhalten würdest!«

Ich hüllte mich in Schweigen.

»Ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll …« Geser trommelte mit den Fingern auf eine vor ihm liegende Mappe. »Dich auf alltägliche Aufgaben ansetzen? Eine Schülerin hat einen obdachlosen Tiermenschen gesehen. In Butowo ist ein Vampir aufgetaucht. Eine Zauberin hat wirklich gezaubert. In meinem Keller ist ein geheimnisvolles Klopfen zu hören. Das bringt doch nichts. Mit diesem Quatsch wirst du bei deiner Kraft spielend fertig. Da lernst du nichts. Soll ich dich hinterm Schreibtisch versauern lassen? Das willst du ja wohl selbst nicht, oder?«

»Das wissen Sie doch ganz genau, Boris Ignatjewitsch«, antwortete ich. »Geben Sie mir eine richtige Aufgabe. Eine, bei der ich mich einfach weiterentwickeln muss.«

»Aber sicher.« In Gesers Augen funkelte es ironisch auf. »Ich organisiere einen Überfall auf die Spezialdepots der Inquisition. Oder ich gebe dir den Auftrag, den Sitz der Tagwache zu stürmen …« Dann schob er die Mappe über den Tisch. »Lies das.«

Geser selbst öffnete eine identische Mappe und vertiefte sich in die Lektüre der handgeschriebenen, aus einem Schulheft herausgerissenen Seiten.

Woher kamen eigentlich bei uns im Büro diese altmodischen Pappmappen, die noch mit einer ausgefransten Schnur zusammengebunden wurden? Ob wir im letzten Jahrhundert gleich mehrere Tonnen davon gekauft hatten? Oder sie kürzlich bei einer Organisation heimarbeitender Invaliden aus humanistischen Gründen erworben hatten? Stellte man die Dinger in einem steinalten Kombinat in irgendeinem Muchosransk-Fliegenschisshausen her, das der dortigen Nachtwache gehörte?

Letztendlich blieb die Tatsache, dass im Zeitalter der Computer, Kopierer, durchsichtiger Plastikhüllen und fester schöner Ordner mit einem bequemen Klemmverschluss unsere Wache die lappigen Pappmappen mit Schnüren benutzte. Peinlich, peinlich – vor allem gegenüber ausländischen Kollegen!

»Mappen aus organischem Material lassen sich problemlos mit Schutzzaubern belegen, die eine Sondierung aus der Ferne verhindern«, erklärte Geser. »Aus demselben Grund werden nur Bücher benutzt, um Magie zu lehren. In einem Text, der im Computer gespeichert ist, steckt keine Magie mehr.«

Ich sah Geser in die Augen.

»Ich habe noch nicht einmal den Versuch unternommen, deine Gedanken zu lesen«, bemerkte Geser. »Solange du dein Gesicht nicht unter Kontrolle hast, besteht dafür nämlich keinerlei Notwendigkeit.«

Jetzt spürte auch ich die Magie, die der Mappe entströmte. Ein leichter Schutz- und Alarmzauber, der für Lichte kein Problem darstellte. Nebenbei bemerkt könnten ihn auch Dunkle ohne Weiteres aufheben – jedoch nicht lautlos.

Als ich die Mappe aufschlug, die der Große Geser mit einem schmalen Band verschnürt hatte, entdeckte ich vier topaktuelle, noch nach Druckerschwärze riechende Zeitungsausschnitte, ein Fax und drei Fotos. Drei der Artikel waren auf Englisch, auf sie konzentrierte ich mich zunächst.

Der erste kurze Artikel beschäftigte sich mit einem Zwischenfall in der Sehenswürdigkeit »Schottlands Verliese«. Soweit ich es verstand, war in dieser Einrichtung, einer recht banalen Variante eines Gruselkabinetts, »aufgrund eines technischen Defekts« ein russischer Tourist gestorben. Die Verliese waren geschlossen worden, die Polizei hatte Ermittlungen eingeleitet und untersucht, ob den Angestellten etwas vorzuwerfen sei.

Der zweite Artikel war wesentlich ausführlicher. Ein »technischer Defekt« wurde hier mit keinem Wort erwähnt. Der Text war ein wenig trocken, ja, sogar pedantisch. Mit wachsender Unruhe las ich, dass es sich bei dem Toten um den fünfundzwanzigjährigen Viktor Prochorow handelte, den Sohn »eines russischen Politikers«, der in Edinburgh studiert und die Verliese zusammen mit seiner Freundin Valerija Chomko besucht hatte, die aus Russland zu Besuch gekommen und in deren Armen er an Blutverlust gestorben war. In der Dunkelheit der touristischen Attraktion hatte ihm jemand die Kehle durchgeschnitten. Oder etwas hatte sie ihm durchgeschnitten. Der arme Kerl hatte zusammen mit seiner Freundin in einem kleinen Kahn gesessen, der langsam über den Blutfluss geschippert war, einen kleinen Kanal, der sich um das Schloss der Vampire schlängelte. Ob aus der Mauer vielleicht ein spitzer Eisenhaken herausgeragt haben mochte, der Viktor den Hals aufgeschlitzt hatte?

Kaum hatte ich diese Stelle erreicht, seufzte ich und sah Geser an.

»Du hast immer ein gutes Händchen gehabt, wenn es … äh … um Vampire ging«, meinte der Chef, wobei er sich kurz von seinen Papieren losriss.

Der dritte Artikel entstammte irgendeiner schottischen Boulevardzeitung. Hier erzählte der Schreiber natürlich eine schaurige Geschichte über moderne Vampire, die in der Finsternis der Sehenswürdigkeiten ihren Opfern das Blut aussaugen. Das einzige originelle Detail war die Versicherung des Journalisten, Vampire saugten ihre Opfer normalerweise nicht derart aus, dass diese stürben. Als echter Russe musste der russische Student jedoch derart betrunken gewesen sein, weshalb der arme schottische Vampir ebenfalls in einen Rausch geriet und sich darüber vergaß.

Trotz des tragischen Ausmaßes der Geschichte musste ich lachen.

»Die Boulevardpresse ist überall auf der Welt gleich«, bemerkte Geser, ohne den Blick zu heben.

»Das Schlimmste ist jedoch, dass es genauso war«, meinte ich. »Bis auf die schwere Trunkenheit natürlich.«

»Ein Glas Bier zu Mittag«, bestätigte Geser.

Der vierte Artikel stammte aus einer unserer Zeitungen. Ein Nachruf. Dem Abgeordneten der Staatsduma Leonid Prochorow wurde Beileid ausgesprochen anlässlich des tragischen Todes seines Sohns …

Ich nahm mir das Fax vor.

Wie ich vermutet hatte, handelte es sich dabei um den Bericht der Nachtwache aus Edinburgh, Schottland, Großbritannien.

Als leicht ungewöhnlich konnte der Adressat gelten, nämlich Geser persönlich, nicht der diensthabende Fahnder oder der Leiter der Internationalen Abteilung. Auch der Ton des Briefs war etwas persönlicher als sonst in offiziellen Dokumenten.

Der Inhalt dagegen erstaunte mich nicht im Mindesten.

»Mit Bedauern teilen wir mit … die Ergebnisse sorgfältiger Untersuchungen … vollständiger Blutverlust … keine Anzeichen einer Initiierung … die Fahndung hat keine Ergebnisse erbracht … hinzugezogen wurden die besten Mitarbeiter … wenn die Moskauer Wache es für notwendig erachtet, jemanden zu schicken … die herzlichsten Grüße an Olga, ich freue mich sehr für dich, du alter Wei…«

Der Rest des Faxes fehlte. Offenbar folgte nun nur noch Persönliches. Deshalb kriegte ich auch keine Unterschrift zu sehen.

»Foma Lermont«, teilte Geser mir mit. »Der Chef der schottischen Wache. Ein alter Freund.«

»Hmm.« In Gedanken versunken zog ich die Silbe in die Länge. »Also …«

Abermals trafen sich unsere Blicke.

»Ob er ein Verwandter von Michail Jurjewitsch ist, musst du ihn schon selbst fragen«, sagte Geser.

»Das meine ich gar nicht. Wei – steht das für Weiser?«

» Wei steht für …« Geser stockte und schielte mit offenkundigem Missfallen auf das Blatt. »Wei heißt Wei. Das geht dich nichts an.«

Ich schaute mir die Fotos an. Ein junger Mann, der Unglücksrabe Viktor. Und eine blutjunge Frau. Seine Freundin, da gab es keinen Zweifel. Schließlich noch ein älterer Mann. Viktors Vater?

»Indirekte Fakten lassen auf einen Überfall von einem Vampir schließen. Aber warum sollen wir uns damit befassen?«, fragte ich. »Es sterben doch immer wieder Landsleute im Ausland. Auch durch Vampire. Haben Sie kein Vertrauen zu Foma und seinen Leuten?«

»Doch. Aber sie haben wenig Erfahrung. Schottland ist ein friedliches, gemütliches und ruhiges Land. Sie können das nicht schaffen. Und du hast schon oft mit Vampiren zu tun gehabt.«

»Hab ich. Aber trotzdem – liegt es daran, dass sein Vater ein Politiker ist?«

»Was ist der denn schon für ein Politiker?« Geser verzog das Gesicht. »Ein Geschäftsmann, der es zum Abgeordneten gebracht hat, indem er bei Wahlen still und heimlich ein paar Hebel in Bewegung gesetzt hat.«

»Klipp und klar. Aber ich glaube nicht, dass es keine besonderen Gründe gibt.«

Geser seufzte. »Der Vater des Jungen ist vor zwanzig Jahren als potenzieller Lichter identifiziert worden. Als ein recht starker sogar. Von einer Initiierung hat er jedoch mit der Begründung abgesehen, er wolle ein Mensch bleiben. Die Dunklen hat er gleich weggejagt. Mit uns ist er jedoch in Kontakt geblieben. Manchmal hat er uns sogar geholfen.«

Ich nickte. Sicher, ein seltener Fall. Menschen verzichteten nicht oft auf die Möglichkeiten, die sich uns Anderen eröffneten.

»Man kann also sagen, dass ich mich Prochorow senior gegenüber schuldig fühle«, meinte Geser. »Und wenn ich schon seinem Sohn nicht mehr helfen kann … dann werde ich wenigstens dafür sorgen, dass der Mörder nicht ungestraft davonkommt. Du fährst nach Edinburgh, findest den verrückten Blutsauger und machst ihn fertig.«

Das war ein Befehl. Aber auch sonst hätte ich mich nicht gegen den Auftrag gesträubt.

»Wei…« Unwillkürlich geriet ich ins Stocken. »Weiß man schon, wann ich fliege?«

»Nein, geh in die Internationale Abteilung. Du musst erst noch die notwendigen Papiere vorbereiten lassen, dir die Flugtickets und Geld abholen. Und eine Legende.«

»Eine Legende? Für mich?«

»Ja. Du wirst inoffiziell ermitteln.«

»Weitere Weisungen?«

»Keine. Kontakt unterhältst du nur mit Foma …« Aus irgendeinem Grund runzelte Geser die Stirn und betrachtete mich mit unbegreiflichem Misstrauen. »Hör auf, dich über mich lustig zu machen, Anton!«

Verständnislos starrte ich Geser an.

»Wei steht für Weiberheld«, murmelte Geser. »Du weißt schon, die Jugend … die freien Sitten der Renaissance … Schluss jetzt, geh! Sieh zu, dass du den nächsten Flug kriegst.« Einen Moment zögerte er, dann fügte er jedoch hinzu: »Falls Swetlana nicht dagegen ist. Wenn doch, gib mir Bescheid, dann versuche ich, sie zu überzeugen.«

»Sie wird dagegen sein«, behauptete ich im Brustton der Überzeugung.

Was nahm Geser mir eigentlich krumm? Und warum hatte er mir erklärt, was es mit dem Weiberhelden auf sich hatte?

Swetlana stellte einen Teller vor mich hin, auf dem sich Bratkartoffeln und Pilze türmten. Danach legte sie Messer und Gabel hin, stellte den Salzstreuer, einen Teller mit eingesalzenen Gurken, ein Glas und ein kleines, gerade mal hundert Gramm fassendes Fläschchen mit Wodka auf den Tisch. Die Flasche kam direkt aus dem Kühlschrank und begann in der Wärme sofort zu schwitzen.

Was für ein Idyll!

Der Traum eines jeden Mannes, der von der Arbeit nach Hause kommt. Die Gattin, die am Herd hantiert und nicht nur schmackhafte, sondern auch ungesunde Sachen auf den Tisch bringt. Ob sie mich um etwas bitten wollte? Meine Tochter spielte leise mit einem Baukasten, hatte sie doch mit fünf Jahren aufgehört, sich für Puppen zu interessieren. Allerdings baute sie weder Autos noch Flugzeuge, sondern kleine Häuser. Vielleicht würde sie Architektin werden?

»Sweta, ich soll dienstlich nach Edinburgh fahren«, wiederholte ich für alle Fälle noch einmal.

»Ja, ich hab’s gehört«, entgegnete Sweta gelassen.

Das Fläschchen auf dem Tisch hob sich in die Luft. Der geschliffene Verschluss schraubte sich aus dem Flaschenhals heraus. Der kalte Wodka ergoss sich mit festem, transparentem Strahl ins Glas.

»Ich muss noch heute Abend fliegen«, sagte ich. »Nach Edinburgh gibt es keinen Direktflug, deshalb muss ich in London umsteigen …«

»Dann trink nicht so viel«, warnte Swetlana.

Die Karaffe machte eine Kehrtwendung und verschwand im Kühlschrank.

»Ich habe geglaubt, es würde dir etwas ausmachen«, bemerkte ich bedripst.

»Weshalb sollte es das?« Swetlana trug auch für sich einen vollen Teller auf. Und setzte sich neben mich. »Würdest du dann nicht fliegen?«

»Doch …«

»Siehst du. Außerdem würde dann noch Geser anrufen und mir auseinandersetzen, wie wichtig deine Reise ist.« Swetlana verzog das Gesicht.

»Sie ist wirklich wichtig.«

»Ich weiß.« Swetlana nickte. »Ich habe heute Morgen gespürt, dass man dich weit wegschicken würde. Dann habe ich Olga angerufen und sie gefragt, was in den letzten Tagen so passiert ist. Na ja … sie hat mir von dem Jungen in Schottland erzählt.«

Erleichtert nickte ich. Swetlana wusste Bescheid. Bestens. Damit konnte ich mir Lügen und Ausflüchte sparen.

»Eine merkwürdige Geschichte«, sinnierte Swetlana.

Ich zuckte die Schultern und trank die mir zugestandenen vierzig Gramm auf ex. Genussvoll biss ich in eine Salzgurke. »Was soll daran seltsam sein?«, murmelte ich mit vollem Mund. »Entweder ein wilder Vampir oder einer, der vor Hunger ausgerastet ist … das kommt bei denen oft genug vor. Allerdings hatte da jemand einen besonderen Sinn für Humor. Einen Menschen im sogenannten Vampirschloss für Touristen zu ermorden!«

»Pst.« Swetlana runzelte die Stirn und blickte demonstrativ in Nadjuschkas Richtung.

Voller Eifer machte ich mich ans Essen. Ich liebe knusprige Bratkartoffeln, noch dazu in Gänseschmalz gebraten, mit Speckschwarten und einem Berg Steinpilzen – frischen, wenn gerade die Zeit dafür ist, sonst getrockneten. Alles war in Ordnung, alles lief gut, Mama und Papa unterhielten sich über dies und das, übers Kino und über Bücher, eigentlich gab es gar keine Vampire …

Leider konnte man unserer Tochter nicht weismachen, Vampire existierten nicht. Sie sah sie nämlich ganz vorzüglich. Mit Mühe hatten wir es ihr abgewöhnen können, in der Metro oder im Oberleitungsbus lauthals herauszuplatzen: »Ma, Pa, guckt doch mal, der Onkel ist Vampir!« Glücklicherweise schrieben die Fahrgäste dergleichen stets kindlicher Einfalt zu, aber gegenüber den Vampiren brachte es uns natürlich in eine peinliche Lage. Manche hatten noch nie einen Menschen angefallen, sondern freiwillig immer nur Spenderblut getrunken und ein rundum anständiges Leben geführt. Und dann zeigte in der Menge eine fünfjährige Göre mit dem Finger auf sie und lachte: »Der Onkel ist ein Untoter, läuft aber herum!« Aber was sollten wir tun? Sie bekam immer mit, worüber wir sprachen – und machte sich ihren eigenen Reim darauf.

Diesmal interessierte sich Nadja jedoch nicht für unser Gespräch. Sie setzte nämlich gerade auf ein Häuschen aus gelben Plastiksteinen ein rotes Ziegeldach.

»Ich glaube, irgendein bestimmter Sinn für Humor spielt hier gar keine Rolle«, sagte Swetlana. »Deswegen würde Geser dich sicher nicht durch ganz Europa jagen. Außerdem besteht die Wache in Schottland ebenfalls nicht aus Dummköpfen, früher oder später würden auch sie den Blutsauger finden.«

»Weshalb dann? Über den Jungen habe ich alles in Erfahrung gebracht. Ein guter Kerl, aber kein Heiliger. Und ganz bestimmt kein Anderer. Kein Dunkler hätte Grund, ihn vorsätzlich umzubringen. Der Vater des Jungen hat es abgelehnt, ein Anderer zu werden, arbeitet jedoch inoffiziell mit der Nachtwache zusammen. Ein seltener Fall, aber nicht einmalig. Ich habe alles überprüft: Es gibt nichts, wofür die Dunklen sich rächen müssten.«

Swetlana seufzte. Sie linste zum Kühlschrank hinüber – und die Karaffe kehrte flugs zurück.

Und mit einem Mal wurde mir klar, dass sie sich über irgendwas Sorgen machte.

»Sweta, hast du in die Zukunft geblickt?«

»Ja.«

Auf jene Weise in die Zukunft zu blicken, wie es die Wahrsager oder Scharlatane für sich beanspruchen, ist nicht möglich. Selbst für einen Großen Anderen nicht. Aber man kann die Wahrscheinlichkeit verschiedener Ereignisse abschätzen: Gerätst du in dieser Straße in einen Stau oder nicht? Stürzt dein Flugzeug ab? Kriegst du eine bestimmte Sache hin? Stirbst du oder überlebst du das drohende Chaos? Einfach ausgedrückt: Je genauer die Frage, desto genauer die Antwort. Was erwartet mich morgen? – diese Frage brauchst du gar nicht erst zu stellen.

»Ja und?«

»Dein Leben ist bei dieser Untersuchung nicht in Gefahr.«

»Gut«, meinte ich ehrlich erleichtert. Dann nahm ich das Fläschchen, um Swetlana und mir einzuschenken. »Danke. Das beruhigt mich.«

Wir tranken – und schauten einander entgeistert an.

Dann schossen unsere Blicke zu Nadjuschka hinüber. Unsere Tochter saß auf dem Fußboden, ganz mit ihrem Baukasten beschäftigt. Als sie spürte, dass wir sie anstarrten, fing sie an, leise vor sich hinzusummen: »Lalala, lalala.«

Normalerweise stellen Erwachsene mit solchen Liedchen in Witzen Mädchen dar. Sehr ungezogene Mädchen. Die etwas in die Luft sprengen, zerbrechen oder eine Frechheit von sich geben wollen.

»Nadeshda!«, sagte Swetlana in eiskaltem Ton.

»Lalala …«, steigerte Nadja ihren Gesang. »Was denn? Du hast doch selbst gesagt, Papa soll vor dem Flug nichts mehr trinken. Wodka trinken ist ungesund, das hast du selbst gesagt! Maschas Papa hat auch getrunken, er hat getrunken und ist von zu Hause weggegangen …«

In ihre Stimme schlich sich ein jämmerlicher Unterton.

»Nadeshda Antonowa!«, herrschte Swetlana sie streng an. »Erwachsene Menschen haben das Recht … manchmal … ein Gläschen Wodka zu trinken. Hast du deinen Vater schon mal betrunken gesehen?«

»Am Geburtstag von Onkel Tolja«, antwortete Nadja wie aus der Pistole geschossen.

Swetlana warf mir einen höchst beredten Blick zu. Schuld-bewusst breitete ich die Arme aus.

»Und trotzdem«, beharrte Swetlana. »Du hast nicht das Recht, mit Zauberei gegen deine Mama und deinen Papa vorzugehen. Als ich noch klein war, hätte ich mich so etwas nie getraut!«

»Und Papa?«

»Papa auch nicht. Und dreh dich sofort um! Soll ich etwa mit deinem Rücken sprechen?«

Nadja drehte sich um. Trotzig presste sie die Lippen aufeinander. Nachdenklich legte sie einen Finger an die Stirn. Ich konnte mir kaum das Lachen verkneifen. Kleine Kinder lieben es, solche Gesten zu imitieren. Und es stört sie in keiner Weise, dass nur die Helden aus den Zeichentrickfilmen nachdenken, indem sie den Finger an die Stirn legen, nicht aber die echten Menschen.

»Gut«, räumte Nadja ein. »Mama, Papa, verzeiht mir bitte. Ich werde es nie wieder tun. Ich mache alles wieder gut!«

»Das ist nicht nötig!«, rief Swetlana aus.

Doch es war schon zu spät. Das Wasser, das sich anstelle des Wodkas im Glas befunden hatte, verwandelte sich unversehens in Wodka zurück. Möglicherweise aber auch in Spiritus.

Direkt in unserem Magen.

Ich spürte, wie in meinem Bauch eine kleine Bombe zu explodieren schien. Ächzend stopfte ich mir eine fast kalte Kartoffel in den Mund.

»Anton, jetzt sag doch wenigstens irgendwas!«, verlangte Swetlana.

»Nadja, wenn du ein Junge wärst, würde ich dir jetzt mit dem Gürtel den Popo versohlen!«, beteuerte ich.

»Was für ein Glück, dass ich ein Mädchen bin«, erwiderte Nadjuscha ohne eine Spur von Angst. »Was ist denn nun schon wieder, Pa? Ihr wolltet schließlich Wodka trinken. Also habt ihr ihn bekommen. Er ist schon in euch drin. Du hast doch selbst gesagt, Wodka schmeckt nicht gut, wenn man ihn im Mund hat. Weshalb solltest du ihn also trinken?«

Swetlana und ich sahen uns an.

»Sie behält immer das letzte Wort«, kapitulierte Swetlana. »Lass uns deinen Koffer packen. Soll ich ein Taxi rufen?«

»Nicht nötig«, meinte ich kopfschüttelnd. »Semjon holt mich ab.«

Selbst am späten Abend war die Ringautobahn wie zugestopft. Semjon schien das aber gar nicht mitzukriegen. Ich wusste nicht einmal, ob er sich die Wahrscheinlichkeitslinien kalkuliert hatte oder das Auto einfach mit den Instinkten eines Fahrers mit hundert Jahren Praxis lenkte.

»Dein Erfolg ist dir zu Kopf gestiegen, Anton«, murmelte er, den Blick starr auf die Straße gerichtet. »Warum hast du Geser nicht einfach gesagt: Nein, ich fahre nirgendwo allein hin, ich brauche einen Partner, gib mir Semjon mit …«

»Woher sollte ich denn wissen, dass du Schottland so liebst?«

»Wie, woher?«, empörte sich Semjon. »Schließlich habe ich dir doch erzählt, wie wir im Krieg in Sewastopol gegen die Schotten gekämpft haben!«

»Nicht vielleicht gegen die Deutschen?«, korrigierte ich ihn unsicher.

»Nein, die Deutschen kamen erst später«, meinte Semjon lakonisch. »Ja, dazumal gab es noch Recken … die blauen Bohnen zischten uns um die Ohren, die Kanonenkugeln flogen, an der Sechsten Bastion gab es einen Nahkampf … und wir beide haben uns wie die Idioten mit Magie beballert. Zwei Lichte, nur war er mit der englischen Armee eingetroffen … Wie der meine Schulter erwischt hat! Mit der Lanze der Qual … Da hab ich ihm mit dem Freeze geantwortet, hab ihn vom Kopf bis zu den Zehen eingefroren!« Er nickte zufrieden.

»Und wer hat gewonnen?«, fragte ich.

»Weißt du nicht einmal, wer den Krimkrieg gewonnen hat, oder was?«, ereiferte sich Semjon. »Wir natürlich. Ich habe Kevin gefangen genommen. Später habe ich ihn in Schottland besucht. Das war allerdings schon im 20. Jahrhundert … 1907? Oder 08?«

Er riss das Lenkrad herum und überholte einen sportlichen Jaguar. »Selber Schnecke, du Arsch!«, schrie er durchs offene Fenster. »Und dann noch rumpöbeln …«

»Du blamierst ihn vor seiner Freundin«, erklärte ich, während ich auf den hinter uns entschwindenden Jaguar achtete. »So ein oller Wolga hängt ihn ab!«

»Seiner Freundin gegenüber soll er nicht im Auto den tollen Mann markieren«, brachte Semjon weltmännisch hervor, »sondern im Bett. Da ist es zwar noch peinlicher, wenn er versagt, aber weniger tragisch … Na, egal. Pass auf … wenn du Schwierigkeiten hast, ruf Geser an und bitte ihn, mich dir zu Hilfe zu schicken. Schließlich sind wir Kumpel. Dann gehen wir zu Kevin, sitzen gemütlich zusammen und trinken Whisky. Aus seiner eigenen Brennerei übrigens!«

»Gut«, versprach ich. »Sobald was passiert, lasse ich dich kommen.«

Hinterm Ring wurde es ruhiger. Semjon gab Gas (nie im Leben würde ich glauben, dass unter der Motorhaube unseres Streifenwolgas wirklich der serienmäßige SMS-406 steckte), und fünfzehn Minuten später fuhren wir auf Domode-dowo zu.

»Ach, was hatte ich heute für einen wunderbaren Traum!«, meinte Semjon, während er auf den Parkplatz fuhr. »Ich zuckel durch Moskau, aus irgendeinem Grund in einem schrottreifen Laster, neben mir sitzt einer von unseren Leuten … Und plötzlich sehe ich, dass Sebulon auf der Straße steht. Der, warum auch immer, wie ein Penner aussah. Ich geb Gas und versuch, ihn über den Haufen zu fahren! Aber er hustet mir eins! Und stellt eine Barriere auf! Etwas hebt uns in die Luft, wir machen einen Salto und springen über Sebulon rüber. Dann fahren wir weiter.«

»Hast du denn nicht gewendet?«, fragte ich.

»Wir hatten es eilig«, seufzte Semjon.

»Du solltest weniger trinken, damit du nicht solche Sachen träumst.«

»Aber diese Träume machen mir nichts aus«, meinte Semjon beleidigt. »Im Gegenteil, sie gefallen mir. Wie eine Szene aus einer Parallelwelt … Teufel auch!«

Er trat scharf auf die Bremse.

»Wohl eher sein bevollmächtigter Vertreter …«, meinte ich, während ich dem Chef der Tagwache ins Gesicht blickte. Sebulon stand auf dem Parkplatz – und zwar genau dort, wo Semjon hinfahren wollte. Einladend winkte er uns zu. »Sollen wir deinen Traum Wirklichkeit werden lassen?«, fragte ich. »Was meinst du?«

Aber Semjon stand der Sinn nicht nach Experimenten. Langsam fuhr er weiter, Sebulon wich zur Seite aus, wartete, bis wir zwischen einem dreckigen Shiguli und einem alten Nissan geparkt hatten, öffnete dann die Tür und nahm im Fond Platz.

Dass die Blockierung der Tür nicht funktionierte, erstaunte uns nicht.

»Guten Abend, Wächter«, sagte der Hohe Dunkle leise.

Semjon und ich sahen einander an. Um dann den Blick wieder auf den Rücksitz zu lenken.

»Wohl eher gute Nacht«, bemerkte ich. Selbst wenn Semjon tausendmal mehr Erfahrung hatte als ich – das Gespräch musste ich führen. Als derjenige, der über mehr Kraft verfügte.

»Richtig«, pflichtete Sebulon mir bei. »Das ist Ihre Zeit. Sie fliegen nach Edinburgh?«

»Nach London.«

»Und dann nach Edinburgh. Um den Fall Viktor Prochorow zu untersuchen.«

Zu lügen hätte mir nichts gebracht. Das brachte überhaupt nie etwas.

»Ja, natürlich«, erwiderte ich. »Haben Sie etwas dagegen, Dunkler?«

»Ich unterstütze dieses Vorhaben durchaus«, beteuerte Sebulon. »So seltsam das auch klingen mag, aber ich stelle mich fast nie quer.«

Er trug Anzug und Krawatte, hatte den Knoten allerdings gelockert und den obersten Knopf des Hemds aufgemacht. So dass mit dem ersten Blick unmissverständlich klar war: ein Mensch, der entweder seinen Geschäften nachgeht oder im Staatsdienst steht … Der Fehler läge bereits im Wort »Mensch«.

»Was wollen Sie dann von uns?«, erkundigte ich mich.

»Ich möchte Ihnen eine gute Reise wünschen«, entgegnete Sebulon ungerührt. »Und viel Erfolg bei der Aufklärung des Mords.«

»Was geht Sie das denn an?«, fragte ich nach einer bedrückenden Pause.

»Leonid Prochorow, der Vater des Verstorbenen, ist vor zwanzig Jahren als Anderer identifiziert worden. Als starker Dunkler. Bedauerlicherweise …« Sebulon seufzte. »… wollte er sich nicht initiieren lassen. Er ist ein Mensch geblieben. Dennoch hat er stets gute Beziehungen zu uns unterhalten und uns bisweilen ausgeholfen. Wenn der Sohn eines Freundes von dir von einem kleinen Blutsauger ermordet wird, der die Kontrolle über sich verliert, verstehe ich keinen Spaß mehr. Finde den Kerl, Anton, und lass ihn auf ganz kleinem Feuer schmoren.«

Semjon hatte an meiner Unterredung mit Geser nicht teilgenommen. Aber irgendetwas wusste er über Leonid Prochorow – jedenfalls ließ die Art, wie er sich bestürzt das schlecht rasierte Kinn kratzte, darauf schließen.

»Das habe ich sowieso vor«, meinte ich vorsichtig. »Machen Sie sich da mal keine Gedanken, Großer Dunkler.«

»Aber vielleicht brauchst du unvermutet Hilfe?«, fuhr Sebulon unbeirrt fort. »Man kann ja nie wissen, mit wem man es zu tun bekommt. Nimm das …«

In Sebulons Hand tauchte ein Amulett auf, eine aus Knochen geschnitzte Figur, die einen zähnefletschenden Wolf darstellte. Der Figur entströmte deutlich spürbar Kraft.

»Dies sei dir Verbindung, Hilfe, Rat. Alles zusammen.« Sebulon beugte sich auf dem Rücksitz vor, um mir mit heißem Atem etwas ins linke Ohr zu flüstern. »Nimm es … Wächter. Es wird dir gute Dienste erweisen.«

»Glaub ich nicht.«

»Nimm es trotzdem.«

Ich schüttelte den Kopf.

»Na gut, in Ordnung«, seufzte Sebulon. »Wenn es ohne diese dummen theatralischen Effekte nicht geht … Ich, Sebulon, schwöre beim Dunkel, dass ich mein Amulett Anton Gorodezki, einem Lichten Magier, aushändige, ohne dabei Hintergedanken zu hegen, ohne jedwede Absicht, seiner Gesundheit, seinem Geist oder seinem Bewusstsein Schaden zuzufügen, und ohne eine Gegenleistung einzufordern. Wenn Anton Gorodezki meine Hilfe annimmt, geht er damit weder für sich noch für die Kraft des Lichts oder die Nachtwache verbindliche Verpflichtungen ein. Als Zeichen meiner Dankbarkeit für die akzeptierte Hilfe gestatte ich der Nachtwache Moskaus drei lichte magische Handlungen bis zum dritten Grad einschließlich vorzunehmen, ohne heute oder in Zukunft im Gegenzug ein entsprechendes Zeichen der Dankbarkeit zu erwarten. Möge das Dunkel mein Zeuge sein!«

Neben der Wolfsfigur begann eine dunkle Kugel zu kreisen, ein schwarzes Loch im Miniaturformat, eine direkte Untermauerung des Schwurs durch die Urkraft.

»Ich würde trotzdem nicht …«, setzte Semjon warnend an.

Genau in diesem Moment klingelte in meiner Tasche jedoch das Handy, das sich von selbst auf den Freisprechmodus schaltete. All diese Funktionen benutzte ich niemals: Freisprechanlage, Organizer, Spiele, Fotoapparat, Taschenrechner und Radio. Das Einzige, was ich benutzte, war der ins Handy eingebaute Player. Gut, auch diese Konferenzschaltung mochte durchaus ihre Vorteile haben …

»Nimm es«, sagte Geser. »In diesem Punkt lügt er nicht. Und in welchem Punkt er lügt, kriegen wir schon noch raus.«

Dann brach die Verbindung ab.

Sebulon lachte auf und hielt mir nach wie vor die Figur hin. Wortlos klaubte ich sie vom Handteller des Dunklen Magiers und steckte sie in meine Tasche. Einen Schwur musste ich nicht leisten.

»Also, viel Erfolg«, meinte Sebulon. »Ach ja! Wenn es dir keine Mühe macht, dann bring mir doch aus Edinburgh eine Magnetfigur für den Kühlschrank mit.«

»Wozu?«, fragte ich.

»Ich sammle die Dinger«, erklärte Sebulon lächelnd.

Dann verschwand er. Drang in irgendwelche tiefen Schichten des Zwielichts ein. Natürlich versuchten wir nicht, ihn zu verfolgen.

»Dass ihm das nicht peinlich ist«, bemerkte ich.

»Für den Kühlschrank«, murmelte Semjon. »Ich kann mir schon vorstellen, was er im Kühlschrank aufbewahrt … Einen Magneten! Bring ihm ein Gläschen Strychnin mit! Misch es mit schottischem Haggis und gib es ihm.«

»Huggies sind Windeln«, sagte ich. »Gute, wir haben sie für unsere Tochter gekauft.«

»Haggis ist auch eine schottische Spezialität.« Semjon schüttelte den Kopf. »Obwohl … was den Geschmack angeht … da dürfte kein großer Unterschied bestehen.«

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